Das Vermächtnis des Aequus
25. Celestalis - 12. Spealis 721ThZ
Hinweis:
Dieser Artikel dokumentiert Inhalte aus früheren Spielphasen von EBORIA.
Er dient der historischen Referenz und entspricht nicht dem aktuellen Stand der Weltbeschreibung (Lore).
Inhaltsverzeichnis
- 1 Das Vermächtnis des Aequus
- 1.1 Episode 01: Treffen in Valkenburg
- 1.2 Episode 02: Vorbereitungen und Kriegsrat
- 1.3 Episode 03: Die Fürsten vom Travelwald
- 1.4 Episode 04: Die Reise nach Perlheim
- 1.5 Episode 05: Ankunft in Perlheim
- 1.6 Episode 06: Das Geheimnis des Prokonsuls
- 1.7 Episode 07: Gefangene des Prokonsuls
- 1.8 Episode 08: Aufräumarbeiten
- 1.9 Episode 09: Die Vergangenheit holt jeden ein
- 1.10 Episode 10: Schicksalsboten
- 1.11 Episode 11: Zur grünen Rast
- 1.12 Episode 12: Steine
- 1.13 Episode 13: Vorbereitungen
- 1.14 Episode 14: Der Wächter der Drachenträne
- 1.15 Episode 15: "Meeresrauschen
- 1.16 Episode 16: Nachwirkungen
- 1.17 Episode 17: Einweihungen
Das Vermächtnis des Aequus
Episode 01: Treffen in Valkenburg
25./26. Celestalis 721 ThZ
Die Helden kommen mit einem Portal der Mystiker des Areteischen Ordens in Valkenburg an und Octavia bekommt eine Einführung in ihr Amt als Gesandte des Drachen. Alte Freunde tauchen wieder auf und alle nehmen an einer Sitzung vom Bund des Lichtes teil.
| 25. Celestalis |
Im Monasterium der Mystiker des Areteischen Ordens Im Monasterium des Areteischen Ordens von Freywall war Großmeister Arthas Lichtschlag besonders gut gelaunt, nachdem er erfahren hatte, dass Adarian heute abreisen würde. Er begrüßte die Helden freudig und gab auf ihren Wunsch ein Portal in Auftrag, wozu er kurz fortmusste. Dies dauerte einige Minuten und Lichtschlag lud die Helden währenddessen zu einem Mocca in dem Speiseraum des Tempels ein, wo sie warten konnten. Der Mystiker, welcher das Archiv offenließ, brachte ihnen etwas bedröppelt das Getränk und wünschte Adarian noch eine gute Reise und viel Glück für die Abenteuer. Er selbst erwähnte nochmal, dass er wahrscheinlich noch Wochen mit der Inventur beschäftigt sein werde und es immer noch nicht fassen konnte, wie ihm ein so dummer Fehler unterlaufen und er die Archivtür offenlassen konnte.
Lichtschlag kehrte zurück und sagte, dass alles bereit ist. Bevor alle abreisten, wollte er jedoch mit Adarian unter vier Augen reden. Er sagte ihm, dass er als Held viel von ihm hält und auch weiß, was er für Barthavion getan hatte. Er legte ihm jedoch nahe, mit Archorbar in einer ruhigen Minute erneut über seine Mitgliedschaft bei den Mystikern des Areteischen Ordens zu sprechen. Er meinte, Barthavion braucht tapfere und mutige Helden wie Adarian, aber die Mystiker brauchen disziplinierte und reine Männer, die dem Weltlichen entsagen müssen. Dann klopfte er ihm nochmal zum Abschied auf die Schulter und wünschte ihm alles Gute.
In der Haupthalle der Mystiker hatte sich ein Portal in der Mitte über einem eingelassenen Symbol des Lichts geöffnet, dass von drei herumstehenden Mystikern des Areteischen Ordens durch Konzentration aufrecht gehalten wurde. Lichtschlag stellte sich hinzu und richtete seine Hände auf die Mitte, aus denen ein Lichtstrahl hervorschwall, der dem Portal anscheinend die letzte Aktivierung gab. Lichtschlag schickte nun alle durch und sagte, dass sie schon erwartet würden.
Gespräch mit Archorbar
In Valkenburg wurden die Helden von vier Mystiker des Areteischen Ordens begrüßt, welche das Portal geöffnet hatten. Außerdem stand Wolfhardt direkt vor dem Portal und begrüßte alle im Namen des Bundes des Lichtes. Er sagte ihnen, dass Archorbar bereits auf sie wartet und sich „hier“ in seiner Kammer im Tempel befindet. Während er sprach, wirkte Wolfhardt etwas nervös, zappelte herum und biss sich ungeduldig auf der Unterlippe herum. Es war recht leicht zu erkennen, dass Wolfhardt etwas verheimlicht und ganz aufgeregt war. Als er darauf angesprochen wurde, sagte er, dass es eine Überraschung gäbe und ein Gast von weit her angereist wäre, über den wir uns bestimmt freuen würden.
In Archorbars Kammer stand zuerst nur Rock. Er empfing sie freudig und beglückwünschte alle zu ihrem Erfolg in Freywall (vgl. Kap.19). Er sagte, dass der Vorfall in Freywall leider nicht der einzige war und auch in Valkenburg und Ankarz ebenfalls Angriffe durch die Schwarzmagier erfolgt waren.
1. In Ankarz war ein Übergriff aus Pirlath erfolgt und jemand hatte Dämonen aus der verseuchten Stadt in die umliegenden Ortschaften gescheucht, welche für etliche Tote gesorgt hatten, aber zum Glück von einer Gruppe von Helden aufgehalten werden konnte.
2. In Valkenburg kam es ebenfalls zu einem Angriff mit einem Drachen. Ein dämonischer Reiter – vermutlich einer der Herren des Raumes selbst – erschien mit einem anderen Drachen, einen Knochendrachen, über der Stadt und konnte durch kein Kriegsluftschiff aufgehalten werden. Er richtete große Schäden bei der Flotte an und flog dann direkt auf das Tor von Barthador zu, wo der Herr des Raumes mit seinem gigantischen Schwert, welches aus dem grünen Erz des Mendakos gefertigt zu sein schien, das Wappen vom Tor zum Zwergenreich schlug und es zum Teil zum Einsturz brachte.
Archorbar deutete aus dem Fenster und die Helden konnten das Tor sehen, welches oben zusammengestürzt war und kein Wappen mehr trug. Die Moral war seitdem in Valkenburg sehr gesunken und Angst breitete sich überall aus.
Wiedersehen mit alten Freunden
Archorbar sagte, dass dies erstmal genug an Neuigkeiten sind und es noch sehr viel Zeit zum Austauschen geben würde. Die Helden sollten ihre Fragen und Gedanken gut behalten, da das Treffen mit dem Bund des Lichtes bald stattfinden werde. Vorerst wollte er jedoch jemanden hereinbitten, der den Bund ebenfalls unterstützen werde und extra aus Tyrna dazu angereist ist. Er sagte, dass wir ihn alle kennen würden und besonders Octavia sich freuen werde ihn wiederzusehen. Wolfhardt hüpfte bei den Worten schon unruhig hin und her und rieb sich vor Spannung die Hände. Er ging dann auf Archorbars Zeichen schließlich hinaus und kam mit jemanden hinein, der eine lange thyrnische Robe und einen Stab aus Mithril und Oricalcum mit einem Drachenkopf an der Spitze trug: Iustus Trebatius.
Dieser wandte sich zuerst Octavia einzeln zu und begrüßte sie, indem er sich ganz tief vor ihr niederkniete und sie offiziell und tyrnisch ansprach:
„Ave Draconis, Gesandte Ardera! Mein Freund Flavius Vitreus Elatus lässt euch die besten Grüße übermitteln. Ich stehe ganz zu Euren Diensten!“
Iustus wartete dann ab, bis Octavia ihm ein Zeichen gab, dass er sich wieder erheben konnte, und wandte sich dann wieder allen zu und begann zu sprechen. Er sagte:
„Salvete, ich freue mich euch wiederzusehen. Auch euch lässt Konsor Elatus seine besten Grüße übermitteln.“
Er erklärte dann, dass er nach Valkenburg kam, um den Rat des Lichtes zu unterstützen und damit er seine Astralfallen, wie die Helden sie bereits aus Eldorn kennen und welche er Octavia in Trutz schicken ließ, weiter testen kann, da sie eine große Hilfe im Kampf gegen Dämonen sein können. Er versicherte außerdem, dass er aus eigenen Motiven angereist war und nicht im Dienst des Konsiliums oder des Kaisers nach Valkenburg kam, sondern seine Hilfe selbst angeboten habe und ihm Elatus diese Forschungsreise finanziell ermöglicht hatte, weshalb auch die Magierakademie von Tyrna einverstanden war. Er schwor, dass er nur die Bekämpfung des Bundes des Xul als Ziel betrachtete und er der Gesandten des Drachens dienen möchte.
Während dies alles gesagt wurde, kam von hinten leise eine weitere Person hineingeschlichen, welche allerdings nur von Henk bemerkt wurde. Die Person trug eine Kapuze und ging leise von hinten auf Octavia zu. Diese hatte die Person noch nicht bemerkt und sie berührte Octavia vorsichtig von hinten an der Schulter. Als Octavia sich umdrehte, nahm die Person die Kapuze ab und Octavia sah, dass es Augustus war, der sie sofort wortlos in den Arm nahm und sie still längere Zeit ganz fest an sich drückte und sie anscheinend gar nicht mehr loslassen wollte. Wolfhardt klatschte dabei aufgeregt in die Hände, kicherte wie ein kleines Kind und rief: „ÜBERRASCHUNG!“ Dann erklärte Augustus Octavia, dass dies Wolfhardts Idee war und er hoffte, dass sie sich nicht allzu überrumpelt fühlte. Octavia war jedoch nur überglücklich, dass sie ihren Bruder endlich wieder hatte. Man konnte schnell merken, dass Wolfhardt sich zu einem Fan von Augustus entwickelt hat und ihm kaum von der Seite wich und unglaublich von ihm beeindruckt ist.
Allen fiel schnell auf, dass Augustus sich inzwischen verändert hatte und bei genauerem Hinsehen etwas mitgenommen und müde aussah. Er war dünner geworden, wirkte jedoch nicht schwach dadurch. Seine Haare trug er etwas länger und nicht mehr ganz so militärisch kurz wie früher. Er hatte Augenringe und sah inzwischen einige Jahre älter aus, als er eigentlich war. Sehr ungewöhnlich war, dass er keine offizielle thyrnische Kleidung trug, sondern in sehr schlichter und neutraler, aber trotzdem sehr hochwertiger Kleidung erschien. Zwar besaß er ein thyrnisches Schwert, aber sonst trug er keine offiziellen Symbole des Imperiums.
Dann wandte sich Augustus den anderen zu. Zuerst begrüßte er Adarian mit einem militärischen Handschlag und klopfe ihm auf die Schulter. Er sagte, dass er sich freute, dass Adarian schon seit so langer Zeit treu an der Seite seiner Schwester kämpfte und er froh war, dass sie sich immer noch auf ihn verlassen konnte. Dann wandte er sich an Henk und begrüßte ihn mit einem lockereren Handschlag, musterte ihn kurz nachdenklich und sagte ihm, dass er sich sehr verändert hatte, seit er ihn das letzte Mal in Parlainthium Novum sah und er irgendwie jünger wirkte. Henk erwiderte daraufhin lachend, dass er sich auch freut und dass Augustus hingegen irgendwie älter wirke. Dann ging er zu Kenji und machte eine tiefe Verbeugung vor ihm. Er sagte ihm, dass er sich besonders freute, ihn wiederzusehen, da ihn sein Gesicht an die guten alten Zeiten in Perlheim erinnerte und er zu den wenigen Freunden der Familie zählen würde, die ihm und Octavia aus der Vergangenheit geblieben waren. Auch Kenji freute sich und erzählte von dem Tag, als er Augustus zum ersten Mal in der Villa des Aequus gesehen habe.
Das Testament des Aequus Nachdem Augustus begrüßt wurde, ergriff Archorbar das Wort und sagte, dass es einen wichtigen Grund gibt, warum die beiden Thyrner nach Barthavion kamen. Er blickt zu Augustus, der ein Pergament aus seiner Tasche holte und es Octavia wortlos übergab. Es war das Testament von Aequus und Octavia wurde vom Kaiser zur rechtmäßigen Erbin des Besitzes und der Residenz in Perlheim ernannt. Auf Nachfrage, warum Augustus nicht der Erbe war, deutete er kurz an, dass ihm dieses Recht nicht mehr zusteht und er sagte, dass er später erklären würde, warum dies so war. Für Menschenkenner wurde hier sehr deutlich, dass Augustus dieses Thema wohl sehr unangenehm war. Daher lenkte er davon ab, indem er gleich weitersprach und erzählte, dass es gerade sehr wichtig wäre, in die alte Bibliothek zurückzukehren, da dort Wissen verborgen läge, welches entscheidend für den Krieg gegen den dunklen Bund sein würde.
Augustus erläuterte, dass in Thyrna bereits ein Streit im Konsilium darüber ausgebrochen war, ob man Barthavion beim Kampf gegen den Bund von Utukk‘Xul unterstützen sollte, da viele den Bund als ein Resultat der Plagen und damit als ein Problem von Barthavion sähen. Da in Thyrna noch sehr viele Menschen davon ausgingen, dass die Plage eine Strafe der Götter für die Bewohner von Barthavion war, wobei sie sich auf eine alte Legende der Elben bezogen, wollten sie nicht helfen, da sie meinten, dass Barthavion selbst verantwortlich für die Situation war. Viele gehen davon aus, dass die dunkle Bruderschaft deshalb auch nie eine Gefahr für Thyrna werden könnte, da die Menschen dort mit mehr Anstand und den Göttern gefälliger leben und den Zorn der Götter nicht auf sich gelenkt hätten. Augustus betonte, dass die Frage nach dem Ursprung der Plage schon lange ein Streitthema bei der Situation mit Barthavion war und deshalb sein Vater nach dem Ursprung forschte, da er Beweise dafür fand, dass die Thyrner selbst mit ihrem Angriff auf Valkenburg und ihrem Portalzauber Auslöser für die erste Plage waren. Würde man dies endlich beweisen können, würde Thyrna sich in einer Schuld befinden, welches sie aus Ehre dazu verpflichten würde, Barthavion in seinem Kampf bedingungslos zu unterstützen. Deshalb besteht er darauf, dass Octavia nach Perlheim reist, um ihr Erbe anzutreten und damit sie die Beweise aus der Bibliothek holen und nach Valkenburg zu dem thyrnischen Botschaftern bringen kann, die sich zurzeit noch in den Verhandlungen mit dem Kriegsrat befanden. Iustus war bereits über die Arbeit von Aequus informiert und befähigt, die Forschungsarbeiten auszuwerten.
Archorbar fügte hinzu, dass die Hilfe von Thyrna absolut notwendig war, da der Feind so stark ist, dass Barthavion keine Chance haben wird. Deshalb unterstützte er diesen Plan und bat die Helden sich nach Perlheim zu begeben, sobald das Treffen des Lichtes und die Gespräche mit dem Kriegsrat vorüber waren. Außerdem sagte er, dass der Kriegsrat bereits nach einem Termin suchte, um mit dem Helden zu sprechen. Wenn dies geschähe, sollten die Helden ihre Pläne ansprechen und den Zwergenkönig bitten, dass die Abstimmung über den gemeinsamen Krieg gegen den Bund von Utukk‘Xul so lange aufgeschoben wird, bis die Beweise aus Perlheim eintreffen. Archorbar erklärte, dass die Situation zurzeit sehr gespannt war und nicht nur die thyrnischen Botschafter einer Zusammenarbeit skeptisch gegenüberstanden, sondern auch einige Anführer im barthavischen Kriegsrat. Da der Zwergenkönig jedoch auf der Seite der Helden war, wird er den Ratsmitgliedern die Relevanz der Thyrner noch bewusstmachen können. Über die thyrnischen Botschafter sollten die Helden sich von Augustus und Iustus informieren lassen, da sie viel Wissen über sie besaßen. Da die Verhandlungen sehr zäh liefen und es noch Tage oder sogar Wochen dauern könnte, bis überhaupt erstmal der Friedensvertrag ausgehandelt würde, standen die Chancen ganz gut, dass die Abstimmungen über ein Kriegsbündnis gegen den Bund des Xul sich noch lange hinauszögerten.
Der Feldherr von Sabaoth
Noch stand die Befürchtung im Raum, dass es sich bei Sabaoths Feldherrn um Augustus handeln könnte. Doch dieser versicherte sofort, dass es unmöglich sein kann, da er nie wieder auf Sabaoths Lügen hereinfallen würde. Dabei konnten alle eine stahlharte Entschlossenheit in seinem Blick bemerken und sehen, wie er seine Hände dabei zu Fäusten ballte. Augustus versuchte dann schnell, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Auch Archorbar betonte, dass er es für unwahrscheinlich hält, dass Sabaoth es auf Augustus abgesehen hat. Dieser müsste sich ja freiwillig unterwerfen, denn als willenloser Untoter hätte er keinen Wert für Sabaoth als Feldherr, falls er versuchen würde, ihn zu töten und wiederzuerwecken.
Archorbar wies außerdem darauf hin, dass in Barthavion niemand etwas von Augustus Vergangenheit wusste und auch nicht wissen sollte. Allein das Wort „Principus Mortis“ - Augustus blickte bei diesem Wort beschämt zu Boden - würde bei vielen noch Angst und Schrecken auslösen und es wäre besser, wenn alle denken, dass dieser Feldherr Geschichte war, was ja auch stimmte. Augustus nickte daraufhin bestätigend.
Archorbar berichtete schließlich, was der Bund des Lichtes über den Feldherrn herausbekommen hatte. Darrow hatte berichtet, dass Sabaoth seit einiger Zeit nach einem alten Feldherrn der Elben aus der Vorzeit von Uselias forschen ließ. Dieser habe einst die Seite gewechselt, um dem Verijgorn zu dienen und habe in seinem Namen während des Schwarzen Zeitalters für enorme Zerstörung in dem Gebiet von Eboria gesorgt, in welchem sich heute auch Barthavion befindet. Da Sabaoth auch wie besessen an seinen Wiedererweckungszaubern arbeitete, ging Darrow davon aus, dass er diesen mythischen Feldherrn wiederbeleben will, damit er ihm als oberster Feldherr für seinen Angriff auf Barthavion dient. Archorbar sagte, dass er sich bereits in Nachforschungen über diesen urzeitlichen Feldherrn befindet und uns mehr sagen kann, sobald die Elben aus Galad Sidh eine Nachricht zurücksenden.
Über einen Ort namens L'yreh gab es bis jetzt noch keine Informationen und auch Darrow konnte nichts dazu sagen. Er werde aber persönlich noch weitere Recherchen anstellen, erklärte Archorbar. Es gäbe aber dank Darrow noch viele neue Erkenntnisse über den Bund von Utukk‘Xul und er stellte diese gerade in einer Mappe zusammen, um sie den Mitgliedern des Bundes des Lichtes zukommen zu lassen. Jedoch sollten sich die Helden nun zuerst zurückziehen und sich auf die Gespräche mit den thyrnischen Botschaftern vorbereiten, da die Unterstützung Thyrnas von entscheidender Bedeutung sein wird, wenn der Krieg mit der dunklen Bruderschaft ausbricht. Augustus und Iustus könnten ihnen genaueres über die Botschafter erzählen. Alle müssten nun versuchen den gemeinsamen Feind im Auge zu behalten und eine Zusammenarbeit zwischen dem barthavischem Kriegsrat und den thyrnischen Botschaftern zu erreichen.
Ein Mystiker des Areteischen Ordens kam herein und teilte ihnen mit, dass Besucher die „Gesandte Ardera und ihre Gefährten“ sprechen möchten und in der Haupthalle warteten. Archorbar erklärte, er werde nun das Treffen vorbereiten und Wolfhardt vorbeischicken, sobald alle Termine geregelt wurden. Dann wandte er sich noch kurz an alle und ermahnte sie, nicht zu unterschätzen, welch wichtige Rolle Octavia nun als Gesandte des Drachens spielen werde, und er bat sie sich dessen bewusst zu sein. Dann ging er, ohne dass jemand großartig antworten konnte, und wandte sich an Adarian. Er bat, dass Adarian ihn am Abend noch einmal besuchen kommen sollte, da er mit ihm persönlich sprechen möchte.
Treffen mit Gaia Tarratia
In der Haupthalle stand die Drachenpriesterin Gaia Tarratia mit ihren drei kindlichen Mystikerinnen, die trotz ihres jungen Alters einen Ausdruck wie erwachsene, ernste Frauen besitzen. Gaia begrüßte Octavia offiziell und mit Hochachtung und auch die Mädchen verbeugten sich vor ihr und hauchten ein „Ave Draconis, Gesandte Ardera!“ aus. Dann hob Gaia ihren Drachenstab empor und sagte zu der gesamten Gruppe:
„Ich grüße euch, tapfere Helden, in Namen unseres großen Draidors, unserem göttlichen Kaiser und Vater unseres Imperiums, dem erhabenen Aurex!“
Daraufhin verbeugten sich alle Drachenpriesterinnen erneut und auch die kleinen wiederholten im Chor:
„Wir grüßen euch, tapfere Helden!“
Sie nahm die Helden, Augustus und Iustus anschließend zu einem Gespräch zur Seite und die Mystiker des Areteischen Ordens brachten sie dazu in einen separaten Besprechungsraum.
Die Priesterin offenbarte den Helden nun, welche große Berühmtheit sie bereits im Imperium erlangt hatten. Nachdem der Krieg beendet wurde, wollte das ganze Volk mehr über die Umstände erfahren und auch über den Bund des Xul und die Gesandte des Drachens, die sich von einer Volksverräterin zu einer beliebten Figur in zahlreichen Geschichten verwandelt hatte. Auch die tragische Geschichte um den Tod ihrer Familie, das Exil ihres Bruders und das Leid, welches sie durch den Verräter Spurius Iunius erfahren musste, hatte viele Menschen sehr berührt und sie fieberten regelrecht mit dem Schicksal der jungen Heldin mit, die allen Widerständen in einem dämonenverseuchten und barbarischen Land trotzte. Octavia wird von vielen als eine Auserwählte der Götter verehrt.
Gaia erzählte, dass die Geschichten von Octavia, ihren Abenteuern und der Drachenträne in aller Munde waren und dass sie vielen Menschen im gesamten Imperium Hoffnung gaben, dass die Gefahr in Barthavion gebannt werden könnte. Auch für Octavias Gefährten sprachen die Menschen in Thyrna Gebete aus und interessierten sich für die heldenhaften Barbaren. Gaia entschuldigte sich bei den Helden, als sie diesen Begriff benutzte, und betonte, dass sie es nicht abwertend meinte.
Octavias Beliebtheit ist in der Bevölkerung also sehr groß, jedoch gäbe es unter den Konsoren einige Politiker, die ihr misstrauisch gegenüberstehen. Sie zweifeln an der Gefahr des Kultes des Xul für das Imperium und auch daran, dass Octavia einem göttlichen Auftrag folgte. Einige von ihnen bezogen sich auf eine alte Elbenlegende, welche sagte, dass das uralte Grauen in Barthavion nicht ohne Grund immer wieder ausbrach und die Menschen es durch ihr Verhalten heraufbeschworen haben. Diese Konsoren behaupteten, dass Thyrna sich nicht einmischen sollte, wenn es sich um eine Strafe der Götter handelte. Außerdem war bis jetzt kein Fall im Imperium selbst bekannt geworden, hinter dem der Bund von Utukk‘Xul offiziell steckte und so glaubten sie, dass Thyrna sicher vor Dämonen war und nur Thyrner in Barthavion bis jetzt verdorben wurden.
Da Gaia jedoch nicht daran glaubte, dass die Barthaver durch moralische Verfehlungen selbst schuld an den Plagen waren, fand sie es sehr wichtig, dass die Gefahr bekämpft wird, bevor sie das Imperium erreicht. Sie erklärte, dass diese Frage nach dem Ursprung der Plage gerade zu einer großen Spaltung im Konsilium führte und dass selbst unter den Drachenpriesterinnen verschiedene Meinungen darüber existierten. Leider hatte sie auch keine Beweise, sagte aber ihre volle Unterstützung zu, wenn es darum ginge, welche aus Perlheim zu beschaffen. Sie betonte auch, dass der Rat vorher nicht abstimmen dürfe, und sie ebenfalls alles tun werde, um die letzte Abstimmung zu vertagen, bis die Beweise da sind.
Deshalb war es auch wichtig, wie Octavia sich nun vor den Botschaftern präsentierte, denn ihr Auftreten konnte vielleicht das Urteil der Botschafter auch mit beeinflussen. Dann klatschte sie kurz in die Hände und plötzlich kam von draußen ein Bediensteter herein, der einen weißen Kasten aus Elfenbein trug, der mit einem goldenen Drachen verziert war. Er verbeugte sich stumm vor Octavia und überreichte ihr den Kasten. Gaia sagte, dass Octavia diesen in einem Nebenraum öffnen sollte und schickte sie gemeinsam mit ihren drei Mystikerinnen hinaus. Octavia zog sich mit Hilfe der Mädchen um und war kurz fort. Sie kam dann mit einem neuen Gewand zurück. Dieses ist lang und weiß und ähnelt dem von Gaia. Octavia bekam einen Halsschmuck aus Mithril, der mit Gold verziert ist und von einem Drachen und tanzenden Flammen geschmückt ist und einen langen, roten Umhang.
Gaia erklärte, dass dies Octavias offizielles Gewand als Gesandte ist und sie es tragen sollte, solange sie in Valkenburg und an den Verhandlungen beteiligt war. Sie betonte, dass die Botschafter Octavia genau ins Visier nehmen werden und dass es nicht schaden könne, wenn sie sich von ihrer besten Seite zeigt. Gaia selber blieb ebenfalls noch in der Stadt und sie war im Monasterium des Aerteischen Ordens über die Mystiker erreichbar, falls jemand Rat oder Hilfe benötigte.
Der große Platz vor dem Tor von Barthador
Auf dem Weg vom Monasterium der Mystiker des Areteischen Ordens zum Gasthaus sah man, dass das Zwergenviertel mit dem großen Platz und dem Tor nach Barthador inzwischen abgesichert war und Zwergenwachen patrouillieren. Am Rande des Platzes stand eine wütende Menge von Menschen, die immer wieder schrien, dass die Botschafter nach Hause gehen sollten und dass Barthavion keine Thyrner mehr sehen wolle. Man hört laut „Haut ab!“, „Verpisst euch auf eure Insel!“, „Wir brauchen euch nicht!“ etc. Vor dem großen, zerstörten Tor lagen Blumen und einige Mystiker standen betend davor und baten das Licht um Hilfe und Hoffnung für Barthavion.
Henk und Adarian gelang es schließlich die Meute zu beruhigen und sie dazu zu bringen, nach Hause zu gehen.
Ankunft in der „Roten Erde“
In der Roten Erde freuten sich alle die Helden wiederzusehen und der Gastwirt tischte ein großes Mahl für die Königsretter auf. Augustus und Iustus waren ebenfalls in dem Gasthaus untergekommen und nun war Zeit, um sich zu unterhalten und etwas über die Botschafter zu erfahren.
Augustus und Iustus berichteten, was sie über die Botschafter wussten. Sie fassten zusammen, dass drei Botschafter mit ihnen angereist waren, die verschiedene Positionen des Konsiliums vertraten.
1. „Ancus Aponius Fiderian“, der mit Barthavion gemeinsam gegen den Bund des Xul kämpfen möchte und sich der Gefahr für ganz Eboria bewusst ist.
2. „Gaius Prudius Consideratus“, der sich noch unentschlossen zeigt und daran zweifelt, dass der Bund des Xul Thyrnas Problem ist.
3. „Marcus Sibilus Diffido“, der den Bund des Xul anscheinend für eine Ausrede der Barthaver hält, um sich vor dem Krieg zu drücken.
Bei den Verhandlungen werden sie zu einem einheitlichen Entschluss kommen müssen, wenn es um den gemeinsamen Krieg gegen den Bund des Xul geht. Die Verhandlungen liefen zurzeit schleppend und nur einer der Botschafter sah die Notwendigkeit für eine Zusammenarbeit. Beim Essen enthüllten die Beiden noch weitere Details über die Botschafter, welche ihnen auf ihrer langen Anreise zu Ohren gekommen waren.
Geschenke aus Thyrna
Augustus ging nach dem Essen kurz auf sein Zimmer. Während seiner Abwesenheit erzählte Iustus den Helden vertraulich, dass Augustus sehr viel durchgemacht habe und nach seinem Exil ziemlich am Ende war. Außerdem wurde er vom Kaiser verbannt, da das thyrnische Gesetz ihn als Deserteur und Mörder eines Vorgesetzten eigentlich nur die Todesstrafe geblieben wäre. Zusätzlich hatte Augustus die gesamte Schuld für die vorgetäuschte Entführung und den Tod von Octavia und dem Dämon an ihrer Hochzeit auf sich genommen. Das Urteil des Kaisers war dementsprechend ein sehr gnädiges, da viele Konsoren nach seinem Tod schrien. Nun besitzt er keine Rechte mehr in Thyrna, darf nicht erben, nicht heiraten und seine Nachkommen würden nicht mehr als Thyrner gelten. Iustus erklärte, dass Augustus dies alles sehr unangenehm sei und die Helden ihn nicht unbedingt darauf ansprechen sollten, da ihn dies nur unnötig quälen würde.
Augustus kam schließlich mit einem großen Geschenkkorb zurück, den er Octavia überreichte. Im Inneren befanden sich einige Geschenke aus der Heimat von Octavias Großmutter, Tante und ihrer Cousine Silvia, die inzwischen mit einem bekannten Konsor verheiratet ist und den Tod ihres Vaters Silvius Insidiae schon lange überwunden hatte. Octavia bekam z.B. seltenes Gebäck aus schneeweißem Mehl, Süßigkeiten aus leuchtend-bunten, kandierten Früchten und Honig, die Octavia in ihrer Kindheit geliebt hatte etc. oder andere exotische Köstlichkeiten aus der Heimat, die in Barthavion fast unbekannt sind. Außerdem hatte ihre Großmutter darauf bestanden, dass Octavia wieder mit dem Lyraspiel anfängt, da sie ihr damals immer so gern zugehört hatte. Augustus hatte zwar versucht der alten Frau bewusst zu machen, dass Octavia keine Zeit zum Musizieren haben würde, aber sie hatte darauf bestanden, dass er ihr eine kleine, traditionelle Lyra aus der Heimat mitbrachte und Octavia wenigstens zur Entspannung hin und wieder darauf spielte. Augustus erzählte auch, wie stolz der Rest der Familie auf Octavia war und dass sie mit ihren Gebeten und Wünschen bei ihr waren.
Augustus übergab Adarian nun auch das Paket von Inanis, welches er ebenfalls aus seinem Zimmer mitgebracht hatte. Er erklärte Adarian, dass dies ein Geschenk von Salvius Tuscus war, und er gestand ihm, dass er es zuerst nicht mitbringen wollte, da die beiden nicht im besten Verhältnis zueinander standen und schon lange nicht mehr miteinander geredet hätten. Da Salvius ihn aber fast schon darum angebettelt und anscheinend einen Narren an Adarian gefressen hatte, ließ er sich schließlich dazu breitschlagen, den Brief zu überbringen. Augustus warnte Adarian, dass Salvius zwar ein sehr einnehmendes Wesen besitzt und er auch aus eigener Erfahrung wusste, dass man sich mit ihm auf Feiern in einem hohen Maße amüsieren konnte, dass sich Adarian aber niemals auf Salvius verlassen sollte, da dieser Narziss sich für keinen Menschen außer sich selbst interessiert.
Das Paket von Inanis enthielt einen eleganten Kasten aus einer Adarian unbekannten, rötlichen Holzart und eine kleine Schriftrolle, die mit einem Wachssigel verschlossen war. Beides war mit einer roten Schleife dekorativ umwickelt. Die Schriftrolle schien ganz leicht parfümiert zu sein. Im Kästchen lag auf einem roten Samtkissen gebettet eine kleine Bronze-Statuette in der klassischen Haltung des Mirtis, jedoch mit dem Kopf von Adarian.
In Thyrna war es Brauch, dass die Männer ihren Genius als eine kleine Statuette darstellen. Häufig besaßen die Köpfe dabei realistische Portraitzüge, der Körper und die Pose waren meist dem traditionellen Götterkanon nachempfunden und rein idealisiert. Diese Statuetten tragen die Männer als eine Art Talisman immer bei sich und er dient ihnen beim Gebet als Vermittler zu den Göttern oder als Schutzgeist im Kampf und Folgegeist auf Reisen.
Adarian ließ den Brief von Inanis zunächst von Henk übersetzen, welcher ihn aber an Kenji weitergab, welcher ihn dann letztlich laut am Tisch vortrug. Adarian wurde dabei an einigen Stellen leicht rot, was aufmerksamen Beobachtern nicht verborgen blieb.
Gemellus Autronius
Nach einiger Zeit kam ein junger, arrogant wirkender Thyrner, vielleicht um die 12-13 Jahre alt, herein. In seinem Alter stand er vermutlich kurz vor seinem Kriegsdienst. Er wurde von zwei privaten Sklaven-Leibwachen aus dem Imperium begleitet. Einer davon ist ein gewöhnlicher Al-Dhagar, der andere ist so dunkelschwarz, wie man es sonst noch nie in Barthavion gesehen hat. Von dem gebildeten Iustus erfahren die Helden später, dass dieser Leibwächter von einem fremden Kontinent namens „Nigor“ stammt. Dieser soll noch weit im Osten hinter Ishtur liegen und man sagt, dass er nicht nur schwarze Menschen beheimatet, sondern auch er soll auch die Heimat aller Orks sein.
Gemellus begrüßte Octavia mit „Ave Draconis, meine Gesandte!“ und verbeugte sich kurz. Er blickte kurz nach hinten und der Ishturi trat vor, verbeugte sich vor allen Helden und begann auf Barthavisch zu sprechen:
„Dies ist Gemellus Autronius, Sohn des ehrenwerten Konsors Publius Autronius Tardo!“
Dann tritt er wieder zurück und Gemellus verbeugte sich in die Runde und sagt kurz: „Salvete!“ Er begann auf Thyrnisch zu sprechen und wandte sich an Octavia. Sein Übersetzer übersetzte vor allen für Adarian das Ganze ins Barthavische. Er sagte, dass er schon viel über sie gehört habe und er ihre Geschichten mit großem Interesse verfolgen würde. Er würde deshalb gern wissen, ob die „Glutgeborene“ oder die „Flammentochter“, wie man sie überall nennt, tatsächlich eines Tages die weißen Drachen nach Eboria zurückbringen würde und ihren Geist wiederbeleben könnte?
Hier fehlt noch Octavias Antwort
Dann musterte er Adarian und erwähnte, dass man in Thyrna behauptet, dass er größer als ein Nemorer sei und dass er deshalb gerade etwas enttäuscht ist, dass er höchstens die Größe eines durchschnittlichen Cael habe. Gemellus wollte aber wissen, wie Adarian mit seinen übermenschlichen Kräften es ganz allein geschafft hatte, die Stadt Loderis einzunehmen. Er hörte sich Adarians Geschichte dazu zunächst neugierig an. Als Adarian aber nicht etwas log und die Geschichte aufbauschte oder spektakulär erzählte, verlor Gemellus schnell das Interesse und wandte sich Henk zu.
Er sprach Henk an und meinte, dass er bestimmt stolz sein müsse, es so weit gebracht zu haben, schließlich dürften nicht viel Freigelassene an der Seite von Helden reisen. Gemellus wollte auch wissen, ob Henk nun auch den Beinamen „Libertus“ angenommen hätte, wie es für Freigelassene im Imperium üblich ist, und ob dies nun die richtige Anrede für ihn sei. Gemellus gab sich dabei naiv und neugierig und wahrte vollkommen die Etikette. Henk bemerkte aber, dass Gemellus subtil herumstichelte und sich über ihn lustig machte.
Gemellus sprach mit Kenji nicht, sondern begrüßte ihn nur höflich. Vielleicht wollte er einen Erzquestor nicht verärgern, weil er genau wusste, dass er dann furchtbaren Ärger mit den Botschaftern bekommen würde.
Plötzlich kam der Gastwirt an und hatte eine sehr demütige Haltung, verbeugte sich ganz tief vor Gemellus und wendete sich dann an seinen Dolmetscher. Er sagte:
„Entschuldigt bitte! Das Bad für den jungen Herrn ist nun bereitet. Diesmal haben wir einige Eimer Wasser von Hand aufgekocht, die Temperatur sollte ihm also nun zusagen. Es tut uns sehr leid, dass unsere Wasserversorgung seinen Ansprüchen nicht genügen konnte!“
Gemellus verabschiedete sich daraufhin mit der Bemerkung, dass sein Bad diesmal hoffentlich nicht wieder nur lauwarm wäre. Das fließende Wasser aus den Leitungen hätte für ihn nicht annähernd die gewohnte Wärme, wie er es aus Thyrna kenne. Dann stöhnte er weiter und beschwerte sich, dass die Betten auf seinem Zimmer ebenfalls so furchtbar kratzig waren. Augustus und Iustus fragte Gemellus noch, ob ihre Zimmer auch in einem so desolaten Zustand wären. Augustus und Iustus sahen sich fragend an, zuckten mit den Schultern und verneinten dann. Sie wären mit dem Gasthaus und ihren Zimmern sehr zufrieden, betonten die beiden. Der Junge seufzte nur und ging. Im Fortgehen sagte er zu seiner Leibwache noch:
„Das beste Gasthaus in Stadt? Das ich nicht lache… Ein Schweinestall ist das!“
Kaum war Gemellus verschwunden, erzählte Augustus, dass dieser Junge der Geliebte und Schüler von dem Botschafter Fiderian war. Seit einiger Zeit war in Thyrna die alte Form der Knabenliebe wieder in Mode gekommen, die unter Pacator verboten war, und viele Jünglinge suchten inzwischen wieder Aufstiegschancen durch ältere Gönner. Diese Verbindungen beruhten für gewöhnlich auf Freiwilligkeit und der junge Gemellus hatte den alten Botschafter ziemlich um den Finger gewickelt. Wenn man dem Getratsche von Botschafter Diffido über Fiderian, welches dieser auf der gemeinsamen Reise nach Barthavion ständig ungefragt von sich gab, Glauben schenkt, dann sollte sogar seine Frau und seine heimliche Geliebte, die wiederum die Frau eines anderen bekannten Konsors ist, bereits eifersüchtig auf den Knaben sein. Fiderian hingegen ging davon aus, dass Diffido nur aus politischem Kalkül über seinen Liebling schlecht redete und er den moralischen Botschafter Consideratus gegen ihn aufbringen wollte. Dieser lehnte den Brauch der Knabenliebe streng ab und als strenger Moralist wollte er am liebsten strenge Sittengesetze in Thyrna erlassen, da seiner Meinung nach der Anstand und die Tugenden in der Hauptstadt inzwischen mit Füßen getreten wurden. Während der Reise nach Barthavion hatte sich Gemellus als ein ungezogener und unverschämter Bengel präsentiert und Augustus merkte abschließend noch an, dass er ihn immer ein wenig an den überheblichen Salvius von früher erinnerte, woraufhin Iustus ihm zustimmte.
Kenjis Bitte an Augustus
Nach dem Essen bat Kenji Augustus um ein Gespräch unter vier Augen. Er wies Augustus darauf hin, dass beide die gleiche Schwachstelle besitzen würden, nämlich Octavia. Kenji wollte wissen, ob sich Augustus darüber bewusst ist, dass einmal etwas Schlimmes passieren könnte in Bezug auf Octavia. Kenji wollte sicherstellen, dass Augustus dann wüsste, wie er damit umzugehen hätte. Dieses Gespräch stellte einen deutlichen Wandel in der Beziehung der beiden Männer dar. Kenji offenbarte, dass er lange Zeit während der Reise in den Norden fest damit rechnete, für Octavia sein Leben zu geben. Er versuchte, Augustus begreiflich zu machen, dass er die unbedingte Bereitschaft dazu hoch schätzte, aber man diese nicht mit dem Egoismus verwechseln durfte, unbedingt einen sinnlosen Märtyrertod sterben zu wollen.
Augustus erwiderte darauf, dass er verstehe, was der Questor damit sagen wollte. Er habe im Exil eine schwere Phase durchgemacht, aber sich entschieden, auch für Octavia leben zu wollen. Trotzdem habe er entschieden, nie wieder für die Schwarzmagier arbeiten zu wollen, unter keinen Umständen. Daher sei die Entscheidung, sollten diese ihn eines Tages mit Octavia erpressen wollen, klar. Kenji glaubt, Augustus wüsste seit diesem Gespräch von seinen tiefen Gefühlen für dessen Schwester. Doch es scheint, als betrachte Augustus den Questor eher als einen wiedergewonnenen Bruder, weswegen ihm die ohnehin undenkbare Verbindung eines Fremden zu einer Thyrnerin wohl gar nicht ernsthaft in den Sinn kommt und eher einer Schwärmerei gleicht.
Nachmittagsaktivitäten
Anschließend verabschiedete sich Iustus. Er wollte zur Magierakademie von Valkenburg gehen, wo man ihm netterweise Unterstützung angeboten habe, die er zum Bauen seiner Astral-Instrumente benötigte. Er wünschte allen noch einen schönen Tag und sagte, dass man ihn in der Akademie finden kann. Henk sprach ihn schnell noch an und fragte Iustus, ob er sich einmal seine neue Tätowierung ansehen und untersuchen könne, und Iustus bestellte Henk für den Abend zu sich, um mehr Zeit für ihn zu haben.
Am späten Nachmittag kam Wolfhardt ins Gasthaus und hatte ein Pergament in der Hand, welches er auf den Tisch legte und vor allen ausbreitete. Er meinte, dass die ersten Termine für die Versammlung des Bund des Lichts feststünden.
(26. Celestalis 721 ThZ Vormittag):
1. Hartmut Milles berichtet über Werham Glairn
2. Ataragar Hammerright stellt die neusten Mitglieder vor
Gemeinsames Mittagsmahl der Mitglieder
(26. Celestalis 721 ThZ Nachmittag):1. Verlesung des Briefes von Gerbert und Nira
2. Pläne und Ziele
Wolfhardt war ganz aufgeregt und berichtete noch, dass der Kriegsrat die Helden ebenfalls bald sehen wollte und sie sich bei ihnen melden würden. Zurzeit wären sie jedoch noch mit den tyrnischen Botschaftern und den Verhandlungen beschäftigt.
Die Botschafter
Gegen Abend kehrten die Botschafter ins Gasthaus zurück und wandten sich sofort an Octavia und die Helden, welche noch im Gasthaus saßen. Als sie das Gasthaus betraten, befanden sie sich durchgängig in hitzigen Diskussionen, aber ihre Gespräche brachen sofort ab, sobald sie Octavia sahen.
Einer ihrer Gefolgsleute eilte schnell nach vorne und dieser stellte die Botschafter mit Nennung des Namens ihrer Väter der Reihe nach vor, wobei sich die Botschafter bei der Nennung ihres Namens jeweils verbeugten:
„Dies sind die ehrenwerten Legaten und Botschafter unseres erhabenen Drachens und Imperators Lucius Gavius Aurex Draconarius! Zuerst der ehrenwerte Konsor Ancus Aponius Fiderian, Sohn des Velatoren, Feldherrn und Krieghelden Titus Aponius Fiderian! Dann der ehrenwerte Konsor Gaius Prudius Consideratus, ehemaliger Magus Astrorum und Sohn des Velatoren Lucius Prudius Sidereo! Und schließlich der ehrenwerte Konsor Marcus Sibilus Diffido, Sohn des Konsors Quintus Sibilus Praeda!“
Sie begrüßten Octavia überschwänglich und voller Achtung mit „Ave Draconis, Gesandte Ardera!“ und Handkuss und betonten, welch bedeutende, religiöse Person sie durch ihre Heldentaten geworden war, und dass sie derzeit bestimmt die bekannteste Frau Thyrnas wäre. Das Volk würde einfach die tragischen Geschichten über sie und ihren Bruder lieben. Außerdem beglückwünschten sie Octavia für ihre Erfolge in Eldorn und rühmten ihre Heldentaten. Auch die anderen Helden wurden von ihnen freundlich begrüßt.
Fiderian zeigte sich besonders freundlich gegenüber Octavia und erzählte ihr, dass ihr ehemaliger Gatte und derzeitiger Verbündeter Elatus einst bei ihm das politische Handwerk gelernt und er seine ersten Schritte im Konsilium begleitet hatte und er gleich erkannte, dass Flavius ein sehr geschickter Rhetoriker war. Fiderian offenbarte Octavia auch, dass er ebenfalls ein Unterstützer der Arbeit ihres Vaters gewesen wäre und sich damals beim Kaiser dafür einsetzte, dass die Botschafter überhaupt nach Barthavion kamen, um an der Plage zu forschen.
Gemellus stand mittlerweile an der Seite von Fiderian und versuchte einen anständigen Eindruck zu hinterlassen. Jedoch konnte man schnell bemerken, dass er eher gelangweilt und arrogant wirkte und dies auch nicht wirklich verbergen konnte. Solange die Männer redeten, wusste er jedoch, dass er den Mund zu halten hatte. Hin und wieder warf er besonders Henk abwertende Blicke zu.
Die Botschafter wollten politischen Themen aus dem Weg gehen, denn es würde bald noch genug Zeit geben, um über diese Themen zu sprechen und außerhalb der Ratsverhandlungen könnten sie auch keine Stellung beziehen. Sie stellten vielmehr Fragen, die sich um die Gesandte drehten. Sie wollten etwas über ihre Reise in den Norden erfahren und fragten, ob sie die Drachenträne sehen dürfte. Octavia holte sie hervor und jeder Botschafter durfte sie einmal anfassen und in seiner Hand halten. Sie wollten wissen, ob Uselias' Seele tatsächlich in dem Artefakt schlummerte, so wie es die Drachenpriesterinnen behaupten und wie mächtig es denn nun wirklich war. Außerdem wollten sie wissen, ob Octavias magische Fähigkeiten mit dem Artefakt in Bezug stehen und ob es tatsächlich der „Odem der weißen Drachen“ ist, den sie als Magie durch sich wirkte.
Die Botschafter erwähnten, dass sie die Helden noch bei dem offiziellen Treffen mit dem Kriegsrat sehen würden und verabschiedeten sich dann höflich. Beim Weggehen hörte man sie fast sofort wieder weiter diskutieren und man konnte beiläufig hören, dass es anscheinend Probleme mit Graltik und Kratas gab.
Adarians Gespräch mit Archorbar
Nach dem Abendbrot hatte Adarian das Gefühl, dass es nun Zeit war Rock aufzusuchen, und brach zum Monasterium des Ordens auf. Großmeister Archorbar dankte Adarian dafür, dass er die Mitgliedschaft bei den Mystikern des Areteischen Ordens angenommen hat, da er Trutz damit vor einer Katastrophe bewahrt habe. Jedoch betonte er auch, dass Adarian mit vollem Herzen hinter dem Orden stehen muss, wenn er wirklich vorhabe, sich dem Licht zu verschreiben. Archorbar erzählte Adarian von einem Brief von Großmeister Lichtschlag aus Freywall, worin er alles über seine Dienstzeit dort erfahren hat. Adarian blickte schuldbewusst zu Boden und Rock sprach Adarian auf Foxi an und fragte ihn nach seinen Empfindungen für dieses Mädchen.
Archorbar wies Adarian ernst darauf hin, dass es keine leichte Entscheidung ist, ob man Mystiker des Areteischen Ordens sein will oder nicht, und er riet Adarian ausgiebig über seine Entscheidung nachzudenken. Dazu überreichte er ihm einen steinernen Fokus, welcher ein leichtes, magisches Licht verströmt und ein Siegel des Lichtes eingraviert hat. Den Fokus sollte Adarian zum Meditieren nutzen, wenn er sich bereit fühle, seine Entscheidung zu treffen. Rock blickte Adarian tief in die Augen und versicherte ihm, dass er jede seiner Entscheidungen akzeptiert, obwohl er sich natürlich freuen würde, wenn Adarian den Weg des Lichtes einschlüge, da dieser ihm bei seinen Abenteuern auch helfen kann. Falls Adarian sich gegen die Mitgliedschaft entscheiden sollte, versicherte ihm Archorbar, dass er dafür sorge, dass Adarian auf eine ehrenvolle Art aus dem Orden austreten könne, ohne sein Gesicht zu verlieren. Dann entließ er Adarian ins Gasthaus.
| 26. Celestalis |
Frühstück mit dem Prinzen
Die Botschafter brachen ganz früh zu den Verhandlungen auf und verließen ohne zu frühstücken das Gasthaus. Wolfhardt ließ für die Helden ein großes Frühstück vorbereiten und weckte sie zeitig, damit alle pünktlich zum Treffen erscheinen können. Isgar Wintras, der Prinz von Ankarz, speiste mit ihnen und sie unterhielten sich über das bevorstehende Treffen.
Das Treffen des Lichtes - Vormittag
Beim Treffen vom Bund des Lichtes waren alte Bekannte anwesend, aber auch neue Gesichter waren zu erblicken. Einige fremde Abenteurer, welche sich anscheinend kannten, saßen in der Runde. Sie waren ein Ritter, ein Elementarmagier mit runder Kugel auf seinem Stab, eine junge und hübsche Mystikerin der areteischen Schwesternschaft und ein edler Waldläufer oder Jäger. Ansonsten waren schon Hartmut Milles und der „Buchhalter“ Selmard Gending anwesend. Wolfhardt wies den Helden und dem Prinzen ihre Plätze zu und übernahm eifrig die Organisation. Er hatte sogar an etwas zu trinken gedacht. Vorne standen schon die Großmeister Archorbar, Hammerright und Hilligenhain, welche darauf warteten, dass alle einen Platz hatten, und dann im Namen des Lichtes das Treffen eröffneten.
Als erstes sprach Archorbar und hieß alle willkommen. Er lobte die Erfolge der Helden in Freywall und freute sich, dass sie alle lebendig und unversehrt wieder da sind. Alle Anwesenden klatschten und sprachen den Helden ihre Anerkennung aus. Dann gab Archorbar das Wort an Wolfhardt ab, der erneut und sehr stolz die Themen und die Punkte der heutigen Sitzung verlas und schließlich das Wort an Hartmut Milles weitergab, um zu Punkt eins überzugehen.
Hartmut Milles stellte seinen Bericht über Werham Glairn vor und berichtete über die Herkunft und Kindheit des Dämonologen aus Ulnim. Er hatte dazu auch die Akten der Mystiker des Areteischen Ordens durchgesehen und alle möglichen Fälle aufgelistet, welche mit Werham Glairn in Verbindung stehen könnten. Archorbar fügte hinzu, dass er von Darrow gehört habe, dass Glairn einer der stärksten Konkurrenten von Sabaoth in dem Bund von Utukk‘Xul gewesen sei und dass dieser durch dessen Tod nun wahrscheinlich an Einfluss gewonnen habe.
Wolfhardt bat Ataragar Hammerright den dritten Punkt vorzutragen und über die Rekrutierungen zu berichten. Hammerright verbeugte sich erneut vor der Runde und bevor er sprach, begrüßte er alle mit dem Spruch:
„Möge das Licht des Alethons uns Wahrheit und Einsicht bescheren!“
Dann berichtete er davon, dass der Bund seit dem Aufruf des Zwergenkönigs eine Schwemme von Bewerbungen erhielt. Eigentlich sei dies erfreulich, nur stellte sich schnell heraus, dass es sich dabei vor allem um ruhmbegierige Abenteuer oder auch einfache Bauern und Bürger handelte, die dachten, dass sie durch den Krieg Ansehen erlangen können. Viele davon waren naive, junge Männer, die kaum eine Vorstellung davon besaßen, gegen welchen Feind wir überhaupt kämpfen und auch sonst in Friedenszeiten geboren wurden und kaum oder keine Kampferfahrung besitzen. Die meisten von ihnen hatten sich bereits bei den Mystikern des Areteischen Ordens beworben, wo sie jedoch wegen ihrer mangelnden Fähigkeiten abgelehnt wurden. Einige waren deshalb auf die Idee gekommen, den Bund des Lichtes als ein Auffangbecken zu betrachten, in welchem alle unterkämen, die bei den Mystikern des Ordens abgelehnt wurden. Hätte man aber alle aufgenommen, dann hätten man nun eine große Schar von Zivilisten, die eher den Schutz des Bundes benötigen, als im Kampf hilfreich zu sein.
Aus diesen Gründen hatte Ataragar eine Eignungsprüfung eingeführt, die zum einen den Geist der Bewerber auf seine Stärke, aber auch den Körper auf seine Kampferfahrung erprobte. Da der Großangriff der Schwarzmagier - laut den Informationen der Helden - in einigen Monaten stattfinden wird, gab es auch nur wenig Zeit, neue Kämpfer auszubilden. Diejenigen, welche die Prüfungen jedoch bestehen und bereits bestanden haben, werden umgehend zu Egeil nach Trutz geschickt, wo dieser sich bereits hingebungsvoll um deren Ausbildung bemühte. Auch einige der alten Mitglieder waren bereits dort, um ihre Kampfkunst zu verbessern. Dann dankt Ataragar allen für ihre Aufmerksamkeit und erklärte, dass er vorerst in der Gegend bleiben und die Rekrutierung übernehmen werde.
Anschließend stellte Ataragar die neuen Mitglieder vor und nannte dazu zuerst Welger Butt, Fridde Stibbon und Rugbert aus Scol, welche die neue Aufnahmeprüfung bestanden hatten und nun bei Egeil am Trainieren waren. Der Rinderhirte Helmut Winnermann war durch die Prüfung gefallen und wieder nach Hause geschickt worden. Ataragar stellte danach namentlich die vier unbekannten Helden als eine gemeinsame Abenteurergruppe bestehend aus dem Ritter Elbrecht von Altlay, der areteischen Mystikerin Danu Gwenlian, dem Elementarist Shafir al'Alam und dem elfische Jäger Lorion Eibensaat vor, wobei sich der jeweils genannte kurz erhob und sich vor der Runde verbeugte. Dann erwähnte er auch die Unterstützung aus Thyrna und begrüßte den „Magus Astrorum Iustus Trebatius“ und „Octavias Bruder Augustus Octavius“ im Bund. Er dankte ihnen für die weite Reise, die sie auf sich genommen haben, um zu helfen.
Nachdem Ataragar gefragt hat, ob jemand von den Neuen ein Anliegen vortragen möchte, stand zuerst Elbrecht auf und berichtet davon, wie sie im Knochenmoor bei dem alte Elbenheiligtum Minno-Fela auf Mystiker einer dunklen Bruderschaft stießen und es von den dämonischen Invasoren säuberten. Dabei fanden sie auf einige seltsame Siegelringe, welche sie an den Festen der Lichtgötter den Mystikern des Areteischen Ordens in Ankarz zeigten. Diese identifizierten sie als Ringe des Kultes des Xul und berichteten den Abenteurern über den dunklen Kult. Als dann nach dem Lorkanfest Dämonenhorden von Pirlath aus das Land verwüsteten, drängten die vier den Ansturm zurück und retten die Einwohner von Bruntingen. Archorbar lud sie danach zum Bund des Lichtes ein.
Dann stand auch noch Iustus auf und erzählte, dass er bereits seit langen vermutete, dass ein geheimes Netzwerk von Schwarzen Ritualisten auf ganz Eboria operierte und auch im Imperium zu einem Problem wird. Er berichtete von seinen Erfahrungen in Balmar und den dunklen Kultisten, die von einflussreichen Personen und sogar dem Statthalter geschützt wurden (s. Entdeckung eines dunklen Kultes). Dann erzählte er, wie er mit Elatus in Eldorn zum ersten Mal an der Seite der Helden einen offenen Kampf gegen Mordem Blandera austrug und dort sehen musste, wie stark und hinterhältig der Feind ist. Iustus betonte, dass es in Thyrna noch viele Menschen gibt, die an der Bedrohung durch den Bund des Xul zweifeln, dass er aber nach allem, was er erlebt hat, nun all seine Fähigkeiten und sein Leben dafür einsetzen wird, dass sie zur Strecke gebracht werden und deshalb auch dem Bund des Lichtes dienen möchte.
Augustus, der kurz von Hammeright als „Octavias Bruder“ vorgestellt wurde, blieb sitzen und behielt seine Geschichte über den Bund für sich. Es gab auch niemanden, der ihn dazu aufforderte, etwas zu sagen. Menschenkenner konnten auch erahnen, dass es ihm wahrscheinlich sehr unangenehm wäre, seine Geschichte vor allen zu erzählen.
Mittagessen
Dann war Pause und Wolfhardt hatte ein großes Mittagessen vorbereitet. Jetzt war Zeit, sich mit den neuen Helden zu unterhalten und diese waren auch neugierig auf die Helden und wollten unbedingt einiges über sie wissen und löcherten sie mit Fragen. Sie berichten aber auch davon, wie sie sich kennengelernt und zusammengefunden hatten (vgl. Abenteuer im Knochenmoor, Suche nach Minno-Fela, Auf Wanderschaft, Reisezeit).
Das Treffen des Lichtes - Nachmittag
Wolfhardt eröffnete den zweiten Teil der Sitzung und erwähnte, dass nun ein sehr unerfreulicher Teil käme, weswegen er auch erst nach dem Essen vorgetragen werden sollte. Er bat dann Archorbar nach vorn, welcher eine kleine, zerknüllte Notiz dem Buchhalter reichte, welcher sie dann öffnete und langsam und ernst den Brief von Gerbert und Nira vortrug. Anschließend reichte er den Brief herum, damit ihn nochmal jeder selbst lesen und sich bewusstmachen konnte. Die Nachricht traf die Anwesenden schwer und war für viele wie ein Schock. Archorbar betonte abschließend, wie wichtig jetzt das Bündnis mit Thyrna sein werde und das alle Hoffnung nun auf der Vernunft der Botschafter läge und auf den Beweisen, die hoffentlich in Perlheim noch existierten.
Dann rief Wolfhardt zum nächsten Punkt auf und bat Archorbar über die Pläne und Ziele vom Bund des Lichtes zu reden. Archorbar erklärte, dass er hier in Valkenburg bleiben muss, da er in der Hauptstadt am meisten gebraucht werde. Außerdem werde er den Kriegsrat und die Botschafter im Auge behalten. Dann verkündete Archorbar den Anwesenden, dass die Helden gemeinsam mit ihren thyrnischen Freunden aufbrechen werden, um Beweise zu besorgen, welche die Botschafter überzeugen können, dass Thyrna und Barthavion zusammen gegen den Bund von Utukk‘Xul kämpfen müssen.
Daraufhin erhob sich der Prinz von Ankarz und erklärte, dass die meisten Kriegsfürsten von Barthavion bereit wären, ein Bündnis mit den Thyrnern zu riskieren, es aber noch sehr viele Annäherungsprobleme, Vorurteile und Ängste sowohl bei ihnen, als auch bei den Botschaftern gäbe. Isgar versicherte, dass er alles daransetzen werde, dass die Abstimmungen noch so lange vertagt werden, bis die Beweise aus Perlheim eingetroffen sind. Er erwähnte schließlich, dass der Kriegsrat die Helden voraussichtlich erst in zwei Tagen empfangen kann und besonders die Problematik um Kratas und Perlheim zurzeit alles aufhalten würde. Leider werde es noch dauern, bis die Gespräche auf den dunkeln Kult zu sprechen kämen. Der Prinz ging auch davon aus, dass der Zwergenkönig bestimmt offene Ohren für das Anliegen der Helden haben und er die Abstimmungen aufschieben werde, wenn er von den möglichen Beweisen höre.
Elbrecht erhob sich dann und berichtet davon, dass er und seine Gefährten als nächstes erneut in das Knochenmoor aufbrechen werden, um sicherzustellen, dass die Kultisten nicht nach Minno-Fela zurückgekehrt waren.
Damit war das Treffen beendet und Archorbar legte den Helden nahe sich einige Tage Ruhe zu gönnen und sich ausruhen, bevor sie nach Perlheim aufbrachen und mit dem Rat sprachen. Er ging davon aus, dass zurzeit nicht mit neuen Angriffen der Bruderschaft zu rechnen wären, und betonte, dass die Mystiker des Areteischen Ordens ihre Sicherheitsvorkehrungen in allen Städten Barthavions enorm verstärkt haben. Außerdem wies er darauf hin, dass Perlheim keine Mystiker des Ordens und auch kein Portal besäßen und dort zurzeit eine Krisenstimmung herrscht, da die Stadt gerade um ihre Unabhängigkeit kämpft und sich von Thyrna lossagen möchte. Deshalb würde es niemals möglich sein, vor dem Treffen mit dem Kriegsrat schnell die Beweise zu holen. Aber es wäre wichtig, dass die Mitglieder des Kriegsrates so schnell wie möglich von diesen Beweisen erfuhren.
Abschließend kündigte Archorbar an, dass der Bericht des Erlerig Darrow fast verschriftlicht war und den Helden bald zum Lesen überreicht würde.
Nach dem Treffen
Da nach dem Treffen alle Erschöpft waren und niemand mehr etwas unternehmen wollte, gingen die Helden alle früh ins Bett. Anscheinend hatten Iustus und Augustus auch noch etwas zu zweit zu besprechen, denn sie entschuldigten sich deshalb früh und zogen sich auf Iustus Zimmer zurück. Adarian begab sich mit dem Meditationsfokus, welchen er von Archorbar bekommen hatte, auf sein Zimmer und versuchte in der Nacht, mit seiner Hilfe Klarheit über seine Zugehörigkeit zu den Mystikern des Areteischen Ordens zu bekommen.
Episode 01b: Adarians Meditation des Lichtes
26. Celestalis 721 ThZ
Der Held Adarian meditiert über seine Zugehörigkeit zu den Mystikern des Areteischen Ordens. Er erhascht einen Eindruck, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er ohne seine leidenschaftliche Triebhaftigkeit geboren wäre.
| 26. Celestalis |
Adarians Meditation des Lichtes
Als es Adarian in der Nacht gelang, sich in seine Meditation zu versenken, während er das Siegel seines Meditationsfokus fixierte, fiel er in eine tiefe Trance. Alles um ihn herum wurde plötzlich hell und er fühlte, wie er von einem weißen, gleißenden Licht eingehüllt wurde. Dieses trug Adarian weit fort und er fühlte sich, als ob er hoch über der Welt schweben würde.
Karastan
Plötzlich senkte er sich wieder hinab und Adarian sah plötzlich das alte Karburg unter sich, bevor es zerstört wurde. Die große Stadt mit den dicken Festungsmauern war sehr belebt und alle Straßen waren mit Menschen gefüllt, die altertümliche Kleidung trugen, welche aussah wie die der Kaerbewohner, welche Adarian gerettet hatte und dessen König er war. Adarian schwebte weiter auf eine große Burg zu, die anscheinend der Herrschaftssitz der Stadt war. Er sah, dass auf dem höchsten Turm ein großes, goldenes Zeichen Karastans (Irminsul) im Sonnenlicht erstrahlte.
Nach einem unerwarteten, hellen Lichtschwall, der die Sicht völlig nahm, und nachdem das Blenden sich wieder gelegt hatte, konnte Adarian erkennen, dass er sich nun in einem großen Thronsaal befand. Als er sich umblickte, konnte er sehen, dass dieser mit altertümlichen Waffen und Möbeln dekoriert war und überall Banner mit dem Wappen von Karburg hingen.
Adarian erblickte einen großen Thron, auf dem ein sehr mächtig wirkender Herrscher saß. Er näherte sich und erkannte sofort die Rüstung von Karastan, in welcher dieser „König“ gekleidet war. Als er Adarian erblickte, machte er ein Zeichen, dass Adarian näherkommen sollte. Er sah, dass der Herrscher aufstand und genauso aussah, wie Adarian sich Karastan immer vorgestellt hatte.
Karastan verbeugte sich vor Adarian und sprach:
„Sei gegrüßt, Adarian, du Held aus Trutz! Vermutlich brauche ich mich dir nicht vorzustellen.“
Karastan lächelte ihn wissend und freundschaftlich an.
„Ich bin hier, um dir zu helfen, mein Freund. Ich weiß von deinem inneren Konflikt und du fragst dich, ob du weiterhin dem Licht dienen und dein Leben dem Dienst der Schutzgötter verschreiben möchtest, nicht wahr?“
Adarian antwortete:
"In der Tat bin ich mir nicht sicher, ob der Weg des Lichts mein Weg ist. Ich wünschte es mir, aber in mir nagt eine große Unsicherheit. Ich habe eine Frau kennengelernt, die mir sehr viel bedeutet, wegen der ich allerdings auch meinen Dienst als Mystiker auf unverzeihliche Art und Weise missachtet habe. Aber da ist auch noch etwas anderes. In manchen Kämpfen verfalle ich in eine Art Raserei und ich bin dann nicht mehr Herr meiner Sinne und schlage auf alles ein, was sich mir in den Weg stellt. Ich empfinde dann auch keinen Schmerz mehr. Ich habe dadurch auch schon einige Male meine Gefährten in Gefahr gebracht.
Ein Schwarzmagier flüsterte mir ein, dass dies ja gerade die Attribute des Dämons Azeruel wären und das ist etwas, worüber ich im Stillen immer wieder nachdenken muss. Das sind allerdings auch Gedanken, denen ich mich nicht gerne stelle.
Als ich von euch hörte, werter Karastan, dass unsere Schicksale verknüpft waren oder es auch sind, wünschte ich immer so zu sein wie ihr. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das erfüllen kann oder überhaupt erfüllen muss. Ob mein Schicksal nicht vielleicht ein ganz anderes ist. Ich wäre euch zutiefst dankbar, wenn ihr mir helfen könntet, diesen inneren Konflikt zu lösen."
Adarian verneigte sich danach tief vor Karastanund dieser hörte ihm aufmerksam zu. Dann antwortet er:
„Adarian, als ich den Orden gemeinsam mit Archorbar gründete, war mir bewusst, dass der Weg, den wir den zukünftigen Lichtträgen eröffnen, kein Weg für jedermann sein wird. Das Licht verlangt deine völlige Hingabe und die Reinheit deines Herzens und nur wenige Menschen sind letztendlich dazu fähig, diese Ansprüche zu erfüllen.
Ich spüre deine Unsicherheit und ich weiß, dass du dich schon lange fragst, ob du dich für den Weg des Lichtes eignest.“
Karastan ging auf Adarian zu, tippte ihm mit seinem Finger auf die Brust und deutete damit direkt auf sein Herz.
„Du weißt selbst, dass es etwas in dir gibt, dass dich immer wieder von diesem Pfad abhält und dein Leben von Anfang an geprägt hat und ich denke du weißt genau, was ich meine:
deine brachiale und unkontrollierte Leidenschaftlichkeit!
Dein Wesen gleicht einer ungezähmten Naturgewalt, Adarian, und ich denke, du weißt ganz genau, wovon ich spreche.“
Karastan blickte ihn dabei direkt und bestimmt in die Augen, ohne das Adarian diesem entlarvenden Blick ausweichen könnte.
„Deine Leidenschaft ist es, die seit deiner Kindheit all deine Handlungen steuerte und sie brachte dich damals fast dazu deinen Bruder totzuschlagen, später war sie der Grund, warum du deine keinen Erfolg auf der Handelsschule hattest und warum du deine militärische Karriere zerstört hast. Auch andere Ereignisse, wie der Tod deiner Frau Sandra oder dein Massaker an den Leuten des Piraten Behringer, bis zu deinem Versagen bei den Lichträgern in Freywall wurden von diesem Trieb gelenkt.“
Karastan machte eine kurze Pause und ging ein wenig im Raum auf und ab. Dann baute er sich vor Adarian in seiner prunkvollen Rüstung auf, als wollte er etwas sehr Wichtiges sagen.
„Adarian, dein ganzes Leben ist bestimmt von dieser Triebhaftigkeit, der Mystiker strebt jedoch die Leidenschaftslosigkeit an.
Wie ich schon sagte, muss ein Mystiker deshalb bestimmte Eigenschaften mitbringen, mit denen du bereits dein ganzes Leben zu hadern scheinst.“
Karastan ging auf den Thron zu und setzte sich nieder.
„Hör zu, Adarian! Ich gebe dir nun die Chance, dein Leben erneut zu erleben, und zwar frei von dem, was dich vom Lichte fernhält. Du wirst sehen, was aus dir hätte werden können, wenn du nicht von dieser Leidenschaft bestimmt werden würdest.
Sieh also nun, was geschehen wäre, wenn du ohne das geboren wärst, was du schon lange als Einfluss des Azeruels in deiner Seele fürchtest und zu verstecken versuchst!“
Karastan erhob eine Hand und Adarian wurde plötzlich wieder von dem weißen Licht eingehüllt und fortgetragen.
Das zweite Leben
Während Adarian in dem gleißenden Licht herumgewirbelt wurde, sah er plötzlich, wie sein ganzes Leben rückwärts an ihm vorbeizog. Er sah, wie er bei seiner Patrouille in Freywall zu Foxi sagt, dass er sich nicht mit ihr davonstehlen wird und seinen Dienst pflichtbewusst fortsetzen will. Er sah, wie er Rötels Angebot ausschlägt und somit sogar Henk davon abhalten konnte, seinen Vater zu töten. Wie er die Räuber als Offizier nicht verfolgen ließ und damit seine Männer vor dem Tod bewahrte. Wie er in der Schule fleißig lernte, anstatt von Abenteuergeschichten zu träumen. Wie er seinen Bruder verschonte, nachdem er das gemeinsame Dienstmädchen, in welches Adarian sich verliebt hatte, belästigt hatte.
Plötzlich war Adarian so weit in seiner Lebenszeit zurückgereist, dass er kurze Eindrücke seiner eigenen Geburt zu erleben schien und dann drehte sich der Verlauf der Zeit wieder um. Ohne, dass Adarian es genau mitbekam, schien er im rasanten Tempo ein neues Leben zu leben und reiste in der Zeit wieder vorwärts, bis er in der Gegenwart angekommen zu sein schien.
Adarians Heim
Adarian fand sich in einem Bett schlafend wieder und wurde gerade sehr unsanft von einer weiteren Person geweckt. Diese schrie:
„Adarian, es reicht jetzt! Sieh zu, dass du aus den Federn kommst, du Nichtsnutz! Dein Onkel wartet sicher schon auf die Lieferung deines verdammten Bruders! Verdammt nochmal, beeil dich!“
Adarian sah, dass er sich in einer kleinen, bescheidenen Wohnung befand und als er die Frau, die ihn geweckt hat, ansah, stellte er fest, dass es sich bei dieser um das Dienstmädchen von damals handelte. Ihre einstige Schönheit war verblüht. Sie sagte:
„Ich hätte wissen müssen, dass ich mit dir niemals glücklich werden kann! Du warst schon immer ein Versager! Ich werde nie vergessen, wie du damals nur dumm herumgestanden bist, als dein lüsterner Bruder mich beinahe vergewaltigt hätte. Zum Glück kam mir dein Vater zur Hilfe! Und nun tust du wieder nichts und lässt dich von deinem Bruder herumschubsen! Ich bin es langsam leid mit dir, sieh also zu, dass du aus dem Bett kommst und deinen Kindern wenigstens einmal ein gutes Vorbild bietest!“
Die Frau ging raus und fünf Kinder stürmten plötzlich in das Schlafzimmer. Sie schrien:
„Papa, Papa! Steh auf! Wir wollen frühstücken!“
Adarian hatte zwei Söhne und drei Töchter im Alter von 2-12 Jahren und sie drängten ihn aufzustehen.
Adarian stellte schließlich auch fest, dass er in einer sehr schlechten körperlichen Verfassung war. Seine Muskeln waren auf einen minimalen Rest zusammengeschrumpft und sein Körper war weich, schwabbelig und untrainiert, mit einem leichten Bauchansatz, hängenden Schultern und krummen Rücken. Jedoch war er vollkommen narbenfrei. Er fühlte sich allgemein so schwach und antriebslos, wie noch nie zuvor. Auch psychisch fühlte er sich labil, müde und verletzlich.
In der Küche hatte die Frau bereits ein karges Frühstück hergerichtet und wies den Kindern ihren Platz am Tisch zu. Alle aßen und danach gingen die größeren Kinder zur Schule. Als Adarian mit seiner Frau wieder allein war, sagte sie:
„Es tut mir leid, dass ich dich vorhin so angeschrien habe, aber du weißt ja, in welcher Notlage sich die Stadt seit dem Angriff befindet.“
Sie deutete aus dem Fenster und Adarian konnte sehen, dass Trutz ziemlich heruntergekommen und auch halb zerstört war. Der Schaden war enorm und viel schlimmer als nach Sabaoths Angriff in der anderen Realität. Sie sprach weiter:
„Weißt du, Adarian, ich habe schon immer das Gefühl gehabt, dass du mich nur aus schlechtem Gewissen geheiratet hast, weil du mir damals nicht gegen deinen Bruder geholfen hast. Ich glaube, dass du mich nie wirklich geliebt hast.“
Sie blickte traurig zu Boden und Adarian wusste in diesem Moment ganz deutlich, dass sie absolut recht hatte. Er war sich vollkommen darüber bewusst, dass er diese Frau nie wirklich geliebt hatte. Dann sprach sie weiter:
„Aber das ist nun eigentlich Alles auch egal! Wir werden bald vermutlich alle sterben und wahrscheinlich werden uns auch die Mystiker nicht retten können, wenn diese unbekannte Dämonenbrut über ganz Barthavion herfällt!“
Sie verließ daraufhin weinend das Zimmer.
Adarians saß nun allein in seiner kleinen, spartanischen Küche und sah, dass ein großes Paket mit der Aufschrift: „Egeil, Nauried“ stand. Er wusste plötzlich, dass diese Lieferung Verträge und Listen und eine größere Goldsumme enthielt, welche er für seinen Bruder verwaltete. Ihm wurde bewusst, dass er als Handlanger seines Bruders arbeitete und den langweiligen, bürokratischen Teil von dessen Geschäft übernommen hatte. Adarian war Buchhalter geworden, wohnte in Trutz und erledigte Cosimas Schergenaufgaben.
Adarian fiel auch wieder ein, dass er einige Unterlagen heute zu Egeil bringen sollte, da dieser schon seit einiger Zeit in das Geschäft seines Bruders eingestiegen war, um im Alter finanziell versorgt zu sein. Vor seinem Haus stand ein kleiner Ochsenkarren und Adarian wusste, dass dies seiner war.
In Trutz
Adarian machte sich auf den Weg nach Nauried und ihm fiel auf, dass die Stadt in einem miserablen Zustand war. In vielen Gegenden standen nur noch Trümmer und es schienen sehr viele Menschen gestorben zu sein. Überall patrouillierten Mystiker des Areteischen Ordens und es waren Schilder mit Verhaltensregeln aufgestellt. Niemand durfte die Häuser mehr nach Einbruch der Dunkelheit verlassen und man warnte vor Angriffen durch kleinere Dämonen, dunkle Kultisten und vor Untoten, welche die Trutzana unsicher machen. Außerdem herrschte ein allgemeines Magieverbot und überall sah man Questoren, die beteten und die Schutzgötter anflehten, dass die dunkle Brut Barthavion verschonen sollte.
Als Adarian durch die Stadt fuhr, lief ihm sein alter Freund Celan über den Weg. Dieser sagte:
„Hey, Adarian! Schön dich lebend zu sehen! Du weißt ja, viele von unseren alten Freunden haben die letzten Jahre nicht überstanden… diese verfluchte Dämonenbrut!“
Celan blickte verzweifelt zwischen den zerstörten Häusern umher und schüttelte traurig den Kopf.
„Aber wir sollten froh sein, denn in den anderen Städten Barthavions sieht es noch viel schlimmer aus. Ich habe gerade erst gehört, dass nach der Zerstörung von Kratara, Ankarz und Valkenburg nun auch Freywall gefallen ist und von Untoten überrannt wurde. Sogar die Thyrner haben sich nun völlig aus Barthavion zurückgezogen und beginnen bereits ihr Imperium gegen die Dämonen abzuriegeln.
Dies sind furchtbare Zeiten, mein Freund! Trotzdem werde ich nun versuchen, noch etwas Geld zu verdienen, damit meine Familie nicht noch weiter Hunger leiden muss. Mach‘s gut, Adarian, ich hoffe, dass wir uns nicht zum letzten Mal gesehen haben!“
Celan verabschiedete sich und eilte davon.
Der Überfall
Adarian setzte seinen Weg fort und befand sich nun auf der Straße nach Nauried. Plötzlich stellten sich ihm einige Räuber in den Weg, zogen ihre Schwerter und einer sagte mit bedrohlicher Stimme:
„Halt, du Schwächling! Los, rück alles raus, was du hast!“
Adarian hatte zwar ein kleines Schwert dabei, aber als er danach greifen wollte, merkte er plötzlich, dass er von einer schlagartigen Angstwelle überflutet wurde und in der Situation aus Angst erstarrte. Anstatt auf die dreisten Räuber loszustürmen, musste er sich nun darauf konzentrieren, dass er sich nicht in die Hosen machte, und er begannt am ganzen Körper zu zittern. Der Räuber sagte:
„Verdammt, ich sag es dir nicht nochmal, du jämmerliche Flasche! Rück dein Zeug raus oder ich schneid dir deinen dämlichen Kopf von den Schultern!“
Adarian merkte, wie er vor Angst fast schon verkrampfte, etwas, was ihm sonst vollkommen unbekannt war. Als er nicht sofort reagierte, riss ihn der Räuber vom Karren und durchsuchte unsanft seine Taschen, während Adarian von zwei anderen Räubern festgehalten wurde. Sie nahmen Adarian sein letztes Kupfer weg, schlugen ihn zusammen und anschließend stiegen sie auf den Karren, welchen sie zusammen mit dem Paket an Egeil und dem Gold darin stahlen.
Adarian fiel auf, dass er einige der Räuber kannte, und zwar gehörten sie zu den Räubern, die er in der andren Wirklichkeit als Offizier verfolgen und ausrotten ließ und dadurch aus dem Militärdienst unehrenhaft entlassen wurde.
Adarian stand also ausgeraubt und zusammengeschlagen auf der Landstraße und wusste, dass es bis zu Egeil nicht mehr weit war. Zu Fuß waren es vielleicht noch 10 Minuten, denn er war bereits fast an seinem Ziel angekommen.
Bei Egeil
Egeil erwartete Adarian bereits und saß in seinem großen Schaukelstuhl im Kaminzimmer. Adarian fiel sofort auf, dass Egeil wesentlich weniger Waffen aufgehängt und sein Anwesen nie in die verrückte Festung mit den ganzen Fallen umgebaut hatte, wie er es sonst kannte. Anscheinend hatte Egeil ohne Adarians kämpferische Seite und den Stolz, den er für ihn empfand, nachdem Adarian ein Held wurde und Lüderitz eroberte, nie einen zweiten Frühling erlebt und der sonst so rüstige, trotz seines hohen Alters immer noch kraftstrotzende Egeil saß nun als alter und kränklicher Mann in eine Decke gewickelt vorm Kamin und wirkte wie ein schwacher, zerbrechlicher Greis. Er sagte mit gebrochener und kraftloser Stimme:
„Adarian, endlich bist du da! Ich habe schon gedacht, dass du mal wieder nicht aus dem Bett gekommen bist… ah, deine arme Familie hat es nicht leicht mit dir.“
Egeil schüttelte enttäuscht den Kopf und fuhr dann fort:
„Also, wo ist das Gold von dem Geschäftsabschluss mit dem Veteranenverein?“
Als Adarian ihm von dem Überfall berichtete, schüttelte Egeil nur den Kopf und sagte abgrundtief enttäuscht mit lethargischer Stimme:
„Ich hätte wissen müssen, dass man sich auf dich nicht verlassen kann. Du warst schon immer ein Feigling und zu schwach, um dich selbst zu beschützen. Wahrscheinlich hätte ich jemand anderes schicken sollen, immerhin tyrannisieren diese Räuber die Trutzana nun bereits seit Jahren.“
Egeil seufzte und brach dann plötzlich in einem Hustenanfall aus. Er beugte sich auf und schien kaum Luft zu bekommen. Als Adarian ihm helfen wollte, wurde der alte Mann plötzlich laut:
„Lass mich in Ruhe und verschwinde von hier! Du warst schon immer eine Enttäuschung für unsere ganze Familie. Seit deiner Kindheit hast du noch nie für irgendetwas Initiative gezeigt oder dich eingesetzt. Du bist ein Weichei, dass sich immer nun herumschubsen lässt, obwohl ich so oft versucht habe, aus die einen selbstständigen Jungen zu machen!
Also hau ab! Geh zu deinem Bruder und berichte ihm von deinem erneuten Versagen. Nimm meinetwegen ein Pferd aus meinem Stall, aber verschwinde bevor ich dich rausschmeißen lasse!“
Danach wollte Egeil ihn nicht mehr sehen und Adarian musste nach Wallenrode aufbrechen. Er wusste, dass sein Bruder so schnell wie möglich von dem Raub des Goldes erfahren musste, damit er eine Anzeige gegen die Räuber erstatten konnte.
Der Gedenkstein
Als Adarian nach Wallenrode ritt, überquert er eine Brücke, die über einen kleinen Zufluss des Schlangenflusses führte. Er sah, dass hinter der Brücke am Straßenrand ein kleiner Gedenkstein aufgestellt worden war auf dem stand:
„Hier wurden die Überreste einer unbekannten, jungen Thyrnerin und eines Windlinges gefunden. Man erzählt, dass sie sich im Nemieon 718 ThZ zu zweit und aufmachten, um todesmutig in den Servos-Dickicht zu reisen. Vermutlich wurden sie von Räubern überfallen, hierher verschleppt und ermordet. Mögen sie im Licht der Schutzgötter ruhen!“
Wallenrode
Als Adarian nach Wallenrode kam, saß sein Bruder gerade mit seiner Familie und seiner Mutter bei Tee und Kuchen zusammen. Alle sahen ihn überrascht an und Adarians Mutter forderte ihn auf, sich zu ihnen zu setzten. Dann wollte Cosima wissen, warum er hier mitten am Tag vorbeikam, anstatt seiner Arbeit nachzugehen, die er sowieso schon viel zu viel vernachlässigt hätte. Adarian erzählte von den Räubern. Cosima stand wortlos auf und sagte zu seiner Frau:
„Fedra, bitte bring die Kinder in ihre Zimmer. Arian und Elldra sehen ziemlich müde aus.“
Die Kinder stutzten etwas, da sie anscheinend nicht müde waren, wurden dann aber von ihrer Mutter fortgezogen. Dann begann Cosima langsam, enttäuscht und unterschwellig wütend zu sprechen:
„Adarian… so geht es nicht weiter mit dir.
Es ist seit Jahren immer das Gleiche: Ich übertrage dir einfache Hilfsarbeiten, ganz simple Aufgaben, die jeder dumme Bauernknecht erledigen kann.
Und was machst du?
Du versagst bei allem was du tust! Bei wirklich ALLEM!
Sogar für einfache Botengänge bist du nicht zu gebrauchen!“
Adarian wunderte sich plötzlich, da sonst bei diesem Verhalten seines Bruders immer die Wut in ihm überkochte und er das Bedürfnis verspürte, ihm eine zu verpassen. Diesmal fühlte er sich jedoch nur hilflos, schuldig und erniedrigt und erstarrte absolut ungewohnt in einer Opferhaltung. Cosima fuhr fort:
„Diesmal bist du wirklich zu weit gegangen, du Nichtsnutz! Es wird langsam Zeit, dass du dich von meinem Rockzipfel löst und für dich selbst sorgst. Du bist ein Schmarotzer und ich werde dich nicht länger mit durchnehmen.“
Adarian fühlte sich klein und zusammengestaucht und traute sich kaum etwas zu sagen. Adarians Mutter, die ebenfalls bei dem Gespräch anwesend war, blickte ihn die ganze Zeit vorwurfsvoll und enttäuscht an. Cosima sagte weiter:
„Du hast nicht ein einziges Talent und nicht einen Funken Tatkraft in dir. Du bist faul, träge und läufst vor der kleinsten Herausforderung fort. Du bist ein Feigling und ein Weichei und wenn ich dich länger mit durchnehme, wirst du unsere Familie noch zerstören.
Deshalb habe ich eine Entscheidung getroffen:
Adarian, du wirst dich hier in Zukunft nicht mehr blicken lasse. Am besten machst du einen großen Bogen um Wallenrode, ansonsten leg ich dich übers Knie! Du wirst auch unsere Mutter vorläufig nicht mehr besuchen und von Egeil solltest du dich auch fernhalten. Er ist furchtbar enttäuscht von dir und will dich nicht mehr sehen. Du wirst auch in Zukunft nicht mehr für mich arbeiten und kein Kupferstück mehr von mir bekommen. Es liegt nun an dir, wie du deine erbärmliche Familie über Wasser hältst oder vor den Dämonenangriffen schützt. Von uns wirst du keine Unterstützung mehr erhalten.“
Adarian fühlte sich am Boden zerstört und wünschte sich, dass er über seinen gewohnten Zorn verfügen würde, da er dann jetzt nicht sprachlos und ohnmächtig herumstehen würde. Cosima baute sich vor ihm auf und deutete auf die Tür:
„Nun verschwinde von hier! Wir wollen dich nicht mehr sehen!“
Am Boden zerstört verließ Adarian das Anwesen und traute sich kaum, Cosima ein Widerwort zu geben. > geht er nicht, wird er von den Wachen rausgeworfen
Der Dämonenangriff
Adarian blieb nun nichts anderes übrig, als zu seiner Familie nach Trutz zurückzukehren. Unterwegs hörte er bereits, dass Lärm aus Richtung der Stadt kam, und als er sich näherte, sah er, dass die Stadt teilweise in Flammen stand.
Adarian näherte sich und sah, dass die unterworfene Aban mit Sabaoth auf dem Rücken über der Stadt kreiste und der dunkle Kult anscheinend zurückgekehrt war, um der Stadt den Rest zu geben. Der Drache wurde begleitet von mehreren fliegenden Dämonen und Adarian sah, dass untote Kreaturen überall in die Stadt eingedrungen waren. Adarian hatte plötzlich nur noch seine Kinder im Kopf und das Bedürfnis, zu seiner Familie zu gelangen. Er sah, dass der Weg zu seiner Wohnung noch frei war, und konnte ungesehen von den dämonischen Invasoren zu ihnen gelangen. Seine Frau hatte jedoch die Tür versperrt und Adarian kam nicht in das Gebäude hinein. Er schlug gegen die Tür und rief. Da hörte er die Stimme seiner Frau, die fragte, wer dort sei. Als Adarian sich zu erkennen gab, sagte sie:
„Verschwinde, wir brauchen dich nicht! Du bist ein Versager und Feigling und ich glaube nicht, dass du uns beschützen kannst! Du hast noch nie Mut oder Entschlossenheit gezeigt und nun werden wir uns nicht darauf verlassen, dass du uns beschützt!“
Adarian hörte dann eine weitere Stimme:
„Los, hau ab! Ich werde deine Familie schon beschützen, aber du bist hier unerwünscht, verstanden!“
Adarian erkannte die Stimme und wusste, dass es sich um den Nachbarn handelte, von dem Adarian schon lange befürchtete, dass er eine Affäre mit seiner Frau hatte. So stand Adarian ausgeschlossen auf der Straße und merkte plötzlich, dass sich ihm einige Untote Mitbürger näherten und er bald umzingelt sein würde. Er kämpfte, unterlag aber nach einiger Zeit und musste mit ansehen, wie die Zombies langsam seine Gedärme aus dem schwächlichen Leib zogen. Adrian wurde schwarz vor Augen.
Nachwort Die Dunkelheit verschwand und Adarian befand sich wieder in dem Thronsaal von Karburg. Er lag auf dem Boden und Karastan streckte ihm die Hand entgegen, um ihn auf die Beine zu helfen. Er klopfte ihm auf die Schulter und fragte:
„Adarian, wie geht es dir? Ich hoffe, du hast verstanden, was ich versucht habe dir zu zeigen?“
Adarian antwortete.
„Es war ein Schock! Dieser Adarian war bar jeder Vernunft und Kreativität. Ich spürte, wie diese Wut immer in mir hochwallen wollte, aber dieser Adarian sich nie traute sie auszuleben.
Dieses Wissen, meine Kraft einmal gehabt zu haben ... es war wie ein schlimmer Albtraum, ich kann es überhaupt nicht fassen. Das eine Entscheidung, nämlich meinen Bruder nicht zusammenzuschlagen, so weitreichende Konsequenzen hatte, dass die Dämonenplage ausgebrochen ist; dass die großen Städte durch die Schwarzmagier und Dämonen zerstört wurden. Dass Sheerana und Octavia auf ihrer Reise in den Servosdschungel getötet wurden und ... es ist unglaublich.
Ich mag mir gar nicht ausmalen, was da noch dranhängt."
Karastan fügte hinzu:
„Dein impulsives Wesen und dein unbeherrschter Tatendrang haben dich in deinem Leben stets zu unüberlegten Handlungen getrieben, doch wärst du ohne deine Wut und deinen Zorn niemals der Held geworden, der du heute bist. Aber Mystiker werden nicht zu Helden, sondern sie sind Diener der Schutzgötter!
Was willst du also sein, Adarian?
Ein Diener… oder ein Held?“
Plötzlich verwandelte sich Karastan und Großmeister Lichtschlag stand vor Adarian. Er sprach:
„Du weißt doch, Adarian: Die Mystiker des Areteischen Ordens brauchen reine und leidenschaftslose Männer, aber Barthavion braucht tapfere Helden wie dich!“
Er ging auf Adarian zu und klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Dann verwandelte er sich plötzlich in Archorbar, der ihn mild anlächelte und sagte:
„Adarian, ich werde jede deiner Entscheidungen respektieren. Azeruel darf nur niemals die Oberhand über dich gewinnen. Nutze also stets den Rat und die Führung deiner Freunde!“
Dann verwandelte er sich in Foxi, die sich ganz nah an ihn schmiegte und ihm ins Ohr hauchte:
„Du willst mich doch nicht wirklich aufgeben, oder?“
Dann spitzte sie die Lippen zu einem Kuss und schloss die Augen. Als Adarian sie küsste, wurde er wieder in dem weißen Licht eingehüllt und begann zu schweben. Dann sah er in dem Licht plötzlich die Statuette von Inanis, welche in einem roten Licht erstrahlte. Adarian konnte ganz deutlich die Präsenz von Thylor spüren und er erwachte in seinem Zimmer in der Roten Erde.
Episode 02: Vorbereitungen und Kriegsrat
27.- 29. Celestalis 721 ThZ
Der Bericht von Erlerig Darrow wird den Helden ausgehändigt und Augustus übergibt ihnen seine Kalkulationen für den Kriegsrat. Auf der Sitzung versuchen sie zu erreichen, dass die Abstimmung solange verschoben wird, bis die Helden Beweise aus Perlheim beschaffen können.
| 27. Celestalis |
Im „prachtvollen Keiler“
Henk bracht morgens sehr früh auf und suchte die Abenteurer in ihrem Gasthaus „Der prachtvolle Keiler“ auf. Diese saßen gerade beim Frühstück und waren ganz überrascht von Henks Besuch. Er setzte sich zu ihnen und kam ins Gespräch über ihre Erlebnisse. Henk wollte ihnen helfen, sich mehr als eine Gruppe zu fühlen und lud sie ein, am Abend in die Rote Erde zu kommen und gemeinsam mit ihm zu feiern. Er wollte ein Gruppenritual mit ihnen durchführen, welches sie mehr verbinden würde.
Der Bericht des Darrow
Als die Helden am nächsten Morgen beim Frühstück saßen, wurde ihnen durch einen Boten der Bericht von Erlerig Darrow überbracht, so dass sie ihn beim Frühstück bereits lesen konnten. Augustus war morgens nicht anwesend und der Wirt übermittelte den Helden die Nachricht, dass er bereits sehr früh zu einem Treffen mit den Mystikern des Areteischen Ordens aufgebrochen war und man ihn bei Hilligenhain finden könne.
Die Helden studierten gemeinsam den Bericht und Iustus erklärte, dass es sich bei dem Mal des Utukk'Xul um ein außergewöhnlich mächtiges „signum foederis“ handelte und es schon fast ein Wunder gewesen sei, dass Abraxa mit ihrem Trank Darrow davon befreien konnte. Das Mal eines hohen Dämonenfürsten, wie Utukk'Xul es zu sein scheint, gibt seinem Empfänger enorme Macht und ermöglicht ihm durch die abyssischen Astralströme das Wirken von Zaubern, auch wenn er selbst über keine magische Begabung verfügt. Es ist also davon auszugehen, dass alle Initiierten des Kultes über gefährliche Zauberkräfte verfügen, was die Helden aus ihren Erfahrungen bestätigen können.
Iustus wird sagen können, dass ihn die Beschreibung des „Daemonius-majorus-tabis Utukk'Xul“ an einen ähnlichen Dämon erinnert, der in einem Buch in der Akademie von Lis erwähnt wurde und zu der Gruppe der „Fungeniden“ gehört. Diese Dämonen verhalten sich wie Pilze und sie können, wenn sie erstmal erfolgreich „eingepflanzt“ wurden, ein wucherndes, astrales Netz über weite Regionen spannen. Jedoch war dieser erwähnte Dämon nur ein geringer gewesen und bei Utukk'Xul handelt es sich um einen Fürsten, der sich wohlmöglich über ganz Eboria und darüber hinaus ausbreiten könnte.
Augustus kam kurz vor dem Ende des Frühstücks mit einem ganzen Stapel an Papieren wieder und hatte Wolfhardt im Schlepptau, der sich anscheinen an ihn drangehängt hat und ihm bei seinen Plänen helfen möchte. Zwar konnte er nur ein paar Notizen für ihn vermerken und war nicht wirklich sehr hilfreich, aber Augustus gab ihm die Chance sich nützlich zu machen und beschwerte sich deshalb auch nicht über dessen Gesellschaft, sondern versuchte ihn sogar zu ermuntern, dass er weiterhin so engagiert bleiben soll.
Auf Nachfrage erklärte Augustus, dass er bei Hilligenhain war, da dieser selbst ein guter Stratege ist und ihn über die Einsatzkräfte und Stärken der Mystiker aufgeklärt hat. Augustus war gerade dabei, sich einen Überblick über die Chancen in einem Krieg gegen den dunklen Bund zu verschaffen, doch zurzeit konnte er noch nicht viel dazu sagen. Doch sobald er Ergebnisse hätte, würde er diese den Helden umgehend mitteilen.
Augustus erklärte auch, dass er noch weitere Treffen zu diesem Zweck organisiert hatte und er sich z.B. heute Nachmittag mit dem Prinzen von Ankarz träfe. Doch ohne Kenntnisse in Kriegskunde würde es wohl jeden ziemlich langweilen, weshalb Augustus den Helden auch empfahl, sich auszuruhen, er übernähme gern diese Arbeit. Iustus merkte noch an, dass er in seinen 25 Jahren im Kriegsdienst niemals jemanden kennengelernt hatte, der so ein guter Stratege wie Augustus war. Er meinte, dass Augustus Chancen sehen könnte, wo andere längst aufgegeben haben und er genau wisse, was er tut. Auf den Bericht von Darrow angesprochen, erwähnte Augustus nur, dass er sich nach allem, was er persönlich durch Sabaoth Immortalis mitbekommen hat, bereits gedacht hat, dass dieser Kult zu allem fähig sein muss und man ihn so schnell wie möglich auslöschen muss.
Augustus genehmigte sich nun ein zweites Frühstück, wobei zu bemerken war, dass er viel aß und anscheinend ein Nachholbedürfnis hatte. Danach wollte er im Garten Trainieren und bot Adarian an, sich ihm anzuschließen. Er meinte, dass er ziemlich eingerostet sei und bevor sie aus Valkenburg aufbrechen könnten, möchte er noch ein wenig seiner alten Fähigkeiten zurückerlangen. Zu Adarians Mystikerschaft bezog er keine direkte Position und betonte nur, dass ein Mann so etwas nur allein entscheiden kann, ob er bereit ist, sein Leben für den Orden zu ändern.
„Männer müssen immer ihre eigenen Entscheidungen treffen! Nur Frauen und Kinder sind auf das Urteil von anderen angewiesen.“
Augustus trainiert mit Adarian
Augustus wollte seine restliche freie Zeit mit Trainieren verbringen und zog sich dazu in den Garten der Roten Erde zurück, wo er seinen Körper durch Übungen mit dem Schwert stählte. Adarian erwies ihm die Ehre und trainierte mit ihm. Vor dem Training erwähnte Augustus, dass er seit fast drei Jahren nicht mehr gegen einen anderen Menschen sein Schwert erhoben hat und Adarian es ihm nachsehen soll, wenn er etwas aus der Übung wäre.
Bevor Augustus den Kampf begann, streckte er mit einer erhabenen Geste sein Schwert kurz in die Luft, als wollte er es weihen, und küsste die Klinge, bevor er sich in die Kampfposition begab. Als Adarian sein Schwert betrachtete, fiel ihm auf, dass auf dem langen Gladius zwei Symbole abgebildet sind: ein Schwan und ein geflügeltes Pferd. Als Adarian Augustus darauf ansprach, erzählte dieser ihm voller Stolz, dass der Schwan das Wappentier der Octavier ist und ihr Vorfahr Titus Octavius Cycnus es wählte, weil man sagte, dass er so anmutig wie ein Schwan gekämpft habe, aber auch genauso schnell zu reizen gewesen sei. Außerdem soll er ein begeisterter Dichter gewesen sein und man schreibt ihm einige bekannte Werke der thyrnischen Literatur zu. Cycnus war aber vor allem ein Held und bekannter Feldherr aus der Zeit der Umêler-Kriege und der Namensgeber der Familie Octavius und der erste, der die Zugehörigkeit in die Aristokratie erlangte. Man erzählt, dass er auf einem geflügelten Pferd in die Schlacht geritten sei und seine Männer aus der Luft zum Sieg geführt habe. Von geflügelten Pferden soll es übrigens früher eine ganze Herde auf Thyrna gegeben haben, heute ist nur noch eins dieser magischen Tiere dort bekannt und es wird von den Priesterinnen der Vivena in einem Heiligtum gepflegt. Auch andere Feldherren Thyrnas sollen früher auf diesen fliegenden Rössern in die Schlacht geritten sein.
Das Schwert ist inzwischen seit über fünf Generationen in der Familie und wurde für den Vorfahren Aulus Octavius Voluntor angefertigt, der ebenfalls ein großer Feldherr war und zahlreiche Siege gegen die Balmarer nach Thyrna trug. Der letzte, der es trug, war Aequus und nach seinem Tod wurde es in Thyrna von Octavias Großmutter verwahrt, bis sie es Augustus gab, bevor er für immer verbannt wurde. Augustus trug es nicht als „Principus Mortis“ und es ist alles, was ihm seit seiner Verbannung mit seiner Heimat verbindet. Obwohl er eigentlich nicht mehr berechtigt ist, ein Schwert zu tragen, haben die Konsoren ihm gestattet, das Schwert seines Vaters weiterhin zu führen, solange er das Imperium nicht mehr damit betritt.
Als der Kampf begann, bemerkte Adarian, dass Augustus tatsächlich etwas aus der Übung zu sein schien und einen kurzen Anlauf brauchte, um in den Kampf hineinzufinden. Als er sich jedoch wieder eingefunden hatte, musste Adarian feststellen, dass er es mit einem absolut gleichwertigen und sehr herausfordernden Gegner zu tun hatte. Augustus Schläge und Hiebe waren außergewöhnlich präzise und schnell und Adarian hatte das Gefühl, dass Augustus manchmal vorher bereits wusste, wohin er als nächstes schlagen würde. An Schnelligkeit und Zielsicherheit war Augustus Adarian also extrem überlegen, aber an reiner Körperstärke und Ausdauer konnte er hingegen nicht mit ihm mithalten. Es wirkt deshalb fast so, als ob ein kräftiger Bär gegen eine elegante Raubkatze kämpfte.
Im Garten des Gasthauses hatten sich inzwischen ein paar Küchenmädchen eingefunden und versteckten sich kichernd hinter einem Baum. Anscheinend beobachteten sie den Kampf der beiden und waren ganz angetan von den starken Männern, die hier ihre Muskeln spielen ließen. Als sie bemerkt wurden, verschwanden sie schnell wieder ins Gasthaus und man hörte sie noch weiter ausgelassen kichern. Augustus schenkte diesem Umstand nicht viel Aufmerksamkeit und war voll und ganz auf sein Training fixiert. Als Adarian kurz hinblickte, lachte Augustus und meinte, dass Frauen immer die schlimmste Ablenkung wären. In Thyrna würde man deshalb erst nach seinem Kriegsdienst heiraten und Augustus scherzte, dass dann der eigentliche „Krieg des Lebens“ begänne. Er wusste natürlich, dass es schwer ist den Reizen der Frauen zu widerstehen, aber für ihn stehen Selbstdisziplin und der Kampf an erster Stelle.
Als Adarian noch weiter auf das Thema Frauen zu sprechen kam, erwähnte Augustus er nur kurz, dass er selbst auch einmal ein Mädchen kannte - die Tochter eines coranischen Adeligen - mit welcher er beinahe durchgebrannt wäre, da er es kaum ertrug, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben konnten, da er nur eine andere Thyrnerin heiraten könnte. Doch zum Glück kam er zur Besinnung und konzentrierte sich auf seine Pflichten, da diese Beziehung sonst bestimmt in einer Tragödie geendet wäre. Als die beiden noch ein wenig über Frauen sprachen, betonte Augustus, dass man sie mit Respekt, Zuvorkommenheit und Anstand behandeln müsse und man sie beschützen und für ihr Wohl sorgen sollte, ganz wie er dies von seinem Vater gelernt hat. Augustus betrachtet Frauen auch nicht als Ware, selbst Barbarinnen nicht, und auch während seines Kriegsdienstes hatte er keine Bordelle aufgesucht, da er es als unwürdig empfindet, eine Frau für ihre Gesellschaft bezahlen zu müssen. Er wurde von dem Vorbild der harmonischen Ehe seiner Eltern, welche eine Liebeshochzeit hatten, geprägt und besitzt daher wenig Interesse an oberflächlichen Beziehungen oder Ausschweifungen. Auch Vergewaltigungen im Krieg hat er bei seinen Männern immer verboten und bestrafen lassen und kein bisschen Verständnis dafür gehabt.
Adarian stellte beim weiteren Training durch Beobachtung fest, dass Augustus sehr kontrolliert kämpfte und kaum eine Gefühlsregung seinen nächsten Zug verriet. Es gab aber Momente, wo er seine Beherrschtheit kurz zu vergessen schien und ähnlich wie Adarian mit voller Leidenschaft und Aggression sein Schwert schwang. Augustus riss sich jedoch immer wieder schnell am Riemen und ließ sich nicht von diesem Gefühl beherrschen. Adarian empfandt diese Eigenart als sehr verwandt und sprach ihn auf die Sache mit Azeruel an. Augustus erklärte ihm, dass man in Thyrna davon ausgeht, dass die abyssischen Kräfte in allen Menschen wirken und auch jeder Krieger Anteile von der Wesenheit, welches man in Barthavion Azeruel nennt, besitzt. In Thyrna ist dieses Wesen auch bekannt und es existieren viele weitere Namen dafür. Wichtig sei nur, dass diese Kräfte im Gleichgewicht sind und mit den Tugenden und der Ehre konform laufen. Dann sei nichts an ihnen auszusetzen. Jedoch wäre es fatal, wenn ein Krieger sich seinen dunklen Mächten hingibt oder sich sogar in ihnen verliert. Augustus schwieg plötzlich kurz und blickte etwas betroffen zu Boden. Dann meint er, dass Adarians sicher wüsste, wovon er spräche, und Adarian nickte nur stumm.
Dann legte Augustus aber wieder einen aufmunternden Tonfall auf und meinte, dass wahrscheinlich alle wahren Kämpfer diese Schwierigkeiten mit dem Finden des inneren Gleichgewichtes haben, aber dass sie zum Glück in jeder Situation wieder selbst entscheiden können, zu welcher Seite sie ihr Gewicht verlagern. Wichtig wäre es vielleicht nur, dass man für die Menschen und die Ideale kämpft, die einem wichtig sind, und versucht seine Stärke zu benutzen, um diese zu beschützen. Wenn man dies nicht vergäße, ließe man sich vielleicht weniger von der Leidenschaft und dem Rausch des Kampfes mitreißen, der in seinem Wesen immer abyssische Qualitäten besitzt.
Abschließend meinte Augustus, dass sie doch beide froh sein könnten, dass sie über große Stärke verfügen und dass sie sich am besten beide auf ihren Feind konzentrieren und sich weniger mit „weibischer Selbstbespiegelung“ beschäftigen sollten. Er lachte dabei und klopfte Adarian aufmunternd auf die Schulter. Dann bedankte er sich bei ihm für die Kämpfe und betonte, dass ihm dieses Training sehr viel bedeutet habe, immerhin sei der letzte Mann, gegen den er das Schwert erhob, Silvius Insidiae gewesen. Dann verbeugte er sich schnell und lenkte ab, indem er meinte, dass er durstig wäre und sich im Gasthaus erstmals etwas zu trinken holen würde. Adarian schloss sich an und die beiden verschwanden mit aufrechtem Gang im Gasthaus.
Beim Mittagessen
Adarian berichtete seinen Freunden beim Mittagessen, was er in der Nacht während seiner Meditation erlebt hat. Außerdem beichtet er ihnen von seiner Pflichtverletzung in Jerris, als er sich lieber mit Foxi vergnügte, anstatt mit seinem Kameraden auf Patrouille zu gehen. Kenji fühlte sich etwas zurückgesetzt und konfrontierte Adarian mit seinem Schweigen über seine Verfehlungen und unterstellte ihm, dass er ein Gespräch mit ihm absichtlich vermeiden wollte. Dann erzählte ihm Kenji von seinen Zweifeln und bat Adarian, auch eine andere Deutung seiner Innensicht in Betracht zu ziehen. Adarian hatte große Angst zu enttäuschen und zog sich zurück. Er ging in die Bibliothek und suchte nach einem Buch über einen Kriegerkodex.
Iustus Analyse von Henks Tätowierung
Am frühen Nachmittag sprach Iustus Henk vorsichtig mit „Ähm… entschuldigt, Henk… Libertus?“ an, da er nicht wusste, ob Henk diese Anrede wirklich bevorzugt. Vor Gemellus hatte er dies schließlich bejaht und, da Iustus nicht unhöflich sein wolle und „Libertus“ in Thyrna ein Ehrenname ist, blickte er Henk zögernd an, während er den Namen aussprach, und wartete auf seine Reaktion, um zu wissen, ob die Anrede angebracht ist oder nicht. Als Henk meinte, dass die Anrede nicht nötig wäre und er ihn nur Henk nennen sollte, entschuldigte sich Iustus bei ihm und betonte, dass er ihn damit nicht beleidigen, sondern nur die Höflichkeit wahren wollte und er dies natürlich unterließe, wenn Henk es nicht wünschte.
Iustus erklärte Henk, dass er die benötigten Utensilien von der Akademie habe, um nun eine Analyse seiner Tätowierung vorzunehmen. Er bab Henk deshalb, ihn auf sein Zimmer zu begleiten, wo er das astrale Verfahren durchführen möchte.
Auf Iustus Zimmer stellte Henk schnell fest, dass dieser sich dort eine kleine Magierwerkstatt eingerichtet und ein großer Haufen von Büchern und Schriftrollen, verschiedene Gerätschaften und Zutaten dort aufgebaut hatte. Auch zahlreiche Würfel (Verdo-Matrizen) und andere astrale Konstrukte lagen auf dem Tisch. Vor allen fielen Henk dabei kleine, längliche Kästchen aus Mithril und mit Orichalcumbeschlägen auf, die anscheinend gerade zusammengebaut wurden. Als Henk danach fragte, erklärte ihm Iustus, dass dies seine neuen Astralfallen waren. Er sagte, dass man mit ihnen ohne Probleme Dämonen der unteren Klassen einfangen könne und dass diese Fallen auch für den militärischen Einsatz gegen den dunklen Kult gedacht waren. So hätten auch Truppen ohne Magus zukünftig bessere Chancen gegen Dämonenangriffe. Außerdem arbeitete er daran, diese Fallen auch auf große Dämonen, wie z.B. Maldoror oder sogar Utukk’Xul anzuwenden. Das würde bedeuten, dass man sie auf unbestimmte Zeit in einem astralen Gefängnis einkerkern und niemand sie mehr zurückbeschwören könnte. Leider waren die Fallen noch nicht mächtig genug und bedürften noch vieler Tests, die leider in Thyrna verboten waren, da man Experimente mit Dämonen an den Akademien verboten hatte.
Iustus bat Henk, auf einem Stuhl Platz zu nehmen und seinen tätowierten Arm frei zu machen. Dann suchte er nach etwas und bat Henk um etwas Geduld. Während Iustus noch komplexe Vorbereitungen durchführte, fiel Henk auf, dass ein kleines, handgroßes Hologramm auf dem Tisch stand, welches eine junge thyrnische Frau mit einem kleinen Kind zeigt. Das Kind war ungefähr so alt wie Montakor und Henk sprach ihn darauf an. Iustus erklärte:
„Dies ist meine Gattin, die ehrenwerte Calpurnia und meine Tochter Trebatia. Sie sind mein ganzer Stolz und der wahre Grund, warum ich nach Barthavion kam, um gegen die dunkle Bedrohung zu kämpfen. Ich werde nie zulassen, dass ihnen etwas geschieht!“
Henk erzählte ihm von seinem eigenen kleinen Sohn. Zur Ehe erwähnte Iustus stolz:
„Die Ehe ist eine weitaus größere Herausforderung, als alle Kämpfe, denen ich mich in meinen 25 Jahren Felddienst stellen musste! Aber sie hat mir den bis jetzt größten Triumpf meines Lebens beschert: nämlich meine Tochter!“
Irgendwann hatte Iustus einige Schriftrollen zusammengesucht und konnte mit der Analyse von Henks Tätowierung beginnen. Zuerst stellte er Henk dazu einige Fragen. Er wollte genau wissen, wer diese Tätowierung angefertigt hat. Als Henk ihm erzählte, dass es sich bei dem Tätowierer um einen Buhmesen handelte, stutzt er etwas und sagte nur, dass die „zahlreichen Völker des Buhmesischen Großreiches“ eine sehr ungewöhnliche Form von Magie praktizieren. Besonders die „Magica Sanguis“ - die Blutmagie - wäre dort sehr verbreitet. Iustus hatte auch von ihren Göttern gehört, die angeblich die Form von Tieren besäßen, und von seltsamen Kulten, die man auf Eboria eher als dämonisch betrachten würde. Genaueres wusste er aber auch nicht darüber. Dann fragte er, wie lange es her war, dass Henk die Tätowierung erhielt, und er wollte, wenn möglich, das genaue Datum und die Tageszeit der Anfertigung erfahren. Iustus notierte sich Henks Angaben und schlug dann etwas in einer kompliziert wirkenden Tabelle unkommentiert nach. Anschließend sah er sich die Tätowierung an. Iustus musterte diese erst kurz und schien die sichtbaren Zeichen zu analysieren:
„Hm, die genaue Bedeutung dieser Symbole ist mir unbekannt. Ohne Frage sind sie jedoch buhmesischen Ursprungs… aber das ist für meine Analyse nicht von Bedeutung.“
Dann begann Iustus sich die Tätowierung mit Astralsicht anzusehen. Dazu beugte er sein Gesicht ganz nah an Henks Oberarm und setzte plötzlich einen extrem konzentrierten Gesichtsausdruck auf. Seine Augen, die ohnehin schon sehr groß und prägnant sind, traten dabei noch weiter hervor als sonst und wirkten so fokussiert, wie es überhaupt nur möglich ist. Er schien auch gar nicht mehr Blinzeln zu müssen und benutzte seine Augen eher wie ein mechanisches Werkzeug. Henk wurde bewusst, dass Octavia bei ihrer Astralsicht eher so wirkt, als ob sie willkürlich und zufällig nach irgendetwas suchen würde, während Iustus hingegen genau zu wissen schien, was er tut, denn er folgt mit seinen Augen ganz präzise und kontrolliert den unsichtbaren Erscheinungen des Astralraums. Henk fand den Blick etwas unheimlich, da er schon sehr intensiv war. Während Iustus Henk astral betrachtete, murmelte er vor sich hin :
„Hm… ja, ja… das dachte ich mir schon…. diese eigenwillige Form von Astral-Matrix verfügt über einen Perflux]-Stabilisator und kann die Ferdis-Membran deshalb dauerhaft durchdringen… interessant… hm… sehr… beeindruckend… ein sehr geschickter Zauber… dadurch scheint er sogar unabhängig von dem wechselnden Einfluss des Zimborturnus zu sein… sehr selten, sehr kompliziert… scheint tatsächlich über eine Form der sanguinischen Magie zu funktionieren… sehr riskant, sehr riskant… zum Glück beschränkt er sich auf die celestischen Perfluxströmungen… sehr beruhigend… keine Verwendung von Quidan-Strömen, deshalb keine Fluktuationen zu befürchten… oh, das ist wirklich interessant!“
Iustus ging plötzlich wortlos fort und suchte anscheinend etwas auf dem Tisch. Während der Untersuchung redete er nicht mit Henk und war so konzentriert, dass er ihn nicht mal mehr wirklich wahrnahm. Iustus kam mit einem Kristall und einem kleinen Messer zurück und sagte zu Henk, während er ihm das Messer reichte:
„Henk, ich würde gern etwas testen, aber dazu benötige ich eine frische Verletzung an eurem Körper. Keine Angst, es reicht ein kleiner Schnitt auf euerer Hand. Ihr könnt es auch selbst machen.“
Henk willigte ein und fügte sich eine kleine Verletzung zu. Iustus nahm einen kleinen Kristall und hielt ihn über die Wunde. Er murmelte ein paar unverständliche Worte in einer Henk unbekannten Zaubersprache, der „Lingua Arkana“, und auf seinen Befehl strömte plötzlich ein heller, leuchtender Strahl aus dem kleinen Kristall hervor, der anscheinend Henks Wunde wieder mit einem Zauber heilte. Dies dauerte eine ganze Weile und die Verletzung begann vor Henks Augen zu heilen. Bevor sie sich jedoch ganz schloss, brach der Zauber ab. Iustus erklärte schließlich Henk voller Begeisterung:
„Ich wusste es! Der sanguin-magische Perflux-Stabilisator verhält sich wie ein Turbascutum auf weitere arkane Ströme aus der entsprechenden Astralebene!“
Iustus wirkte so, als ob er gerade zu einer abschließenden Erkenntnis gekommen war und nickte Henk wissend und bestätigend zu, der allerdings so aussah, als habe er kein Wort verstanden. Anstatt Henk nun diese Erkenntnis in verständliche Worte zu fassen, starrte er weiter bewundernd auf die Tätowierung und redete weiter unverständliche Dinge über Astralströme und Turbascuti. Erst als Henk ihn um eine Erklärung bat, entschuldigte er sich für seine Unhöflichkeit und übersetzte ihm das arkane Gefasel in einfachere Worte:
„Tut mir leid, Henk! Aber wenn ich mich in meine Arbeit vertiefe, vergesse ich oft, das andere meinen Gedankengängen nicht folgen können.
Dies ist das Ergebnis: Ihr seid mit einem dauerhaften Zauber belegt worden, der die regenerativen Kräfte des Astralraums in eurem Körper zwingt und euch dadurch ein wenig eurer Jugend und Gesundheit zurückverleiht. Der dauerhafte Einfluss dieser astralen Ströme, denen ihr dadurch ausgesetzt seid, sollte keinen Schaden bei euch anrichten, jedoch bringt dieser Zauber eine Nebenwirkung mit sich. Da ihr nun unter dem permanenten Einfluss eines Regenerationszaubers steht, werden andere Zauber, die euch heilen oder euren Körper stärken sollen, teilweise in ihrer Wirkung blockiert. Dies gilt auch für alle magischen Heiltränke, die nun nur noch eine eingeschränkte Wirkung besitzen werden.“
„Falls es jemals gewünscht ist, den Zauber wieder unwirksam zu machen, sollte es genügen, die Hautschicht mit der Tätowierung abzutragen. Sobald die buhmesischen Symbole zerstört und unkenntlich sind, sollten sie auch ihre magische Wirkung verlieren.“
Iustus verabschiedete sich dann höflich von Henk und freute sich, dass er ihm helfen konnte. Dann musste er sich jedoch wieder an seine Arbeit begeben, da er noch einen wichtigen Termin in der Akademie hat. Außerdem waren noch einige Dinge vorzubereiten, um die Augustus ihn gebeten hatte. Henk merkte, dass Iustus ziemlicher arbeitssam zu sein scheint und gedanklich anscheinend immer mit seiner Aufgabe beschäftigt war.
Augustus Pläne
Augustus schien sich für alle bemerkbar anscheinend in einem rasanten Tempo zu erholen. Als die Helden ihn zum ersten Mal in Valkenburg wiedersahen, wirkte er noch sehr mitgenommen und strapaziert, jetzt schien er jedoch alles daran zu setzen, um seine vollen Kräfte zurück zu erlangen und sich richtig ins Leben zurück zu kämpfen.
Beim Essen fiel z.B. auf, dass er sehr viel und mit großem Genuss aß und anscheinend ein großes Nachholbedürfnis hatte. Darauf angesprochen meinte er, dass er im letzten Jahr jeden Tag die gleiche, karge und geschmacklose Muschelsuppe gegessen hat und dies zu allen Mahlzeiten. Er deutete an, dass sein Exil auf einer abgelegenen Insel war, die nur von wenigen, asketisch lebenden Priestern bewohnt und die nicht viel mehr als ein großer, unbewachsener Fels mit einem Tempel im Meer war. Die zwei Jahre in Druzba davor bestand seine Ernährung vorrangig aus Früchten, da die Windlinge es in ihrem Wald nicht zuließen, Tiere zu jagen und zu töten. Somit hatte er seit fast drei Jahren keine guten Mahlzeiten mehr gesehen, mit Ausnahme der kurzen Zeit in Thyrna nach Pirlath, bevor er auf die Gefängnisinsel kam. Am schlimmsten wäre jedoch gewesen, dass er sich jeden Tag gefragt hat, ob Octavia noch lebt, da er keinen Kontakt zur Außenwelt hatte.
Augustus interessierte sich außerdem brennend für alles, was die Helden in dem letzten Jahr erlebt haben und er bat Kenji ebenfalls darum, ihm dem Reisebericht aus dem Norden zu geben, sobald der Botschafter damit durch war. Ansonsten löcherte er Octavia mit Fragen über die letzten Kämpfe gegen den dunkeln Bund und wollte alles über die Situation in Barthavion wissen. Er gönnte ihr kaum eine Pause, da er in den zwei Tagen bis zum Treffen mit dem Kriegsrat soviel wie möglich erfahren möchte.
Dann brach er auf, um sich mit Hilligenhain und Archorbar über Ideen und Strategien für einen möglichen Angriff auf Li'iktischuma auszutauschen. Er sammelte auch Karten und Unterlagen und schien sich einen allgemeinen strategischen Überblick zu verschaffen. Außerdem wollte er sich am Nachmittag mit dem Prinzen von Ankarz treffen und versuchen, mit ihm die ungefähre Truppenstärke Barthavions einzuschätzen. Von ihm bekam er auch Informationen über die Verhandlungen im Kriegsrat. Die Helden beobachteten ihn dabei, wie er fleißig von einem Termin zum nächsten unterwegs war und jedes Mal mit einem Stapel an Aufzeichnungen in sein Zimmer zurückkehrte. Auf seine Vorbereitungen und Pläne angesprochen meinte er, dass die Botschafter sich vielleicht eher entscheiden könnten, wenn sie sähen, dass mit den gemeinsamen militärischen Mitteln eine echte Chance gegen die Bruderschaft besteht und es in Zukunft vielleicht einen ausgearbeiteten und vielversprechenden Plan für den großen Angriff geben würde. Er wollte jedoch noch nicht über Einzelheiten reden, da er sich noch mitten in den Kalkulationen befand.
Er beriet sich auch sehr häufig mit Iustus und beide schienen durchgängig damit beschäftigt zu sein, sich die Chancen für einen möglichen Krieg gegen den Bund auszumalen. Auch während der Mahlzeiten waren die beiden ständig im Gespräch vertieft und man konnte an dem vertrauten Umgang der beiden sehen, dass sie sich anscheinen sehr lange kennen und gute, alte Freunde sind. Die beiden hatten zusammen gedient und anscheinend schon mehrere gemeinsame Kampfeinsätze durchgeführt.
Insgesamt wirkte Augustus sehr nachdenklich, schien immer beschäftigt zu sein und gab sich wohl alle Mühe, sein Bestes zu der ganzen Problematik mit dem dunkeln Bund beizutragen und all sein strategisches Wissen und Können einzubringen.
| 28. Celestalis |
Am Vormittag
Die Helden frühstückten mit Augustus und Iustus und unterhielten sich über die Kämpfe gegen den Bund von Utukk’Xul. Kenji entschuldigte sich bei Adarian für seine harten Worte am Vortag und Adarian erzählt von seinem Gespräch mit Augustus beim Training. Ansonsten erholen sich alle und lassen die Seele baumeln so gut es ging.
Adarians Gespräch mit Archorbar
Am Nachmittag suchte Adarian Archorbar im Monasterium der Mystiker auf. Er erklärte ihm, dass er sich von den Mystikern lossagen möchte, und Archorbar akzeptierte seine Entscheidung voll und ganz. Er erinnerte Adarian daran, dass nur er selbst entscheiden könne, was er mit seinem Leben anstellen wolle, und die freie Wahl habe. Archorbar betonte auch, dass er sich keine Sorgen um sein Ansehen oder seine Ehre aufgrund seines Austrittes machen müsse, sondern dass die Mystiker des Areteischen Ordens ihn offiziell weiterhin als eine Art Ehrenmitglied betrachten, da Adarian sehr viel für den Orden getan hat, als er in Trosk die Mitgliedschaft annahm, um die Stadt vor dem Krieg zu bewahren.
Als Ehrenmitglied besitzt Adarian weder Pflichten noch muss er sich an den Kodex halten. Er hat jedoch die Möglichkeit, weiterhin die Unterstützung und Hilfe der Mystiker zu bekommen und ihre Dienste zu nutzen. Jedoch kann er keine Verhaftungen durchführen oder offizielle Verträge im Namen der Mystiker des Ordens schließen.
Als Zeichen seiner Ehrenmitgliedschaft bekam Adarian ein kleines, goldenes Siegel mit dem Zeichen der Mystiker des Areteischen Ordens geschenkt. Dies kann er an allen Stützpunkten vorzeigen und die Mystiker wissen dann Bescheid. Archorbar wünschte Adarian noch viel Glück und erklärte ihm, dass es manchmal das Beste wäre, wenn man einfach der ist, der man ist.
Augustus Gespräch mit den Helden
Am Abend bat Augustus die Helden zu einem Gespräch auf seinem Zimmer. Auch Iustus und Wolfhardt waren anwesend. Er bat alle Platz zu nehmen, blieb selbst jedoch stehen und schritt mit selbstsicherem Gang würdevoll durch das Zimmer. Dann begann er mit gelassener, aber ernster und ruhiger Stimme in einem sehr offiziellen Tonfall zu sprechen:
„Werte Freunde und meine liebe Schwester Octavia, ich möchte euch eigentlich zuerst ein zweites Mal begrüßen und mich für meinen miserablen Zustand entschuldigen, in welchem ihr mich hier angetroffen habt. (er lächelt dabei und deutet eine kurze Verbeugung an)
Wie ihr vielleicht mehr oder weniger bereits wisst oder vermutet, war meine Zeit im Exil nicht gerade von großem Komfort geprägt und besonders die lange Zeit der Einsamkeit und der zermürbenden Ungewissheit haben ohne Frage ihre Spuren bei mir hinterlassen. Jedoch bin ich nun wieder vollständig in Barthavion angekommen und kann euch meine volle Einsatzbereitschaft versichern. (er legt dabei seine Hand symbolisch auf seinen Schwertgriff, um seine Worte zu unterstreichen)
Ich möchte nun mit euch über das anstehende Gespräch mit dem Kriegsrat reden und habe dafür eine wichtige Bitte an euch.
In den letzten Tagen habe ich es mit viel Unterstützung geschafft, mir einen Überblick über die Chancen von den vereinten militärischen Kräften Barthavions und des Imperiums gegen die vermutete Stärke des Feindes zu verschaffen. Zwar lässt sich sehr viel über die genaue Bedrohung noch nicht sagen, aber nachdem, was eure Freunde Gerbert und Cuina-Nira erspähten und die Mystiker des Areteischen Ordens vermuten, stehen unsere Chancen gar nicht mal so schlecht, wie es zuerst schien. Mit einem ausgefeiten Plan, einer guten Strategie und ausreichenden magischen Schutzvorkehrungen besteht zumindest die reelle Chance, diesem Kult für alle Zeiten das Handwerk zu legen. (sein Gesicht strahlt Zuversicht aus und er nimmt eine Mappe mit Schriftstücken von einem Tisch und hält sie bedeutungsvoll hoch)
Ich habe meine Ideen und alles Relevante, was einen möglichen Angriff betrifft, hier verschriftlicht, sowohl auf Thyrnisch, als auch in Barthavisch. Wenn ihr morgen vor den Kriegsrat tretet, möchte ich euch bitten, dass ihr diese Aufzeichnungen vorlegt und alle Teilnehmer bittet, sich mit meinen Überlegungen auseinanderzusetzen. Sie sollen sie lesen und sich selbst ein Bild verschaffen, was unsere Chancen betrifft. Wenn sie dabei bemerken, dass diese nicht hoffnungslos sind, wird dies vielleicht auch die Bereitschaft auf beiden Seiten zusätzlich erhöhen, sich für einen gemeinsamen Angriff zu verbünden. (er übergibt die Schriftstücke an Octavia und stellt sich dann wieder vor allen auf)
In diesem Zusammenhang muss ich auch einen weiteren Punkt mit euch besprechen. Und zwar wisst ihr mit Sicherheit bereits alle, dass ich aus meiner Heimat verbannt wurde. (er macht eine kurze Pause und blickt einmal in die Runde und wirkt bei diesen Worten nicht besonders betrübt oder niedergeschlagen, sondert redet ruhig und selbstsicher weiter)
Dazu muss ich euch sagen, dass mir persönlich diese Verbannung nicht wirklich zu schaffen macht, da ich weiß, dass sie eine Gnade unseres Kaisers ist. Dafür bin ich ihm dankbar und werde versuchen, mit dem Leben, was er mir schenkte, das bestmögliche in seinem Sinne anzufangen. (er hebt kurz seine Hand empor und verneigt sein Haupt, um den Kaiser mit dieser Geste symbolisch zu ehren)
Es tut mir nur unendlich leid, dass ich euch deshalb nicht in dem Umfang unterstützen kann, wie ich es mir wünschen würde. (dabei blickt er besonders zu Octavia und schenkt ihr einen etwas hilflosen Gesichtsausdruck)
Denn meine Verbannung bedeutet auch, dass ich nun weder Einfluss oder Macht besitze und nicht bei eurem Gespräch mit dem Kriegsrat anwesend sein darf. Ich bin nun ein Geächteter, oder „vogelfrei“, wie ihr es in Barthavion manchmal nennt. Es könnte deshalb sein, dass Botschafter Diffido dem Umstand, dass die Aufzeichnungen von mir stammen, ausnutzt, um sie in ein schlechtes Licht zu rücken. In dem Fall möchte ich nur, dass ihr darauf vorbereitet seid, denn es ist möglich, dass er versucht meinen Status als Gegenargument einzusetzen.
Zum Abschluss möchte ich euch nur noch darauf hinweisen, dass der Prinz von Ankarz mir gegenüber erwähnt hat, dass ihr wahrscheinlich nur eine kurze Redezeit vor dem Kriegsrat haben werdet und offiziell als Stimme des Bund des Lichtes auftretet. Ihr solltet euer Anliegen also argumentativ gut vorbereiten. Der Termin steht allerdings nun fest und ihr werdet morgen früh empfangen werden. Soweit ich informiert bin, wollen die Ratsmitglieder vor allen über unseren Feind aufgeklärt werden und deshalb hoffe ich, dass ich euch mit meiner Arbeit ein wenig unterstützen konnte.
Ansonsten bleibt weiterhin bei unserem Plan und versucht dem Kriegsrat davon zu überzeugen, dass sie alle Abstimmungen über ein Kriegsbündnis aufschieben, bis wir die Beweise aus Perlheim geholt haben!
Ich wünsche euch viel Glück für morgen und dass Phia eure Zungen lenken wird." (er verbeugt sich und signalisiert, dass er mit seinem Anliegen durch ist)
Der Bericht, welchen Augustus mit seinen Worten übergab, enthält alle gesammelten Informationen über den Bund von Utukk‘Xul, welche bereits existieren. Darüber hinaus findet man Kalkulationen über die Kampfstärke der Mystiker des Areteischen Ordens und eine ungefähre Schätzung über das, was Barthavion aufbieten könnte, wobei die genauen Angaben zu ihren Heeresstärken geheim gehalten wurden. Über das benötigte Ausmaß von Truppen aus Thyrna sind Spekulationen verfasst worden, ebenso wie es taktische Informationen über die Angriffsstärke des Feindes. Iustus hat u.a. die erwähnten Dämonen nach ihrer Gefährlichkeit versucht einzuschätzen und eine Aufstellung von magischen Schutz- und Gegenmaßnahmen, die man gegen den Feind aufbringen müsste, verfasst.
Außerdem wurden die bekannten Stützpunkte der Schwarzmagier mit Hilfe von Archorbar auf Karten verzeichnet und daraus Vermutungen über ihr taktisches Vorgehen bei einem bevorstehenden Angriff abgeleitet. Auch über das Problem, dass der Bund große Dämonenfürsten rufen könnte, wird spekuliert und in diesem Zusammenhang auch die Astralfallen von Iustus erwähnt, die eine zukünftige Lösung für dieses Problem darstellen könnten. Vieles ist für Laien auch schwer verständlich und kann nur von in Kriegskunde erfahrenen Taktikern erfasst werden. Adarian, der ein wenig Ahnung davon hat, war beeindruckt von dieser umfangreichen Kalkulation und hatte während seines eigenen Militärdienstes noch so etwas Professionelles und Durchdachtes gesehen.
Gespräch mit Kenji und Octavia
Als sich die Runde dann auflöste, bat Augustus Octavia und Kenji noch auf ein kurzes Gespräch zu bleiben. Er wollte nochmal mit ihm über ihr Vier-Augen-Gespräch reden und sprach ihn vor Octavia direkt an:
„Kenji, ich habe über deine Worte nachgedacht, dass Octavia für uns beide eine gemeinsame Schwachstelle bedeuten würde und habe nun verstanden, was du mir damit sagen wolltest. (er blickt Kenji eindringlich in die Augen und kommt ein Stück näher)
Ich verstehe nun, dass du Octavia ebenfalls als etwas Ähnliches wie eine Schwester betrachtest und es freut mich, dass ihr beiden familiäre Gefühle für einander entwickelt habt. (er blickt wohlwollend zwischen den beiden hin und her und lächelt)
Dieser Umstand macht dann wahrscheinlich auch uns zu Brüdern, Kenji, denn der Bruder meiner Schwester, ist auch mein Bruder. (er lacht kurz und nickt Kenji zu)
Deshalb hoffe ich, dass wir in Zukunft auch wie eine Familie zusammenhalten werden."
Augustus streckte Kenji die Hand zu einem Verbrüderungshandschlag entgegen und, als Kenji zögerlich einschlug, sagte er:
„Willkommen in der Familie!“
Kenji kam aus dem Konzept und schien emotional überrumpelt worden zu sein. Er könne das jetzt nicht so stehenlassen, könne es jetzt aber auch nicht genauer erklären und deutete an, dass er Octavia nicht unbedingt wie eine Schwester betrachten würde. Dann geriet er ins Stammeln und rannte eilig aus dem Zimmer. Octavia verstand seine Reaktion nicht und wollte wissen, was los war. Augustus verstand langsam Kenjis Dilemma und wich Kenji zu Gunsten aus.
Augustus erklärte Octavia, dass sie eventuell ein Druckmittel sein könnte um ihn wieder in die Fänge des dunklen Bundes zu treiben, und das Kenji deshalb besorgt sei. Er betonte, dass diese Gefahr immer bestünde, aber dass gerade diese Gefühle auch eine Stärke im Kampf seinen können. Soldaten würden in ihrem Jahrzehntelangem gemeinsamen Kriegsdienst wie zu Familien zusammengeschweißt und hielte sie trotzdem nicht davon ab, im Ernstfall ihre Pflicht zu erfüllen, selbst wenn dies bedeutete, dass sie den anderen für eine höhere Sache opfern müssen. Augustus gestand Octavia, dass es ihm natürlich auch sehr schwerfällt, sie als Kriegskameradin zu betrachten und sie im schlimmsten Fall sterben lassen zu müssen, aber er auch wüsste, dass sie selbst den Weg des Kampfes gewählt hat und im schlimmsten Fall auf sich selbst gestellt sein wird.
Augustus blickte Octavia dabei an, als wollte er ihre Entschlossenheit und ihren Mut prüfen. Als sie ihm signalisierte, dass sie diesen Umstand akzeptiert und verstanden hat, nickte er ihr anerkennend zu und sagte dann, dass sie alle niemals vergessen dürfen, dass sie ihre persönlichen Gefühle niemals über ihre Aufgabe und das Wohl von Eboria stellen dürfen. Kenji merkte, dass da ein geläuterter Mann sprach, als Augustus schwor:
„Ich selbst habe mich durch die Liebe zu meiner Familie zu dem schlimmsten hinreißen lassen, was ich jemals getan habe und ich schwöre, dass mir dies nie wieder geschehen wird!“
Dann schickte Octavia Augustus hinter Kenji her, um mit ihm zu sprechen.
Kenjis lüftet sein Geheimnis
Augustus begab sich zu Kenjis Zimmer und hier offenbarte dieser zum ersten Mal seine Gefühle für Octavia einem Außenstehenden. Augustus riet Kenji, sich Octavia aus dem Kopf zu schlagen.
Nach den letzten Ereignissen dämmerte es Kenji, dass Augustus ihn nicht so deutlich bezüglich Octavia verstund, wie er gedacht hatte. Da er seinem Bruder im Herzen gegenüber nicht mit einer solchen Lüge leben wollte, schenkte er ihm reinen Wein ein. Während jedoch Henk und in geringerem Maße Adarian schon seit längerem die Blicke Kenjis der jungen Thyrnerin gegenüber wahrnehmen und harmlose Scherze darüber treiben, reagierte Augustus freundschaftlich, aber deutlich ablehnend der Idee gegenüber. Schon der pure Umstand, dass Octavia aus dem Kernreich stammte, noch dazu von einer wichtigen Familie, machte die Idee einer Ehe mit einem barthavischen Mystiker undenkbar. Das Gespräch lief deutlich kürzer und kühler ab, als Kenji sich erhofft hatte. Während Augustus womöglich denkt, das Thema sei damit erledigt, ist Kenji seit diesem Gespräch deutlich wie nie zuvor, wie tief seine Gefühle inzwischen sind und wie ohnmächtig er ihnen gegenüber ist. Vielleicht hat Augustus Recht und er sollte nie nach ihnen handeln. Doch in ihnen liegt eine naive Aufrichtigkeit, die er voller Stolz bei sich hält. Er trifft die Entscheidung, Augustus nicht weiter mit seinen Gedanken diesbezüglich zu behelligen.
Augustus erinnerte Kenji an eine alte thyrnische Weisheit, welche dieser bereits von seinem Lehrmeister Pyrrhon kannte:
„Die Schicksalsmächte der kosmischen Götter lasten einem Mann niemals mehr auf, als er es bewältigen kann!“
Es fällt auf, dass Augustus mit Kenji wie mit einem ganz normalen Mann redet und wenig bis gar nicht von seinem Mystikertum beeindruckt zu sein scheint. Zwar weiß er um dessen Bedeutung und respektiert die Mystiker in Barthavion, aber da er diesem Glauben nicht angehört, behandelte er ihn wie alle und erwartete, dass auch er in allen Situationen seinen Mann stehen kann.
Gemellus' Beschwerde
Als die Helden am Abend im Gasthaus saßen und über die morgige Sitzung des Kriegsrates sprachen, hörten sie, wie sich Gemellus beim Gastwirt beschwerte, dass ihm das Badewasser zu heiß gewesen sei und er sich fast daran verbrüht hätte. Er bemerkte abfällig, dass er eine so mindere Qualität von Wasserleitungen selten gesehen habe und sich fragte, ob die Zwerge nicht fähig wären, ihr Wasser so aufzubereiten, dass die Gäste mit Genuss baden könnten. Er verlangte schließlich, dass er heute ein Bad mit der richtigen Temperatur bereitet bekomme, ansonsten würde er in Thyrna überall erzählen, dass die Zwerge keine Wert auf Gastfreundschaft legten. In dem Gastwirt stieg langsam die Wut auf, da Zwerge eigentlich überall für ihre Gastfreundschaft bekannt sind und diese Aussage eine furchtbare Beleidigung für einen Zwerg ist. Er blieb jedoch ruhig und hatte anscheinend beschlossen, sich nicht von dem Bengel ärgern zu lassen. Als Gemellus jedoch fort war, verdrehte er die Augen und schüttelte den Kopf über das unverschämte Kind.
| 29. Celestalis |
Probleme mit Graltik
Am Morgen vor dem Ratsgespräch holte der Prinz von Ankarz die Helden ab und teilte ihnen mit, dass sie nur wenig Zeit für ihr Gespräch mit dem Kriegsrat haben würden. Er informierte alle darüber, dass es gestern im Rat einen großen Streit mit Graltik gab, welcher den Bund von Barthador wütend verlassen habe und bereits abgereist sei. Nachdem die Thyrner die besetzten Städte Kratas und Perlheim an Barthavion zurückgeben wollten, forderte Botschafter Diffido eine unverschämte Geldsumme, um sie auszulösen. Für Perlheim setzten sich alle Teilnehmer ein und sie Summe kam trotz des hohen Betrages schnell zusammen. Jedoch zeigte sich weniger Einsatzbereitschaft, als es um Kratas ging, und einige meinten sogar, dass es sich nicht lohnen würde, diese Stadt für den Bund zurückzukaufen. Graltik ging daraufhin in die Luft und bedrohte während der Sitzung Diffido, da dieser nicht bereit war, die Summe zu senken, obwohl die anderen Botschafter dazu bereit gewesen wären. Fiderian hätte diese Stadt sogar ohne Gegenleistung zurückgegeben, da er betonte, dass sie für Thyrna eigentlich kein Gewinn bedeuten würde und nur unnötige Kosten verursachen würde.
Das Gute an dem ganzen Schlammassel wäre aber, dass die Gespräche über den Bund von Utukk‘Xul noch nicht einmal erneut aufgenommen wurden und man sich noch über das Friedensabkommen streitet. Dadurch hätten die Helden nun noch alle Zeit, um dem Rat die Informationen von dem Bund des Lichtes vorzulegen.
Außerdem wäre die letzte Debatte über den dunklen Bund und ein gemeinsames Kriegsbündnis in einer Grundsatzdiskussion über den Ursprung der Plage untergegangen und hätte die Verhandlungen zum Erliegen gebracht, nachdem die Emotionen hochgekocht und sich einige Mitglieder fast an die Gurgel gegangen waren, weil ein Botschafter moralische Verfehlungen der Barthaver als Ursache der Schwarzen Jahre ansprach.
Der Prinz erklärte, dass der Kriegsrat von den Helden nun vor allem genauere Informationen über den Feind erwarten würde und sie als offizielle Sprecher vom Bunde des Lichtes angekündigt wurden. Nach dem Frühstück drängt er zum Aufbruch und führt die Helden zur großen Ratshalle.
Vor dem Kriegsrat
Prinz Isgar führte die Helden in eine Vorhalle des Rates und Wolfhardt hatte sich als Herold der Helden gemeldet. Er wird ihre Namen zur Ankunft verlauten lassen und trug dazu ein formelles Wams und eine Flagge vom Bund des Lichtes, welche er extra hatte anfertigen lassen.
Alle warteten einige Minuten, dann öffnete sich die Tür und ein Bote winkte alle hinein. Wolfhardt schritt mit der Flagge stolz vorweg und hielt dann in der Mitte des Raumes an, um die Helden anzukündigen:
„Dies sind die Helden Barthavions und die Träger der Drachenträne. Sie treten als Sprecher des Bundes des Lichtes vor Euch, tapfere Männer, verehrte Botschafter und ihr Herrscher von Barthavion, um euch an ihrem Wissen über den Feind im Süden teilhaben zu lassen.
Als erstes tritt vor euch: Adarian von Wallenrode, auch bekannt als Adrianus, der Held von Trutz! (allen ist bewusst, dass sie bei ihrer Erwähnung vortreten und sich verbeugen sollen) Dann: Octavia Ardera, die Gesandte des Drachens!
Kenjiro Asai, Mystiker des Alethon!
Und schließlich: Captain Henk Hjaldinger!"
Dann werden die Helden von dem Rat durch den Moderator Kaldos Bregowin begrüßt:
„Wir grüßen euch, tapfere Helden und danken euch für euren Mut und eure Tatkraft, ohne die wir hier alle niemals säßen. Ohne euch wäre dieser Frieden undenkbar und erst eure Erkenntnisse über den finsteren Feind haben uns die Augen geöffnet, dass wir einen Krieg führten, der aus dritter Hand entstand und gelenkt wurde!“
Die Ratsmitglieder und die thyrnischen Botschafter erhoben sich daraufhin von ihren Sitzen, verbeugten sich still und ehrenvoll für eine längere Zeit vor den Helden und legen als bedeutsame Ehrerbietung eine Art Schweigeminute ein. Aufmerksame Beobachter bemerkten, dass u.a. Diffido dabei etwas gezwungen wirkte und man könnte schwören, dass der Abgeordnete von Urupa die Augen subtil bei seiner Verbeugung verdreht hatte. Dann spracht der Zwergenkönig, welcher zwar nicht mehr so krank wirkte, aber trotzdem schon besser ausgesehen hatte:
„Auch Fjagar möchte euch seinen Dank aussprechen und euch versichern, dass wir auf ewig in eurer Schuld stehen werden.“
Er verbeugte sich dann erneut ganz tief und blickte dabei besonders Octavia an, welche ihm das Gegenserum verabreicht hatte und die erste Person war, die er sah, als er aus der langen Ohnmacht nach seiner Krankheit erwachte. Er fuhr fort:
„Wir sind nun alle gespannt, welche Kunde ihr uns mitbringt! Also teilt euer Wissen mit uns und berichtet von eurer Arbeit beim Bund des Lichtes und mit welchen weiteren Gefahren wir von dem finsteren Feind im Süden zu rechnen haben!“
Die Helden haben nun Zeit ihr Anliegen vorzutragen, während die Ratsmitglieder versuchten möglichst wenig von sich preis zu geben. Sie verhielten sich sehr neutral und trugen in der Anwesenheit der Helden auch keine Debatten aus. Sie sprachen auch keine internen Themen der Sitzungen an oder gaben ihre Meinungen preis. Alle hörten aufmerksam zu und es war schwer abzuschätzen, wie die einzelnen Abgeordneten zu dem Inhalt standen.
Das Anliegen der Helden
Erzquestor Kenji ergriff das Wort und stellte die Überlegungen der Helden dem Kriegsrat vor.
- Der Feind ist real und gegenwärtig. Der vorgelegte Bericht zeigt eindeutig die eboriaweite Gefahr, die von keiner Einzelmacht aufzuhalten ist und nur gemeinsam bezwungen werden kann.
- Der Feind ist nicht neu. Und nicht nur der Feind Barthavions. Der Bericht von Darrow zeigt, dass halb Ishtur vor Jahrhunderten vor dem Bund in die Knie ging. Der Konflikt Thyrnas mit den Umêlern wurde vom Bund zu den Ungunsten Thyrnas beeinflusst. Der Bund manipulierte auch thyrnische Magier und löste so die Plage aus. Utukk'Xul ist der Feind Thyrnas.
- Der Bund strebt die Ausweitung der Plage an. Räumlich überall und zeitlich für immer. Das schließt Thyrna ein.
- Wir haben mehr Beweise - in Kürze
Die Frage nach dem Ursprung der Plage
Als die Frage nach dem Ursprung der Plage angesprochen wurde, wurde schnell an der Körpersprache der Ratsmitglieder deutlich, dass dies ein unangenehmes Thema war. Anscheinend wurde dieses schnell zu einem persönlichen, bei welchem sich viele der Barthaver durch die Botschafter beleidigt fühlten, weil diese moralische Probleme als Ursache dieses Zustandes angesprochen hatten, wie der Prinz von Ankarz im Vorfeld erzählt hatten. Es handelte sich offensichtlich um ein Reizthema und einige Teilnehmer bemühten sich gerade, ihre Reaktionen vor den Helden für sich zu behalten. Sogar Diffido setzte bei diesem Thema ein Pokergesicht auf.
Die Barthaver reagierten auf die Aussage, dass die Thyrner eventuell eine Teilschuld an der Plage tragen, mit etwas unterschwelliger Genugtuung, hörten interessiert zu und einige blickten vor allem Diffido und auch Consideratus etwas vorwurfsvoll an, da diese vorher behaupteten, dass die Plage eine Strafe der Götter für die Barthaver sei.
Zu den Beweisen in Perlheim stand Diffido nach Kenjis Ansprache auf und warf ein:
„Ich weiß, dass es noch nie eindeutige Beweise für eine Mitschuld Thyrnas an der Plage gab und soweit ich weiß, hat auch euer Vater nach fast 20 Jahren Forschungsarbeit keine Beweise liefern können, Gesandte Ardera. Wieso glaubt ihr also, dass ihr uns nun welche liefern könnt?“
Auch Consideratus erhob sich und erklärte:
„Wenn diese Beweise tatsächlich existieren, werde ich mich persönlich dafür entschuldigen, dass ich den Barthavern vorgeworfen habe, dass die Plage eine gerechte Strafe für ihre Sünden sei. Ich werde dann zu den Fehlern meines Volkes stehen und Alles tun, um ganz Eboria vor diesem Feind zu schützen. Wenn diese Beweise jedoch nicht existieren oder sich das Gegenteil herausstellt, werde ich mich jedoch nicht in das göttliche Gesetz einmischen! Eure Ergebnisse werden also entscheidend für meinen Entschluss sein! Seid euch darüber gewiss!“
Fiderian sah Consideratus dabei erfreut an, stand nun ebenfalls auf und fügte hinzu:
„Wenn ihr mit euren Beweisen erfolgreich seid, könnt ihr euch der Unterstützung des ganzen Imperiums sicher sein! (er verbeugt sich) Wir Thyrner sind ein stolzes und ehrenhaftes Volk und wir werden zu unseren Fehlern stehen, wenn sie uns aufgezeigt werden! Im Namen des Kaisers!“
Darauf entgegnete Diffido nur:
„Nicht so schnell, werter Kollege! Wir sollten nichts übereilen! Diese Beweise müssten schon sehr eindeutig sein, um mich zu überzeugen. Auch der Kaiser wird sich nicht leicht täuschen lassen, also solltet ihr keine Versuche anstellen, um uns falsche Tatsachen zu präsentieren!“
Bei diesen Worten erhob sich der Prinz von Ankarz und sagt etwas empört:
„Diese Helden sind für mich nicht nur treue Freunde, für die ich jederzeit meine Hand ins Feuer legen würde, sondern auch ehrliche und aufrechte Menschen, die jeden Tag ihr Leben für unser aller Wohl riskieren! Ihnen die Absicht von Täuschung oder Betrug zu unterstellen, grenzt an eine Beleidigung! Bei allem Respekt, Herr Botschafter, aber eigentlich solltet ihr euch für diese Aussage entschuldigen!“
Diffido winkte ab und versuchte seine Bemerkung herunterzuspielen, indem er sagte:
„Ich unterstelle niemanden etwas, aber ihr versteht sicher, dass ich bei so einem wichtigen Thema vorsichtig sein muss. Ich weiß nicht, wie ihr in Ankarz eure Entscheidungen trefft, werter Prinz (dies sagt er etwas abschätzig), aber in Thyrna beziehen wir alle Eventualitäten in unsere Überlegungen mit ein und entscheiden nicht aus persönlichen Sympathien heraus. Immerhin steht das Wohl von unzähligen, rechtschaffenden Bürgern des Imperiums auf dem Spiel!“
„Ihr wollt uns doch nicht etwa unterstellen, dass wir in Ankarz unfähig sind, vernünftige Entscheidungen zu treffen, Herr Botschafter?“
Alle merkten, wie der Prinz sich zusammenreißen musste, aber trotzdem gerade ziemlich wütend wurde. Die Emotionen kochten hoch und die Stimmung drohte zu kippen. Deshalb mischte sich der Zwergenkönig ein und verhinderte damit eine Eskalation zwischen dem Prinzen und Diffido, in dem er ablenkend die Helden fragte:
„Werte Helden, wie lange wird es dauern, diese Beweise zu beschaffen?“
Nach der Antwort wird er das Thema abbrechen und sagen, dass der Rat später über das Anliegen der Helden diskutieren wird.
Reaktion auf Augustus‘ Schlachtplan
Nachdem die Helden die Pläne von Augustus und Iustus übergeben hatten, reagierten die Ratsmitglieder sehr interessiert und brannten darauf, die Pläne zu lesen. Sie brachen mit ihren Beratern in Getuschel aus und Wortfetzen wie „…endlich mal was Handfestes…“ „…auf sowas haben wir alle gewartet…“ „…dies könnte endlich einen Überblick ermöglichen…“ waren zu hören.
Da Kenji nicht explizit erwähnt hat, wer die Pläne angefertigte, erhob sich Botschafter Diffido und äußerte, wobei er zielstrebig auf Octavia zeigte:
„Ich kann mir schon denken, wer diese Pläne verfasst hat. Euer Bruder, Gesandte Ardera, hat sich bereits auf unserer Anreise eingehend über die taktischen Grundlagen dieses Konfliktes erkundigt und jeder in Thyrna weiß, dass er für sein Kriegsgeschick und seinen Ideenreichtum in den Schlachten überall bekannt ist. Ich glaube nicht, dass sonst jemand aus eurem Bund dazu fähig wäre, einen solchen umfassenden Plan auszuarbeiten, oder wollt ihr das etwa abstreiten, Gesandte Ardera?“
Als Octavia ihm bestätigte, dass Augustus daran beteiligt war, verkündete er:
„Werte Gesandte Ardera, euch ist doch sicher bewusst, dass euer Bruder ein Geächteter und ein Lügner ist. Ich war selbst dabei, als er vor dem Konsilium eurem Tod verkündet hat, obwohl er wusste, dass ihr euch auf den Weg in den Norden Eborias befandet. Sagt mir also bitte, wie ich einem solchen Mann trauen könnte, der es gewagt hat, dem thyrnischen Konsilium ohne Skrupel zu belügen?“
Nun wurde Botschafter Fiderian wütend, stand auf und rief:
„Mäßigt euer Misstrauen, Diffido! Der Sohn des Aequus hat all seine Verfehlungen vor langer Zeit gestanden und hat von dem Kaiser seine gerechte Strafe erhalten! Ich sehe keinen Anlass, warum wir ihn in dieser Angelegenheit nicht trauen sollen.“
Diffido winkte ab und meinte, dass er persönlich diese Pläne prüfen und alle Kalkulationen erneut durchrechen würde. Er spitzte die Sache noch zu indem er hinzufügte:
„Es ist euch doch sicher bekannt, dass der junge Octavier sich maßgeblich an der Kriegstreiberei beteiligte, als Silvius Insidiae seinen eigenmächtigen Schlachtzug auf Loderis eröffnete! Warum sollte er uns nun helfen wollen? Ging es ihm nicht immer nur um seinen eigenen Ruhm?“
Hierbei hörte man empörtes Getuschel aus Loderis und Moderator Bregowin wurde unwohl und er verließ unsicher wankend den Saal und wurde von einem Kollegen abgelöst. Allgemein war zu bemerken, dass diese Behauptung bei allen Anwesenden im Kriegsrat etwas Misstrauen ausgelöst hatte. Sie sahen Octavia fragend an und erwarteten eine Erklärung.
Hier fehlt noch, was Octavia, Adarian, Henk und Kenji vor dem Rat zu Augustus Gunsten sprachen.
Der Zwergenkönig mischte sich dann auch ein und beendete die Diskussion:
„Wir danken dem Bund des Lichtes für diese Pläne und ich bin mir sicher, dass jeder Anwesende hier genügend Zeit haben wird, sie zu prüfen.“
Anschließend erklärte der neue Moderator die Audienz beim Kriegsrat für beendet und sagte, dass der Rat nun Zeit braucht, um sich zu besprechen und sie den Helden im Laufe des Tages ein vorläufiges Ergebnis mitteilen werden.
Im Gasthaus
Die Helden hatten nun etwas Zeit und kehrten ins Gasthaus zurück. Augustus und Iustus warteten schon gespannt und wollten erfahren, wie es gelaufen war. Als die Helden Augustus von den Diffidos Vorwürfen berichteten, reagierte Augustus gelassen und meinte nur, dass dieser guter Taktiker ist, der stets alle Register zieht und er mit nichts anderem gerechnet hätte.
Auf die Eroberung Loderis angesprochen und darauf, dass er als Kriegstreiber bezeichnet wurde, meinte Augustus nur stoisch, aber auch etwas beschämt:
„Ich gebe zu, dass ich Silvius unterstützt und ihm in seinem Krieg gedient habe. Ohne mich hätte er weder Loderis eingenommen, noch hätte er die Orkstämme vor Druzba besiegt. Darauf bin ich natürlich nicht stolz, aber damals erschein mir dies als eine absolut logische Konsequenz. Immerhin glaubte ich damals, dass ich die niederträchtigen Mörder meiner Eltern und all der anderen ermordeten Botschafter jagen würde. Leider habe ich mich da gewältigt geirrt…“
Mestoph und das Luftschiff
Am Mittag erhält Henk von seiner Gilde eine Nachricht, dass Mestoph mit der K‘eygha am Luftschiffhafen eingetroffen war und dort auf ihn wartete.
Mestoph begrüßte Henk in gewohnt trockner Art und gestand ihm, dass Jaran nicht zu viel versprochen habe, was das Luftschiff angeht. Henk konnte sofort sehen, dass das ganze Schiff mit einer grauen Farbe gestrichen wurde und auch ein neues, graues Segel besitzt. Mestoph erklärte ihm dann, dass die Farbe und das Segel mit magischen Farbpartikeln überzogen wurden, welche auf Entfernung das Schiff mit dem Hintergrund verschwimmen lassen können. Henk sollte zwar keine Wunder erwarten, aber bei Dämmerung oder bei trüben Wetter sei das Schiff nur noch schwer zu entdecken.
Mestoph erwähnte auch, dass die Schiffbauer der Gilde noch andere kleine Verbesserungen eingebaut hätten, die er schon noch rauskriegen würde. Außerdem wurde die Schnelligkeit des Schiffes enorm erhöht und es sollte nun möglich sein, schnell mit ihm durch Barthavion zu reisen. Von Jerris aus hatten sie jetzt nicht einmal zwei Tage benötigt.
Mestoph fragte Henk, wohin er als nächstes aufbrechen wolle. Als er von Perlheim erfuhr, machte er ein interessiertes Gesicht und sagten, dass er dort etwas für ihn zu tun hätte. Es gäbe Gerüchte, dass die Stadt von den Thyrnern freigegeben würde und sie sich wieder an das alte Gesetz halten wollten. Ohne die strenge Kontrolle durch die Thyrner sei es nun möglich auch wieder einen Gildenzweig dort groß zu ziehen. Er erwähnte, dass es früher dort auch mal mehr Füchse gab, sie jedoch nun fast alle fort waren. Jedoch würde noch einer von ihnen dort die Stellung halten und sich um die Schmuggelgeschäfte am Hafen kümmern. Dieser Mann heißt „Schwarzbart“ und war der einzige Pirat der Berstmänner, der in Barthavion heimisch wurde und sich den Füchsen angeschlossen hatte. Er war ein harter Knochen und bereits sein Vater war ein bekannter Schmuggler in der Bartha-Bucht. Henk sollte ihn aufsuchen und sehen, was er für ihn tun kann, damit die Geschäfte wieder in Schwung kommen.
Mestoph berichtete auch, dass es in Jerris wieder bergauf ging und auch die Schäden von der Untotenplage nun langsam behoben waren. Auch die Gilde machte gute Geschäfte mit den Briccones und alle zogen zurzeit am gleichen Strang. Henks Verlobung mit Viola wird wahrscheinlich auch dafür sorgen, dass es weiterhin ein gutes Verhältnis zu Toni und seinen Brüdern gibt. Übrigens sollte er von Viola schöne Grüße bestellen und Henk ausrichten, dass sie jeden Tag zu den Passionen für ihn betet und immer in Gedanken bei ihm ist.
Mestoph hatte auch gehört, dass Hella und Montakor wohlbehalten in der Hohen Heimat angekommen waren und Henk sich keine Sorgen um sie machen muss.
Dann verabschiedete er sich und meinte, dass er sich nun um einige Geschäft in Valkenburg kümmern müsse, Henk ihn aber jeder Zeit erreichen könne. Ansonsten sollte er sich mal melden, wenn er etwas in Perlheim erreicht hat.
Die Entscheidung des Kriegsrates
Am Abend werden alle durch einen Boten zum Kriegsrat gerufen. Die Helden traten wie zuvor auf ein Zeichen ein und Wolfhardt begleitete sie erneut mit der Flagge, stellte sie allerdings nicht noch einmal vor, sondern war nur Dekoration. Dabei machte er jedoch eine recht gute Figur und hielt stolz die Fahnenstange. Der Moderator des Kriegsrates erhobt sich und sprach:
„Werte Helden vom Bund des Lichtes! Wir haben uns beraten und sind zu Folgendem Ergebnis gekommen:
Der Rat ist sich darüber einig, dass eure Information von großer Relevanz sind und dass sie diese grundlegend bei ihren Überlegungen zu einem möglichen Kriegsbündnis mit dem Thyrnischen Imperium berücksichtigen werden. Jedoch werden noch viele Experten zu Rate gezogen werden müssen und wie ihr im Vorfeld bereits erfahren habt, bestehen einige Mitglieder auf eine erneute Prüfung dieser Erkenntnisse.
Auch bezüglich des Zeitpunkts der endgültigen Abstimmung über das mögliche Kriegsbündnis, war sich der Rat schließlich einig, euch die benötigte Zeit zu gewähren, um eure Beweise zu beschaffen. Da sich die allgemeinen Friedensverhandlungen noch länger hinziehen werden und es noch andere wichtige Punkte zu besprechen gibt, werdet ihr mit Sicherheit einige Tage oder vielleicht sogar Wochen Zeit haben, bevor eine endgültige Abstimmung stattfinden wird.
Der Rat erwartet jedoch, dass er durch eueren Bund des Lichtes Kontakt haltet und ihn über eure Ergebnisse informiert, sobald ihr erfolgreich ward.“
Dann erhoben sich nochmal alle Ratsmitglieder, verbeugten sich vor den Helden und die Audienz war beendet.
Abschied von Archorbar
Bevor die Helden abreisten, um die Beweise aus Perlheim zu beschaffen, wollte Archorbar sie noch sprechen. Er beglückwünschte sie zu ihrem Erfolg vor dem Kriegsrat und sagte, dass es gut war, dass sich die Abstimmungen ohnehin verschiebe. Er wünschte allen den Segen der Passionen und hoffte, dass sie die Beweise bald finden werden.
Zum Schluss wollte Archorbar noch kurz mit Kenji sprechen. Er fragte ihn dann, ob er ihm jemals erzählt hat, dass er ein alter Freund seines Meistes Pyrrhon gewesen ist und vor dessen Tod häufig in Perlheim zu Besuch war. Er bat Kenji deshalb, dass er das Grab von Pyrrhon aufsucht und dort für ihn ein Gebet spricht. Dann holt Archorbar einen Beutel hervor und sagte, dass Kenji den Inhalt bitte vorher auf das Grab von Pyrrhon stellen sollte. Kenji erfühlte, dass sich in dem Beutel eine kleine, goldene Statue eines Greifen befand. Zu mehr äußerte sich Archorbar nicht und beantwortete auch keine weiteren Fragen dazu.
Episode 03: Die Fürsten vom Travelwald
29./30. Celestalis 721 ThZ
Mit der verbesserten K'eygha und Augustus und Iustus Trebatius an Bord brechen die Helden auf nach Perlheim. Unterwegs helfen sie in Not geratenen Reisenden, bleiben in einen mysteriösen Nebel stecken und lüften schließlich das Geheimnis um den aus Spukgeschichten berüchtigten Travelwald.
| 29. Celestalis |
Aufbruch aus Valkenburg
Beim Aufbruch ließ Iustus seine ganzen Utensilien auf das Schiff bringen und trug selbst auch einen großen Stapel an Schriftrollen und Büchern auf dem Arm. Er fragte Henk als Kapitän höflichst und formell, wo er seinen Arbeitsutensilien unterstellen dürfte, da er sich als Gast nichts unrechtmäßig aneignen möchte. Henk wies ihm die Kajüte zu, in der Octavia ihren Schlafplatz hat. Dazu ließ er das große Bett aus der Kabine entfernen, was zu großem Unmute bei Octavia führte. Sie machte einen solchen Aufstand, dass ein neues, kleineres Bett angeschafft wurde und in der Kajüte aufgebaut wurde.
Augustus fragte Henk, ob er sich nützlich machen kann, denn ihm gefällt es allgemein nicht, untätig zu sein. Er wies darauf hin, dass er seit drei Jahren dazu gezwungen war, fast nichts zu tun, und er voller Tatendrang und begierig darauf war, endlich wieder etwas Nützliches tun zu können. Henk ließ ihn mit Adarian und Kenji das Segel hissen und die K’eygha legte am frühen Abend in Valkenburg ab.
Die Gespräche der Helden drehten sich um Perlheim teilen ihre Gedanken, Befürchtungen oder auch ihre Vorfreude. Henk fragte Octavia, wie es ihr jetzt gehe, wo sie jetzt in ihre alte Heimat flögen.
Hier fehlt noch Octavias Reaktion
Henk fragte auch Augustus, wie er die Rückkehr empfinde. Augustus ging Perlheim mit gemischten Gefühlen entgegen. Er schämte sich noch sehr wegen dem, was er dort mit Silvius getan hatte, aber trotzdem freute er sich auch, da er nun zu dem Ort zurückkehrte, an dem er zusammen mit Octavia aufwuchs und mit dem er auch sehr viele schöne Erinnerungen verbindet.
Die verunglückte Karawane
Henk nahm mit der K‘eygha Kurs auf Perlheim und flog nach Einsetzen der Dämmerung nahe an der Handelstraße zum Bannsee entlang. Sie erblickten schon von Weitem, dass etwas Großes auf dem Weg brannte. Als sich das Luftschiff näherte, hörten sie die Hilfeschreie mehrerer Personen, u.a. auch von einer Frau. Unten war ein verunglückter und hell brennender Karren zu erkennen, dessen Trümmer auf der ganzen Straße verteilt waren. Außerdem hatte die Karawane anscheinend Gemüse geladen, da auf der ganzen Straße verteilte und geplatzte Kürbisse herumlagen. Da das Luftschiff wegen der Tarnfarbe kaum sehen erkennen war, entdecken die Gestrandeten die Helden am Himmel erst sehr spät. Sie richteten ihre Hilfeschreie dann aber direkt an sie und winkten sie nach unten. Die Helden hielten das Luftschiff an und schauten nach dem Rechten.
Bei den fünf Personen handelt es sich um den alten Gemüsebauern Knut Dickwurz, welcher ruhig, besonnen und vorsichtig war und an einem Baumstamm saß, und seine Tochter Hildi, welche kläglich das Unglück bejammerte. Dann war da noch Ashrig Hackmeier, welcher ein Angeber und Großmaul zu sein schien, denn er prahlte ständig damit, dass er noch nie Angst gehabt hätte. Mit einem Eimer kam schließlich auch der Gaukler Pirro Lautenwicht aus dem Gehölz, der vergeblich auf der Suche nach Löschwasser gewesen war. Er schnupfte zwischendurch verstohlen etwas aus einem Beutel, und es schien so, als hätte er ein großes Problem mit seiner Traumstaubsucht.
Sie freuten sich alle, als die Helden ihnen halfen und berichteten ihnen, was mit ihrem Wagen geschehen war. Sie waren alle auf dem Weg nach Galdingen, um aus verschiedenen Motiven am Kürbisfest teilzunehmen und Ardons Segen zu erbitten. Als die Nacht einbrach, wurde die Karawane jedoch plötzlich von Nebel eingehüllt und man sah kaum noch die Straße. Der Kürbisbauer, der den Wagen lenkte, sah plötzlich eine alte, furchtbar hässliche, alte Frau, die sich dem Wagen in den Weg stellte. Man konnte ihr Gesicht im Dunkeln kaum erkennen, aber sie hatte eine große, krumme Nase und stechende Augen. Sie trug alte Lumpen, hatte jedoch irgendetwas um den Hals, das wie aus Gold aussah. Sie erhob ihren Finger und sprach:
„Alles muss einst dorthin zurückkehren, woher es einst kam!“
Dann erhob sie ihre Hände in die Luft und sprach ein paar Worte in einer grässlich klingenden Sprache, die nicht wie von dieser Welt klang. Knut Dickwurz könnte schwören, dass die Frau gleichzeitig mit mehreren Stimmen zu sprechen schien, so als ob sie nicht eine, sondern mehrere Personen sei. Dann wurde plötzlich alles schwarz und die gesamte Reisegruppe wurde ohnmächtig. Nach einigen Stunden waren sie unversehrt wieder aufgewacht und lagen alle auf der Straße verteilt. Der Karren war jedoch zertrümmert und brannte, ihr ganzes Hab und Gut lag auf der Straße verteilt.
Iustus untersuchte den Ort und sah sich alles genau an. Er stellte fest, dass sich überall Spuren von astralen Einwirkungen befanden, die er jedoch nicht eindeutig zuordnen konnte, da die Spuren zu gering waren. Es könnte sich um einen Zauber handeln, den die Alte gewebt hatte, aber Iustus fand das astrale Muster sehr merkwürdig und hatte so etwas noch nie gesehen. Octavia konnte mit Astralsicht nichts wahrnehmen, aber sie hatte das Gefühl, als ob an diesem Ort Reste von „großer Verwirrung“ herrschte und sich alles „chaotisch“ oder „zerrissen“ anfühlte.
Die Reisenden baten die Helden, ob sie sie nach Galding bringen könnten, was mit dem Luftschiff maximal 2-3 Stunden entfernt liegt und kein großer Umweg für die Helden wäre, da der Weg weiterhin in Richtung Süden führt. Sie meinten, dass sie alle so schnell wie möglich von dieser Straße fortwollten, da sie Angst hatten, dass die Alte zurückkehrt und ihnen doch noch etwas tut. Besonders die Tochter des Bauern Hildi war noch ganz verängstigt und weinte zwischendurch immer wieder. Sie stand anscheinend noch unter Schock. Die Helden stimmten zu und bevor alle auf das Schiff gingen, bat Bauer Dickwurz die Helden noch darum, sehr großen Kürbis mit auf das Luftschiff zu nehmen, dem glücklicherweise, bei dem Unfall nicht geschehen war. Dieser war sein ganzer Stolz und alle sahen, dass der Kürbis tatsächlich riesig war und ein normal starker Mann ihn nur mit Mühe heben konnte. Für Adarian war dieser jedoch mit Mühe zu transportieren. Der Bauer war sehr besorgt um seinen Kürbis und bat alle ganz vorsichtig damit umzugehen. So wurde der Kürbis von Adarian an Bord gebracht und mit den neuen Gästen setzten die Helden ihre Reise fort.
Der Barde und die Helden
Nachdem die Geretteten erfahren hatten, wer die Helden waren, freuten sie sich und meinten, dass sie nun gerettet waren und ihnen bestimmt nichts mehr zustoßen könnte. Für sie war es eine große Ehre, solch prominente Helden kennenzulernen und sie waren sehr beeindruckt. Pirro, der Barde, erklärte, dass „Adarian, der Held aus Trutz“ inzwischen auch in Valkenburg sehr populär war und es immer wieder mal im Gasthaus „Zum prachtvollen Keiler“ gespielt wird. Er selbst stimmte auch gleich ein paar Töne dazu ans und war begeistert, dass Adarian nun leibhaft vor ihm steht.
Pirro war jedoch auch ein großer Fan von Henk und eigentlich war dieser sogar sein persönlicher Favorit der Gruppe. Er fragte ihn etwas schüchtern, ob er zu Lorkan tatsächlich so einen guten Draht hat, wie man es auf den Straßen erzählt. Henk sollte wissen, dass er unter den Gauklern in Barthavion sehr beliebt ist und einige behaupteten, dass Henk selbst ein Sohn des Twill sei. Ein Barde hatte sogar mal behauptet, dass Henks Mutter eine echte Füchsin gewesen wäre. Pirro selbst ist ein großer Anhänger des Gottes der Freiheit und erzählte Henk, dass dieser Gott ihm den Mut gegeben habe, Gaukler zu werden und das freie Leben auf der Straße zu wählen. Er erzählte Henk auch, dass er ebenfalls viel von Twill gehört habe und bald nach Freywall reisen wolle, um sich im Tempel der Initiation zu unterziehen. Bis jetzt hatte er sich jedoch noch nicht getraut, da ein Kumpel von ihm nie wieder aus der Kanalisation von Freywall zurückgekehrt war. Henk redete ihm gut zu und machte ihm Mut, sein Vorhaben durchzuziehen.
Das Kürbisfest
An Bord erzählten die Passagiere von ihrem Reiseziel, dem Kürbisfest. Jedes Jahr veranstaltet das kleine Örtchen Galding ein großes Kürbisfest nach der Erntesaison. Es reisen dazu Menschen aus der ganzen Umgebung an und u.a. gibt es Wettbewerbe um Kürbisse und die größten von ihnen werden mit Preisen ausgezeichnet. Knut Dickwurz hatte dieses Jahr einen besonders großen Kürbis und war sich dieses Mal seines Sieges sicher. Außerdem baten die Bauern um Bias Segen für die kommende Saison und feiern dem Gott zu Ehren ein großes Fest mit Tanz und selbstgebranntem Kürbisschnaps. Die Kinder verkleiden sich an diesem Tag auch alle als Spukgestalten, um die schädlichen Geister symbolisch auszutreiben, welche die Feldfrüchte in der nächsten Saison bedrohen könnten.
Knut Dickwurz erzählte, dass er aus Brückeburg stammt und seine jährliche Lieferung zum Kürbisfest nach Galding bringen wollte. Außerdem hoffte er beim Feiern endlich einen Verlobten für seine seiner Tochter Hildi zu finden. Von Ashrig war nur zu erfahren, dass er als Minenarbeiter in Minbruch arbeitet und jedes Jahr nach Galding kommt, um das Kürbisfest zu feiern. Pirro wollte nach Galding um dort auf dem Kürbisfest gegen Geld zu spielen und mit seinen Gauklerfreunden zu feiern.
Die Spukgeschichten
Der alte Bauer wendet sich schließlich an die Helden und versammelt alle bei Henk am Steuerrad. Er teilte ihnen auf mysteriöse Weise mit, dass er vielleicht wüsste, wer die Alte gewesen war, die sie überfallen hatte. Er erwähnte, dass der Wald, den sie gerade überflogen, ein verfluchter ist, über den es viele unheimliche Geschichten in Galding gibt. Er glaubte, dass die Alte eine der verfluchten Seelen sei, die in diesem Wald spuken. Knut erzählte weiter, dass man den Wald „Travelwald“ nennt. Manche gehen davon aus, dass der Name von dem zwergischen Wort „to travel“ (reisen) abgeleitet wäre und man ihn so nannte, da eine wichtige Reiseroute in den Servas-Dickicht hindurchführt. Andere behaupten jedoch, dass er so genannt würde, weil dort immer wieder Dinge verschwänden, so als ob sie irgendwo anders „hinreisen“ würden.
Er selbst habe einmal dort eine längere Pause gemacht und sich auf einem Stein eine Pfeife gegönnt. Er habe in den Wald geschaut und dem Rauschen der Blätter gelauscht, als er plötzlich so etwas wie ein Kichern gehört habe, was jedoch sofort wieder verschwand. Er dachte, dass es von spielenden Kindern aus der Umgebung käme und beachtete es nicht weiter. Als er dann aufbrechen wollte, sah er, dass plötzlich sein großer Tabaksbeutel verschwunden war, der kurz zuvor noch neben ihm auf dem Stein gestanden habe. Er hat ihn überall gesucht und dachte zuerst, dass dieser heruntergefallen sei, doch auch im weiterem Umfeld des Steines konnte er den Beutel nicht mehr wiederfinden. Er hat auch niemanden gesehen und falls sich einige Kinder einen Scherz erlaubt hatten, müssen sie quasi unsichtbar gewesen sein, als sie den Beutel geklaut haben. Nach einiger Zeit gab er das Suchen auf und reiste weiter. Er hatte jedoch ein sehr ungutes Gefühl und fühlte sich den weiteren Weg beobachtet und war froh, als er die Hauptstraße erreichte und den Travelwald bald hinter sich lassen konnte.
Der Minenarbeiter Ashrig mischte sich ein und meinte, dass er aus Galding stamme und dort noch nie etwas Seltsames gesehen habe. Es sei alles Geschwätz von alten Weibern und dumme Ammenmärchen. Er selbst habe als Kind oft in den alten Ruinen gespielt, die sich im Wald befinden. Zwar hieß es, dass dort schon mehrere Kinder verschwunden seien, doch er habe sich dort nie gefürchtet. Er wüßte aber, dass es dort mal eine große Schlacht gegeben hat, die Galdon I., der Vorfahr des Fürsten vom heutigen Galding, gewann. Von seinem Gegner seinen nur noch die Grundmauern seiner Burg übriggeblieben und der Name seiner Familie ist lange vergessen. Man erzählte sich, dass ihre Geister dort spuken und versuchen würden, Dinge und auch Menschen in das Totenreich zu ziehen. Dies sei jedoch absoluter Schwachsinn und er hat schon als Kind nicht an so ein Gewäsch geglaubt.
Pirro, der Barde, hatte aufmerksam zugehört und erzählte, dass er ein altes Lied kennt, was von den Fürsten vom Travelwald handelt. Er habe dies auf einem der letzten Kürbisfeste von einem Galdinger Barden gelernt, welcher leider etwas betrunken dabei war. Daher hoffte Pirro, dass er es noch auf die Reihe bekommt, und trug das Lied vor. Nachdem er gesungen hat, fragte er, ob jemand für ihn eine andere Gruselgeschichte hatte, die er mit ihm teilen möchte. Er sei immer auf der Suche nach guten Geschichten und beim Kürbisfest sei es ein Brauch, dass man sich abends am Feuer Gruselgeschichten erzählt. Wenn er dort eine neue Geschichte mitbringen könnte, würden die Kinder sich mit Sicherheit freuen.
Augustus fragte schließlich Octavia, ob sie sich noch an die Geschichten vom Grafen von Koslin erinnern könne. Wenn sie damals dort zu Besuch waren, hat dieser ihnen als Kinder immer davon erzählt, dass es eine verfluchte Stelle mitten in der Bartha-Bucht gäbe. Augustus konnte sich noch gut daran erinnern, aber Octavia war damals noch sehr klein und wusste es nicht mehr so genau. Er erinnerte sich aber noch, dass sie große Angst durch diese Geschichte bekommen hatte. Auch wenn sie selbst als Kind schon immer so tat, als könnte sie nichts erschrecken und versucht hat, ihre Furcht zu verbergen, so hat er sie jedoch schon immer als einziger durchschaut und ihre Angst sofort bemerkt. Er hat sogar gesehen, wie sie nachts heimlich wieder ihr Licht angezündet hatte, obwohl sie schon seit Jahren damit angab, dass sie keine Angst mehr im Dunklen habe.
Nachdem er seine Schwester ein wenig aufgezogen hat, erzählt Augustus schließlich, dass es draußen im Arasmeer einen Ort geben soll, über den man ähnliches berichtet wie auch über den verfluchten Wald hier, nämlich dass Dinge und Personen plötzlich verschwinden. Angeblich sind dort draußen schon unzählige Schiffe verschwunden und niemand hat jemals wieder eine Spur von ihnen gefunden. Niemand weiß, was dort draußen unter dem Meer lauert, aber wenn es sich etwas gegriffen hat, so soll es dies für alle Zeiten behalten. Jedoch sagt man ebenso, dass die ruhelosen Seelen der Schiffsleute und ihrer Passagiere es hin und wieder schaffen, sich aus diesem finsterem Sog zu befreien und dann kehren sie als rachsüchtige Geister an die Küsten zurück. Sie wollen Rache an denen nehmen, die ihren Tod vergessen haben und manche Kronstädter berichten, dass sie von diesen Geistern heimgesucht wurden. So habe der Graf von Köslin als junger Mann höchst persönlich gesehen, wie sein auf dem Meer verschollener Onkel plötzlich nachts am Fußende seines Bettes stand. Er war blau und aufgedunsen und seine Augen sahen aus, als hätten sie sich zu einer schwärzlichen Masse verflüssigt. Er stank nach Verwesung, Salz und Fisch und ging auf den jungen Grafen zu, der daraufhin panisch aus dem Bett sprang und seine Eltern alarmierte. Als er mit ihnen in sein Zimmer zurückkam, war keine Spur von seinem toten Onkel, jedoch konnte alle sehen, dass vor seinem Bett eine kleine, salzige Pfütze war, als ob dort jemand gestanden hatte, der gerade erst aus dem Meer emporgestiegen war.
Pirro wollte unbedingt auch wissen, ob es thyrnische Spukgeschichten gibt, da er noch nie eine gehört habe. Iustus kannte nur einige Geschichten, die man sich unter Soldaten erzählt. Er berichtete nüchtern, dass es viele alte Schlachtfelder auf Eboria gibt, auf denen es spuken soll, ähnlich wie man es sich anscheinend über den Travelwald erzählt. Wenn es z.B. in einer sehr blutigen und grausamen Schlacht dazu kommt, dass viele Männer plötzlich sterben, oder sogar ein ganzer Trupp mit einem einzigen Streich ausgelöscht wird, dann kann es vorkommen, dass die tapferen Soldaten und ihre Anführer nicht realisieren, dass sie gestorben sind. Sie finden deshalb auch keine Ruhe und sind für ewig in dem Moment der Schlacht gefangen, in welchem sie ihr Ende fanden und kämpfen als Geister eine nie endende Schacht. Manche Soldaten sollen auch aus Treue keine Ruhe finden und dienen ihrem Vorgestern bis in alle Ewigkeit weiter, ohne zu wissen, dass ihre Schlacht bereits lange verloren und ihre Leichen begraben sind. Iustus selbst habe gesehen, welch katastrophale Auswirkungen nach einer Schlacht im Astralraum vorhanden sind und kann sich gut vorstellen, dass die „chtonischen Animi“ es in dieser Atmosphäre nicht leicht haben, ihren Weg zu den Ahnen zu finden. Selbst der stärkste Genius hätte es manchmal schwer, seinen Schützling sicher zu den „celestischen Feldern“ zu geleiten, wo die ruhmreichen Helden und Soldaten von Thyrna ihre letzte Ruhe antreten.
| 30. Celestalis |
Der Nebel
Um Mitternacht bemerkten schließlich alle, dass immer mehr Nebel aufzog und Henk konnte kaum noch sehen, wohin er steuerte. Sogar sein Orientierungssinn schien anscheinen nicht richtig zu funktionieren und er bekam plötzlich Orientierungsprobleme. Octavia nahm ein sehr unangenehmes Gefühl mit ihrem Astralsinn wahr und wurde plötzlich von einer furchtbaren inneren Unruhe ergriffen. Sie bekam eine Gänsehaut und bemerkte, dass ihre Hände leicht zu zittern begannen. Iustus merkte an, dass der astrale Raum um das Schiff herum seltsame Schwankungen aufweisen würde, welche jedoch zu chaotisch seien, um sie genau zu bestimmen.
Der Nebel wurde nun immer dichter und plötzlich geschah etwas sehr Absurdes. Henk hatte plötzlich das Gefühlt, als ob der Nebel sich beim Fliegen wie eine dicke Flüssigkeit anfühlte und dem Luftschiff sein gesamtes Tempo damit raubte. Er wurde anscheinend immer dickflüssiger und das ganze steigerte sich schließlich so weit, dass das Luftschiff einfach stehen blieb und sich keinen Zentimeter mehr rührte, als wäre es fest in der Luft verankert.
Während alle überlegten, was nun zu tun sei, hörte man plötzlich einen Schrei. Da man kaum einen Meter Sicht hatte, war auch das Deck des Luftschiffes nicht mehr zu überschauen und alle versuchten die Stelle zu finden, von wo der Schrei kam. Dort fanden sie nur eine große Blutlache und bei genauerem Nachzählen fiel auf, dass der alte Kürbisbauer verschwunden war. Seine Tochter Hildi brach in Panik aus, als sie den Blutfleck sah, und schrie schrill. Sie begann zu Hyperventilieren und rief immer wieder nach ihrem Vater, weinte, jammerte und musste beruhigt werden.
Iustus und Augustus hielten sich bei den Planungen weitgehend zurück, da sie den Helden nicht ins Handwerk fuschen oder ihre gewohnten Taktiken in Frage stellen möchten. Sie bestanden jedoch beide darauf, dass nun alle zusammenblieben. Beide versuchten einen klaren Kopf zu behalten und sich nicht von dem Erschrecken zu lassen, was gerade geschah. Iustus bewaffnete sich mit seinem Stab bewaffnen und packte einige Astralfallen ein. Augustus versuchte die ganze Zeit mit militärischer Aufmerksamkeit, alle im Auge zu behalten und darauf zu achten, dass den weiteren Passagieren nichts geschieht. Es fiel auf, dass die beiden absolut gelassen und professionell mit der Situation umgingen und sich um sie zumindest niemand kümmern musste.
Plötzlich hörte man laute Schreie aus dem Nebel und es ließ sich vermuten, dass diese von unten kamen. Sie klangen wie der Bauer, der rief:
„Hilfe, HIIIIILFEEEEEE! Ahhh! Neeeeeeeeeeeein! Ich ertrag das nicht! AUFHÖREN!!!“
So ging es einige Zeit und dann war schlagartig wieder Stille. Sehr leise war ganz kurz ein leises Kichern wahrzunehmen, dass von einer anderen Person stammen musste als dem Bauern. Es klang boshaft, gehässig, zutiefst böse und löste eine Gänsehaut aus. Es verströmte eine eisige Kälte und war dann plötzlich wieder weg und es herrschte Totenstille.
Auch sonst kamen keine Geräusche mehr aus dem Wald und man konnte zwar die Umrisse der Bäume im Nebel erkennen, aber man hörte nicht ein Blatt, dass durch den Wind bewegt wurde, welcher anscheinend auch nicht mehr wehte. Es war alles still und unbewegt und man könnte schwören, dass es immer kälter wurde. Inzwischen beschlug sogar der Atem leicht vor dem Gesicht.
Im Wald
Die Helden verließen mit allen Passagieren das Schiff und stiegen mit der Strickleiter zum Waldboden ab. Unten fiel allen auf, dass es keine Tiere in dem Wald gabt und dass alle Bäume und Pflanzen verdorrt waren. Sie waren schwarz, verwest und ekelhaft und der ganze Wald stank nach Fäulnis. Es gab nur einige Flechten und Pilze, die ein schwaches, grün-fluoreszierendes Licht abgaben und Iustus warnte, dass man sie besser nicht berühren sollte.
Octavia wurde sehr übel und sie fühlte sich, als ob ihr Kreislauf jeden Moment zusammenbrechen würde. Allen fiel auf, dass sie bleich aussah und ihr Schweißperlen auf der Stirn standen. Iustus hatte keine Probleme mit dem astralen Klima und absurder Weise konnte man erkennen, dass seine Neugier seine Angst besiegt hatte und der Forscher in ihm das verstörende Umfeld mit überschwänglichem Interesse beobachtete. Iustus fiel auf, dass hier unten sämtliche Magie aus dem Gleichgewicht war und er Fluktuationen sowohl bei den Quidan- als auch bei den Quadan-Strömen bemerken konnte.
Hildi Dickwurz war immer noch panisch und musste beim Anblick des Waldes erneut beruhigt werden, da sie sonst wieder zu schreien beginnen würde. Pirro sang leise ein Lied vor sich hin, anscheinend um sich selbst zu beruhigen. Jedoch hörte man ihn zwischendurch immer wieder auch leise flüstern:
„Was für ne Scheiße… bei den Passionen, was für eine verdammte Scheiße…“
Minenarbeiter Ashrig versteckte seine Angst eher hinter Aggressionen und rief immer wieder in Richtung des dunklen Waldes:
„Kommt nur her, ihr Schweine! Kommt nur her…“
Im Wald liegen auf dem Boden überall vereinzelte Gegenstände herum. Man findet Gabeln und Löffel, Haarspangen, Hosenträger, Unterhosen, ein großer Tabakbeutel, Ketten, eine alte Brotdose und Kinderspielzeug wie einen alten Ball und eine Puppe. Diese Gegenstände schienen schon lange hier zu liegen und waren zum Teil schon von der Fäulnis betroffen, die den Waldboden überzieht.
Der besessene Bauer
Dann bemerkten die Helden, dass etwas durch das Unterholz lief, was sich jedoch so schnell bewegte, als ob es kein Mensch war. Deswegen konnten es zuerst nur alle aus dem Augenwinkel beobachten und mussten es mit den Blicken verfolgen, aber es verschwand plötzlich immer wieder und kam den Helden aus dem Auge. Schließlich konnten alle erkennen, dass dieses Wesen sein Tempo verringert und etwas entfernt auf einer kleinen Lichtung angehalten hatte. Im Nebel war jedoch nicht zu erkennen, um wen es sich handelte.
Als sie auf der Lichtung ankamen, erkannten sie, dass es der Kürbisbauer Knut war, der so unmenschlich schnell durch den Wald geflitzt war. Jetzt stand er still und kerzengerade auf der Lichtung und wendete den Helden den Rücken zu. Als Adarian ihn anfassen wollte, drehte er sich blitzschnell um und man konnte erkennen, dass die eine Hälfte seines Kopfes von Blut überströmt war und seine Augen grün glühten. Er kicherte plötzlich wahnsinnig und griff dann den ersten in seiner Nähe an, indem er versucht, ihm in das Gesicht zu beißen. Adarian wehrte die Attacke ab und Iustus erkannte, dass der Bauer nur von etwas besessen war, selber aber noch lebte. Hildi begann bei dem Anblick ihres Vaters schreien und sank dann ohnmächtig zu Boden.
Der Bauer ließ sich mit etwas Mühe gefangen nehmen und kicherte die ganze Zeit über wahnsinnig und funkelte mit seinen grünen Augen. Nachdem er gefesselt wurde, fing er plötzlich an die Luft anzuhalten, um sich selbst zu ersticken. Der Dämon in ihm versuchte nun alles, um den Bauern zu töten. Die Helden standen hilflos dabei und konnten nichts für ihn tun. Bei seinem Tod entwich ein kleiner, schwarzer Schatten mit grünen Augen aus seinem Körper und lachte dabei grässlich.
Nachdem der Schatten in die Luft geflogen war, bemerkten plötzlich alle, dass sich andere Schatten aus dem Wald näherten und sie umkreisten. Sie begannen fürchterlich zu Kichern und zu Lachen und es war grauenvoll und beängstigend. Als Pirro von Angst ergriffen wurde, stürzte sich ein Wesen auf ihn und versuchte in seinen Kopf einzudringen, indem es als schwarzer Nebel durch Nase, Mund und Ohren hineinzukriechen versuchte. Das Wesen konnte durch Magie verletzt und auch getötet werden. Sobald es tot war, verschwanden die anderen Wesen wieder. Iustus informierte die Anderen daraufhin plötzlich, dass er eine Fluktuation wahrgenommen hatte, die aus Richtung des Luftschiffes kam.
Iustus erklärte, dass er seit dem Angriff nun davon ausgeht, dass es sich hier um eine Vielzahl von Dämonen handelt, deren Art man als „Daemonius Minorus chais“ bezeichnet. Diese Dämonen sind die nächsten Manifestationen des reinen Chaos. Sie sind dort keinem bestimmten Gefilde zuzuordnen und haben weder Ziel noch Absicht, sondern stiften nur Verwirrung und richten unberechenbare Schäden an. Auch ihre Fähigkeiten sind vielfältig und von willkürlicher Natur. Sie sind sehr selten und Iustus fragte sich, wie sich hier ein astrales Klima bilden konnte, welches ihnen die Chance zur Manifestation bietet. Er vermutete, dass hier irgendwann eine große astrale Katastrophe vorgefallen seien muss.
Die Zwischenwelt
An dem Ort, an dem sie das Luftschiff zurückgelassen haben, war nicht mehr und Iustus konnte erkennen, dass sich hier ein magischer Vorfall ereignet hatte. Alle sahen noch grüne Blitze zucken, wo vorher das Schiff stand, welche sich dann nach und nach verflüchtigen. Nun blieb ihnen nichts weiter, als das Gebiet zu erkunden. Immer wieder fielen seltsame Gebrauchsgegenstände auf, die verstreut auf dem Boden liegen. Mitunter konnte man dazwischen auch grausige Entdeckungen machen. Es lagen nämlich auch verstreut auf dem Waldboden immer wieder einzelne Knochen herum und schließlich fanden sie sogar einen Kinderschädel, der über den Helden in den Ästen hing. Als sie ihn anblickten, fingen dessen Augen plötzlich grün an zu leuchten und er begann zu kichern und die Helden auszulachen. Dann fiel er plötzlich zu Boden und war still, dafür war aus dem Wald ein hämisches Kichern zu hören, was sich schnell wieder auflöste.
Die Wesen hielten sich nämlich vorerst zurück und beobachteten die Helden nur, bzw. spielen ihnen Streiche und versuchen sie in Angst zu versetzen. Irgendwann kamen alle an einen sehr seltsamen Abgrund, der kein Ende zu haben schien. Doch der Nebel verhinderte, dass man sich einen genaueren Überblick verschaffen konnte. Ein Stein, den Adarian warf, kam nirgendwo auf. Im Nebel waren jedoch entfernt etwas ähnliches wie Felsnadeln zu erkennen, deren Grund jedoch ebenfalls im Neben verschwand. Es wirkte fast so, als ob sie im Nichts schwebten. Außer dem Nebel war nur schwarz zu sehen und nicht mal Sterne oder Wolken ließen sich am Himmel erahnen. Alles war schwarz und nebelig. Schließlich stellten alle mit Schaudern fest, dass das ganze Waldstück nur eine Insel war, die in einem schwarzen Nichts zu schweben schien.Hildi, die seit dem Tod ihres Vaters wie neben sich stand, kam nun wieder zu sich und verlor bei dem Anblick des Abgrunds nun vollkommen den Verstand. Sie murmelte nur immer wieder:
„Das ist die Unterwelt! Wir sind alle verdammt! Das ist das Ende!“
Dann sank sie zusammen und bekam einen furchtbaren Heulkrampf, bei welchem sie fast zu ersticken drohte. Sie kauerte sie sich auf dem Waldboden zusammen und verfiel in eine ohnmächtige Panik, die sie lähmt und sie unaussprechbar macht. Aus ihr kam sie erst wieder zu sich, als Kenji beruhigen auf sie einredete.
Iustus vermutete, dass sie sich in einer Art astralen Zwischenwelt befanden, die weder irdischer noch astraler Natur zu sein scheint. Er sagte, dass ein arkaner Kollaps Schuld daran gewesen sein könnte, damit sich diese Zwischenwelt gebildet habe.
Plötzlich hörten alle wieder das Kichern aus dem Wald, was von immer mehr Wesen zu stammen schien. Zuerst hörte man nur eine leise Stimme, dann wurden es plötzlich ein lauter, schriller Chor von Kichern und Glucksen, der ohrenbetäubend war.
Ashrig dreht durch
Minenarbeiter Ashrig verlor daraufhin die Beherrschung und stürmte einfach auf die Stimmen zu. Er war schnell und ließ sich nicht aufhalten. Wie in einem Panikanfall rannte er mit übertriebener und unüberlegter Angriffswut auf die Stimmen zu forderte sie heraus. Unkontrolliert schrie er herum, dass sie sich zeigen und sich nicht verstecken sollten. Er beschimpfte sie mit wüsten Schimpfwörtern und schien völlig durchzudrehen. Immer wieder schrie er:
„Na los, kommt endlich! Zeigt euch, ihr Arschlöcher! Verfluchte Schweine ihr!“
Dann manifestierten sich plötzlich kleine, schwarze Wesen und wirbelten durch die Luft. Eines stürzte sich auf den Schreihals, der plötzlich zusammenbrach und regungslos auf dem Boden liegen blieb.
Dann war es wieder totenstill und alle Stimmen waren weg. Als die Helden zu dem Holzfäller hingingen, wirkte er wie tot. Er lag mit dem Kopf und bäuchlings auf dem Boden und um ihm zu helfen, müsste ihn jemand umdrehen. Als Henk dies tat, richtete der Holzfäller plötzlich seinen Oberkörper auf und schlug die Hände vor dem Kopf zusammen, als hätte er Schmerzen. Er saß eine kurze Zeit stöhnend auf dem Boden und plötzlich begann er zu kichern. Er hielt dabei immer noch seine Hände vor die Augen und sein Kichern steigerte sich in einen richtigen Lachanfall. Plötzlich nahm er die Hände vor dem Gesicht weg und riss seine Augen weit auf. Alle sahen mit Entsetzen, dass diese grün am Leuchten waren.
Der besessene Holzfäller sprang in einem unnatürlich schnellen Tempo auf und rannte plötzlich in den Wald hinein, wo er im Nebel verschwand. Man konnte ihn jedoch noch einige Zeit kichern hören und dann war es wieder still und von ihm fehlte jede Spur. Jedoch war eins der Wesen noch da und stürzte sich auf Pirro. Das Wesen wurde getötet und Iustus nahm daraufhin wieder eine Quadan-Fluktuation wahr.
Als alle weitergingen, fiel ihnen auf, dass der Barde zurückgeblieben war und sich hinter einen Baum gestellt hatte. Henk sah nach ihm und kann erwischte ihn dabei, wie er sich gerade eine große Nase voll Traumstaub zog. Pirro behauptete, dass er das brauche, sonst könne er die Scheiße, die sich um ihn herum gerade abspielte, nicht mehr ertragen.
Die Travélyan-Ruine
Iustus zeigte den Ort der Fluktuation und alle sahen, dass in dem kleinen Waldstück plötzlich eine ziemlich große Ruine aufgetaucht war, die jedoch nur noch aus den Grundmauern bestand. Auch hier zuckten noch kurz grüne Blitze umher, die jedoch bald abklangen.
Als die Helden die Ruine untersuchten, fiel ihnen ein altes, steinernes Wappen auf, dass einst wahrscheinlich einmal prunkvoll einen Türrahmen geziert hatte. Vom Dreck und verfaultem Laub befreit, kam schließlich ein Wort zum Vorschein, bei welchem jedoch einige Buchstaben verwittert waren und nur „T.A..LY.N“ zu erkennen war.
Als sie weitersuchten, sahen sie plötzlich ein Skelett, welches zwischen den Trümmern stand und die Helden mit grün-leuchtenden Augen beobachtete. Es hielt eine große Ledertasche in der Hand und trug Kleidungsreste, die bäuerlichen Ursprungssein könnten. Trotzdem sie sich dem Skelett näherten, starrte es sie nur an und bewegte sich nicht. Dann blickte es jedoch plötzlich zu seiner Tasche hinunter und legte beschützend eine Hand darauf. Als Adarian es berührte, gab es plötzlich einen entsetzlichen Schrei von sich, stürzte sich auf ihn stürzen und versuchte Adarians Augen mit seinen Fingerknochen zu durchbohren. Das Skelett brach nach dem ersten Schwerthieb in sich zusammen und blieb als lebloser Knochenhaufen am Boden liegen. Der Chaosdämon entwich aus den Knochen, verschwand aber sofort hinter den Ästen der Bäume im Nebel. Er schoss in einem extremen Tempo aus dem Skelett heraus, so dass nicht mal Iustus eine Chance hatte, ihn einzufangen.
Neben den Knochen lag die Ledertasche, welche prall gefüllt war. Henk öffnete sie und fand uralte, verschimmelte belegte Brote, die fast zu Staub verfallen waren, und einen Beutel mit einigen Kupferstücken. Pirro erkannte sofort eine alte Valkenburger Prägung, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Umlauf war. Da er auf den Straßen schon lange für Geld spielte, kannte er sich sehr gut mit Münzen aus. Außerdem war in der Tasche ein Briefumschlag, der schon ziemlich verfallen war. Das Pergament darin war jedoch noch in erstaunlich gutem Zustand und stellte sich als ein Brief von Regir an Rogar heraus.
Die Geschichte vom adeligen Bauern aus Brückeburg
Pirro kannte eine Geschichte über einen Bauern aus Brückeburg, der angeblich der Nachfahre eines großen Fürsten gewesen sein soll. Angeblich soll er eines Tages gesagt haben, dass er in den Krieg zieht und reich und mächtig zurückkehren wollte. Er sorgte in seiner kleinen Stadt für große Neugier und alle fragten sich, ob an seiner Geschichte etwas dran ist. Leider ist er nie wiederaufgetaucht, aber seine Spur führte wohl nach Süden und man sagt, dass er nach Galding gehen wollte, dort aber nie ankam. Seine Familie ließ ihn noch Jahrzehnte lang suchen, doch niemand hat jemals wieder eine Spur von ihm gefunden. Vielleicht ging er ja auch im Travelwald verloren, zumindest würde dies sein mysteriöses Verschwinden erklären, mutmaßte Pirro. Der Barde hat die Geschichte von einer der Urenkelinnen dieses Bauern gehört, die heute noch in Brückeburg lebt.
Pirro drehte sich zu Hildi um und wollte sie gerade fragen, ob sie die Familie kennt. Immerhin stamme sie schließlich auch aus Brückeburg, jedoch war sie plötzlich verschwunden. Alle könnten schwören, dass sie vor einer Sekunde noch neben ihnen stand, doch nun war sie wie vom Nebel verschluckt.
Hildi wird geschnappt
Nach einigen Minuten Stille hörte man Hildi dann plötzlich laut um Hilfe rufen. Nachdem die Helden die Richtung wahrgenommen hatten, aus welcher die Schreie kamen, rannten sie sofort los. Als sie Hildi endlich fanden, war der besessene Minenarbeiter gerade dabei, das Mädchen zu vergewaltigen. Er hatte ihr die Kleidung heruntergerissen und fiel gerade über sie her, während sie schriet und um sich schlug. Adarian und Henk wollten sofort zur Hilfe eilen, doch sie wurden plötzlich von Ästen aufgehalten, die sie umschlangen und einwickelten. Iustus deutete auf einen dämonischen, grün-leuchtenden Baum und offenbarte den Helden, dass dieser von einem Chaosdämon besessen war.
Sobald die Helden von den Ästen aufgehalten wurden, verschwand Ashrig mit Hildi plötzlich im Nebel. Sie hatte aufgehört zu schreien und das letzte, was man von den beiden hörte, war, dass sie beide leise am Kichern waren. Die Helden hielten den Baum nun leicht auf, indem ihm Octavia einen Feuerpfeil auf ihn abfeuerte. Der Chaosdämon entwich und griff ebenfalls an. Er wurde schnell getötet und Iustus nahm wieder eine Raum-Anomalität wahr. Er zeigte in eine bestimmte Richtung und die Helden suchten dort weiter.
Die Hütte
Schnell fanden sie eine seltsame Holzhütte, die im Wald stand und ziemlich alt und heruntergekommen aussah. Um sie herum zuckten hin und wieder kleine Blitze, die Iustus als Quadan-Fluktuationen bezeichnete. Die ganze Hütte war eingewachsen in grün-fluoreszierenden Dämonenpflanzen und man konnte von außen nicht erkennen, was sich im Inneren befand. Alle Fenster waren mehrfach mit Brettern vernagelt und gesichert.
Iustus konnte sehen, dass sich eine stärkere Machquelle in dem Haus, oder genauer, unter dem Haus, befand. Octavia wurde in der Umgebung der Hütte sehr mulmig und sie merkte deutlich, dass sehr finstere Mächte die gesamte Hütte umgaben. Auch sie sah deutlich, dass unter dem Haus eine große Machtquelle war.
Plötzlich hörten alle einen finsteren Ruf und erblickten am Waldrand ein weiteres Skelett, welches dort aufgetaucht war. Es trug Reste einer dunklen Robe, zeigte mit dem Finger auf die Helden und begann lauthals zu lachen. Um seinen Hals trug das Skelett einen großen, silbernen Schlüssel. Es hatte anscheinen einen Lachanfall und bog sich fast vor Lachen. Es war jedoch ein Lachen mit einem düsteren Widerhall, der allen durch Mark und Bein ging. Als sie sich dem Skelett näherten, verschwand es plötzlich mit einem gewaltigen Sprung nach oben in die Luft und war nach kurzer Zeit zwischen den Bäumen und im Nebel verschwunden. Niemand konnte es verfolgen und die Helden wandten sich wieder der Hütte zu.
Die Tür war verschlossen und musste von Henk geknackt werden. Anschließend klemmte die Tür jedoch und man konnte sie nur einen Spalt weit öffnen. Aus dem Inneren dran sofort ein entsetzlicher Gestank nach Fäulnis und Verwesung. Die Tür musste von Adarian mit Muskelkraft aufgedrückt werden, weil ein Ast der Dämonenpflanzen in sie hineingewachsen war. Die Tür öffnete sich mit einem lauten Knarren, als der Ast bracht, und man sah, dass aus den Bruchstellen eine grüne Flüssigkeit tropfte, die sich zischend in den Boden brannte und ein Loch hinterließ.
Da alle Fenster in der Hütte mehrfach mit Brettern vernagelt und gesichert waren, war es drinnen stockfinster und man konnte nichts erkennen. Alle blickten in ein schwarzes Loch und konnten zunächst nur die Umrisse von chaotischen Trümmern erkennen. Die Helden betraten die Hütte und bemerkten, dass sie schon verfallen und mit giftigen Ästen verwachsen war. Es stank erbärmlich und alle mussten sich sehr zusammenreißen, um nicht sofort wieder hinauszugehen oder auf der Stelle zu erbrechen.
Da es sehr dunkel war, schaltete Adarian sein Licht an und Iustus erhob seinen Stab und die Augen seines Drachens auf dem Stab fingen plötzlich an in einem weißen Licht zu leuchten. Iustus Licht offenbarte schließlich eine breite Blutspur, die sich durch die Hütte zog. Bei der weiteren Durchsuchung der Hütte fanden die Helden den Blutfleck von Rogar, ein blutiges Messer, dass fortgeworfen worden war, ein zerrissenes Tagebuch, indem eigentlich alle Seiten fehlen und auf dessen dicken Ledereinband „Regir von Travélyan“ geschrieben stand. Des Weiteren fanden sich noch vier Tagebuchseiten und eine Falltür zu einem Kellerraum.
Diese war durch ein hochkompliziertes und wahrscheinlich unglaublich teures, magisches Schloss gesichert, welches zwar geknackt werden könnte, aber vermutlich eine Explosion oder ähnliches auslösen würde. Iustus bestätigte Henk dies und Octavia erinnerte sich daran, dass das Skelett einen großen Schlüssel trug, der gut zu dem Schloss hier passen könnte.
Eine Falle für das Skelett
Irgendwie mussten die Helden nun das Skelett anlocken. Iustus erwähnte, dass es mit der der letzten Fluktuation auftauchte und sich deshalb bestimmt noch in dem Wald befinden müsste.
Draußen fanden sie es auch in Wald herumstreunend und waren sehr bemüht es zu fangen, da es sehr schnell war. Als es Henk schaffte, dass Skelett zu fangen, fiel es wieder zusammenfallen, aber der Chaosdämon entwich nicht, sondern die einzelnen Knochen flogen plötzlich in die Luft und bilden einen „Knochenschwarm“, der wie ein Insektenhaufen davonflogt. Am Schlüsselbein hing ironischerweise der Schlüssel und konnte von Henk geistesgegenwärtig festgehalten werden, damit er nicht mit den anderen Knochen in der Luft verschwand. Pirro erwische bei dem Versuch leider nur einen Rippenknochen des Skeletts.
Mit dem Schlüssel kehrten die Helden in die Hütte zurück, um die Falltür zu öffnen.
Die Luke
Nachdem der Schlüssel von Henk benutzt und die Luke geöffnet wurde, war unten nur Schwärze zu sehen. Iustus leuchtete hinein und eine Treppe führte nach unten. Octavia und Iustus sahen beide deutlich, dass sich dort unten auch die mysteriöse Kraftquelle befinden musste. Unten befand sich in einem Raum nur ein kleiner Arbeitstisch mit einem Buch und vielen Notizen. Das Buch schien die Kraftquelle zu sein, die mit Astralsicht wahrzunehmen war. Es hatte eine starke und unglaublich ekelhafte Ausstrahlung und schien in Haut gebunden zu sein. Iustus stellte die Vermutung auf, dass es sich um Dämonenhaut handelte.
Octavia und Iustus betrachteten die Unterlagen und beide kamen zu dem Schluss, dass es sich hier um ein großes Beschwörungsritual handelte, welches akribisch genau vorbereitet wurde. Außerdem existierte eine Karte, auf welcher ein Ausschnitt des Waldes aufgezeichnet war. Darauf waren drei Orte zu sehen: erstens die Ruine, zweitens die Hütte und drittens war ein Ritualplatz eingezeichnet, der sich laut der Karte ziemlich im Zentrum dieser Zwischenwelt befinden musste.
Plötzlich hörten die Helden von oben ein Geräusch, dass so klang, als ob jemand die Tür geschlossen habe. Da war auch ein leises Schlurfen, was jedoch wieder verstummte und nur Stille hinterließ. Dann erlosch das magische Licht und die Helden standen in vollkommener Finsternis da und tasteten sich die Treppe herauf. Oben war es stockdunkel und kein Licht ließ sich entzünden. Iustus erklärte, dass jemand einen Magiebann auf diesen Ort gewirkt haben musste und sich Magie deshalb gerade nicht einsetzten ließe. Es war absolut finster und alle mussten, ohne etwas zu sehen die Hütte durchqueren. Ihnen war bewusst, dass sich irgendwo im Haus ein Besessener versteckt hatte. Hin und wieder war ein leises Klappern zu hören und als Adarian an eine Schranktür stieß, öffnete sich diese und der inzwischen untote Bauer stürzte sich auf ihn und versuchte ihm in die Nase oder das Gesicht zu beißen. Dabei lachte er mit einer unmenschlichen Stimme und versuchte sich mit seinen Händen in das Fleisch des anderen zu bohren.
Plötzlich endete der Magiebann und Iustus ließ die Augen seines Drachens wieder aufleuchten. Der Bauer gab nun keine Ruhe mehr und hörte selbst, als er schon kleingestückelt war, nicht auf anzugreifen. Sogar seine Einzelteile griffen weiter an und sprangen an den Helden hoch. Erst als er komplett zerstückelt war, erschien der Chaosdämon und schoss zur Tür durch, welche er mit einem lauten Knall einriss und dabei in kleine Bruchteile zertrümmerte. Die Helden stürzten nach draußen und wurden erneut von dem Chaosdämon angegriffen. Dieser stürzte sich auf den Barden, der sich verzweifelt zu wehren versuchte. Auch dieser Dämon wurde getötet und Iustus kündigte die nächste Fluktuation an.
Der Ritualplatz
Es ist für alle deutlich zu erkennen, dass sich neben der Hütte, die im Gegensatz zu den Ruinen immer noch erhalten war, ein grünes Licht im Wald aufgetan hatte. Sie entdeckten beim Nähern, dass sich dort ein großer Ritualkreis befindet. Octavia und Iustus sahen sofort, dass sich ein großer astraler Riss über diesem geöffnet hatte. Die anderen sahen nur grüne Blitze und einen seltsamen, magischen Strudel, der sich in der Mitte des Kreises befand. Iustus betrachtete das ganze prüfend und nickte bestätigend. Er konnte sich nun zusammensetzen, was geschehen sein musste. Iustus wirkte dabei sehr aufgeregt und schien irgendwie fast „begeistert“ zu sein von dem, was er hier gerade beobachten konnte. Für ihn war dieser Anblick eine einmalige wissenschaftliche Erfahrung und wahrscheinlich schrieb er gerade in seinem Kopf bereits ganze Bücher über dieses Phänomen.
Iustus erklärte, dass hier ein großer Dämon beschworen wurde und dieses Ritual schiefgegangen sein musste oder er dabei unterbrochen wurde. Dies hätte dazu geführt, dass der beschworene Dämon zwischen der irdischen und astralen Ebene „stecken“ geblieben wäre und somit einen Zwischenwelt erschaffen habe, welche von den anderen Welten abgetrennt wurde. Dies würde auch die Chaosdämonen erklären, die sich in dieser Zwischenwelt aus eigener Kraft bewegen und von hier aus Schaden in der irdischen Welt anrichten können. Die Dinge oder die Kinder, die bei dem angeblichen Spuk im Travelwald verschwunden seien, waren deshalb wahrscheinlich von den Chaosdämonen in die Zwischenwelt gezogen worden. Das Ganze wäre eine sehr seltene Auswirkung eines arkanen Kollapses und es war eigentlich noch niemanden so recht gelungen, eine Zwischenwelt zu studieren, geschweige denn, ihre Ursache zu untersuchen.
Die Helden untersuchten den Ort und stellten fest, dass der Ritualplatz an einer Stelle verwüstet war. Iustus erklärte, dass hier der Beschwörer gestanden haben muss. Bemerkenswert war, dass der Rand des kleinen Kreises an einer Stelle verwischt war, als ob hier ein Handgemenge stattgefunden hatte. Außerdem gab es eine Blutspur, welche sich durch den Wald von der Hütte bis zu diesem Ort hinzog. Ein größerer Blutfleck befand sich direkt neben dem verwischten Teil, als wäre hier jemand, der stark geblutet habe, zu Boden gestürzt. Die Spuren verrieten, dass neben der Einbuchtung von der blutenden Person sich eine weitere Person befunden haben musste, da der Boden dort wie von einem weiteren Sturz aufgewühlt war.
Iustus hatte nachgedacht und hatte sehr unerfreuliche Nachrichten für alle. Es gäbe nämlich nur eine Möglichkeit, wie man wieder aus dieser Zwischenwelt hinauskommen könnte, und zwar, indem man das Ritual zu Ende brächte. Iustus druckste dann etwas herum und erklärte, dass leider nur jemand mit einer magischen Begabung und Erfahrung im Zaubern die nötige Konzentration aufbringen könnte, um das Ritual zu beenden. Das Problem wäre nur, dass „diese Person“ - er vermied es dabei, Octavia anzublicken - durch den instabilen Zustand dieses verunglückten Rituals sich in größte Gefahr begeben würde. Das einzige Gute wäre, dass er für ein Schild sorgen konnte, damit diese Person von den Chaosdämonen abgeschirmt würde, die vermutlich durch eine Fortführung dieses Ritual angelockt würden. Sie würden den Abschluss des Rituals verhindern wollten, denn dann würde ihre Zwischenwelt verschwinden und sie müssten in den Astralraum zurückkehren. Leider könnte er jedoch nicht gleichzeitig das Schild erzeugen und das Ritual durchführen. Iustus druckste dann noch weiter herum und traute sich nicht richtig zu sagen, dass nur Octavia als einzige dieses Ritual durchführen könnte. Er scheute sich dies auszusprechen, immerhin hatte er geschworen die Gesandte des Drachens zu beschützen. Ihm war es sehr unangenehm, dass er ihr diese Aufgabe nicht abnehmen konnte, immerhin war er der alte und erfahrene Magus. Iustus war daher etwas erleichtert, als Octavia sich aus eigenen Stücken dazu anbot, das Ritual zu beenden. Die Geister gönnten den Helden etwas Ruhe und sie konnten sich nun auf das Ritual vorbereiten.
Das Ritual
Octavia musste in der Mitte des kleinen Beschwörungskreises stehen und alle mussten durchhalten, bis die Wort gesprochen waren. Während der Beschwörung wurde Octavia von den Chaosdämonen angegriffen und Iustus musste sie vor ihnen verteidigen. Die anderen wurden plötzlich von dem Arbeiter und der nackten Hildi angegriffen, die beiden inzwischen auch ziemlich untot aussahen. Außerdem standen die zwei Skelette wieder im Hintergrund und lachten und kicherten die ganze Zeit, was alle fast um den Verstand brachte. Am Rande griffen hin und wieder auch einzelne Äste und Wurzeln an oder versuchten die Helden zum Stolpern zu bringen. Als der Mut schon fast verloren schien, stimmte der Barde Pirro erst zögerlich, dann immer entschlossener ein Schlachtlied an und gab den Helden dadurch den nötigen neuen Mut, um die letzte Phase des Rituals durchzuhalten.
Als der letzte Vers gesprochen war, kam es plötzlich zu einer seltsamen Explosion. Dabei schien sich der ganze Raum zu verbiegen und oben in der Luft tat sich ein gewaltiger, schwarzer Riss auf, den alle sehen konnten. Daraus trat der gigantische Dämon Ezezzur und die kleinen Chaosdämonen wurden wieder in den Riss zurückgezogen. Einer der Chaosdämonen hatte sich jedoch an Octavia gehängt und ihren ungeschützten Zustand genutzt, um sie zu befallen. Octavia blieb kurz auf dem Boden liegen und wirkte wie bewusstlos. Als Kenji nach ihr sah, richtete sie sich auf und schlug die Augen auf, welche plötzlich grün am Leuchten waren. Dann verschwand sie in einem übermenschlichen Tempo. Der Dämon bemerkte dies und erkannte sie als verwandt an, weshalb er beschloss, sie zu schützen. So kämpften sie gemeinsam gegen die Helden.
Hier fehlt noch eine genauere Beschreibung des Kampfes
Als der Dämon besiegt war, konnte Octavia auch nach einiger Zeit gefangen genommen werden. Als sie jedoch festgehalten wurde, wandte der Dämon den selben Trick an wie bei dem Bauern und hörte einfach auf zu atmen. Hilflos mussten alle mit ansehen, wie Octavia vor ihren Augen erstickte und sie dabei fies angrinste.
„Alles muss dorthin zurückkehren, woher es einst gekommen ist!
Ich danke euch, dass ihr mir das zurückgebracht habt, worauf ich 100 Jahre warten musste!“
Sie lachte hexenhaft, machte plötzlich eine weitere, abrupte Handbewegung und verwandelt sich in grauen Nebel, der aufstieg und sich zwischen den Ästen und Blättern verlor. Die Helden konnten sich wieder bewegen und Octavia war wieder sie selbst.
Die Geschichte der Vettel vom Servos-Dickicht
Der Barde, der nach der ganzen Sache total geschockt war, fing an zu Stammeln und meinte, dass dies die alte „Baba Jaga“ gewesen sein musste. Es gibt wohl eine Geschichte über ein übermächtiges Wesen, dass tief im Servos-Dickicht lebt. Sie soll so alt wie der Wald selbst sein und war bereits hier, als die Schwelle noch nicht existierte und viele der bekannten Götter noch nicht geboren waren. Sie soll weder gut noch böse sein und ihren eigenen Weg folgen, der jedoch unberechenbar und chaotisch sein kann. Manchmal hilft sie den Menschen, die ihr begegnen, anderen schadet sie aus nicht ersichtlichem Grund. Man sagt auch, dass sie unzählige Gestalten annehmen kann, jedoch am liebsten in der Gestalt einer alten Frau erscheint.
Pirro erwähnte, dass Galding nicht mehr weit wäre, und fragte, ob die Helden ihn noch dorthin bringen könnten. Er wollte schnell hier fort und meinte, dass man in Galding die Geschichte erfahren soll, die sich hier abgespielt habe. Immerhin sei nun das Rätsel um den Spuk im Travelwald gelöst und mit dieser Geschichte würde er auf dem Kürbisfest bestimmt den Preis für die gruseligste Geschichte gewinnen!
Auf dem Weg zum Luftschiff, welches wieder da war, fiel auf, dass die ganzen Gegenstände nun wieder im Wald lagen. Sie waren jedoch viel verfallener als in der Zwischenwelt, und schienen uralt zu sein. Auch an den Resten der Hütte kamen sie vorbei, die nun jedoch schon ganz verfallen war. Iustus erklärte, dass dieses „nachaltern“ durch die Veränderungen der magischen Ströme zu erklären sein müsste.
Galding
Das Luftschiff kam kurz nach Mitternacht in Galding an, als wäre mit dem Steckenbleiben im Nebel überhaupt keine Zeit im Travelwald verstrichen. Im Ort tobte das Fest und überall hingen Kürbislaternen, verkleidete Kinder rannten herum. Auf dem Dorfplatz war ein großes, oranges Festzelt aufgebaut und man hörte Musik. Anscheinend waren die Kumpel des Barden bereits voll am Feiern. Pirro erklärte, dass der Fürst, Galdon VI., sich wahrscheinlich in dem Zelt befand und führte die Gruppe hinein. Augustus und Iustus blieben währenddessen an Bord des Schiffes, da sie als Thyrner kein Aufsehen erregen wollten.
Fürst Galdon saß mit seiner Familie an einem Festtisch und trank gerade Kürbisschnaps. Für einen Fürsten wirkte er nicht besonders edel und er trug für ein Fest eher wenig repräsentative Kleidung. Zwar war er sehr ordentlich, aber es wirkte so, als ob das Adelshaus nicht unbedingt zu den Reichsten gehörte und sparen müsste. Das Geld hatte er anscheinend lieber in das aufwändige Kürbisfest investiert, auf dem er fröhlich mit den Bauern Seite an Seite feierte. Man erhielt den Eindruck, dass hier eine sehr harmonische Dorfgemeinschaft am Feiern war.
Der Fürst hörte sich die Geschichte der Helden interessiert an und erzählte ihnen, dass er sich an die Geschichten dieser Schlacht erinnerte. Sein Ur-Urgroßvater hatte die unbekannte Familie, die nun als Travélyans wieder bekannt sind, vernichtet, da es nach der Plage Streit um Grund und Boden gab und sie in eine nachbarschaftliche Fehde geraten waren. Nach dieser blutigen Schlacht, bei welche allen Gegner ausgelöscht wurden, raunte man, dass die Götter aus Rache einen Fluch über den skrupellosen Galdon I. und seine Nachkommen verhängt hätten. Der Fürst glaubte an den Fluch, da auch der Name Galdon nie zu wirklicher Berühmtheit gelangte. Er deutete aus einem Zeltfenster auf die Burg des Ortes, die sehr heruntergekommen und verfallen aussieht, und erklärte etwas wehmütig, dass Galding einst als ein bedeutender Ort in Barthavion nach der letzten Plage bekannt war und sein Adelsgeschlecht u.a. Helden nach Valkenburg aussandte. Jedoch wäre nach der Vernichtung der Travelyans nichts Gutes mehr in dem Ort geschehen und er verfiel in Bedeutungslosigkeit. Heute ist er ein kleines Örtchen, das wegen seiner Holzfäller und vor allem wegen seinem Kürbisfest bekannt ist.
Trotzdem dankte er den Helden und lud sie zum Feiern ein. Alle bekommen leckere Speisen aus Kürbissen und der Barde unterhielt die Helden mit seinen Liedern und stellte ihnen die anderen Gaukler vor, mit welchen sie gemeinsam feierten. Henk schenkte Pirro seinen Gift-Dolch und bestätigte ihm nochmal, dass er auf alle Fälle bereit für das Labyrinth des Phex ist.
Pirro erzählte die Geschichte vom Travelwald bereits bei dem Gruselgeschichtenwettbewerb und gewann diesen damit. Als Preis erhielt er einen handgeschnitzten Holz-Kürbis als Pokal, der für Bauernhandwerk sehr aufwändig angemalt wurde. Pirro war sehr stolz, obwohl er natürlich auch noch traurig war, dass seine anderen Begleiter dies Abenteuer nicht überlebt haben.
Pirro hatte auch dafür gesorgt, dass der Kürbis von Knut Dickwurz trotzdem bei dem Wettbewerb teilnehmen konnte. Dieser war tatsächlich so groß, dass er gewann und Pirro wollte den Preis (ebenfalls ein geschnitzter Kürbis) nach Brückeburg bringen, wo er nach anderen Verwandten der Dickwurze suchen will. Außerdem überführte er die Leichen der Verstorbenen und sorgte dafür, dass sie in ihrem Heimatsort ein anständiges Begräbnis erhielten. Ashrigs Leichnam wurde bereits von seiner Familie in Galding übernommen und sie werden ihn dort bestatten.
Episode 04: Die Reise nach Perlheim
30. Celestalis 721 ThZ
Die K'eygha erweist sich mittlerweile als sehr wendig und die Helden durchqueren Gewitterstürme auf ihrem Weg nach Perlheim. Iustus begegnet auf dem Luftschiff einem astralen Schädling und ein Brief aus der Heimat erreicht Octavia.
| 30. Celestalis |
Abflug nach Perlheim
Da das Gasthaus in Galding wegen des Kürbisfestes komplett belegt war, mussten die Helden auf dem Luftschiff übernachten. Fürst Galdon ließ jedoch für alle einen großen Proviantkorb mit Kürbisbrot und anderen Speisen aus Kürbissen zusammenstellen und gab ihnen noch eine große Flasche Kürbisschnaps mit. Pirro erzählte Henk und Adarian, dass er meistens in Valkenburg in dem Gasthaus „Der Winkel“ zu finden ist und sich freuen würde, wenn er die Helden eines Tages wiedersehen würde. Dann lud die beiden noch auf eine Prise Traumstaub ein und Henk und Adarian nahmen gerne an. Als der Traumstaub bei Adarian zu wirken begann, stellte sich heraus, dass er anscheinend eine Überdosis erwischt hatte, denn er rannte wirr umher und verlor die Orientierung. Seine Freunde mussten ihn an Bord des Schiffes hieven und dort wurde ihm dann extrem heiß. Er schrie immer wieder:
„ES IST SO HEISS!“
und riss sich dabei die Kleider vom Leib. Dann rannte er splitternackt auf dem Deck herum und war kaum noch zu bändigen. Da er herunterzufallen drohte, brachten ihn seine Freunde unter Deck und fesselten ihn, damit er sich nicht selber verletzten konnte.
Daher ließ Henk noch in der Nacht die Leinen des Luftschiffs losmachen und flog los in Richtung Perlheim. Schnell bemerkte er trotz der Dunkelheit, dass sich das Wetter immer mehr zuzog und es wahrscheinlich keine gemütliche Reise werden würde. Der Regen prasselte auf das Deck und bildete bereits Pfützen. Pirro hatte ihnen schon von den gewaltigen Regenschauern der Region berichtet und Henk auch vor den heftigen Gewittern gewarnt, die hier im Spätsommer häufig auftreten, da sich die Wolken vor den Bergen stauen, wenn die kalten Winde aus dem Westen vom Meer hochziehen. Für Kenji und Augustus wurde es zunehmend schwerer die Segel auszurichten, da der Wind diese heftig durchrüttelte. Die beiden mussten trotz des immer mehr zunehmenden Regens immer oben bei Henk bleiben und darauf achten, dass sich die Taue durch den Sturm nicht lösen, und sie mussten diese auch ständig nachspannen, da der Wind kräftig an ihnen zerrte. Schließlich wurde der Sturm zu stark und, als Blitze losbrachen, ging Henk mit der K’eygha immer tiefer und brachte das Luftschiff schließlich zum Stillstand. Er ankert und die Helden trafen sich in der trockenen Kombüse zu einem heißen Getränk. Während sich Octavia um den komatösen, gefesselten Adarian kümmerte, unterhielten sich Henk und Kenji mit Augustus über seine Zeit im Exil. Augustus erzählte ihnen von seiner Zeit im Exil auf der Insel Ydra (vgl. Exil auf der Insel Ydra).
Die Helden übernachteten dann gemeinsam im Unterdeck und verschlafen so den Rest des Sturmes. Als sie nach einer kurzen Nacht erwachen, hatte sich der Sturm gelegt und es war bereits später am Morgen. Sie frühstückten schnell und dann legte Henk bei gutem Wetter ab.
Iustus Versiegelung der Astralfalle
Nach dem Ablegen sprach Iustus Henk an und bat ihn um Hilfe. Er benötigte eine ruhige Hand und war sehr von Henks Fingerfertigkeit beeindruckt, seit er gesehen hatte, wie er in der Zwischenwelt das Schloss der Hütte knackte. Kenji übernahm in der Zwischenzeit für Henk das Steuer des Luftschiffs.
Iustus führte Henk zu seinem Arbeitsplatz in der Kajüte. Iustus hatte hier seine Sachen alle sehr ordentlich aufgebaut und versuchte trotzdem so wenig Platz wie möglich zu verbrauchen. Er hatte auch einen großen Bogen um Octavias Bett gemacht und versuchte sich seinen Platz sehr bescheiden einzuteilen, um Octavias Privatsphäre zu respektieren. Henk erahnte, dass es ihm sogar etwas unangenehm war, dort zu arbeiten, wo die Gesandte des Drachens und eine Dame der oberen Aristokratie schläft, da sein Sinn für Tugendhaftigkeit ihm dies vielleicht als unangebracht erscheinen ließ. Wenn der Schlafplatz einer Dame für ihn etwas sehr persönliches und Octavia zusätzlich noch die Ex-Frau seines guten Freundes Elatus ist, machte ihm das die Sache wohl doppelt unangenehm. Neben seinen arkanen Utensilien hatte Iustus wieder das Illusionsbild von seiner Familie aufgestellt. Dies war anscheinend auch der einzige persönliche Gegenstand den Iustus besaß, denn sonst war bei ihm alles aufs nötigste beschränkt, soldatisch und sehr bescheiden.
Iustus bat Henk schließlich, einige sehr dünne Metallfäden aus Elementium, Arcanium und Celestium mit einer Art Pinzette auf der Oberfläche der magischen Falle zu fixieren, damit er diese verbinden konnte. Iustus erklärte, dass dies eine Versiegelung der Falle war und der Dämon so nicht mehr so einfach dort hinausgelangen könnte. Selbst wenn diese Falle nun geklaut würde, wäre es für einen dunklen Kultisten oder einem Schwarzmagier sehr schwierig, sie wieder zu öffnen. Henk musste nun drei Mal die verschiedenen Metallfäden zusammenhalten, welche von Iustus mit einem magischen Kristall und einem daraus hervorgehenden, gebündelten Flammenstrahl verschmolzen werden. Nach jedem erfolgreichem Lötvorgang spracht Iustus einen Zauberspruch in der „Lingua Arcana“, woraufhin die Drähte so wirkten, als ob sie durch ein ganz leicht wahrnehmbares „Glühen“ aktiviert werden würden. Mit Astralsicht konnte Iustus genau sehen, dass nach jedem geschlossenen Metallfaden ein Schutzzauber auf die Falle gewirkt wurde, Henk dagegen bemerkte nur, das sich etwas veränderte, konnte aber nicht sagen, was genau.
Zum Abschluss verstaute Iustus die Falle in einem weiteren Metallkästchen, welches ein sehr kompliziertes Schloss besaß. Henk erkannte, dass dies eins der hochwertigsten Schlösser war, welches er jemals gesehen hatte. Nur Mjonflirs Schlösser für die Gildensicherheit hatten eine ähnlich hohe Qualität. Iustus erzählte, dass er dieses Schloss von einem thyrnischem „Mechaniker“ hatte anfertigen lassen. Die sogenannte „Mechanik“ wäre eine neue und beliebte Disziplin der Gelehrten in Thyrna und war bereits auf dem Formarsch. Die Mechaniker würden es schaffen, ohne Magie echte Wunder zu vollbringen, indem sie lediglich die genauen Zusammenhänge der irdischen Dinge studierten. Jedoch wäre ein solches Schloss nichts ohne einen guten Zauber, der es auch gegen Magie absichern kann. Iustus erachtete die „Mechaniker“ anscheinend als nützlich, für ihn waren die wahren Leistungen jedoch im geistigen Raum der Magie zu suchen.
Der Sturm kommt
Als die Winde auffrischten und das Schiff durchgeschüttelt wurde, rief Kenji nach Henk und dieser übernahm wieder das Steuer. Nachdem er etwa eine Stunde geflogen war, wurde der Sturm immer stärker und man hörte Donner grollen. Bald zuckten auch Blitze über den Himmel und Henk musste sehr tief fliegen, damit sie nicht in die K’eygha einschlugen. Das Luftschiff wurde immer mehr durch die Lüfte gewirbelt und Henk musste sehr langsam fliegen, damit nicht allen übel wurde. Er stellte dabei aber auch fest, dass das Schiff sich mit seiner neuen Ausstattung wesentlich besser fliegen ließ und er mit der alten K‘eygha in einem solchen Sturm bereits arge Probleme bekommen hätte. Außerdem setzte ein immer stärker werdender Regen ein, der die Sicht irgendwann komplett raubte. Da die Baumkronen in dieser Gegen sehr hoch waren und er wegen den Blitzen möglichst weit unten bleiben muss, entschied Henk, dass es besser wäre, einen so schlimmen Schauer vor Ort abzuwarten und zu ankern, damit dem Schiff nichts geschieht. Er wollte erst weiterzufliegen, wenn die Sicht besser war und sich der Sturm gelegt hat.
Während des Sturmes war es auch kaum möglich auf dem Deck zu sitzen und alle waren dazu gezwungen gemeinsam unter Deck die Zeit abzuwarten. Iustus blieb hingegen oben in der Kajüte und verfasste in Eiltempo einen Forschungsbericht über seine Erlebnisse im Travelwald. Er führte Korrespondenzen mit der Akademie von Thyrna und einigen Kollegen, denen er von dem Erfolg seiner Astralfalle berichtete. Als Henk beim Hinuntergehen kurz in dem Raum blickte, bemerkte Iustus ihn nicht einmal. Henk ließ ihn mit seiner Arbeit allein und ging unter Deck. Octavia hatte unten bereits mit dem Kochen des Essens begonnen und so schlecht wie noch nie den Eintopf bereitet(Kochenprobe: 20/19/20). Als alle kosten durften, konnten sich Henk, Augustus und Adarian sehr gut zusammenreissen und würgten sich den Teller herunter. Doch bei Kenji verließ dieser den Magen bereits nach äußerst kurzer Zeit wieder, neben den Entschuldigungen des Erzquestors. Henk erbarmte sich und setzte einen neuen Topf auf.
Als das Gespräch zwischendurch auf den abwesenden und fanatisch arbeitenden Iustus kam, erklärte Augustus den anderen, wie wichtig dieser erfolgreiche Einsatz der Falle für Iustus war. Er hätte bestimmt nie gedacht, in Barthavion so schnell auf einen großen Dämon zu treffen und sein Werk testen zu können. Augustus erzählte ihnen von Iustus Hochbegabung, ihre gemeinsame Zeit im Kriegsdienst und wie sie zu Freunden wurden. Er berichtet auch von Iustus heldenhaften Taten nach der Pflichtverletzung von Inanis. Kenji erzählte von seinem Versprechen gegenüber Pyrrhon, dass er auf die Familie des Aequus achten soll. Als er sich so mit Octavia unterhielt, wurde ihm plötzlich bewusst, dass Augustus anscheinend genau beobachtete, wie er sich gegenüber seiner Schwester verhielt und wie die beiden miteinander umgingen. Als Augustus auffiel, dass Kenji sein Beobachten bemerkt hatte, wich er ihm jedoch nicht aus und gab ihm per Blickkontakt zu verstehen, dass er nicht vergessen hatte, was Kenji ihm über seine Gefühle für Octavia verraten hatte. Dabei blickte er Kenji jedoch nicht verärgert, einschüchternd oder ablehnend an, sondern eher aufrichtig und ehrlich besorgt.
Das Gewitter klang immer wieder ab für kurze Zeit ab und Henk konnte ein Stück weiterfliegen. Doch bei jedem starken Gewittereinbruch musste Henk wieder ankern und so ging es schließlich immer hin und her. Dabei fiel ihm auf, dass der Kobold sich noch gar nicht mehr gezeigt hatte, aber anscheinend auch keinen Unsinn trieb. Der Napf für seinen Schnaps war jedenfalls immer leer.
Brief von Elatus
Octavia bekam im Laufe des Vormittags einen Brief von Elatus. Er informierte sie darüber, dass der Statthalter Vorax beim Senat eine Klage gegen das Erbe des Aequus eingelegt hat, wobei er darauf hinwies, dass diese Residenz nicht mehr als Privatbesitz betrachtet werden dürfe, sondern ihm nach langen treuen Jahren des Dienstes nun rechtlich zustände. Außerdem erklärte er, dass die Residenz einst zu dem Zweck erbaut wurde, einen Botschafter oder nun eben einen Statthalter zu beherbergen. Solange er also Statthalter oder in Zukunft, wenn Perlheim wieder zu Barthavion gehöre, er das Amt des Botschafters weiterführen wolle, stünde ihm also rechtmäßig die Residenz zu.
Elatus erwähnte, dass er sich bereits um diese Angelegenheit vor dem zuständigen Gericht kümmert und als Octavias Anwalt eingesprungen war. Er schätzte die Chance gut ein, dass Vorax nicht mit seinem Anliegen durchkommt. Elatus fürchtete, dass Vorax sich wahrscheinlich nicht besonders kooperativ zeigen würde, sobald Octavia in Perlheim war. Sie sollte sich also darauf einstellen, dass es mit Sicherheit keinen angenehmen Empfang für sie geben werde.
Elatus berichtete außerdem, dass es beunruhigende Neuigkeiten gebe. Den ehemaligen Feldherrn Titus Curtius Aquila hatte man ihn in der letzten Zeit immer häufiger mit Marcus Iunius Castramus gesehen. Elatus befürchtete, dass diese beiden einen Racheplan gegen Octavia und ihre Gefährten ersinnen, und warnte Octavia. Abschließend wünschte er den Helden Glück und lies Iustus und Augustus seine Grüße ausrichten (vgl. Brief von Elatus).
Augustus Wissen über Vorax
Augustus teilte sein Wissen über Prokonsul Vorax mit den Helden. Dieser stammte aus einer Familie, die erst vor kurzem in die Aristokratie aufgestiegen war. Vorax soll in seiner Jugend ein tapferer Offizier gewesen sein und man erzählte über seine Taten angeblich nur Gutes. Silvius erzählte Augustus damals, dass Vorax einer der wenigen Männer wäre, denen man trauen könne, da er ein Verwandter des Botschafters war, der in Vivane von den gleichen Verschwörern getötet wurde, wie sein Vater. Augustus hatte jedoch mitbekommen, dass Vorax, nachdem er Senator und in die Politik eingestiegen war, in einen Bestechungsskandal verwickelt gewesen sein sollte. Er wäre auch von diesem Verdacht bereits freigesprochen worden, bekräftigte ihm Silvius und so hakte er auch nicht weiter nach und vertraute darauf, dass Silvius einen geeigneten Nachfolger für seinen Vater gefunden hat, der ihn vertrat, bis er seinen Kriegsdienst abgeschlossen hat.
Augustus fällt es sehr schwer, eine persönliche Einschätzung von Vorax zu geben, da seine ganze Sichtweise damals von Rachegedanken beherrscht war und er sich nur noch darauf konzentriert hatte, die Mörder seiner Familie zu suchen. Er hatte ihn jedoch längere Zeit in seinem Haus beherbergt und war etliche Male mit ihm in Kontakt gekommen. Als er jetzt so zurückdachte, fiel ihm ein, dass Vorax ein ziemlich ungehobelter und schlichter Mann war, der sich unterwürfig an Silvius drangehängt hatte. Er schien ein ziemlich gieriger und verschwendungssüchtiger Zeitgenosse zu sein und, indem Silvius ihm Gold und auch die Residenz seines Vaters überließ, fand er in ihm eine willige Marinette für seine eigenen Pläne. Vorax tat was Silvius wollte und Vorax verfolgte mit Sicherheit wieder ganz eigene Pläne, die Augustus jedoch nicht erahnen konnte.
Augustus fragte anschließend auch Kenji nach seiner Einschätzung über Vorax, da er schließlich am längsten in Perlheim geblieben war und die weiteren Ereignisse beobachten konnte. Kenji konnte nicht so viel über Vorax berichten, wie er gerne getan hätte. Doch er erinnerte sich noch gut daran, wie dieser nicht nur seine Nachforschungen in Bezug auf das Attentat auf Gaius Aequus und seine Familie behinderte und nach und nach alle Rechte Kenjis in Perlheim beschnitt, bis er ihn schließlich zur Flucht zwang. Seiner Einschätzung nach handelte es sich womöglich um eine Marionette größerer, dunklerer Mächte, in jedem Fall aber einen eigensüchtigen, gottesfernen Mann.
Augustus Einschätzung zu dem, was sie in Perlheim erwartet, war jedenfalls nicht positiv und er stimmte Elatus Zeilen zu, dass es auf keinen Fall einfach werden würde, in das Anwesen zu gelangen und die Pläne zurückzuholen. Er schlug vor, dass man jedoch versuchen sollte, eine Eskalation zu vermeiden und es am besten wäre, wenn man sich irgendwie auf diplomatischem Weg mit Vorax einigen könnte. Er vertraute darauf, dass ihm die Bedrohung durch den Bund des Xul verdeutlichen würde, dass er mit den Helden zusammenarbeiten muss.
Augustus erinnerte auch Octavia daran, dass es am wichtigsten war, sich voll und ganz auf die Pläne zu konzentrieren und Vorax notfalls auch erstmal das Anwesen zu überlassen, solange es dazu beitrug, dass man an die benötigten Forschungsunterlagen bekommt, die schnellstmöglich nach Valkenburg gelangen mussten. Auch wenn das Anwesen mit vielen Erinnerungen verbunden war, sollten sie sich deshalb trotzdem nicht von Sentimentalitäten leiten lassen, auch wenn er selbst wusste, wie schwer das sein würde.
Regenpause
Nachdem alle wieder ein besonders starkes Gewitter abwarten mussten, klarte es plötzlich auf und der Regen macht eine kurze Pause. Zwischen den Wolken sah man sogar hin und wieder die Sonne scheinen und der Wind hatte auch abgenommen, so dass Henk weiterfliegen konnte. Adarian ging es wieder besser und er wurde losgebunden. Da er helfen wollte, ging er in der Regenpause mit an Deck, um beim Hissen des Segels zu helfen.
Bei dem besseren Wetter fiel Henk erst auf, wie wendig sich das Schiff inzwischen anfühlte und dass sich das Tempo enorm erhöht hatte. Er wollte einmal die Höchstgeschwindigkeit testen und ließ das Schiff deshalb steigen. Wenn er ganz nach oben flog, konnte er das stürmische Wetter nutzen und dort eine beeindruckende Geschwindigkeit erreichen. Während seines Testfluges bemerkte er jedoch bereits, dass sich ein neues Gewitter zusammenbraute und er nach unten musste, da plötzlich Blitze um das Schiff herumzuckten. Während Henk versuchte den Blitzen auszuweichen, hatten Kenji, Augustus und Adarian alle Hände voll zu tun, das Segel unter Kontrolle zu halten. Es war immer wieder nötig, es schnell zu hissen und im nächsten Moment wieder zu reffen. Für Henk war es eine wunderbare Gelegenheit um die Wendigkeit des Schiffes zu testen, doch in einem unachtsamen Moment sausten Adarian die Taue des Segels durch die Hände und er zog sich sehr stark Verbrennungen in den Handinnenflächen zu. Weil der Sturm zu stark wurde, musste Henk eine kleine Pause einlegen und Octavia verband Adarian die Hände.
Iustus und der Kobold
Während der Pausen kam plötzlich Iustus nach unten und stellte sich vor Henk auf. Er hielt eine kleine, dampfende Astralfalle triumphierend vor sich in die Luft und setzte die Anwesenden Helden darüber in Kenntnis, dass er das Schiff von einen Astralschädling, einen sogenannten „Elementarius minorus familiaris“, befreit habe und nun die Vorräte wieder sicher sein. Er sah den Schädling, wie er sich zwischen seinen Gerätschaften herumtrieb, und stellte ihm deshalb diese Falle. Iustus fragte Henk, ob er diesen Schädling endgültig beseitigen und ihn in den Astralraum zurück verbannen solle. Als er erfuhr, dass der Kobold bei den Helden wohnt, entschuldigte er sich und entließ den Kobold sofort aus seiner Falle.
Als der Kobold aus der Falle kam, war diesmal für alle sichtbar. Offensichtlich war er stinksauer, denn er schimpft laut vor sich hin. Vermutlich war er von der Astralfalle noch so verwirrt, dass er seine Sichtbarkeit gar nicht bemerkte. Er blickte sich etwas irritiert um und als er Iustus bemerkte, bekam er einen Schreck und rannte schnell fort. Dabei wurde er auch wieder unsichtbar, doch Iustus konnte astral genau sehen, dass er unten ins Lager gelaufen war. Octavia konnte ebenfalls seine Silhouette erahnen, die nach unten verschwunden war.
Als Henk das nächste Mal allein am Steuer, suchte der Kobold Henk aufs und zeigte sich ihm. Er klagte, dass er Iustus nicht leiden könne und es gemein finde, dass dieser ihn eingesperrt habe. Er selber habe überhaupt nichts gemacht und habe Iustus nicht mal etwas weggenommen oder sonstigen Schabernack getrieben. Trotzdem hat der fiese Magus ihn in diese dunkle, fiese Falle gesteckt, in welcher er große Angst hatte. Diese Beteuerungen wiederholte er ununterbrochen und trieb Henk damit fast in den Wahnsinn. Der Kobold wollte Henks Versprechen, dass Iustus oder sonst jemand auf diesem Schiff ihn nie wieder in diese Falle stecken würde. Andernfalls droht er damit, die Fahrt etwas unterhaltsamer zu gestalten, indem er für etwas Chaos sorgen würde. Als Henk ihm dieses Versprechen ohne zu zögern gab, beruhigte sich der Kobold wieder und erzählte Henk, dass er den großen Falken gesehen und dieser mit ihm gesprochen hat. Der kleine Kobold war ganz von ihm beeindruckt und musste dem Falken versprechen, dass er gut auf das Schiff und seinen Captain aufpassen würde.
Die letzte Strecke
Nach dem Bannsee bei Ulnin nahmen die Gewitter etwas ab und es blieb bei einem konstanten, mäßigem Regen. Die Trutzaner würden sagen, es regnete sich richtig ein. Das Luftschiff kam einigermaßen voran, aber die Sicht war nicht sehr gut. Henk fiel auf, dass er anscheinend von keinem anderen Luftschiff oder Luftfahrtsposten oder -häfen der Ortschaften bei diesem Wetter wahrgenommen wurde und die Tarnung des Schiffes sehr gut funktionierte.
Je mehr sich die Helden der Küste nähern, je mehr klart das Wetter auf. Der Regen wurde immer feiner und schließlich fielen nur noch ein paar Tropfen. Je ruhiger das Wetter wurde, desto unruhiger wurde Octavia. Als das Schiff die Grenze des perlheimer Gebietes erreichte, hatten sich die Wolken fast gänzlich verzogen und gaben den Blick auf die steilen und zerklüfteten Ausläufer der Donnerberge frei. Schon bald war hinter ihren Gipfeln die Horizontlinie des Meeres erkennen.
Grenze nach Perlheim In den Bergen wartete ein Patrouillenschiff, welche den Luftweg nach Perlheim überwachte und Schmuggler, Räuber etc. abfing. Am frühen Abend wurde die K‘eygha trotz ihrer guten Tarnung von ihnen bemerkt und sie hielten das Schiff der Helden an. Die Männer auf dem Wachschiff waren zum Teil thyrnische Hilfstruppen, welche anscheinend dazu da waren, die perlheimer Wachen aufzustocken. Es war jedoch ein perlheimer Wachmann, der die Helden anrief und willen wollte, wer dort unterwegs war. Als sie hörten, dass sich Octavia Ardera auf dem Schiff befand, gab es kurzes Getuschel. Schnell hießen sie die Gesandte des Drachen willkommen und begrüßten auch ihre Freunde, die tapferen Helden Barthavions, gern in Perlheim.
Die Helden flogen weiter und erblickten in kurzer Zeit die Gegend von Perlheim. Hier wurde vor allem Schafswirtschaft betrieben und es breiteten sich weite Heidefelder zwischen den spitzen Felskämmen aus. Man hörte auch bereits die ersten Möwen schreien und man schnupperte die salzige Luft des Meeres, welche für Kenji, Octavia und Augustus nach Heimat roch und viele Erinnerungen hochkommen ließ. Bald sahen sie auch die große Stadt mit den vielen kleinen Türmen und den verwinkelten Gassen, die sich langsam zum Meer hinunterziehen, wo man bereit einen großen Hafen erahnen konnte. Etwas abseits der Stadt sah man ein weiteres, sehr großes Gebäude, oder eher einen ganzen Gebäudekomplex, der sich auf einer Klippe neben der Stadt befindet. Diese leuchtete aus der Ferne bereits weiß heraus wie auch einige anderen prunkvolle Gebäude in der Stadt, und vermutlich ist es mit viel Marmor ausgestattet, welchen man als typischen thyrnischen Baustoff kennt. Es ist die Residenz des Aequus.
Episode 05: Ankunft in Perlheim
30. Celestalis – 1. Spealis 721 ThZ
Die Helden werden in Perlheim im Gasthaus "Perlenglanz" untergebracht und treffen Prokonsul Vorax auf dem Anwesen. Kenji begegnet seiner alten Freundin Talina und Kritik an Vorax‘ Politik kommt auf. Im Meerweib erfahren sie von dämonischen Aktivitäten auf dem Anwesen.
| 30. Celestalis |
Ankunft am Luftschiffhafen
Als die Helden am Abend den Luftschiffhafen von Perlheim erreichten, kam ihnen vor dem Hafen ein kleines Schiff mit Zollbeamten entgegen. Von ihnen erfuhren sie, dass mittlerweile eine Gebühr von 10 Silber erhoben wurde, um einen Ankerplatz zu bekommen. Henk entrichtete empört die Gebühr und teilten anschließend den Wachen mit, wer alles mit dem Schiff in die Stadt einreisen wollte. Als diese erfuhren, dass die Gesandte des Drachens an Bord war, tuschelten die Wachen kurz und erklärten schnell, dass sie der K‘eygha nun einen Platz zuweisen würden und die Helden dem kleinen Schiff folgen sollten. Die Gebühr wurde ihnen rasch zurückerstattet, da der Statthalter diese für seine Gäste bereits entrichtet hatte. Außerdem baten sie die Gesandte am Hafen kurz zu warten, da Prokonsul Vorax bereits einen Empfang für sie und ihre Gefährten vorbereitet habe, jedoch leider nicht darüber informiert war, wann diese genau eintreffen würden. Sein Stellvertreter Publius Rutilius würde umgehend informiert werden, um die Gesandten umgehend persönlich begrüßen zu können.
Centurio Publius Rutilius entpuppte sich als ein echter Thyrner und man konnte an seiner Kleidung erkennen, dass es sich bei diesen um einen älteren Mann aus dem Ritterstand handelt, ein geadelter Bürgerlicher, der den Eindruck eines knallharten und gefühlskalten Veteranen vermittelte. Er war in Begleitung eines mittelalten perlheimer Mannes namens Lucrann Sturmtrutzer, der seiner Uniform nach der Wachtmeister der Stadt und damit der Vorsteher der Wachen war. Der Centurio verhielt sich sehr militärisch und pragmatisch, zeigte aber Octavia und Iustus aus Pflichtbewusstsein gegenüber sehr viel Respekt. Er begrüßte sie ganz offiziell mit „Ave Draconis“ und stellte auch sich selbst und seinen Begleiter vor. Dann begrüßte er auch die Helden und hieß sie alle im Namen von Prokonsul Vorax willkommen. Der ehrenwerte Statthalter würde sie bald in seiner Residenz empfangen, aber da es nun bereits Nacht wäre, würde er sie erst morgen früh empfangen können. Fast wirkte es so, als ob Vorax versuchte so viel Zeit zu schinden, wie es möglich war.
Die Gesandte wurde mit all ihren Freunden in das luxuriöse Gasthaus „Perlenglanz“ eingeladen, wo Vorax ihnen bereist Zimmer und ein Essen hatte bereitstellen lassen. Die Kosten des Aufenthaltes würden selbstverständlich vom Prokonsul übernommen. Am nächsten Morgen würde er einen Boten schicken, der sie zu der Audienz abhole. Vorax ließ ausrichten, dass er sich bereits sehr freue, die Gesandte kennenzulernen und dass es ihm eine große Ehre sein wird, sie zu empfangen. Unten am Luftschiffhafen war bereits eine große und komfortable Kutsche bereitgestellt, welche die Helden zum Gasthaus brachte.
Gasthaus „Perlenglanz“
Im Gasthaus wurden alle freundlich begrüßt und der Gastwirt gab sich übertriebene Mühe, Octavia und die anderen angemessen zu bewirten. Er hatte anscheinend Angst etwas Falsches zu machen oder zu sagen, da er von Vorax‘ Stellvertreter den Auftrag bekommen hatte, die Gesandte gebührend zu bedienen. Er wahrte jedenfalls einen schönen Schein und alle können sich nach einem ausgiebigen Mal in ein Zimmer zurückziehen. Henk schlenderte noch etwas durch die Gassen des Hafenviertels, während sich die anderen müde niederlegten.
| 1. Spealis |
Erste Eindrücke der Stadt
Am nächsten Morgen kam nach dem Frühstück ein Bote von Vorax, welcher Octavia und die Gruppe zu sich auf die Residenz einlud. Es wartete bereits eine Kutsche vor dem Gasthaus, welche alle zur Residenz fuhr. Auf der Kutschfahrt konnten sie einen ersten Eindruck von Perlheim und seinen Bewohnern bekommen. Die Stadt war zwar immer noch schick und man konnte erkennen, dass die Perlheimer sich alle Mühe gaben, ihre Stadt einladend und kunstvoll zu gestalten, jedoch war auch zu bemerken, dass überall kleine unerledigte Baustellen anzutreffen waren und dass manche Häuser mehr als renovierungsbedürftig aussahen. Auch in dem Viertel der Adeligen war einiges verändert und die imposanten Villen hatten auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Stadt wirkte also insgesamt etwas heruntergekommen, auch wenn man sich anscheinend alle Mühe gabt, diesen Zustand zu verbergen.
Die Menschen auf den Straßen wirkten nicht unglücklich, aber teilweise sehr gestresst. Die Perlheimer gelten allgemein als fleißige Leute, aber zurzeit schienen alle auf Hochtouren zu arbeiten. Auf den Straßen herrschte Gedränge und hin und wieder hörte man genervte Rufe oder Streitereien. Anscheinend standen alle Einwohner unter großen Druck. Bei all dem Stress blieb alles aber erstaunlich geordnet und überall standen Stadtwachen, welche den Verkehr leiteten oder Bürger sofort ermahnten, falls sich Konflikte auf der Straße anbahnten. Die Stadtwachen wurden unterstützt durch thyrnische Hilfstruppen, welche aus dem ganzen Imperium stammten und durch ihre imperialen Uniformen auffielen. Sie arbeiteten anscheinend Seite an Seite mit den Stadtwachen.
Treffen mit dem Prokonsul
Auf dem Anwesen wurden Octavia und die anderen bereits von Prokonsul Marcus Vulturius Vorax erwartet, welcher am Tor zwischen den beiden Tempeln stand. Er hatte seinen Stellvertreter zur Seite und einen älteren Magus, der ebenfalls ein echter Thyrner war. Die beiden standen in gebührenden Abstand hinter ihm und noch weiter im Hintergrund standen zwei private Leibwächter, welche wie Berstmänner oder ziemlich starke Kämpfer aussahen. Es schienen auch alle Wachtürme des Anwesens besetzt zu sein und beim Wachhaus standen ebenfalls einige Männer herum. Sie alle trugen private Uniformen und schienen Söldner aus der Gegend zu sein. Einige von ihnen wirken sehr grob und ungehobelt und einen Kampf gegen sie könnte auch für die Helden schlecht ausgehen. Thyrnische Wachen waren außer dem Centurio keine auf dem Anwesen auszumachen.
Von der Seite kam ein sehr gut gekleideter Sklave hinzu, der sich vor Vorax stellte und ihn offiziell ankündigte und vorstellte. Er zählt auch die Namen seiner Ahnen auf und zelebrierte Vorax Auftritt regelrecht. Vorax kam nach der Vorstellung sofort auf Octavia zu, begrüßte sie nochmal persönlich und kniete sich tief vor ihr nieder. Er wartete ab, bis sie ihm ein Zeichen gab wieder aufzustehen, und erklärte dann, dass es ihm eine Ehre wäre sie kennenzulernen. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass seine Gegenklage gegen das Testament ihres Vaters sie nicht gegen ihn aufgebracht hätte und sie diesen juristischen Konflikt nicht persönlich nähme. Denn die Probleme mit dem Anwesen sollten sich nicht auf ihre Beziehung auswirken.
Für weitere Gespräche führte Vorax alle durch die ausgedehnten Parkanlagen und versicherte Octavia, dass er sich gut um ihr altes Zuhause gekümmert habe. Er hätte einen Vorschlag, den er mit ihr bei einem Wein besprechen möchte. Als die Gruppe an der Bibliothek vorbeischlendert, fiel auf, dass die Fenster verhangen waren. Auf Nachfrage berichtete Vorax von einem großen Wasserschaden, der bei dem letzten großen Sommersturm entstand. Die Arbeiter waren bereits daran, die Schäden zu beheben, aber vermutlich würden sich die Reparaturen noch etwas hinziehen. Vorax führte alle auf die große Terrasse, wo ein Tisch mit Wein und ein paar kleinen Delikatessen aufgetischt waren. Diener bewirteten die Helden und Vorax entschuldigte sich dafür, dass er sie nicht in dem Anwesen empfangen konnte, aber es würden gerade überall Renovierungen durchgeführt, weil die schweren Sommerstürme auch zu vielen kleinen Schäden am Haus geführt hätten. Durch die geöffneten Türen war zu erkennen, dass auch einige Arbeiter im Wohnhaus beschäftigt waren und die Marmorsäulen nachpolieren. Vorax war zu allen sehr zuvorkommend und lobte auch die großen Helden und ihre Abenteuer. Er hätte große Hoffnungen, dass Eboria vor dem Bund des Xul gerettet werden könne, wenn es so tapferen Menschen gäbe wie Octavia und ihre Gefährten. Außerdem überlegte er, den Bund des Lichtes zu unterstützen, da er sich inzwischen auch schon fast als halber Barsaver fühlen würde und seiner neuen Heimat helfen möchte.
Als Octavia die Forschungsunterlagen ansprach, sicherte Vorax sofort seine Hilfe zu. Er erklärte, dass die Forschungsräume den Helden jeder Zeit offen ständen, auch wenn er ihnen leider keine Zimmer für die Nacht anbieten könnte, da er zurzeit Gäste aus Veltima beherbergen würde und in den kommenden Tagen wegen den Verhandlungen in Valkenburg und dem anstehenden Austritt Perlheims aus dem Imperium viele Sitzungen und Verhandlungen mit dem Rat der Edelsten von Perlheim anstehen würden. Diese wurden noch in der Residenz durchgeführt, weshalb er sich entschuldigte, dass er Octavia nicht in ihrem alten Zuhause beherbergen könnte. Er wollte sein Recht, das Anwesen noch so lange zu bewohnen, bis die Verhandlungen abgeschlossen waren, in Anspruch nehmen, da sich diese Verhandlungen nicht verschieben ließen. Er bot aber an, dass Iustus bereits auf dem Anwesen bleiben und sich mit seinem Magus über die Unterlagen austauschen könnte, wenn er wollte. Iustus stimmte sofort zu und der Vorax‘ Magus Manius Pedanius nahm ihn gleich zur Seite. Die beiden Magier fingen sofort an zu fachsimpeln und Iustus erklärte nach dem Gespräch, dass er bleiben und bereits mit der Arbeit beginnen möchte. Vorax führte alle sofort durch die Forschungsräume. Dort waren unendlich viele Stapel von Unterlagen in Kisten und Regalen gestapelt und Iustus erklärte, dass er dies alles durchsehen müsste, ihm aber niemand dabei helfen könnte. Vorax versichert noch, dass er das Anwesen sofort verlassen würde, wenn die Gerichte in Thyrna entschieden, dass es Octavia zugesprochen wird.
Vorax führt alle zurück auf die Terrasse, doch Henk und Adarian wollten sich nicht mit setzen, sondern etwas über das Gelände schlendern. Am Tisch hatte Vorax noch einen Vorschlag, welcher für alle zu einer zufriedenstellenden Lösung führen könnte. Er könnte gut verstehen, dass Octavia ihr Elternhaus zurückverlangte, aber auch sie müsste bedenken, dass auch er inzwischen eine Bindung zu dem Anwesen und Perlheim entwickelt hätte. Er hätte Perlheim in den letzten Jahren immer wieder geholfen und die Stadt wäre für die Bürger viel sicherer geworden. Es gäbe kaum noch Kriminalität und der Schmuggel an den Küsten wäre nahezu lahmgelegt. Voller Fürsorge hätte er sich um die Bürger gekümmert und gesorgt. Deshalb wollte er seine Schützlinge nicht völlig im Stich lassen, sondern hoffte, dass er sie weiterhin als Botschafter unterstützen könnte, wenn Perlheim seinen Austritt aus dem Imperium vollzöge.
Damit nun alle glücklich aus diesem Konflikt herausgingen, hatte er nun die einzige mögliche Lösung gefunden und machte Octavia vor Augustus und Kenji einen Heiratsantrag. Er pries die Macht und den Einfluss seiner Familie an und erklärte ihr, dass sie damit keine Pflichten eingehen und er ihre Heldentaten bedingungslos unterstützen würde. Da sie sowieso mit ihren Freuden die Welt rettete und immer unterwegs war, würde er sich um das Anwesen kümmern und könnte seine Arbeit in Perlheim fortsetzen. Er würde von ihr nichts verlangen, was sie nicht auch wolle, und würde voll und ganz hinter ihrem Kampf stehen und sie und ihre Freunde unterstützen, wo es möglich wäre.
Vorax ließ Octavia natürlich Bedenkzeit, musste aber nun die Helden leider wieder verabschieden, da er bald ein wichtiges Treffen mit einigen Ratsmitgliedern habe. Er versicherte, dass er einen Boten ins Gasthaus schicken würde, sobald Iustus Neuigkeiten hatte, und hoffte, dass Octavia sich sein Angebot gut überlegte. Dann verabschiedet er alle am Tor und die Kutsche brachte sie zurück ins Gasthaus. Da Octavia auf der Rückfahrt in der Kutsche scheinbar tatsächlich ganz pragmatisch überlegte, auf den Heiratsantrag einzugehen, entbrannte eine lebhafte Diskussion zwischen den Freunden.
Begegnung mit Talina Westwind
Vor dem Gasthaus wartete bereits eine Frau auf die zurückkehrenden Helden. Sie trug schlichte Kleidung und eine große Tasche über der Schulter. Auf dem Kopf trug sie eine Kapuze und einen bronzenen Anhänger mit einer Kuh um den Hals. Als sie Kenji sah, ging sie vorsichtig und etwas schüchtern zu ihm hin und fragte, ob er sich noch an sie erinnerte. Als er dies bejaht, blickte sie ihn freudig an und wartete anscheinend etwas unsicher ab, ob Kenji ihre Wiedersehensfreude teilen würde. Als auch er freudig lächelte, nahm sie ihn ungeachtet der Etikette in den Arm und offenbarte ihm, dass sie nie gedacht hätte, dass sie ihn jemals wiedersehen würde und sie froh wäre, dass die Schutzgötter seinen Weg zurück nach Hause geführt hätten. Allen fiel auf, dass diese Frau anscheinend jemand war, der Kenji sehr, sehr nahesteht oder stand, und Kenji bemerkte sofort, dass sie keine Robe mehr trug und anscheinend zivil unterwegs war. Sie trug aber immer noch ihre große Heiltasche mit Tränken und Erste Hilfe Utensilien bei sich. Nach der herzlichen Begrüßung stellte Kenji sie seinen Freunden als Hyleaquestorin Talina Westwind vor.
Talina begrüßte höflichst die anderen, auch wenn sie durch die Thyrner etwas eingeschüchtert wirkte und besonders Augustus etwas kritisch anblickte, da sie anscheinend wusste, wer er ist. Talina erklärte dann, dass sie noch etwas zu erledigen habe, aber Kenji und seine Gefährten später gern treffen möchte, da sie dringend mit ihnen allen sprechen müsste. Die Schutzgötter hätten die Helden zur rechten Zeit geschickt und sie müssten sich irgendwo treffen, wo sie ungestört reden könnten. Es gäbe Probleme in der Stadt von denen die Helden unbedingt wissen müssten. Am besten kämen alle am späten Nachmittag in die Perlenschleiferei ihrer Eltern am Hafen, Kenji sollte wissen, wo sich diese befindet.
Kenji fragte Talina noch, ob in Perlheim auch bereits Aktivitäten der dunklen Bruderschaft entdeckt worden wären, weil sie ansonsten in fast jeder freien Stadt ein großes Ritual durchgeführt hätten. Talina erinnerte sich daran, dass die Stadtwachen vor einiger Zeit in einer Höhle eines unweiten Strandes seltsame Aktivitäten beobachtet und sogar eine Kulthandlung unterbrochen hatten. Ein Fischer hatte das Blutritual vom Strand aus beobachtet und die Wachen eingeschaltet. Leider wäre nur ein einziger Kultist gefasst worden, welcher aber bereits in derselben Nacht wieder befreit wurde. Daher konnte nie wirklich geklärt werden, was die Kultisten dort geplant hatten.
Die Einsiedelei
Am frühen Nachmittag suchte Kenji mit seinen Freunden die alte Einsiedelei seines Lehrmeisters auf. Dort war alles verwildert und zugewachsen und die Einsiedelei war mit Brettern verbarrikadiert. Während Adarian die Vordertür von den angenagelten Brettern befreite, was ohne Werkzeug nur mittels seiner Kraft und seines Schwertes zu bewerkstelligen war, bemerkte Henk an der Seite der Einsiedelei, dass dort ein Teil der Barrikade eine geschickte, getarnte Tür war, welche in den Keller der Einsiedelei führte. Unten fand er große Ladungen von Alkohol in großen Fässern. Kenji suchte das Grab von Pyrrhon und fand es verwildert vor. Der Grabstein wurde geklaut und Kenji fand, dass er für Pyrrhon erst einen neuen Grabstein anfertigen und den Ort eventuell durch einen Letorpriester neu weihen lassen sollte, bevor er die Greifen Statuette von Archorbar auf das Grab legen sollte. Nachdem Adarian den Eingang geöffnet hatte, sah sich Kenji in der nicht verwüsteten Einsiedelei um und verlor sich in Erinnerungen.
Treffen mit den Widerständlern
Am späten Nachmittag öffnete Talina die Tür, nachdem die Helden an der Perlenschleiferei klopften. Sie begrüßte alle und ließ auch Augustus in das Haus ihrer Eltern, obwohl sie etwas unzufrieden dabei wirkte. Sie führte alle durch die Werkstatt hindurch, wo überall wunderschönes Kunsthandwerk aus Perlmutt und Perlen lag wie Schmuck, Knöpfe, Zierelemente für Möbel oder andere Dekorationsgegenstände. Die Arbeiter hatten anscheinend schon frei, denn die Werkstatt war leer. Talina führte schließlich alle in den Keller, in dem sich eine Art kleines Hospital befand. Hinter aufgehängten Laken konnte man das Schnarchen von mindestens drei Menschen hören und auf einem großen Tisch stapelten sich Heiltränke und medizinische Utensilien. Talina führte alle in einen kleinen Nebenraum, wo bereits ein mittelalter Mann in einer schlichten und ebenfalls zivil wirkenden Robe auf sie wartete. Er trug eine Kette mit einem goldenem Greif um den Hals und hatte ein Kurzschwert neben sich auf dem Tisch liegen.
Als Augustus den Raum betrat, ignorierte der unbekannte Mann alle Anwesenden sprang plötzlich mit seinem Schwert auf, welches er auf Augustus richtete. Er sagt wütend zu Talina, dass sie es ihm hätte sagen sollen, wenn sie den Mann einlädt, der die Stadt ins Unglück gestürzt hat. Er griff Augustus zwar nicht an, hielt aber anklagend seine Schwerspitze auf dessen Kopf gerichtet. Augustus hätte das Erbe seines Vaters beschmutzt, indem er Vorax die Stadt vorgeworfen hätte und dann nichts unternommen habe, als sein Onkel Silvius Insidiae dafür sorgte, dass sechs unschuldige Ratsmitglieder in Perlheim hingerichtet wurden. An seinem Temperament erkannte Kenji jetzt den areteischen Mystiker Jast Heidiger wieder. Talina versuchte den Mann zu beruhigen und redete auf Jast ein. Sie erinnerte ihn daran, dass die Schutzgötter bestimmt ihren Grund dafür haben, warum sie den Sohn des Aequus zurück in seine Heimat sandten. Jast ließ sich nur schwer beruhigen und fügte noch an, dass es ihn nicht mal wundern würde, wenn Augustus an dem Massaker von Lüderitz beteiligt und den furchtbaren Principus Mortis unterstützt hätte. Jast gab erst Ruhe geben, nachdem die Helden ihm versicherten, dass Augustus damals nichts für all die Vorfälle konnte. Dann beruhigte er sich und setzte sich wieder. Er behielt Augustus jedoch kritisch im Auge und drückte auch immerwährend seine Abneigung gegen ihn in seinen Blicken aus.
Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, erklärte Talina, dass sie froh war, dass nun Helden in der Stadt waren, da sie das Gefühl hatte, dass etwas Gotteslästerliches in der Stadt vor sich ging. Sie glaubte, dass der Rat unter einer Art magischem Einfluss stand und dass dieser schon eine ganze Zeit ihr Handeln bestimmte. Sie vermutete, dass die restlichen Mitglieder vom Rat der Edelsten sich Vorax und seinen Einflüsterungen schnell unterwarfen, nachdem Vorax sein Amt als Botschafter vor über einem Jahr angetreten hatte. Perlheim fühlte sich Thyrna gegenüber immer noch in der Schuld, nachdem sechs ihrer Mitglieder als Verschwörer und Auftraggeber der Attentate auf die alten Botschafter hingerichtet wurden. Bei diesen Worten blickte sie etwas vorwurfsvoll zu Augustus und meinte, dass er mit Sicherheit mehr darüber wissen müsste, immerhin hatte er die Ermittlungen damals gemeinsam mit Silvius Insidiae geleitet. Auf jeden Fall wären die verbliebenen Ratsmitglieder schnell zu Marionetten von Vorax geworden, da sie versucht hatten, Thyrna davon zu überzeugen, dass sie nicht alle Verräter waren. Vorax nutzte diesen Umstand aus, indem er ihnen eine Menge neue Ideen für die Herrschaft Perlheims einimpfte, weshalb auch eine neue Gesetzgebung eingeführt wurde und die areteischen Mystiker ihre alten Privilegien verloren. Es gab noch weitere Reformen, welche schließlich alle zu einem Bruch mit dem Bund von Throal führten, der Talinas Meinung nach reinem Kalkül von Vorax war, um die Stadt für das Imperium zu gewinnen und sich als Statthalter aufzuschwingen.
Auch die areteischen Schwestern wurden von Vorax finanziell unter Druck gesetzt und waren gezwungen, eine Gebühr für ihre Heilungen und ihren Beistand zu verlangen. Talina erklärte, dass dies der Grund war, warum sie auch nicht mehr im Tempeldienst steht. Seitdem also Perlheim durch den Bruch mit Throal für das Imperium gewonnen und Vorax sein Amt als Prokonsul antrat, wurde schnell klar, dass er nicht wie versprochen vorhatte, die Stadt zu neuem Glanz zu führten, sondern dass er begann sie gnadenlos durch Steuern zu schröpfen. Wer nicht zahlen wollte oder konnte, wurde von den Stadtwachen, welche für die Steuereintreibung zuständig waren, oft vor den Augen ihrer Familien zusammengeschlagen. Talina hatte selbst einige Opfer behandelt und gesehen, wie skrupellos die Wachen vorgingen. Nachdem der Rat der Edelsten realisiert hatte, in welch ausbeuterische Hände ihre Stadt nun gelangt war, versuchten einige sich mit Vorax auseinanderzusetzen und die Steuerproblematik zu beheben. Dazu gab es lange Verhandlungen in der Residenz von Vorax, welche jedoch bereits Monate liefen und nichts sich an der Situation änderte. Die Ratsmitglieder vertrösteten die Bürger immer wieder, dass sie Vorax dazu bringen würden, die unmöglichen Steuern zu senken, doch glaubte ihnen inzwischen kaum noch jemand. Aus Angst vor den Stadtwachen und ihren neuen Methoden sich Respekt zu verschaffen, schwiegen die Leute lieber und arbeiteten wie verrückt, um das Geld für die Steuern zu verdienen.
Die Lethargie des Rates von Perlheim und ihre Gleichgültigkeit hatte Talinas Meinung nach jedoch noch einen anderen Grund als nur die Angst vor Vorax oder Thyrna. Sie glaubte, dass die Politiker unter irgendeiner Art von Zauber standen, da ihre Frauen von seltsamen Dingen berichteten. Talina hat sehr viele Freundinnen unter den adeligen Perlheimerinnen und kennt fast alle Frauen der Ratsmitglieder sehr gut, da sie ihnen als Hebammen oder bei anderen Problemen zur Seite gestanden hat. Sie berichtete, dass in den letzten Monaten sich fast alle Frauen darüber beschwerten, dass sich ihre Männer auf seltsame Art und Weise veränderten. Seitdem die Verhandlungen um die Steuerproblematik anfingen und die Ratsmitglieder zu den Sitzungen auf die Residenz von Vorax eingeladen wurden, beschwerten sich plötzlich alle Ehefrauen darüber, dass ihre Männer geistig abwesend seien und ausgelaugt und gleichgültig wirkten. Sie schoben es zuerst auf die viele Arbeit und die anstrengenden Verhandlungen, da diese immer länger wurden und die Ratsmitglieder plötzlich ihre gesamte Zeit auf dem Anwesen verbrachten. Sie kamen nur noch selten zu ihren Frauen nach Hause und wenn sie dort waren, ignorierten sie ihre Familien und konnten es kaum abwarten, wieder zu Vorax zurückzukehren. Einige von ihnen standen auch geistig manchmal völlig neben sich und faselten seltsames und unzusammenhängendes Geschwätz, als wären sie in einem Wachtraum gefangen. Ein Ratsmitglied hatte seine junge und hochschwangere Frau sogar völlig grundlos vor die Tür gesetzt und behauptete, dass er für sie keinen Platz mehr in seinem Leben habe. All dies könnte Talinas Meinung nach auf eine magische Beeinflussung hindeuten, welche die Helden berücksichtigen sollten. Zumindest sollten sie gewarnt sein, dass sich auf dem Anwesen eventuell finstere Machenschaften abspielen oder das sogar der Bund von Utukk‘Xul seine Finger im Spiel hat.
Jast erwähnte daraufhin noch einen anderen Hinweis, dass sich auf dem Anwesen etwas Dämonisches abspielt. Er riet den Helden sich doch einmal mit der Prostituierten Amadis zu unterhalten. Sie arbeitet in dem Bordell „Zum Meerweib“ unten am Hafen und hatte wohl etwas sehr Beunruhigendes auf den Anwesen beobachtet. Sie hätte vielleicht etwas zu erzählen, was für die Helden wichtig sein könnte. Nachdem die wichtigen Dinge geklärt waren, verabschiedete sich Jast und wandte sich noch einmal an Augustus. Er würde ihn im Auge behalten und Augustus sollte sich darüber bewusst sein, dass er der Gerechtigkeit Alethons niemals entgehen kann. Augustus nickte ihm bestätigend zu. Talina entschuldigte sich, dass sie die Helden nun leider verabschieden musste, da sie sich um ihre Patienten kümmern müsse. Dann bat sie Kenji noch zu bleiben, da sie kurz mit ihm persönlich reden möchte.
Talinas Gespräch mit Kenji
Als Talina mit Kenji allein war, erzählte sie ihm, wie leid es ihr täte, dass sich ihre Wege damals auf so unschöne Art und Weise getrennt haben. Sie druckste etwas herum, da ihr dieses Gespräch offensichtlich sehr unangenehm war. Sie gestand ihm, dass ihr ihre Freundschaft immer sehr wichtig gewesen war und sie die langen Gespräche mit ihm bis heute vermissen würde. Sie bereute es, dass nur eine einzige unüberlegte Nacht diese gute Beziehung zerstören konnte. Sie wollte deshalb wissen, ob Kenji es ihr vergeben kann, dass sie mit ihrer Entscheidung, ihn damals abzuweisen, ihre Freundschaft zerstört hat, welche ihr zumindest sehr viel bedeutet habe. Sie entschuldigte sich dafür, dass sie ihn im Stich ließ, obwohl er gerade erst seinen Lehrmeister Pyrrhon verloren hatte, und er schließlich allein zu seiner gefährlichen Reise aufbrechen musste, auf welcher sie ihm gern begleitet und geholfen hätte. Talina fragte Kenji, ob er ihr wegen damals noch Vorwürfe macht, oder ob er ihr vergeben kann. Es würde sie nämlich freuen, wenn sie Kenji wieder als einen Freund und Vertrauten betrachten könnte. Außerdem habe sie ihn sehr vermisst und würde sich freuen, wenn sie in Kontakt bleiben könnten. Talina war sehr erleichtert, als Kenji dies verneinte.
Sie machte keine romantischen Andeutungen dabei und betonte, dass sie Kenji nur als Freund zurückgewinnen wollte. Kenji ahnte, dass dies nicht unbedingt die Wahrheit war, aber wahrscheinlich redete sie sich dies selbst auch ein und glaubte vielleicht sogar daran, aber Kenji konnte erkennen, dass sich hinter ihren Augen noch mehr Gefühl für ihn verbarg, als sie es zugab. Vermutlich war sie sich dessen gar nicht bewusst und Kenji wusste dadurch vielleicht mehr über sie, als sie es selbst tat.
Schließlich meldet sich einer ihrer Patienten und sie musste nach ihm sehen. Talina verabschiedete Kenji an der Tür und lud ihn ein, sie jederzeit hier zu besuchen. Sie würde sich sehr darüber freuen. Eventuell könnten sie etwas über alte Zeiten reden oder er ihr von seinen Heldentaten erzählen. Kenji bemerkte, dass sie ihm einen ziemlich schmachtenden Blick hinterherwarf, als er ging, und sie immer noch in ihn verliebt sein könnte.
Im Bordell
Als die Helden beim Bordell „Zum Meerweib“ ankamen, wollte Augustus nach der Reaktion von Jast lieber draußen warten. Kenji leistete ihm dabei Gesellschaft und sie tauschten sie über Augustus Vergangenheitsbewältigung und Kenjis Beziehungen aus.
Octavia, Henk und Adarian betraten das Bordell, wo sie zunächst von einer dicken Bardame empfangen wurden, welche anscheinend aus dem Norden, vielleicht von der Berstküste stammte und einen überdimensional großen Vorbau besaß. Sie hatte eine kratzige Stimme, stellte sich als Solva vor und wollte wissen, womit sie den Herrschaften und der Dame etwas Gutes tun könnte. Als diese nach der Hure Amadis fragten, erklärte Solva, sie würde gerade noch einen Kunden bedienen, und lud alle ein kurz in dem Bordell zu warten. Die Männer wurden in der Zwischenzeit von Nutten umgarnt und Octavia erntete von ihnen giftige Blicke oder wurde angefaucht, sie hätte hier nichts zu suchen und sollte ihnen nicht das Geschäft kaputt machen.
Dann kam eine Prostituierte verschwitzt mit einem dicken und angetrunkenen Matrosen von ihrem Zimmer und dieser bedankte sich bei ihr, indem er ihr nochmal mit der Hand auf ihren vollen Hintern klatscht, und verließ dann zufrieden das Bordell. Solva, die dicke Bardame, rief ihr mit kratziger Stimme gleich zu, dass dort jemand etwas von ihr wollte und deutete auf die Helden. Amadis ging daraufhin zu ihnen und erklärte sofort, dass sie keine Gruppen bediente und es immer nur mit einen nach dem anderen machen würde. Als sie erfuhr, dass die Helden von Jast kommen, winkte sie sie in ihr Zimmer durch und war bereits mit ihnen zu reden.
Amadis erzählte, dass eines Tages der thyrnische Centurio in das Bordell kam und ein Mädchen für den Prokonsul aussuchte, welche für eine Nacht mit auf das Anwesen kommen sollte. Dieses wäre schon mehrere Monate her und es war eine der schlimmsten Nächte in ihren Leben. Der Centurio sah sich alle Mädchen an und wählte sie schließlich aus. Auf dem Anwesen wurde sie zwar höflich empfangen, aber im Laufe des Abends verlangte Vorax von ihr immer bizarrere und zutiefst demütigende Dinge, über die sie im Detail nicht reden möchte. Ihr wurde zwar keine Gewalt angetan, aber Vorax steht anscheinend auf psychische Machtspielchen und Demütigungen. Dies wäre jedoch noch nicht das Schlimmste gewesen. Amadis beschrieb, dass während sie Vorax zu Diensten sein musste, sie das Gefühl gehabt hätte, dass eine weitere Person in dem Raum war. Sie konnte nichts sehen, da Vorax ihr die Augen verbunden hatte, aber sie hörte das Stöhnen einer unmenschlich klingenden Stimme, welche sich zischend wie von einer Schlange anhörte. Während sich Vorax an ihr vergnügte, merkte sie auch, dass sie sich plötzlich sehr schwach fühlte, als ob ihr jemand die Lebenskraft stehlen würde. Sie schob diesen Zustand auf den Wein, welchen sie auf Vorax Befehl hin in Massen trinken musste. Dann verrutschte aber plötzlich ihre Augenbinde und sie sah hinter Vorax kurz ein seltsames Gesicht, dass leuchtend rot war und schwarze Augen besaß, die wie tiefe Löcher wirkten. Das Gesicht besaß keine menschlichen Proportionen und schien nicht von dieser Welt zu sein. Ihr entwich sofort ein Angstschrei, da dieses Wesen furchteinflößend und bösartig wirkte. Daraufhin verschwand es jedoch und niemand war mehr mit ihr im Raum außer Vorax. Dieser begann daraufhin Amadis anzuschreien, da sie sich nicht auf ihre Arbeit konzentrieren würde und nicht das getan hätte, was er von ihr wollte. Vorax fuhr sie an, dass sonst niemand im Raum wäre und sie die Augenbinde ohne seine Erlaubnis abgenommen hätte. Dann packte er sie und schmiss sie ohne Bezahlung aus dem Anwesen. Er erklärte, dass er sich nie wieder eine Nutte aus Perlheim bringen ließe und lieber auf neue Ware aus den Provinzen warten würde. Seitdem hatte Vorax die Dienste des Bordells nicht mehr in Anspruch genommen. Amadis betone, dass sie nie wieder dieses Anwesen betreten würde, und sie glaubte fest, dass Vorax ein Dämonenbeschwörer war. Sie würde ihm nicht über den Weg trauen und riet den Helden, ihn am besten sofort umzubringen, bevor er zu einer größeren Gefahr würde.
Nachdem die Helden mit Amadis geredet hatten und diese sie zum Ausgang begleitete, kam der Lude des Meerweibs plötzlich dazu und pflaumt sie an, dass sie nun endlich weiterarbeiten müsse und ihre Pause nun vorbei sei. Henk konnte an seiner Twillkette sehen, dass der Mann ein Gildenmitglied war, und gab sich mit Handschlag zu erkennen. Nach einem Gespräch mit Radbod Wagener bekam Henk den Hinweis, unten am Hafen den Seebär Schwarzbart zu finden und ihn bei Gelegenheit im hiesigen Gildenquartier zu besuchen. Während alle anderen nun ins Gasthaus zurückkehrten, machten sich Adarian und Henk auf, am Hafen nach dem Kontaktmann der Gilde zu suchen.
Episode 06: Das Geheimnis des Prokonsuls
1./2. Spealis 721 ThZ
Henk bricht in die Villa des Aequus ein und beobachtet ein Treffen der Ratsherren. Die Helden suchen einen erkrankten Ratsherrn auf und entdecken an ihm eine magische Krankheit. Octavia wird mit Augustus Vergangenheit konfrontiert und Iustus bittet die Helden zum Anwesen.
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Besuch der Diebesgilde
Adarian folgte Henk am frühen Abend zum Hafen, welcher dort einer Spur von Twillzeichen nachging und schließlich zu einem Haus gelangte, welches einen Kellereingang in die Kanalisation besitzt. Henk konnte weiteren Zeichen folgen und fand in den Kanälen einen versteckten Eingang, welcher in das Hauptquartier der Füchse führte. Das Gildenversteck selber war nur ein recht kleiner Raum und außer Schwarzbart, der sich als Ragnar Helgirson vorstellte, war noch der junge Fuchs Brun anwesend, der gerade damit beschäftigt war, einige Münzen zu zählen und Stapel zu bilden. Dann schrieb er etwas auf und teilte die Münzen auf verschieden Beutel auf, als würde er den Sold der Füchse verteilen. Henk bemerkte schnell, dass es sich bei den Münzen um Bronze und Messing handelt und kein Gold oder Silber dabei war. Dies deutete schon auf schlechte Geschäfte hin.
Ragnar begrüßte Henk und Adarian freudig und bot ihnen ein starkes Bier von der Berstküste an. Dann beklagte er sich bei Henk darüber, dass die Zeiten sehr schlecht standen. Seitdem Prokonsul Vorax und das Imperium die Stadt kontrollierten, wäre es fast unmöglich, lukrative Schmuggelgeschäfte abzuschließen, da alle wichtigen Schmuggler einen großen Bogen um Perlheim machen würden. Die thyrnischen Hilfstruppen gingen wohl sehr konsequent und professionell vor und waren nicht zu bestechen. Deshalb liefen die Geschäfte schlecht und die meisten Füchse waren nach Weisshafen abgereist. Schwarzbart hatte jedoch Hoffnung, dass es bald wieder bergauf geht, wenn die Stadt sich von Thyrna löste und die Hilfstruppen endlich wieder abzögen. Er wollte deshalb alles für ihre große Rückkehr vorbereiten und war gerade dabei, die Organisation wieder auf Vordermann zu bringen.
Ragnar bat Henk um ein Gespräch unter vier Augen und während Adarian Brun von seinen Abenteuern berichtete und noch ein Bier trank, erklärte Ragnar Henk die aktuellen Probleme der Gilde. Das größte Ziel war zurzeit die Suche nach einem neuen Versteck für ihre Waren. Ragnar berichtete Henk, dass vor einigen Wochen ihr bestes Schmuggelversteck aufgeflogen wäre und sie nun nicht wüssten, wo sie ein sicheres, neues Lager finden könnten. Ursprünglich war eine Grotte unten am Strand ein sehr gutes Versteck, da der Eingang durch die Flut unzugänglich gemacht wird und es deshalb sehr unauffällig war. Eines Nachts hatten die Füchse dort mit Brun einen Verschwiegenheitsschwur des Twill abgehalten und wurden dabei anscheinend von einem Angler beobachtet, welcher nachts auf der Suche nach seltenen Fischen war und deshalb die Steilküste entlangkletterte. Er sah wohl zufällig genau dann in die Höhle, als Brun den Dolch an seiner Hand ansetzte und dann sein Blut in eine Feuerschale tropfte. Dies war kurz nach der Bekanntmachung des Zwergenkönigs, dass ganz Eboria von dunklen Kultisten bedroht werde, und der Angler lief völlig panisch zu den Stadtwachen. Diese kamen unverzüglich mit einem großen Aufgebot in die Grotte zurück und wollten die vermeintlichen Kultisten stellen. Es kam zu einem kurzen Kampf, doch Ragnar entschied sich für die Flucht, da die Füchse deutlich in der Unterzahl waren. Jedoch wurde Brun geschnappt und von den Wachen ins Verlies gesperrt. Den Füchsen gelang es aber ihn in der gleichen Nacht wieder zu befreien. Die Grotte wird seit dem Vorfall nun überwacht und war dadurch als Schmuggelversteck leider unbrauchbar.
Ragnar erzählte, dass sie ein neues Versteck in einer kleinen, verlassenen Einsiedelei hätte, jedoch wäre dies erstens zu klein und außerdem ein zu auffälliger Treffpunkt für Geschäftsverhandlungen, da diese direkt zwischen den Feldern auf einem Hügel läge und man von den Höfen schnell sehen konnte, wenn dort etwas los war. Er hatte jedoch einen Plan, den er Henk mitteilte. Er wollte den Gastwirt Grifo Lausinger von der „grünen Rast“ überreden, dass er seinen Keller als neues Versteck zur Verfügung stellt, denn er hat Platz und da sein Gasthaus immer brechendvoll mit den unterschiedlichsten Fremden, Reisenden und zwielichtigen Leuten ist, würde das ein oder andere Schmugglertreffen oder ein Warenaustausch dort wenig auffallen. Der Gastwirt war in seiner Jugend übrigens selbst einmal ein Pirat und segelte plündernd durch die Bartha-Bucht. Dies wüsste jedoch nicht mal seine Frau und der Gilde war dieser Umstand nur bekannt, weil Schwarzbart ihn noch von früher kannte. Dieses Wissen könnte auch ein kleines Druckmittel sein, um ihn zur Mitarbeit zu überreden, da er niemals wollte, dass seine Familie oder sonst jemand in Perlheim von seiner Vergangenheit erführe. Ragnar hatte von Henks großer Wortgewandtheit gehört und fragte ihn, ob er die Verhandlung mit dem Gastwirt übernehmen könnte. Henk sagte zu und die beiden gesellten sich wieder zu Adarian und Brun, welcher an Adarians Lippen hing und Abenteuergeschichten aufsaugte.
Radbod Wagener kam dazu und erkundigte sich nach Kenji, da er ihn anscheinend von früher kannte. Er ließ ihm schöne Grüße ausrichten, hielt sich aber ansonsten sehr bedeckt, aus welchem Zusammenhang sich die beiden kannten.
Der Einbruch
Henk und Adarian verließen das Gildenquartier am späten Abend und begaben sich heimlich zum Anwesen des Aequus. Sie bemerkten, dass alle Wachtürme besetzt waren und es einige Wachhunde gab, die überall frei auf dem Anwesen herumliefen. Es wäre also sehr schwer, ungesehen über eine Mauer zu klettern. Sie bemerkten aber einen kleinen Weg, welcher auf der rechten Seite des Anwesens nach unten zu einem Steg und einem Strand führte, von wo aus man die Klippen erreichen konnte, auf welchen das Anwesen errichtet ist. Eventuell konnte ein sehr guter Akrobat unten vom Strand daran hochklettern und sich von der Seite auf das Anwesen schleichen. Adarian und Henk hatten Glück, denn in dieser Nacht war es sehr nebelig, so dass sein Tarnumhang ihn sehr gut verbergen würde. Henk musste trotzdem sehr vorsichtig sein, dass er nicht auf dem Grundstück entdeckt würde, da die Hunde ihn riechen könnten. Während Adarian unten am Strand wartete, erklomm Henk die Steilküste und erreichte das Anwesen.
Henk stellte fest, dass alle Fenster und Türen durch magische Schutzfelder gesichert waren, welche Octavia bereits bei ihrem Besuch bemerkt hatte. Es war unmöglich, in das Gebäude zu gelangen, jedoch könnte Henk eventuell Einblicke durch die Fenster erhalten, da er sah, dass ein großer Raum im Wohnbereich hell erleuchtet war und er immer wieder die Silhouetten von Menschen von außen erkennen konnte. Henk kam geschickt an den Hunden vorbei und schlich auf die Terrasse, weil er von dort einen Blick in das Zimmer werfen konnte.
Er erblickte er ein großes Festmahl, an welchem ungefähr zehn elegant gekleidete Männer, vermutlich die Ratsmitglieder, beteiligt waren. Vorax saß am Kopfende und rief immer wieder Sklaven, welche köstliche Speisen hereinbrachten. In einer Ecke spieltet eine hübsche Sklavin auf einer Lyra und die Männer unterhielten sich angeregt und stießen immer wieder mit Wein an. Wie eine Orgie wirkte das Ganze ganz und gar nicht und Henk gelang es manchmal sogar an ihren Lippen abzulesen, worüber sie sprachen. Einer der Männer erhebt sein Glas und sprach: „… wir sind euch ja so dankbar, Prokonsul! “. Ein anderer nahm einen genussvollen Bissen von seiner Speise: „Wenn man die thyrnische Küche erst kennt, will man nichts anderes mehr essen! “. Jemand sprach mit Vorax und erkundigt sich anscheinend nach Iustus, da er vom „Magus der Gesandten“ sprach. Vorax antwortet: „Keine Sorge. Er wird nichts erfahren. Er schläft bereits und ahnt nicht das Geringste. “ Das Gespräch der Männer drehte sich nun anscheinend weiter um die Gesandte des Drachen. Einer sagt zu Vorax: „Die Gesandte kann euch nicht einfach vertreiben! Das werden wir nicht zulassen! “ Schließlich wurde das Festmahl beendet und alle sprachen nur darüber, wie gut das Essen war und schienen sich auf irgendetwas zu freuen.
Die Gesellschaft setzte sich dann in Richtung Flur in Bewegung und Henk folgte ihr über das flache Dach. Er hörte, wie im Atrium eine Tür geöffnet wurde bewegte sich robbend zum Atrium. Vom Nebel gut verborgen konnte er dort das Gemurmel von Männerstimmen hören. Einer sagte: „… ich habe mich den ganzen Tag auf diesen Zeitpunkt gefreut. Ich danke euch, dass ihr euer Geschenk mit uns teilt. Ihr seid ein selbstloser Mann, Prokonsul!“ Vorax antwortet: „Nach unserer guten, langjährigen Arbeit ist dies doch nicht der Rede wert, mein Freund! Ich habe euch doch versprochen, dass euch der Anschluss an das Imperium ganz besondere Vorteile bringen wird! “ Dann schritt der Magus vor, senkte das magische Schild auf der Eingangstür der Bibliothek und die Männer traten ein. Henk konnte nur kurz ein Laken im Wind wehen sehen und beobachten, dass ein schummeriger Feuerschein aus dem Gebäude kurz nach draußen drang. Abschließend ging der Magus hinein und Henk sah durch ein kurzes Aufblitzen, dass der Schild wieder aktiviert wurde.
Am Strand bekam Adarian Besuch von einer Wachmannschaft mit Hund, welche das Bootshaus genauer untersuchten und dort eine kleine Pause einlegten. Der Wachhund tollte währenddessen am Strand herum und kam Adarian bedrohlich nahe. Doch dieser quetschte sich in eine Felsspalte und hoffte sich vor dem Hund zu verbergen. Dieser hatte bereits leichte Witterung aufgenommen und spähte in Adarians Richtung. Doch bevor er anschlagen konnte, wurde er von den Wachen zurückgerufen, welche ihre Patrouille fortsetzen wollten. Gehorsam ließ er von Adarian ab und so blieb der Held unentdeckt.
Henk erklomm währenddessen auf das Dach der Bibliothek, um vielleicht von oben einen Blick durch die Fenster werfen zu können. Für Henk mit seiner Akrobatik war dies kein Problem und der Nebel war weiterhin stark genug, um ihn zu verbergen. Beim Hochklettern kam er an einem Lüftungsschlitz vorbei, der für die Luftversorgung in der Bibliothek zuständig ist. Hier roch er plötzlich etwas, dass ihn an das Räucherwerk in den Tempeln erinnert. Außerdem konnte er ganz leise etwas hören, dass wie Musik klang und besonders der tiefe, dumpfe Klang einer Trommel war zu vernehmen. Oben konnte er durch die Fenster sehen, dass ein großes Zeltdach in dem Gebäude aufgehängt war und die Bibliothek anscheinend aus nur einer großen Halle besteht. Der Stoff war durch die Feuer, welche Henk unten in der Halle leicht erahnen konnte, etwas angeleuchtet und Henk entdeckte, dass dieser viel zu edel wirkte, um als eine Abdeckung vor Arbeitsdreck und Staub von Arbeiten genutzt zu werden. Er konnte jedoch nicht durch den feinen und schillernden Stoff hindurchsehen und das Geschehen auf dem Boden der Halle blieb für ihn verschleiert.
Nachdem Henk bemerkte, dass anscheinend eine der Wachen auf etwas Ungewöhnliches am Dach aufmerksam geworden war, beschloss er sich zurückzuziehen, da in der Bibliothek für ihn nicht zu erkennen war. Henk gelangte über das Dach wieder zur Terrasse und von dort kletterte er wieder die Klippen herunter, um von dem Grundstück zu entkommen. Mit Adarian kehrten sie zum Gasthaus zurück und legten sich schlafen.
| 2. Spealis |
Talinas Verdacht
Am nächsten Morgen kam Talina in das Gasthaus und bat die Helden ganz aufgelöst um Hilfe. Sie erzählte ihnen, dass sie heute in den frühen Morgenstunden von einer Freundin Isora gerufen wurde, welche die Frau des Ratsherrn Hilberian von Aichhain sei. Diese berichtete, dass ihr Mann sehr spät von den Besprechungen bei Prokonsul Vorax nach Hause kam und völlig neben sich stand. Er schwitzte und war gleichzeitig am Zittern und schien völlig geistesabwesend zu sein. Hilberian schien sie auch nicht mehr bewusst wahr zu nehmen und ging einfach wortlos in sein Bett. Nachdem er sich hingelegt hatte, begann er dann plötzlich zu schreien, verdrehte die Augen und schien zu kollabieren. Dann fiel er in einen tiefen Schlaf und Isora schickte sofort einen Boten zu Talina, welche sich auch umgehend auf den Weg machte. Talina untersuchte den Mann und stellte schließlich fest, dass dieser eine sehr seltsamen Ausschlag am Hals hatte, der aus winzigen, schwarzen Hautverfärbungen bestand. Sie entkleideten den Mann und stellten fest, dass sich der Ausschlag fast auf seinem ganzen Körper befand und besonders der Oberkörper, die Beine und die Genitalien komplett davon überzogen waren. Talina konnte sofort ausschließen, dass es sich hier um eine gewöhnliche Krankheit handelt und vermutet, dass es eine magische ist. Sie hatte etwas Ähnliches noch nie gesehen und konnte ihre ehemaligen Schwestern im Tempel nicht danach fragen, weil sie nicht sicher war, ob sie ihnen noch trauen konnte. Talina vermutete nämlich etwas Dämonisches und bat nun die Helden, ob sie sich den Mann ansehen könnten. Es könnte sich nämlich um einen Zauber des dunklen Kultes handeln und sie hatte gehört, dass auch Jerris gerade mit einer dämonischen Krankheit angegriffen wurde.
Bevor alle zu dem Ratsherrn aufbrachen, ersuchte Talina Kenji noch um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. Sie bat ihn Augustus nahezulegen, nicht mit zu dem Ratsherrn zu kommen, da Isora die Tochter eines der Ratsherren ist, welche Augustus und Silvius Insidiae unschuldig haben hinrichten lassen. Talina setzte Kenji davon in Kenntnis, dass inzwischen viele Leute in der Stadt davon gehört haben, dass Augustus wieder in der Stadt ist und einige von ihnen dürsten nach Rache. Kenji sollte ihm deshalb empfehlen, sich am besten nicht alleine draußen aufzuhalten. Dann drängte sie zum Aufbruch, würde jedoch später noch ein weiteres Mal mit Kenji über Augustus reden müssen, allerdings wäre jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Die anderen Helden sollten sie jedoch begleiten, da sie nicht wusste, ob sie etwas Schlimmeres erwartet.
Kenji konfrontierte Augustus mit Talinas Bitte und diesem wurde immer bewusster, dass sich seine Vergangenheit zu einem großen Problem entwickeln könnte. Kenji merkte, dass Augustus dies sehr unangenehm war und er schien große Schuldgefühle zu haben, da er vermutlich wusste, dass er damit Octavia und den anderen eigentlich eher hinderlich als hilfreich werden und ihre Aufgabe sehr erschweren könnte. Augustus verstand Talinas Anliegen und wirkte danach sehr nachdenklich. Er entschuldigte sich bei Kenji und zog sich auf sein Zimmer zurück um nach Wegen zu suchen, wie er den Helden trotzdem hilfreich zur Seite stehen zu könnte, ohne dass sie von seiner Vergangenheit beeinträchtigt würden.
Der kranke Ratsherr
Die Helden brachen dann schnell zur Villa der Aichhains auf und eine junge, aufgelöste und weinende Frau öffnete die Tür. Isora führte alle in das Schlafzimmer, wo ihr Mann in einem sehr schlechten Zustand halbwach lag und schwer atmete. Sie berichtete, dass er immer schwächer wurde und hin und wieder anfing wirres Zeug von sich zu geben. Octavia konnte mit Astralsicht sofort sehen, dass es sich um eine dämonische Krankheit handelte und somit Talinas Verdacht bestätigen. Sie erkannte jedoch nicht das Muster von Utukk’Xul, sondern sah etwas völlig Neues und Unbekanntes. Octavia nahm Empfindungen in seiner Aura wahr, welche in ihr Ekel und Abscheu auslösten, und sie spürte, dass dieser Mann von dem Ausschlag zerfressen wurde und große Schmerzen litt. Jedoch spürte sie auch eine Atmosphäre der Begierde und der Lust, die ihn paradoxer Weise gleichzeitig umgab.
Talina näherte sich dem kranken Hilberian und betrachtete seinen Ausschlag. Dabei bemerkte sie, dass dieser in den letzten Stunden angefangen hatte zu eitern und sich stark entzündet hatte. Sie befürchtete, dass der Mann nun nicht mehr lange durchhalten könnte, weshalb sie nun eine Heilung durchführen müsste, um ihn zu retten. Sie bat Kenji ihr dabei zu helfen, da es sich nicht um eine gewöhnliche Heilung handelte, sondern sie die Kraft aller Schutzgötter benötigen würde, um das Dämonische daran zu hindern den Mann zu töten. Alle Diener der Schutzgötter können an einem derartigen „Gruppenwunder“ teilhaben und Kenji war dies auch sehr wohl bekannt. Er wusste, dass sich große Wunder ereignen können, wenn Questoren ihre Glaubenskräfte und die Einflüsse ihrer einzelnen Götter miteinander verbinden. Als sich Kenji einverstanden erklärte, bat sie ihn sich neben sie zu setzen und ihr seine Hand zu geben. Ihre andere Hand legte sie auf den Bauch des Mannes und sprach ein Gebet:
„Große Göttermutter Hylea, Führerin der Herden und Hüterin der Eintracht! Ich bitte dich um göttlichen Beistand für Hilberian von Aichhain. Wiege diesen Leidenden in deinem behütenden Schoss und schließ ihn ein in deine tröstenden Arme. Schenke ihm dein Mitgefühl und befreie ihn von seinem Leid durch deine mütterliche Liebe!“
Dann schickte sie ein weiteres Gebet nach, was sich an alle Schutzgötter richtet und in das Kenji mit einstieg:
„Hört meinen Ruf, heilige Schutzgötter! Ihr göttlichen Bewahrer von Himmel und Erde! Edle Hüter Barthavions! Eure Botschaft ist das Licht! Vertreibt die Schatten und erleuchtet die finsteren Orte! Erhellt die Herzen der Verzweifelten und seid ihnen ein Licht im Dunkeln! Lasset euer Licht über uns allen erstrahlen und seid unser führender Stern! Denn euer Licht ist unser Licht, im Leben und im Tod!“
Anschließend begann sie etwas zu singen, das wie ein Wiegenlied klang und auf alle eine ungemein beruhigende Wirkung hatte. Alle Anwesenden fühlten sich plötzlich wie in Watte gepackt oder zurückversetzt an die Brust ihrer Mutter und im ganzen Haus entstand ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Talinas Gesang setzte sich über eine Stunde fort und die ganze Zeit hielt sie dabei Kenjis Hand und hatte die Augen geschlossen. Der Atem des Mannes begann sich immer mehr zu beruhigen und die Rötungen um seinen Ausschlag schienen nachzulassen. Talina hört schließlich auf und es schien so, als ob es dem Mann bessergehen würde.
Gerade als sie aufhörte und sich alle wieder versammeln, hörte man plötzlich, dass Hilberian anfing zu stammeln. Er sagte mit schwacher und unterbrochener Stimme:
„Danke ... danke Vorax ... ihr seid so ein ... guter Mann ... so selbstlos ... danke, Prokonsul, danke ... endlich war ich wieder an der Reihe ... nach so langer Zeit ... aber das Warten hat sich gelohnt ... oh ja ...“
Dann begann er zu stöhnen, doch es wirkt so, als ob nicht Schmerz ihn stöhnen ließ, sondern es könnte auch genauso gut nach Genuss oder sogar Lust klingen. Darüber schlief er wieder ein. Talina erklärte, dass sie ihn lieber in ihr Hospital bringen möchte, da sie ihn dort besser versorgen könnte. Sie bat die Helden ihr beim Transport zu helfen und den Ratsherrn irgendwie ungesehen zu ihr nach Hause zu bringen. Adarian und Henk wollte gerne helfen und ihn unbemerkt in die Perlenschleiferei schaffen.
Isora stellt Octavia zur Rede
Während Adarian und Henk den kranken Ratsherrn vorsichtig nach draußen in die Kutsche brachten, nahm die junge Frau Octavia beim Abschied kurz zur Seite, um mit ihr persönlich zu sprechen. Dazu ging sie mit ihr etwas aus der Hörreichweite der anderen, und nur Kenji bekam etwas von dem Gespräch mit.
Isora erzählte, dass sie und ihre Familie schon immer ein gutes Verhältnis zu Octavias Vater Aequus besaßen und alle zutiefst bestürzt waren, als sie von dem Attentat erfuhren. Außerdem wüsste sie es sehr zu schätzen, was Octavia und ihre Freunde für Barthavion und gerade hier für sie und ihren Mann tun würden. Isora fuhr fort, dass sich auch bereits herumgesprochen habe, dass Octavias Bruder Augustus wieder in der Stadt war. Sie fragte sich nun, ob Octavia wüsste, dass er für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist, der einer der unschuldig hingerichteten Ratsherren war. Sie schilderte Octavia, dass ihr Vater nie eine gerechte Verurteilung erhielt und, als ihre Mutter ihn das letzte Mal vor seiner Hinrichtung zu Gesicht bekam, er furchtbar zugerichtet war. Etliche Knochen waren ihm gebrochen worden und sie konnte deutlich sehen, dass er Brandwunden am ganzen Körper trug. Sie war deshalb davon überzeugt, dass er mit Gewalt zu dem Geständnis gezwungen wurde. Das letzte, was er ihrer Mutter zugeflüstert hatte, war:
„Der junge Octavius ist zu einem Monster geworden!“
Dann wurde sie von ihm weggezerrt und er wurde einen Tag später hingerichtet.
Isora ließ Octavia wissen, dass sie einfach nicht verstand, warum Octavias Bruder lebendig und wohlauf zurückkehren konnte, als wäre nie etwas gewesen, während ihr Vater nun auf dem Letoracker draußen vor den Stadttoren liegt. Sie wusste nicht, wie sie und ihre Mutter mit dieser Ungerechtigkeit leben könnten und wollte von Octavia einfach eine Erklärung für das haben, was damals geschehen war. Isora wollte auch wissen, wie Octavia ihrem Bruder anscheinend vergeben konnte, damit sie ihm vielleicht auch ein wenig vergeben kann oder zumindest verstehen kann, warum er fähig war, die Stadt zu verraten, wo ihn alle Menschen achteten und vertrauten.
Hier fehlt noch die Reaktion von Octavia
Kenji bemühte sich, die Situation zu schlichten. Er versprach Isora, trotz seiner persönlichen, positiven Beziehung zu Augustus Nachforschungen über die genauen Geschehnisse der damaligen, düsteren Zeit zu treffen, um die Ereignisse korrekt nachzuvollziehen und die Schuldfrage zu klären. Zu diesem Zeitpunkt machte er aber auch keinen Hehl daraus, dass seiner Ansicht nach dies der schlimmste Einluss der Schwarzmagier sei: Sie bedienten sich der Schwachen und Hilflosen, um sie gegeneinander aufzubringen und einander schreckliche Dinge anzutun. Nur wer bereit war, den Zirkel aus Hass und Bitterkeit zu durchbrechen, konnte sich ihrer erwehren und das Licht zurückbringen.
Talinas Bitte an Kenji
Nachdem der kranke Ratsherr in Talinas Hospital gebracht wurde, erklärte sie, dass sie nun viel Arbeit habe, um sein Leben zu retten. Deswegen bat sie die Helden, sich vorerst zu verabschieden. Talina nahm Kenji jedoch noch kurz zur Seite und möchte mit ihm unter vier Augen sprechen. Die anderen warteten vor der Perlenschleiferei auf ihn.
Talina beschrieb Kenji, dass sie heute während ihrer gemeinsamen Meditation eine starke Verbindung zu ihm gespürt habe und dass sie ganz intensiv das Gefühl hatte, dass die Kraft des Götterpaares Mynbruje und Garlen durch sie hindurchfloss. Sie ging davon aus, dass sie das Leben des Ratsherrn nur retten konnten, da sie gemeinsam mit Kenji fähig war ein so starkes Wunder zu vollbringen, und dankte ihm für dieses wertvolle, göttliche Ereignis.
Jetzt, wo feststünde, dass schwarzmagische Aktivitäten in der Stadt vorgehen, hätte sie noch etwas, das Kenji und seine Freunde bei seinen weiteren Ermittlungen schützen soll. Talina holte aus einem kleinen Holzkästchen eine kleine, kunstvoll aus sehr hellen, fast transparentem Perlmutt gefertigte Lilie heraus, die als Anhänger an einer schlichten Silberkette hängt. Ihr Vater habe dieses Amulett aus dem Perlmutt der „Lichtmuschel“ gefertigt, welche aus den Gewässern Perlheims stammen. Talina hat einen Schutzsegen für Kenji auf diesen Anhänger gesprochen, welcher ihn durch Zuversicht, Trost und Hoffnung in seinem Glauben bestärken soll. Sie erinnerte Kenji auch an ihre alten Gespräche und dass dieser Anhänger ihm helfen würde, falls er noch seine Albträume oder Zweifel hätte.
Sie nahm das Amulett und wollte es Kenji umhängen. Dabei kam sie ihm ganz nahe und umarmte ihn danach freundschaftlich. Kenji fiel auf, dass sie ihn auffällig lange umarmte und er hatte irgendwie das Gefühl, dass sie sich vielleicht insgeheim in dieser Situation jetzt gerade einen Kuss von ihm erhoffte. Kenji ließ sich zu einem Kuss hinreißen und merkte, wie sie bereits darauf gewartet hatte. Und so küssten sie sich leidenschaftlich.
Als sie Geräusche von dem kranken Ratsherrn hörten, drängte Talina Kenji zu gehen, würde ihn aber bald gern wiedersehen. Nach dem Gespräch mit Talina stieß Kenji zu seinen wartenden Freunden und sie brachen gemeinsam zum Gasthaus auf.
Im Gasthaus
Im Gasthaus empfing sie der Wirt sehr freundlich und richtete ihnen aus, dass Augustus Octavius sie bittet auf sein Zimmer zu kommen. Als sie an seine Tür klopften, öffnete dieser umgehend und hatte anscheinend schon auf sie gewartet. Er erzählte, dass ein Bote gekommen war, der eine Nachricht von Iustus gebracht hatte. Dieser war bei seiner Suche nach den Forschungsunterlagen erfolgreich und bat alle umgehend zum Anwesen zu kommen. Augustus zeigte ein kleines Pergament, auf dem Iustus ihnen die Nachricht übermittelt hatte, und bestätigte, dass es sich um Iustus Handschrift handelte und dass das Wachssiegel auf der Nachricht von Iustus Siegelring stammte. Die Helden beschlossen, sofort zum Anwesen aufzubrechen, um zu erfahren, was Iustus gefunden hatte. Vorher schrieb Adarian noch schnell einen kurzen Brief an Archorbar, um ihn über die Situation zu informieren (vgl. Brief an Archorbar).
Überraschung auf dem Anwesen
Am Tor des Anwesens sprachen sie mit einer Wache, von der sie erfuhren, dass der Magus Trebatius ausrichten ließe, dass er sie gern in seinem Forschungslabor empfangen möchte. Das Tor wurde geöffnet und die Kutsche fuhr hinein. Eine Wache begleitete die Helden und brachte sie in Iustus Forschungsraum.
Iustus war nicht allein, sondern Vorax stand mit seinen zwei Berstmännnern, dem Centurio und seinem Magus in der Mitte hinter ihm. Die Berstmänner waren mit zwei Armbrüste bewaffnet und der Magus trug einen Zauberstab in der Hand, welchen er drohend auf Iustus Kopf richtete. Iustus selbst hat einen metallischen Ring um den Hals, welcher ihm vermutlich am Zaubern hinderte, und seine Hände waren gefesselt. Hinter sich hörten die Helden Geräusche und der Flur füllte sich ebenfalls mit mehreren Wachen, welche mit Armbrüsten ausgestattet waren. Jedem war sofort bewusst, dass dies ein auswegloser Kampf werden würde, denn draußen hörte man bereits auch die Hunde kläffen.
Vorax redete mit ruhiger Stimme auf die Helden ein und offenbarte ihnen, dass es nicht unbemerkt geblieben war, dass sie ihm und den Ratsmitgliedern hinterhergeschnüffelt hatten. Vor allem der Magus der Gesandten wäre ein schlauer Mann, der jedoch besser seine Neugier gezügelt hätte. Vorax ginge deshalb nicht mehr davon aus, dass er die Gesandte und ihre lästigen Gefährten auf freundschaftlichen Wegen loswürde, obwohl er sich dies sehr gewünscht hätte. Jedoch könnte er nicht zulassen, dass jemand seinem Geheimnis auf die Spur käme, da er sein Leben hier niemals aufgeben würde. Als ihm vorgeworfen wurde für den Bund des Xul zu arbeiten, lachte er nur und erklärte, dass er für niemanden arbeiten würde.
Vorax bat nun alle sich zu ergeben und die Waffen auf den Boden zu legen, da sonst innerhalb weniger Sekundenbruchteile der Kopf des Magus sich über den gesamten Raum verteilen würde. Da er Iustus aber eigentlich mögen würde, fände er es sehr schade um den begabten Mann und hoffte deshalb, dass die Helden nichts Dummes täten.
Als sich alle ergaben, war Vorax erfreut, dass nun alle vernünftig wären, und er versicherte den Helden, dass sie sich keine Sorgen machen müssten, dass er sie umbrächte. Er stellte klar, dass er davon nichts hätte und deshalb andere Pläne verfolgen würde. Dazu wollte er sich zuerst mit der Gesandten zusammensetzen und über ihre anstehenden Hochzeitspläne sprechen. Immerhin wäre dieses Thema noch nicht aus der Welt und da Octavia sein Schlüssel zu diesem Haus war, würde er sie so schnell nicht mehr hergeben. Er fing an zu lachen und gab seinen Männern einen Befehl mit einer Handgeste, welche daraufhin zu jedem nacheinander hingingen und sie mit einem Schlag auf den Kopf bewusstlos schlugen.
Episode 07: Gefangene des Prokonsuls
2. Spealis 721 ThZ
Die Helden sind in der Gefangenschaft des Prokonsuls und decken das dämonische Geheimnis des Anwesens auf. Sie stellen Vorax und werden mit ihren Begierden konfrontiert.
| 2. Spealis |
Octavias Gefangennahme
Nachdem Octavia mit ansehen musste, wie ihre Freunde brutal bewusstlos geschlagen wurden, bekam sie wie Iustus vom Magus einen magischen Halsring umgelegt, welcher sie am Zaubern hinderte. Octavia konnte deutlich das Dämpfungsfeld um sich herum spüren, welches verhinderte, dass sich ihre magische Kraft bündeln und fokussieren ließen. Dann wurden Octavia die Hände gefesselt und mit Fußfesseln so verbunden, dass sie ihre Arme nicht mehr anheben kann. Anschließend wurde sie von einer Wache in Begleitung von Vorax weggeführt und konnte noch sehen, dass ihre Freunde von Wachen nach unten in den Keller getragen wurden. Der Magus blieb mit Iustus im Raum zurück.
Octavia wurde über das Atrium in die Wohnräume der Villa gebracht und im alten Zimmer ihres Bruders eingesperrt. Vorax hatte die Zimmereinrichtung unverändert belassen und Octavia wurde von der Wache auf das Bett in der Nähe der Fenster gesetzt und dann sich selbst überlassen.
Henk und Adarians Gefangenschaft
Als erstes wurden Henk, Adarian und Augustus wach. Nachdem sie ihre Augen öffneten, blickten sie auf einen kalten Steinboden und entdeckten Gitterstäbe um sich herum. Sie hatten keine Ahnung, wie lange sie bewusstlos waren, und als sich ihr Blick nach dem Aufwachen geklärt hatte, konnten sie bei Fackelschein feststellen, dass sie sich in einem Raum befanden, der wie eine Folterkammer aussah (Karte Nr. 7). In der Mitte des Raumes befand sich ein Andreaskreuz mit Metallfesseln an den Orten, wo sich Arme und Beine befänden. An einer Seite stand ein Stuhl, der ebenfalls über Metallfesseln verfügte. Beide sahen benutzt aus und man konnte Spuren von sehr altem und eingetrocknetem Blut erkennen. An den Wänden hingen unterschiedliche Folterwerkzeuge wie Schürhaken, Daumenschrauben etc. Es befanden sich vier Zellen in dem Raum und jeder der drei Männer war in einer einzelnen, von den anderen abgetrennten eingesperrt. Die Zellen hatten an den Seiten gemauerte Trennwände, weshalb niemand den anderen sehen und sie sich gegenseitig nur hören konnten. Alle waren bis auf die Unterhosen ausgezogen und alle Gegenstände waren ihnen abgenommen worden.
Die Zellen waren mit einem dicken Schloss gesichert und ohne seine Dietriche war es Henk unmöglich, diese zu öffnen. Doch Augustus erinnerte sich daran, dass in der Zelle von Adarian sich eine Eisenstange aus ihrer Verankerung im Boden gelöst hatte und diese danach nur improvisiert mit etwas Zement ausgebessert wurde. Würde Adarian mit genügend Kraft daran rütteln, könnte es ein, dass er die Stange aus dem Boden lösen und damit vielleicht sogar das Gitter aushebeln könnte. Adarian machte sich sofort ans Werk und zog sogar seine Unterhose aus und dämpfte damit die Stöße ab. Henk sah sich unterdessen im Raum um und entdeckte den Folterwerkzeugen auch einige dünne Metalldrähte, welche sich eventuell als Dietriche benutzen ließen. Damit könnte er die anderen Schlösser knacken, sobald Adarian erfolgreich war und sie ihm geben konnte.
Kenjis Gefangenschaft
Kenji erwachte und stellte ebenfalls fest, dass er auf einem harten und kalten Steinboden lag. Er war gefesselt und konnte weder Hände noch Füße bewegen. Ihm fröstelte und er stellte fest, dass er nur noch in Unterhose gekleidet war. Im Dunkeln konnte er nicht viel erkennen, aber er roch den Geruch von altem Holz und Staub und konnte ganz leicht etwas Säuerliches in der Luft wahrnehmen, wobei es sich um Wein handeln könnte. Es war still und er hörte nur hin und wieder ein ganz leises Plätschern von Wasser, vermutlich aus der Fußbodenheizung, was ganz dumpf zu vernehmen war und sich hinter einer Wand zu befinden schien.
Nachdem sich seine Augen an die Dunkelheit angepasst hatten, konnte er einen ganz leichten und kaum sichtbaren Lichtschein neben sich entdecken, der jedoch direkt durch irgendetwas verdeckt wurde und dessen Lichtquelle nicht sichtbar war. Um es genauer zu untersuchen, robbte Kenji einige Schritte vorwärts. Er bemerkte so, dass er sich ein einem größeren Raum befand erkundete diesen auf dem Boden robbend. So bemerkte er die großen Holzfässer und einen Tisch, welcher im Raum stand (Karte Nr.5).
Er erfuhr, dass der schwache Lichtschein unter einer Tür durch in seinen Raum hineinfiel und er konnte im Dunklen den Spalt erkennen. Er konnte sogar unter der Tür hindurchsehen und erkannten, dass sich davor ein durch Fackellicht erleuchtetet Gang befand und dass anscheinend niemand vor seiner Tür stand bzw. dort Wache hielt. Als er sich an der Tür aufrichtete um hinauszukommen, stellte er fest, dass diese natürlich verschlossen war. So blieb ihm nichts anderes als nur in der Dunkelheit abzuwarten.
Vorax Angebot an Octavia
Vorax versuchte, Octavia von der Vernunft seiner Idee zu überzeugen. Er legte ihr nochmal alle Vorteile einer Heirat schmackhaft vor: großer politischer Einfluss im Senat von Thyrna, weiterhin Unabhängigkeit und keine ehelichen Pflichten für Octavia, gute Versorgung der Villa ohne mehr Arbeitsaufwand für die Helden und auch eine professionelle Vermögensberatung durch ihn persönlich. Doch Octavia wies seinen Heiratsantrag schroff zurück und fragte ihn, ob er allen Ernstes annehmen könnte, dass sie auf seinen Vorschlag eingehen würde.
Vorax reagierte gespielt enttäuscht und erwähnte, dass aus diesem Grund in Thyrna auch keine Frauen Politik machten. Vorax warf Octavia vor, dass sie durch ihre barthavisch-weibische, moralische Einstellung einen wichtigen Einfluss im Senat verspielte, welcher ihr bei den wirklich wichtigen, weltentscheidenden Problemen weiterhelfen könnte. Er wird betonen, dass manchmal zum Erreichen der großen Ziele kleinere Opfer in Kauf genommen werden müssen und das darin auch die Größe von Männern zu finden ist, dass sie in der Lage sind, solch harte Opfer für das große Wohl zu erbringen.
Vorax machte Octavia dann klar, dass eine Hochzeit nicht die einzige Möglichkeit war, ihre Heldenreise mit ihren Gefährten fortzusetzen und das Leben ihres Bruders zu retten. Vorax schlug Octavia vor, einen Vertrag zu unterschreiben, welcher ihm das Anwesen überschreibt. Augustus würde weiterhin im Anwesen gefangen bleiben und als Geisel für Octavias Aufrichtigkeit dienen. Niemand würde in Thyrna daran Anstoß nehmen, wenn Vorax ihn wegsperrte. Er hätte allerdings gehofft, es ohne einen solchen Vertrag durch eine Heirat zu erreichen, aber jetzt würde er einen solchen Vertrag aufsetzen lassen und später zur Unterschrift zurückkehren.
Vorax Angebot an Adarian und Henk
Während Adarian kräftig an seiner Zellenstange rüttelte, wurde plötzlich die Tür von außen aufgeschlossen. Im Fackelschein war zu erkennen, dass zwei Personen den Raum betraten und man hörte plötzlich ein leises, weibliches Kichern. Direkt darauf positionierten sich zwei sehr hübsche und äußerst exotische Damen vor Henks und Adarians Zellen, so dass die beiden diese nun sehr genau sehen konnten.
Vor Adarians Zelle stellte sich eine wohlgeformte, blutjunge Blondine mit langen, lockigen Haaren und einem sehr sinnlichen Schmollmund. Sie war nur in einen roten, halbdurchsichtigen Seidenschal gekleidet, welchen sie locker um ihren Körper geschwungen hatte. Ihre Brüste schimmerten durch den Stoff hindurch und Adarian bemerkte, dass sie unter dem Schal nackt war. Sie trug Schmuck aus weißen Perlen und Adarian konnte ihr Parfüm wahrnehmen, welches süß nach Rosen duftete. Vor Henks Zelle zeigte sich eine junge, exotische Frau, die ähnliche Augen wie Kenji besaß. Sie musste von sehr weit herstammen und Henk hatte eine ähnliche Prostituierte noch nie gesehen. Sie war klein und zierlich und besaß einen sehr kindlichen Körper. Ihre langen, schwarzen Haare hatte sie zu einem kunstvollen Zopf gebunden, der oben am Kopf mit einer großen, gelben Blüte verziert war. Auch sie trug einen durchsichtigen, roten Schal und war darunter nackt.
Die beiden Mädchen standen mit so viel Abstand vor den Zellen, dass die Männer sie sich nicht greifen konnten, blicken sich an, kichern und fingen plötzlich an zu tanzen. Dabei entkleideten sie sich kunstvoll gegenseitig von ihren Schals, mit welchem sie eine Art Schleiertanz aufführen. Schließlich standen sie nackt da und begannen damit, sich gegenseitig überall zu berühren und veranstalteten vor den Männern eine sehr intensive, homoerotische Show. Schließlich wandten sich die Blondine an Henk und Adarian und fragten die beiden, ob sie ihnen gefallen und ob sie nicht gern mitmachen wollen. Doch Adarian war nur wenig angetan von der Dame und Henk wandte seinen Blick sogar während der ganzen Zeit gelangweilt ab.
Vorax kam gefolgt von seinem Magus in die Zelle und klatschte kurz in die Hände, worauf hin sich die Mädchen nackt und gehorsam neben ihn stellten. Er begrüßte die beiden Helden und entschuldigte sich, dass er keine komfortablere Unterkunft für sie bereitstellen konnte. Er hoffte jedoch, dass die Schönheit seiner Mädchen die beiden ein wenig für den fehlenden Komfort entschädigt hätten. Er wandte sich ausschließlich an Henk und Adarian und schien Augustus nicht zu beachten. Dann klatschte er erneut in die Hände und alle Gefangenen, auch Augustus, bekommen nun etwas zu essen und zu trinken gebracht. Da alle seit Stunden nicht getrunken hatten, waren sie sehr durstig. Vorax hieß ihnen etwas zu sich zu nehmen und erklärte dann, dass er mit ihnen reden müsste.
Vorax wartete kurz und erklärte dann, dass er die Entwicklung ihrer Begegnung bereue und es nie so weit gekommen wäre, wenn sich ihr neugieriger Magus nicht in Dinge eingemischt hätte, die ihn nichts angehen würden. Er betonte, dass er ehrlich nichts gegen die Helden einzuwenden hat und es ihm lediglich um die Residenz ginge. Er wollte ihnen mit diesem Raum keine Angst machen und hätte diesen auch noch nie genutzt, geschweigen denn, ihn in Auftrag gegeben. Er hätte die Räumlichkeiten lediglich unverändert übernommen, aber er persönlich verabscheute unnötige Gewalt. Er wollte niemanden etwas antun und im Gegensatz zu anderen Männern – dabei blickt er in Richtung von Augustus Zelle - wäre er weder ein Unmensch noch ein Mörder. Augustus reagierte daraufhin mit einem verächtlichen Schnauben, verkniff sich jedoch jeden weiteren Kommentar. Vorax fragte daraufhin wie nebenbei, ob die beiden wüssten, dass Augustus diesen Folterraum eingerichtet hatte und dass er hier die Ratsherren für Silvius unter zermürbenden und schmerzhaften Folterungen zu ihren Geständnissen zwang.
Vorax kam schnell wieder zum eigentlichen Thema zurück und entschuldigte sich für die Ablenkung. Er wollte wirklich niemanden verletzen und wäre deshalb immer noch bereit, diesen Streit beizulegen, wenn jemand die Gesandte überzeugte seiner Braut zu werden. Er beteuerte, dass er auch ihr nichts antun möchte und auch die Helden nicht an ihrem Auftrag hindern wolle, mit der Drachenträne die Welt zu retten. Die ganze Angelegenheit könnte hier schnell geklärt werden, wenn Octavia von ihren eigenen Freunden überzeugt würde, dass dies ein vernünftiger Entschluss wäre und nach der Hochzeit alle ihres Weges ziehen könnten. Vorax würde sich die Unterstützung von Henk und Adarian auch einiges kosten lassen und versprach ihnen, dass er so ziemlich fast alle von ihren Wünschen erfüllen könnte. Bei den Worten klatscht er erneut in die Hände und die Mädchen fingen wieder an zu tanzen und sich gegenseitig zu streicheln. Vorax betonte, dass diese beiden nur zwei von den Schönheiten waren, die er ihnen überlassen würde und darüber hinaus hätte er ihnen auch Reichtum und anderen Luxus anzubieten. Er bot ihnen an sich sein Angebot zu überlegen und gab zu gedenken, dass nicht er der böse war, sondern lediglich versuchte, seine eigenen Interessen zu wahren. Sie sollen ihm die Gefangennahme also nicht persönlich nehmen und er hoffte, dass sie sich einig werden könnten.
Doch Henk und Adarian lachten den Prokonsul nur aus. Henk erzählte ihm davon, dass er bereits mehrere Male vor den Göttern stand und nur wieder zurückgekehrte, um die Welt vor diesem Übel der dunklen Bruderschaft zu bewahren. Wie Vorax sich jetzt einbilden könnte, dass er sich auf so billige Weise kaufen ließe, konnte Henk nicht verstehen. Auch Adarian verspottete Vorax damit, wie er glauben könnte, dass sie sich für Frauen und Gold kaufen ließen. Vorax verließ leicht verärgert den Raum und nahm die beiden Schönheiten mit sich. Nachdem sie wieder unter sich waren, fragte Adarian Augustus, ob es stimmen würde, was Vorax über ihn gesagt hatte. Augustus gab zu, diese Folterkammer selbst eingerichtet zu haben. Adarian bemerkte, dass ihm dieses Thema sehr unangenehm war, und fragte daher nicht weiter nach.
Vorax Angebot an Kenji
Die Tür in Kenjis Gefängnis wurde plötzlich geöffnet und Licht fiel in den Raum. Kenji erkannte, dass er sich tatsächlich in einem Weinkeller befand. Vorax betrat in Begleitung seines Magus den Raum. Ihm folgte ein Bediensteter, der etwas zu Essen und zu Trinken für Kenji mitbrachte. Dieser öffnete Kenji auch die Handfesseln, damit er selbst essen konnte. Kenji bemerkte, dass vor der Tür noch einer der beiden Berstmänner wartete, welche anscheinend Vorax persönliche Leibwächter waren.
Vorax entschuldigte sich bei Kenji für die Gefangennahme und bedauerte sehr, dass die Situation so eskalieren musste. Er versicherte, dass er nur an der Residenz interessiert war und kein Interesse daran besäße, ihm, seinen Freunden oder Octavia zu schaden. Er wollte sie lediglich davon überzeugen, dass sie ihm ihr Eheverspechen gibt, dann könnte sie machen was sie will. Er verlangte auch keinen Erben und versicherte, dass er kein sexuelles Interesse an ihr habe. Vorax appellierte daran, dass Kenji ein vernünftiger Mann ist, und hoffte, dass er ihn dabei unterstützte, den Konflikt so beizulegen, dass alle zufrieden daraus hervorgingen.
Kenji müsste ihn auch nicht ganz selbstlos unterstützen, denn wenn er ihm dabei helfen würde, Octavia zu der Ehe zu überreden, würde er ihm fast alle Wünsche erfüllen können. Vorax klatschte kurz in die Hände und eine halbnackte, exotische Dame kam herein, die einen roten, durchsichtigen Schleier trug und darunter nackt war. Sie hatte ähnliche Augen wie Kenji und könnte verwandt mit den Shinji Oto oder sogar einen von ihnen sein. Sie trug einen Zopf mit einer gelben Blüte und lächelt Kenji an. Dann beugte sie sich zu ihm herunter und begann den nackten Oberkörper des Questors verführerisch zu streicheln. Kenji versuchte sich eher, der Frau zu entziehen.
Vorax sah sich das Ganze amüsiert an und erklärte Kenji, dass sie ihm gehörte, wenn er das wolle, und er könnte sich auch jede andere – oder jeden anderen - besorgen, die oder der ihm gefallen würde. Auch Reichtum oder andere Wünsche wären kein Problem. Er klatschte in die Hände und rief das Mädchen zurück. Er gab Kenji natürlich Bedenkzeit und hoffte, dass sie sich einigen könnten. Kenji war fassungslos, da Vorax so korrumpiert war, dass er offensichtlich davon ausging, dieses Angebot würde Kenji zumindest in Versuchung bringen. Er entschied sich jedoch, aus taktischen Gründen seine Abscheu gegenüber Vorax noch nicht offen zum Ausdruck zu bringen.
Octavias Gefangenschaft
Als Octavia das alte Zimmer ihres Bruders, ihr jetziges Gefängnis nach Ausbruchsmöglichkeiten untersuchte, fand sie die Fenster wie früher vergittert und mit einem magischen Schild gesichert vor. Die Zimmertür war von Vorax mit einem Schloss versehen worden und verschlossen. Vor ihr war eine Wache postiert, deren Füße Octavia unter der Tür hindurch erkennen konnte. Bei der Untersuchung des Zimmers fiel ihr auf, dass alle Dekorationsgegenstände, welche man als Waffe benutzen könnte wie Vasen etc. aus dem Raum entfernt wurden. Der Schrank und die Kleidertruhe waren leer.
Dann wurde die Tür aufgeschlossen und Elwene Hütinger, die Frau des Hausverwalters, kam in Begleitung der Wache in das Zimmer. Sie brachte Octavia ein Tablett mit einem Teller Eintopf und einem Stück Brot auf einem Mundtuch und lächelte ihr zuversichtlich zu. Die Wache schob Elwene zur Seite und brach überprüfend das Brot in zwei Hälften. Dann nahm sie das Tuch und ein Tafelmesser fiel zu Boden. Mit einem verärgerten Blick zur Verwalterin steckte die Wache das Messer ein und schon die Frau unsanft aus dem Zimmer. Die Tür wurde wieder hinter ihnen geschlossen und Octavia war wieder allein. Zumindest konnte sie trotz ihrer Fesseln im Sitzen die Mahlzeit einnehmen.
Ausbruch aus dem Folterkeller
Adarian gelang es nach einiger Zeit und viel Mühe tatsächlich, den Gitterstab der Tür aus seiner Verankerung im Boden zu lösen, indem er den Bodenbeton losrüttelte. Er holte die feinen Drähte von der Wand und mit ihnen konnte Henk die anderen Schlösser knacken. So kommen alle Männer frei und bewaffneten sich mit Folterinstrumenten. Adarian wickelte seine Unterhose um einen Schürhaken, um einen besseren Griff zu bekommen. Henk knackte schließlich die Tür zum Folterkeller und sie gelangten in den Flur des Kellers.
Ausbruch aus dem Weinkeller
Im Weinkeller bemerkte Kenji plötzlich, dass jemand ganz leise mit einem Schlüssel seine Tür öffnete. Dann schlich ganz vorsichtig eine Person in seinen Raum und Kenji erkannte, dass es sich um Octavia handelte. Diese trug ein sehr aufreizendes und durchsichtiges Seidengewand, welches ihren Körper nur spärlich bekleidete. Octavia legte nur den Finger auf die Lippen deutete Kenji gegenüber an, dass er leise sein sollte. Sie befreite ihn von den Fesseln und erklärte ihm, dass sie entkommen konnte und sie nun die anderen befreien müssten. Dazu sollte Kenji ihr leise folgen, da sie wüsste, wie man ungesehen nach oben kommen konnte.
Unterwegs bemerkten sie, dass eine Wache in den Gängen patrouillierte. Sehr leise schlichen sie jedoch an ihr vorbei und Octavia führte Kenji nun in die Grotte des Anwesens. Kaum hatten sie den Raum betreten, fiel hinter ihnen die Tür zu und sie wurden eingeschlossen. Die Tür nach oben war verriegelt und einen Sprung vom Balkon würde aufgrund der gefährlichen und unübersichtlichen Felsspitzen im Wasser vermutlich tödlich enden. Octavia begann langsam Kenji zu verführen. Kenji bemerkte durchaus, dass etwas nicht stimmte. Er vermutete, dass Vorax einen Beherrschungszauber auf Octavia gewirkt hatte. Er versuchte, der jungen Thyrnerin zu widerstehen; doch seine Gefühle und sein Verlangen übermannten ihn schnell.
Die Wachen im Keller
Adarian, Henk und Augustus lauschten auf dem Gang im Keller und vernahmen leise Schritte einer Wache. Sie lauerten ihr auf und überwältigten sie leise. Sie untersuchten die Kelleraufgänge und stellten fest, dass diese von Oben verbarrikadiert wurden und sich nicht öffnen ließen. Kurz darauf hörten sie erneut Schritte aus dem Gang und eine weitere Wache kam aus Richtung der weiteren Kellerbereiche und fragte von weitem, ob alles in Ordnung sei. Adarian nuschelte geistesgegenwärtig ein „jau“ und die Wache näherte sich den Helden arglos. Diese stellen der Wache eine Falle und überwältigten sie mühelos, bevor sie Alarm schlagen konnte.
Dann zogen sie den Wachen die Kleidung aus und sperrten sie bewusstlos in eine Zelle. Henk und Augustus zogen sich Teile der Rüstungen über und Adarian und Augustus nahmen sich ein Schwert. Die zweite Wache hatte einen Schlüsselbund dabei mit zwei verzierten Schlüsseln. Augustus wusste, dass sie zur Grotte gehören, und kannte den Weg dorthin.
Octavias Ausbruch
Octavia löffelte ihr Essen und entdeckte beim Stochern im Eintopf einen Schlüssel. Intuitiv ahnte sie, dass er für die Zimmertür ist. Doch mit gefesselten Händen brauchte sie keinen Ausbruchversuch unternehmen. Da erinnerte sie sich daran, dass Augustus als Junge im Bettrahmen immer einen kleinen Dolch versteckt hatte, falls er mitten in der Nacht einmal überrascht würde. Als Octavia nachschaute, fand sie den Dolch nach all den Jahren noch immer in seinem alten Versteck vor. So gelang es ihr sich die Fesseln durchzuschneiden. Jetzt konnte Octavia nur noch die Tür beobachten, falls die Wache einmal ihren Posten verlassen sollte.
Die Grotte
Mit dem Schlüssel gelangten Adarian, Henk und Augustus in die Grotte (Karte Nr.2). Dort hörten sie sofort, dass anscheinend jemand unten am Baden war und sie hörten lustvolles Stöhnen. Als sie die Treppe hinuntergingen, konnten sie Kenji sehen, der gerade Sex mit einer ihnen vertrauten weiblichen Person hatte. Adarian erkannte sofort Foxi, Henk Viola und Augustus sein alte Jugendliebe Selina, welche sich dem Erzquestor im Liebesspiel hingab. Adarian rief sofort: „Foxi!?!“ und rannte die Stufen hinunter zu Kenji. Augustus stand wie angewurzelt da und traute seinen Augen nicht. Henk wirkte auch eher verwirrt und ging langsam hinab.
Die frivole Dame lud die Männer ein sich zu ihnen zu gesellen. In dem Becken wäre jede Menge Platz und es würde noch schöner dort, je mehr attraktive Männer sich zu ihr gesellen würden. Adarian konnte dem Verlangen, sich an dem Liebesspiel zu beteiligen, nicht mehr widerstehen und ging auf Kenji los. Henk wurde immer wieder vom stutzenden Augustus zur Besinnung gebracht und ihm kam zu Bewusstsein, dass sie es mit einem Trugbild zu tun haben müssen. Adarian ging im Jähzorn erst auf Kenji und dann auf die nackte Dame los und würgte diese. Da griff Kenji ein und schlug Adarian mit einem Schlag bewusstlos. Die Dame aber löste sich in violettem Dunst auf, welcher davonschwebte und sich verflüchtigte. Langsam kamen die Männer wieder zu vollem Bewusstsein.
Die Terrasse
Der zweite Schlüssel an dem Schlüsselbund öffnete schließlich die Tür nach draußen zur Terrasse. Dort stand einer der Berstmänner Wache. Als er die Helden bemerkte machte er sich kampfbereit und verständigte eine weitere Wache, welche sofort Alarm schlug. Allen war bewusst, dass sie gegen die gesamten Wachleute keine Chance haben würden, vor allen nicht, wenn sie in Unterhose kämpften. Von oben waren die Rufe von Männern zu hören und es war abzusehen, dass sie in kurzer Zeit umzingelt sein werden. Adarian stürmte die Treppe hinauf und griff den Berstmann an. Es gelang ihm, diesen zu überwältigen und mit einem mächtigen Stoß die Treppe hinab zu stürzen. Kenji sprang gerade noch so aus dem Weg und bemerkte, dass auch unten in der Grotte inzwischen Fußschritte zu hören waren. Der Weg zurück in die Therme war also auch abgeschnitten. Geistesgegenwärtig verschloss Kenji die Tür zur Grotte wieder und rannte dann hinauf zu den Anderen.
Oben war die Lage aussichtslos. Es gab kaum Fluchtmöglichkeiten und ein Sprung von der Terrasse würde aller wahrscheinlich nach tödlich enden, da unten unberechenbar viele, spitze Felsspitzen aus dem Wasser ragen. Am besten wäre es sich zu verschanzen oder Deckung zu suchen, doch der Centurio rief bereits von Weiten auch Barthavisch:
„Ergebt euch! Seid vernünftig und legt die Waffen nieder! Wenn ihr euch ergebt, wird niemanden etwas geschehen!“
Die Wachen stürmten die Terrasse von beiden Seiten und zingelten die Helden ein. Diese drängten sich an die Fenster der Villa zurück und beobachteten im Inneren eine Wache, welche an der verschlossenen Tür stand und sich über die aussichtslose Lage der Helden amüsierte.
Octavias Chance zur Flucht
Octavia spähte durch den Türschlitz und wartete auf eine günstige Gelegenheit, wenn die Wache ihren Posten verlassen würde. Plötzlich nahm Octavia Lärm von der Terrasse war und die Wache reagierte darauf und ging nach links in Richtung des Wohnraums. Das nutze Octavia und öffnete schnell die Tür mit dem Schlüssel. Die Wache stand im Wohnraum vor der Außentür und hatte ihr den Rücken zugekehrt.
Draußen auf der Terrasse standen ihre Freunde - Adarian sogar noch in Unterhose - und anscheinend wurde Alarm ausgelöst. Sie saßen offensichtlich in der Falle und konnten die Terrasse nicht verlassen. Octavia nahm eine Büste von einer Seite des Eingangs und schlug damit die Wache nieder. Dann öffnete sie die Tür in die Villa und ließ ihre Freunde hinein. Sie schlossen schnell wieder die Tür und die Wachen folgten ihnen nicht ins Haus, sondern positionierten sich auf der Terrasse und um das Gebäude herum.
Die Flucht aus dem Wohnhaus
Nachdem die Helden den Wohnbereich der Villa betreten hatten, manifestierte sich die Sukkuba immer wieder, da sie wusste, dass die Helden ihr ohne magische Waffen nichts antun konnten. Sie versuchte unentwegt, die Männer zu locken und einzuwickeln. Henk wollte Octavias Halsring lösen, um ihr das Zaubern zu ermöglichen, stellte jedoch fest, dass ihm das Schloss dieser magischen Konstruktion unbekannt war und ein gescheiterter Versuch im schlimmsten Fall für Octavia tödlich enden könnte. Daher ließ er lieber die Finger davon.
Die Sukkuba redete immer wieder auf sie ein und versprach all ihre Wünsche zu erfüllen. Dabei erschien er immer in verwandelter Gestalt und nur Octavia konnte als Frau und mithilfe ihrer Astralsicht die wahre Form der Sukkuba erkennen, welche abgrundtief dämonisch ist. So suchte die Dämonin sich immer den Schwächsten aus und umgarnte ihn dann in Gestalt seiner Wunschfrau. Auf diese Weise gelang es ihr nach und nach, die Helden in Richtung Bibliothek zu locken. Dort öffnete sie die Tür und lockte die Männer hinein. Sobald alle im Inneren waren, hörten sie, wie die Tür hinter ihnen von außen geschlossen wurde und sie in der Bibliothek eingesperrt waren.
In der Bibliothek
In der Bibliothek lief die Sukkuba sofort hinter den Vorhang des großen Zeltes und lockte die Männer weiter ins Innere. Unter dem Zelt war eine große Orgie im Gang. Es waren bestimmt um die 50 Menschen beteiligt, wobei fast alle wie Prostituierte oder Sklaven aussahen, die hier gerade eine große Show ablieferten. Unter ihnen waren vor allem junge Frauen, die zum Teil fast noch wie Kinder wirkten und ebenso viele junge Knaben waren beteiligt. Sie sahen fast alle fremdländisch aus und sehr viele schienen von den Ishtur zu stammen, andere sahen wie Balmarer oder andere Menschentypen aus den Thyrnischen Provinzen aus. Auch schwarze Menschen von dem Kontinent Nigor waren dabei und es gabt auch einige Exoten und Kuriositäten, wie z.B. einige Hermaphroditen oder ein bhumesisches Zwillingspaar bestehend aus zwei jungen Mädchen. Daneben fanden sich auch unterschiedliche Rassen, darunter einige Elfen und sogar Windlinge. Sogar Tiere waren in der Menge, die in das Geschehen mit eingebaut wurden.
In der ganzen Halle waren keine Regale oder Bücher mehr vorhanden und nichts erinnerte mehr an eine Bibliothek. Überall waren Liegeflächen mit Kissen und Decken aus Samt und Seide aufgestellt, auf welchen die Orgienteilnehmer ihr Liebesspiel durchführten. Dazwischen standen unzählige pornografische Kunstwerke (Bilder, Statuen etc.), die teilweise thyrnischen Stil besaßen, aber vor allem auch aus sehr fremdländischen Kulturen stammten. Sogar einige bhumesiche Darstellungen von Gantra befanden sich darunter. Überall hingen halbdurchsichtige Tücher, welche mit Perlen bestickt waren und Alles in Allem wirkte es wie in einem Harem des Al’Dhagar Reiches. Dazwischen standen Tische mit kostbaren Speisen und Getränken. Alles war teuer und luxuriös und man konnte sich gut vorstellen, dass hier gerade Unsummen von den Steuergeldern aus Perlheim verschwendet wurden.
In der Mitte der Halle stand ein sehr hoher Thron aus weißem Marmor, zu dem mehrere Treppenstufen hochführen. Seine Außenseiten waren mit sehr bizarren, pornografischen Motiven verziert und auf ihm thronte die Sukkuba, welche jeder in der Gestalt seiner Wunschfrau sah. Sie sprach einen Zauber und versuchte in allen Männern den Drang zu wecken, sich an der Orgie zu beteiligen.
Während die Helden die Sukkuba erreichen wollten und sich einen Weg durch die Massen bahnten, versuchten die prostituierten Sklaven nun aktiv, die Männer in ihr Liebesspiel mit einzubauen. Sie stellten sich ihnen in den Weg, umschlangen ihre Oberkörper und Beine und taten alles, um sie irgendwie zu betören und zu erregen. Octavia wurde in der Zwischenzeit von dem verbliebenen tuisker Leibwächter aus der Menge gefischt und zu Vorax gebracht, der mit Iustus, dem Centurio und seinem Magus auf der Galerie wartete. Durch den großen Baldachin konnte man ihn und seine Männer von unten nicht sehen. Vorax hatte sich oben verschanzt und die Treppenaufgänge wurden durch jeweils zwei Söldner bewacht. Adarian hatte bemerkte, dass Octavia verschleppt wurde und versuchte, hinter ihr herzukommen, um sie zu befreien. Ihm stellten sich zunächst die Sklaven in den Weg, doch es gelang ihm, sie abzuschütteln und kämpfte sich zur Treppe durch. Währenddessen versuchten die übrigen Helden zur Sukkuba durchzudringen. Henk wurde abgelenkt und aufgehalten und es war schließlich Kenji, welcher den Thron in der Mitte erreichte. Auf der Empore griff Iustus den Magus an und schlug ihn mit dem eigenen Schädel bewusstlos. Octavia entwendete ihm die Schlüssel zu den Handfesseln und den magischen Halsbändern und sie befreite sich selbst und Iustus. Kenji tötete die Sukkuba mit der „Flamme des Glaubens“, während Adarian noch nackt gegen Wachleute kämpfte.
Vorax Opferrolle
Sobald die Sukkuba getötet wurde, erteilte Vorax seinen Männern sofort den Befehl das Kämpfen einzustellen. Er rief alle zurück und sank zu Boden, als ob er gerade von einem magischen Bann befreit worden wäre. Adarian stürmte die Treppe hinauf und fand Octavia und Iustus, welche sich gerade von ihren Fesseln befreiten. Er wandte sich ab und suchte sofort nach Vorax.
Dieser lang unweit auf dem Boden und schien noch etwas verwirrt zu sein. Er wollte nur mit der Gesandten Ardera sprechen und fiel vor ihr auf die Knie. Vorax entschuldigte sich für alles, was sich zugetragen hatte, und bedankte sich, dass sie und ihre Gefährten es nun endlich geschafft haben, ihn von dem dämonischen Zauber zu befreien, der ihn bereits seit Jahren zu einem willenlosen Sklaven des schwarzen Bundes gemacht hätte. Vorax erzählte, dass die Sukkuba von Spurius Iunius auf Befehl von Silvius Insidiae beschworen wurde, um aus ihm eine Marionette zu machen. Dieser Dämon habe ihn in all diese moralischen Abgründe getrieben und er war sich bis eben nicht bewusst darüber, was er überhaupt tat. Vorax bat Octavia erneut um Vergebung und fragte sie, ob sie ihm in dieser furchtbaren Situation vor dem Senat und dem Kaiser unterstützen könnte.
Die Helden versammelten sich während des Gesprächs auf der Empore und wurden so noch Zeugen des Gesprächs. Trotz Vorax' Wortgewandtheit und manipulativem Geschick fiel auf, dass er eindeutig log. Kenji sah es sehr deutlich und auch Iustus konnte bestätigen, dass er nie astrale Anzeichen davon gesehen hatte, dass Vorax unter einem Bann oder einer anderen magischen Beeinflussung stand. Seine astrale Erscheinung hatte sich nach dem Tod der Sukkuba auch eindeutig nicht verändert. Sobald Vorax bewusstwurde, dass man ihm nicht glaubte, versuchte er sich in sein Schwert zu stürzen, um der Schande und den Spott, welcher ihn in Thyrna erwarten wird, zu entgehen. Adarian griff ein und konnte ihn davon abhalten. Vorax führte keine weitere Konversation mehr mit den Helden und schwieg nur noch. Er wurde gefesselt und auf diese Weise sichergestellt, dass er keine Chance auf einen Freitod bekam.
Der Centurio Publius Rutilius reagierte ganz anders. Er erklärte, dass er leid war, sich am Ende der Welt zu verstecken und dieses unmoralische Leben zu führen. Er kniete vor Octavia nieder und bat sie, ihn nach Thyrna zurückkehren zu lassen, wo er sich dem Senat und einem gerechten Prozess stellen möchte. Er war bereit, allen die Wahrheit darüber zu erzählen, was Vorax hier getan hatte und wie er sein Amt missbrauchte, um Perlheim auszubeuten. Publius Rutilius machte Octavia klar, dass er ein ehrenhaftes Todesurteil diesem verdorbenen Leben inzwischen bei weitem vorzöge. Kenji konnte klar erkennen, dass er die Wahrheit sprach.
Vorax' Magus Manius Pedanius ergab sich auch und betonte, dass er lediglich seine Arbeit getan und die Befehle seines Vorgesetzten befolgt habe. Er war sich keiner Schuld bewusst und bat Octavia deshalb um Gnade. Er wollte zur Akademie in Thyrna zurückkehren und beteuerte, dass er nicht an den Orgien teilgenommen hatte und ebenfalls bereit war zu erzählen, was sich hier in den letzten Jahren zugetragen hatte. Manius Pedanius hatte über die ganze Zeit die Sukkuba untersucht und studiert, um den Prokonsul bestmöglich vor ihr zu schützen, und sein Forschungsbericht dokumentierte den ganzen Verlauf. Die Helden waren zwar empört darüber, dass der Magus das dämonische Treiben als Studienobjekt erkoren hatte, aber Kenji bestätigte, dass auch er die Wahrheit spracht.
Die Söldner hatten die Kämpfe auf Vorax‘ Befehl eingestellt und beobachteten die Situation etwas zwiespältig. Sie tuschelten, dass dieser Job nun gegessen wäre und dass der Spaß hier ein Ende hätte. Sie traten jedoch an Octavia heran und fragten sie, ob sie weiterhin in ihren Diensten bleiben könnten, immerhin bräuchte das Haus ein Wachpersonal. Octavia reagierte empört und wollte die Söldner nicht mehr auf dem Anwesen sehen. Sie sollten eingesperrt werden, bis ihre Rolle in dem Fall untersucht werden konnte.
Iustus berichtete den Helden, dass er gefangen genommen wurde, weil er bemerkt hatte, dass Vorax versucht hatte ihn mit einem Schlafpulver außer Gefecht zu setzen. Er hatte das Pulver in einem Tee bemerkt, welcher ihn abends gebracht wurde. Iustus spielte mit und tat so, als ob er schlafen würde. Die Wachen überprüften dies und riefen ihn laut vor seiner Tür und, als Iustus ihnen nicht antwortete, fielen sie darauf herein. Etwas später nutzte Iustus die Gelegenheit, sich umzusehen. Er wollte im Arbeitszimmer des Magus herausbekommen, warum das Haus mit so aufwändigen und speziellen Schutzschildern ausgestattet war und hoffte, darüber etwas in seinen Aufzeichnungen zu erfahren. Bevor er jedoch etwas lesen konnte, wurde er von dem Magus überrascht und festgenommen.
Episode 08: Aufräumarbeiten
3. Spealis 721 ThZ
Die Helden empfangen den obersten Richter und diskutieren das Schicksal der Sklaven. Jast Heidiger erhebt schwere Vorwürfe und Octavia und Kenji werden mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert. Augustus lüftet sein Geheimnis und Henk handelt gute Konditionen für die Füchse aus.
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Die Ausrüstung
Nachdem Vorax und seine Männer gefesselt waren, offenbarte Iustus den halbnackten Helden, dass ihre Ausrüstung und Bekleidung sich in einem der Forschungsräume befanden. Er selbst wurde nicht ausgezogen, besaß aber ebenfalls kein Schwert oder Zauberstab mehr und hatte gesehen, wohin die Sachen gebracht worden waren. Die Helden können sich die Rüstung holen, damit sie nicht nackt in die Stadt mussten, um Hilfe zu holen. Henk machte sich danach sofort auf den Weg, um Jast und die Stadtwachen zu holen, während die anderen in der Bibliothek Vorax und die übrigen Gefangenen bewachten.
Henks Weg in die Stadt
Henk verständigte inzwischen die Stadtwachen, welche auch sofort begannen, ihre Männer zu mobilisieren, nachdem sie hörten, dass dämonische Machenschaften auf der Residenz vorgefallen waren. Henk sah, dass sie sich sofort auf den Weg machten. Er erreichte anschließend auch Talina und Jast, welche ihn beide zu dem Anwesen begleiten wollten. Sie wollten wissen, was geschehen war, und Talina packte ihre Erste-Hilfe-Tasche zusammen und erklärte, dass sie die Prostituierten auf die magische Geschlechtskrankheit hin untersuchen müsse. Henk schickte die beiden auf schnellstem Weg zum Anwesen, er selber hatte noch etwas zu erledigen.
Zur grünen Rast
Henk machte auf dem Rückweg noch einen Abstecher im Gasthaus „Zur grünen Rast“ von Grifo Lausinger, mit dem er noch geschäftliches besprechen wollte. Das Gasthaus war recht voll und es stiegen vor allem Reisende hier ab, welche aus verschiedenen Gründen einen Bogen um die Stadt machen wollten oder mussten. Es waren jedoch nicht nur potenzielle Gauner oder Schmuggler anwesend, sondern auch viele einheimische Schäfer.
Der Gastwirt Grifo Lausinger saß an der Theke und als Henk ihn ansprach und durchblicken ließ, dass es ums Geschäft geht, bat er Henk mit ihm nach unten in sein Lager zu gehen. Er rief seinen Sohn, welcher ihn am Tresen ablöste, und Henk und Grifo gingen nach unten in den Keller. Henk offerierte sein Angebot und der Wirt dachte darüber nach, gab jedoch zu verstehen, dass er ganz schön viel von ihm verlangen würde. Er entgegnete, dass seine Frau und Kinder nichts von seiner Vergangenheit und seinen Kontakten zur Unterwelt wissen und niemals rauskommen dürfe, dass er Geschäfte mit einer Diebesgilde macht. Grifo räumte schließlich ein, gegen eine hohe Summe die Schmuggelwaren für kurze Zeit bei sich zwischenzulagern. Wenn er jedoch dauerhaft ins Geschäft einsteigen sollte, erwartete er eine besondere Gegenleistung dafür.
Grifo erzählte, dass er zurzeit von einem alten Rivalen aus seiner Zeit als Pirat erpresst wurde. Dieser wusste über seine Vergangenheit Bescheid, da er in seiner Jugend mit ihm auf Raubzüge gefahren ist. Nun drohte er damit, seiner Frau alles über seine kriminelle Vergangenheit zu sagen und forderte permanent hohe Summen von Schweigegeld. Der Mann sei ein skrupelloser Pirat und wäre unter dem Namen „Käpt‘n Kaltfisch“ bekannt. Henk sollte nun irgendwie herausbekommen, wo dieser Mann sich aufhalten könnte. Vermutlich hatte er ein Versteck hier in der Nähe. Wenn er ihn fände, sollte er ihn davon abhalten, seine Erpressung weiter fortzusetzen – egal wie! Henk willigte ein und verabschiedete sich. Er beeilte sich zur Villa zu kommen.
Der oberste Richter und die Stadtwachen treffen ein
In der Bibliothek traf einige Zeit, nachdem Henk gegangen war, ein gut ausgerüsteter Trupp ein und der oberste Richter Walram von Salzbruck war verständigt worden und hatte sich den Stadtwachen angeschlossen. Dieser fragte nach dem ranghöchsten thyrnischem Amtsträger und wollte mit Octavia reden, da sie als Gesandte des Kaisers zurzeit die geeignetste Ansprechpartnerin von thyrnischer Seite aus und zusätzlich die testamentarische Besitzerin des Hauses war, doch Kenji trat in seinen Weg und begrüßte ihn als erstes.
Doch was Kenji ihm sagte, interessierte ihn wenig bis gar nicht und auch die Stadtwachen reagierten nicht auf Kenjis Anweisungen. Richter Salzbruck erinnerte Kenji immer wieder daran, dass sein Wort zurzeit keine Bedeutung mehr in Perlheim besaß und auch sein göttliches Vetorecht nur innerhalb des Bundes von Barthador einen Einfluss hatte. Er erklärte Kenji, dass er eine Klage gegen Vorax in Thyrna einreichen könnte, falls er noch perlheimer Bürger war oder sich an Octavia wenden sollte, welche nun vorübergehend die Verantwortung übernehmen müsse, bis der neue Statthalter eingetroffen war.
Walram von Salzbruck wandte sich daraufhin an Octavia und begrüßte sie standesgemäß als Vertreterin des Imperiums. Daraufhin erkundigte er sich bei ihr, was vorgefallen war und welche Verbrechen man den Beschuldigten vorwarf. Er verstanden gut, dass es wichtig war, Vorax und den Sukkubus zu bekämpfen und ihn in Thyrna so schnell wie möglich anzuklagen. Um die Söldner zu verhaften wollte er jedoch einige gute Gründe hören, da er ihnen nur vorwerfen konnte, sich an einer Orgie beteiligt zu haben, was grundsätzlich nicht verboten war. Darüber hinaus hatten sie nur ihrem Arbeitgeber gedient. Octavia und die anderen erwirkten, dass sie zumindest zunächst festgesetzt und befragt werden sollen.
Vorax blockte weiterhin jede Kommunikation ab und gab kein Wort mehr von sich. Er protestierte jedoch, als ihn Kenji abführen lassen wollte, da er darauf bestand, eine Verhandlung in Thyrna zu erhalten. Für ihn besaßen die Questoren und ihr „alberner Glaube an die Schutzgötter“ keinerlei Bedeutung und auch die anderen Thyrner bestanden auf einen gerechten Prozess und wollten ihr Schicksal nicht in die Hände einer „barthavischen Zaubershow“ legen.
Richter Salzbruck war bewusst, dass die Verbrechen des Prokonsuls und alles, was sich in der Residenz abspielt, thyrnische Angelegenheit war und nur durch das thyrnische Recht in Form eines neuen Statthalters etc. geregelt werden konnte. Deshalb wollte er sich Octavias Zustimmung für die Verhaftungen versichern, damit er keine Schwierigkeiten bekommt, falls man ihm anmaßendes Handeln oder unberechtigte Einmischung vorwerfen wollte. Also fragte dann Octavia, was mit Vorax geschehen und ob er ihn in ihrem Namen ebenfalls inhaftieren sollte. Er machte ihr nochmal bewusst, dass sie gerade die Verantwortung für Vorax trug und er sich nach ihren Anweisungen richten würde. Octavia entschied, dass Vorax, sein Magus und der Centurio zunächst in der Bibliothek verbleiben sollten und unter der Bewachung der Helden stünden. Die Söldner sollte er bis zu ihrer Vernehmung in den Kerker von Perlheim sperren. Richter Salzbruck schlug auch vor, eine große Ermittlung gegen die Ratsherren einzuleiten. Dazu würde er ein sofortiges Ratstreffen in der Burg anordnen, zu welchem alle Ratsherren erscheinen müssten, und er würde sie umgehend verhaften lassen und festsetzen, bis der neue Statthalter eingetroffen war.
Jast und Talina kommen an
Dann trafen endlich auch Talina und Jast ein. Talina ging als erstes auf Kenji zu und fiel ihm um den Hals, gab ihm einen Kuss auf den Mund und lächelte ihn erleichtert an. Octavia und die anderen beobachteten ihr Verhalten. Sie war so froh, dass ihm nichts geschehen war, denn sie hätte es nicht verkraftet, ihn zu verlieren - jetzt, wo sie doch endlich zueinander gefunden hätten. Als Jast eintrat, fiel sofort auf, dass er und der oberste Richter sich verächtliche Blicke zuwarfen, dann jedoch aufeinander zugingen und kurz miteinander redeten. Von Salzbruck fragte ihn nur, was er hier wollte, und erklärte ihm kühl, dass er hier keinerlei Befugnisse hätte. Jast entgegnete ihm nur, dass er ihm nicht trauen würde und sich das Ganze deshalb trotzdem ansähe. Das Gespräch war kurz und angespannt und die beiden Männer gingen wieder mit verärgerten Minen auseinander.
Nach diesem Gespräch wandte sich Jast an Kenji. Er war froh, dass Vorax wahres Wesen nun aufgedeckt war und bedankte sich dafür, dass Perlheim nun von seiner Ausbeuterei befreit war. Er erinnerte Kenji jedoch daran, dass Perlheim immer noch ein Teil des Imperiums war und die Prozesse der beteiligten Söldner etc. vermutlich so lange aufgeschoben werden müssen, bis ein neuer Statthalter eingesetzt werde oder Perlheim seine Unabhängigkeit zurückerlangt. Auch die Questoren des Alethon hatten zurzeit keine Macht in der Stadt und er erinnerte daran, dass er selbst nur im Widerstand tätig war und keinerlei Befehlsgewalt besäße. Die Stadtwachen unterstanden ebenfalls dem Befehl des obersten Richters und die einzige Person, welche zurzeit mehr zu sagen hatte, wäre Octavia, da sie die höchste anwesende Würdenträgerin aus Thyrna war. Jast erklärte Kenji, dass ihnen vorerst leider die Hände gebunden sein waren und sie abwarten müssten, was die Verhandlungen in Märkteburg ergeben oder bis ein neuer Statthalter aus Thyrna eintrifft.
Jast entdeckte dann plötzlich Augustus im Raum und zeigte sofort mit dem Finger auf ihn. Er verkündete lautstark, so dass alle Anwesenden es hören konnten, dass dieser „Mörder“ eigentlich auch ins Gefängnis gehörte und es ein Hohn wäre, dass er noch auf freiem Fuß war, wo er doch noch viel mehr Schuld auf sich geladen hätte als sein ehemaliger Scherge Vorax. Jast verstand nicht, wieso er von einem Erzquestor des Alethon geschützt wurde, obwohl er fünf Ratsmitglieder unschuldig hinrichten ließ, Perlheim in Not und Armut gestürzt und unendlich viel Schuld damit auf sich geladen hatte. Jast wies Kenji auch darauf hin, dass er sich selbst um Gerechtigkeit kümmern werde, wenn er es nicht täte.
Während Jast Augustus öffentlich anprangerte, blieb dieser zuerst ganz ruhig und hörte Jast genau und aufmerksam zu. Es wirkte so, als ob er sehr, sehr nachdenklich bei dessen Worten wurde und, nachdem Adarian, Henk und Kenji schon verteidigende Worte entgegensetzten, ging Augustus schließlich zu ihm hin und sagte ihm, dass er ihn gut verstehen könnte und genau wüsste, dass die Götter ihm niemals vergeben würden, was er getan hatte. Augustus versicherte Jast, dass er nicht vorhatte, seiner gerechten Strafe zu entgehen, wenn sie ihn dann schließlich ereilte. Er blickte Jast dabei festentschlossen an und dieser konnte erkennen, dass Augustus aufrichtig und ehrenhaft gesprochen hatte. Jast bat Augustus daraufhin um ein kurzes Gespräch unter Vier-Augen, bei dem auch Kenji nicht anwesend sein sollte.
Jast erklärte Augustus in diesem Gespräch erneut, dass er ihn nicht verschonen kann und er ihn nicht lebend aus Perlheim entkommen lassen würde, egal, was seine Schwester davon hielt. Augustus wurde in diesem Moment klar, dass er keine Chance mehr hatte, Octavia mit der ganzen Wahrheit zu verschonen. Er teilte Jast mit, dass er sich bald stellen will, da er es leid war, wie bisher weiter zu machen. Jast versicherte ihm, dass sein Gericht jeder Zeit für ein Urteil über ihm bereitsteht.
Die anderen beobachteten nur, dass die zwei ein intensives Gespräch führten und dann beide sehr nachdenklich auseinandergingen. Anschließen teilte Jast Kenji mit, dass er einige Leute aus dem Widerstand in Perlheim besuchen und ihnen von den Ereignissen erzählen muss. Über Augustus mochte er nicht mehr reden und er wollte sich bei Kenji melden, wenn er einige Dinge geklärt hätte. Dann verabschiedet sich schnell von allen, da er es eilig habe.
Talina und die Prostituierten
Auch Talina wies Kenji noch einmal darauf hin, dass sie es nicht versteht, warum Augustus nicht mit den anderen eingesperrt hätte. Zwar hatte er keinen Dämon beschworen, aber der Verrat an der Stadt und der Tod der Ratsherren sei immerhin auch nicht weniger verwerflich. Sie sagte ihm direkt, dass nicht einmal die gütige Mutter Hylea Mitgefühl für diesen skrupellosen Verräter empfinden könnte, und sie nicht nachvollziehen kann, warum Kenji ihn schützte. Talina lenkte dann aber vom Thema ab und erklärte, dass sie sich nun um die Prostituierten kümmern müsste.
Talina wollte die Sklaven untersuchten und nachsehen, ob welche von ihnen krank oder sogar ebenfalls mit der magischen Krankheit infiziert waren. Sie bat Kenji, sie dabei zu begleiten und die verängstigten Sklaven mit zu beruhigen. Nachdem die Prostituierten mitbekommen hatten, dass ihr Herr verhaftet wurde, reagierten diese mit Unsicherheit und Angst. Da die meisten von ihnen nichts anderes kannten als die Sklaverei und sie bereits als Kinder zu Prostituierten ausgebildet wurden, wussten sie nun nicht, was mit ihnen passieren wird. Die wenigsten von ihnen sprachen gebrochenes Thyrnisch oder Barthavisch und eine Verständigung war meist nur über Hände und Füße möglich.
Die Sklaven schreckten vor Talina und Kenji – wie vor jedem Fremden - vorerst zurück. Sie waren eingeschüchtert und ahmten das Verhalten ihres Herren nach, der ebenfalls schwieg. Sie hatten Angst vor Bestrafung und blickten sich immer unsicher um. Kenji redete beruhigend auf sie ein und Talina gelang es, sich mit ihrer ruhigen Art Vertrauen bei ihnen zu erwerben. Die Sklaven wurden ruhiger und ließen Talina näher an sich heran. Zwischendurch gab es aber immer wieder verängstigte Sklaven, welche beruhigt werden mussten.
Damit waren die beiden erstmal eine ganze Zeit beschäftigt und Talina stellte anschließend fest, dass die meisten Sklaven körperlich in einem guten Zustand, jedoch psychisch vollkommen verstört waren. Sie erklärte Kenji, dass sie sich seit über 20 Jahren um Prostituierte und Vergewaltigungsopfer kümmerte und sie sofort sehen würde, dass viele dieser jungen Menschen vermutlich für den Rest ihres Lebens eine seelische Narbe behalten würden, die niemals heilen würde. Im Gespräch mit Kenji erwähnte sie einen Ort, an dem sie Trost und Hoffnung finden könnten. Talina erzählte, dass es in den Barthadorer-Bergen einen abgeschiedenen Tempel der Hylea gebe, um den sich eine Gemeinschaft von Frauen gebildet habe, die autark und unter sich leben. Sie bieten allen Frauen eine Zuflucht, die ähnlich schlimme Erfahrungen machen mussten, wie die Sklaven von Vorax. Dort fänden sie Abgeschiedenheit, Ruhe und Meditation und wären umgeben von einer fürsorglichen Gemeinschaft. Dieses Frauenkloster nimmt allerdings keine Männer auf, da die meisten Frauen durch diese traumatisiert wurden und, da Opfer häufig selbst zu Tätern werden, trennt man die Geschlechter aus Schutzgründen. Für die Knaben bat Talina Kenji eine Lösung zu finden, falls sie in Barthavion bleiben sollten. Sie fragte ihn, ob es nicht eine Möglichkeit gebe, sie in den Dienst des Alethon zu stellen, damit sie einer Gemeinschaft dienen und sich dadurch wieder wertvoll und geschätzt fühlen können.
Talina wies Kenji jedoch auch darauf hin, dass leider die Thyrner entscheiden werden, was letztendlich mit den Sklaven geschieht. Jedoch fände sie es angebrachter, wenn diese vorübergehend in dem Tempel der Hylea untergebracht werden, wo sie versorgt werden, bis der neue Statthalter eingetroffen sei. Sie erwähnte auch, dass sie dafür die Erlaubnis von Octavia bräuchte, da sie immerhin noch Besitz von Vorax, bzw. des thyrnischen Imperiums waren, und bat Kenji deshalb Octavia zu fragen, ob sie die Verantwortung dafür übernehmen könnte.
Henk und Octavia diskutieren
Während Kenji und Talina die Sklaven untersuchten und versorgten, entbrannte am Schreibtisch von Aequus, welchen Vorax weiterhin benutzte, eine Diskussion zwischen dem zurückgekehrten Henk und Octavia, als Henk ihn gewaltsam aufbrechen wollte, um an die Sklavenpapiere zu kommen. Henk wollte sie am Liebsten alle sofort befreien und im Bordell „Zum Meerweib“ einsetzen. Octavia rief ihm immer wieder die Rechtslage in Erinnerung, dass die Sklaven zum Hausstand und Besitz von Vorax gehörten und in gewisser Weise das Geld der Stadt waren, welches nun in Thyrna wieder in Gold umgesetzt und als Reparationszahlung nach Perlheim zurückgelangen konnte. Daher könnte Henk sie selbstverständlich käuflich erwerben, aber einfach über sie verfügen konnte Octavia als Gesandte des Drachen nicht, was Henk verwunderte und ihn zu dem Titel „Bedienstete des Drachen“ inspirierte.
Der Verbleib der Gefangenen und Sklaven
Nachdem der Richter mit den Stadtwachen und den Söldner in die Stadt aufgebrochen war, setzte sich Octavia hin und schrieb einen Brief an ihren Großcousin Obloci nach Travar, wo sie ihn bat, Botschafter Lentus umgehend über die Neuigkeiten zu informieren (vgl. Brief an Obloci). Zeitgleich informierte Adarian Großmeister Archorbar (vgl. Brief an Archorbar).
Octavia stimmte einer vorrübergehenden Verlegung der Prostituierten in den Tempel der Hylea zu, da sie dort angemessen versorgt werden könnten. Die Sklaven wollten jedoch nicht freiwillig gehen und wiesen darauf hinweisen, dass Vorax ihr Herr war. Wenn er ihnen nichts befehle, würden sie sich nicht bewegen. Sie verstanden auch nicht, warum man ihnen helfen wollte, da sie kein anderes Leben kannten und gar nicht wussten, dass sie Opfer von Missbrauch und Ausbeutung geworden waren. Letztendlich hörten sie auf die Stimme eines anderen Thyrners, als Iustus sie auf gebrochenen Al'Dhagar aufforderte, Talina und Kenji in den Tempel zu folgen. Nachdem dies geklärt war, lud Talina Kenji ein, sie bald zu besuchen, sobald die Angelegenheit mit den Sklaven geklärt war. Dann hätten sie vielleicht endlich etwas Zeit zu zweit und sie könnte etwas für ihn kochen. Sie könnten sich über alte Zeiten unterhalten, immerhin hatte sie ihn ja so vermisst, nachdem er fortging. Kenji wurde immer bewusster, dass Talina vermutlich bereits die Hochzeitsglocken in ihrem inneren Ohr läuten hörte.
Bevor sie jedoch aufbrechen konnten, um die Sklaven in die Stadt zu bringen, musste darüber entschieden werden, was mit Vorax, Rutilius und Pedanius geschehen sollte, denn sie wurden zurzeit immer noch auf der Empore der Bibliothek verwahrt. Da machte Henk den Vorschlag, sie doch einfach in die Zellen des Folterkellers im Anwesen zu stecken. Als Octavia fragte, wozu Vorax einen Folterkeller hatte, erfuhr sie, dass dieser von ihrem Bruder eingerichtet wurde und sie ihn danach fragen sollte. Die Gefangenen wurden im Folterkeller von zwei zurückgebliebenen Stadtwachen bewacht und Octavia kam ins Nachdenken über ihren Bruder Augustus. Nachdem nun niemand mehr bewacht werden musste, begleiteten Octavia, Henk und Adarian Talina und die Sklaven in den Hyleatempel von Perlheim. Währenddessen Augustus, Iustus und Kenji die Dokumente sichteten.
Iustus und Kenji helfen sich
Iustus fragte Kenji in gewohnt höflicher Art, ob dieser ihm zur Hand gehen könnte, wenn er gerade nicht weiter verpflichtet sei. Er hatte nämlich bereist alle Unterlagen in den Forschungsräumen gesichtet und ging davon aus, dass sich die gesuchten Papiere in den Kisten im Keller unter den anderen Büchern aus der Bibliothek befinden könnten. Da Kenji Thyrnisch lesen kann, sollte er ihm helfen, die Bücher zu sichten, und ihm beim Suchen helfen, damit die es schneller geht. Iustus erklärte, dass er ihn normalerweise nicht mit so etwas belästigen würde, aber da er gehört hatte, dass Kenji mit den Büchern der Bibliothek vertraut ist, könnte er die Suche sehr beschleunigen. Kenji willigte ein und Iustus beschrieb ihm genau, nach was für Stichworten er in den Aufzeichnungen suchen sollte.
Kenji nutzt seine Chance, mit Iustus allein zu sein, und wandte sich nun seinerseits mit einer Bitte an ihn. Er bat Iustus darum, ihn einmal gründlich magisch zu untersuchen, denn Kenji fürchtete, dass er sich wohlmöglich an der Sukkuba angesteckt haben könnte. Iustus kam seiner Bitte gerne nach und sah sich den Questor mit Astralsicht genau an. Iustus wirkte fasziniert und neugierig, als ob er etwas eher Ungewöhnliches gesehen hatte, doch er betonte, dass das Gefundene keine Verwandtschaft zur Sukkuba aufwiese, andererseits aber auch etwas verbergen könnte. Da war etwas in den tiefsten astralen Schichten von Kenji, was er noch bei niemandem gesehen hatte. Iustus bedauerte sehr Kenji noch keine eindeutige Antwort geben zu können und versprach, weiter darüber nachzudenken und sich eine Antwort zu bemühen. Iustus äußerte sich auch eher negativ in Bezug auf eine dämonische Krankheit, von der er keine eindeutigen Anzeichen erkennen konnte.
Henk regelt Geschäftliches
In Perlheim besuchte Henk nicht den Hyleaschrein wie die anderen, sondern er suchte Schwarzbart aus seiner Gilde auf. Er könnte vielleicht eine Idee haben, wo sich der gesuchte Pirat „Käpt'n Kaltfisch“ aufhalten könnte. Schwarzbart hatte tatsächlich etwas gehört und man erzählte sich, dass sich seit einigen Monaten hier in der Gegend an einem abgelegenen Strand in der Nähe manchmal Leute herumtrieben. Er selbst hatte ihn einmal gesehen, wie er unten am Strand herumschlenderte und konnte sich schon denken, welche Grotte er sich ausgesuchte hatte. Schwarzbart beschrieb Henk den Ort und erzählte ihm noch, dass dieser Pirat früher wohl mal einen berühmt berüchtigten Ruf in der ganzen Bartha-Bucht hatte, es jedoch seit Jahrzehnten still um ihn geworden war. Nun wäre er jedoch ein alter und verbitterter Mann, vor dem man sich aber trotzdem in Acht nehmen sollte.
Henk fand tatsächlich die kleine Grotte an besagtem Strand. Er musste jedoch ein wenig suchen und herumklettern, bevor er den Eingang entdeckte. Schließlich folgte er dann einem schmalen Tunneleingang und gelangte endlich in eine kleine Höhle. Henk erspähte, dass ein älterer Mann, vermutlich der Erpresser, sich gerade mit einem anderen Piraten unterhielt, welcher wesentlich jünger als er selbst war. Sie tranken warmes Bier mit Schuss und spielten ein Würfelspiel. Henk zeigte sich den beiden und, nachdem sich die anfängliche Überraschung gelegt und Henk sich als Fuchs zu erkennen gegeben hatte, kommt er respektvoll mit ihnen ins Gespräch.
Auf Grifo Lausinger angesprochen erzählte Kaltfisch, dass der Wirt ein alter Freund von ihm ist und sie damals gemeinsam einen großen Raubzug veranstalteten. Er selbst war der Kapitän der „Blutigen Gräte“, einem berühmten Piratenschiff, und Grifo war sein Matrose. Dieser wurde jedoch von den Seewachen vor Weisshafen gefangengenommen, nachdem sie mit diesen in einen Schusswechsel fielen. Der Wirt ging mit einigen anderen Männern während der Kämpfe über Bord und die „Blutige Gräte“ konnte gerade so entkommen. Grifo ließ sich jedoch nicht wie ein anständiger Pirat verhaften und wartete darauf, dass seine Leute ihn wieder rausholten, sondern er wurde zum Verräter und hat den Wachen von Weisshafen das geheime Versteck der „Blutigen Gräte“ verraten, um seine eigene Haut zu retten. So wurde seiner ganzen Piratenmeute das Handwerk gelegt und das Schiff wurde sogar versenkt, was Kaltfisch Grifo niemals verzeihen konnte. Er berichtete weiter, dass er daraufhin für über 20 Jahre in den Kerker gesperrt wurde und nur der Hinrichtung entkam, da er den zuständigen areteischen Mystiker bestechen konnte. Die ganze Zeit hatte ihn nur der Gedanke an Rache lebendig gehalten und er wollte es seinem verräterischen Matrosen heimzahlen. Außerdem hatte er weder Geld noch eine Existenz, seitdem er aus dem Kerker raus war, und betrachtete es als das Mindeste, dass der Wirt ihm nun sein Leben finanziert. Grifo sollte schließlich froh sein, dass er ihn aus Respekt vor seiner netten Familie nicht sofort getötet habe.
Kaltfisch bot an mit seinen Erpressungen aufzuhören, wenn Henk ihm eine Möglichkeit böte, finanziell wieder Fuß fassen zu können. Er würde auch einen Eintritt bei den Füchsen als Angebot annehmen und wäre sogar ein nützliches neues Mitglied, da er sehr viel Erfahrung als alter Pirat mitbringt. Henk versprach ihm die Aufnahme und kündigte an, dass sich jemand mit ihm in Verbindung setzen würde.
Die Hausverwalter
Nachdem Octavia und Adarian zum Anwesen zurückgekehrt waren, traten die Hausverwalter Basin und Elwene Hütinger an Octavia heran. Sie begrüßten sie erfreut und waren sehr froh Octavia wiederzusehen. Augustus hingegen, welcher ebenfalls anwesend war, begrüßten sie sehr formal und eher distanziert und vermieden jeden Augenkontakt mit ihm. Elwene gestand, dass sie immer wusste, dass Octavia eines Tages nach Hause zurückkehren würde und dass sie nie an ihren Tod geglaubt hatte. Bei diesen Worten sah sie für einen Sekundenbruchteil mit einem enorm vorwurfsvollen und auch ängstlichen Blick zu Augustus herüber. Augustus hatte keine Ahnung davon, was die Verwalter damals alles mitbekommen haben, und reagierte eher etwas unsicher, da er nicht wusste, womit sie ihn konfrontieren könnten. Die beiden begrüßten auch Adarian und dankten ihm dafür Vorax aus diesem schönen Haus vertrieben zu haben. Sie waren sehr freundlich und fühlten sich geehrt, Freunde des Zwergenkönigs kennenlernen zu dürfen. Beide Verwalter verhielten sich durchgängig Augustus gegenüber sehr distanziert und sprachen nur mit ihm, wenn er sie ansprechen sollte, was er aber eher vermied.
Hausverwalter Basin lud Octavia zu einer Führung durch das Haus ein, um sie auf den aktuellen Stand der Dinge bringen. Vorax hätte einiges verändert und sie würde sicher gern sehen, in welchem Zustand ihr altes Zuhause war. Außerdem gäbe es einige organisatorische Fragen zu klären. Adarian schloss sich der Führung an. Abschließend luden sie alle zu einer Mahlzeit ein. Zunächst erzählten sie Octavia etwas über den allgemeinen Zustand und versicherten ihr, dass sie das Haus versucht haben, weiterhin in einem guten Zustand zu halten, auch wenn das Personal von Vorax mitunter faul und unzuverlässig war. Sie wiesen auch darauf hin, dass zukünftig neues Personal benötigt wird. Sie erwähnten auch, dass nun, wo die Söldner fort waren, außerdem dringend neue Wachen eingestellt werden müssten, da es immer noch Piraten in der Nähe gibt, auch wenn die thyrnischen Wachtrupps schon etliche vertrieben hätten. Sicher war Perlheim jedoch noch nie gewesen und falls jemand erführe, dass dieses Anwesen ohne Bewachung war, würde es sicher nicht lange dauern, bis erste Plünderer eintreffen würden.
Schließlich machten sie eine Führung durch das ganze Haus und wiesen auch darauf hin, dass die Speisekammern zum Bersten gefüllt waren mit luxuriösen Speisen aus Thyrna, welche Vorax aus der Heimat anliefern ließ. Diese waren verderblich und Octavia sollte entscheiden, was mit ihnen geschehen sollte. Sie beschloss, dass viele Vorräte in das areteische Monasterium nach Perlheim gebracht werden sollen, um die dort untergebrachten Sklaven zu versorgen. Als die Führung den Keller unter dem Forschertrakt erreichte, erklärten Basin und Elwene, dass die Bücher und die abgebauten Regale der Bibliothek hier unten in den Kellerräumen gelagert wurden und eigentlich nichts davon fehlen sollte. Sie wollten auch wissen, ob sie Arbeiter anheuern sollten, damit die Bibliothek wiederaufgebaut werden kann. In dem Lager stießen sie auf Iustus und Kenji, welche die Bücher sichteten und sortierten. Elwene ging sofort zu Kenji und nahm dankbar seine Hand. Sie erzählte ihm, wie froh sie war, dass er ihr damals geglaubt hatte und wie dankbar sie war, dass er Octavia gefunden und zurückgebracht hatte. Auch Basin stimmte zu und bedankte sich bei Kenji. Iustus erwähnte Octavia gegenüber anerkennend, dass die Bibliothek in ihrem alten Zustand ein Paradies für Gelehrte gewesen sein musste und dass Aequus hier etwas Besonderes für die Barthaver aufgebaut hatte. Er bedauerte es, dass er Aequus nie persönlich kennenlernen durfte, aber immer wieder hörte, dass dieser einen sehr guten Ruf in der Heimat genoss. Er fragte Kenji, wie er mit der Familie der Octavier in Kontakt gekommen war, und Kenji erzählte ihm die Geschichte (vgl. Biographie Kenji).
Zum Abschluss der Führung führten die Hausverwalter alle in das alte Wohnzimmer der Familie und servierten ein reichhaltiges Mahl.
Planung beim Mittagessen
Henk war mittlerweile auch wieder zurückgekehrt und so nahmen alle gemeinsam ein Mittagsmahl ein. Dabei berieten sie darüber, wie das Anwesen fortan geschützt werden könnte, wo die Söldner, welche vorher die Wachmannschaft gestellt hatten, im Kerker saßen. Henk hatte die Idee, mit weniger Wachen und etwas List die nächste Zeit zu überbrücken. Auf jedem Wachturm könnte neben einem echten Wachmann, welcher patrouilliert, auch eine Attrappe stehen. Das würde viele Männer einsparen helfen. Außerdem könnte der ehemalige Hundemeister vielleicht wieder beschäftigt werden, denn Wachhunde ersetzen eine Menge Personal. Octavia fand die Idee akzeptabel und auch Adarian hielt sie für umsetzbar. So setzte Octavia ein Schreiben an die Stadtwachen auf, um den Hundemeister zu entlassen und zum Anwesen zu beordern. Henk sollte in der Stadt nach neuen Wachleuten suchen und dabei ruhig seine Gildenkontakte spielen lassen könnte. Henk kam noch auf die Idee, ob nicht auch Jast Heidiger als Wache aushelfen könnte, und fragte Kenji danach. Doch dieser riet davon ab, da der Questor zurzeit sehr beschäftigt wäre. Er brachte aber die Idee ins Spiel, dass vielleicht Ratte einer der Männer sein könnte.
Das Wachhaus
Nach dem Essen bat Augustus Adarian und Henk, sich mit ihnen beim Wachhaus umzusehen und einen abwechselnden Wachdienst einzurichten, bis sich neue Wachen gefunden haben. Es wäre ihm lieber, wenn jemand ein Auge auf das Grundstück würfe und es nicht ganz unbeaufsichtigt bliebe, da man nicht vergessen sollte, dass auch die Schwarzmagier jederzeit einen Angriff vollziehen könnten und es für diese nun nicht schwer herauszubekommen wäre, wo sich die Helden gerade aufhielten. Augustus schwärmte außerdem von der Waffensammlung, welche damals von seinem alten Kampfausbilder Coragon angelegt wurde und welche Adarian unbedingt sehen müsste.
Im Wachhaus hatten die Söldner ein großes Chaos hinterlassen und überall lagen leere Alkoholflaschen herum. Anscheinend wurde auch hier wild gefeiert und Henk stellte fest, dass es sich bei dem Fusel um illegale Schmuggelware handelte. Die Waffenkammer war in einem schlechten Zustand und die Ausrüstung und Waffensammlung existieren nicht mehr. Stattdessen hatten die Söldner hier nun ihren Schnaps gelagert, worüber Augustus sich sehr ärgerte. Die Wachtürme waren jedoch alle in einem sehr guten Zustand und einsatzbereit.
Augustus fände es angebracht, wenn tagsüber immer mindestens ein Mann die Wache auf dem Grundstück übernimmt, um im Notfall Alarm schlagen zu können. Nachts sollten jedoch besser gleich zwei Männer zur Stelle sein, aber er fragte auch Adarian nach seiner Meinung, wie er das Anwesen am besten bewachen würde, bis neue Wächter eingestellt würden. Adarian brachte noch einmal die Hunde und den Hundeführer ins Spiel. Während der ganzen Gespräche war Henk und Adarian aufgefallen, dass Augustus sehr bedrückt wirkte und, seitdem er von Jast erneut angeprangert wurde, zwischendurch immer wieder wie geistig abwesend wirkt. Man brauchte keine große Menschenkenntnis, um dies zu bemerken. Als sie darauf ansprachen, äußerte er, dass ihm immer mehr bewusstwürde, dass er für Octavia mehr ein Klotz am Bein ist, als das er ihr eigentlich weiterhelfe. Er wäre eigentlich hier, um sie zu unterstützen und nicht, um sie noch weiter zu belasten. Jast hätte ihn zum Nachdenken gebracht und er wäre sich nicht mehr sicher, ob er Octavia wirklich eine Unterstützung sein könnte. Über mehr wollte er erstmal nicht reden und er wechselte von selbst wieder das Thema, da er nicht Herumjammern möchte, wie er es ausdrückte.
Octavia erfährt die Wahrheit über ihren Lehrer
Nachdem die anderen gegangen waren, baten die Verwalter Octavia zu einem vertraulichen Gespräch. Basin musste mit ihr über etwas sprechen, was die beiden über die Jahre nicht in Ruhe ließ. Er berichtete, dass er im Aletheon 717 ThZ, kurz nachdem Octavias Vater ermordet worden war, im Atrium lautes Geschrei hörte. Als er nachsah, sah er Augustus, wie dieser den Hauslehrer Deron anschrie. Er beschuldigte ihn, die Attentäter ins Haus gelassen zu haben und Deron wimmerte und beteuerte immer wieder seine Unschuld. Augustus verlor völlig die Fassung und schlug schließlich in rasender Wut Derons Kopf auf die Marmorstufen. Elwene hatte den roten Fleck im Marmor am nächsten Morgen noch gesehen und er war noch immer zu erkennen.
Basin berichtete weiter, dass in den folgenden Wochen nachts öfters Gefangene ins Haus und in den Keller gebracht wurden. Die Räume unter dem Forschungstrakt waren plötzlich für das Personal gesperrt und Basin hatte manchmal laute Schreie aus dem langen Gang zum Forschertrakt hören können, wenn er das Feuer für die Wohnräume der Villa auffrischte. Elwene hatte im Garten einen feinen Schal in den Büschen gefunden, welcher einem der Ratsherren gehörte, der später in Perlheim zum Tode verurteilt wurde. Der Herr war aber in letzter Zeit nicht zu Besuch gewesen, jedoch war in der stürmischen Nacht zuvor wieder eine gefangene Person in das Anwesen gebracht worden.
Die Beiden sahen einen Zusammenhang zu den fünf verurteilten Ratsherren und waren der Überzeugung, dass diese auf dem Anwesen von Augustus gefoltert und verhört wurden. Sie fragten Octavia, was mit Augustus los sei und wie er solch schreckliche Dinge tun konnte. Als Octavia den Beiden von einem Zauber von Silvius Berater erzählte, unter dem Augustus gestanden hätte, versicherte ihr Basin, dass Augustus nicht wie unter einem Zauber wirkte und Silvius‘ Berater Spurius Iunius erst nach dem Tod von Deron auf dem Anwesen eintraf.
Henk organisiert die Männer
Nach dem Wachhaus suchte Henk Schwarzbart in der Gildenzentrale am Hafen auf, welcher gerade einige Geschäfte im Hafen abwickeln wollte. Er fragte ihn nach zwei bis drei tüchtigen, zuverlässigen Männern, welche die Wache auf dem Anwesen übernehmen könnten. Er würde auch fünf Groschen zahlen, wenn sie etwas mit einem Schwert oder Bogen umgehen können. Schwarzbart hatte da schon ein paar Männer im Sinn, mit denen sie zuvor bereits gearbeitet hatten. Er sollte passende Kandidaten zum Anwesen schicken, wo sie nach Henk fragen sollten.
Anschließend informierte Henk Schwarzbart darüber, dass Käpt’n Kaltfisch in die Gilde aufgenommen werden soll. Er sollte den Eid schwören und würde dann von der Gilde mit Aufträgen versorgt. Im Gegenzug dazu würde er dann aufhören Grifo zu erpressen. Da der Initiationsort der Gilde nicht mehr nutzbar war, schlug Henk vor, die Zeremonie in Kaltfischs Versteck durchzuführen. Schwarzbart sollte ihn morgen Abend dort aufsuchen und ihm den Eid der Verschwiegenheit abnehmen. Außerdem erzählte Henk von seinem Plan, mindestens eine exotische Dame für das Bordell der Gilde zu beschaffen. Er würde sie aus der Hauptkasse der Gilde freikaufen und Schwarzbart sollte es als kleines Startkapital betrachten, um die Füchse in Perlheim wieder stark zu machen. Dann verließ Henk das Hauptquartier und besuchte auf dem Rückweg zum Anwesen noch einmal Grifo Lausinger.
Henks Besuch bei Grifo
Im Gasthaus „Zur grünen Rast“ war viel los. Gerade kam eine größere Gruppe aus drei Männer, zwei Frauen und vier Kindern an, welche, wie ihren Gesprächen zu entnehmen war, aus der Gegend um Lüderitz stammten und nach Weisshafen wollten. Sie hatten nach der Botschaft des Zwergenkönigs Angst vor der drohenden Dämoneninvasion bekommen und wollten ihr Glück in der Ferne suchen. Sie waren früher Minenarbeiter und wollten nun mit ihren Familien in den Norden nach Olborg reisen, da sie hofften, dass sie dort vor einer erneuten Plage sicher sind. Grifo nahm sie auf, doch als er Henk sah, übergab er an seinen Sohn und deutete Henk mit in den Keller zu kommen.
Henk erzählte Grifo von Kaltfisch, dass er einen Deal mit ihm geschlossen hatte. Doch Henk konfrontierte ihn auch mit Kaltfischs Version der Geschichte, worauf Grifo ganz verlegen und kleinlaut wurde. Henk nutze diese Situation, um den unter Druck gesetzten Grifo dazu zu zwingen der Gilde beizutreten. Grifo war zwar nicht begeistert, aber stimmt schließlich zu, am morgigen Abend Schwarzbart aufzusuchen, um den Eid abzulegen. Er würde dies mit Kaltfisch gemeinsam tun und diesen zuvor noch auf Knien um Vergebung bitten und ihm danken, dass er ihn nur erpresst und nicht getötet hatte. Grifo sagte alles zu und schwor zu erscheinen. Er erzählte Henk noch von vier Männern, welche sich öfters bei ihm trafen: Aalbjörn, Ruderbrick, Perlenpiet und Hakenmeckie. Möglicherweise wären sich auf Kandidaten für eine Aufnahme, falls Henk noch weitere Männer brauche. Henk stellte sich ihnen daraufhin auch kurz vor und durch ihre prahlenden Geschichten über ihre Erfolge als Piraten entlarvte Henk sie schnell als unorganisierte Kleinkriminelle.
Auf dem Weg nach draußen sprach Henk noch Grifos Frau Gelda an. Er gab sich besonders nett, offen und charmant und stellte sich als einen ehemaligen Kollegen ihres Mannes vor, der mittlerweile zu Geld gekommen war und, weil er Grifo noch etwas schuldig gewesen ist, ihm einen lukrativen Auftrag verschafft hatte. Gelda sah nun in Henk ebenfalls einen Schreiner aus der gleichen Schreinerei ihres Mannes, welche leider so tragische abbrannte. Henk beließ sie in diesem Glauben und freute sich, als sie kurz darauf in ihm den Gefährten des berühmten Adarian von Wallenrode erkannte. Sie bat Henk auch, Kenji ganz herzlich zu grüßen und ließ diesen auch in ihr Gasthaus einladen. Henk bedankte sich und verabschiedete sich, nicht ohne Grifo noch einmal an das vereinbarte Treffen am kommenden Abend zu erinnern.
Die Hausverwalter wenden sich an Kenji
Da Octavia das Gespräch mit den Verwaltern über Augustus Zurechnungsfähigkeit mehr oder weniger abblockte, wandten sie sich an Kenji. Sie erklärten ihm, dass sie Augustus nicht trauen und auch nicht wissen, wie Octavia zu ihm steht. Sie erzählten ihm wie zuvor Octavia, was sie damals beobachtet hätten und was ihnen bis heute keine Ruhe lässt. Sie berichteten Kenji von dem Tod seines alten Hauslehrers Deron, der Einrichtung der Folterkammer und der Folter der Rastherren. Sie versicherten, dass Spurius Iunius in den ersten Wochen nicht anwesend war und Augustus nicht wirkte, als ob er unter einen Zauber stand. Sie baten Kenji, auf Augustus aufzupassen, da sie nicht wüssten, ob er gefährlich ist.
Augustus und Kenji
Augustus begegnete Kenji nach dessen Gespräch mit den Verwaltern und bat ihn um ein vertrauliches Gespräch. Er müsste dringend mit ihm sprechen, da er es leid war, mit einer halben Wahrheit zu leben. Er erzählte ihm daraufhin, dass er alles, was er damals getan hatte, aus freiem Willen tat, und kein Zauber ihn zu irgendetwas gezwungen hatte. Er benannte seine Verbrechen explizit und unterstrich, dass er all dies mit vollem Bewusstsein und vorsätzlich getan hatte.
Augustus breitete vor Kenji seine vollständige Beichte aus. Als er erfuhr, dass ausgerechnet der Mann, der quasi zur Familie gehörte, an dem Tod seiner Familie beteiligt sein sollte, war er völlig perplex. Silvius behauptete, dass er selbst gesehen habe, wie Deron nach dem Attentat versuchte sein Verbrechen zu vertuschen. Augustus, der lange nicht mehr in Perlheim war und nicht wusste, wie die Dinge in Wirklichkeit standen, glaubte Silvius und ging auf Deron los. Deron flehte ihn an, doch Silvius redete ihm ein, dass Deron ein Lügner ist, der lediglich versucht seine eigene Haut zu retten, und stachelte die Wut seines Neffen mit giftigen Worten immer weiter an und empfahl ihm schließlich mit Gewalt die Wahrheit zu erzwingen. Augustus zögerte, doch Silvius erinnerte ihn erneut daran, was die Attentäter seiner Mutter und Schwester angetan hatten und schilderte ihm Einzelheiten ihres Todeskampfes, welcher angeblich von einigen Sklaven beobachtet worden war. Da verlor Augustus völlig die Fassung und schlug Derons Kopf immer wieder auf die harten Marmorstufen des Atriums.
Silvius hatte eine Liste von Personen erstellt, die in Perlheim als verdächtige galten und unterstellte ihnen eine Verschwörung gegen Botschafter Aequus. Augustus bekam eine kleine Einheit mit Eliteeinheiten gestellt und sollte diese aufspüren und verhören. Aber Silvius hatte über die Jahre ein ausgefeiltes Netz an Lügen aufgebaut und sie brachten Augustus wirklich daran zu glauben, dass die Ratsherren sich im Auftrag einer geheimen, barsavischen Widerstandgruppe verschworen hätten, die sogar heimlich von Barthador unterstützt werden soll und in ganz Barthavion operiert. Augustus war fassungslos und verspürte immer mehr Abneigung gegen Barthavion, obwohl er in diesem Land aufgewachsen und es eigentlich als zweite Heimat betrachtete.
Er nahm viele unschuldige Perlheimer gefangen und ließ sie in dem Anwesen seiner Familie festsetzen. Dort empfahl Silvius ihm sie zu foltern und weitere Informationen über die Attentäter zu sammeln. Augustus hatte zwischendurch immer wieder das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, da anscheinend kein Beschuldigter etwas Hilfreiches zu wissen schien und selbst nach furchtbaren Folterungen gaben viele nur Falschaussagen und nicht nachvollziehbare Geständnisse von sich. Jedoch glaubte Augustus voll und ganz den Worten von Silvius, dem letzten seiner Familie. Dieser betonte immer wieder, dass es nicht leicht ist, den Starrsinn der Barsaver zu brechen und dass sie härtere Methoden benötigen, wenn man etwas aus ihnen herausbekommen will. Also stellte Augustus alle Zweifel ab und die vielen erfolglosen Verhöre machten ihn in seiner Trauer und Verzweiflung nur wütender und er wurde immer skrupelloser bei seiner Suche nach der vermeintlichen „Wahrheit“. Augustus stand zu dieser Zeit eher neben sich und erlebte all seine Gräueltaten eher wie in einer unwirklichen Trance und war komplett verblendet durch seine Rachegelüste. Anfänglich hatte er sich mit den Folterungen noch schwergetan und musste gegen sein Mitgefühl ankämpfen, doch nach einiger Zeit hatten die Beschuldigten für ihn jede Menschlichkeit verloren und er versuchte nur noch maschinell durch Drohungen und Schmerzen sie zu dem zu zwingen, was er von ihnen wollte.
Dann kam er zum eigentlichen Kern seines Problems: er beichtete Kenji, dass er Octavia seit drei Jahren in dem Glauben ließ, dass sein Verhalten durch Zauberei gesteuert wurde und sie diesen Zauber irgendwie gebrochen hätte, was absolut nicht stimmte. Er betonte, dass die Idee mit dieser magischen Beherrschung damals von ihr kam, er es aber nie übers Herz brachte, sie von diesem Irrglauben abzubringen, da er sie nicht enttäuschen wollte. Deshalb hatte er ihr nie widersprochen, wenn es um den vermeintlichen „Zauber“ ging. Er gestand Kenji, dass er nun die ganze Wahrheit erzählen musste, bevor Octavia dies von jemand anderen erführe. Er wollte von ihm wissen, ob er glaubte, dass Octavia stark genug war, mit dieser Wahrheit umzugehen. Außerdem wollte er wissen, ob Kenji nach seinem Geständnis für Octavia da sein würde, falls sie diese Erkenntnis nicht verkraften könnte und von ihm vermutlich zurecht nichts mehr wissen wollte.
Augustus offenbarte Kenji noch, dass er schon einen Plan hatte, wie er Büßen könnte, und dass Kenji sich keine Gedanken um ihn machen sollte. Er wollte auch nicht, dass er über ihn urteilt, da er ihn nur als Freund und Bruder, nicht aber als Questor betrachten könnte. Er würde deshalb selbst für Gerechtigkeit sorgen und Kenji sollte sich ganz auf Octavia konzentrieren, da sie ihn vermutlich dringend brauchen würde. Augustus versicherte Kenji auch, dass er nicht vorhätte, sich in sein Schwert zu stürzen, falls Kenji dies befürchtete, und dass er ihm bitte einfach vertrauen sollte. Dies wäre eine sehr wichtige Bitte und er verkündete, dass er sich nun selbst dem Urteil der Götter stellen würde. Kenji segnete Augustus, bevor dieser ging, und bat ihn noch, bei seinem Gespräch mit Octavia dieser vorher zu offenbaren, dass er bereits mit Kenji gesprochen hatte (vgl. Mitschnitt des Gespräches).
Augustus und Octavia
Augustus trat dann seinen schweren Gang an und konfrontierte Octavia mit der ganzen Wahrheit. Er offenbarte ihr, dass er nicht unter einem Zauber stand, als er die Rüstung trug, und kein Zauber gebrochen wurde, als sie sich wiedersahen. Es war immer Octavias schmachvoller, schändlicher Tod, welcher ihn nicht Ruhen ließ und die Racheflamme immer wieder entfachte, wenn sie am Erkalten war. Dieser Antrieb seines Hasses war aber schlagartig fort, als er Octavia lebend vor sich sah. Alles war verflogen und er kam zur Besinnung. Aber er brachte es nicht über das Herz, ihr die Wahrheit zu sagen, vor Angst, sie sofort wieder zu verlieren. Er wollte ihr gegenüber nichts wegerklären oder entschuldigen, sondern bedauerte nur sehr, dass er damals unter den Aufstachelungen von Silvius die Kontrolle über sich verloren hatte. Sein ganzes Handeln als Principus Mortis hatte das Vertrauen wieder eingerissen, welches sein Vater über so lange Zeit mühsam zwischen Barthavern und Thyrnern aufgebaut hatte. Dafür schämte er sich, weil er mit seinem Mangel an Selbstdisziplin die ganze Arbeit seines Vaters zunichtegemacht hatte. All dies gestand er seiner Schwester (vgl. Mitschnitt des Gesprächs).
Octavias war fassungslos über diese Wahrheit und brauchte erstmal Zeit für sich, um über alles nachzudenken und sie bat Augustus zu gehen. Er erwähnte zwar noch, dass Kenji für sie da sein würde und bereits alles wüsste, aber diese Information erreichte Octavia schon nicht mehr. Sie zog sich auf die Terrasse zurück, um nachzudenken.
Augustus verabschiedet sich
Nach dem Gespräch mit Octavia suchte Augustus den Keller auf, um sich von Iustus kurz und knapp zu verabschieden. Bei dieser Gelegenheit informierte er Kenji darüber, dass Octavia auf der Terrasse wäre. Dann verließ er das Haus und begab sich zum Wachhaus, wo er Adarian vermutete. Dieser spielte gerade mit den Hunden, als Augustus zu ihm kam und ihm offenbarte, dass er das Anwesen verlassen würde und die grausamen Taten des Principus Mortis willentlich aus Rache durchgeführt hatte. Da erzählte ihm Adarian von seinem Massaker an den Piraten (vgl. Comic Folge 2) und zeigte Augustus auch die selbstzugefügte Narbe, welche er noch immer auf seinem Herzen trägt. Dann wünschte Adrian ihm alles Gute und bot ihm sogar noch Gold für die Reisekasse an (vgl. Mitschnitt des Gesprächs).
Augustus verließ die Residenz und schlug einen schmalen Pfad auf die Heide ein, als er von dem gerade zurückkehrenden Henk erspäht und eingeholt wurde. Auch Henk gestand Augustus sein willentliches Handeln und er übernahm die Verantwortung für sein Handeln. Henk erzählte ihm von seinen Erfahrungen mit dem Dämon Maldoror und er gestand Augustus, dass Maldoror ihn nicht kontrolliert hatte, sondern lediglich die dunklen Seiten in ihm nach oben brachte. Augustus wies Henk darauf hin, dass seine strenge thyrnische Erziehung ihm eigentlich ein besonneneres Handeln hätte ermöglichen müssen. Alles Reden von Henk half nichts und Augustus zog sich zurück, um sich dem Urteil der Götter zu stellen (vgl. Mitschnitt des Gesprächs).
Terrassengespräche
Octavia hatte sich am späten Nachmittag auf die Terrasse zurückgezogen und blickte von der Brüstung auf das Meer hinaus. Nachdem Kenji von Augustus im Keller über Octavias Aufenthaltsort informiert worden war, stieg er die Treppenstufen hinauf und suchte, nachdem er sich selbst Mut zugesprochen hatte, die Terrasse auf. Er wartete in einiger Entfernung, bis Octavia ihm durch ein Nicken zu verstehen gab, dass er sich nähern durfte. Lange verharrten die beiden in Schweigen, bis Kenji Octavia erklärte, dass er nicht zum Reden gekommen sei, sondern ihr eine Umarmung anbieten wollte. Octavia fiel ihm um den Hals, was Kenji leicht erzittern ließ, und sie standen lange Zeit schweigend umschlungen.
Octavia brach das Schweigen und beichtete Kenji, dass ihr mittlerweile bewusst geworden ist, dass sie sich die letzten drei Jahre selbst belogen hatte, indem sie an einen Zauber glaubte, welcher Augustus kontrollierte. Diese Sichtweise bot Octavia die Chance ihren Bruder als hilflose Marionette zu betrachten. Kenji gab zu bedenken:
„Niemand kann einen so gut anlügen, wie man selbst.“
Dann versuchte er Octavia im Gespräch so gut es ging zu vermitteln, was er von Augustus zu seinen Beweggründen erfahren hatte. Octavia fragte sich, was mit Augustus jetzt geschehen müsste und ob er nicht aus Gerechtigkeitsgründen mit Vorax unten im Kerker eingesperrt sein müsste. Kenji verglich die Situation mit der Hellas, welche von Enodia selbst aufgefordert wurde, ihrem Leben kein Ende zu setzen, denn die Gerechtigkeit hatte andere Wege für sie vorgesehen, damit sie einiges wieder gut machen konnte. So sah Kenji auch Augustus Aufgabe noch nicht als beendet an und vertraute auf ein gerechtes Urteil. Aber den einzigen Grund, welchen Kenji Octavia nennen konnte, warum Augustus nun nicht eingesperrt und verurteilt werden sollte, war, dass er Octavias Bruder ist. Ratlosigkeit und Schweigen machte sich breit.
Henk kehrte heim und fand die beiden auf der Terrasse. Er wartete einen Moment, bis er bemerkt und heran gewunken wurde, und berichtete dann zunächst, dass er die Männer für die Wache besorgt hatte und sie bald eintreffen würden. Er lobte die Hunde und merkte an, dass der Hundeführer noch nicht gekommen war. Er wollte die Atmosphäre, welche er als trübselig empfand, etwas auflockern, was bei Octavia nicht auf viel Liebe stieß. Henk wies sie darauf hin, dass sie entgegen ihrer eigenen Einschätzung auf ihn nicht nachdenklich, sondern verzweifelt wirken würde. Er berichtete weiter, dass er Augustus getroffen hatte und dieser einen Spaziergang machen wollte. Er erinnerte Octavia an die Taten von Hella und wunderte sich nicht, als Octavia genau wie Augustus auf ihre andere Erziehung verwies. Octavia offenbarte Henk, dass sie Augustus gegenüber keine persönliche Wut empfände und seine Rachegefühle sogar verstehen könnte. Aber er hatte nicht im Affekt gehandelt, sondern ein Jahr lang genau geplant, was er tat. Wie könnte sie ihm vergeben, dass er das Werk ihres Vaters durch Disziplinlosigkeit zerstört hatte. Octavia malte Henk noch einmal die ganzen Dimensionen aus, welche Augustus Taten nach sich zogen. Augustus wurde sein Leben lang darauf vorbereitet sein Erbe und die damit verbundene Verantwortung anzutreten, und dann tat er es und zerstörte alles. Ganz Barthavion wurde in einen Krieg gezogen, die Schwarzmagier wurden gestärkt und Augustus hatte das aufkeimende Vertrauen in eine Zusammenarbeit von Barthavion und Thyrna wieder zerstört. Henk wurde stiller und merkte nur noch an, dass Augustus sich seiner Strafe stellen will, und es jetzt wichtiger wäre, die Welt zu retten, und dafür bräuchten sie Augustus bestimmt noch. Henk bietet Kenji und Octavia seinen Flachmann an und nötigt sie fast schon zum Trinken, doch Kenji lehnte im Gegensatz zu Octavia ab. Octavia wollte sich danach zurückziehen und ging allein auf ihr Zimmer.
Als Octavia gegangen war, fragte Henk Kenji, ob eine solche Selbstkasteiung, wie er sie an den Tag legte, denn wirklich nötig sei. Als Kenji empört einwandte, dass ein Verzicht auf Alkohol doch nicht darunterfallen könnte, entgegnete Henk, dass er auch den Umgang mit seinem Sukkubaerlebnis gemeint hätte. So etwas könnte doch jedem passieren, Kenji müsse sich deswegen nicht schuldig fühlen. Doch Henk und den Anderen wäre es eben nicht passiert, entgegnete Kenji ihm. Das Ereignis setzte ihm noch sehr zu, wogegen Henk wesentlich entspannter damit umging. Kenji konfrontierte Henk auch damit, dass Octavia schon überfordert damit war, was alles gesagt wurde, weshalb sie sich zurückgezogen hatte. Henk erinnerte Kenji daran, dass er der Fährmann ist, der dafür zuständig ist, ihrer Gemeinschaft immer wieder die Richtung zu weisen. Kenji musste dem zustimmen:
„Ich weiß, der Fährmann fährt uns immer wieder auf den richtigen Weg.“
Kenji schilderte Henk noch ein persönliches Problem, welches er Henk als profan beschrieb. Dabei handelte es sich um Talinas Zuneigung für ihn, welche er nicht erwiderte. Henk riet ihm ihr schonungslos die Wahrheit zu sagen und, als Kenji ihm gestand, dass er bis zu der Umarmung am Vormittag sich ihrer tiefen Zuneigung nicht bewusst war, erinnerte ihn Henk an das, was Octavia über Selbstlügen gesagt hatte.
Abendessen und Wachplanung
Kenji ließ sich von Basin ein Quartier für die Nacht zeigen und wurde im alten Zimmer von Abraxa untergebracht. Henk ging in das Wohnzimmer, wo sie immer gegessen haben, und setzte sich an den gedeckten Tisch, an dem noch niemand saß. Adarian kam herein, grüßte Henk kurz und setzte sich hin. Er nahm sich etwas zu essen und fragte Henk: „Sag mal, wo sind denn die anderen?“ Henk schaute ihn an und erwiderte: „Ich mag dich, Adarian!“, und fing auch an zu essen.
Nachdem die Stadtwachen im Keller, welche zur Bewachung des Kerkers geblieben waren, abgelöst wurden, vermeldete Basin, dass die bestellten Wachleute angekommen waren. Zu Henks freudiger Überraschung hatten sich sogar vier kräftige Männer gefunden und gemeinsam mit Adarian gab er den Befehl, die Wachmänner Angrond, Kalver, Nerek und Ulfried auf die Türme zu verteilen und sich dort blicken zu lassen. Auch der auf Octavias Wunsch freigelassene Hundeführer Kuno Gorbas meldete sich beim Anwesen und Henk machte ihm klar, dass diese Nacht seine Chance war sich zu beweisen, wenn er seine Stellung hier auf dem Anwesen zurückbekommen wollte. Gorbas ist ein wortkarger Mann, dem es aber sehr gefallen würde, wieder mit den Hunden zu arbeiten. Alle Wachen und auch Henk und Adarian mussten sich dann den Hunden unter der Führung von Kuno nähern und sie an der Hand riechen lassen. Danach waren die Menschen für die Hunde Teile ihres Rudels, welches es zu beschützen galt. Die Wachgänge wurden geplant und Henk und Adarian wollten abwechselnd den Wachdienst auf dem Hof übernehmen.
Episode 09: Die Vergangenheit holt jeden ein
3./4. Spealis 721 ThZ
Adarian und Henk instruieren das neue Wachpersonal. Kenji wird mit zwei Personen aus seiner Vergangenheit konfrontiert und schafft es schließlich mit dieser abzuschließen. Octavia erledigt hingegen Trauerarbeit.
| 3. Spealis |
Kenjis Besuch in Perlheim
Am späten Abend brach Kenji noch einmal nach Perlheim auf. Als er die Villa verlies, wurde er von zwei Hunden gestellt und mit lautem Gebell festgesetzt. Hundemeister Gorbas kam und entschuldigte sich bei Kenji, welchen er anschließend seinen Hunden vorstellte. Adarian und Henk kamen dazu und spekulierten, warum Kenji so spät noch unterwegs wäre. Kenji begleitete Henk schweigend zum Tor und der Torwächter Angrond wurde angewiesen, ihn bei seiner Rückkehr wieder auf das Anwesen zu lassen. Henk bat Kenji auf dem Weg vorsichtig zu sein und gab ihm noch eine Laterne mit.
Kenji begab sich zur Perlenschleiferei und suchte Talina auf.
Sie wusste, um wen es sich handelte, einen Augenblick bevor seine warme und ruhige Stimme ihren Namen aussprach.
„Talina.“
Sie blickte von ihren Unterlagen auf und wandte sich zu dem Questor um, der einige Schritte von ihr entfernt stand und sie mit seinen großen, traurigen Augen ansah. Seit sie ihn das erste Mal getroffen hatte, war dieser leidgeprüfte, nachdenkliche Blick nie ganz aus ihnen gewichen, egal wie sehr sie versucht hatte, ihn davon abzulenken. Sie erhob sich und ging ihm entgegen, und er umarmte sie ganz so, wie sie es sich sehnlichst gewünscht hatte. Es dauerte keinen ganzen Augenblick, da spürte sie, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Aber sie wollte den Moment noch ein wenig bewahren, damit sie ihn nicht vergessen würde, also tat sie so vor sich selbst, als ahnte sich nichts, und drückte ihre Nase in den weichen Stoff seiner Robe, die ganz sanft nach ihm duftete. Schließlich wich er behutsam zurück und sie blickte zu ihm auf.
„Ich dachte mir schon, dass du noch wach bist, Talina. Du hast nie gut geschlafen. Das hatten wir immer gemeinsam.“
„Was ist denn los, Kenji?“
„Komm mit, ich will dir etwas zeigen.“
Es war eine kühle Nacht, der Atem bildete kleine Wölkchen vor ihren Mündern, wenn sie redeten. Sie standen in der Gasse vor dem Besitz ihres Vaters, in dem sie ihre kleine Zuflucht eingerichtet hatte. Über ihnen schien der Mond auf das schlafende Perlheim. Das Pflaster glitzerte vom Raureif und der Mystiker blickte aus unerfindlichen Gründen zu den spärlichen Wolken hinauf.
„Was willst du mir denn zeigen, Kenji? Hat das nicht auch Zeit bis morgen? Es ist tiefste Nacht und die Sterne funkeln uns an, weil sie sich fragen, warum wir noch auf sind.“
„Aber darum geht es ja gerade, Talina. Siehst du das Sternenbild da? Die Thyrner schreiben es Lysara zu. Die Elben nennen sie Ithiel. Viele Bauern denken, der Mond ist Lysaras Zeichen, aber das ist eine unvollständige Sicht der Dinge. Verfolg einmal diese Linie dort... siehst du es?“
„Es führt direkt zur Mondsichel.“
„Diese Konstellation hat das Sternenbild nur zwei Mal im Jahr. Einmal jetzt, und einmal, mit umgekehrten Vorzeichen, wenn die Ernten anstehen. Die Bauern benutzen es für ihre Planungen, damit sie nicht vom Wetter überrascht werden. Seit dem Auftreten der Plage sind Vorhersagen für sie schwierig bis unmöglich, aber Nauda lässt sie nie im Stich. Ohne sie würden viele Barthaver jedes Jahr hungern.“
„Aber das weiß ich doch. Ich habe das Heiligtum schon mehrfach besucht. Es ist nur eine Tagesreise weit entfernt. Was willst du mir wirklich erzählen?“
Kenji schaute jetzt nicht mehr in den Himmel.
„Lysara behütet alles verborgene Wissen, heißt es. Vielleicht zu unserem Besten. Und doch hoffe ich, dass sie mir eines Tages mehr zugesteht, als diese vermaledeiten Visionen. Ich weiß nicht, was sie mir sagen möchte. Beim besten Willen nicht. Ich war in einem anderen Heiligtum im Norden, weißt du. Ich habe gebetet. Gefleht, geschriehen; umsonst. Es hat etwas mit meiner Vergangenheit zu tun. Wenn Pyrrhon noch leben würde, könnte er mir vielleicht helfen. Aber den Göttern hat es gefallen, auch ihn zu nehmen. Wie so vieles.“
„Du meinst mit deiner Kindheit?“
„Noch früher. Mit meiner Geburt. Es begann am Anfang. Wie so vieles. Talina. Ich muss dir nichts über Bestimmung erzählen. Niemand auf der Welt - in meiner Welt, heißt das - weiß darüber mehr als du. Wie war das? Ein Leben für ein Leben? Du warst noch so klein. Und doch hast du intuitiv und ohne jede Ausbildung mehr verstanden als die ganzen Gelehrten. Die Götter sind fair, aber grausam. Du tauschtest dein Leben für das deines Vaters. Und obwohl du nur ein unbedeutendes Mädchen aus dem unwichtigen Perlheim warst, geschah das Wunder und die Götter erhörten dich!"
Talina spürte, das ihr der Verlauf des Gespräches nicht behagte. Doch auf was wollte Kenji hinaus? In ihrem Inneren rumorte es, doch sie vermochte nicht, ihn aufzuhalten. Aus ihr kam kein Wort.
„Ich verstand das, weißt du. Damals wie heute. Wirklich. Natürlich war es Unsinn. Die Götter würden dir das geschenkte Leben deines Vaters nicht wieder stehlen, wenn du der Hylea deine Dienste versagt hättest, um bei mir zu sein. Aber du spürtest, dass etwas falsch war. Das es Unrecht war. Also hörtest du auf den Teil deines zerrissenen Herzens, der den Göttern zugetan war. Es muss nach Bitterkeit klingen, wenn ich so trocken davon erzähle, aber das ist es nicht. Ganz im Gegenteil. Ich habe dich immer für deinen starken Glauben bewundert. Ihm nachgestrebt. Tatsächlich habe ich sogar versucht, nach deinem Vorbild zu handeln. Als ich Octavia, die Totgesagte wiedertraf, spürte auch ich den Wind der Bestimmung ganz deutlich über mein Angesicht streifen. Und weil ich nach Lysaras Gesicht spürte, dass die Reise in den Norden ein Opfer verlangte, war ich bereit, ein Leben für ein Leben zu geben. Ganz wie du für deinen Vater. Wenn die Götter nach Octavias Leben griffen, würde ich meines dafür geben. Doch sie nahmen Noah zu sich. Ich weiß nicht, was ihr Plan für mich war. Aber sie waren offensichtlich noch nicht fertig mit mir.“
Langsam formte sich die aufkommende Bitterkeit in ihrem Mund zu einem Wort.
„Oc...tavia.“
„Ich weiß, es muss wie eine gemeine Ausrede klingen. Schicksal. Bestimmung. Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Atme die kalte Luft, Talina, und hör in dich hinein. Riechst du das?“
„Was, Kenji?“
„In einer Stunde wird die Sonne aufgehen. Und die Götter mögen mich strafen, wenn ich nach all der Zeit das Lügen anfange, aber ich glaube an Vorsehung. Doch glaube ich an einen Zwang? An unwiederbringliches Schicksal, das eintreffen wird, egal was wir dafür oder dagegen tun? Oh nein. Die Schutzgötter haben diese Ebenen vor langer, langer Zeit verlassen. Vielleicht für uns, vielleicht auch aus anderen Gründen, die wir Sterbliche nicht begreifen können. Aber ich bin mir ganz sicher: Alles, was sie tun, ist uns Pfade in der Nacht aufzuzeigen. So wie diese gepunktete Linie da oben, die den Bauern zeigt, wann sie ihre Saat auswerfen können. Zwingen die Götter uns, wann wir zu ernten haben? Nein. Aber wenn wir ihre Zeichen richtig lesen, müssen wir nicht frieren und nicht hungern leiden. Vielleicht haben die Götter dir geraten, Hylea zu dienen. Weil sie ahnten, dass du vielen Menschen helfen könntest. Aber die Entscheidung dazu hast nur du getroffen. Weil du an sie geglaubt hast. Hast du damit das Leben deines Vaters gerettet? Vielleicht. Wer weiß. Es lag nie in deiner Hand, so viel ist mir gewiss. Du konntest nur eine Entscheidung treffen. Für dich.“
„Ich bin nicht hergekommen, um dir zu sagen, dass das Schicksal mich von dir fort und in Octavias Arme getrieben hat. Ich weiß nicht, was sie sich erhoffen. Die Entscheidung habe ich ganz alleine getroffen. Weil auch ich es in einem Teil meines Herzens spüre. Und ich muss daran glauben, dass ich auf den richtigen Teil höre. Wie du es mir beigebracht hast. Liebe Talina.“
Sie hatte Tränen in den Augen, aber sie liefen nicht ihre Wangen hinab.
„Was sagst du?“
Kenji blickte Talina erwartungsvoll an, doch diese wich nur wie in Trance einen Schritt von ihm zurück und blieb dann wie eine erstarrte Salzsäule stehen. Auch ihr Blick wendete sich von Kenji ab und ihre immer noch tränenleeren Augen senkten sich reglos zu Boden. Es war unmöglich ein Gefühl auf ihrem sonst immer so hoffnungsvollen Gesicht zu lesen und sie wirkte in sich gekehrt und blieb eine ganze Zeit lang wort- und regungslos auf der Stelle stehen. Kenji spürte, dass sich - hingegen ihrer äußeren Paralyse – in ihrem Kopf anscheinend ein ganzes Feuerwerk von Gedanken entlud und wusste, dass sie etwas Zeit brauchte, um auf seine Worte zu reagieren.
Irgendwann, als Kenji ihr Schweigen schon kaum noch ertragen konnte, begannen ihre zitternden Lippen sehr leise wieder Worte zu formen.
„Was… soll ich dazu noch sagen?“
Bei diesen Worten wich sie noch einen Schritt weiter von Kenji fort in Richtung der Eingangstür ihres Elternhauses. Noch nie hatte die warme und mütterliche Talina so kalt und distanziert gewirkt und ihre Mimik glich einer thyrnischen Totenmaske.
„Du hast dir das ja anscheinend ganz genau überlegt. Wie immer...“
Ihre Worte klangen pragmatisch und gefühlskalt, trotzdem konnte Kenji keinen direkten Vorwurf aus ihnen herauslesen.
Plötzlich hörten die beiden einen Schmerzensschrei aus Talinas Krankenstube. Dieser löste die Lähmung im Körper der pflichtbewussten Questorin.
„Du… solltest zu deinen Freunden gehen. Ich... ich… muss mich nun um einen Patienten kümmern.“
Kaum hatte sie dies ausgesprochen, hatte sie Kenji bereits den Rücken zugewandt, die Tür geöffnet und war in dem Haus verschwunden, so dass sie ihm keine Chance ließ, dieses für sie eindeutig schmerzhafte Gespräch weiterzuführen. Kenji blieb allein in der Kälte des Herbstmorgens zurück und spürte selbst, dass es besser sei, vorerst Abstand zu Talina zu wahren.
" Henk bei Octavia '
Nachdem er Kenji zum Tor gebracht hatte, brachte Henk Octavia gegen den Schock einen Becher barthavischer Gewürzwein mit Obst und Käse aufs Zimmer. Sie saß an ihrem Schreibtisch und schrieb einen Brief nach Thyrna, um die Vorfälle zu schildern. Er informierte Octavia darüber, dass die Hunde auf dem Gelände patrouillieren und sie noch nicht kennen. Henk trank noch einen Becher Wein mit Octavia und die beiden stoßen auf bessere Zeiten an. Henk lenkte Octavia noch einige Zeit mit Informationen über die Organisation des Anwesens ab, was diese sehr dankbar aufnahm. Nach seinem Besuch bei Octavia begann Henk wieder seine Runden auf der Nordseite des Hofes zu drehen.
Kenjis Rückkehr
Die Nacht entwickelte sich typisch für den Früh-Herbst und war sehr nebelig und kalt. Kurz vor Mitternacht kehrte Kenji aus Perlheim zurück und wurde vom Torwächter eingelassen. Die Hunde begrüßten Kenji, als er den Hesindeschrein des Anwesens aufsuchte und um Einsicht bat, wie er aus der verfahrenen Situation herauskäme. Nachdem er keine Erleuchtung erhalten hatte, wanderte er langsam durch den Innenhof und machte sich Gedanken über die Gestirne über ihm.
| 4. Spealis |
Die Nachtwache
Adarian kontrollierte auf seiner Südroute die Klippen und konnte auf einem Turm nur die Rüstungspuppe erkennen. Er rief die Wache Merek an weckte ihn damit anscheinend auf. Als dieser sich hungrig zeigte, besorgte Adarian etwas aus dem Haupthaus zu essen. Auf dem Weg durch das Atrium begegnete er Kenji und begrüßte ihn, doch Kenji war betrübt und in Gedanken versunken.
„Adarian, ich habe das Gefühl, egal wohin uns die Reise bringt ... ich meine: Natürlich, wir kämpfen gegen die Schwarzmagier, wir versuchen überall zu helfen, aber letzten Endes: geht es den Menschen nicht immer schlechter, wenn wir da waren? Es ist so, als ob wir eine riesige Spur der Verwüstung hinter uns herziehen. Egal, was wir versuchen.“
Adarian verstand und entgegnete:
„Wir dürfen uns davon nicht entmutigen lassen. Manchmal muss es erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann.“
Kenji hatte das Gefühl, dass ihre ganze Hilfe nicht wirklich etwas bewirken würde. Er verglich Barthavion mit einem leckgeschlagenen Schiff, welches immer wieder gerade so über Wasser gehalten würde, statt es in den Hafen zu bringen, wo es generalüberholt würde. Adarian entgegnete, dass sie doch den Hafen ansteuerten, solange aber natürlich das Schiff einfach über Wasser halten mussten. Schließlich beschoss Kenji, schlafen zu gehen, und Adarian holte Proviant, bestehend aus thyrnischen Weißbrot und Würstchen, aus der Küche. Er brachte der schwächelnden Wache den guten Proviant und versorgte auch die anderen auf ihren Türmen, so dass alle die Nacht wach und munter überstanden.
Am Morgen
Hausverwalter Basin lud kurz vor Sonnenaufgang Adarian und Henk zum Frühstück ein. Henk zahlte die Söldner aus und heuerte sie für vier Heller am Tag weiterhin als Wachpersonal an. Er zeigte ihnen ihre Quartiere im Wachhaus und sicherte ihnen Verpflegung zu. Die Wachen holten ihre Sachen aus der Stadt und Henk ging mit durchweichter Kleidung zum Frühstück auf die Terrasse. Octavia war ebenfalls frühzeitig wach und genoss vorher noch den Sonnenaufgang in der Therme, während Elwene Kenji weckte.
Zum Frühstück gab es gute thyrnische Speisen und Brot aus weißem Mehl, was in Barthavion eher unbekannt ist. Nach der kalten und nebeligen Nacht lud die Sonne Elwene dazu ein, alle Türen zur Terrasse aufzusperren, so dass die Helden während des Essens einen wunderschönen Ausblick auf den Sonnenaufgang über der Bartha-Bucht genießen konnten. Henk informiert Octavia über die Einstellung der neuen Wachen und alle machen sich Gedanken, wie es jetzt nach Vorax Abdankung mit dem Anwesen weitergehen sollte, weil es früher wunderschön gewesen war. Octavia plante, die Villa in ihren Ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Sie erwartete in den nächsten Tagen die Ernennung eines neuen Prokonsuls und Kenji teilte mit, dass er und Iustus gute Fortschritte in der Sichtung der Bücher machten. Iustus saß seit gestern im Keller und studierte ein besonderes Buch, welches er entdeckt hatte.
Octavia machte sich Sorgen um Augustus und Adarian und Henk beruhigten sie, dass er sich irgendwo etwas zum Schlafen suchen und sich einem Gottesurteil unterziehen wollte. Basin meldete die Ankunft von Jast Heidiger, welcher Kenji um ein Gespräch bat.
Gefangenenbesuch
Adarian, Henk und Octavia suchten die Gefangenen im Keller auf, welche bereits etwas Brei zum Frühstück bekommen hatten. Octavia informiert über die baldige Einsetzung eines neuen Prokonsuls, welcher sich dann um die Gefangenen kümmern werde. Vorax erhob lauthals Einspruch und beklagte sich über eine nicht standesgemäße Unterbringung. Octavia verwies ihn auf ihren Anwalt Elatus, bei dem er eine Beschwerde einreichen könne, und sie verließen die Zellen.
Henk suchte zuletzt noch den Magus auf und erkundigte sich nach seinem Befinden, was Vorax erneut verärgert. Beim Verlassen der Zelle erfuhr Henk, dass die Kerker der Burg Perlheim überlaufen und die Wachen Überstunden schieben mussten aufgrund der ganzen Verhaftungen. Er ging nach oben und legte sich mit Adarian im Wachhaus schlafen.
Jast konfrontiert Kenji
Jast hatte um ein persönliches Gespräch mit Kenji gebeten und war augenscheinlich etwas unzufrieden. Kenji spürte sogar eine unterdrückte Antipathie ihm gegenüber. Jast berichtete Kenji, dass er heute früh am Morgen noch bei Talina war, da er ihr noch einige Vorräte für ihr kleines Krankenhaus besorgt hatte. Als er sie vorfand, war sie am Boden zerstört und stand geistig ganz neben sich. Nachdem er sie lange wortlos getröstet hatte, erzählte sie von dem Kuss von Kenji, den er ihr nie hätte geben dürfen. Kenji gestand einen Augenblick menschlicher Schwäche ein und versuchte zu erklären. Jast war ziemlich wütend, dass Kenji sich Talina zuerst mit einem Kuss annäherte, ihr erneut Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft machte und ihr dann eine fadenscheinige Geschichte über die Wege des Schicksals und Octavia erzählte, um all ihre Hoffnungen wieder zu zerstören. Kenji bemerkte, dass Jast bei seinen Worten deshalb so aufgebracht war, weil er vermutlich selbst starke Gefühle für Talina hegte, und bat ihn, offen zu reden.
Jast erklärte, dass er bereits vor längerer Zeit alles über ihre Vorgeschichte und ihre gemeinsame Nacht erfahren habe. Er offenbarte Kenji, dass er von ihrer gemeinsamen Nacht wusste und rief ihm in Erinnerung, dass es für eine areteische Mystikerin nichts Schlimmeres gibt, als ihr Gelübde zu brechen. Jast erklärte Kenji, dass Talina den Tempel nicht nur verließ, weil sich die politischen Umstände änderten, sondern weil sie mit ihrem Gewissen kaum noch leben konnte. Sogar ihre Heilkräfte litten darunter und Talina konnte lange keine Wunder sprechen. Doch als Kenji zurückkehrte, spürte sie, dass die Göttin ihr eine zweite Chance geben würde und gemeinsam mit Kenji gelang ihr das große Wunder, welches den Ratsherrn rettete. Für Talina war dies ein Zeichen, dass die Göttin ihr verzeiht, wenn sie mit Kenji zusammenbleibt und ein ehrbares Leben führt.
Jast verstand auch überhaupt nicht, warum Kenji sie bereits damals sitzen ließ, wo es ihm doch bewusst sein sollte, dass eine areteische Mystikerin ihren Körper aus Liebe nicht jedem hingibt und dass Talina nie eine wankelmütige Frau war, die sich auf unüberlegte Handlungen einlässt. Kenji wandte erklärend ein, dass er damals fliehen musste und nicht einfach so verschwunden war. Kenji versuchte zu erklären, dass Talinas Versprechen an Hylea einem gemeinsamen Leben der beiden im Wege stand. Doch Jast konnte nicht verstehen, warum er sie damals nicht mitgenommen hatte. Kenjis eingestandene menschliche Schwäche war für Jast keine Entschuldigung, da gerade ein Questor nicht unbewusst und triebgesteuert handeln dürfe. Für ihn gibt es deshalb überhaupt keine Entschuldigung, die ausreichen könnte, um Kenjis menschliches Versagen wieder gut zu machen. Jast gab aber nicht nur Kenji allein die Schuld an allem, da bereits Pyrrhon große Fehler bei ihm gemacht habe, wenn er ihm nichts über Anstand beigebracht hätte. Er hielt Pyrrhon für einen weisen Mann, aber einen schlechten Lehrer, der Kenji anscheinend nie beigebracht habe, dass ein Questor in allen Lebenslagen Selbstlosigkeit zeigen müsse. Kenji spürte deutlich, wie auch Jast mit Talina mitlitt und es anscheinend kaum ertragen konnte, dass Kenji ohne darüber nachzudenken ihre Ehre derart beschmutz hatte.
Jast erinnerte Kenji daran, dass für viele Bauern und traditionsbewusste Perlheimer eine gemeinsam verbrachte Nacht einem Eheversprechen gleichkommt oder an manchen Orten sogar als Vollzug der Ehe gedeutet wird. Auch für Talina besaß diese Nacht eine ähnliche Bedeutung und sie fühlt sich vor den Göttern nun an Kenji gebunden. Kenji gestand betrübt, dass Talina etwas Besseres verdient hätte als einen schlechten Ruf und sogar etwas Besseres als ihn. Jast malte Kenji aus, was es für Talina bedeutet hatte. Er hatte sie damals nicht informiert und war einfach gegangen, weshalb sie sich unendlich benutzt und in ihrer Ehre und Selbstachtung missbraucht gefühlt haben musste. Sie sprach dies zwar niemals aus, doch war für Jast deutlich zu spüren, dass sie den Fehler immer nur bei sich gesucht hatte.
Bei diesen Worten hörte Kenji deutlich Jasts Wut, der sich anscheinend schon lange wünschte, der Mann an Talinas Seite zu sein. So lenkte er den Fokus des Gesprächs von der belasteten Vergangenheit zur Gegenwart, denn er wollte vorwärtsschauen, damit es Talina wieder gut ginge. Jast beruhigte sich etwas und gestand, dass er nicht nur gekommen war, um Kenji sein schändliches Verhalten ins Bewusstsein zu rücken, sondern er ihm auch einen Ausweg aus dieser für alle unerträglichen Situation anbieten könnte. Jast erklärte, dass es ein Ritual gibt, welches manchmal benutzt wird, wenn zwei Eheleute partout nicht miteinander leben können und z.B. einer der Eheleute unter dem anderen massiv zu leiden hat. Zwar ist eine derartige „Scheidung“ in Barthavion äußerst selten, weil normalerweise eine Ehe, die vor den Göttern besiegelt wurde, nicht wieder getrennt werden darf, aber dies Ritual gilt als von den Göttern anerkannt. Auch wenn einer der Eheleute z.B. einen göttlichen Auftrag erhält, dessen Bedeutung über der Erfüllung seiner Ehepflichten steht, ist es möglich, eine Trennung zu erwirken. Für das Ritual wird ein areteischer Bruder und eine Schwester, sowie zwei Zeugen aus dem familiären oder nahen Umfeld der zu trennenden Partner benötigt, vor welche das Paar treten muss und den Grund seiner Trennung erklären muss. Empfinden die Mystiker das Anliegen für die Trennung als gerechtfertigt, werden sie das Ritual durchführen und die Verbindung der Ehegatten vor den Göttern aufheben. Bei dem, was Kenji Talina angetan hat, würden die Mystiker bestimmt bereit sein, in ihrem Fall eine Trennung zu vollziehen.
Jast hatte Talina von dieser Idee noch nichts erzählt, und riet Kenji dazu, dass er Talina vorschlägt, dieses Ritual durchzuführen, damit sie endlich frei von ihm ist. Zur Durchführung des Rituals sollte sich Kenji an Odumir Asinger wenden, welcher sicher bereits wäre, ihnen zu helfen. Jast erinnerte Kenji noch einmal, dass es nun an der Zeit sei, Verantwortung zu übernehmen und sich rein auf Talinas Wohl zu konzentrieren. Er hob noch einmal die Disziplin hervor, welche Pyrrhon ihm vergaß beizubringen.
Als Kenji Jast gegenüber andeutete, dass er Talina seine Gefühle für sie endlich offenlegen sollte, erklärte Jast ihm, dass er Talina seine Gefühle nie gestanden habe, da er wusste, dass Kenji ihnen immer im Weg stehen würde und Talina sich niemals auf ihn einlassen würde, da sie sich als zu Kenji zugehörig fühlte. Dann verabschiedete er sich und bat Kenji, mit seinen nächsten Schritten nicht zu lange zu warten.
Octavias Vormittag
Octavia inspiziert das Anwesen und ermittelt, was noch alles zu tun ist, um der Villa wieder eine wohnliche Atmosphäre zu geben. Als sie auf Basin traf, sprach sie ihn auf den blutigen Stein im Atrium an, wo Deron zu Tode gekommen war. Basin erklärte sich bereit, einen Steinmetz zu benachrichtigen, um den Stein austauschen zu lassen, und erzählt bei dieser Gelegenheit Octavia von Derons Grab auf dem Friedhof.
Basin erzählte Octavia, dass Deron ein Grab hat, welches sie aufsuchen könnte, wenn sie sich von ihm verabschieden möchte. Er berichtete weiter, dass sie damals einen Fischer angeheuert hatten, um die Leiche von Deron zu bergen, da man sie im Meer entsorgen wollte. Diese wurde auf dem Friedhof anonym bestattet, in dem Bereich, wo die Überreste von unbekannten oder angespülten Toten bestattet werden. Man kann sein Grab aber an einem kleinen Gedenkstein in Form eines Efeublattes erkennen, welches in Thyrna ein Symbol für Weisheit ist. Octavia war froh zu hören, dass es ein Grab gibt, und ging auf die Heide vor dem Anwesen, um einige Blumen zu pflücken, welche sie nachmittags zum Grab bringen wollte.
Kenji besucht Talina
Kenji machte sich direkt mit einem Pferd auf den Weg und fand Talina in der Perlenschleiferei. Er bat sie für einen kleinen Augenblick vor die Tür, um mit ihr reden zu können. Sie benahm sich ihm gegenüber immer noch sehr distanziert und erklärte, dass sie sehr viel zu tun und jetzt gerade keine Zeit habe. Kenji erkannte aber sofort, dass dies eine Ausrede ist, da sie anscheinend nicht mit ihm reden möchte.
Kenji bedauert es sehr, ihr damals falsche Hoffnungen gemacht zu haben. Als Kenji ihr dann von dem Ritual erzählt, machte sie zwar keine Luftsprünge vor Freude, war aber bereit, sich seinen Vorschlag anzuhören. Nachdem sie merkte, dass Kenji Verantwortung für das übernehmen möchte, was er verbrochen hatte, gestand sie ihm, dass ihr das Ritual bekannt sei und es ihr wirklich dabei helfen könnte, mit den alten Fehlern abzuschließen. Eine alte Freundin aus dem Tempel, Schwester Hylena, würde sich bestimmt bereiterklären, dass Ritual durchzuführen. Jedoch erinnerte sie Kenji auch nochmal daran, dass sie vorerst beiden Mystiker triftige Gründe für ihre Trennung nennen müssen. Außerdem musste mindestens ein Familienmitglied oder ein enger Freund jedes Partners als Zeuge bei der Prozedur dabei sein – sowohl bei dem Vorgespräch, damit die Mystiker auch außenstehende Perspektiven aus dem nahen Umfeld der beiden hören können, als auch bei der Trennungszeremonie selbst, um die Scheidung auch zukünftig für beide bezeugen zu können. Kenji entschied sich, er Henk mitzunehmen.
Talina erklärte weiter, dass der Ritus an keinen bestimmten Ort gebunden sei und Kenji einen auswählen könnte. Dieser überlies aber Talina die Wahl und sie schlug vor, die Zeremonie in ihrem Elternhaus abzuhalten, da sie unten in ihrem Krankenhaus ein Zimmer mit einem geweihten Altar der Schutzgötter für die Gebete der Kranken eingerichtet habe. Da Kenji nichts dagegen hatte, lud sie die Questoren und die Zeugen zu ihr ein und bat Kenji darum, einen areteischen Mystiker zu organisieren, wollte jedoch nicht, dass Jast an dem Ritual beteiligt wird. Kenji schlug ihr Odumir Arsinger vor und sie war einverstanden. Auf Kenjis Nachfrage nannte Talina ihren Vater als Familienmitglied, welches am Ritual teilnehmen sollte. Er wüsste zwar noch nichts über die Geschichte, aber sie wollte ihm vorher noch alles erzählen.
Sie verabreden sich auf den Abend eine Stunde vor Sonnenuntergang. Dann entschuldigte sich Talina, als sie aus dem Keller die klagenden Laute der Verwundeten, und ging ins Haus.
Mystiker Odumir Arsinger
Kenji suchte Odumir im Monasterium auf, wurde aber zurück zum Hafen geschickt, da er dort er Kleidung für Bedürftige verteilte. Kenji fand ihn tatsächlich am Hafen, wo er sich rührend um die verarmten Fischer kümmerte und Nahrung und Kleidung verteilte, welche er gesammelt hatte. Odumir war gerade in ein seelsorgerisches Gespräch mit einer Fischersfrau vertieft, welche sich anscheinend gerade für einen guten Ratschlag bedankte. Als sie sich entfernte, trat Kenji an ihn heran.
Odumir erkannte Kenji sofort wieder und erinnerte sich an den jungen Mystiker von Pyrrhon. Um zu erfahren, wie er Kenji helfen könnte, bot er an, einige Schritt gemeinsam zu gehen. Er erwähnte, mit Pyrrhon leider nie viel Kontakt gehabt zu haben, da dieser sich als hartnäckiger Einzelgänger erwies. Jedoch hätte er sich gern häufiger mit ihm unterhalten und mehr über seine balmarische Abstammung erfahren, welche er ihm gegenüber einmal angedeutet hatte. Pyrrhon erwähnte nämlich, dass er von einem alten Geschlecht von weisen Männern, den sogenannten Druiden, abstammen würde, welche in seiner Heimat eine ähnliche Bedeutung besäßen, wie die Questoren für Barthavion, jedoch über Erblinien erwählt werden. Kenji unterbrach ihn sacht, entschuldigte sich und wies auf seine knappe Zeit hin, um dann auf sein Anliegen zurückzukommen.
Kenji beichtete Odumir von seinen Verfehlungen und erzählte ihm die ganzen Ereignisse mit Talina. Auch Odumir betrachtete nach Kenjis Geschichte die beiden als vor den Schutzgöttern verbunden und Kenji fragte ihn nach dem Ritual, von dem Jast gesprochen hatte. Odumir hatte es sogar bereits einmal durchgeführt und willigte schließlich ein, noch am selben Abend mit Schwester Hylena die Scheidung zu vollziehen.
Odumir fragte Kenji zum Abschied, ob er es ihm übelnehme, dass er damals den Orden nicht verlassen hatte wie Jast Heidiger, sondern verblieb, um weiterhin offiziell Gutes an den Menschen tun zu können. Kenji versicherte ihm, dass sein Weg für ihn genauso richtig gewesen war wie Jasts Weg für ihn richtig war. Dann entschuldigte Odumir sich, noch einiges erledigen zu müssen, und Kenji ritt zum Anwesen zurück.
Friedhofsbesuch
Octavia pflückte kurz vor Mittag auf der Heide Blumen, als sie Kenji erblickte, welcher aus der Stadt zurück zum Anwesen ritt. Sie ging auf ihn zu, erzählte ihm von Derons Grab und fragte Kenji, ob er mit ihr zusammen das Grab aufsuchen möchte. Sie ließ sich von ihm aufs Pferd helfen und sie ritten rasch gemeinsam zum Friedhof, so dass sich Octavia gut an ihm festhalten musste. Sie hielten am Rande des Letorsackers und betraten den Friedhof. Kenji führte Octavia zu der Stelle, an der die Unbekannten begraben werden, und schnell entdeckte Octavia das kleine Efeublatt. Andächtig und still blieb sie am Grab stehen und legte die Blumen nieder. Beide verharrten schweigend am Grab und gedachten des Toten. Als sie sich schließlich wieder abwendeten, sahen sie den alten Letorpriester Aedin Schattengrund an einem Grab stehe und sie beobachten.
Als sie an ihm vorbeikamen, wurden sie von ihm für seine verschrobene Art recht freundlich begrüßt. Er hätte nie erwartet, dass aus dem kleinen und schüchternen Mystiker Kenji eines Tages ein großer Held würde, der auf ganz Eboria bekannt wäre. Obwohl er die leichte Ironie in seinem Unterton nicht verstecken konnte, war dies offensichtlich aber keinesfalls bösartig gemeint, sondern entsprang eher seiner schrulligen und direkten Art. Aedin begrüßte Octavia freundlich und erinnerte sich sehr wohlwollend an ihren Vater. Er gestand ihr, dass er niemals an ihren Tod geglaubt hatte, und bedauerte sehr, dass es ihrer Mutter anders ergangen war.
Dann sprach Aedin Kenji dann auf die Einsiedelei an und war darüber informiert, dass dort Vandalismus stattgefunden hatte. Kenji berichtete von dem geschändeten Grab und betonte nochmal, dass er damals nicht über die Besetzung informiert worden war und so kein offizieller Letorssegen auf dem Grab gelegen hatte. Er wunderte sich noch immer, warum er damals eigentlich nicht zu ihm kam, nachdem Pyrrhon starb, schließlich kann nur ein Letorpriester den letzten Segen sprechen und keiner des Alethon. Kenji erklärte, dass es sein dringendes Gefühl gewesen war, dass er es selbst durchführen musste. Auch Octavia war verwundert zu hören, dass Kenji Pyrrhon ganz allein in der Nacht seines plötzlichen Todes beigesetzt hatte. Aedin bot an, einen neuen Stein zu erstellen, was allerdings einige Tage dauern würde, und ihn dann gemeinsam mit Kenji aufzustellen. Auch würde er Letors Segen über Pyrrhons Grab sprechen, was Kenji dankend annahm. Kenji sprach Aedin auf Derons Grab an und bat darum, dass auch dort ein offizieller Grabstein gesetzt würde, und Octavia schlug vor, Derons Namen auf das Efeublatt zu gravieren.
Aedin erinnerte sich an Pyrrhon, wie er einst mit Archorbar in Perlheim angereist war. Dies war noch vor dem Krieg, jedoch waren ihm die genauen Umstände unbekannt. Als Kenji ihn nach den Druiden fragte, erwähnte er, dass Pyrrhon ein gebürtiger Balmarer war und aus der Provinz Lisinien stammte. Pyrrhon hat ihm sogar einmal erzählt, dass er ursprünglich zu den Göttern seiner Heimat und nicht zu den Schutzgöttern gebetet hat und einen hohen Rang in seinem Volk besaß. Er wandte sich aber den Schutzgöttern zu, da er vorhatte, in Barthavion zu bleiben und dies nun einmal die Götter dieses Landes sind, und hatte seine Weihe zum Questor in Märkteburg erhalten. Aedin glaubte aber, dass Pyrrhon trotzdem seinem alten Glauben nie ganz abgeschworen habe. Als er damals den noch sehr jungen Pyrrhon kennenlernte, war ihm klar, dass dieser bereits viel erlebt haben musste, denn sein Blick wirkte bereits wie der eines alten, weisen Mann, obwohl er noch aussah wie ein halber Knabe. Aedin fragte sich manchmal, ob Elben vielleicht so blicken würden, aber ihm war ein direkter Kontakt noch nie vergönnt gewesen.
Aedin erwähnte noch, dass er in vielen Ansichten mit Pyrrhon gut übereinkam. Sie waren beide etwas zurückgezogene Männer, die häufig an der Dummheit der Menschen zu verzweifeln drohten. Während er jedoch stoischer damit umging, schien Pyrrhon immer so zu wirken, als fühle er sich dafür verantwortlich, irgendetwas in der Welt ändern zu müssen, aber als wüsste er auch nicht was. Daher empfand Aedin Pyrrhons Lebensweg immer als etwas inkonsequent, da er ein spirituelles Leben in der ländlichen Abgeschiedenheit gesucht hatte, es jedoch irgendwie trotzdem nie schaffte, sich aus weltlichem Geschehen herauszuhalten. Kenji erinnerte sich an ein besonders gutes Verhältnis zu Octavias Mutter, doch hatte Octavia keine Idee, worin diese Verbindung bestand. Schließlich brachen sie wieder auf, um zum Mittag wieder auf dem Anwesen zu sein.
Mittagessen mit Planungen
Zum Mittagessen wurden Henk und Adrian von Basin geweckt und trafen auf der Terrasse auf Kenji und Octavia. Zum Mittag gab es jede Menge thyrnische Spezialitäten, mit welchen die Speisekammern von Vorax gefüllt waren. Als sie gemeinsam beim Mal saßen, sprach Adarian Octavia und Kenji an, was sie denn draußen gemacht hätten, da es nicht gut sei, sich zu trennen, und sie erzählten ihm von Derons Grab und ihrem Besuch auf dem Friedhof. Als Henk sich nach dem Essen zum Rauchen erhob, nahm Kenji ihn zu einem privaten Gespräch zur Seite.
Auf der Terrasse entzündete sich Henk seine Pfeife und Kenji trug sein Anliegen vor. Er bräuchte jemanden, der vor den Göttern für ihn spräche, und da Henk ihn gut kennen würde, benötigte er ihn für die Durchführung eines Rituals. Als Henk ihn immer verwirrter anblickte, erzählte ihm Kenji von seinem schwerwiegenden Fehler in der Vergangenheit und den Konsequenzen für Talina. Dann berichtete er von der Möglichkeit, diesen Fehler soweit es ginge wiedergutzumachen und erläuterte Henk die Funktion des Rituals der Trennung. Als sein Freund versicherte Henk ihm seine Teilnahme und erfuhr, dass er nichts weiter tun musste, als die Wahrheit über Kenji zu berichten, was immer man ihn auch fragen würde, und Henk versprach, nicht zu lügen. Kenji bat Henk darum, dass Octavia von der ganzen Geschichte nichts erfahren sollte. Als Henk anmerkte, dass er diesen Ausweg des Rituals eher traurig fände, erzählte ihm Kenji von Jast und seinen Gefühlen für Talina. Sie verabredeten sich eine Stunde vor Sonnenuntergang vor der Perlenschleiferei Westwind.
Als die beiden von der Terrasse zurückkehrten, erkundete Adarian noch immer das exotische Buffet und ließ sich von Octavia die Delikatessen erklären. Kurze Zeit später kam Basin dazu und meldete Henk, dass ein Herr Wagener gekommen wäre, um mit ihm zu sprechen. Henk fragte Kenji, ob ihm das recht sei, doch dieser kannte offensichtlich keine Person dieses Namens.
Treffen mit Radbod Wagener
Als Radbod Wagener ankam, erkannten Adarian und Octavia ihn sofort als den Bordellbesitzer vom Meerweib, und Kenji kam sein Gesicht seltsam vertraut vor. Als er dann die Stimme hörte, die Henk nach der Bezahlung der Wachen fragte, verlor sein Gesicht jegliche Farbe und er erkannte, wen er vor sich hatte. Henk stellte Octavia als Besitzerin des Hauses vor und er stellte sich als ihr höflich Radbod Wagener, Leiter eines bekannten Etablissements in der Stadt vor. Octavia bedankte sich für die Bereitstellung des Wachpersonals und versprach, sich um die Bezahlung zu kümmern. Kenji hatte sich erhoben und Radbod begrüßte ihn mit den Worten „Ich freu mich“, während er ihm die Hand reichte. Kenji musterte Radbod lange und Henk entschuldigte sich bei beiden, dass er sie nicht eher vorgewarnt hatte, da sie beide ja erwähnt hatten, dass sie kein Problem mit der Vergangenheit hätten. Als Octavia merkte, dass es Kenji etwas unangenehm zu sein schien, entfernte sie sich dezent vom Tisch und überließ die Herren ihren Gesprächen.
Nachdem Kenji die Sprache wiedergefunden hatte und seine Verwunderung über den bürgerlichen Namen seines alten Bekannten kundtat, bot Henk Radbod einen Platz am Tisch an und Adarian bot ihm etwas zu essen an. Nachdem Radbod Adarian vorgestellt wurde, freute er sich sehr, nun plötzlich so viele bedeutende Persönlichkeiten zu kennen, und Kenji berichtete davon, wie Radbod oder Ratte, wie er sich damals nannte, ihm damals das Leben gerettet hatte, weil er ihn in seine Gang aufnahm. Kenji erzählte, dass er aus dem Tempel geflohen war und dann eine Weile auf der Straße gelebt hatte. Ratte gestand Kenji, dass dieser zwar nie wirklich einer von ihnen war, er Kenji aber immer gemocht hatte. Dann sprach er Kenji auf das Verschwinden von Olrig an, mit dem Kenji damals als letztes unterwegs gewesen war, und Kenji erzählte ihm vom Tod des Jungen, welcher auch der Grund war, weshalb er niemals zurückgekehrt war (vgl. auch Kenjis Charaktergeschichte). Radbod war entgegen einiger Befürchtungen Kenjis nicht verärgert wegen damals und, als er die Wahrheit erfuhr, war er sehr traurig üben den getöteten Jungen, den er aber auch leider schon immer als Tollpatsch in Erinnerung hatte.
Kenji versicherte Ratte, dass, wenn er jetzt für Henk arbeiten würde, er für die bestmöglichen Schatten tätig wäre, und Henk nickte ihm zu. Ratte verstand und Henk erzählte davon, wie seine Freunde alle in Freywall den Eid des Phex geleistet haben. Dennoch war es Henk lieber, wenn über derzeitige Aktivitäten nicht so offen gesprochen würde, um den Eid nicht allzu sehr zu belasten. Henk berichtete noch von einer Einladung in die „Grüne Rast“ und schlug vor, dort gemeinsam zu feiern und über alte Zeiten zu sprechen. Auf dem Weg zur Tür wollten die beiden dann noch interne Dinge besprechen.
Als Henk und Radbod durchs Atrium schlenderten, erzählte er, wie glücklich nun alle waren, weil jetzt endlich das Geschäft mit Gastwirt Grifo abgeschlossen wurde. Außerdem ließ Schwarzbart ausrichten, dass die Einsiedelei nun geräumt war und keine Spuren mehr vorhanden wären. Henk wollte auch wissen, ob Kaltfisch aufgenommen wurde, was Radbod bestätigte, und ob sich Grifo bei Kaltfisch auf den Knien entschuldigt hätte, doch das Treffen der beiden sollte erst am Abend stattfinden.
Henk informierte Radbod, dass seine Planung mit Vorax‘ Prostituierten nicht so liefen wie gewünscht. Da Octavia die offizielle Gesandte war, würde alles den offiziellen Weg gehen müssen, was bedeutete, dass die Gilde vermutlich für die Damen zahlen müsste, um sie auszulösen. Ein lukratives Angebot würde sie bestimmt überzeugen, für die Gilde zu arbeiten. Radbod war begeistert und freute sich auf die Aussicht über die exotischen Damen. Er sorgte sich aber darum, ob solch exklusive Damen überhaupt Abnehmer fänden bei den Matrosen und Tagelöhnern, welche im Meerweib abstiegen. Henk stimmt zu und ihm fiel das Bardenviertel in Freywall ein, wo solche Damen stets gesucht wurden. Daher wollte Henk mit der Briccone-Familie in Kontakt treten und alles Nötige regeln. In diesem Zusammenhang erzählte Henk Radbod von seiner Verlobung mit Viola Briccone, was ihm eine gute Verbindung zu den Briccones einbrachte. Radbod erinnerte sich an seinen Aufenthalt in Freywall, bei dem er den Phex-Tempel aufsuchte, um ein Vollmitglied zu werden. Dort lernte er auch Mjonflir kennen, den seltsamen Mann, welcher wie ein Halb-Zwerg wirkte, und Radbod war traurig, als Henk ihm von dessen Tod berichtete. Zum Abschied versicherte Radbod, dass er genauso auf seine Mädchen aufpassen würde, wie er damals auf seine Straßen-Jungen aufgepasst hatte. Henk dankte ihm für seine gute Arbeit und versicherte ihm, dass der Fuchs ihn damals nicht erwählt hätte, wenn er nicht eine Bestimmung in der Gilde zu erfüllen hätte.
Als Henk zum Tisch zurückkehrte, berichtete er Kenji, dass Radbod sich sehr gefreut hatte, ihn wiederzusehen. Kenji war froh zu sehen, dass es Radbod gut ging und zu Kenjis Beruhigung erklärte Henk, dass Radbod von der Gilde ausgewählt worden war, weil er ein Talent dafür hätte, sich um andere Menschen zu kümmern, was er in der Betreuung seiner Mädchen unter Beweis stellen würde. Kenji unterstrich, dass ein moralisch richtiges Verhalten leicht sei, wenn es einem gut gehen würde, aber Ratte hätte es auch damals, als es auf der Straße allen schlecht ging, nie ausgenutzt, dass er der Stärkste und der Klügste von ihnen war. Henk bestätigte, dass solche Personen genau die Schatten seien, die sich seine Gilde aussuchen würde, um mit ihnen ihre Reihen zu füllen. Kenji war deshalb auch nicht verwundert, dass Ratte seinen Weg zu den Füchsen gefunden hatte, und er hoffte, dass Henk jetzt auch ein bisschen weniger verwundert war, warum er als areteischer Mystiker teilweise relativ viel über die Schatten wusste. Henk nickte und meinte:
„Manchmal macht es mich traurig, dass ich denke, wenn das hier mal alles vorbei ist, wird über uns und das, was wir getan haben, die die wir im Verborgenen handeln, keiner singen. – Aber das ist auch in Ordnung so. Das war schon immer so.“
Henk war nur froh, dass wenigstens seine Freunde jetzt wissen, dass die Füchse in der Lage sind, für das Richtige einzustehen, auch wenn sie es manchmal vielleicht etwas anders auslegen. Darauf trank er einen und Basin kam ins Wohnzimmer. Er vermeldete, dass die Kutsche nun bereitstünde, und Octavia nahm das Testament und bat Henk, wie geplant mit in die Stadt zu kommen. Da es um Octavias Erbe ging, wollte Henk sie auch auf keinen Fall allein dorthin fahren lassen. Octavia musste aber noch wissen, wieviel Geld für die Anstellung der Wachen benötigt wird, und so kam auch die Frage auf, wie viel Erbe überhaupt zur Verfügung steht. Henk betonte, dass er auch schon einige Ausgaben hatte, seit sie hier waren. Sie erstellten eine Liste der laufenden Kosten, um in der Bank vorbereitet zu sein, und nehmen die Kutsche in die Stadt.
Der Bankbesuch
Octavia und Henk suchten den Tempel des Chorollis auf und sie wurden freundlich begrüßt. Der Bankier Humban Marag erkannte Octavia sofort und stellte sich als ihr persönlicher Bankier vor. Nachdem Octavia Henk vorgestellt hatte, bedankte sich Bankier Marag im Namen von Chorollis und aller Mitarbeiter dafür, dass sie nun dank der Helden von den unmenschlichen Steuern des Prokonsuls befreit waren und in Zukunft auf bessere Geschäfte für die inzwischen verarmte Stadt hofften. Octavia prognostizierte ihm nach Vorax Ende bessere Zeiten für Perlheim und Bankier Marag führte sie in sein Büro. Auf dem Weg war zu erkennen, dass der Tempel recht leer und kaum Kunden anwesend waren, da anscheinend kaum noch jemand genügend Geld besaß, um es anzulegen.
Bankier Marag hatte noch gute Erinnerungen an Octavias Vater, welcher mit seiner Bibliothek eine große Bereicherung für die Stadt war. Sein Onkel, ein Gelehrter hier aus Perlheim, welcher sich mit alten Sagen der Region, besonders der Bartha-Bucht beschäftigte, war häufiger in der Bibliothek zu Besuch und half Botschafter Aequus bei seinen Forschungen. Sein Name war Aureus Cortak und Octavia konnte sich noch an den verschrobenen Typ mit dem Buckel erinnern, welcher streng roch und die gruseligsten Geschichten über die Bartha-Bucht erzählen konnte. Er war inzwischen verstorben, hatte aber stets gut über Aequus gesprochen, und nachdem Octavia ihr Beileid ausgesprochen hatte, fragte Bankier Marag sie nach ihrem Anliegen.
Octavia erklärte, dass sie das Erbe ihres Vaters antreten möchte, und zeigte Bankier Marag das Testament des Aequus. Sie erbat Auskünfte über das Vermögen der Familie und, nachdem der Bankier das Testament gelesen und Octavia als Erbin anerkannt hatte, konsultierte er einige Bücher, schrieb Octavia eine größere Summe Gold auf einen Zettel, drehte diesen mit der lesbaren Seite auf den Tisch und schob ihn ihr herüber. Octavia konnte sich nun die genau Summe ihres Erbes ansehen und wurde dann gefragt, wieviel sie abheben möchte.
Nachdem der Bankier das Gold geholt hatte, kam er plötzlich mit einem Kasten zurück. Er gehörte ebenfalls zu dem Erbe und war hier von ihrem Vater für den rechtmäßigen Erben hinterlegt worden. Bankier Marag übergab Octavia die Kiste, welche sie direkt öffnete. Sie enthielt einige alte Orden und militärische Abzeichen ihres Vaters aus seiner eigenen Dienstzeit und einen goldenen Lorbeerkranz. Außerdem lag in der Kiste ein kleiner Zettel, der in der Handschrift ihres Vaters beschriftet war.
„Zur Wahrheit bringt jedwedes Ding die Zeit, die alldurchdringende.“
VII : IV : III : IX : III : VIII : I : VI : III : V
Henk fiel noch eine Notiz an der Schließfachkiste der Bank auf. Sie war von Deron am 5. Sideon 717 ThZ im Auftrag von Aequus in dem Chorollis Tempel eingelagert worden. Er erzählt Octavia davon aber noch nichts, als diese alles wieder in einem Kasten verstaute, sondern nahm nur das Gold mit. Die Verteilung der Gelder wollte Octavia klären, wenn sie mit der Kutsche zurück im Anwesen wären.
Die Rückfahrt
Auf der Rückfahrt von der Bank starrte Octavia die ganze Zeit auf den Zettel, und Henk äußerte seine Vermutung, dass es sich um eine verschlüsselte Botschaft handeln könnte. Doch Octavia wurde aus den Zahlen nicht schlau und Henk teilte ihr mit, dass die Schließkassette genau zwei Tage vor dem Attentat auf ihren Vater eingelagert worden war. Der Inhalt musste also von großem Wert sein und sie wollte später mit allen darüber reden. Henk bat Octavia, vorerst nur mit Adarian darüber zu sprechen, da er nun noch einmal in die Stadt zu müsse, um sich mit Kenji zu treffen. Als Octavia besorgt nachfragte, ob alles in Ordnung sei, versicherte ihr Henk, dass Kenji ihn lediglich um einen kleinen Gefallen gebeten hätte und sie sich keine Sorgen machen müsste. Henk versprach, mit Kenji am späteren Abend zurückzukehren, und machte sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt.
Kenjis Lösung
Mystiker Asinger und Mystikerin Hylena warteten bereits an der Perlenschleiferei, als Kenji und Henk eintrafen. Nach einer kurzen Vorstellung gingen alle nach unten zu dem kleinen Altar von Talinas improvisiertem Hospital. Talina hatte ihren Vater als Zeugen erwählt und alle vier nahmen vor den Adpeten Platz. Odumir Asinger ließ als erster Kenji den Grund seines Wunsches nach Trennung vortragen und fragte ihn:
„Nenne den Grund, warum die Götter dich von dieser Frau lösen sollten!“
„Bereits mit meiner Geburt, vielleicht vorher, wurde mir ein Weg beschieden, den ich lange gewandelt bin, ohne ihn zu kennen. Mit der Führung meines Lehrmeisters Pyrrhon von Lis wurde mir eine Aufgabe übertragen, deren Ziel ich jeden Tag versuche besser zu verstehen. Alles, was ich weiß, ist, dass es die Begleitung derer, die ich jetzt meine Freunde nenne – einer davon sitzt jetzt hier neben mir – Henk, des Weiteren Octavia und auch Adarian von Wallenrode ... wir alle sind, und das ist mir unzweifelhaft sicher seit der Reise in den Norden, sind Werkzeuge der Schutzgötter, um ein Unheil abzuwenden von Barthavion, von Eboria. Was genau unsere Aufgabe ist, nun, das liegt in den Augen der Schutzgötter. Aber wir haben Kämpfe gekämpft, und wir haben Schlachten geschlagen – wir sind bis jetzt siegreich daraus hervorgegangen und ich weiß, dass unsere Aufgaben noch nicht beendet ist, dass es alles von uns verlangen wird. Ich weiß, dass sich diese Aufgabe nicht mit dem verbinden lässt, was Talina verdient hätte, und ich weiß, dass mein Weg ein anderer ist. Da bin ich mir ganz sicher.“
Während Kenji sprach, nickte Henk immer wieder bekräftigend und schaute offen in die Runde der Anwesenden. Als Kenji geendet hatte, wurde Henk als sein Zeuge gefragt, ob er die Worte seines Freundes für aufrichtig hielt und ob er noch etwas hinzufügen möchte.
„Ich halte die Worte meines Freundes für sehr aufrichtig, absolut. Es ist wahr, was er spricht. Wir sind im Auftrag der Schutzgötter unterwegs, dessen bin ich mir so sicher wie er, denn ich kann aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen, dass ich bereits gestorben bin und die Geschichten darüber stimmen, dass ich zurückgeschickt wurde von den Schutzgöttern selbst. Und hätten wir den Questor nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt unserer Reise bei uns gehabt, der jetzt nicht nur unser Questor, sondern auch unser Freund ist, wären wir niemals so weit gekommen. Deshalb war ich schon immer überzeugt davon, dass es eine Fügung des Schicksals, also eine Fügung der Schutzgötter war, die uns an diesem Tag zusammengebracht hat. Und er war und ist ein unabdingbarer Bestandteil dieser Gemeinschaft, denn, wie wir auch erfahren konnten auf unserer Reise in den Norden, funktioniert das mögliche Bollwerk, was wir versuchen zu errichten gegen die Dämonenscharen, die uns alle bedrohen, nur, wenn unsere Gruppe zusammen ist. Andererseits verliert diese Kraft, die wir momentan dem Bund des Xul entgegensetzen, nicht mehr.“
Kenji fügte noch hinzu:
„Die Reise in den Norden hat uns in den Besitz eines Artefakts namens Drachenträne gebracht. Und wie wir inzwischen wissen, ist dieser Gegenstand an unser Blut gebunden und an unseren Anteil an dieser Gemeinschaft. Niemand von uns kann sich von der Gemeinschaft entfernen, ohne dass die Drachenträne Schaden davonträgt und sogar zerstört wird. Wir wissen noch nicht ganz genau, was wir mit dieser Drachenträne anfangen sollen, aber sie ist ganz sicher integraler Bestandteil der Lösung im Kampf gegen das Dunkel. Und das bestätigt unsere Vermutung, dass wir alle unser Leben und unser Schicksal geben müssen und an nichts anderes gebunden sein können. Das ist der Wille der Götter.“
Nachdem Kenji und sein Zeuge gehört wurden, fragte Schwester Hylena ihre ehemalige Schwester Westwind nach dem Grund für die Trennung. Talina erklärte, dass sie nicht entschuldigen könnte, was sie getan hatte, und dass sie unüberlegt mit Kenji eine körperliche Verbindung eingegangen war. Dabei war ihr vollkommen bewusst gewesen, dass sie ihr heiliges Gelübde vor der großen Mutter Hylea gebrochen und damit eine große Freveltat vollbracht hatte. Talina gestand ein, dass sie bereits damals nach der gemeinsamen Nacht die Götter um Vergebung hätte bitten müssen, sich jedoch zu sehr geschämt habe und noch darauf wartete, dass Kenji sich zu ihr bekennen würde. Doch nun wollte sie sich endlich von Kenji lösen, da ihr inzwischen bewusst war, dass er einen anderen Weg gewählt hatte und die Götter ihn als Helden auserkoren haben. Sie bat deshalb die Questoren, sie von dieser unmöglichen Verbindung mit Kenji zu trennen, damit sie beide neue Wege im Sinne der Schutzgötter beschreiten können.
Auch ihr Vater wurde befragt und bestätigte die Aufrichtigkeit der Worte seiner Tochter. Er fügte etwas aufgebracht hinzu, dass er erst vor wenigen Stunden von den Sünden seiner Tochter erfahren habe, aber nun ihr gesamtes Verhalten der letzten Jahre verstehen konnte. In diesen hatte sie schrecklich gelitten und, wenn er bereits damals erfahren hätte, was Kenji ihr angetan hat, hätte er dem „unverschämten Bengel sofort den Hintern versohlt“. Er bat deshalb die Brüder, seine Tochter von diesem „Schürzenjäger im Mystikergewand“ zu lösen, damit sie beide Frieden finden können und Kenji seiner Bestimmung nachgehen kann, denn die Götter schienen ihn wirklich auserkoren zu haben.
Die beiden areteischen Mystiker zogen sich kurz zurück, um sich zu beraten. Nach ihrer Rückkehr verkündeten sie, dass sie die Trennung durchführen werden. Sie stellten sich vor Kenji und Talina auf, deren Zeugen schräg hinter ihnen standen, und sprachen gemeinsam das große Schutzgöttergebet.
„Hört meinen Ruf, heilige Schutzgötter! Ihr göttlichen Bewahrer von Himmel und Erde! Edle Hüter Barthavions! Eure Botschaft ist das Licht! Vertreibt die Schatten und erleuchtet die finsteren Orte! Erhellt die Herzen der Verzweifelten und seid ihnen ein Licht im Dunkeln! Lasset euer Licht über uns allen erstrahlen und seid unser führender Stern! Denn euer Licht ist unser Licht, im Leben und im Tod!“
Die Brüder erhoben ihre Hände wie segnend über die beiden und sprachen gemeinsam:
„Heiliger Vater Alethon, heilige Mutter Hylea - vor Euch stehen die beiden Menschen Talina Westwind und Kenjiro Asai. Sie bitten Euch um neue Wege für sich, denn ein gemeinsamer Weg ist für sie unmöglich. Blickt in ihre Herzen und fühlt ihren Schmerz und ihre Reue. Löst das Band zwischen ihnen, damit sie ihren Weg im Sinne der Schutzgötter gehen können.“
Ein Licht ging von ihren Händen aus und hüllte die beiden zunächst gemeinsam ein. Dann teilte sich das Licht und jeder stand in einem eigenen Lichtkegel.
„Es ist vollbracht. Geht jetzt mit der Kraft des Lichtes euern eigenen Weg. Möge das Licht der Schutzgötter mit euch sein!“
Die heilige Atmosphäre wurde noch von allen andächtig in sich eingesogen und nach einer Weile verabschiedeten sich die Brüder und gingen. Talina wirkte außerordentlich erleichtert und dankte Kenji nochmal dafür, dass er ihr geholfen hatte, endlich wieder mit den Schutzgöttern ins Reine gekommen zu sein. Sie konnte nun endlich mit der Vergangenheit abschließen und Kenji hätte sogar verstanden, wenn Talina ihn nun hassen würde, doch sie gestand ihm, dass sie auch ihm nun endlich vergeben könnte. Talina bot an, dass Kenji und seine Freunde ihre Hilfe jederzeit in Anspruch nehmen könnten und sie alles tun würde, um ihre Aufgabe zu unterstützen. Kenji bedankt sich bei Talina und wünschte ihr mit ganzem Herzen alles Gute in dieser Welt. Henk stand etwas abseits und bestand darauf, dass die beiden nicht ohne eine herzliche Umarmung auseinander gehen könnten, und klopfte ihnen aufmunternd auf die Schulter. Als sich beide in den Armen liegen, klopfte es plötzlich an der Tür.
Es war Jast Heidiger, der gesehen hatte, dass die Questoren wieder gegangen waren und ihre Aufgabe erfüllt hatten. Talinas Vater hatte ihn hineingelassen und als Talina ihn sah, konnte Kenji sofort sehen, wie ihre Augen zu strahlen begannen. Ehrlicherweise musste sich Kenji eingestehen, dass Talina ihn niemals mit so erfüllten Blicken angesehen hatte, und er spürte deutlich, dass Jast diese Blicke freudig erwiderte und ihr ähnlich entgegenstrahlte. Kenji merkte eindeutig, dass sich zwischen den beiden große Gefühle abspielten und Talina mit Jast einen sehr aufrichtigen und treuen Mann bekommen würde.
Talina entschuldigte sich nun bei allen und erklärte, dass sie mit Jast nun noch etwas zu besprechen habe. Die beiden verabschieden Kenji und Henk und alle merkten, dass beide nur noch Augen füreinander hatten und es kaum erwarten konnten, die Tür hinter ihnen zu schloss. Talinas Vater war nicht mehr ärgerlich und bedankte sich beim Hinausgehen bei Kenji, dass dieser seinen Mann gestanden hatte. Kenji erwiderte:
„Ich bereue vieles in meinem Leben, aber als ich erfahren habe, wie sehr ich eurer Tochter weh getan habe, da lag das schwerer im Herzen als das meiste. Ich bin froh, dass sie jetzt eine bessere Chance hat.“
Henk holte seinen Flachmann heraus und alle stießen an, bevor sich Henk und Kenji frierend auf ihren Weg zum Anwesen machten.
Episode 10: Schicksalsboten
4.- 6. Spealis 721 ThZ
Eindringlinge müssen verscheucht werden und Kenji kümmert sich um ein sehr persönliches Problem. Die Drachenträne agiert und Augustus kehrt zurück. Ein neuer stellvertretender Prokonsul kommt an und Vorax wird nach Thyrna überführt. Eine Geschichte offenbart sich in Träumen und ein Zahlen-Rätsel wird gelöst.
| 4. Spealis |
Octavia berichtet Adarian
Nach ihrer Rückkehr aus der Stadt suchte Octavia nach Adarian und fand ihn trainierend auf der Terrasse. Sie winkte ihn hinein und berichtete dem Verschwitzten von dem Besuch bei der Bank und ihrem Erbe. Dann zeigte sie Adarian die verwirrende Nachricht ihres Vaters, welche sie bei den Orden befunden hatte, und erzählte ihm von den Umständen der Einlagerung. Adarian vermutete einen Code und verbrachte den späten Nachmittag bis zum Abendessen, durch Umstellung der Buchstaben nach einer Lösung des Rätsels zu suchen.
Gemeinsames Nachdenken
Henk und Kenji kehrten aus der Stadt zurück und trafen in dem großen Wohnzimmer, in dem bereits Essen aufgetischt wurde, auf Octavia und Adarian, welcher noch über der Botschaft aus der Bank brütete. Kenji wirkte deutlich entspannter als zuvor und auch Henk wirkte zufriedener. Octavia setzte Kenji über die Ereignisse in der Bank in Kenntnis und zeigte ihm die rätselhafte Botschaft ihres Vaters. Kenji identifizierte den Text als Zitat aus einem geliebten Buch von Octavias Vater und überlegte, ob die Zahlen vielleicht eine bestimmte Reihenfolge darstellten, in der Verse zu lesen seien. Henk war sich sicher, dass es sich um eine verschlüsselte Botschaft handeln müsste, und Kenji regte eine Verbindung der neun Zahlen zu den neun Schutzgöttern an.
Henk hatte die Idee, dass es mit den Ehrenzeichen zusammenhängen könnte, und Octavia erinnerte sich, dass der goldene Lorbeerkranz ihrem Vater persönlich bei einer Zeremonie in Thyrna vom Kaiser übergeben wurde, nachdem er für seine gute diplomatische Arbeit in Perlheim und den Erfolg seiner Bibliothek geehrt wurde und die ganze Familie sehr stolz auf ihn war. Octavia vermutete, dass die Abzeichen vielleicht einfach an Augustus gehen sollten, doch Kenji wollte nicht daran glauben, dass alles nur zufällig beieinander lag. Henk bemerkte, dass der Zettel neben den ganzen anderen Sachen fast kaum bemerkt wurde und so vielleicht von ihm abgelenkt werden sollte. Henk rief auch nochmal in Erinnerung, dass der Zettel erst zwei Tage vor dem Attentat eingelagert wurde und somit wahrscheinlich sehr wichtig ist, weil er eine Botschaft sein könnte, denn sie wussten anscheinend, dass etwas passieren würde. Octavia bestätigte ihm, dass damals deutlich zu spüren war, dass etwas bevorstand. So rätselten alle weiter, was die neun Zahlen zu bedeuten hatten.
Kenji wies darauf hin, dass der Satz „Zur Wahrheit bringt jedwedes Ding die Zeit, die alldurchdringende.“ implizierte, dass alles einmal herauskommen würde, und hoffte, dass damit die vermissten Aufzeichnungen von Octavias Vater, nach welchen sie die ganze Zeit suchten, wiedergefunden werden könnten. Octavia erinnerte sich, dass der Konflikt mit Silvius auch um die Forschungen ihres Vaters ging, und Kenji fand es sehr wahrscheinlich, dass die Zahlenkombination nur von Augustus, der das Erbe ja ursprünglich erhalten sollte, oder Octavia geknackt werden könnte. Leider war Augustus nicht anwesend und alle wollten sich jetzt darauf konzentrieren, Iustus zu helfen.
Henk erinnerte seine Freunde noch an das geplante Essen im „Zur Grünen Rast“ bei Grifo am Abend des 6. Spealis. Dann ging er mit Adarian nach draußen zu den Wachen. Octavia lief noch etwas durchs Haus, schaute sich in Augustus altem Zimmer nochmal um und legte sie sich dann schlafen. Kenji ging in den sah im Keller die Bücher durch, welche er bereits mit Iustus sortiert hatte, um jenes zu finden, dem der Spruch entnommen worden war. Doch leider schien es so, dass ausgerechnet dieses Exemplar noch nicht dabei gewesen war. Da es sehr spät war und sogar Iustus schon nicht mehr arbeitete, ging auch Kenji zu Bett und legte sich nieder.
Adarian und Henk bemerkten auf dem Hof, dass die Männer gut zurechtkamen, denn Hundemeister Gorbas hatte inzwischen das Sagen über den Trupp übernommen und wies die anderen hin und wieder zurecht. Es reichte also aus, wenn Adarian und Henk sich heute Nacht abwechseln und nur einer von ihnen bei den Männern blieb. Henk übernahm die erste Wache und Adarian, der wirklich müde aussah, legte sich schlafen.
| 5. Spealis |
Kenjis Nacht
Kenji konnte die ganze Nacht nicht gut schlafen, da er von einem unerträglichen Juckreiz geplagt wurde. Seine Genitalien brannten wie Feuer und der schwarze Punkt, den er entdeckt hatte, war nun nicht mehr allein. Darüber hinaus bemerkte er, dass sich diese magische Geschlechtskrankheit anscheinend stark stimulierend auf seine allgemeine Libido auswirkte. Seine ganzen Gedanken kreisten deshalb gerade um Sex und in seinen Träumen erlebte er immer wieder die Vereinigung mit der Sukkuba. Kenji konnte diese Gedanken tagsüber zwar mit seiner Selbstbeherrschung gut verdrängen, es fiel ihm aber allgemein schwerer als sonst, sich zu konzentrieren.
Nachtwachen
Henks Wachdienst verlief ruhig und die Wachmänner stellten sich weiterhin gut an. Er ließ Adarian etwas länger schlafen und weckte ihn dann zu seiner Wache. Adarian ging das Gelände ab und wählte seine Routen unberechenbar. Plötzlich kam vom äußersten Turm zur Stadtseite die Wache auf ihn zugelaufen und meldete, dass er eine schleichende Gestalt hinter der Mauer entdeckt hätte. Diese würde sich schon eine ganze Zeit dort herumtreiben und schien das Anwesen zu beobachten. Adarian folgte ihm auf den Turm und leuchtete in die Richtung, welche die Wache ihm genannt hatte. Er spähte in die Dunkelheit und sein Blick verharrte an einem potentiellen Busch am Rande seines Lichtkegels. Er ließ sich den Bogen geben und gab die Lampe an die Wache. Als diese das Licht wieder an die Stelle richtete, war der Busch nicht mehr da und Adarian schlug die Alarmglocke. Henk saß senkrecht im Bett und sprang sofort auf, während Octavia und Kenji das Signal nicht hörten.
Henk kam hinzu und Adarian informierte ihn darüber, dass da draußen jemand war. Die Hunde rannten auf dem Gelände herum und Adarian und Henk gingen die Türme ab, auf denen die Wachen mit Bögen in Position standen. Hundemeister Gorbas meldete, dass noch kein Hund angeschlagen hatte, und setzte seine Runde fort. Adarian wies die Wachen an, nicht sofort zu schießen, sondern die Person erst anzurufen. Nachdem die beiden Helden auch die Außenseiten der Mauern abgegangen waren und nichts zu finden war, gingen sie zurück ins Anwesen und ließen die Wachen in Alarmbereitschaft. Henk blieb auch wach und unterstütze Adarian für den Rest seiner Wache, bis sie zum Frühstück in die Villa gingen.
Frühstück mit Briefen
Octavia weckte Kenji, der noch etwas Zeit brauchte, und zum Frühstück trafen sie Henk und Adarian wieder. Als Kenji schließlich erschien, wirkte er etwas fahrig und unkonzentriert, wahrscheinlich war er einfach müde wie auch Adarian und Henk. Als Kenji von seinen vergeblichen Bemühungen am gestrigen Abend berichtete, kam Iustus hinzu. Octavia erzählte von ihrem Erbe und zeigte Iustus die Nachricht. Sie wies ihn auf ihre Überlegungen hin, dass dies ein Hinweis auf den Verbleib der Forschungsunterlagen sein könnte. Am Ende des heutigen Tages wollte Iustus seine Durchsicht der Bücher beendet haben und könnte dann mit Sicherheit sagen, ob sich die fehlenden Texte noch unter den Büchern der Bibliothek befänden. Octavia bat ihn noch darum, ihr zu melden, wenn er das Buch fände, aus dem das Zitat stammte.
Basin meldete den Helden einen Boten und führte einen Jungen hinein, welcher Octavia eine Nachricht übergab. Basin entlohnte ihn und brachte ihn zur Tür, während Octavia die Botschaft las und sie anschließend dann den anderen zeigte.
Salve Octavia,
bitte siehe mir meinen überstürzten Aufbruch nach, ich brauchte dringend Zeit, um mich zu sammeln.
Sei versichert, dass es mir gut geht und ich mich nicht der Verantwortung für mein Handeln entziehen werde. Sorge Dich darum nicht um mich! Ich möchte weder Dich noch Euren Auftrag gefährden und möchte auch nicht, dass Ihr unter meinen Fehlern aus der Vergangenheit leiden müsst.
Ich verspreche Dir, dass wir uns wiedersehen werden.
Vale!
Augustus Octavius
Henk versuchte noch, den Boten zu erwischen, und erreichte ihn bevor er das Anwesen verlies. Er erklärte auf Henks Nachfragen, dass er die Botschaft kurz zuvor von einem Mann in der Stadt erhalten hatte. Als Kenji hinzukam, erfuhren sie, dass der Mann Thyrner war und den Brief in der Nähe des Luftschiffshafens am westlichen Tor übergeben hatte. Da Kenji ihn möglichst bald sprechen wollte, drängte er darauf, ihm schnell zu folgen. Henk holte ein Pferd aus dem Stall und versuchte im Galopp, Augustus einzuholen, während Kenji die anderen holen und ihm dann mit einer Kutsche folgen sollte.
Während Kenji Octavia und Adarian von dem Plan überzeugte und unter Mitnahme von Proviant zum Aufbruch drängte, kam Basin hinzu und überbrachte einen offiziellen Brief aus Eldorn, welcher über den magischen Briefdienst des Anwesens eingegangen war, in welchem stand, dass ein Stellvertreter für Vorax bereits gefunden wäre. Dieser wäre bereit zur Anreise und würde außerdem einige Mystiker des Areteischen Ordens auf Archorbars Bitte hin mitbringen. Da ihm bekannt war, dass Iustus zu Octavias Gefolgschaft gehört, bat er darum, dass dieser den Portalstein der Residenz aktivierte, um diese schnellstmöglich nach Perlheim zu befördern. Unterzeichnete war die Nachricht mit Botschafter Aulus Furius Lentus in Eldorn.
Octavia wandte sich sofort an Iustus, welcher gerade frühstückte, und entschuldigte sich für die Störung. Sie wollte ihn nach dem Portal fragen, als Kenji Adarian nochmals erklärte, dass es jetzt darum ginge, mit der Kutsche und Henk hinter Augustus her zu reiten. Adarian musste sich entscheiden, ob er bei Octavia bleiben oder mit Kenji Henk folgen wollte.
Die Lichtkugel
In dieser Entscheidungsphase stutzt Iustus plötzlich, weil er etwas gespürt hatte, und auch Octavia bemerkte mit ihren Astralsinnen, dass sich etwas bei der Drachenträne regte. Beide bemerkten, dass sie magisch aktiv wurden, und selbst Adarian schien etwas zu spüren. Nur Kenji, welcher noch völlig im Gedanken an den schnellen Aufbruch war, blieb unbeeindruckt und wurde erst aufmerksam, als Octavia die Drachenträne herausholte und betrachtete. Alle sahen, wie eine kleine, weiße Lichtkugel aus der Drachenträne emporstieg und langsam in Richtung der nächsten Wand und scheinbar nach Süden flog. Die Kugel flog weiter und durchdrang schließlich die Wand. Alle rannten auf die Terrasse und konnten erkennen, dass die Lichtkugel immer schneller wurde und ungefähr in Richtung der Stadt flog, doch nachdem sie die Außenmauer des Anwesens durchdrang, war sie nicht mehr zu sehen und niemand konnte mehr genau sagen, wohin sie geflogen war.
Octavia fragte sich, was das gewesen sei, und Iustus kommentierte, dass es ein absolut reiner und sehr mächtiger Astralstrom war, konnte jedoch nicht sagen, was er bewirken sollte. Kenji und Adarian wollten sich sofort auf den Weg zur Kutsche machen, um Henk und dem Licht zu folgen, doch Iustus wies darauf hin, dass in Kürze der neue Prokonsul eintreffen werde und dieser sich bestimmt über die Anwesenheit der Helden freuen würde. Er konnte ihnen auch keinen Hinweis geben, wohin die Kugel geflogen sein sollte, sodass alle entschieden, im Anwesen zu bleiben.
Bevor Iustus das Portal für den Prokonsul öffnen würde, kleidete sich Octavia standesgemäß in ihre Gesandtenrobe und Adarian legte seine polierte Plattenrüstung mit Helm und Umhang an. Währenddessen bleibt Kenji am Tisch und grübelt weiter über die Lösung des Rätsels nach. Octavia holte den verzweifelten Kenji dort wieder ab, nachdem sie sich umgezogen hatte. Nachdem Adarian ebenfalls zurückkehrte, begaben sich beide zum Magierlabor, in dem Iustus schon die Öffnung des Portals vorbereitete.
Henks Suche
Henk ritt im Eiltempo zum Westtor am Luftschiffhafen, um dort mit seiner Spurensuche zu beginnen. Er horchte sich bei den Umherstehenden nach einem großen Mann um, der heute Vormittag hier gewesen sei, doch er blieb zu wage, um Erfolg zu haben. Schließlich versuchte er es am Hafen und erkundigte sich beim Hafenmeister nach dem letzten Passagierschiff, welches Perlheim verlassen hatte. Als er erfuhr, dass das Letzte noch im Hafen vor Anker lag, suchte Henk es auf und erkundigte sich am Steg beim Maat nach einem großen, blonden Mann. Als dieser eine etwas genauerer Beschreibung des Gesuchten haben wollte, beschreibt ihn Henk zunächst als jemanden, welcher aussäht wie ein Thyrner. Als der Maat fragte, wie man denn nur wie ein Thyrner aussehen könne, ohne einer zu sein, gestand Henk, dass es sich tatsächlich um einen Thyrner handelte. Der Maat schloss aus, dass ein Thyrner an Bord sei, auch nicht vermummt, wie Henk vermutete. Dann riet ihm der Maat, doch im Anwesen nach dem Thyrner zu suchen.
Der Maat erzählte Henk, dass häufig Menschen zu ihm kamen, die nach Olborg ausreisen wollten, weil es ihnen hier in Barthavion zu gefährlich würde. Erst gestern wäre eine Familie aus Loderis dabei gewesen, welche sich im Norden in Sicherheit bringen wollte. Seit der Verkündigung des Zwergenkönigs wuchs die Angst in der Bevölkerung und Olborg wäre eine sichere Alternative. Nun wollte er von Henk, welcher ja Teil der Heldengruppe war, die das ganze herausgefunden hatten, wissen, ob es wirklich schon so bedrohlich war, wie die Leute fürchteten. Henk riet ihm zu bleiben, denn sollten er und seine Freunde wirklich scheitern, wäre es egal, wo er sich aufhielte, denn die Schwarzen Jahre würden ganz Barthavion, ganz Eboria umfassen. Und Henk wäre am möglichen Ende der Zeit lieber im gemütlichen Heim als in einem Flüchtlingslager in Olborg. Er sollte in seiner Stadt bleiben und für sie kämpfen.
Dann erkundigte sich der Maat bei Henk noch nach der Zukunft der Stadt, denn wie würde es jetzt, wo Vorax abgesetzt war, weitergehen? Henk wusste es nicht und erklärte, die Thyrner würden das jetzt unter sich ausmachen, denn schließlich wäre Perlheim ja mit ihnen verbunden. Es würde wohl ein neuer Prokonsul kommen, schätzte Henk, verabschiedete sich und kehrte ohne eine Spur von Augustus zum Anwesen zurück.
Der stellvertretende Prokonsul
Iustus hatte in dem Magierlabor alles vorbereitet, als die Helden ohne Henk eintrafen. Als alle bereit waren, aktivierte er den Portalstein und öffnete ein Portal nach Eldorn. Zuerst traten ein thyrnischer Offizier gefolgt von sechs imperiale Elite-Leibgarden aus dem Portal und verneigten sich vor der Gesandten. Darauf folgte ein älterer Mann, welcher wie ein coranischer Gelehrter aussah und vermutlich ein Sklave war, und Octavia anblickte, als müsste sie ihn kennen, vielleicht aus Eldorn. Es war Erresto Galandi, der Berater und altgediente Sklave von Obloci, welcher die Gesandte und dann die Helden knapp und kurz begrüßte und dann seinen Herrn, den Legaten Lucius Larcius Obloci an kündigte, welcher daraufhin aus dem Portal trat und ebenfalls zuerst Octavia und dann die anderen mit einer kurzen Verneigung begrüßte. Der Coraner redete noch weiter und kündigte auch noch Oblocis Magus Livius Dellius und die zwei Mystiker Lucius Furius und Melchor von Bolz aus Eldorn an, welche nacheinander aus dem Portal traten.
Obloci war sehr erfreut, seine Großcousine wiederzusehen und Octavia war etwas überrascht, ihn zu sehen. Sie war aber froh, dass jemand aus ihrer Familie geschickt wurde, und hatte ein gutes Gefühl bei der Sache. Obloci erklärte, dass er dazu erwählt wurde, um Vorax vorübergehend zu vertreten. Er fügte hinzu, dass er dieses Amt nur kurz übernehmen würde, da er auch Neuigkeiten aus Valkenburg habe. Octavia lud ihn in das Wohnhaus ein, um in gemütlicherer Atmosphäre weitere Gespräche zu führen, und bestellte bei Elwene noch einen guten thyrnischen Wein zur Begrüßung. Während sich Octavia, Kenji und Obloci in die Villa zurückzogen, eilte Adarian zum Hundemeister und stellte sicher, dass die Wachen den Hunden vorgestellt wurden, ganz, wie Kenji es ihm noch auftrug.
Vom Wohnzimmer aus konnten Octavia, Kenji und Obloci zwei Wachen auf der Terrasse erkennen, als Obloci seine Neuigkeiten aus Valkenburg präsentierte. Inzwischen war die Unabhängigkeit von Perlheim zurückerlangt und Octavia vermutete, dass Perlheim anscheinend zurückgekauft wurde (vgl. Probleme mit Graltik. Obloci erklärte, dass er vor allem hier wäre, um die letzten organisatorischen Schritte durchzuführen, damit das Imperium in Perlheim seine Zelte abbricht.
Als Henk zurückkehrte und sein Pferd in den Stall brachte, beobachtete er, wie Adarian die Wachen einführte, welche sich anschließend sich über das Anwesen verteilten, alles genau inspizierten. Er meldete sich bei seinem Freund zurück und ging mit ihm hinein zu den anderen, denn Adarian hatte ihm mitgeteilt, dass Obloci angekommen war. Bevor Henk den Raum betrat, klopfte er sich den Straßenstaub von der Kleidung, und kam dann mit Adarian dazu, als Obloci gerade berichtete, dass die Hilfstruppen, welche zurzeit die Stadtwachen unterstützen, in die Provinzen zurückkehren, und er die letzten Ermittlungen gegen Vorax einleiten würde, wobei er auf die Aussagen der Ratsmitglieder angewiesen war. Kenji warf ein, dass dann die fehlenden Truppen ersetzt werden müssten, und Octavia stimmte ihm zu. Die Stadt müsse in einer Zeit des offenen Kampfes gegen die Schwarzmagier gewappnet sein, betonte Kenji. Octavia setzte Obloci darüber in Kenntnis, dass Vorax im Anwesen inhaftiert wurde, wo er auf seine Überführung nach Thyrna und auf seinen Prozess wartete. Oblocui nickt zufrieden und stellte in Aussicht, dass die Stadt auch einen gerechten Ausgleich erhalten könnte, der ihnen nach der offensichtlichen Steuerschröpfung durch Prokonsul Vorax zustand.
Octavia informierte Obloci noch über die Prostituierten, welche im Monasterium der areteischen Schwesternschaft untergebracht wurden und Vorax Sklaven waren. In ihnen vermutete Octavia einen Großteil der hinterzogenen Steuergelder. Kenji betonte, dass es gilt, eine Lösung zu finden, welche sowohl die Besitztümer klärt als auch eine menschliche Behandlung der Sklaven, die hier Unnennbares erfahren haben, bietet. Obloci stimmt dem zu und wollte umgehend ein Gespräch mit Vorax unter vier Augen führen. Er wurde mit vier Leibgardisten und ihrem Offizier von Octavia in den Keller des Anwesens geführt und, nachdem sie die Tür des Kerkers geöffnet hatte, bedankte sich Obloci bei Octavia und entließ sie mit den Worten wieder nach oben, dass er sich um alles Weitere kümmern würde.
Die Mystiker
Während Octavia Obloci in den Keller des Anwesens führte, sprachen die Mystiker mit Adarian, Henk und Kenji. Meister Melchor von Bolz berichtete ihnen, dass er von Archorbar erfahren hatte, dass Adarian Mystiker aus Perlheim angefordert hatte, und sie waren durch das offizielle Portal der Thyrner gleich mit angereist, weil Obloci, nachdem er durch Octavias Nachricht von dem Dämon bei Vorax erfuhr, bei dem Monasterium in Eldorn die Mystiker zur Hilfe gerufen hatte. Von ihm erfuhr Adarian auch, dass die Mystiker nun endlich ihr Monasterium wiedereröffnen können. Nachdem die Stadt durch Vorax Einfluss zum Imperium überlief, wurden die Mystiker plötzlich aufgrund von fadenscheinigen Gründen aus Perlheim vertrieben. Angeblich brauche man sie nicht weiter und die imperialen Truppen seien angeblich fähig sie zu ersetzen. Doch in Wahrheit hatte Vorax Angst, dass die Mystiker seine Sukkuba aufspüren und seine Manipulation der Ratsmitglieder entdecken würden. Melchor von Bolz versicherte den beiden, dass die Mystiker jetzt wieder in Perlheim wären und den Helden jederzeit zur Verfügung stünden.
Der Meister wandte sich direkt an Adarian und sprach sein Bedauern darüber aus, da dieser die Mystiker des Areteischen Ordens bereits so schnell wieder verlassen hat. Er verstand aber seinen Entschluss, sich ganz seiner Heldenfahrt zu widmen und ging davon aus, dass er den Menschen auch so gute Dienste leisten würde. Adarian gestand ihm:
„Ich glaube, so diene ich den Schutzgöttern, dem Licht auf meine ganz eigene Art. Als Mystiker hätte ich glaube ich mehr Schaden angerichtet als den Schutzgöttern wohlgefällig zu dienen.“
Meister von Bolz sprach ihm noch einmal die volle Unterstützung der Mystiker aus und wünschten ihm viel Erfolg bei deinen großen Taten. Kenji bekräftigte von Seiten der Helden das freundschaftliche Band, welches zwischen ihnen und den Mystikern besteht.
Besonders Henk und Kenji bemerkten, dass besonders der junge Lucius Furius, welcher ja bereits in Eldorn die Taten der Helden aufmerksam verfolgt hatte, anscheinend ein großer Fan von Adarian ist und besonders Henk und Adarian mit leicht schlechtem Gewissen anblickte und noch etwas auf dem Herzen zu haben schien. Lucius erklärte Adarian und Henk etwas entschuldigend, dass er sich bei seinem Vater für die beiden eingesetzt habe, als sie inhaftiert und in die Arena geschickt wurden. Adarian sollte wissen, dass sein Vater kein Unmensch ist und ihn und Henk sogar für das, was sie tun, bewundert. Jedoch entschuldigte er sich zutiefst für seine Mutter, die von ihrem Bruder Castramus aufgehetzt wurde und die eigentliche Triebkraft hinter ihrem Todesurteil war. Lucius glaubte, dass ihr nicht bewusst war, welchen Schaden sie mit ihrem Rachedurst anrichtet. Es war ihm sichtlich unangenehm und Adarian beruhigte Lucius, er könnte ja nichts dafür. Henk warf ein, dass ohne ihre Verhaftung in Eldorn Adarian kein Wunder des Tystonius erlebt hätte und die Arena wohl in den letzten hundert Jahren nicht eine solche Show zu sehen bekommen hätte.
„Wir konnten durch dieses Wunder allen die an dem Tag dort waren, zeigen, dass wir nicht nur erzählen, dass wir auf einer Queste der Schutzgötter sind, sondern dass wir es wirklich sind. Man muss es mal so sehen, alles kommt so, wie es kommen muss, mein junger Freund, und nachtragend sein ... arg, darüber sind wir längst hinaus.“
Nach Henks Worten wirkte der junge Mystiker sichtlich erleichtert, und Lucius erklärte, dass er von dem Kampf wohl noch seinen Kindern erzählen würde. Henk gab leicht verärgert zu bedenken, dass sich natürlich alle daran erinnert würden, wie Adarian das Schwert aus dem Himmel in Empfang genommen hatte, aber niemand mehr davon spräche, wie Henk selbst auf dem Kopf der Riesenechse balancierte. Es befriedigte ihn noch immer, dass das Schandboot, welches ihm umgebunden worden war, sich letztendlich sehr nützlich für sein Überleben erwies. Lucius würdigte noch einmal Henks große Leistung im Arenakampf und hoffte, dass die Helden nun keine weiteren Probleme mit seinem Onkel Castramus bekommen werden, welcher inzwischen nach Thyrna zurückgekehrt war. Henk fiel daraufhin sofort der Brief an Octavia von Elatus ein, welcher über ein Treffen von Castramus mit Aquila schrieb (vgl. Korrespondenzen#Korrespondenz mit Flavius Vitreus Elatus 2|Brief an Octavia]], und er informierte Lucius darüber, dass sie zwar wüssten, dass in Thyrna bereits hasserfüllte Personen Pläne gegen sie schmieden, sie aber zurzeit andere Sorgen als diese hätten. Kenji fügte hinzu, dass es daneben gleichzeitig in Thyrna aber mittlerweile nicht nur Bewunderern von Adarian gäbe, sondern auch von Octavia Ardera.
Nachdem Octavia aus dem Keller zurückkam und zu den anderen stieß, nutze Henk die Gelegenheit, um ihr betrübt zu berichten, dass er trotz genauen Umhörens keine Spur von Augustus in der Stadt gefunden hatte. Dann erkundigte er sich, ob sich Perlheim wirklich wieder dem Bund von Barthador anschließen würde, und wollte am Abend darauf anstoßen.
Octavia wandte sich noch an die beiden Mystiker, bevor diese aufbrachen, und bat sie, alle Räume der Residenz von den schlechten Einflüssen zu säubern, welche sich im Laufe der letzten Jahre spürbar angesammelt haben, und ein Reinigungsritual durchzuführen. Kenji bot seine Hilfe an, da er bereits in Valkenburg Erfahrungen mit Reinigungsritualen sammeln konnte, was die Mystiker gerne annahmen. Meister von Bolz versprach ihr, sich so schnell wie möglich darum zu kümmern, sobald sie wissen, welche wichtigen Unternehmungen noch im Verlauf der baldigen Neueröffnung anstehen, da dieses Ritual einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Henk machte sich Sorgen, dass sich die Verunreinigung vielleicht schädlich auf sie auswirken könnte oder möglicherweise Dämonen davon angezogen würden. Der Mystikermeister räumte ein, dass im schlimmsten Fall leichte Albträume erotischer Natur auftreten könnten, sonst aber kein Schaden zu befürchten sei. Er gab ihnen den Rat, stets standhaft und dem Licht zugewandt zu bleiben. Um dem vorzubeugen und auch die Bediensteten zu beruhigen, versprach der Meister, beim Verlassen des Gebäudes noch ein Gebet zu sprechen. Henk war dankbar und fühlte sich ganz erleichtert. Er merkte noch an, dass er sich immer, wenn die Mystiker irgendwo auftauchen würden, plötzlich entspannt fühlen würde. Dann informierte Octavia die Mystiker noch über die Aktivitäten der Ratsmitglieder in der Bibliothek und baten sie, diese besonders gründlich zu untersuchen.
Obloci kehrte mit seinen Leibwachen aus dem Keller zurück und teilte Octavia mit, dass Vorax, dessen Magus und der Centurio nun bereit waren, um nach Thyrna überführt zu werden, und Octavia war sehr erleichtert, sie bald aus dem Haus zu haben. Obloci bat die Mystiker, ihm am Nachmittag bei seinen Gesprächen mit den Ratsherren mit ihren Diensten zur Seite zu stehen, und bot dann den Helden an, bei der Überführung von Vorax nach Eldorn dabei zu sein.
Vorax Überführung
Die Helden begaben sich mit Obloci zum Magierlabor, wo sie Zeuge wurden, wie die Leibgarde die drei streng bewachten und magischen gefesselten Gefangenen im beeindruckenden Gleichschritt hineinführte, wo Iustus erneut das Portal nach Eldorn mit einem magischen Portalstein öffnete. Vorax verzog keine Miene und sprach kein Wort. Sein Magus wirkte etwas beschämt und schien inzwischen verstanden zu haben, welche Konsequenzen sein Forschungseifer ihm eingebrockt hatte. Einzig der Centurio wirkte eher gelassen und schien froh zu sein, wenn er die ganze Sache hinter sich hat – egal wie es für ihn ausging. Die Wachen führten die Gefangenen durch das Portal und entschwanden den Blicken der Helden. Als sie zurückkamen, waren sie allein und der Centurio der Leibgarde meldete Obloci, dass die Gefangenen von Aulus Furius Lentus persönlich in Empfang genommen wurden und nun sofort ihre Portalreise nach Thyrna antreten würden.
Nachdem Iustus das Portal geschlossen hatte, bat Obloci darum, nun in Vorax Arbeitszimmer gehen und seine Aufzeichnungen durchsehen zu dürfen, um irgendwo mit seiner Arbeit zu beginnen. Er hätte bereits ein Treffen mit den Ratsmitgliedern und dem Richter Walram von Salzbruck vereinbart und würde deshalb den Nachmittag in der Ratshalle auf der Burg in der Stadt verbringen. Octavia bot die Hilfe der Helden an, falls sie eine Aussage machen sollten, und Obloci bedankte sich dafür und wollte ggf. darauf zurückkommen. Er versicherte den Helden, dass sie penibel darauf achten würden, dass alle, die wissentlich an dem dämonischen Treiben teilgenommen haben, auch eine gerechte Strafe erhalten werden. Er würde seine Leibgarde als Schutz immer in seiner Nähe haben und die Mystiker würden die Aussagen der Ratsmitglieder überprüfen können. Er würde sofort einen Boten schicken lassen, falls etwas vorfällt, bei dem die Hilfe der Gesandten oder der anderen Helden von Nöten wäre, und er empfahl den Helden sich vorerst auszuruhen, da sie sich dies mit ihrer guten Arbeit bei der Sukkuba und dem Stellen von Vorax mehr als verdient hätten.
Obloci versicherte Octavia noch, dass er sich nun um alles kümmern würde, da sie damit verständlicherweise überfordert wäre, und hoffte, dass er als Gast in dem Anwesen bleiben dürfe. Als Octavia ihn herzlich als Gast einlud und an Basin und Elwene verwies, erinnerte sich Obloci, dass er vor vielen Jahren, als ihr Vater noch lebte und er mit seiner Familie nach Eldorn zog, schon einmal hier gewesen war. Er sprach Octavia sein Beileid in Bezug auf Augustus aus, da er von dessen Verbannung gehört habe und sich des großen Verlustes für die Familie der Octavier bewusst war, da sie mit diesem Urteil nun ohne Stammhalter war. Octavia bestätigte ihm, dass der uralte Name des Geschlechtes damit vermutlich aussterben würde, jedoch empfand Obloci Augustus Entscheidung als sehr mutig, vor den Senat zu treten und den durch ihn herbeigeführtem Tod von Silvius zu gestehen, um auf den Dunklen Kult aufmerksam zu machen. Er erkundigte sich auch nach Augustus Aufenthaltsort, da er ihn auch noch flüchtig von früher kennt und es bedauerte, dass so ein begabter, junger Mann so tief fallen konnte.
Dann bedankte er sich nochmal bei Octavia, überließ ihr vier Leibgardisten, um für die Sicherheit des Anwesens zu sorgen, und brach mit seinen restlichen Leibwächtern und den Mystikern auf. Kenji begleitete sie nach Perlheim.
Planungen zum Mittag
Während Adarian Henk von dem Licht berichtete, welches am Morgen die Drachenträne verlassen hatte, holte Octavia diese hervor und zeigte sie ihm, damit Henk sie sich ansehen konnte. Der Riss war bereits gut vernarbt, aber noch deutlich sichtbar, doch astral war keine große Veränderung festzustellen. Bei ihrer Betrachtung wurde Octavia bewusst, dass sich ihre Sicht der Drachenträne mittlerweile schon etwas geschult hatte, denn am Anfang konnte sie keine Magie in ihr wahrnehmen, während sie nun feinere Nuancen erkennen konnte.
Adarian und Henk kümmerte sich im Anschluss um die vier Leibwachen und wies diese am Wachhaus ein. Nachdem sie sich über die bestehende Wachmannschaft des Anwesens dezent amüsiert hatten, erklärten sie, dass sie fortan die Sicherheit der Residenz übernehmen würden und die Wachleute nicht mehr benötigt würden. Zum Glück sprach eine der Wachen balmarisch, wodurch eine gebrochene Verständigung möglich wurde. Adarian, als erfahrener Krieger erkannte sofort, dass er es mit wirklich gut ausgebildeten Männern zu tun hatte. Im Vergleich mit ihnen wirkten Vorax‘ Berstküstler-Leibwache richtig plump. Henk erkannte, dass die Wachen nicht im regulären Militärdienst standen, sondern dass es sich um Freiwillige handelte, welche eine Spezialausbildung erhalten hatten. Er empfahl ihnen auf den Hundeführer zurückzugreifen, um das Anwesen zu sichern, und zeigte ihnen dann das Wachhaus und das Gelände des Anwesens. Abschließend berichtete Henk den neuen Wachen von den Ereignissen der letzten Nacht und riet zur gesteigerten Wachsamkeit.
Kenjis Besuch in der Stadt
Kenji begleitete die Mystiker in die Stadt und entschuldigte sich dann, weil er den Hyleaschrein aufsuchen wollte. Meister von Bolz erkundigte sich noch, ob Vorax' Prostituierte, welche sich im Monasterium befanden, bereits auf die magische Krankheit untersucht worden seien, und Kenji bejahte dies. Sie verabschiedeten sich und, sobald die Mystiker außer Sicht waren, rannte Kenji eiligst zum Tempel, um nach Schwester Hylena zu suchen.
Das Monasterium war überfüllt von Vorax' Sklaven, welche von den Mystikerinnen versorgt wurden. Als Schwester Hylena den Erzquestor erblickte, ging sie auf Kenji zu und erkannte sofort, dass er in Sorge zu ihr kam. Sie bat ihn in ihr schlichtes Gemach, denn sämtliche Kammer waren zurzeit belegt. Kenji berichtete auf Hylenas Bitte von seinen Sorgen und er begann mit dem Sieg über Vorax. Hylena informierte ihn, dass sich zum Glück nur wenige Prostituierte bei der Sukkuba infiziert haben, dass aber bei den Ratsmitgliedern vier Fälle aufgetreten waren, die Krankheit aber mittlerweile eingedämmt ist. Sie berichtete weiter, dass der Ratsherr, welchen Kenji mit Talina behandelt hatte, auf dem Weg der Besserung sei, doch sie sorgte sich noch um seinen mentalen Zustand, ob er noch in der Lage sein würde, die Ratsgeschäfte zu führen. Kenji gab beschämt zu, ebenfalls von der Krankheit der Sukkuba betroffen zu sein.
Schwester Hylena gab ihm mitfühlend zu bedenken, dass niemand tugendhaft wie die Schutzgötter sei, und die Dämonen verständen es, mit den Menschen zu spielen. Die Sukkuba hätte alles versucht, um die Helden daran zu hindern, Vorax zu enttarnen und aufzuhalten. Kenji betonte, sich nicht entschuldigen zu wollen, aber die Sukkuba erkennt die Schwächen des Geistes so einfach wie Menschen einen Sommer. Kenji gestand, dass seine Schwäche die Thyrnerin Octavia ist, wie Hylena in dem Ritual mit Talina bereits erfahren hatte, und erzählte ihr dann, dass die Sukkuba ihm genau in dieser Gestalt erschienen war. Die Dämonin wusste, was Kenji sich ganz tief in seinem Inneren wünschte, und der Mensch im Bruder wurde verführt und Kenji empfand so, als trüge jetzt eine Schuld mit sich herum. Die Schuld, welcher Kenji gegenüber Octavia hatte, wollte er mit sich selbst ausmachen, aber bei dem, was die Sukkuba ihm antat, bat er Schwester Hylena um Hilfe.
Dann bat sie Kenji, sich hinzulegen, betete das „Gebet der großen Mutter“ und begann zu Singen. Kenji spürte, wie er bei ihrem Gesang von einer Kraft durchflutet wurde, welche durch jede Pore seines Körpers in ihn einströmte. Es fühlte sich ähnlich an, wie bei der Heilung, welche er mit Talina durchgeführt hatte, doch dieses Mal war es noch intensiver. Kenji erlebte befreiende Tränen und seine Gedanken schalteten sich komplett aus, die Kraftwoge wischte alles andere hinweg und er schwelgte eine gefühlte halbe Ewigkeit in dieser Energie. Als das Licht sich langsam zurückzog, fühlte Kenji, dass das Brennen im Schritt mit dem Licht vergangen war. Er spürte deutlich, geheilt zu sein, und vertraute seinem Gefühl so sehr, dass er nicht sofort nachschauen musste, um sicher zu sein. Kenji bedankte sich bei Schwester Hylena für ihre Hilfe, welche ihn mit Hyleas Segen verabschiedete und ihm empfahl, sich ein wenig auszuruhen. Kenji bot noch seine Hilfe an, wenn sie einmal gebraucht würde, und verließ den Tempel. Er stellte erstaunt fest, dass er lediglich eine Stunde bei Schwester Hylena gewesen war, und kehrte zum Anwesen zurück.
Am Nachmittag
Nachdem Adarian und Henk die vier Leibgardisten eingewiesen hatten, begab sich Adarian am Nachmittag barfuß auf die Terrasse und begann mit dem Blick über die Weite der Bartha-Bucht zu meditieren. Langsam kam er zur Ruhe, als sich Henk in einiger Entfernung ebenfalls in die Sonne der Terrasse setzte, es sich gemütlich machte und zu rauchen und zu trinken begann. Sein leises, genussvolles Schlürfen und sein langsames Saugen an der Pfeife erreichten Adarian in seinem versunkenen Zustand und er registrierte bewusst Henks Anwesenheit. Nachdem er nicht wieder in die tiefe Meditation zurückfand, gesellte Adarian sich zu Henk und gemeinsam genossenen sie den Nachmittag in der wärmenden Sonne.
Iustus war seit der Öffnung des Portals für Vorax im Keller und verbrachte den Nachmittag damit, die Bücher zu sortieren. Octavia half ihm dabei und auch Kenji kam am späten Nachmittag dazu und schloss sich den beiden beim Sichten und Ordnen der Bücher an. Einige Kisten vom großen Stapel wurden abgearbeitet und die Zeit verging wie im Flug, so dass Octavia leicht erschrak, als Elwene den dreien offenbarte, dass es schon recht spät sei und sie das Abendessen serviert hatte. Octavia war sehr dankbar für die Unterbrechung, doch Iustus schien noch nicht bereit zu sein, seine Arbeit zu unterbrechen. Octavia schlug ihm vor, dass sein Essen hier hinab gebracht werden könnte, worauf sich Iustus dann einließ, obwohl er über die Unterbrechung fast schon leicht verärgert wirkte. Kenji und Octavia gingen dann gemeinsam nach oben zum Abendessen.
Auf dem Weg sprach Kenji Octavia noch einmal auf die Verschlüsselung ihres Vaters aus der Bank an, und berichtete ihr, dass all seine Bemühungen, ihn zu verstehen, umsonst gewesen waren, und er jetzt lediglich einige Codes ausschließen konnte. Octavia gab zu bedenken, dass wohlmöglich nur ihr Bruder ihnen einen Hinweis geben konnte. Als die beiden im Esszimmer ankamen, blieb das auf der Terrasse nicht unbemerkt und Henk kam mit Adarian langsam auch an den Tisch. Octavia fragte sich gerade sorgenvoll, wo Augustus hingegangen war, denn obwohl er hier in der Gegend natürlich viele Menschen kannte, so hassten ihn doch die allermeisten von ihnen. Kenji stellte die Überlegung an, dass Augustus eventuell mit einem Luftschiff zu Abraxa aufgebrochen sein könnte, doch Octavia fand das eher unwahrscheinlich, genauso wie eine Rückkehr nach Thyrna unglaubwürdig schien. Als Kenji und Octavia ratlos und besorgt beisammensaßen, mischte sich Henk ein und erklärte ihnen, dass er Augustus so verstanden hatte, dass er auf alle Fälle zurückkehren wird. Kenji wollte eine Idee davon bekommen, was Augustus jetzt zu tun gedachte, und Henk meinte, er wolle in sich gehen und er Ort dafür wäre allein seine Sache. Die beiden müssten es einfach akzeptieren und versuchen, das Rätsel ohne ihn zu lösen. Adarian mischte sich in das Gespräch gar nicht ein und langte sofort ordentlich zu.
Abendessen mit Obloci
Als sich die Helden mit dem Essen begonnen hatten, geleitete Basin den stellvertretenden Prokonsul Obloci mit dessen Magus und Centurio in das Esszimmer. Nach einer kurzen Begrüßung entschuldigte sich Kenji höflich bei Obloci, dass sie bereits mit dem Mahl begonnen hatten. Die Gäste setzten sich und Obloci berichtete, dass die Arbeit mit den Stadträten gut verlaufen würde. Die Mehrzahl von ihnen hätten ihre Mitschuld an Vorax dämonischen Treiben eingestanden und wären auch bereit, sich ihrer Schuld zu stellen, was sie zu wertvollen Zeugen in Vorax‘ Prozess in Thyrna macht. Kenji gab zu bedenken, dass die Geständigen Ratsmitglieder durch ihr Aussage wohlmöglich auch auf eine Straferleichterung hofften, und Obloci räumte dies auch ein, verwies aber auch darauf, dass der Prozess dadurch mit Sicherheit enorm beschleunigt würde, was Kenji sehr erfreulich fand. Obloci berichtete weiter, dass die Stadt sich außerdem auf einem guten Weg befände und bereits dabei wäre, neue Ratsmitglieder zu ernennen und eine neue Regierung zu bilden. Obloci ging davon aus, dass die Stadt sich in Zukunft sicher wieder in der Lage wäre, sich selbstständig zu verwalten, was Octavia begrüßte. Obloci persönlich bedauerte den Ausstieg aus dem Imperium, doch er respektierte Perlheims Entscheidung und hoffte, dass die Stadt das Thyrnische Imperium in Zukunft trotzdem als Verbündeten betrachten wird. Kenji machte ihm Mut, denn er glaubte daran, dass, wenn sich die Perlheimer erst einmal eine Weile von Vorax erholt hätten, sie sich auch wieder an die guten Dinge erinnern würden, welche Thyrna ihnen gebracht hatte, und auch Octavia hatte die Hoffnung, dass dann die alten Beziehungen wieder gepflegt würden.
Henk wollte die Situation lieber von einer anderen Seite betrachten und schlug deshalb vor, darauf anzustoßen, dass der Bund von Barthador ein neues, altes Mitglied wieder zurück in seinen Reihen begrüßen darf. Octavia wollte lieber darauf anstoßen, dass einem gierigen Prokonsul das Handwerk gelegt wurde. Kenji hebt wie die anderen sein Glas und Adarian formuliert den Trinkspruch:
„Auf eine goldene Zukunft und eine gute Zusammenarbeit mit dem thyrnischen Weltreich.“
Die anderen ergänzen
„Als Verbündete!“
und alle stoßen an.
Nach dem Essen fiel schnell auf, dass Obloci nach dem anstrengenden Tag sehr erschöpft war, und so war niemand verwundert, als er sich früh mit dem Verweis entschuldigte, dass morgen viel zu tun sei. Kenji wies ihn darauf hin, dass die Villa noch nicht vollständig bereinigt sei und es daher zu Albträumen in der Nacht kommen könnte, und Obloci erwähnte dankbar, dass die Mystiker morgen bestimmt Zeit für das Anwesen finden würden, wenn am Vormittag die Gespräche wie geplant verliefen. Sie hätten Obloci bereits darauf angesprochen und er wollte sich bemühen, die Ordensbrüder nur so kurz wie möglich in Beschlag zu nehmen. Obloci wünschte allen eine geruhsame Nacht und zog sich zurück.
Henk erkundigte sich bei Kenji, ob dieser denn in der Nacht einen Albtraum gehabt hätte, da er schon den ganzen Tag so aussah, on würde er neben sich stehen. Er hätte heute vieles nicht verstanden und Kenji gab zu, tatsächlich Albträume gehabt zu haben. Er war aber guter Dinge, dass es diese Nacht besser würde, und Henk wollte noch wissen, welcher Art seine Albträume gewesen wären, erotische oder grausamen? Kenji wich ihm mit der Begründung aus, dass es schließlich keine Rolle spielen würde und von ihnen auch keine Gefahr ausginge.
Bericht von Iustus
Den Rest des Abends saßen die Helden gemeinsam beisammen und sannen noch etwas über die Bedeutung der Verschlüsselten Nachricht nach, während sie sich sanft vom Wein inspirieren ließen. Später am Abend kam Iustus dann aus dem Keller dazu und war erfreut, noch alle beisammen anzutreffen. Er berichtete, dass er die Bücher im Keller nun alle so weit durchgesehen hatte, aber keinerlei Hinweise darüber finden konnte, woran Octavias Eltern geforscht hatten. Zwar gab es unzählige Berichte, die sich um die Erforschung der Plage rankten, aber ein Beweis, dass diese von jemanden aus dem eigenen Volk ausgelöst wurde, war nicht auffindbar. Kenji fand, dass dies den Schluss naheläge, dass die Beweise im Vorfeld des Attentats versteckt wurden, doch Iustus wies darauf hin, dass es auch möglich wäre, dass Silvius Insidiae diese Unterlagen bereits vernichtet hat. Kenji stimmt ihm zu und befand deshalb, dass es am wichtigsten wäre, das Rätsel aus der Bank zu lösen, denn auch Octavia ging davon aus, dass das Papier der Schlüssel zu allem war. Da Kenji nur wenig über Geheimsprachen wusste, fragte er Henk, ob dieser nicht noch eine Idee hätte oder seine Leute vielleicht weiterhelfen könnten? Henk wollte wissen, ob Kenji die Händler meinen würde, mit denen sie zusammenarbeiten, und bestätigte dann, dass sie schonmal mit Experten zusammengearbeitet hätten. Da Henk selbst kein Spezialist im Dechiffrieren war, schrieb er seinem Freund Mestoph, welcher sich gut mit Verschlüsselungen auskennt, einen Brief, in welchem er ihn um Hilfe bei der Lösung des Rätsels bat.
Iustus hatte das Buch, aus welchem das Zitat des Rätsels stammt, im Keller gefunden und mitgebracht, so dass Kenji und Octavia es nach dem Kapitel durchforsten konnten, aus welchem der Spruch entnommen wurde. Iustus wollte die ganze Problematik erst einmal überschlafen, denn er hatte die Erfahrung gemacht, dass sich manchmal Erkenntnisse im Schlaf ergeben. Da sie auch Morgen einen langen Tag vor sich hätte, wollte er sich zurückziehen und entschuldigte sich. Kenji verabschiedete Iustus mit den Worten, dass man in Barthavion vor dem Schlafengehen zu Lysara beten würde und die Göttin auch ihm schon einmal ein Gesicht schenkte.
Langsam spürten auch die Helden die Müdigkeit und alle begaben sich in ihre Betten. Adarian und Henk blieben im Essraum und lagerten dort mit Ausblick auf die Terrasse. Auf dem Flur sprach Kenji noch Octavia an und bat sie darum, sich trotz der Elitewachen auf dem Grundstück heute Nacht einzuschließen. In der letzten Nacht hatte Kenji Albträume gehabt und war daher etwas beunruhigt. Er hielt es auch für sicherer, wenn er diese Nacht in Augustus altem Zimmer gegenüber von Octavias Schlafgemach verbringen würde.
| 6. Spealis |
Austausch über nächtliche Träume Henk wurde durch das leise Decken des Frühstückstisches wach und ging sofort auf die Terrasse, um auf das Wasser zu starren. Als Adarian mit dem Ausruf „Wasser!“ erwachte, war er etwas verwirrt und ging hinaus zu Henk, von seinem kleinen Hund begleitet. Während Henk den Hund hinter dem Ohr krault, erzählt er Adarian, dass er völlig fertig von einem Traum in der Nacht sei und sich fühlen würde, als hätte er jemanden verloren, den er liebte. Henk hatte feuchte Augen und bemerkte, dass auch Adarian ganz rote, geschwollene Augen hatte. Als Henk ihn nach Albträumen in der Nacht fragte, erzähle Adarian er hätte geträumt, dass alle sterben würden. Dann berichtete er Henk von seinem Traum in der Nacht.
Adarian hatte von einem bleiche Elben mit einer Narbe in schwarzer Rüstung geträumt, und, als dieser seine Waffe hob, erhob sich aus dem Wasser eine Wasserwand, die auf Adarian zukam. Er stand im Traum auf einer Klippe und Adarian war überzeugt davon, dass es derselbe Ort war, wo jetzt das Anwesen steht. Henk bemerkte, dass er etwas ähnliches geträumt hatte, ebenfalls von einem monströsen Sturm über dem Wasser mit zuckenden Blitzen, der ihn verfolgt hat. Er hatte mit letzter Kraft das Festland erreicht, wo er dann die todtraurige Vishmiel traf und beide sich traurig und verzweifelt in den Armen hielten. Henk erinnerte Adarian an Uselias' Gefährtin, den weißen Drachen Vishmiel, deren Geist ihnen bei Axunatra Ithiel im hohen Norden erschienen war, und gestand ihm dann, dass ihn dieser Traum immer noch völlig fertig machte.
Während Adarian und Henk draußen sprachen, wachten drinnen Octavia und Kenji auf, machten sich bereit und kamen auf die Terrasse zu den anderen, welche dort in Unterwäsche aufs Meer blickend an der Brüstung standen und ziemlich deprimiert aussahen. Octavia stellte sich wortlos daneben und blickte stumm aufs Meer. Henk offenbarte ihnen, dass er und Adarian beide sehr üble Dinge und von dem Meer geträumt hatten. Kenji war überrascht, dass beide auch einen Traum hatten, und auch Octavia hatte in der Nacht schlecht geträumt. Während Henk weiterhin auf das Meer starrte, erzählte er ihnen, dass das Meer gekommen wäre und auch Vishmiel dagewesen sei. Bei der Erwähnung des Namens rufen Octavia und Kenji gleichzeitig „Vishmiel?“ aus und Kenji erwähnte, dass er ebenfalls von ihr geträumt hatte. Henk erzählte von dem tobenden Sturm, und Kenji war fasziniert von der Erkenntnis, dass die Drachenträne ihnen anscheinend einen Traum geschickt hatte.
Nun erzählte Octavia von ihrem Traum, von einer wunderschönen Stadt mit Bäumen, die in Blüten standen. Sie ist über ihnen geflogen und hat auf den Straßen entfernt edle Gestalten gesehen, welche vor etwas auf der Flucht waren. Sie hörte ihre Hilferufe und als sie sich umblickte, sah sie eine gigantische Flutwelle, welche auf die Stadt zuraste und Tausende in ihren Fluten ertränkte (vgl.Octavias Traum). Als Octavia davon erzählte, forderte Henk Adarian auf, von seinem Traum zu berichten, und er schilderte noch einmal seinen Traum von der Beschwörung der Flutwelle durch den düsteren Elben, welcher ihn am Ende auslachte und weitere Stimmen in das hämische Gelächter mit einstimmten (vgl. Adarians Traum). Henk wollte jetzt von Kenji wissen, ob dieser auch von einer riesigen Welle oder einem Sturm geträumt hätte, und auch Octavia wollte jetzt wissen, was er gesehen hatte.
Alle waren erleichtert, als Kenji Henks Frage verneinte, aber er machte alle darauf aufmerksam, dass sie gemeinsam einen Traum geträumt haben, alle eine Vision desselben Ortes mit denselben Personen hatten, denn Vishmiel und der Elb mit der Narbe waren ihm auch erschienen. Doch Kenji ging davon aus, dass er etwas träumte, was direkt davor passierte, und nun war es wichtig, die vier Teile dieser Geschichte in die richtige Reihenfolge zu bringen. Octavia betonte nochmal, dass sie alles aus einer anderen Perspektive gesehen hatte, denn sie flog und war in der Luft, und Henk bestätigte diese Erfahrung und vermutete, dass er das Ende gesehen hatte. Er erzählte Octavia und Kenji, wie er mit letzter Kraft das Festland erreichte und trauernd in den Armen Vishmiels lag (vgl. Henks Traum). Alles ergab also eine komplette Geschichte, und Kenji glaubte, dass es bei ihm begann.
In Kenjis Traum sah er Vishmiel vor sich in ihrer menschlichen Gestalt, wie sie ihn anschaute, und seitlich stand der gleiche Elb mit der Narbe, von dem Adarian berichtete, doch seine Rüstung war nicht schwarz, sondern golden. Er schien ein großer Anführer zu sein, hatte blaue Augen wie das Meer und Kenji reichte ihm die Hand, denn sie hatten irgendetwas beschlossen oder entschieden (vgl. auch Kenjis Traum). Adarian erwähnte, dass der Elb in seinem Traum dagegen tiefschwarze Augen hatte, und als er seine Waffe gen Himmel streckte, hob sich auch die Flutwelle empor. Kenji schlussfolgerte, dass der Elb aufgrund seiner Veränderungen der Augen- und Rüstungsfarbe von blau in tiefschwarz der Verräter gewesen war, und fragte sich, ob es der Einfluss der Dämonen gewesen war.
Octavia überlegte, ob die Träume vielleicht Auswirkungen des Hauses sein könnten, welches bisher noch nicht wieder neu geweiht worden ist, doch Henk entgegnete, dass dann nicht alle etwas Zusammenhängendes geträumt hätten. Ihm gefiel die ganze Sache nicht und Henk ging davon aus, dass die Träume eine Warnung sein sollten. Alle waren sich einig, dass sie in der Vision Uselias gewesen waren, denn sie hatten anscheinend durch seine Augen geschaut, denn Vishmiel war seine Gefährtin, mit der er reiste und auch im Norden gewesen war. Während alle aufs Meer hinaus starren und ihre Blicke nicht von den brausenden Wellen abwandten, warf Kenji die Frage auf, wer dann der Elb aus den Träumen war, wohingegen sich Henk fragte, warum er ihnen gerade jetzt diese Visionen vom Meer schickte.
Die Geschichte, welche Uselias ihnen durch ihre Träume erzählte hatte, musste sich vor den Ereignissen im Norden abgespielt haben, doch der Elb war niemand, der ihnen schon einmal begegnet ist. Während noch alle auf Meer starrend darüber grübelten, erinnerte sich Henk plötzlich daran, dass Archorbar ihnen von einem alten Feldherrn der Elben erzählt hatte (vgl. Episode 20.01), und allen wurde langsam der Zusammenhang der Träume klar. In diesem Moment trat jemand von hinten an sie heran und räusperte sich verlegen.
Oblocis Anliegen
Als die Helden sich umwandten, erblickten sie Octavias Großcousin Obloci, welcher höflich eine Lücke in ihrem Gespräch abgewartet hatte und nun Octavia um ein Gespräch bat. Die beiden gingen etwas abseits und überließen die anderen weiterhin ihrem beobachtenden Meerblick.
Obloci wollte, bevor er in die Stadt zu seinen Gesprächen mit dem neuen Stadtrat aufbrach, gerne von Octavia wissen, was sie nun mit dem Anwesen zu tun gedenke und ob sie Perlheim darum bitten möchte, dass sie weiterhin als Gast hierbleibt, wenn die Stadt ihre Unabhängigkeit zurückgewinnt. Octavia gestand ihm, dass sie noch gar nicht die Zeit gefunden hatte, darüber nachzudenken, aber wie es aussähe, werde sie nicht hierbleiben und sich um das Anwesen kümmern können, da ihre Aufgabe sie vermutlich bald wieder fortführen würde.
Da offenbarte Obloci ihr bescheiden, dass er sich vorstellen könnte, sich in Perlheim um das Amt eines Botschafters zu bewerben. Natürlich nur, wenn die Stadt nach den Erfahrungen mit Vorax noch bereit wäre einen thyrnischen Würdenträger zu dulden, wofür Octavia den Perlheimern noch etwas Zeit geben würde. Obloci würde gerne die Arbeit ihres Vaters fortführen und die Bibliothek wiedereröffnen, damit die guten Beziehungen von Octavias Vaters zu den Einheimischen erneut geknüpft werden könnten, welche ja in den letzten Jahren durch die Kriegstreiberei ihres Onkels Insidiae sehr gelitten hätten. Octavia fand die Idee sehr gut und sie wäre ihm sehr dankbar, wenn er die Aufgaben ihres Vaters hier übernehmen würde, denn der Wiederaufbau der Bibliothek wäre ganz in ihrem Sinne. Obloci hatte also Octavias Einverständnis, dem Rat die Pläne für die weitere Nutzung der Villa des Aequus in ihrem Namen vorzustellen.
Octavia freute sich sehr darüber, wenn Obloci das Anwesen weiterhin nutzen dürfte und sie eines Tages nach ihrer Rückkehr eine belebte Bibliothek vorfände und Leute aus ganz Barthavion hier ein und ausgehen würden. Obloci versicherte Octavia, dass er alles tun würde, um dem Wirken ihres Vaters gerecht zu werden, da er diesen und seine Arbeit bereits lange bewunderte. Für ihn wäre es deshalb eine Ehre, diesen Posten zu übernehmen. Obloci verabschiedete sich wieder, um zum Ratssaal in die Stadt zurückzukehren, und Adarian wollte ihn gerne begleiten. Da er aber noch in seiner Unterhose dastand und Obloci es wirklich eilig hatte, ging dieser allein und Adarian machte erstmal etwas zu essen für sich und die anderen.
Währenddessen versuchte Kenji Henk, welcher weiterhin beunruhigt auf das Meer starrte, damit zu beruhigen, dass er ihm immer wieder sagte, dass es nur ein Traum gewesen sei und keine Warnung, und dass die Drachenträne ihnen nur helfen wolle. Adarian kam wieder heraus und brachte Henk etwas zu essen, welcher es dankbar annahm und aufs Meer hinausstarrend aß. Kenji fand es gut, dass die Drachenträne nun mit ihnen sprach, doch Henk war noch ganz verwirrt, weil ihm erzählt wurde, dass gestern ein Licht davon weggeflogen sei. Doch dieses Rätsel vermochte Kenji auch noch nicht zu entschlüsseln, er war sich jedoch sicher, dass es mit der Zeit gelöst würde, denn die Drachenträne schien ihm stärker zu werden. Kenji vermutete, dass sie vielleicht beim Kampf gegen Enbi Lulu'Gugal irgendwie geweckt worden sein könnten, und überlegte, ob Iustus sich das Artefakt nicht vielleicht noch einmal genauer anschauen sollte. Adarian plante, die Mystiker des Areteischen Ordens aufzusuchen, denn Archorbar sollte auch von den Träumen erfahren.
Augustus und Jast
Während Adarian sich zum Aufbruch bereitmachte, Octavia aufs Meer schaute und Kenji Iustus aufsuchen wollte, kam Hausverwalter Basin herein und kündigte einen unerwarteten Besuch an. Alle starrten gespannt zum Eingang und Augustus kehrte in der Begleitung von Jast zurück. Er wirkte irgendwie erleichtert und machte einen besonnenen Eindruck. Jast wirkte nachdenklich, jedoch war von seiner Antipathie gegenüber Augustus nichts mehr zu spüren. Die beiden schienen inzwischen ein anderes, sichtbar besseres Verhältnis zueinander zu besitzen.
Augustus umarmte Octavia und teilte ihr mit, dass alles in Ordnung ist. Er entschuldigte sich nochmal für seinen überstürzten Aufbruch. Als er erfuhr, dass Octavia sich Sorgen gemacht hatte, erklärte er ihr, dass er sich erstmal zurückziehen musste, um zu überlegen, wie er seine Schuld gegenüber der Stadt eingestehen und sich den ganzen Menschen, denen er geschadet hat, stellen könne. Um damit abzuschließen, musste er irgendetwas tun. Augustus wollte die Verantwortung übernehmen und gestand seinen Opfern zu, dass sie eine Chance auf Gerechtigkeit erhalten, um mit den traumatisierenden Erfahrungen abzuschließen zu können, die er ihnen angetan hat, und dass es ihnen helfen würde, wenn sie endlich dem Schuldigen gegenübertreten könnten.
Er erklärte, dass er weder Octavia noch den Auftrag der Helden gefährden wollte und nicht möchte, dass sie unter seinen Fehlern aus der Vergangenheit leiden müssen. Aber er konnte auch nicht einfach all das Leid ignorieren, welches er verursacht hatte, und mit Octavia durch die Gegend zu reisen, als hätte er die ganzen Verbrechen nie begangen. Augustus fragte sich auch, warum der thyrnische Kaiser ihn am Leben gelassen hatte, obwohl er ihn genauso gut zum Tode hätte verurteilen können, was er aber nicht tat. Vielleicht hatte Augustus nur deshalb überlebt, um nach Barthavion zu kommen und endlich für seine Schuld einzustehen. Augustus sah darin seinen Weg der Reue. Daran hatte ihn auch Jast erinnert, der ihm deutlich gemacht hatte, dass er vielleicht nur deshalb überlebt hat und nach Barthavion zurückgekehrt ist, damit er sich seinen Verbrechen endlich stellte. Deshalb hatte Augustus auch das Gespräch mit Jast Heidiger gesucht und wollte sich damit dem Urteil eines Questors stellen, der ihn im Namen der Götter dieses Landes dabei helfen sollte, seinen Weg der Reue zu beschreiten und sich seinen Opfern zu stellen. Aus diesem Grund hatte Augustus ihm auch die volle Wahrheit über seine Untaten gestanden und Jast wusste nun sowohl über Principus Mortis als auch über all die schrecklichen Dinge, die Augustus in Lüderitz getan hatte, Bescheid und ihm wurde die Entscheidung überlassen, über Augustus zu richten.
Jast trat einen Schritt nach vorne und erklärte, dass er den Schritt von Augustus sehr begrüßt hat und froh war, dass dieser so mutig war, sich seinen Taten zu stellen. Da er in den letzten Jahren viele Menschen betreut hat, die unter den Nachwirkungen von Principus Mortis Taten gelitten haben und viele Trauernde erlebt hat, die hier in Perlheim zu den Familien der hingerichteten Ratsmitglieder gehörten, musste er nicht lange überlegen, wie er verfahren sollte. Nachdem er das volle Geständnis gehört hatte, wollte Jast umgehend einen Brief nach Valkenburg zu dem großen Monasterium des Areteischen Ordens versenden. Er wollte dort einen großen, alle freien Städte von Barthavion umspannenden Prozess in die Wege leiten, bei welchem Augustus für seine Kriegsverbrechen als Principus Mortis angeklagt würde und bei welchem allen Opfern in Barthavion, die unter ihm gelitten haben, die Chance auf Gerechtigkeit geboten würde. Jast hatte Augustus erklärt, dass dies vermutlich der einzige ehrliche Weg wäre, um die volle Verantwortung für seine Verbrechen zu übernehmen und dass er sich bewusst sein sollte, dass er selbstverständlich nur eine Hinrichtung zu erwarten hätte. Augustus schien sehr gefasst bei diesen Aussichten, obwohl Jast merkte, dass dieser kein Bedürfnis nach dem Tod verspürt, da er anscheinend alles tun würde, um seine Schwester zu beschützen und zu begleiten. Augustus stimmte den Antrag an den Tempel in Valkenburg jedoch zu und war bereit alle Konsequenzen zu tragen.
Jedoch kam dann alles anders, als Jast es sich gedacht hatte. Nachdem sie sich nämlich die ganze Nacht unterhalten hatten und er am nächsten Morgen gerade einen Boten beauftragen wollte, der seine Nachricht nach Valkenburg bringen sollte, geschah etwas absolut Unerwartetes. Plötzlich sah er, wie eine weiße Lichtkugel auf ihn zu schwebte, welche von dem Boten anscheinend nicht wahrgenommen wurde. Nur Jast und Augustus war es möglich, diese zu sehen. Die Lichtkugel flog direkt auf Jast zu und hüllte ihn daraufhin in ein weißes Licht ein. Dann verlor er das Bewusstsein und hatte eine sehr merkwürdige Vision.
Jasts Vision
In seiner Vision fand sich Jast in dem großen Monasterium in Valkenburg wieder. Er sah eine schreiende und aufgebrachte Menge von Menschen, welche einen Richtblock umringte, vor welchem Augustus kniete. Ein Henker hob sein großes Beil, während die Menge zu Jubeln begann und ließ das Beil mit aller Kraft auf den Nacken des jungen Mannes hinabsinken. In dem Moment, als es aufkam, war jedoch nicht mehr Augustus Kopf auf dem Richtpflock, sondern es lag ein kleiner, roter Stein dort. Durch den Hieb des Beiles zerbarst dieser in vier Stücke, welche von dem Richtblock hinabfielen und in einem tosenden Gewässer landeten, wo sie in unendlicher Tiefe versanken. Dann erwachte Jast wieder und die Lichtkugel war verschwunden.
Nachdem Jast die Vision auf sich wirken gelassen hatte, wurde er unsicher, ob er die Nachricht nach Valkenburg absenden sollte. Er bat Augustus um Bedenkzeit und setzte sich zum Gebet mit Alethon nieder. Jast erzählte dem Gott von der unbekannten Vision und was er darin gesehen hatte und verweilte lange in stiller Meditation. Dann sah er plötzlich das Bild eines Ortes vor sich und wusste genau, was zu tun sei. Als er seine Andacht beendet hatte, teilte er Augustus mit, dass er ein Gottesurteil für ihn fordert, welches dieser allein bestehen muss. Er sollte sich dazu einer Prüfung unterziehen und wenn die Schutzgötter wollten, dass er diese besteht, wird Alethon die Bedeutsamkeit der Vision bestätigen und Jast wird ihm seinen Segen geben. Außerdem könnte er bei dieser Prüfung der Stadt einen großen Gefallen erweisen und einen Teil von dem, was er ihnen genommen hat, wieder zurückgeben.
Augustus erklärte, dass er die Prüfung von Jast sobald wie möglich antreten wolle, um damit auch wieder mit sich selbst ein wenig mehr ins Reine zu kommen; damit er stark genug für die Dinge wäre, die vermutlich auf sie alle zukommen werden, wenn er diese bestand. Er war jedoch guter Hoffnung, da er selbst immer mehr das Gefühl bekam, dass der Kaiser sich etwas dabei gedacht haben musste, als er ihn nicht hinrichten ließ. Augustus hoffte, dass sein Leben noch einen anderen Sinn in dieser Welt haben würde, als nur Krieg und Schrecken über die Menschen zu bringen, und dass sein Schicksal zu der Erfüllung der Aufgabe von Octavia und ihren Freunden beitragen würde. Er teilte deshalb allen mit, dass sie sich keine Sorgen um ihm machen bräuchten, da er ein gutes Gefühl hatte, was die Prüfung angeht.
Adarian schlug vor, doch einmal die Drachenträne herauszuholen, und als Octavia sie Jast zeigte, erkannte er darin sofort den roten Stein aus seiner Vision, in den sich Augustus Kopf verwandelt hatte. Dann erzählte Octavia Jast von der Lichtkugel, welche am Morgen des Vortages von der Drachenträne ausgegangen war und sich in Richtung der Stadt entfernt hatte. Es schien diese Lichtkugel gewesen zu sein, welche danach Jast einhüllte und ihm die Vision schenkte. Kenji schlussfolgerte, dass das Ereignis nahelegt, dass Augustus Schicksal eng mit dem Schicksal der Helden verknüpft sei und dass Augustus Tod das Ende der Drachenträne bedeuten würde.
Octavia war ganz fassungslos, was sie wegen der bevorstehenden Prüfung sagen sollte, und blickte Augustus und Jast an. Sie wollte wissen, wann sie aufbrechen würden und wieviel Zeit noch vor der Prüfung bleiben würde. Jast erklärte, dass sie vor dem Untergang der Sonne dort sein müssten, also würden sie spätestens zum frühen Nachmittag aufbrechen. Es würden ihnen also noch wenige Stunden bleiben.
Die Zahlenkombination
Kenji konnte sich gut vorstellen, dass die verbleibende Zeit für Octavia und Augustus sehr kostbar ist, wies jedoch darauf hin, dass es noch eine praktische Sache gab, wobei sie Augustus Hilfe benötigten. Das war ein weiterer Grund, warum Octavia so froh war, ihren Bruder noch vor der Prüfung zu sehen, denn ihr Vater hatte ihr auf der Bank diese Notiz mit der Zahlenreihe hinterlassen, welche vielleicht an Augustus gerichtet war. Octavia erzählte ihm auch, dass ihr Vater erst kurz vor seinem Tod die Notiz von Deron in der Bank platzieren ließ und per Testament bestimmte, dass Augustus sie erhalten sollte.
Augustus wurde sehr nachdenklich und erkannte das Zitat als ein Lieblingsspruch des Vaters. Kenji informierte ihn darüber, dass sie hinter den Ziffern einen Code vermuteten, welcher ihnen den Ort wies, wo Aequus seine Forschungsunterlagen versteckt hielt. Iustus hatte das Buch, aus dem das Zitat stammt, herausgesucht und Kenji wollte die Seiten gerne mit Augustus durchgehen, um vielleicht einen Hinweis zu finden, doch durch die seltsame Zahlenkombination inspiriert, begann Augustus, von den Gesprächen mit seinem Vater bei seinen letzten Besuchen zu erzählen. Etwas drei Jahre vor dessen Tod berichtete sein Vater davon, dass seine Forschungen bald abgeschlossen seien und seine Magier kurz vor einem Durchbruch ständen. Um die Ergebnisse zu sichern, sprach er davon, dass er ein geheimes Lager in dem Haus einbauen lassen werde, welches durch eine mechanische Vorrichtung geschützt sei. Dabei erwähnte er einmal die neue Möglichkeit an, Zahlenkombinationen dafür zu benutzen, aber danach sprach er nie wieder davon. Augustus vermutete, dass er ihn nicht weiter einweihte, da er zu dieser Zeit sehr viel Kontakt zu Silvius hatte und sein Vater ihm deshalb nicht mehr trauen konnte.
Henk hatte bereits von sogenannten Zahlenschlössern gehört, welche erst seit einigen Jahrzehnten existieren. Sie wären auch sehr selten, weil sie sehr teuer sind, und fast einbruchsicher. Henk hatte sich mit Iustus erst vor Kurzem über Mechanik unterhalten und erfahren, dass dieser Zweig auch in Thyrna zurzeit einen Aufschwung erfuhr. Octavia wies darauf hin, dass ihr Vater ebenfalls eine Vorliebe für Mechanik hatte, denn der Geheimausgang, durch den sie mit ihrer Mutter in der Nacht des Attentats fliehen konnte, funktioniert ebenfalls mechanisch. Henk schlussfolgerte, dass die Zahlenkombination der Öffnungscode eines solchen Schlosses sein könnte, und fragte sich nun, wo dieses Schloss zu finden sei.
Die Suche nach dem Geheimgang
Um weitere Anhaltspunkte zu finden, sprach Augustus Octavia an, welche ja im Gegensatz zu ihm die ganze Zeit auf dem Anwesen gewesen war, ob größere Umbaumaßnahmen stattfanden oder ob ein Gebäudeteil vorübergehend gesperrt war. Octavia fiel ein, dass ungefähr zu dieser Zeit ein Bereich im Forscherflügel des Hauses über Monate gesperrt war und häufig Arbeiter dort ein und aus gingen. Ihr Vater hatte ihr damals gesagt, dass sie die Labore renovieren wurden. Kenji erkundigte sich bei Octavia noch nach den beiden Schreinen im Eingangsbereich der Villa, ob an ihnen auch etwas verändert wurde. Sie bestätigte ihm, dass diese zu fraglicher Zeit ebenfalls renoviert und die Statuen geputzt wurden. Octavia vermutete, dass Basin als Hausverwalter mehr darüber wissen könnte, und wollte ihn gleich nach den Renovierungen fragen, während Kenji sich sofort auf den Weg machte, die Statuen zu überprüfen. Jast gestand Augustus zu, Octavia bei der Suche noch kurz zu helfen, wenn er spätestens zum Nachmittag bereit sei, und wollte so lange im Atrium auf ihn warten. Adarian blieb als einziger im Esszimmer zurück, um einen Brief an Archorbar zu schreiben.
Octavia sprach Basin auf die Umbauarbeiten im Forscherflügel an, welche in den Jahren vor Aequus Tod durchgeführt wurden, und Basin erinnerte sich, dass im Magierlabor tatsächlich etwas von einigen Mechanikern aus dem Imperium eingebaut wurde. Octavia habe sich richtig an die langen Bauarbeiten erinnert, aber ihr Vater hatte ihm damals zu seinem eigenen Schutz nicht sagen wollen, worum es dabei ging. Aequus erklärte ihm, dass er, der zwar sonst alle noch so geheimen Kammern in diesem Haus kennt, erst erfahren sollte, worum es sich handelt, wenn Aequus mit irgendetwas „erfolgreich“ sei und die Gefahr vorüber ist. Aequus teilte ihm kurz vor seinem Tod noch mit, dass es nun bald so weit sei und er ihm dann alles zeigen werde, jedoch kam es nie dazu, da das Attentat ihm zuvorkam. Basin hatte sich selbst mehrmals in den Laboren umgesehen und sich gefragt, was der Hausherr dort verändert hat, aber er hat nie etwas gefunden. Octavia bat ihn darum, ihnen genauer zu zeigen, wo die Arbeiten stattgefunden haben, und Basin ging mit ihnen in den Forscherflügel.
Kenji untersuchte währenddessen zunächst den Schrein der Spea und nahm besonders die Orte unter die Lupe, welche nicht vom alltäglichen Gebrauch genutzt werden. Er suchte sehr gewissenhaft nach jeglicher Art Mechanik und war bald ziemlich sicher, dass sich in diesem Tempel nichts Verdächtiges befand. Also weitete Kenji seine Suche auf den Bia-Schrein aus. Kenji erklimmt sogar leicht die Wandverzierungen, um jede erreichbare Ecke untersuchen zu können. Doch auch in diesem Schrein hatte er keinen Erfolg und fand nichts. Er war jedoch nicht enttäuscht darüber, sondern freute sich, seine Vermutung nun ausschließen zu können, und machte er sich auf den Weg, seine Freunde zu suchen.
Untersuchung des Magier-Labors
Basin führte Octavia und Henk zu dem Labor, in welchem Iustus zuvor das Portal geöffnet hatte, und erwähnte, dass auch die umliegenden Räume, also das Reagenzien-Lager und der Meditationsraum, zum Labor gehörten. Henk begann mit Octavias Unterstützung sofort mit der Untersuchung des Reagenzien-Lagers. Nach einer flüchtigen Einschätzung der Raumsituation mit seinen großen Regalwänden nahm Henk sich zunächst die Fensterrahmen vor und überprüften sie auf mechanische Elemente. Octavia stand dabei neugierig hinter ihm und überprüfte jeden seiner Handgriffe, bis sie etwa nach einer Stunde draußen Kenji entdeckte, welcher sich nach Abschluss seiner Untersuchungen für einen kleinen Spaziergang durch den Park entschieden hatte, um über die Terrasse wieder ins Esszimmer zu gelangen. Octavia winkte ihn herein und öffnete ihm die Eingangstür zum Forscherflügel, damit er sie bei der Suche unterstützen konnte. Sie zeigte ihm die drei in Frage kommenden Räume, in denen sie nach einem Tresor oder einer Truhe mit Zahlenschloss suchten und ist mit der Vorstellung fertig, als Henk seine gründliche Untersuchung mit dem Befund abschließt, dass sich das gesuchte Schloss nicht im Reagenzien-Labor befindet. Adarian war inzwischen mit dem Schreiben des Briefes fertig und schloss sich nun auch der Suche an.
Als nächstes wollte Henk den Meditationsraum genau untersuchen, und Octavia erinnerte sich wieder daran, dass in diesem Raum über Monate die Fensterläden geschlossen waren und sie sich häufiger fragte, warum dies so sei. Ihr Vater erklärte ihr damals, dass die Magier sich dort von ihrer Arbeit ausruhen und sich zum Meditieren zurückziehen würden. Um diese dort nicht zu stören, sollte sie von dort fernbleiben, wenn die Fenster verdunkelt sind. Diese Erinnerung teilte sie den anderen mit und Kenji machte sich danach sofort auf in Iustus Zimmer, um einige große Decken zu holen. Da er Iustus, welcher noch geruht hatte, damit aufweckte, nahm er ihn nach dem Ankleiden gleich mit in den Meditationsraum, wo Henk noch mit seiner Untersuchung beschäftigt war.
Nach seiner Rückkehr schlug Kenji vor, einmal die Fenster im Raum zu verdunkeln, wie es früher gewesen sein soll, und Henk stimmte seinem Plan zu. Als zu den Fensterläden auch noch die Decken zur Verdunklung genutzt wurden, wurde es stockdunkel im Raum und es drang sogar auch kein Lichtschein unter den Türen durch. Doch diese totale Finsternis erwies sich als wenig nützlich und Iustus untersuchte auf Kenjis Bitte den Raum astral. Als er ihm mitteilte, dass er nichts Magisches entdecken konnte außer den Utensilien im Nachbarraum, wurden die Decken wieder abgehängt, damit Henk weitere Untersuchungen durchführen konnte. Um besser arbeiten zu können, schickte Henk alle in das Labor, wo sie mit der Untersuchung beginnen sollten, während er in aller Ruhe nach einem Mechanismus tastete.
Während Octavia, Adarian, Augustus, Iustus und Kenji das Labor durchsuchten und Henk nicht mehr vor den Füßen standen, entdeckte dieser bei einer Fliese im Meditationsraum eine leichte Ungenauigkeit, als ob ein Mauerer in dem ansonsten perfekt verarbeiteten Raum unsauber gearbeitet hätte. Henk untersuchte diese Fliese genauer und entdeckt, dass sie einen winzigen Druckpunkt besitzt, welcher benutzt dazu führte, dass er die Fliese aufklappen konnte. Darunter befand sich ein großes Zahlenschloss und Henk benachrichtigte sofort die anderen, dass er mit seiner Suche erfolgreich war. Octavia kam mit der Notiz angelaufen und gab vor aller Augen die Kombination ein. Als sie die Zahlen dort einstellte, hörte Henk ein knackendes Geräusch an der anderen Seite der Wand und er entdeckte einen Hebel an dieser Wand, der vorher nicht dort war. Iustus untersuchte den Hebel auf Henks Wunsch auf eine magische Falle, doch er verneinte eine magische Konstruktion. Augustus bot an, den Hebel zu bewegen.
Doch dieser ließ sich weder zur Seite noch nach oben oder unten bewegen, doch konnte er ihn ziehen. Schlagartig schlossen sich alle Türen und Fenster des Raumes und Augustus bemerkte, dass der Hebel sich nun bewegen ließ. Kaum drückte er ihn nach unten, begann der Boden des Raumes nach unten abzusenken. Der ganze Raum fuhr durch einen quadratischen Kanal nach unten und Henk erkannte sofort Zwergentechnik in diesem Bauwunder. Octavia erinnerte sich auch daran, dass einmal ein Zwerg auf dem Anwesen zu Besuch gewesen war. Die Helden fuhren, begleitet von Augustus und Iustus, mit dem Meditationsraum vielleicht gute 100 Schritte hinab bis etwa auf Strandniveau und der Schacht über ihnen ließ sein Ende kaum noch erahnen, denn der Raum war ohne seine Decke hinabgefahren.
Die Geheimkammer
Unten war es stockdunkel und Adarian leuchtete mit seinem magischen Licht in die Dunkelheit. Der Fahrstuhl endete in einem kleinen, aus Naturstein sehr akkurat gehauenem Gang. Es roch nach Salz und Fisch und die Helden konnten neben dem leisen Plätschern von Wasser auch in der Ferne ein leichtes Scharren und Kratzen hören. Die Helden folgten dem Gang und gelangten in eine große, natürliche Grotte, welche in der Decke zahlreiche dünne Spalten hat und am Ende über ein Wasserbecken verfügt. Neben einem Steg mit einem Kran befinden sich Blöcke zum Aufbocken eines Schiffs. Überall lagen Fischgräten und Algenreste herum, es stank nach fauligem Fisch und überall liefen Krabben herum, welche die Größe von zwei Handtellern hatten. Im Dunkeln waren immer wieder Bewegungen wahrzunehmen. Aus den Algenspuren schlussfolgerte Kenji, dass der Boden hier regelmäßig überschwemmt würde, was eine Verbindung nach Außen voraussetzen würde. Henk hatte am Strand keine Höhle bemerkt und so müsste sich dieser Zugang unter Wasser befinden.
Henk borgte sich Adarians Lampe, da er in das Becken tauchen wollte, um nach einem Meereszugang zu suchen. Er entkleidete sich bereits und Octavia leuchtete die Wasseroberfläche mit einer Feuerkugel ab, während Adarian sich intuitiv umwande und bemerkte, wie gerade ein Tangbüschel nach ihm schnappte. Er wich in Henks Richtung aus und der Angreifer entpuppte sich als Riesenkrabbe mit einem Panzer von über einem Schritt Durchmesser. Adarian zog geistesgegenwärtig sein Schwert Skarrsax und schlug mit voller Wucht auf den Panzer des Ungetüms. Dieses schlug hart auf den Felsen auf, sodass stinkende Gischtwolken in die Luft geschleudert wurden. Doch waren lediglich einige Seepocken abgesplittert und die Monsterkrabbe schnappte sofort wieder nach Adarian und Henk. Henk ließ sich rückwärts ins Wasser fallen, war jedoch noch nicht vollständig entkleidet und verheddert sich unter Wasser leicht in seiner auf Halbmast hängenden Hose. Adarian entging ihrem Angriff, indem er mit einem Satz auf den Panzer der Riesenkrabbe sprang.
Octavia und Kenji sahen sich währenddessen in der Höhle um und entdeckten weitere Tangnester mit Fischresten und teilweise toten, handtellergroßen Krabben. Die beiden Helden werden von deren lebenden Brüdern angegriffen, welche sie schmerzhaft und blutig zwickten, sodass sie sich ihrer erwehren mussten. Kenji kickte sie mit dem Fuß weg und Octavia trieb sie mit ihrem Feuer von sich und den Kämpfenden weg und verbrannte auch etliche, während Adarian auf der Riesenkrabbe stand und diese mit ihrer Schere nach ihm griff. Er konnte den Angriff mit seinem Schwert abwehren, musste allerdings dafür seine ganze Kraft aufbringen und würde einem weiteren Angriff nicht parieren können. Augustus hatte ebenfalls sein Schwert gezogen und setzte nun einen gezielten Stich in den Krabbenkörper und Adarian bemerkte, wie die Kraft der Riesenkrabbe nachließ. Adarian wollte die Chance nutzen und holte mit Skarrsax zu einem Sichelschlag aus, doch unterschätze er die Kraft des Monsters und konnte mit seinem Schlag den kräftigen Angriff der Krabbenschere nicht komplett abwehren. Er wurde an der Hüfte betroffen, durch seine Lederhose blutig gezwickt und entging nur knapp einer Beinamputation, während Augustus mit seinem Schwert das Gelenk der Krabbe knackte und die linke Schwere unbrauchbar machte.
Henk entkam seiner Hose und stieg aus dem Wasser, um seinerseits die Krabbe anzugreifen. Er visierte das Maul der Krabbe an, während ihre beiden Scheren beschäftigt waren. Henk versenkt seinen Säbel in den Mundwerkzeugen des Monsters und machte die ausholende Krabbe auf sich aufmerksam. Adarian zielte vom Rücken der Krabbe auf die Augen des Ungetüms und spaltete das eine Auge, womit er den Angriff der Krabbe auf sich lenkte. Er wich diesem aus, indem er nach hinten auf den glitschigen Höhlenboden sprang, und die Schere griff ins Leere. Augustus stand auf der linken Schere der Krabbe und versuchte sie währenddessen vom Körper der Krabbe abzulösen, was dem Ungeheuer viel seiner Beweglichkeit nahm. Adarian stieß sein Schwert an einer dünneren Stelle zwischen zwei Panzerplatten und stieß Skarrsax‘ Spitze in die Riesenkrabbe. Henk rammte seinen Säbel tiefer durch das Maul in den Schädel der sich zurückziehenden Krabbe und entlockte dem Tier ein quietschendes Geräusch, was in Octavia und Henk Mitgefühl weckte.
Die Riesenkrabbe schwang ihre große Schere nach Henk und dieser entzog sich dem Angriff mit einem rückwertigen Sprung, ließ dabei aber seinen Säbel im Maul der Krabbe stecken. Da Augustus mittlerweile die linke Schere abgetrennt hatte, gewann das Monstrum wieder mehr Bewegungsfreiheit. Und als Adarian Skarrsax tiefer in das Fleisch der Krabbe schob, sah Henk sie und seinen Säbel in Richtung des Wassers flüchten. Henk hechtete wieder auf die Krabbe zu und mit einem Sprung griff er nach seiner Waffe. Es gelang ihm noch, seinen Säbel in der Wunde zu drehen, während Adarian sein Schwert noch tiefer in das Untier stieß und sich ihr dabei gefährlich näherte. Doch das Monstrum schlug mit seiner Schere nach Henk, welcher sich bereits zukünftig mit einem Holzbein sah, doch in letzter Sekunde rammte Augustus die vorschnellende Schere, was diese ablenkte und sie neben Henks Bein auf den Boden auftreffen ließ. Augustus rollte sich gekonnt über das Krabbenbein ab, als das Ungetüm zusammensackte und regungslos liegenblieb. Henk lag vor der Krabbe auf dem Boden und zog jetzt seinen Säbel aus ihrem Maul. Adarian musste sich sogar mit seinem Fuß auf dem Panzer abstützen, um sein Schwert aus dem Körper der Riesenkrabbe zu ziehen.
Während die Kämpfer sich zusammenrappeln, entdeckte Octavia Öllampen in der Höhle und entzündete sie. Neben zahlreichen Kisten mit metallischen Kartuschen, welche an den Wänden standen, befand sich neben dem Wasserbecken ein Kran, an dem ein durchgetrennter Strick baumelte. Des Weiteren entdeckten die Helden noch drei Türen in der Grotte, welche allerdings verschlossen waren.
Henk fiel ein, dass er ja das Wasserbecken untersuchen wollte, bevor die Riesenkrabbe sie angriff. Also entledigte er sich seiner Hose, nahm Adarians Lampe mit und stieg in das Becken, um in seiner Mitte zu tauchen. Henk stellte fest, dass am Rand der Grotte ein Durchgang weiterführt, mit bestimmt 10 Schritt Durchmesser, welcher anscheinend eine Verbindung zum Meer darstellt. Als er zurückschwamm, schien etwas auf dem Grund zu liegen, unterhalb des Kranes. Henk wollte wissen, ob es sich um ein gesunkenes Boot handelte, und tauchte hinab. In der Dunkelheit erkannte er etwas Größeres und metallisch Glänzendes unter Wasser, bestimmt 10 Schritt lang. Als er seinen Freunden davon berichtete, überlegten sie, wie sie das Etwas heben könnten, um genauer zu erkennen, um was es sich handelte. Um weitere Hinweise zu entdecken, wollten sie zunächst die entdeckten Türen öffnen.
Das geheime Labor
Die breiteste der drei Tür führte in einen größeren Raum, in welchem sich lauter Regale befanden, in denen Gegenstände lagen, welche so aussahen, als hätten sie lange unter Wasser gelegen. Sie waren verrostet, von Salz zerfressen und wirkten teilweise so, als wären sie uralt. Außerdem waren sie alle mit Nummern versehen (vgl. Fundstücke). Eine weitere Tür schien ein Durchgang in einen anderen Raum zu sein, welcher ebenfalls durch eine der drei Türen in der Grotte zu erreichen war.
Als Henk die Tür öffnete, bemerkte er als erstes, dass der Raum erleuchtet war, denn in seiner Mitte befand sich ein großer, strahlender Würfel, dessen Seiten aus Glas oder Kristall zu bestehen schienen und auf dem in großen Zahlen „E5-5“ stand. Für alle war deutlich ein magisches Feld zu erkennen, welches diesen Würfel umgab. Octavia fiel auf, dass der Zauber den aufbewahrten Gegenstand, welcher im Inneren des Würfels schwebte, astral unsichtbar machte. Iustus erkannte, dass es sich bei dem magischen Artefakt, einem seltsamen, metallischen Dodekaeder, um eine sehr alte Form einer Matrix für Astralzauber handelte, welche durch das weiß-leuchtende Magiefeld vollkommen nach Außen abgeschirmt wurde. Henk war sehr erstaunt, dass nach so langer Zeit dieses magische Feld noch immer aktiv war.
Adarian entdeckte, währenddessen eine große Karte der Bartha-Bucht an der Wand, auf der viele Punkte markiert und mit zahlreichen Notizen versehen waren (vgl. Fundstücke). Im Raum stand auch noch ein großer Labortisch mit einigen Notizen und vielen Büchern und Schriftrollen. Auf dem Tisch befand sich noch ein weiterer Kristallkasten, in welchem ein altes Buch lag. Dieser war nicht magisch gesichert und schützte das alte Buch anscheinend lediglich vor Staub und anderen Umweltbedingungen. Ansonsten gab es Listen und Protokolle von Expeditionen.
Schlussfolgerungen
Iustus nahm sich als erstes das alte Buch aus dem Kristallkasten vor und verlas seinen Titel: Persönliches Forschungstagebuch des Magus Astrorum Trebius Moreus. Bei diesem Namen horchte Octavia auf, denn sie erkannte den Familiennamen ihrer Mutter. Gemeinsam mit Kenji grübelte sie über die Bedeutung nach, denn der Vorfahr war ihr unbekannt. Nachdem Kenji bestätigt wurde, dass die gefundene Matrix nicht von Octavias Vater gebaut wurde, sondern fiel älter war, vermutete er, dass die Nachforschungen von Octavias Vater vielleicht auf die Forschungen ihrer Mutter und vor ihr noch viel weiter zurückführten.
Währenddessen fanden Adarian und Henk auf dem Schreibtisch neben der Wandkarte eine Inventarliste mit Fundstücken, welche sie durchlasen. Der Begriff „Talath Nûr“ im Bereich des Nebelschlundes erweckte ihr Interesse und sie spekulierten, ob es sich vielleicht um die Stadt aus ihren Träumen handeln könnte (vgl. Episode 20.10, Nächtliche Träume). Außerdem entdeckte Adarian, dass unter der Nummer E5-3 einen Siegelring aufgeführt war, welchen er sofort überprüfen wollte. In dem Lagerraum fand er ihn schnell und bemerkte zu seiner Erleichterung, dass es sich nicht um einen Ring des dunklen Bundes handelte. Er brachte ihn zu den anderen und sie erkannten, dass es ein thyrnischer Siegelring mit den Initialen T.M. war. Die Matrix schien also das Konstrukt von Octavias Vorfahren zu sein, schlussfolgerte Henk. Der Fund ließ sich mit Hilfe der Unterlagen mit dem versunkenen Schiff „Pazuzu“ verknüpfen, welches 451ThZ weit in der Bartha-Bucht gesunken war (vgl. Karte). Adarian erinnerte sich, dass das Schiff denselben Namen trug wie der Dämon der großen Statue in der Ausgrabungsstätte von Luggulabdubur. Während dieser Zeit hatte Iustus sich das Buch und die Notizen angesehen und die Helden hatten ihn noch nie so aufgeregt und begeistert erlebt.
Iustus rief alle zu sich und verkündete ihnen, dass hier anscheinend das Lebenswerk von Octavias Vater vor ihnen lag und Aequus die ganze Zeit nach dieser Matrix gesucht haben musste. Er legte ihnen dringend nahe, das Buch selbst zu lesen, da sie dann verstehen würden, mit was für einem erstaunlichen Fund sie es hier zu tun haben. Seiner Vermutung nach haben sie nämlich die Matrix gefunden, die genutzt wurde, um den Zauber zu weben, mit welchem die Schwarzen Jahre vor Jahrhunderten ausgelöst wurde. Henk konnte nicht fassen, dass die Plage anscheinend von einem Vorfahren von Octavia ausgelöst wurde. Henk überflog das Tagebuch und entdeckte, dass dort eine Szene beschrieben war, welche Adarian, Octavia und er bereits in einer alten Vision bei Kratas gesehen hatten, nämlich wie eine gewaltige Klaue einen Riss im Astralraum vor Valkenburg erweiterte und ein riesiger Dämon heraustrat, was den Beginn der ersten Plage darstellte (vgl. Kap. 7).
Iustus warnte die Helden noch davor, den Würfel mit der Matrix anzufassen, da er den Schutzzauber auf dem Behälter der Matrix zunächst genauer untersuchen wollte, um ihn ohne Komplikationen abzuschalten. Dann machte sich sofort an die Arbeit und begann damit die restlichen Unterlagen durchzusehen, während die Helden noch die letzte Tür untersuchen wollten, welche sie in der Grotte entdeckt hatten. Sie führte in Richtung Süden und war eine Art Notausgang, welcher unten am Strand endete, wo auch das kleine Frachtschiff an dem privaten Steg lag, welches zu dem Anwesen gehört. Am hinteren Ende wurde sie ebenfalls durch einen Hebel geöffnet, der einen sonst unüberwindbaren Felsen zur Seite rollte.
Augustus Abschied
Nach der Entdeckung des Hinterausgangs verabschiedete sich Augustus am Strand von seinen Freunden. Er war voller Hoffnung, dass er lebendig wiederkommen würde, denn Augustus hatte das Gefühl, das er seine Aufgabe noch nicht erfüllt hätte. Dann wandte er sich Octavia zu und erklärte ihr, dass ihr Vater und ihre Mutter sehr stolz auf sie wären, genau wie er es sei. Augustus wies sie darauf hin, dass es nun in ihren Händen läge, die Ehre der Familie zu retten, und die beiden umarmten sich lange.
Dann ging er zu Adarian und gestand seinem treuen Freund, dass er gerne sein Leben mit Adarians getauscht und auch gerne Abenteurer und Held geworden wäre. Augustus dankte ihm für seine Treue gegenüber Octavia und bat ihn, auch weiterhin gut auf sie aufzupassen, war Adarian ihm auch versprach.
Augustus, welcher in Kenji einen Teil seiner Familie sieht, bat diesen, Octavia weiter gut zu beraten und zu beschützen, ihr seelischer und sittlicher Beistand zu sein, denn Augustus schätzte Kenjis großes Gerechtigkeitsempfinden. Er dankte Kenji, dass er Octavia immer ein guter Freund war und das politische Wohl über seine privaten Gefühle stellen konnte, und umarmte ihn brüderlich.
Von Henk verabschiedete sich Augustus mit freundschaftlichem Handschlag, denn er schätzte Henks unkomplizierte Art, auch wenn sich ihre ethischen Vorstellungen weit voneinander unterscheiden würden. Dann wandte er sich um und ging über den Strand zum Anwesen, um sich mit Jast zu treffen, und die Helden gingen wieder zurück zu Iustus in das geheime Labor.
Episode 11: Zur grünen Rast
6. Spealis 721 ThZ
Nachdem eine Bergung durchgeführt wurde, feiern die Helden in der grünen Rast mit Radbod Wagener und schwelgen trinkend in Erinnerungen. Ein neuer Geschäftspartner stellt sich als alter Bekannter heraus und eine Kneipenschlägerei klärt alte Differenzen.
| 6. Spealis |
Arbeitsplanung
Im aufgefundenen Geheimlabor unter der Villa des Aequus erinnerte Kenji seine Freunde daran, genau darüber nachzudenken, was sie mitnehmen müssen, um es in Valkenburg als Beweise vorzulegen. Sie hätten mit der Matrix und dem Forschungstagebuch von Magus Astrorum Trebius Moreus eigentlich genau das gefunden, was sie bräuchten. Iustus stimmt dem zu, gestand aber, dass er noch etwas Zeit brauchen würde, um das Kraftfeld für den Transport nach Valkenburg zu deaktivieren, da dieser Prozess sehr aufwendig war. Kenji wies darauf hin, dass, sollte das Kraftfeld, welches die Matrix astral abschirmt, aufgehoben werden, so könnte sie von allen, auch den Schwarzmagier, wahrgenommen werden. Iustus stimmt zu und erklärte, dass er bereits an einer magischen Schutzvorkehrung arbeite, um die Matrix für ihre Reise vorzubereiten, zumal sie eventuell wirklich sehr gefährlich wäre, wo sie doch einst zum Ausbruch der Plage führte. Kenji bat ihn, ohne ihr Beisein nichts zu unternehmen, und Iustus willigte ein. Er hoffte, mit den Vorbereitungen in 1-2 Tagen fertig zu sein. Solange sollte alles auf Octavias Vorschlag hin alles geheim gehalten werden, bis die Matrix transportfähig wäre.
Henk fragte Iustus, ob er in der Lage sei, mittels eines Zaubers das gesunkene Boot aus dem Wasser zu heben. Dieser verwies ihn auf den Kran, welcher immerhin zu genau solchem Zwecke konstruiert worden sei. Er ließe sich bestimmt wieder in Gang setzen. Doch sie sollten vorsichtig sein, sie hätten es dort unter Wasser mit einem einzigartigen, magischen Artefakt zu tun - einem Tauchboot, welches auf Eboria einzigartig sein dürfte, vielleicht sogar das einzige auf ganz Gea. Er verwies auf eine entsprechende Darstellung an der Laborwand (vgl. Abbildung). Daher empfahl er den Helden, es irgendwie zu bergen, da es für die Wissenschaft von großem Interesse sein würde. Henk wollte sich darum kümmern, dass der Kran wieder in Stand gesetzt wird, er würde auch die richtige Person kennen, die ihm dabei helfen könnte. Octavia hatte Sicherheitsbedenken und wollte niemand außenstehendes mit hineinziehen, doch Henk versicherte ihr, dass diese Person durch ihren Schwur zum Schweigen verpflichtet sei. Adarian schlug vor, ihn vom Strand aus in die geheime Grotte zu führen, dann würde er nachträglich nicht wieder hineinkommen.
Anschließend untersuchten Adarian und Henk den Kran, ob sie ihn vielleicht auch selbst reparieren könnten, und sie stellten fest, dass die Holzbauteile alle in Ordnung und lediglich die Seile durchtrennt waren, wohlmöglich von die Riesenkrabbe verursacht. Es musste nur ein langes, stabiles Tau aus der Stadt besorgt werden, dann sollte der Kran wieder einsatzbereit sein. Henk steckte einen Seilrest ein, um beim Kauf am Hafen die passende Dicke zu haben. Adarian wollte noch hinabtauchen, um sich das Tauchboot einmal anzusehen, und Henk zeigte ihm die Abbildung an der Wand. Adarian entdeckte eine große Luke auf der Oberfläche, durch die er vielleicht hineinkommen könnte. Henk ermahnte ihn, diese auf keinen Fall unter Wasser zu öffnen, da ansonsten das ganze Boot voller Wasser laufen würde, und Adarian stimmte nachdenklich zu. Henk wies auf zwei großen Ösen hin, durch welche es mit neuen Seilen mittels des Kranes an die Oberfläche gezogen werden könnte. Adarian war zufrieden und vergaß über seinen Hunger sein Tauchvorhaben. Henk war von dem Tauchboot ganz fasziniert, besonders von der Vorstellung, mit einem Boot für alle anderen unsichtbar unter Wasser fahren zu können, und malte sich schon unzählige lukrative Verwendungsmöglichkeiten für seine Gilde aus, bei denen die Autoritäten machtlos wären.
Pläne für den Abend
Alle bekamen langsam Hunger und Iustus empfahl allen, sich nun erst einmal auszuruhen, er wollte noch einiges hier sichern und ihnen dann folgen. Iustus erklärte, dass ihm gerade niemand mehr helfen könnte und er die Helden informieren würde, sobald er fertig wäre. Henk erinnerte seine Freunde an die Einladung von Grifo für den Abend in der grünen Rast. Besonders über ein Wiedersehen mit Kenji würden die Lausinger sich sehr freuen. Kenji nickte und fand, dass sie so auch Iustus nicht bei seiner Arbeit stören würden. Henk wies den beschäftigten Magus darauf hin, dass er auch essen müsste, und Iustus erwiderte, dass er solche Phasen gewöhnt wäre, und bei solch interessanten Dingen wäre die Nahrungsaufnahme manchmal auch sekundär. Henk schüttelte nur den Kopf und bat ihn, wenigstens genug zu trinken, und Iustus willigte ein, sich von oben etwas zu besorgen, bevor er weiterarbeiten würde.
Auf dem Weg zum Fahrstuhl sammelten sie die Teile der Krabbe ein, welche das gute Fleisch enthalten, damit Elwene sie köstlich zubereiten kann. Während Henk die Krabbenstücke einsammelte und ihm das Wasser dabei schon im Mund zusammenlief, schnitt Adarian sich das noch intakte Auge der Krabbe als Trophäe ab und wickelt es in sein Taschentuch. Dann fuhren alle mit dem Fahrstuhl wieder in den Meditationsraum der Villa.
Oben wartete Basin auf die Helden. Er hatte sie schon überall gesucht und war verblüfft, als sie mit den Krabbenteilen beladen den kleinen Meditationsraum verließen. Basin fragte verwirrt nach einem Zugang zum Meer und Octavia versprach ihm, bald alles aufzuklären, jedoch müssten sie es noch ein paar Tage geheim halten. Sie sagte ihm nur, dass es dort unten einen Zugang zu den natürlichen Grotten der Gegend gibt. Basin war ganz überrascht, dass Aequus es schaffte all dies vor ihm geheim zu halten. Henk lenkte gekonnt das Thema auf die Krabbenbeine und ihre Zubereitung und Basin wollte sie gerne mit in die Küche nehmen, damit Elwene sie zubereiten könnte. Als er Henk das Krabbenfleisch abnahm, drückte er ihm gleich einen Umschlag in die Hand und erklärte ihm, dass diese Nachricht für ihn abgegeben wurde. Henk überflog diese kurz und verkündete dann, dass sie alle von Ratte zum Sonnenuntergang in die Grüne Rast eingeladen wären. Dieser würde ihnen noch einen Freund vorstellen, welcher sie alle unbedingt kennenlernen möchte. Kenji schlug vor, sich sofort auf den Weg zu machen, doch Octavia wollte sich noch kurz zurückziehen.
Nachdem sich die Helden frisch gemacht und den Krabbengestank abgewaschen haben, werfen sie sich in gute Kleidung für den Abend. Octavia zieht ihre Abenteuersachen und den Umhang an, Kenji behält selbstverständlich seine Robe so wie Henk seinen Mantel und Adarian lässt seine Rüstung zuhause und trägt bequem. So machen sie sich mit der Kutsche auf zum Gasthaus „Zur grünen Rast“.
Ankunft in der Grünen Rast
Als die Helden das Gasthaus betraten, erwartete Ratte sie schon und unterhielt sich im Hintergrund mit Grifo Lausinger, welcher etwas blass wurde, als er Streuner wiedersah, und diesen fast demütig anblickte. Am Stammtisch, gut in Sichtweite zum Wirt, um besser nachordern zu können, saßen fünf Schafzüchter, genossen ihren Feierabend mit einem Bier und blickten sich zu den fremden Gästen um.
Kenji ging seinen Freunden voran und eine Kellnerin kam ihm in der Gaststube entgegen. Diese freute sich unheimlich, Kenji wiederzusehen. Zwei Jahre waren jetzt vergangen, seitdem der Questor aus Perlheim aufgebrochen war, und Kenji entschuldigte sich bei Gelda, dass es sich damals nicht bei ihnen verabschiedet hatte. Er fragte, ob es ihnen in der Zeit denn gut ergangen sei, immerhin hätten sie noch viele Gäste hier. Gelda war auch im Ganzen mit der Situation zufrieden. Kenji tat es sehr leid, dass die Einsiedelei seines Lehrmeisters so verfallen war, und er versprach, sich dafür einzusetzen, dass sie wieder in Betreib genommen würde. Gelda fand es auch schade, dass Pyrrhon nie zu Besuch kam und dass er es vorzog, so zurückgezogen zu leben. Sie hätte ihn nämlich gern besser kennengelernt, da sie ihn für einen interessanten Mann hielt, der mit Sicherheit viele Geschichten hätte erzählen können, außerdem seien sie ja für viele Jahrzehnte fast Nachbarn gewesen. Sie drückte Kenji gegenüber auch ihr Beileid aus und erzählte ihm, dass die Bauern in der Umgebung Pyrrhon trotz seiner verschrobenen und etwas distanzierten Art sehr gemocht haben.
Mitten im Gespräch fiel Kenji plötzlich auf, dass er Gelda noch gar nicht seinen Freunden vorgestellt hatte, und erklärte ihnen, dass sie die Frau von Grifo Lausinger ist. Gelda begrüßte zunächst Henk, den sie ja bereits als Geschäftspartner ihres Mannes kennengelernt hatte (vgl. Episode 20.08). Als Kenji ihr Adarian von Wallenrode vorstellte, gestand Gelda ihm, dass sie nie gedacht, hätte, dass Kenji einmal mit so großen Helden herumzieht, und es war ihr eine große Ehre, ihn in ihrem Gasthaus willkommen zu heißen. Dann stellte Kenji ihr Octavia, die Tochter von Aequus vor, welche wieder zurück in ihrer Heimat war. Gelda war erfreut, dass sie zum ersten Mal Besuch aus dem Haus des Aequus erhielt und betonte, welch große Ehre ihr Besuch für das bescheidene Gasthaus sei. Auch Octavia drückte ihre Freude aus, endlich einmal die Gelegenheit zu haben, ihr Gasthaus kennen zu lernen, und freute sich auf einen schönen Abend. Gelda offenbarte ihr, dass die Lausinger schon immer große Bewunderer ihres Vaters waren und ihm für alles dankbar waren, was er für Perlheim getan hat.
Henk erklärte, dass Adarian schon richtig Hunger hätte und besonders gerne Wildschwein esse, er freue sich schon richtig. Kenji gestand, dass er seinen Ruf als „feister Questor“ (vgl. Prozess in Valkenburg) auch dem guten Essen von Gelda Lausinger verdanken würde. Diese pries den Helden neue Gerichte von der Berstküste an, welche sie unbedingt probieren müssten, und bot ihnen einen Tisch für sechs Leute am Rand des Schankraumes an.
Während sich die anderen an den Tisch setzen und dabei von den Schafzüchtern freundlich gegrüßt wurden, entdeckte Henk an einem der anderen Tische einige Gestalten, welche ihm schon von Grifo als mögliche Mitarbeiter gezeigt wurden (vgl. Episode 20.08). Auf seinem Weg zu ihnen sah Henk am Kamin der Gaststube einen braunen Ork, welcher mürrisch dreinblickend einsam mit seinem Bier dasaß und offensichtlich nicht angesprochen werden wollte. Henk begrüßte Aalbjörn, Ruderbrick, Perlenpiet und Hakenmeckie, welche gerade mit einem aufdringlichen Mann sprachen, der sich Henk als Marus vorstellte und ihm sogleich Schmuck aus der Innenseite seines Mantels anbot. Henk lehnte dankend ab, auch als er erfuhr, dass er die Ketten zum dreifachen Preis weiterverkaufen könnte. Dann empfahl sich Henk und kehrte zu seinen Freunden zurück, nicht ohne vorher noch einmal einen Blick auf den Ork zu werfen. An der Bar fiel ihm ein Seemann mit ledrigem Gesicht auf, welcher sich anscheinend richtig abschießen wollte und bereits einige leer Schnapsgläser vor sich stehen hatte.
Begrüßung durch Grifo
Während Henk noch im Schankraum unterwegs war, kam Grifo an den Tisch der Helden, an dem Adarian und Kenji mit dem Rücken an der Wand saßen und Octavia seitlich platzgenommen hatte, und begrüßt jeden persönlich, wobei Kenji Grifo daran erinnern musste, ihn statt mit Eminenz einfach mit Kenji anzusprechen. Dann stellte Kenji ihm seine Begleiter vor und es war Grifo eine große Ehre, einen so großen Helden wie Adarian bei sich bewirten zu dürfen und auch die Tochter von Aequus kennenzulernen. Er offenbarte Octavia, dass er ihrem Vater sehr viel verdankte, denn obwohl dieser niemals in sein Gasthaus einkehrte und auch kein Wort mit ihm wechselte, sah Grifo in ihm einen großen Mann. Um zu zeigen, dass es keine leeren Worte waren, schilderte er Octavia eine Begegnung mit ihrem Vater.
Grifo hatte damals draußen vor dem Gasthaus Ärger mit ein paar Betrunkenen Idioten, die er zuvor rausgeworfen hatte, weil sie sich nicht benehmen konnten, und die dann sein Haus mit Dreck beworfen hatten, und Octavias Vater kam auf einem seiner vielen Ausritte am Gasthaus vorbei. Aequus hatte jedes Mal sehr höflich gegrüßt, wenn er einen von Grifos Familie sah, und diesmal hielt sogar einmal an, um zu helfen, als er sah, dass Grifo nicht mit ihnen fertig wurde. Aequus stieg er persönlich von seinem weißen Ross ab und wickelte die Säufer mit ein paar geschickten Worten so um den Finger, dass sie schließlich gingen, ohne weiteren Ärger zu machen. Grifo konnte sich bis heute nicht vorstellen, wie Aequus das geschafft hatte. Dann stieg Octavias Vater wieder auf sein Pferd und tat so, als sei nichts gewesen, grüßte und ritt seines Wegs. Grifo war ihm damals unglaublich dankbar und die Säufer sind nie wieder in sein Gasthaus gekommen. Da Aequus leider nie bei ihm einkehrte, bestand Grifo darauf, dass Octavia heute sein Gast sein musste, um es ihm zu danken. Octavia betonte, dass ihr Vater es seinerseits als große Ehre betrachtet haben wird, in solch einer unterlegenen Situation helfen zu können. Aequus mochte es nämlich überhaupt nicht, wenn Menschen in solchen Situationen im Stich gelassen werden.
Während Grifo seine Geschichte erzählte, kam Henk dazu und stellte sich direkt hinter Grifo, welcher ihn kommen sah und auch bis zum Ende seiner Geschichte nicht bemerkte. Da Henk mittlerweile schon etwas amüsiert wirkte, sprach Kenji ihn direkt an und begrüßte ihn am Tisch. Grifo freute sich ihn wiederzusehen und hieß ihn herzlich willkommen. Als Kenji etwas erstaunt nachfragte, ob die beiden sich kennen würden, erklärte Henk, dass sie sich schon lange kennen würden und Grifo bestätigte dies auch mehrfach. Kenji bemerkte, dass Grifo etwas angespannt in Henks Gegenwart wirkte, obwohl er dies ganz gut überspielte. Henk orderte als erstes eine Runde Getränke und Grifo schlug einen besonderen Brandwein von der Nordküste vor, welcher allerdings nicht jedermanns Sache sei. Henk war angetan und Kenji forderte Grifo auf, ihn ruhig herzubringen, da er mittlerweile durch Henk so einiges gewohnt sei. Octavia entschied sich, ganz wie Henk schon vermutete, lieber für einen Wein und Grifo bot ihr als kleinen Appetitanreger einen einheimischen Likör an, der von den Beeren von des perlheimer Heidelbeerstrauches stammt. Octavia, welche früher gerne die Beeren gepflückt hat, wollte ihn gerne probieren und Grifo kündigte die Bestellung an.
Kulinarische Gespräche
Als Grifo gegangen war, winkte Henk Ratte an den Tisch. Kenji erhob sich zur Begrüßung kurz, setzte sich dann aber wieder hin, und man merkte ihm an, dass er nicht so richtig wusste, wie er sich Ratte gegenüber verhalten sollte, denn normalerweise wurde er wegen seines Status von den Leuten gegrüßt, doch in diesem Fall wusste er nicht, wie es richtig herum war. Henk dankte Ratte für seine Einladung und dieser war der Meinung, dass es an der Zeit sei, sich endlich wieder mal einen schönen Abend zu machen, wenn man sich nach so langer Zeit wiedersieht.
Die Getränke wurden gebracht und Kenji erkannte, dass es Rupo, der älteste Sohn von Grifo war, welcher sie ihnen brachte. Kenji bemerkte, dass Rupo das letzte Mal noch wie ein Kind wirkte, als er Perlheim verließ. Auch Rupo erkannte Kenji gleich wieder und war erfreut, ihn wiederzusehen. Als Kenji seine Hand mit starkem Druck schüttelte und bemerkte, dass er mit seinen 17 Jahren ja schon ein richtiger Mann geworden sei, dankte ihm dieser stolz und erzählte, dass er einmal die Gastwirtschaft übernehmen würde. Während er die Getränke verteilte, dankte er allen im Namen des Hauses Lausinger dafür, dass sie Vorax vertrieben haben, und sie nun auf bessere Zeiten für alle hoffen.
Der Brandwein war tatsächlich speziell: herb, salzig mit leicht algig-fischigem Beigeschmack. Henk war begeistert, doch Adarian verzog das Gesicht. Rupo erklärte, dass er eine Spezialität der Berstküste sei und angeblich aus Algen hergestellt würde. Henk fand das einleuchtend und Rupo erklärte ihm weiter, dass der Brandwein für die originale „Steife Brise“ gebräuchlich ist. Kenji fühlte sich an das Getränk der Nortai erinnert, welches aus gegorenem Speichel gefertigt wurde. Henk erinnerte sich an Getränk der Trolle bei Varandau, welches in einer Ziege aufbewahrt wurde.
Ratte bat Henk noch vor dem Essen um ein vertrauliches Gespräch und die beiden zogen sich zurück. Als sie den Tisch verlassen hatten, bemerkte Kenji zu den anderen, dass sie vermutlich den Gesprächsinhalt auch lieber nicht gar nicht wissen wollten. Stattdessen kam Gelda an den Tisch und erkundigte sich nach dem Brandwein, welchen überhaupt nicht ihr Fall war. Doch Octavia war ganz angetan von dem süßen Likör, welcher tatsächlich nach den Früchten der Heiden schmeckte. Gelda war erfreut und erzählte, dass sie ein neues Rezept von den Tuisken erfahren hätte. Obwohl sie den Brandwein sehr speziell ist und sie ihn nicht empfehlen könnte, würde sie den Helden doch gerne eine köstliche Suppe aus Belu-quallen zubereiten. Kenji reagierte eher skeptisch bei dem Gedanken an Quallensuppe, doch Gelda versicherte ihm, dass sie am Anfang ähnliche Bedenken hatte, die Suppe sich aber als wahrlich köstlich herausstellte. Außerdem versorgte sie ein befreundeter Berstmann, der hier ansässig wurde, mit ganz frischen Quallen und Blasentang, dessen Früchte dazu serviert werden. Octavia und Kenji ließen sich begeistern und auch Adarian war dieser neuen Erfahrung nicht abgetan. Gelda würde sie als Vorspeise bringen und empfahl als Hauptgericht köstlich gegrillte Barthakrele, die heute direkt frisch aus der Bartha-Bucht kommt. Kenji vertraute ganz auf Geldas Empfehlung und alle freuten sich schon auf ihr Essen.
Henks vertrauliches Gespräch
Ratte nahm Henk mit in den Schmuggelkeller zu einem vertraulichen Gespräch. Grifo hatte sein Versprechen tatsächlich gehalten und Henk begutachtete die Schmuggelware im Keller. Das Versteck war gut gewählt und würde nur einer gründlichsten Untersuchung nicht standhalten. Henk fand es besser als in der alten Einsiedelei und Ratte stimmt ihm zu und meinte, dass Grifo hier gute Arbeit geleistet hat und Henk ihn gut eingeschüchtert hätte.
Ratte ging dann genauer auf den potenziellen Partner ein. Es handelte sich bei ihm um einen einflussreichen Ganoven, der Beziehungen bis nach Valburg und zur Berstküste besitzt. Er könnte neben Waffen und Alkohol auch besondere Rauschbeeren von den Tuisken besorgen, die in fast allen Städten von Barthavion verboten sind, aber besonders unter den Matrosen wegen ihrer aufputschenden Wirkung sehr beliebt und damit äußerst lukrativ waren. Das wäre genau das, was die Gilde hier bräuchte, meinte Henk.
Ratte hatte bis jetzt aber nur mit einem Mann dieses Schmugglers geredet, welcher jedoch großes Interesse signalisierte und anscheinend schon viel von den Füchsen gehört hatte. Allerdings erwähnte er auch, dass sein Chef parallel Verhandlungen mit Graltiks Leuten führen würde und sich erst entscheiden würden, mit wem er letztendlich ins Geschäft treten möchte, wenn er einen Anführer der Füchse persönlich kennenlernen könnte. Henk sollte ihn also beeindrucken und den Ruf seiner Freunde nutzen, um ihm zu zeigen, dass die Füchse mächtigere Verbündete besitzen als der dicke Graltik. Henk stimmte Ratte zu und ergänzte noch , dass sie im Gegensatz zu Graltik auch nicht den Ruf hätten, ihre Geschäftspartner ständig über den Tisch zu ziehen. Er wollte dem zukünftigen Geschäftspartner die eine oder andere Geschichte erzählen, wie Graltik seine Partner behandelt.
Ratte erklärte dann noch, dass der Pirat im Laufe des Abends hierherkommen würde und dann müssten sie sehen, dass sie die Verhandlungen ohne Henks Freunde führen könnten. Der Kontaktmann selbst war jedenfalls noch nicht im Gasthaus, soweit Henk und Ratte das beurteilen konnten. Henk war lediglich der grimmige Ork am Kamin aufgefallen, von dem Ratte wusste, dass er ein Söldner aus dem Süden ist. Als Henk ihn für die Füchse anheuern wollte, bezweifelte Ratte, ob er wirklich den Eid leisten könnte. Ratte hatte sich bereits nach ihm erkundigt und erfahren, dass er aus Tora-Chem, einem Handelsposten von Perlheim, kam, ein strikter Einzelgänger und sehr reizbar war. Aber auch Schwarzbart war sich nicht sicher gewesen und Ratte wollte die Entscheidung jetzt Henk überlassen, der ihn sich durchaus als Wache im Meerweib vorstellen konnte. Ratte riet trotzdem davon ab, da er einem trinkenden Ork, welcher zu Gewaltbereitschaft neigt, nicht traute.
Über die Herkunft des potenziellen Geschäftspartners wusste Ratte leider nichts, lediglich, dass er gute Beziehungen haben sollte. Ratte hatte auch verlangt, dass er eine Probe von den Rauschbeeren mitbringen sollte. Henk wollte ihm auf alle Fälle seine Freunde vorstellen, damit ihm bewusstwürde, welchen Verbindungen die Füchse haben. Mestoph würde hoffentlich zufrieden sein, wenn er dazu überhaupt in der Lage wäre, scherzte Henk und die beiden gingen wieder hoch zu den anderen.
Ein ungewöhnliches Mahl
Während sich Ratte und Henk sich besprachen, konnten Octavia, Kenji und Adarian beobachten, wie ein mit Taschen behangener Mann mit weit geöffnetem Mantel mit den Schäfern am Stammtisch sprach und diese kopfschüttelnd Desinteresse signalisierten. Er wandte sich von ihnen ab und kam freundlich grüßend und lachend auf die Helden zu, wollte gerade seinen Mantel öffnen, als er mit starren Augen Kenji bemerkte. Schlagartig entglitt sein Lächeln, er verstummte, drehte auf dem Absatz um und verschwand auf direktem Weg aus dem Gasthaus.
Während die Freunde der seltsamen Person nachschauten, bemerkten sie, dass Henk mit Ratte zurückkehrte. Ratte setzte sich gegenüber dem an der Wand lehnenden Kenji und Henk nahm den Eckplatz, um den Raum im Blick behalten zu können. Henk erkundigte sich sofort nach dem Essen, ob schon etwas bestellt wurde. Octavia informiert ihn, dass es eine Quallensuppe mit Blasentang gäbe, was Henk einerseits interessant, andererseits aber auch etwas eklig fand, wenngleich er es noch nie gegessen hatte. Kenji wandte ein, dass Gelda versprach, dass es besser schmecken würde, als es sich anhörte. Henk zog Kenji damit auf, dass er in diesem Gasthaus fett geworden wäre und daher das Essen hier anscheinend gut gewesen war. Er entlockte Kenji noch, dass ein Lieblingsessen immer Lammkeule mit Morcheln und einem guten Bier gewesen sei und war Henk vor, auf die Verleumdungen Kerzorbans hereingefallen zu sein, denn er wäre nie fett gewesen. Kenji hätte nie gesagt, früher dick gewesen zu sein, lediglich, dass er auf der Reise in den Norden abgenommen hätte, aus dem Henk wiederrum nur den Schluss ziehen konnte, dass Kenji früher eben doch dicker war. Als Kenji ihn daran erinnerte, dass dies für sie alle vor der anstrengenden Reise galt, stimmte Adarian ihm zu und wies auf Gelda hin, welche gerade die Suppe brachte.
Überraschenderweise enthielt die Suppe keinerlei ganzen Quallen, sondern nur dünne Quallenstreifen und kleine Knubbel vom Blasentang. Als erstes probierte Henk eine solch kleine Kugel und biss drauf. Es poppte einmal kurz auf und entließ eine salzige Flüssigkeit, was Henk an Fischeier erinnerte. Er fand es köstlich, während Octavia das Gesicht verzog, als sie den Tang probierte. Auch die wabbeligen Quallenstreifen mochte sie wegen ihrer Konsistenz nicht besonders, doch Kenji genoss die Suppe und besonders die feinen Streifen hatten es ihm angetan, da sie so einen unglaublich aromatischen Geschmack hatten und überhaupt nicht knorpelig waren. Octavias Suppenrest, welchen sie nach einigen Anstandslöffeln gelassen hatte, teilten sich Henk und Kenji auf. Sie genossen die Vorspeise, welche Adarian nicht jeden Tag essen wollte und Ratte etwas zu fischig fand. Octavia freute sich schon auf die Arasmakrele und Henk versprach ihr, dass sie ihr bestimmt munden würde. Rupo nahm eine weitere Getränkebestellung auf und Kenji entschied sich diesmal für einen edlen, thyrnischen Wein, welcher nur an besondere Gäste ausgeschenkt wird.
Geschichten der Vergangenheit
Nachdem die Getränke gebracht wurden, starrte Ratte mit etwas verklärten Blick auf Kenji. Mit ehrlich erfreutem Gesicht stellte er fest, wie lange ihre gemeinsame Zeit lange her war. Kenji entschuldigte sich, dass er gar nicht so genau wüsste, wie er damit umgehen sollte, denn bis vor kurzem wusste er nicht einmal, dass es Ratte überhaupt noch gibt. Er hatte über all die Jahre dieses schlechte Gewissen mit sich herumgetragen, doch Ratte konnte nicht verstehen, warum Kenji überhaupt ein schlechtes Gewissen hatte. Die meisten Jungen hatten es sowieso nicht geschafft, aber Kenji war froh, dass Ratte ihnen wenigstens eine Chance gegeben hatte. Und er würde Ratte nie vergessen, dass er ihm eine Chance gegeben hatte. Ratte blickte ihn an und meinte, dass er niemals den Hunger von damals vergessen würde, den er jetzt fast wieder spürte, und er blickte sich sehnsüchtig nach der Bedienung mit dem Essen um. Kenji nickte bei der Erwähnung des Hungers und erklärte sich damit auch, warum er immer so gut gegessen habe, auch wenn Henk ihn damit immer aufzöge. Ratte blickte zu Henk und erzählte ihm, dass er Kenji als verwahrlostes und verlaustes Gossenkind aufgelesen hatte und sie hätten solchen Hunger gehabt, dass sie sogar Hüte gegessen hätten. Er würde den Hunger niemals vergessen, den sie damals erleiden mussten. Er wendet seinen Blick den Fischdüften zu und ist hocherfreut, als endlich das Hauptgericht serviert wurde. Octavia war zufrieden, als sie entdeckte, dass der große Fisch festes Fleisch hatte und nicht so glibberig wie die Quallenstückchen.
Während des Essens erinnerte Kenji sich daran, dass sie es als Straßenkinder aber immer geschafft hatten. Er erinnerte sich vielleicht nicht an alles, aber weil nicht alle Jungen gleich geschickt zu Essen fanden, wurde alles geteilt, was erbeutet wurde, damit alle etwas hatten, und Ratte hatte dies als der Stärkste, Größte und Klügste von ihnen durchgesetzt. Ratte fühlte sich geschmeichelt und erwähnte lobend, was für flinken Finger Kenji damals beim Stehlen auf dem Markt hatte. Und obwohl Kenji versuchte, die Aufmerksamkeit auf das Essen zu lenken, erzählte Ratte davon, welch Augenschmaus es gewesen sei, zu sehen, wie schnell Kenji Äpfel und anderes Obst in seinem Ärmel verschwinden ließ. Doch trotz dieser echten Begabung hatte Kenji sich für einen anderen Weg entschieden. Ratte gestand Henk, dass es aber eigentlich schon von Anfang das Gefühl hatte, dass Kenji nie richtig zu ihnen gehörte, was Henk als Kompliment auffasste. Kenji hätte ohne ihn und seine Gruppe von Straßenjungen vermutlich auch niemals auf der Straße überlebt, wenn sie ihn damals nicht gefunden hätten.
Kenji erinnerte sich an die Zeit, wo er sich in Valkenburg vor dem Gericht verteidigen musste, denn dort fiel ihm auf, dass er sich zwar für einiges schämte, dass sein Leben auf der Straße aber nicht dazu gehören würde. Kenji ging davon aus, dass er durch diese Zeit die Menschen viel besser verstehen konnte, weil er selbst schon ähnliches erlebt hatte, und diese Erfahrung würden vielen seiner Questoren-Brüder fehlen. Henk schlug vor, dass die beiden sich nicht wieder aus den Augen verlieren sollten, da sie als Kinder viel zusammen erlebt hätten, worauf sie alle mit Wein und Bier anstießen. Kenji schlug vor, dass sie in den Gesprächen aber vielleicht ihre aktuellen Tätigkeiten außen vorließen, womit Ratte schmunzelnd einverstanden war. Henk ergänzte, dass sie sich über ihr Leben unterhalten sollten, wo sie doch nichts voneinander wüssten, und Kenji wollte auch direkt wissen, ob Ratte sich ein Leben mit Kindern und Familie aufgebaut hat? Dieser lachte und bejahte die Frage nach der Familie, wenn sie auch nicht das wäre, was Kenji vielleicht meinen würde, sondern eher in dem Sinne, wie er damals auch eine Familie hatte. Henk nickte Ratte lächelnd zu, und Kenji verstand genau, was gemeint war, und betonte, dass er eine solche Familie auch nicht niedriger schätzen wollte. Henk erinnerte alle an die große Trauer auf der Beerdigung von Mjonflir, als wäre für alle ein leiblicher Bruder gestorben (vgl. Episode 19.09). Octavia nickte zustimmend und Kenji erinnerte Ratte daran, dass er besser als viele andere wissen wüsste, dass Kenji ohne leibliche Eltern aufgewachsen war und somit genau wusste, dass Familie mehr bedeutet als Blut.
Kenjis Geschichte
Henk wollte wissen, wie das früher eigentlich gewesen ist, ob Kenji auffiel mit seinen etwas verkniffenen Augen? Ratte nickte zustimmend und meinte, dass das aber hervorragend der Ablenkung diente, sodass die anderen ordentlich zugreifen konnten, wenn Kenji für Unruhe sorgte. Außerdem hätte der Dreck viele Unterschiede verwaschen, ergänzte Kenji und ihm fiel auf, dass er damals wenigstens noch zwei Ohren hatte und zeigte dem erstaunten Ratte seinen Ohrstummel, das Überbleibsel von Kenjis Feuertaufe, wie Henk es nannte. Ratte wollte sofort wissen, wie das passierte, und Henk bestellte für die Geschichte noch eine Runde Bier, einen Schnaps und für Kenji einen Wein, bevor er ihn aufforderte, seine Geschichte zu erzählen.
Kenji wollte sich mit der Länge der Geschichte herausreden, doch Henk meinte, dass es doch nur um die Situation mit dem Ohr ginge, die doch beim Essen schnell erzählt sei. Ratte lachte schallend und stieß auf Kenji an, welcher jetzt begann zu erzählen. Sein Leben verdankte er einem Mann, welcher jetzt nicht mehr unter ihnen weilte, nämlich Noah. Er war mit den Helden im Norden und wäre an Kenjis Stelle gestorben. Kenji hätte fest damit gerechnet, dass er dort oben im Eis für Octavia sein Leben lassen würde, aber Noah sprang an seine Stelle. Einen Blitzzauber eines Schwarzmagier, welcher eigentlich Octavia töten sollte, wollte Kenji auf sich lenken, aber Noah war schneller und der Blitz streifte nur noch Kenjis Kopf. Deswegen wäre die Verstümmelung seines Ohres alles, was er mitgenommen hätte (vgl. Kap. 12). Ratte beglückwünschte Kenji zu seinem Glück und meinte, die Götter müssten ihn beschützen. Er hob seinen Krug und stieß mit dem Trinkspruch: „Auf die Schutzgötter!“ mit allen an und Kenji ergänzte „Auf Noah!“.
Ratte, welcher schon einen leichten Schwips hatte, gestand Kenji, dass er überhaupt nicht erstaunt war, dass aus ihm ein Questor geworden ist, denn Kenji wäre schon immer zu ehrlich gewesen, um es auf der Straße weit zu bringen, weshalb man ihm manche Sachen ja auch gar nicht sagen könnte. Henk nickt und meinte schmunzelnd, dass sie dieses Problem heute noch hätten. Kenji stellte heraus, dass ihre größten Probleme aber nie durch seine Ehrlichkeit, sondern durch ihre Lügen entstanden wären. Er wollte keinen Streit anfangen, aber das wäre nun einmal ein Fakt. Das kann man im Nachhinein gar nicht mehr so genau sagen, redet sich Ratte lallend heraus. Jedenfalls beeindruckte es Ratte sehr, dass Kenji doch so am Boden geblieben war, und er fragte ihn, ob er sich an Bosper erinnern könnte? Kenji überlegte kurz, nickte und meinte dann, dass Bosper immer etwas anders gewesen war als die anderen Jungen. Aus ihm wäre ein ganz feiner Pinkel geworden, denn er hätte sich ein paar Jahre, nachdem Kenji weg war, durch eine geschickte Betrügerei ein großes Vermögen verdient und sich dann dazu entschlossen, rechtschaffen zu werden. Er nutzte sein Startkapital, um sich ein eigenes Boot zu kaufen und in das Perlengeschäft einzusteigen, und wäre heute in Perlheim einer der Hauptlieferanten für besondere Perlen, wie z.B. aus der kostbaren Lichtmuschel für welche die Perlenschleifer mehr als gut bezahlen. Falls Kenji ihn mal wiederträfe, sollte er ihn bloß nicht auf ihre gemeinsame Vergangenheit ansprechen, da Bosper seine Zeit als Straßenjunge nur peinlich wäre, was Ratte überhaupt nicht verstand. Er sollte ihm gestohlen bleiben, verkündete Ratte, bevor er einen langen Zug trank und anschließend lautstark rülpste.
Um richtig verstanden zu werden stellte Kenji klar, dass er sich nicht für die alte Zeit schämen würde, es jedoch besser für sein Wort wäre, wenn nicht jeder davon wüsste. Er wollte nicht, dass die Leute das Wort Alethons anzweifeln, denn nicht alle verstünden das so gut. Als Kenji jedoch in Rattes verständnisloses Gesicht sah, erläuterte er ihm, dass er bei der Verhandlung in Valkenburg gelernt hätte, wenn man nicht alle Informationen hat - denn genau das hätte Kerzorban damals versucht, nämlich Halbwahrheiten über die Helden zu erzählen - dann glaubten die Leute schnell den Vorurteilen, denn sie wüssten ja auch nicht, wie es damals bei den Helden war - warum sie handelten, wie sie handelten, nämlich weil sie mussten – nach ihrem eigenen Ehrenkodex. Ratte verstand immer noch nicht und wandte ein, dass mit diesem Wissen die Leute wenigstens sehen könnten, dass Kenji auf solidem Grund stünde und wüsste, wovon er redet. Henk stimmte Radbod zu und fand, dass diese Lebensgeschichte eher eine Stärke als eine Schwäche wäre. Kenji würde sich gerne die Zeit nehmen, es allen Menschen zu erklären, wenn die Helden ihre große Aufgabe hinter sich gebracht hätten, denn jetzt wäre dazu keine Zeit, fand er. Es wäre besser, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, als jetzt schon irgendwelche Ungenauigkeiten zu verbreiten. Ratte fragte Kenji, ob er mit seinen Prahlereien, den großen Erzquestor zu kennen, jetzt zurückhaltender sein sollte und zwinkerte ihm lachend zu. Henk scherzte weiter, dass sie gestern erst noch am Hafen darüber gesprochen hätten, es in Zukunft aber lassen würden, wo sie es jetzt wüssten, obwohl sogar schon ein Aushang vorbereitet gewesen wäre. Ratte wäre doch stolz darauf, einen solchen Helden zu kennen. Doch als Kenji nervös reagierte und einlenkend darauf einging, lachte Ratte, klopft ihm in seiner saloppen Art immer wieder auf die Schulter und beteuerte, dass sie doch nur scherzen würden.
Ratte und Solva
Henk erlöste den armen Kenji, indem er das Thema wechselte und Ratte fragte, wie er denn an die Tuiskin Solva geraten wäre. Octavia erinnerte sich an die Berstfrau vom Empfang des Bordells (vgl. Episode 20.05) und Henk und Ratte lachten laut. Ratte erzählte grinsend, dass sie hier an der Küste gestrandet wäre. Henk wollte sofort wissen, ob sie auch ordentlich mit Wasser übergossen wurde, und Ratte unkte, dass beim letzten Unwetter ein Wal an Land gegangen wäre, und die beiden lachten sich kaputt. Nachdem er einen tiefen Schluck getrunken hatte, erklärte er mit ernster Stimme, dass Solva in ihrer Heimat Haidaby wohl massiven Ärger gehabt hätte. Sie sollte verheiratet werden und hatte ihren Mann erschlagen, weil er ihr zu mickrig war und sich auch nicht zu wehren wusste. Er hätte ihr wohl Widerworte gegeben, höhnte Ratte, und Henk spekulierte, ob sie ihn anschließend vielleicht sogar gegessen hätte. Aus dem anschließenden lauten Gelächter heraus bestellte Ratte gleich noch Bier, Schnaps und für Kenji einen weiteren Wein bei der die Speisen abräumenden Gelda. Solva wäre ein Glücksgriff gewesen, gestand Ratte, und sie ließe auch nicht jeden drübersteigen, weshalb er sie auch zu seinem Weib auserkoren hatte. Henk war beeindruckt und wollte wissen, ob sie sich gut verstehen? Ja schon, räumte Ratte ein, obwohl er auch mal Kontra geben müsste. Allerdings wäre es manchmal auch ganz schön, einfach „Ja Schatz“ sagen zu können, gestand er schmunzelnd. Mit dem Lufthaushalt wäre es manchmal etwas arg, scherzte Ratte und deute an, wie er sein Gesicht zwischen Solvas ausladenden Brüste steckte. Die neue Getränkerunde wurde gebracht und Ratte schob jedem wieder einen Schnaps herüber. Kenji blickte hilfesuchend zu Octavia, und Henk beschwor sie, dass dieser der Letzte sein würde. Sie hoben die Gläser „auf alte und auf neue Freunde!“ und tranken den Schnaps in einem Zug aus.
Grifos klagender Gast
Draußen war es mittlerweile dunkel geworden und der Tisch war fertig abgedeckt. Ratte und Henk hatten sich eine Pfeife angezündet und Octavia hatte bereits rote Wangen und einen etwas glasigen Blick. Doch niemandem entging, dass Grifo einen Gast in Empfang genommen hatte, welcher mit seinen besonders hohen Lederstiefeln die Aufmerksamkeit auf sich zog. Kenji erkannte an den Stiefeln sofort einen Fischer und dieser schien auch mit Grifo gut bekannt zu sein, denn er klagte ihm lautstark sein Leid, wodurch die Helden zwangsläufig einige Fetzen von dem Gespräch der beiden mitbekamen.
Anscheinend waren die Muschelgründe für die begehrten Lichtmuscheln im Süden von Perlheim immer gefährlicher geworden. Es wären bereits fünf andere Fischer in der Nähe einer kleinen Insel mit ihren Booten verschwunden und irgendein unbekannter Schrecken ginge anscheinend dort um. Vor einigen Wochen wurden in der Gegend über Nacht plötzlich Unmengen an toten Meerestieren angespült und sogar ein großer Wal wäre in diese Nacht gestandet. Die Fische stapelten sich an der Küste angeblich meterhoch, obwohl es weder einen Sturm gab oder sonstige Gründe dafür zu finden waren. Nachdem die Fischer verschwanden, traute er sich nun nicht mehr dorthin, obwohl die Lichtmuschel fast nur dort zu finden ist und sie der Garant für den Wohlstand Perlheims war. Er war besorgt, dass es ohne diese Luxusware für Perlheim sehr schwer werden würde, ohne die Unterstützung Thyrnas wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Schwer besorgt führte Grifo ihn in Richtung der Theke, damit er erstmal einen Trinken konnte.
Octavia spekulierte, ob diese Ereignisse etwas mit den Schwarzmagier zu tun haben könnten und Kenji wünschte sich mehr Zeit, um der Sache nachzugehen. Henk fragte Ratte, was er über diese besagte Nacht wüsste, und er bestätigte die Geschichte des Fischers. Adarian schlug auch vor, sich zumindest nochmal umzusehen und wollte wissen, wie viel Zeit ihnen denn noch bliebe? Ratte scherzte, er könnte ja Bosper fragen, und lachte lautstark. Um den Ernst zu vertreiben, schlug Ratte ein Trinkspiel vor und ließ sich auch nicht abwimmeln.
Trinkspiel „Sprung in die Schüssel“
Um den Abend noch amüsanter zu gestalten und den Ernst zu vertreiben, beschloss Ratte, ein Trinkspiel zu spielen, und teilte gleich die Gruppen ein. Kenji sollte gegen Ratte und Henk gegen Adarian antreten. Es wäre ein super Spitzenspiel und hieße „Sprung in die Schüssel“, pries Ratte an, was Kenji gleich skeptisch machte. Ratte sollte erstmal erzählen, worum es überhaupt in dem Spiel ginge. Ratte erklärte, man nähme Anlauf und wer als erster in der Schüssel landete, hätte gewonnen. Kenji blickte ganz ungläubig und Ratte wollte es mal vorbereiten. Er winkte Grifos jüngeren Sohn Elko heran und bestellte 20 Bier und zwei Weißwasser. Dieser brachte schnell mit seinem Bruder Rupo die gewünschten Getränke und sie stellten jeweils 10 Biere in eine Reihe mit einem Weißwasser in der Mitte, sodass jeder Teilnehmer fünf Bier vor sich hatte und dann das Weißwasser stand. Kenji war besorgt und wollte auf keinen Fall gegen Ratte kämpfen, doch dieser beruhigte ihn, dass es sich doch nur um einen Bierkampf handeln würde und er ihn bestimmt nicht anrühre.
Dann erklärte Ratte die Regel von „Sprung in die Schüssel“. Zunächst leert man das erste Glas, baut dann eine „Brücke“ daraus, indem man es umdrehte, und kommt so zum zweiten Glas, mit dem man genauso umgeht. Also immer trinken und Brücken bauen, bis man als erstes bei dem Weißwasserkelch in der Mitte ankommt und Sieger ist. Adarian war sofort ganz begeistert von dem Spiel und Kenji blickte immer wieder hilfesuchend zu Octavia, doch diese freute sich nur, dass sie zuschauen durfte, lehnte sich mit ihrem Likör zurück und beobachtete das Spektakel.
Das Spiel begann und die ersten beiden Bierrunden hielten noch alle gut durch. Kenji merkte, wie ihm vor allem das Trinktempo in den Kopf stieg und begann nach der zweiten Runde ein ablenkendes, belangloses Gespräch, um etwas Zeit herauszuschinden. Ratte erkannte seine Taktik, grinste und drängte zur Eile. Mit dem dritten Bier hatte besonders Kenji zu kämpfen, sodass er in der nächsten Runde aussetzte, während die anderen ihr viertes Bier tranken. Beim fünften Bier der anderen stieg Kenji aus dem Spiel aus, sodass Ratte, nachdem er seine komplette Brücke gebaut, konkurrenzlos nach seiner Siegesprämie greifen konnte. Adarian und Henk hielten beide gut durch und griffen zeitgleich nach dem Weißwasser. Henk zögerte absichtlich etwas, damit Adarian auf alle Fälle das edle Getränk bekäme. Ratte gab Octavia einen Schluss ab, den sie auch dankend annahm, denn sie hatte schon lange nicht mehr von so edlem Tropfen gekostet. Adarian trank den Krug bis auf einen kleinen Schluck für Henk allein aus und war danach ziemlich betrunken und konnte nicht mehr gerade sitzen. Kenji entschuldigte sich lallend, dass seine Brücke nicht fertig geworden war. Er wäre Questor und kein Brückenbauer. Octavia fügte hinzu, dass Henk der beste Brückenbauer wäre, denn er wirkte von allen am wenigsten betrunken.
Der potentielle Geschäftspartner
Mitten im Spiel der Helden betraten sechs Personen das Gasthaus und zogen die Aufmerksamkeit durch obszöne Schimpfworte und Beleidigungen gefolgt von infernalisch hohem Gekicher auf sich.
„Ihr gammeligen Aallutscher, aus dem Weg hier, Pissbärte!“
„Hihihiiihiii“
Das Geschrei stammte von einer sehr dicken Person mit einem roten Mantel, welche gerade mit einer unglaublich hässlichen Frau anscheinend über irgendjemanden herzuzog und dann laut lachte.
„Alter scheiß Transchlürfer, hier. Gib mir mal ‘nen ordentlichen Trunk, ey. Her damit jetzt!“
Als der unverschämte Fettsack bei Grifo einen ordentlichen Schluck forderte, erkannten die Helden Käpt'n Rötel wieder. Henk und Adarian schwante Übles, während Octavia Kenji, welcher damals nicht dabei gewesen war, den Zusammenhang erläuterte, wie Rötel sie damals hinters Licht geführt hatte (vgl. Comic Teil 2: „Familientreffen“). Adarian, Henk und Ratte erhoben sich und Henk legte, während Adarian sich streckte, seinen Säbel auf den Tisch, und Adarian folgte seinem Beispiel.
Käpt'n Rötel hatte neben seiner hässlichen Braut Bishi seine besten Männer dabei. Da war seine rechte Hand Arnd, welcher Henk damals den Bogen gegeben hatte, dann der Glatzkopf mit dem Pelzkragen Keshmir und Raskir, der Alte mit dem Zopf (beide aus Adarians Piratentruppe), und schließlich noch Kanonier Torkil, welcher damals das Schiff von Behringer beschossen hatte.
Der volltrunkene Adarian schimpfte den Piratenkapitän wütend den „Sohn einer Meereshure“, während er mit Henk und Ratte im Schlepptau auf Rötel und seine Männer zuwankte, die sich ihnen bereits näherten. Die Schafzüchter nahmen Abstand zu der lauten und pöbelhaften Gruppe von eindeutigen Piraten und verließen fluchtartig ihren Stammtisch. Auch Grifo schaute etwas ängstlich zu Ratte herüber, der aber beschwichtigend seine Hand hob und signalisierte, dass alles unter Kontrolle war.
Als Rötel die Helden wiedererkannte, brach er in laustarkes Lachen aus und machte sich in seiner direkten und unverschämten Art darüber lustig, dass er die Leute wiedertraf, die er in der Vergangenheit so herrlich verarscht hatte. Für ihn als Schurke war dies eine besondere Leistung gewesen und er ließ sich stolz über seine Abzocke aus und schwärmte von seiner Genialität, mit welcher es ihm gelang, die beiden Hohlköpfe für seine Pläne zu missbrauchen. Adarian fühlte sich stark provoziert und wollte ihn angreifen, war aber zu betrunken. Sein Schlag wurde von Arnd abgefangen, welcher ihn festhielt, während Henk und Ratte beruhigend auf Adarian einredeten.
Henk entschuldigte sich bei Käpt’n Rötel für Adarians Verhalten, aber dieser brach nur in schallendes Gelächter aus. Er war gedanklich noch in der Vergangenheit und lachte sich schlapp. Adarians Zorn kochte hoch und er versuchte im betrunkenen Kopf nach seinem Schwert zu greifen, welches er zuvor jedoch ebenfalls weggelegt hatte, so dass er ins Leere griff. Daraufhin torkelt er nach vorne und versucht Rötel eine Kopfnuss zu geben, welche dieser mit der Hand abwehrt. Adarian wirft Rötel wütend vor, wegen ihm alle seine Gelübde über Bord geworfen zu haben, und dieser kontert, indem er bemerkte, dass Adarian zwar noch genauso dumm wie früher aus der Wäsche blickte, dafür aber jetzt gar nicht mehr so hässlich wäre. Adarian holte erneut aus und traf diesmal Rötel mitten ins Gesicht, wovon dieser sich erstmal erholen musste, während Adarian sich einen Stuhl nahm und hinsetzte.
Henk schaute sich die ganze Szene ruhig an, während Ratte Rötels Mann Keshmir den Tipp gab, seinen Chef auf den großen Fehler hinzuweisen, welchen er gerade begehen würde. Rötel rappelte sich auf und forderte Ratte auf, seine Männer zurückzupfeifen, weil es ansonsten noch richtigen Ärger gäbe. Daraufhin klärte Ratte den verdutzen Kapitän auf, dass dies nicht seine Männer wären, sondern dass Henk einer der führenden Köpfe der Füchse sei, mit welchen sich Rötel hier treffen wollte. Rötel stutzte kurz und brach dann in schallendes Gelächter aus, denn er hielt das ganze für einen blöden Scherz. Er konnte es nicht glauben, weil Henk sich damals so leicht von ihm betrügen ließ wie einen stümperhaften Grünschnabel, und weil er ihm das Schiff so einfach stehlen konnte. Doch als niemand mit ihm lachte, registrierte er langsam die Lage.
Henk gestand Rötel zu, dass er damals Glück gehabt habe, weil die Helden damals noch nicht wussten, wer sie waren. Doch noch einmal würde Rötel nicht so viel Glück haben und Henk bot ihm an, jetzt eine ernsthafte Unterhaltung zu führen. Doch Rötel konnte sich nicht zusammenreißen und provozierte weiter. Ratte war klar, dass Henk sich nur mit einer guten Kneipenschlägerei wieder Respekt bei Rötel und seinen Männern verschaffen konnte, suchte seinen Blickkontakt und nickte ihm kurz zu, um dann den ersten Schlag direkt in Rötels Fresse auszuteilen, als Henk durch ein kurzes Augennicken sein ok gab. Währenddessen zog dieser seinen Dolch aus dem Stiefel und begab sich mit einer flinken Bewegung direkt neben Rötel, hielt ihm kurz den Dolch an den Hals, um ihn dann in die Lehne eines Stuhls zu stoßen. Dann krempelt Henk vor dem erschrockenen Rötel seine Ärmel hoch. Rötels Männer schnallten wie selbstverständlich ihre Waffen ab und hoben ihre Fäuste zum Kampf, während Adarian sich erhob und auf Arnd stürzen wollte. Doch er rammt stattdessen einen hölzernen Stützpfeiler und musste sich erstmal wieder sammeln. Henk verstand schnell, dass eine Schlägerei gerade gut fürs Geschäft wäre und Rötel einfach zu blöd war, um die Sache mit Worten auszutragen, weshalb er den Käpt‘n provokant zum Zweikampf herausforderte.
Kneipenschlägerei
Octavia bewaffnete sich vorsorglich einen Weißwasser-Glaskelch zur Verteidigung und blieb bei Kenji am Tisch, der auf sie einredete und bemüht war, sie von einer Einmischung abzuhalten. Während der betrunkene Adarian neben dem Stützpfeiler Arnd anvisierte, stand Henk vor der ganzen Piratentruppe und forderte sie mit offenen Armen heraus:
„Na los!“
Torkil reagierte am schnellsten und attackierte Henk mit einem Rammstoß von der Seite, während er ihn wütend anschrie:
„Ich verfütter' dich an die Krabben!“.
Doch Henk lenkte den Schwung des Piraten geschickt ab und schleuderte Torkil mit den Worten:
„Jetzt decken wir aber erstmal diesen Tisch hier ab!“
auf den Stammtisch, wo vor kurzem noch die Schafzüchter gesessen hatten. Torkil rutscht über den Tisch, riss die Krüge herunter und stürzte auf der anderen Seite zu Boden. Raskir stürmte mit den Worten
„Du räudiger Aallutscher, dir zupf ich einen!“
auf Henk zu, welcher ihm gerade den Rücken zukehrte. Raskir packte ihn an den Schultern, hielt ihn fest und drehte Henk so um, dass er sein Gesicht direkt in Bishis Richtung wandte. Rötel lachte lautstark und sein hässliches Weib kicherte wie gewohnt dazu. Adarian beobachtete, wie die hässliche Piratin Raskirs Vorlage für einen Tritt in Henks Weichteile ausnutzen wollte, ging dazwischen und verpasste der Kichernden mit den Worten
„Dir, Alte, hau ich die Läuse aus den Ohren!“
eine schallende Backpfeife, was Bishi taumelnd zwei Meter zurückwarf und ihr ein Klingeln in den Ohren bescherte. Ratte rammte zur gleichen Zeit schreiend dem lachenden Rötel seinen Kopf in den Magen und stieß ihn so weiter nach hinten. Doch Keshmir umklammerte Ratte sofort auf Hüfthöhe von hinten und drehte ihn zu Arnd, welcher ihm mit den Worten:
„Ich hol dir mal die Glubschaugen aus dem Schädel!“
einen Faustschlag ins Gesicht verpasste.
„Jetzt guckste, du Seegurke!“
kommentiert Arnd noch, als Ratte in Keshmirs Griff zusammensackte.
Kenji stand mit dem Rücken zum Geschehen am Tisch und versuchte die provokant herüberblickende Octavia zu beruhigen. Er wollte ihr klarzumachen, dass die anderen schon ohne sie zurechtkämen, doch Octavia wollte es sich zumindest ansehen und feuerte Henk leidenschaftlich an. Sie war stinksauer auf Rötel und der Alkohol tat sein Übriges, während Kenji eigentlich hauptsächlich Angst um sie hatte. Doch als Octavia sah, dass Henk von hinten festgehalten wurde und sich Torkil, den er über den Stammtisch geschleudert hatte, wieder erhob, ging sie mit dem Weißwasser-Kelch bewaffnet in dessen Richtung und zog ihm mit den Worten:
„Das ist für das Drecksloch, in das ihr mich gesperrt habt!“
den Glaskelch über den Schädel. Kenji war zu überrascht, um sie aufzuhalten, und versuchte nun, sie wenigstens aus dem weiteren Kampfgeschehen herauszuhalten. Also feuerte Octavia die anderen weiter an und warf den Piraten provozierende Blicke zu.
„Los Adarian!“
Henk versuchte Raskir, welcher ihn von hinten gepackt hatte, nach vorne wegzuschleuderten, und beugte sich dazu vornüber. Doch Raskir ließ zunächst nicht so schnell los und Henk brauchte seine ganze Akrobatik, um ihn schließlich abzuwerfen. Auf dem Boden liegend rülpste der Pirat lautstark und fluchte:
„Du verdammter Groghai, du biegst mir ja die Arme auseinander!“
Bei seinem Überschlag trafen Raskirs Beine die gerade wieder stehende Bishi hart im Gesicht und Henk holt mit den Worten:
„Ich hoffe, die Alte kennt ‘nen guten Zahnarzt!“
zu einem gezielten Faustschlag gegen Raskirs Kinn aus, als dieser sich erhob. Henk traf mit voller Wucht und brachte Raskir erneut ins Trudeln.
„Hätt ich nur Pocken an den Füßen!“
rief er taumelnd und prallte gegen Bishi, die sich ihr Gesicht befühlte, um den Schaden zu ermitteln. Als Henk ihr höhnisch zurief:
„Mach dir keine Sorgen, hässlicher wirst du nicht!“
attackierte sie ihn überraschend und stürmte schreiend auf ihn zu, stolperte jedoch über den sich aufrichtenden Raskir.
Adarian wandte sich Arnd zu und wollte ihm mit beiden Händen gleichzeitig auf die Wangen klatschen. Doch dieser weicht aus und verhöhnt ihn:
„Mit deinen Glubschaugen musst du genauer hingucken, du alte Trantüte!“
und verpasst dem betrunkenen Adarian seinerseits eine ordentliche Schelle. Ratte, von hinten durch Keshmir gehalten, nutzte die Chance, dass Arnd sich von ihm abwandte, und trat diesem mit dem Spruch
„Hier kommt das Seepferdchen!“
in den Hintern. Während sich Adarian noch sammelte, bekam er von Rötel einen Schlag verpasst. Torkil rieb sich hinter dem Stammtisch seinen Kopf und wurde dabei von Octavia beobachtet, die sich allerdings schützend hinter den Tisch und Kenji zurückgezogen hatte. Als sich Kenji umdrehte und ebenfalls in die Richtung sah, bemerkte er den blutigen und sehr wütenden Torkil, wie er sich in ihre Richtung wandte, und erklärte ihm, dass er erst an ihm vorbeimüsste, wenn er zu Octavia wollte.
...
Henk schlägt sich mit Rötel und bezwingt ihn. Die Helden gehen als klare Sieger aus der Schlägerei hervor. Während die anderen ziemlich betrunken in die Villa zurückkehren, bleibt Henk in der grünen Rast und verhandelt mit Käpt’n Rötel.
Episode 12: Steine
6./7. Spealis 721 ThZ
Verhandlungen werden aufgenommen und ein Steinmetz wird beauftragt. Die MYstiker des Areteischen Ordens segnen das Anwesen und Reparaturmaterial wird beschafft. Ein Tier wird gerettet und ein Grabstein aufgestellt. Kenji bekommt einen alten Brief und Archorbar berichtet von seinem Plan.
6. Spealis
Verhandlung mit Rötel
Für Rötel ist der Konflikt mit den Helden nach der Schlägerei geklärt und er muss anerkennen, dass Henk ihn grün und blau geschlagen hat. Somit kauft er ihm es auch ab, dass er ein hohes Tier bei den Füchsen ist, und ist bereit bei einer Steifen Brise über das Geschäftliche zu sprechen. Rötel erinnert Ratte daran, dass er ein gefragter Mann ist und seine Ware auch bei der Konkurrenz loswerden könne, wobei er breit und dreckig grinst. Ratte weiß, dass damit Graltik gemeint ist und auch, dass Schwarzbart dies um jeden Preis verhindern will, da es die ohnehin schon schwache Position der Füchse in Perlheim noch weiter schwäche würde. Ratte weist Henk unauffällig darauf hin, dass Rötel ein echt großer Fisch und zur Zeit der gefragteste Schmuggler der Gegend sei und das Geschäft mit den Rauschbeeren den Füchsen einen gigantischen Profit einbringen und ihnen in Perlheim zu neuem Reichtum und Macht verhelfen würde.
Als Henk grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, ein Geschäft mit Rötel einzugehen, stellt dieser seine Forderung. Er würde sofort mit den Füchsen ins Geschäft kommen, wenn sie etwas für ihn tun würden, und zwar gebe es vor der Küste zwischen Perlheim und Weisshafen einen neuen Konkurrenten, den er gern beseitigen würde. Man nennt ihn Captain Steinauge, da ihm ein Auge fehle und er die Lücke in seinem Kopf mit einem Edelstein aufgefüllt habe, woran man ihn auch gut erkennen könne. Er plündere Handelsschiffe in diesem Gebiet, obwohl alle Piraten wüssten, dass dies Rötels Beutegründe sind und sich fern halten müssten. Rötel hätte Steinauge schon längst den Garaus gemacht, jedoch sei dieser sehr feige und verstecke sich mit seinem Schiff vor ihm. Rötel fordert, dass die Füchse Steinauge aufspüren und sein Schiff versenken. Ihn selbst sollen sie gefangen nehmen und zu ihm bringen. Damit wären für Rötel die Probleme mit der Konkurrenz erledigt und er würde mit den Füchsen ein lukratives Abkommen schließen. Er erwähnt abschließend auch beiläufig, dass er den Männern von dem „fetten Nemorer“ aus Kratara den gleichen Auftrag gegeben habe. Wer also das Schiff zuerst versenke und anschließend Steinauge zu ihm brächte, würde Rötels neuer Geschäftspartner werden.
Henk stimmt zu und Rötel will sich danach mit seinen Männern noch besaufen und lädt Henk und Ratte ein, falls sie wollen. Doch Henk entschuldigt sich und spricht kurz mit Ratte, bevor er zur Villa zurückkehrt. Ratte schätzt, dass es für Schwarzbart und seine weitreichenden Kontakte kein Problem sein werde, Steinauges Schiff ausfindig zu machen. Schwarzbart sei zurzeit in Veltima, aber Ratte könnte ihm eine Nachricht schicken, dann würde er mit der Suche sofort beginnen. Die Füchse verfügen zurzeit nur über wenig Schiffe, was es schwierig machen könnte, das Schiff von Steinauge zu versenken. Es müsse also ein guter Plan her, wenn man Steinauge erwischen will.
| 7. Spealis |
Nächster Morgen
Elwene hat aber ein Rezept für einen guten Katertrank und serviert ihn, sobald sie von dem Besäufnis erfährt. Als sie mitbekommt, dass Octavia auch getrunken hat und sogar an der Kneipenschlägerei beteiligt war, schimpft sie etwas und meint, dass Octavia genau wisse, was ihre Eltern dazu gesagt hätten!
Obloci ist an diesem Morgen nicht anwesend, da er ohne Frühstück schon sehr früh in die Stadt aufgebrochen ist und sich seiner Arbeit widmet. Justus ist seit dem Fund der Matrix nicht mehr aus dem Labor hochgekommen und hat anscheinend seit gestern Nachmittag nicht mehr gegessen oder geschlafen. Deshalb wollen die Helden ihm auch etwas in das Labor hinunterbringen. Henk erzählt beim Essen von seinen Verhandlungen mit Rötel.
Der Mystiker des Areteischen Ordens
Nach dem Frühstück kommt Lucius Furius von den Mystikern des Areteischen Ordens vorbei und ist bereit, die Residenz von schlechten Einflüssen zu bannen. Er kommt heute allein, da Melchor von Bolz das Monasterium wiedereröffnet hat und gerade das alte Portal nach Valkenburg einrichtet. Lucius fragt deshalb Kenji, ob dieser ihm bei seinem Lichtritual unterstützen könne, was Kenji mit Freunden tut.
Lucius wird daraufhin in jedem Raum des Anwesens einen Bannspruch sprechen, was bei der Größe des Anwesens mehrere Stunden in Anspruch nimmt, denn in jedem Raum wird einmal der Lichtsegen gesprochen:
„Mit der Kraft der edlen Hüter Barthavions! Ihr Licht erstrahlt durch uns und durchflutet alles. Es vertreibt die Schatten und erleuchtet diesen Ort!“
Nach dem Spruch erfolgt kurz ein magischer Lichtschimmer, der die schlechten Einflüsse beseitigt.
Der Auftrag für den Steinmetz
Basin teilt Octavia nach dem Frühstück mit, dass heute der Steinmetz kommt, der den Stein im Atrium austauscht. Er bittet Octavia auch mitzukommen, da es noch einen Stein gebe, der eventuell ausgetauscht werden könnte.
Basin führt Octavia in die Bibliothek, wo inzwischen alles abgebaut ist, was an Vorax Machenschaften erinnert. Er hat ein paar bekannte Arbeiter aus der Stadt angeheuert und sie sind bereits dabei, die alten Regale wieder aufzubauen. Vieles sieht inzwischen schon wieder aus wie früher.
Basin führt Octavia zu einer Stelle, wo früher ein Lesepult stand. Dort ist ebenfalls ein alter Fleck, der auch wie von geronnenem Blut aussieht und Basin gesteht, dass er lange überlegt habe, ob er Octavia diese Stelle zeigen sollte. Da er aber wisse, dass sie inzwischen eine nervenstarke Heldin und kein kleines Mädchen mehr sei, wollte er ihr den Ort zeigen, an welchen ihr Vater damals gefunden wurde. Basin sagt, dass er wohl noch versucht habe, sich zu verteidigen, und allen Anschein nach im Kampf starb, was für einen Thyrner ein ehrenhaftes Ende sei. Doch gegen die Assassinen hatte er keine Chance.
Basin fragt schließlich, ob der Steinmetz auch dieses Marmorstück ersetzen soll, da man die Flecken vermutlich niemals ganz wegbekommen werde, und Octavia entscheidet sich dafür, den Stein austauschen zu lassen
Das Tauchboot
Um das Tauchboot aus dem Wasser zu heben, werden Taue gebraucht, um den Kran zu reparieren. Sie können vermutlich am Hafen erworben werden und Adarian und Henk gehen nach Perlheim. Die beiden Helden bekommen etwas von den Gesprächen der Matrosen mit, in denen sie sich beklagen, dass vor ein paar Tagen schon wieder ein Perlenfischer im Süden verschwunden sei. Henk und Adarian erinnern sich daran, dass der Perlenfischer in der grünen Rast am Vorabend von dem gleichen gesprochen haben muss. Die Matrosen beklagen sich auch weiterhin, dass sich nun niemand mehr in die Perlengründe wage und sie vermutlich bald alle ohne Arbeit da stehen würden. Sie sprechen von einer verfluchten Insel und erzählen auch wieder von den Unmengen an toten Meerestieren, die über Nacht dort angespült wurden.
An der Werft gelingt es den beiden, die benötigten Taue zu erwerben und sie machen sich auf den Rückweg zur Villa. Im geheimen Labor angekommen, taucht Adarian hinunter und befestigt die Seile am Tauchboot, während Henk den kran repariert.
Als das Boot auf das Dock gehievt ist, sieht man deutlich, dass die Außenwand beschädigt ist. V hat die Riesenkrabbe versucht das Boot mit ihren Scheren zu knacken. Henk und Iustus erkennen, dass dadurch auch der ganze Lufthaushalt gestört und das Schiff nicht mehr benutzbar ist. Man müsste wohl einen Experten und am besten einen Konstrukteur zum reparieren hinzuziehen und Iustus schlägt vor, Ferolax Oreangle in Valkenburg zu kontaktieren und ihn bitten nach Perlheim zu reisen, da er die Außenhülle des Tauchbootes angefertigt hat, welche nun beschädigt ist. Iustus setzt nach Octavias Zustimmung direkt einen Brief mit einer Einladung an ihn auf.
Nachricht des Letor-Priesters
Gegen Mittag kommt ein Bote mit einer Nachricht von dem Letor-Priester, welcher mitteilt, dass der Grabstein für Pyrrhon fertig ist und dann wartet, bis der Brief gelesen wurde, da er den Termin wissen will:
„Werter Bruder Kenji,
die Arbeit an dem Grabstein für euren Lehrmeister Pyrrhon ist abgeschlossen. Nennt meinem Boten einen Termin und ich werde ihn umgehend zu eurer Einsiedelei bringen. Dort werde ich ein kleines Weiheritual abhalten, um die Totenruhe wiederherzustellen. Mir würde auch der heutige Nachmittag zusagen. Gäste sind bei der Zeremonie herzlich willkommen.
Euer Aedil“
Kenji lässt ausrichten, dass es am heutigen Nachmittag gut passen würde, und man verabredet sich zum Nachmittag an der Einsiedelei.
Die Helden essen gemeinsam zu Mittag und untersuchen danach das Tauchboot. Adarian und Henk finden im Inneren zwei Tauchanzüge, welche durch Schläuche mit Luftbehältern im Schiff verbunden sind und noch voll funktionsfähig aussehen.
Die Kapelle und der Hund
Als die Helden bei der Einsiedelei ankommen, ist noch niemand dort und Kenji erinnert sich, dass Aedil es mit der Zeit noch nie so genau genommen und man ihm schon früher nachsagt habe, dass er zum Trödeln neige. Die Einsiedelei ist inzwischen geräumt und die Gilde hat alle Schmuggelwaren mitgenommen.
Während alle warten, ist plötzlich ein Winseln aus einem Gebüsch zu vernehmen. Als sich Adarian diesem nähert, hört man ein Knurren, was von einem Hund stammen könnte. Er schiebt die Hand vorsichtig in das Gebüsch, um die Äste zur Seite zu schieben und das Sichtfeld somit freizumachen, und wird fast von dem Hund gebissen, als dieser nach der Hand schnappt.
In dem Gebüsch ist jetzt ein junger Hund zu erkennen, der sich an der Pfote verletzt hat und deshalb zusammengekauert auf dem Boden liegt. Vermutlich kann er sich nicht mehr gut fortbewegen und hat sich hierhin zurückgezogen. Er hat ein auffallend weißes Fell und ausgewachsen wird er mal zu einem großen Tier wie ein Hütehund werden. Er wirkt gepflegt und scheint kein Streuner und an Menschen gewöhnt zu sein. Adarian ist gleich Feuer und Flamme von dem schönen Tier und möchte helfen.
Der Hund ist durch seine Verletzung etwas aggressiv, doch Adarian redet ganz ruhig auf ihn ein und gibt ihn etwas Wasser aus dem alten Brunnen hinter der Kapelle, denn er sich leckt vor Durst immer wieder den Mund. Als er ihm noch etwas zu Essen gibt, wird er zutraulich und wedelt mit dem Schwanz.
Nun mit mehr vertrauen von Seiten des Tieres kann Adarian nachsehen, was der Hund genau hat, da er sich nun anfassen und untersuchen lässt. Dabei fällt ihm auf, dass dem Hund eine große Dorne in seiner Pfote steckt, die sich inzwischen schon entzündet hat. Adarian entfernt diese vorsichtig und säubert die Verletzung mit Alkohol aus Pyrrhons alter Hausapotheke.
Während der Behandlung zappelt der Hund und beißt aus Schmerz auch um sich. Doch als alles überstanden ist, fühlt er sich sofort besser und winselt die Helden dankbar an. Da er jedoch immer noch nicht so gut laufen kann und da er sehr jung und noch klein ist, nimmt Adarian ihn auf den Arm und trägt ihn, was er dankbar annimmt.
Der Grabstein
Aedil kommt fast eine Stunde zu spät und macht auch keine Anstalten sich zu beeilen. Er fährt mit seinem Handkarren, worauf der Stein und eine Schaufel liegen, ganz gemütlich um die Ecke und entschuldigt sich auch nicht für sein zu spät kommen, denn er ist der Ansicht, dass die Zeit den Sterblichen nicht gehört und deshalb keine Bedeutung besitzt.
Aedil stellt den Karren ab und begrüßt alle. Er drückt Kenji sofort die Schaufel in die Hand, denn dieser soll ein Loch für den Sockel des Steins ausheben. Während Kenji buddelt, geht Aedil auf dem Gelände auf und ab und scheint ein kurzes Gebet zu sprechen, welches eher wie ein Selbstgespräch wirkt.
Als Kenji das Loch ausgehoben hat, weist er ihn an, den Stein aus dem Karren zu heben und in das Loch zu setzen. Als ihm Adarian dabei helfen will, sagt Aedil, dass Letor wolle, dass Kenji dies allein tut, genau wie das Buddeln. Aedil selbst rührt auch keinen Finger, zündet aber inzwischen einen Weihrauchkessel an, welchen er beginnt in monotonen Bewegungen zu schwenken. Dabei weist er die Gäste mit Gesten an, sich um den Grabstein im Kreis aufzustellen.
Kenji gräbt den Stein noch ein und stampft die Erde fest. Dann holt Aedil noch ein kleines Fläschchen mit geweihtem Wasser aus seiner Robe und stellt sich neben ihn und sagt, dass sie nun beide gemeinsam das Gebet des Letor sprechen sollten. Octavia erkennt, dass sich etwas an dem gegenwärtigen Zustand der Astralenergie geändert hat und nun alle Ströme geordneter fließen, während die anderen nur einen leichten Lichtschimmer sehen, der einmal ganz kurz über Pyrrhons Grab aufscheint. Danach lassen Aedil und die anderen Kenji allein.
Kenji erinnert sich dran, dass Rock ihn die Statue des Greifens gab und ihn bat, diese auf Pyrrhons Grab zu stellen und dann ein stilles Gebet dort zu sprechen. Als Kenji der Bitte nachkommt, erhält dabei folgende Vision:
„Du siehst Pyrrhon, wie er dir in gewohnter Art und Weise zulächelt. Er sitzt auf der Bank vor seiner Kapelle und deutet dann in Richtung des Anwesens von Aequus. Plötzlich merkst du, dass sich deine Arme in kräftige Schwingen mit weißen Federn verwandeln, und du erhebst dich mit einem lauten Schrei in die Luft. Von oben siehst du das Anwesen und fliegst auf es zu. Du landest vor einem Fenster und siehst, wie Pyrrhon an einem Pult in der Bibliothek steht und etwas schreibt. Dann nimmt er ein paar Papiere, faltet diese in der Mitte, steckt sie in einen Briefumschlag und legt diesen in ein Buch. Du siehst, dass auf dem Einband der Titel „Selbstbetrachtungen“ steht. Pyrrhon stellt das Buch anschließend in ein Regal und die Vision endet daraufhin. “
Kenji kennt das Buch „Selbstbetrachtungen“ von dem Kaiser Marcus Tuscus Sapio, da es ein Klassiker der thyrnischen Literatur ist. Es ist eine philosophische Reflexion über das Wesen der menschlichen Seele und darüber, wie man mit Vernunft und Gemeinwohlorientierung ihre Leidenschaften und Begierden zu zähmen vermag.
Während Kenji betet, packt Aedil seine Sachen. Er wendet sich mit einem Spendenbeutel an Adarian und Henk und verabschiedet sich dann.
Der Brief
Kenji will nach seinem Gebet unbedingt in der Bibliothek nach dem Brief suchen, den Pyrrhon in das Buch gelegt hat, und die Helden begeben sich zur Bibliothek auf dem Anwesen. Das Buch aus Kenjis Vision ist nicht mehr unter den sortierten Büchern, sondern steht bereits wieder an seinem alten Platz in der Bibliothek. Doch der Brief ist nicht mehr in dem Buch zu finden und bei all den Umräumarbeiten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er irgendwo herausgefallen ist.
Kenji fragt Iustus und dieser weiß, dass es noch eine Kiste mit einer ganzen Menge von unsortierten Einzelblättern im Keller gibt, die bis jetzt noch niemand zugeordnet hat, und ein paar Briefumschläge seien auch dabei gewesen. Kenji eilt sofort in den Keller und durchsucht die besagte Kiste, in der er schließlich den Briefumschlag unter den anderen vielen Unterlagen findet.
Kenji öffnet den Umschlag und nimmt Pyrrhons Brief an sich. Er zieht sich zurück und liest ihn aufmerksam.
Planungen
Adarian spricht mit dem Hundemeister, welcher den Hund gern aufnehmen würde und sich gut um diesen kümmern könnte, doch zunächst will Adarian ihn noch bei sich haben. Die anderen versammeln sich auf der Terrasse des Anwesens und Adarian spielt mit dem kleinen Hund auf seinem Arm und krault ihn. Währenddessen überlegen sie, wie sie weiter gegen den Bund des Xul vorgehen können, besprechen die Erkenntnisse aus dem Tagebuch des Magus und dem Fund der Matrix und durchdenken ihre weitere Strategie.
Pyrrhons Vermächtnis
Kenji kommt auf die Terrasse und berichtet von Pyrrhons Brief und dass sein alter Lehrmeister etwas für ihn hinter der Einsiedelei versteckt habe. Als sie alle gemeinsam aufbrechen wollen, um nach Pyrrhons Vermächtnis an Kenji zu suchen, lässt Elwene ihnen ausrichtet, dass sie den ganzen Tag damit beschäftigt war, das Krabbenfleisch zuzubereiten. Sie bittet deshalb alle pünktlich zum Abendessen zu erscheinen, da es frisch am besten schmecke.
An der Einsiedelei gräbt Kenji an der markierten Stelle und findet eine Holzkiste im Boden. Darin ist eine Kiste aus edlem Metall, welche jedoch durch ein Schloss gesichert ist. Henk biete an, es zu öffnen. Im Inneren findet Kenji einen Aufsatz für ein Zepter oder einen Stab in der Form eines schlichten Greifens. Kenji merkt, dass dieses Artefakt eine sehr heilige Ausstrahlung besitzt und ihm bei seinen Abenteuern sehr nützlich sein kann. Es passt auch sehr gut auf Gangbands Stab. Die Helden kehren dann zum Anwesen zurück, wo ein leckeres Essen schon auf sie wartet.
Der Gast
Als alle gerade Essen, kommt Basin und kündigt Besuch an: Großmeister Archorbar mit einer Begleitung. Die Helden sind gespannt, wen Archorbar mitgebracht haben könnte, und freuen sich, als dieser mit Wolfhardt hereinkommt. Die beiden begrüßen die Helden und erzählen, dass sie direkt durch das neu errichtete Portal im Lichtträgertempel angereist seien. Wolfhard ist unglaublich von dem Haus beeindruckt und sieht sich immer wieder um. Er staunt über die Statuen, die Mosaike und den Ausblick der Terrasse und erklärt, dass er noch nie am Meer war. Begeistert blickt er immer wieder aus dem Fenster oder auf das Meer hinaus.
Archorbars Nachrichten
Archorbar bittet alle nun zu einem wichtigen Gespräch und fragt, ob sie es hier ungestört führen können. Octavia schickt die Dienerschaft fort und Archorbar erkundigt sich nach den Fortschritten der Helden wegen den versprochenen Beweisen für den Kriegsrat. Er teilt ihnen mit, dass die Zeit dränge und die Stimmung bei den Verhandlungen gereizt sei, wodurch die Gespräche mit den Botschaftern gerade sehr schwierig verlaufen. Die Gefahr von dem [[[Bund des Xul]] wird immer mehr zu einer moralischen Frage, denn der Ursprung der Schwarzen Jahre werde als Strafe der Götter immer wieder von Botschafter Diffido aufgerollt.
Die Helden berichten vom Fund der Matrix und Archorbar ist darüber sehr erfreut und bietet an, die Helden bei ihrer Überführung nach Valkenburg zu unterstützen. Er würde die Matrix im Lichtträgertempel unterbringen, wo sie dann von Spezialisten aus Barthavion und Thyrna unter seiner Obhut untersucht werden könne. Archorbar verspricht, persönlich dafür zu sorgen, dass sie in Sicherheit ist und die Beweise dorthin gelangen, wo sie benötigt werden.
Als die Helden vorschlagen, die Matrix selbst zu überbringen, bittet Archorbar sie darum, ihn nicht nach Valkenburg zu begleiten, da er einen anderen wichtigen Auftrag für die Helden habe. Er erklärt, dass es um die Vermutung ginge, dass Sabaoth gerade dabei sei, einen neuen Feldherrn für seinen großen Angriff auf Barthavion zu rekrutieren. Archorbar habe nachgeforscht und einige Informationen über den elbischen Feldherrn erhalten, der von Darrow bei der letzten Versammlung vom Rat des Lichtes erwähnt wurde:
- Der Name des Feldherrn lautet Cunn’Belegaer (elb. „Fürst großes Meer“) und er lebte vor der Errichtung der Schwelle.
- In den alten Elbenmythen taucht er zuerst als strahlender Held auf, der sich Usiel bei seinem Kampf gegen den Verijgorn und die Dämonen des Schwarzen Zeitalters anschloss und Seite an Seite mit dem Theleten kämpfte.
- In anderen Geschichten tauchte er als dunkler Feldherr des Verijgorns auf, der gegen die Theleten in die Schlacht zog. Er vernichtete mit gewaltiger Magie einen großen Teil des uralten Elbenreiches von Veldun, welches sich damals über die ganze Nordhälfte von Eboria erstreckte. Damals war Eboria noch wesentlich größer und irgendein Zauber habe dafür gesorgt, dass ein Großteil des Kontinents im Meer versank.
- In einer anderen Sage findet sich ein beiläufiger Hinweis darauf, dass es ein Grab von Cunn’Belegaer in einer Stätte namens L’yreh gibt. Da dies der Ort sei, von dem Sabaoth sprach, sei laut Darrow davon auszugehen, dass dieser bereits an der Wiederauferstehung des dämonischen Feldherrn arbeite. Wenn er erfolgreich damit sei, würde ein Krieg gegen den Bund des Xul immer aussichtsloser werden.
Archorbar möchte deshalb, dass die Helden so schnell wie möglich das geheimnisvolle L’yreh ausfindig machen und versuchen, Sabaoth aufzuhalten und seine Pläne zu durchkreuzen. Archorbar macht deutlich, dass die Zeit drängen würde und der alte Feldherr nicht zurückkehren dürfe. Er hat über L’yreh erfahren, dass es sich um eine dämonische Stätte im Westen von Eboria handeln müsse, und schlägt vor, die Elben zu fragen, welche hier verborgen im Vendriswald leben, denn sie gehören zu den Lichtelben aus Galadh Sidh und verfügen über großes Wissen.
Archorbar zu Pyrrhons Brief
Als Kenji Archorbar auf Pyrrhons Brief anspricht, erzählt dieser Kenji davon, dass er und Elachiel schon sehr, sehr lange versuchen, einen Erneuten Ausbruch der Schwarzen Jahre zu verhindern. Als er weit im Süden von einen alten Heiligtum der Elben erfuhr, in welchen eine Prophezeiung über das Ende der Welt verborgen liege, reiste er dort hin und stieß auf Pyrrhon, der damals bei dem ansässigen Druidenzirkel im Sternenwald zu Besuch war. Der Zirkel behütete die alten Elbenruinen Tyellúme und Pyrrhon half Archorbar ihr Geheimnis zu lüften. Dazu vollzog er ein altes Blutritual, welches die Prophezeiung offenbarte. Damals wusste Archorbar noch nicht, dass in dieser Elbenprophezeiung bereits die Reise der Helden in den Norden und die Erschaffung der Drachentränen angedeutet war. Beiläufig erwähnt er, dass er das Leben aller Helden von Beginn an mitverfolgt habe.
Die Matrix
Iustus kommt nach dem Gespräch mit Archorbar hinzu und verkündet, dass er die Matrix und die anderen Beweise für den Transport vorbereitet habe. Er stimmt Archorbars Plan zur Matrix zu und findet, dass sie bei Mystikern des Areteischen Ordens gut aufgehoben sei. Er bittet dann darum, Archorbar zu begleiten, um die Magier, welche die Matrix untersuchen werden, einzuweisen. Er selbst habe bereits einige Magier aus Thyrna und Valkenburg angeschrieben, welche als Gutachter dienen sollen und bereits nach Valkenburg unterwegs sind. Iustus fragt Octavia um Erlaubnis, ob er Archorbar begleiten könne, und versichert ihr, dass er nach Perlheim zurückkehre, sobald er die Magier über alles unterrichtet habe. Immerhin habe Elatus ihn als Octavias Begleitung nach Barthavion geschickt und er würde deshalb nichts ohne ihre Erlaubnis tun. Die Reise nähme nur wenige Tage in Anspruch nehmen und er würde schnell aus Valkenburg zurück sein.
Als die Helden von einer Expedition nach L’yreh erzählen, teilt er ihnen mit, dass er sich bereits mit dem Tauchboot beschäftigt habe und sobald dieses repariert sei, würde er auch wissen, wie man es in Betrieb nähme. Iustus möchte Octavia auch selbstverständlich begleiten, immerhin sei er ihr offiziell unterstellt. Er habe auch bereits einen Brief an Ferolax Oreangle abgeschickt und wird sich in Valkenburg mit ihm treffen. Iustus hofft auch, diesen dann gleich mitbringen zu können. Außerdem habe er bereits versucht, die restlichen Mitglieder aus der Forschungstruppe ausfindig zu machen und Nachrichten nach Cora, Argos und Thyrna versandt. Iustus will wissen, was aus ihnen geworden sei und ob sie noch Interesse an ihrer Erfindung hätten. Eventuell würden sie auch noch wichtige Hinweise zu der Funktionsweise des Tauchbootes mitteilen können.
Episode 13: Vorbereitungen
7./8. Spealis 721 ThZ
Iustus gibt den Helden Ratschläge für die Expedition und Henk besucht seine Gilde. Obloci informiert über die Fortschritte und die Matrix wird in das Monasterium der Mystiker des Areteischen Ordens überführt. Die Baiula Spei wird begutachtet und der Graf von Koslin besucht. Die Helden bekommen Besuch aus Fjalgar und rekrutieren am Abend im Seewolf.
| 7. Spealis |
Archorbar erkundigt sich, ob noch jemand Fragen habe oder ob er für die Helden noch etwas tun könne. Dann kehrt er zu dem Areteischen Orden zurück, wo er noch einige Dinge für die Wiedereröffnung des Monasteriums in Perlheim zu erledigen habe. Außerdem bereiteer alles für die Überführung der Matrix nach Valkenburg vor. Archorbar betont nochmal, dass es zurzeit am wichtigsten sei, Sabaoth aufzuhalten, bevor er Sereg aus seinem nassen Grab befreien könne, und geht dann.
Wolfhardt Wolfhardt erklärt, dass er noch einige Tage in Perlheim bleiben werde, um den Mystikern mit organisatorischen Dingen bei der Neueröffnung des Monasteriums zu helfen. Bei der Organisation habe er sein Talent entdeckt und könne hier seine Erfahrung über das Führen eines großen Bauernhofes einbringen. Wolfhardt sei deshalb jederzeit im Monasterium zu erreichen, falls die Helden seine Hilfe bräuchten. Dann druckst er ein wenig wegen seiner Unterkunft herum, da er noch kein Gasthaus in der Stadt habe. Octavia merkt, dass er auch gern auf dem Anwesen bei seinen Freunden wohnen möchte, sich aber nicht traut, danach zu fragen, weshalb sie ihm eine Unterkunft anbietet. Wolfhardt ist überglücklich und dankbar und fragt, wo Augustus sei, da er diesen als sein großes Vorbild bewundere. Obwohl er wisse, was dieser getan habe, sei er beeindruckt davon, dass dieser sich wieder der richtigen Seite zugewandt habe.
Iustus Iustus rät den Helden wegen der anstehenden Reise aufs Meer, den Graf von Koslin aufzusuchen. Dieser habe damals mit Botschafter Aequus alle Expeditionen begleitet, das Frachtschiff als Kapitän angeführt und als Lotse den Kurs bestimmt. Er gilt als einheimischer Experte für das Wissen über die Bartha-Bucht und dank ihm konnte die Expedition einen geeigneten Kurs durch das gefährliche Gebiet finden. Auch die Helden werden einen Lotsen finden müssen, der sich auf der hohen See auskenne, und falls man den Grafen erneut überzeugen könne, sie zu begleiten, wäre er ein großer Gewinn für die anstehende Reise. Außerdem scheint er auch der Kartograph des Teams gewesen zu sein und besitzt vielleicht noch genauere Karten über die Bartha-Bucht. Octavia kennt den Grafen seit ihrer Geburt, da er ein guter Freund ihrer Familie war, und sie schätzt, dass die Helden diesem blind vertrauen können, denn der Graf war es damals auch, der ihr und Morea die Flucht aus Perlheim ermöglicht hatte.
Zusätzlich bittet Iustus die Helden, die „Baiula Spei“ zu inspizieren und für die weite Reise vorzubereiten. Vermutlich müsste auch eine kleine Mannschaft angeheuert werden, da es ein recht großes Schiff sei, doch damit kenne er sich nicht aus. Da man mit dem Natator aeris nur kurze Tauchgänge unternehmen kann, wird deshalb das Frachtschiff für dessen Transport benötigt.
Iustus selbst will so schnell wie möglich Ferolax Oreangle ausfindig machen und ihn nach Perlheim bitten. Er hofft, dass die Einweisungen für die Magier wegen der Matrix in Valkenburg nicht lange dauern werde und er in ein bis zwei Tagen wieder zurück sein könne. Außerdem hofft er auch, dass sich noch andere Konstrukteure des Natator Aeris bei ihm melden werden.
Henks Gildenbesuch
Während Adarian sich mit dem Hundewelpen beschäftigt und von dem Hundemeister die verletzte Pfote untersuchen lässt, will Henk nach Perlheim gehen und seine Gilde aufsuchen. Er hofft auf neue Informationen, da er den Bedingungen von Rötel auch nicht einfach so folgen will. Octavia will auf keinen Fall das Tauchboot in Gefahr bringen und es daher auch nicht für einen Piratenauftrag einsetzen, um das Schiff von Steinauge zu versenken.
Am späten Abend besucht Henk das Gildenhauptquartier in Perlheim und erfährt, das Schwarzbart noch in Veltima ist. Ihm wird mitgeteilt, dass sich Käpt’n Kaltfisch um Informationen bemühe. Dann besucht Henk das „Meerweib“, um mit Radbod zu sprechen, welcher gerade mit dem Mädchen spricht, welches sie aus Vorax Bordell gerettet haben. Henk erzählt ihr, dass Vorax bereits abgeführt wurde, sie aber noch so lange hierbleiben solle, bis die Säuberung des Areteischen Ordens abgeschlossen ist. Henk offenbart ihr, dass Vorax tatsächlich einen Dämon in der Bibliothek gehabt habe und sie es sich nicht eingebildet habe. Doch der Dämon sei von Kenji verbannt worden, so dass sie jetzt in Sicherheit sei.
Henk lässt sich noch von Mella schmerzhaft massieren und informiert Radbod über die Pläne der Helden und ihren Bedarf an Matrosen, die sich auf einen solch gefährlichen Auftrag einlassen würden. Radbod fragt, ob die Mädchen, die jetzt im Monasterium untergerbacht sind, nicht danach bei ihm im Meerweib arbeiten wollen, und Henk meint, er solle sich selbst darum kümmern, die sprachlichen Barrieren der Mädchen zu überwinden. Dann kehrt Henk zur Villa zurück, wo die anderen sich bereits schlafen gelegt haben.
| 8. Spealis |
Frühstück Am nächsten Morgen treffen sich alle zum Frühstück. Als alle zusammensitzen, kommt auch Obloci mit seinem Diener zum Frühstück. Er erkundigt sich, ob die Helden mit ihrer Arbeit weiterkommen und sagt, dass er bereits gespannt sei, worum es sich bei dem Fund handle, und die Helden informieren ihn über ihre bisherigen Erkenntnisse und Plänen.
Obloci teilt seine Erkenntnisse mit den Helden, dass die Schuldigen unter den Ratsmitgliedern inzwischen gestellt seien und ihre Prozesse bereits vorbereitet und in den nächsten Wochen nach einheimischer Tradition vollzogen würden. Er ist aber zufrieden mit dem Ergebnis der Untersuchungen und habe selbst nun mehr Beweise als nötig für den Prozess gegen Vorax gesammelt, um zu hoffen, dass seine Arbeit hier in ein paar Tagen abgeschlossen sei.
Aufgrund der abgezogenen imperialen Hilfstruppen sei die Stadt nun wieder auf sich allein gestellt, und hofft er, dass sie es nun auch allein schaffen werde, obwohl sie gerade jetzt die Unterstützung des Imperiums gut gebrauchen könnten. Obloci weiß, dass Perlheim große finanzielle Probleme habe und der neue Stadtrat sich etwas Gutes einfallen lassen müsse, um sie wieder auf die Beine zu bringen.
Obloci freut sich sehr darüber, dass die Bibliothek bereits wieder alte Formen annimmt, und er denkt, dass es der Stadt auch nütze, wenn diese bald wiedereröffnet werde. Immerhin habe sie bekannte Angehörige der barthavischen Eliten und viele Gelehrte nach Perlheim gebracht, welche in der Vergangenheit für viele wichtige Kontakte mit den Ratsmitgliedern gesorgt haben. Wenn sich hier also wieder eine Stätte des kulturellen Austausches entwickle, werde dies der Stadt auch einen Aufschwung gewähren, der ihr in vielerlei Hinsicht sehr nutzen könne. Außerdem wäre es ein Zeichen des Imperiums, dass es der Stadt wieder ein hilfreicher Freund sein wolle, was nach Vorax‘ Taten mehr als gut für das zukünftige Verhältnis zu Perlheim wäre. Da er hat nun noch einiges mit den neuen Ratsmitgliedern zu klären habe, verabschiedet sich Obloci nach dem Frühstück wieder in die Stadt.
Transport der Matrix
Nach dem Frühstück kommt Archorbar vorbei und sagt, dass der Transport der Matrix losgehen könne, sobald Iustus soweit sei. Dieser ist tatsächlich bereits im Magierlabor mit der Matrix beschäftigt.
Iustus wirkt heute sehr „aufgeregt“ für seine Verhältnisse und bittet Adarian und Henk, mit ihm die Matrix von unten zu holen. Sie fahren in das Geheimlabor, wo die Matrix bereits in einem großen Kasten mit Eisenbeschlägen verstaut ist. Iustus bittet die beiden, die Matrix so vorsichtig und sanft wie möglich nach oben zu tragen, wie sie es können, denn sie dürfe keinen größeren Erschütterungen ausgesetzt werden. Der Kasten ist sehr schwer, aber für die beiden stellt er kein Problem dar, da er an den Seiten Tragevorrichtungen besitzt, mit welchen er sich gut anfassen lässt. Iustus selbst nimmt das Tagebuch und noch einige andere Unterlagen an sich.
Archorbar bittet dann alle, ihm in die Stadt zum Monasterium zu folgen, damit sie dort ein Portal direkt in das Monasterium in Valkenburg nehmen können. Da die Matrix möglichst ohne Erschütterungen transportiert werden soll, gehen alle zu Fuß und Wolfhardt begleitet sie auch.
Im Monasterium sind bereits ein paar weitere Mystiker eingetroffen und werden gerade von Lucius Furius eingewiesen. Als er die Helden und Archorbar sieht, grüßt er sofort sehr ehrfürchtig und blickt seinen Großmeister erwartungsvoll an, wobei man deutlich spürt, wie ihm die Anwesenheit des uralten Zauberers beeindruckt. Archorbar grüßt den jungen Schüler und sagt nur, dass alles bereit sei. Daraufhin wendet Lucius sich an die anderen und winkt sie zu dem Portalpunkt in der Haupthalle. Zwei andere werden von ihm aufgefordert, den Kasten mit der Matrix von Adarian und Henk zu übernehmen, und beginnt dann den Zauber für das Portal zu wirken.
Währenddessen verabschiedet sich Archorbar und wünscht den Helden viel Glück bei ihrer Seereise zu der uralten Stätte aus der Vorzeit. Er erinnert daran, dass er sie alle fast bereits ihr Leben lang kenne und fest an ihre Fähigkeiten glaube. Nach dem Dickicht, der Öde und dem Norden wird auch das Meer es nicht schaffen, sie zu bezwingen, daran glaube er ganz fest. Dann stellt er sich neben das Portal und blickt zu Iustus.
Iustus kommt noch kurz zu den Helden und verabschiedet sich. Er sagt, dass er den Magus von Obloci auch berechtigt habe, um Portale im Labor zu öffnen. Falls diesen Dienst also jemand während seiner Abwesenheit benötigt, könne dieser es übernehmen. Iustus hofft, dass er schnell zurück ist, und erinnert alle nochmal daran, dass sie einen Lotsen und eine Mannschaft finden müssen. Dann schreiten die zwei Träger, Archorbar und Iustus durch das Portal.
Die Baiula Spei
Die Helden begeben sich zum Anleger und mustern ihr Schiff. Die Baiula Spei ist ein mittelgroßer und robuster Dreimaster, der hochseetauglich ist. Sie besitzt mehrere Kräne und hinten ist ein großes Rettungsboot befestigt. Auf Deck fällt auf, dass auf dem Boden Halterungen vorhanden sind, auf denen vorher etwas befestigt war, dass ca. 8-10 Meter groß war. Es handelt sich hier um ein ähnliches „Dock“/Gestell für das Tauchboot, wie es unten in der Höhle steht. Von den Kränen aus ist diese Stelle gut erreichbar.
Bei der Begutachtung des Schiffes fällt auf, dass dieses gut in Schuss ist, da Vorax es auch bis vor kurzem noch genutzt hat. Es ist gepflegt und auch in den Kabinen sieht alles gut aus. Es ist sogar sehr verschwenderisch und luxuriös ausgestattet und Vorax wird es wohl vor allen für Vergnügungsfahrten genutzt haben.
Henk merkt, dass er das Schiff steuern könnte, er sieht jedoch, dass er mehr Männer hier benötigt, da das Schiff größer als die K’eygha ist. Man wird zusätzlich zu den Helden mindestens 20-25 erfahrene Schiffsjungen oder Matrosen benötigen, um mit den Segeln zurechtzukommen, die anfallenden Arbeiten zu erledigen und die Kräne zu bedienen.
Besuch in Koslin
Auf Iustus Rat hin reisen die Helden mit einer Kutsche nach Koslin, wodurch sie mehrere Stunden unterwegs sind. Die Reise verläuft ereignislos und auf dem Weg sieht man tagsüber viele Schafe und Hirten und man hat immer wieder einen schönen Blick auf die schroffe Küste und das Meer.
Koslin ist ein kleines idyllisches Fischerdorf, über welchem eine große Festungsanlage aufragt. Diese ist auf den steilen Klippen gebaut und an der Architektur ist zu erkennen, dass sie aus der Zeit kurz nach den Schwarzen Jahren stammen muss. Außerdem fällt allen auf, dass die Burg auch aus Teilen einer anderen Architektur besteht, welche in Form einer stützenden Erweiterung nachträglich ergänzend um die Festung gebaut wurde. Die Architektur erinnert an das Tor von Barthador, ist also eindeutig zwergischen Ursprungs. Es wirkt, als würde diese Ergänzung das ganze Gebäude auf dem steilen Felsen befestigen, und der Grafen erklärt später, dass ein Baumeister aus Fjalgar namens Redstone die Burg erweitert habe, da sie früher einmal drohte, bei all dem starken Wind von der See vom Felsen zu brechen. Sein Vater hatte Redstone in Valkenburg kennengelernt, als er vor vielen Jahren im großen Krieg um das Zenaische Auge einmal im Kriegsrat von Valkenburg saß. Redstone sei auch ein guter Freund der Familie geworden und wurde sogar einmal von Piraten entführt, die Lösegeld aus Fjalgar erpressen wollten, doch sein Vater habe den Zwerg gerettet.
Auf dem Hof der Burg kann man schon sehen, dass der oder die Besitzer eine Vorliebe für maritime Themen haben und über dem Eingangstor hängt gleich ein großer, teilweise mit Gold verzierter Anker, welcher das perlheimer Wappen trägt und vom ersten Schiff der Familie vor über 100 Jahren stamme. Außerdem finden sich in den sparsamen Verzierungen des Gebäudes immer wieder Schiffssymbole und auch Darstellungen von Meerestieren, wie Seesterne und Muscheln etc.
Am Tor öffnet ein alter Mann in typischer Bediensteten-Tracht. Als Octavia ihren Namen nennt, schmunzelt er kurz, mustert sie und bittet sie dann freundlich herein. Die Helden nehmen in einer Vorhalle Platz, da sie beim Herrn ankündigen werden. Nach ein paar Minuten kommt der Bedienstete zurück und kündigt zu Octavias Überraschung den Grafen Derian von Koslin an, den Sohn des alten Grafen.
Ein junger, gutaussehender Mann um die Mitte 20 betritt daraufhin den Raum und kommt freudestrahlend auf Octavia zu. Er trägt dunkelblaue und sehr edel wirkende Kleidung und ein Amulett mit dem Wappen von Koslin: ein Anker und zwei gekreuzte Schwerter über einem Felsen. Derian ist sehr groß und schlank und wirkt eher wie ein Gelehrter als ein Kämpfer. Er tritt sehr aristokratisch auf und macht einen etwas steifen, aber sehr wohlwollenden Eindruck, der nicht gekünstelt erscheint. Octavia kennt ihn von Geburt an, da sein Vater, der alte Graf, ein guter Freund ihrer Eltern war und häufig mit seiner Familie zu Besuch kam.
Graf Derian begrüßt die Helden und freut sich sichtbar, Octavia wiederzusehen. Er umarmt sie sehr herzlich und erinnert sich noch, dass sie sich das letzte Mal an dem 60. Geburtstag seines Vaters sahen, als in der Burg in Koslin ein Bankett gegeben wurde. Dies sei nun über vier Jahre her und Derian gesteht, dass sie ihm in den letzten Jahren sehr gefehlt habe. Als er damals von dem Tod ihrer Familie erfuhr, sei er am Boden zerstört gewesen. Deshalb mache es ihn umso glücklicher, dass Octavia nun lebendig vor ihm steht. Es wird allen bewusst, dass der Graf ein sehr familiäres Verhältnis zu Octavia besitzt.
Derian führt dann alle zum Unterhalten in ein gemütliches Kaminzimmer und er fragt Octavia, ob sie sich noch erinnert, dass sein Vater hier immer Gruselgeschichten über die Bartha-Bucht erzählte und er, sie und Augustus währenddessen mit einer heißen Milch vor dem Feuer saßen. Octavia erinnert sich noch gut an die alte Zeit und sei hier immer gerne zu Gast gewesen.
Derian erkundigt sich auch nach Augustus, seinem sehr guten Jugendfreund (vgl. Biographie), da er auch von dessen Anwesenheit in Perlheim gehört habe. Er bedauert, was damals nach dem Attentat mit den unschuldigen Ratsmitgliedern vorgefallen ist (vgl. Verhöre) und hat damals nach dem Attentat mehrmals versucht mit Augustus Kontakt aufzunehmen, aber dieser ließ damals niemanden zu sich und schottete sich gemeinsam mit Silvius auf dem Anwesen ab. Trotz allem, was damals geschehen ist, wünschte er sich, Augustus wiederzusehen, da er bestimmt auch ihn sehr vermissen würde. Immerhin waren sie alle drei durch so viele Erinnerungen verbunden und er würde so häufig an ihre glückliche gemeinsame Zeit zurückdenken.
Octavia möchte gerne wissen, seit wann Derian jetzt schon der Graf von Koslin sei, und dieser erzählt, dass er das Erbe auf Burg Koslin angetreten habe, seit sein Vater vor einigen Jahren verstorben sei. Es war einige Monate, nachdem die schlechten Nachrichten aus Perlheim kamen, dass die Familie der Octavier einem Attentat zum Opfer gefallen sei. Der alte Graf war sehr betrübt über diese Nachrichten und kurz darauf verfiel er in ein schreckliches Fieber, welchem er schließlich erlag. Da er schon lange Witwer war, ist Derian nun ganz allein auf der Festung, denkt aber, dass er sich inzwischen an die Verantwortung gewöhnt habe und alles tun würde, um die Burg weiterzuführen.
Der Graf lässt ein gutes Essen auffahren und öffnet eine alte Flasche mit thyrnischem Wein. Diese sei ein Geschenk von Aequus für den alten Grafen gewesen und Derian denkt, dass Octavias Rückkehr ein geeigneter Anlass sei, um den edlen Tropfen zu öffnen. Dann fragt er, was die Helden zu ihm führe, und die Helden berichten ihm von ihrer Hoffnung, sein Vater könne ihnen etwas über die Bartha Bucht mitteilen, denn sie planen eine Expedition und sind auf Informationen angewiesen. Die Helden erzählen von dem Tauchboot und den alten Expeditionen, an denen der Graf von Koslin beteiligt war und welche schließlich zum Fund der Matrix geführt haben.
Derian weiß, dass sein Vater lange mit Aequus zusammengearbeitet hat und seine Expeditionen in die Bartha-Bucht für ihn angeführt hat. Er habe ihm zwar nie mitgeteilt, worum es genau geht, jedoch sei ihm immer bewusst gewesen, dass sein Vater etwas sehr Wichtiges tue. Derian erinnert sich, dass es insgesamt mehrere Jahre waren, wo der alte Graf immer wieder für mehrere Wochen in See stach und anscheinend nach etwas suchte. Auch wenn er nie den Grund seiner Expeditionen erzählt habe, so brachte er viele abenteuerliche Geschichten von seinen Reisen mit.
Sein Vater kannte sich in der Bartha-Bucht so gut aus, weil er früher einmal ein großer Admiral in der perlheimer Flotte war und fast niemand an der heimischen Küste kannte die Bartha-Bucht so gut wie er. Da er über viele Jahre die Piraten in dieser Gegend gejagt habe, kam er sehr weit umher und kannte sogar die weit draußen liegenden Inseln, welche sonst nur von Schmugglern und Piraten angefahren werden. Niemandem außer diesen Kriminellen und seinem Vater waren diese Orte und die dort lauernden Gefahren bekannt. Derian bedauert es, dass sein Vater Octavia nun nicht mehr helfen könne und versichert, dass er sie mit Sicherheit gern auf ihre anstehende Reise begleitet hätte. Als Adarian ihn fragt, ob er sie nicht begleiten wolle, gesteht Derian, dass er selbst leider kein großer Seefahrer und nie in die Fußstapfen seines Vaters gestiegen sei, aber er etwas habe, was ihnen vielleicht helfen könne.
Derian steht auf, verlässt den Raum und kommt dann mit einigen Papieren zurück, welche er auf dem Tisch vor den Helden ausbreitet. Es sind Karten der Bartha-Bucht, u.a. eine sehr große und detaillierte, welche er den Helden überlässt. Henk denkt, dass man nach dieser bestimmt gut navigieren kann, sie jedoch trotzdem noch einen Lotsen benötigen, da er selbst die Untiefen und die anderen Gefahren in der ihm unbekannten Gegend nicht abschätzen kann. Derian gibt den Helden den Rat, sich offiziell an die perlheimer Flotte zu wenden, da er auch niemanden wüsste, der sich ähnlich gut auskennt, wie sein Vater es tat. Er scherzt noch, dass sie sich ansonsten wohl an einen Piraten wenden müssten, und lacht dabei.
Bevor sich die Helden verabschieden, will Graf Derian ihnen noch etwas zeigen und er führt sie in die Waffenkammer der Burg. In einen Nebenraum zeigt er ihnen einen sehr hochwertigen Siphon für argosisches Feuer, welcher der ganze Stolz seines Vaters war, denn dieser versenkte mit ihm zahlreiche Schiffe der Seeräuber und trug damit zur Sicherheit an der barthavischen Küste. Derian bietet den Helden an, ihnen den Siphon mit ausreichend Munition zu überlassen, und könnte ihn von seinen Männern direkt zur Villa nach Perlheim bringen lassen. Adarian ist begeistert und auch die anderen sind dem Grafen sehr dankbar für seine Hilfe.
Dann verabschiedet Derian sich und sagt zu Octavia, dass es hoffentlich nun nicht wieder vier Jahre dauert, bis sie sich wiedersehen. Er umarmt sie nochmal und sagt, dass sie auf sich aufpassen soll. Er wünscht den Helden alles Gute und versichert ihnen seine bedingungslose Unterstützung.
Ferolax Oreangle
Zurück in Perlheim kündigt Basin den Helden einen Besucher an, den er ebenfalls noch von früher kennt: Ferolax Oreangle aus Fjalgar. Dieser wartet entspannt in der Empfangshalle des Wohnhauses. Er hat einen sehr dunklen, aber typisch roten Bart, wie ihn alle Fjalfjori Zwerge haben und einen großen Schmiedehammer und eine Ledertasche dabei. Ungeachtet, ob man in der Residenz rauchen darf oder nicht, hat er sich eine große Tabakspfeife angezündet und sitzt ganz geduldig auf einer der thyrnischen Marmorliegen. Basin blickt etwas unglücklich darüber drein und wedelt den Tabakrauch symbolisch mit den Händen zur Seite, während er sich laut räuspert und Ferolax etwas vorwurfsvoll anblickt. Dieser zieht weiter genüsslich an der Pfeife und scheint den leicht empörten Hausverwalter kaum zu bemerken. Basin verdreht daraufhin die Augen, mit den Schultern zucken und sagt „Manche Dinge ändern sich wohl nie…“ Ferolax grinst ihn nur breit an, was Basin dann ebenfalls zum Grinsen bringt und sich verbschiedet, nachdem er sich versichert hat, dass Octavia nicht mehr braucht. Octavia kommt der Geruch der Pfeife seltsam bekannt und sie erinnert sich, ihn in ihrer Kindheit schon häufiger gerochen zu haben.
Als Ferolax Octavia sieht, springt er gleich auf und begrüßt sie mit einem kräftigen Handschlag. Er lacht und bemerkt, dass sie inzwischen ganz schön groß geworden sei und sie früher die einzige Person hier gewesen ist, die kleiner als er war. Dann fragt er, ob sie sich noch an ihn erinnern kann, und versichert, dass er sich noch gut erinnert, wie sie ihm häufig neugierig nachgeschlichen sei. Octavia erinnert sich tatsächlich an den Zwerg und weiß noch, dass er immer sehr viel und laut gelacht hat und sein Gelächter durch alle Gänge hallte. Sie erinnert sich auch noch, dass es auch einen anderen Zwerg gab, der häufiger zu Besuch war.
Es fällt auf, dass Ferolax sich zwar höflich und respektvoll verhält, aber keinen Gebrauch von menschlichen Umgangsformen macht. So spricht er Octavia immer nur mit „Mädchen“ an, was er aber offensichtlich nicht abwertend, sondern gegenüber den kurzlebigen Menschen eher fürsorglich meint. Er bezeichnet auch alle anderen Menschinnen egal welchen Alters als „Mädchen“ und spricht jeden Mann als „Junge“ an, wie auch Henk oder wenn er von Aequus spricht, bei dem er auch immer von „dem Jungen“ sprecht.
Ferolax kommt dann gleich zum Punkt und möchte seine Erfindung gern umgehend wiedersehen. Er erzählt, dass Iustus ihm bereits gesagt habe, dass sein „Baby“ beschädigt sei und er sei deshalb sofort aufgebrochen, um zu helfen. Ihm liegt anscheinend sehr viel an dem Natator Aeris und er bezeichnet ihn als seine ausgefallenste Arbeit. Deshalb war er froh, dass sich Iustus an ihn gewandt und ihn herbestellt habe. Zu Iustus macht er beiläufig die Anmerkung, dass dieser „Junge“ zwar ein unglaublich helles Köpfchen habe, jedoch etwas zu verkrampft sei. Der „Hungerhaken“ solle sich mal etwas Ruhe gönnen und vielleicht mal etwas mehr essen, dann wäre auch nicht so angespannt.
Die Helden führen Ferolax in das geheime Labor und als dieser das Tauchboot wiedersieht, hat er vor Rührung fast Tränen in den Augen. Er hätte nie gedacht, seine „Flowany“ wiederzusehen, da er davon ausging, dass der hinterhältige Insidiae es zerstört hätte. Zuerst läuft Ferolax lange andächtig um das Boot herum, tätschelt es sanft mit seinen groben und von Schwielen übersäten Händen und flüstert ihm leise etwas zu, als wäre es ein Lebewesen oder gar ein Haustier. Dann sieht er die Bruchstelle auf der Außenhülle und begutachtet diese, während er beruhigend auf das Boot einredet, als wäre es ein krankes Pferd. Er murmelt immer wieder „Das bekommen wir schon wieder hin, meine Gute.“
Schließlich ruft er Henk und Adarian hinzu und fordert sie auf, ihm zu helfen. Er deutet auf einige der Kisten in einer Ecke des Raumes und bittet sie, diese herüberzuziehen und sie zu öffnen. Die Kisten sind unglaublich schwer und Adarian muss seine ganze Kraft aufbringen, um deren Nägel mit Brecheisen aufstemmen. In den Kisten befindet sich eine transportable, kleine Schmiede: in einem Kasten ist eine aufbaubare Esse, in einer anderen ein Amboss und in weiteren befinden sich andere Schmiedewerkzeuge. Ferolax ist froh, dass die Ausrüstung noch da ist und erwähnt, dass er damals damit die Außenhülle geschmiedet habe. Im Anschluss inspiziert er diese ganz genau und wendet er sich an Octavia, da er einige Dinge benötige:
- Zum Ersten benötige er vom ansässigen Schmied einige Säcke Kohlen, ein paar Stangen vom besten Eisen und einen neuen Blasebalg, da der alte von der salzigen Luft porös geworden sei.
- Dann bräuchte er einige Fässer mit frischem Süßwasser als Kühlwasser für die Schmiedearbeiten und
- abschließend sofort ein frisches, kühles Bier.
Dann öffnet Ferolax seine Tasche und holt seine Schmiedeweste heraus, in welcher sich anscheinend eine Art von Orichalcum befindet, und beginnt er einfach wortlos zu arbeiten und richtet seine Schmiede ein.
Als sich Henk nach seinem Plan erkundigt, erklärt Ferolax, dass er einen Teil der Außenhülle flicken müsse, da sie auseinandergebrochen sei. Dazu werde er mit dem Eisen und dem Orichalcum, welches er aus Fjalgar mitgebracht habe, eine Legierung anfertigen, die das Schiff wasserfest, rostfrei und federleicht halten würde. Aus der Legierung schmiedet er ein Ersatzteil für die Außenhülle und dann sollte das Boot wieder einsatzbereit sein. Allerdings werde er mindestens 2-3 Tage dafür brauchen, wenn er sich beeile, doch zum Glück sei das Ersatzteil leicht nachzumachen, da es sich um eine sehr einfache Form handele.
Die Helden verlassen das geheime Labor und Octavia bittet die Haushälterin Elwene, Ferolax ein Bier nach unten zu schicken. Dann beschaffen Henk und Adarian die geforderten Dinge für Ferolax am perlheimer Hafen und lassen sie zum Anwesen bringen. Sie bringen die Säcke, Fässer, das Eisen und den Blasebalg eigenhändig nach unten zu Ferolax, welcher sich daraufhin sofort an die Arbeit macht und die Esse anheizt, um die Legierung herzustellen.
Die Helden setzen sie sich beim Abendessen zusammen und überlegen ihr weiteres Vorgehen zur Rekrutierung von Männern. Henk schlägt vor, im Gasthaus „Zum Seewolf“ nachzufragen, da man dort am besten Seeleute anheuern könne. Octavia und Kenji wollen lieber in der Villa bleiben und so beschließen Henk und Adarian, allein in die Stadt zu gehen und nach Matrosen für die Baiula Spei zu suchen.
Rekrutierung im Seewolf
Im dem sehr großen Gastraum sind fast ausschließlich Matrosen versammelt und es ist brechend voll. Sie grölen, singen obszöne Seemannslieder und trinken Steife Brise und Grog. Als Henk und Adarian hereinkommen, tuscheln die einheimischen Fischer anfangen und werden etwas stiller. Matrosen von außerhalb, die von den Helden noch nie gehört haben, beachten Henk und Adarian kaum. Adarian verschafft sich Gehör und teilt den Matrosen mit, dass sie eine Expedition planen und dafür Männer für ihren Dreimaster suchen, die keine Furcht kennen und Interesse an einer guten Bezahlung haben.
Viele Matrosen signalisieren sofort Interesse und wollen wissen, wohin die Reise geht, wie lange sie unterwegs sein werden und wie gefährlich das Ganze sei. Als sie dann von Adarian hören, dass die Reise auf das offene Meer geht und sie abseits der Handelsrouten fahren werden, springen viele Interessierte gleich wieder ab. Sie erzählen von Monstern und Seeungeheuer und warnen die Helden davor, die bekannten Routen zu verlassen.
Ein Matrose kennt eine Geschichte über ein riesenhaftes Ungeheuer mit unendlich vielen Armen, welches ganze Schiffe in Blitzesschnelle auf den Meeresgrund zieht. Er selbst kannte einen Piraten, der draußen vor dem Fuselfels Schiffbruch erlitt und nur überlebte, weil er glücklicherweise an der Insel angespült wurde. Dieser schwört, dass er gigantische Tentakel mit Saugnäpfen zwischen den Wellen sah, als sein Boot sank. Außerdem sprach er von unmenschlich klingenden Schreien, die er auch keinem Tier zuordnen konnte und welche durch Mark und Bein gingen. Seit damals sei er total verstört, traue sich nicht mehr auf ein Schiff und wolle weit von der Küste fort. Zurzeit lungert er Gerüchten nach irgendwo als Säufer im Inland herum und erbettele sich seinen Lebensunterhalt.
Ein anderer kennt die Geschichte des Meerweibes, welches den Matrosen in der Gestalt einer wunderschönen, fischschwänzigen Frau erscheine, die ihm erotische Versprechen zuflüstert, die unwiderstehlich klängen. Um zu ihr zu kommen, haben sich schon viele Matrosen von ihren Schiffen in das Meer gestürzt und ertranken, da sie versuchten, zu ihr auf den Meeresgrund zu tauchen.
Die Geschichten, welche die Matrosen jedoch am meisten ängstigen, sind die über den Nebelschlund. Einige behaupten, dass es in der Bartha-Bucht deshalb so häufig nebelig sei, weil er von diesem Ort ausgehen würde. Im Zentrum der Bartha-Bucht sei ein großer Mahlstrom, der alles verschlingen würde, was in seine Nähe kommt. Im Zentrum davon wohne ein unbekannter Schrecken, den noch nie jemand zu Gesicht bekommen habe, da alle starben, bevor sie überhaupt in seine Nähe kamen. Aus diesem tiefen Wasserwirbel kommt auch all der Nebel in der Bartha-Bucht und verteilt sich von dort bis zu den Küsten. Doch manchmal scheint der Nebel auch noch „mehr“ aus dem Abgrund mitzubringen und viele Matrosen berichten von den Geistern der Toten, die aus dem Nebelschlund zurückkehren und vorbeireisende Schiffe und ihre ahnungslosen Besatzungen heimsuchen.
Als Adarian daraufhin bekannt gibt, dass genau dieser Nebelschlund das Ziel ihrer Expedition sein werde, erklären so gut wie alle Matrosen die beiden für verrückt und wenden sich von ihnen ab. Allerdings werden Henk und Adarian von vier Seemännern angesprochen, die sich als Maat Storko Koyner und die Matrosen Rabanus Halbach, Dreufang Buthner und Aarwin Seiler von der Seeschere vorstellen. Erstaunlicherweise sind sie nicht verschreckt wie die andern und tragen sich auf der Mannschaftsliste für die Expedition ein. Ebenfalls an diesem Abend melden sich Leichtmatrose Rashul al’Fessir und die Bambusen Hagen Gatt, Askir Flansmann und Plankenjockel für die Expedition, und Henk und Adarian kehren zur Villa zurück. Henk beschließt, morgen einen Aushang im Gasthaus anzubringen, um die Mannschaft noch zu verstärken, denn die Männer reichen bei weitem noch nicht aus.
Episode 13b: Augustus Gottesprüfung
8. Spealis 721 ThZ
Augustus erhält von Jast einen gefährlichen Auftrag und erkundet eine Insel. Er erhält Gesellschaft und wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Eine Höhle wird erforscht und unheimliche Entdeckungen gemacht. Augustus muss um sein Leben kämpfen und erhält am Ende eine Vision.
| 8. Spealis |
Jast führt Augustus mehrere Kilometer südlich von Perlheim zu einem kleinen Fischerdorf mit gerade mal 3-4 Hütten und einen kleinen Steg. Unterwegs ist Jast sehr schweigsam und nachdenklich und da Augustus keine Anliegen hat, schweigt er. In dem Fischerdorf angekommen, bittet Jast Augustus, vor einer Fischerhütte mit etwas Abstand zu warten. Er selbst geht zu der Tür, klopft an und ein Fischer lässt ihn hinein. Einige Minuten später kommt er mit einem gefüllten Beutel zurück und bittet Augustus, ihn zu dem Steg zu begleiten. Dort hält er vor einem kleinen Ruderboot an und wendet sich an Augustus.
Augustus‘ Auftrag
Jast erklärt, dass es nun Zeit sei, seine Prüfung anzutreten, und wendet seinen Blick auf das Meer hinaus. Er zeigt auf eine kleine Insel, deren spitze Felsen man gerade noch so von der Küste in dem dunstigen Wetter erkennen kann. Dort müsse Augustus hin, um ein Unheil zu untersuchen, welches bereits unzähligen Menschen zum Verhängnis wurde. Jast berichtet, dass alles vor einigen Monaten anfing, als eines Morgens plötzlich in dieser Gegend große Mengen von toten Meerestieren angespült wurden. Sogar ein Wal strandete nach dieser seltsamen Nacht und es gab kein Zeichen dafür, dass die Katastrophe von einem Unwetter oder einer anderen natürlichen Ursache ausgelöst wurde. Kurz darauf verschwanden plötzlich die ersten Perlenfischerboote in dieser Gegend, welche hier schon lange nach kostbaren Muscheln suchen. Inzwischen seien fünf Boote aus Perlheim, zwei aus Veltima und drei aus den umliegenden Fischerdörfern hier verschwunden. Niemand wisse genau, was mit den Schiffen geschehen sei. Von einigen wurden hier in der Gegend Wrackteile angespült, ein anderes wurde gefunden, da es auf eine Klippe auflief und dort hängen blieb. Die Wachen von Perlheim haben es sogar untersucht, aber fanden keine Spur von der Besatzung. Piraterie scheint ausgeschlossen, da die Fracht und die Wertgegenstände auf dem Schiff unangetastet und lediglich das Proviant und alles Essbare verschwunden waren. Was immer dort auf dieser Insel sei, scheint also sehr gefährlich zu sein, und Jast würde es nicht wundern, wenn dort unheilige Dinge von statten gingen. Augustus solle deshalb auf alles gefasst sein.
Dann zeigt Jast auf ein kleines Ruderboot und sagt, dass er dieses Boot einen einheimischen Fischer abgekauft habe und Augustus damit zu der Insel hinüber fahren solle. Dort könne er beweisen, dass er zu mehr im Stande sei als Tod und Schrecken unter die Menschen zu bringen. Wenn er nämlich der Gnade Alethons Wert sei, dann werde er diesmal Tod und Schrecken von den Menschen abwenden und die Vergebung der Schutzgötter erhalten.
Bevor er aufbricht, gibt Jast Augustus noch einen Beutel mit einem Schlauch Wasser, getrocknetem Fisch als Proviant, ein paar Verbände und ein Seil. Jast holt aus seiner Tasche noch eine Muschel hervor und überreicht sie Augustus. Es ist eine besonders große Lichtmuschel, die von außen schlicht aussieht. Öffnet man sie, kommt eine große Perle zum Vorschein, die im Dunkeln leicht leuchtet. Sie ist sehr kostbar, aber kann an dunklen Orten ein schwaches, aber zuverlässiges Licht sein. Jast fragt Augustus noch, ob er noch irgendetwas sagen möchte, oder ob er Octavia oder jemand anderen noch ein paar letzte Worte mitteilen soll, falls er versagen sollte. Als Augustus versichert, dass er nicht versagen werde, wünscht Jast ihm, dass das Licht der Schutzgötter mit ihm sei und sagt, dass er auf seine Rückkehr warten werde.
Überfahrt und Untersuchung der Insel
Der Wellengang ist recht stark und das Rudern auf offener See ist sehr anstrengend. Man hört keine Möwen und außer dem Wellenrauschen ist es still und bedrückend. Augustus hält gut den Kurs und in der Nähe der Insel fängt es an zu stinken und man sieht vereinzelt tatsächlich tote Fische auf der Oberfläche treiben. Als Augustus an der Insel anlegt und seinen ersten Schritt darauf setzt, hört er plötzlich ein leises, aber schrilles Zischen, welches er nicht zuordnen kann.
Augustus sieht sich auf der Insel um und außer toten, angespülten Fischen, Algen und Möwenscheiße ist kaum etwas zu finden. Es gibt eine alte, leere Truhe, ein paar Wrackteile und Massen von totem Fisch. Sogar ein verwesender Haifisch verrottet auf einem Felsen vor sich hin, jedoch gibt es keine Aasfresser, die sich an ihm laben. Anscheinend existieren auf der ganzen Insel keine Lebewesen. Unter den Wrackteilen findet Augustus auch eine Planke mit der Aufschrift „Die Kronperle“, einem bekannten Perlenfischerschiff aus Perlheim.
Es gibt auch etliche Felsspalten, die Augustus durchsucht, und findet in einer von ihnen einen halbverdursteten Menschen liegen. Augustus gibt diesem etwas Wasser und Essen aus seinem Proviant und versorgt seine Verletzungen mit den Verbänden, die Jast ihm mitgegeben hat.
Corwin von Schaumingen
Der Schiffsbrüchige kommt mit Hilfe von Augustus Proviant wieder etwas zu Kräften und erkennt plötzlich seinen Retter als Augustus Octavius, den Mann, der seinen unschuldigen Vater vor vier Jahren hinrichten ließ, weil er ihn die Ermordung von Botschafter Aequus vorwarf. Er gibt sich als Corwin von Schaumingen, Sohn von Ratsherr Edwin von Schaumingen, zu erkennen und klagt Augustus für den Tod seines Vaters an. Damit begann für Corwin ein unaufhörlicher gesellschaftlicher Abstieg, so dass der Adelssohn Stand und Vermögen verlor und als Fischer auf der „Kronperle“ anheuern musste, um zu überleben.
Augustus ist tief betroffen und entschuldigt sich aufrichtig bei Corwin. Er versucht, seine damalige Situation zu erklären, ohne sich herausreden oder aus der Verantwortung stehlen zu wollen. Corwin erkennt Augustus‘ Ehrlichkeit an und beginnt, seinen verhassten Feind etwas zu verstehen und vergibt ihm tatsächlich. Dann erzählt er, wie er auf die Insel gekommen ist.
Corwin schilderte, er habe mit seiner Besatzung in der frühen Morgendämmerung die Insel „Grüne Hand“ erreicht, deren spitze, algenüberwachsene Klippen ein fauliges Aroma verströmten und deren Gewässer von toten Meerestieren übersät waren. Ein schrilles, von gurgelnden Untertönen begleitetes Geräusch habe ihn schließlich so gequält, dass er bewusstlos geworden sei. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er sich in einer stockfinsteren Höhle auf dem Felsboden wiedergefunden, an den ihn eine schleimige Masse geklebt und eine fremde Präsenz versucht habe, seinen Verstand zu kontrollieren. Dank des Alkohols aus einem zerbrochenen Flachmann sei der Schleim gelöst worden, woraufhin er in völliger Dunkelheit zu einem schwach leuchtenden Wasserbecken gekrochen und durch dessen unterirdischen Ausgang ins offene Meer geflohen sei. Corwin habe schließlich verletzt und dehydriert an der felsigen Küste gestrandet, habe eine Nacht und einen Tag versteckt zugebracht und beobachtet, wie eine robenumhüllte Gestalt gurgelnde Laute von sich gab, während sie erfolglos nach ihm suchte und er, geschwächt und kurz vorm Verdursten, unentdeckt geblieben sei. (vgl. Der Schiffsbruch).
Durch sein Erlebnis kennt Corwin als einziger den Eingang zu den Höhlen und erklärt sich bereit, voraus zu schwimmen, da er sich in den Gängen gerade noch so orientieren könne. Augustus bindet sich mit dem Seil an ihn, damit sie sich unter Wasser nicht verlieren. So tauchen sie gemeinsam in die Grotte hinein.
Die Grotte In der Höhle ist es stockdüster und man hört das Tropfen von Wasser und etwas ganz Leises, dass wie ein entferntes Stöhnen klingt. Augustus erinnert sich an Jasts Leuchtmuschel und bringt mit ihrer Hilfe einen leichten Lichtschimmer in die Finsternis, so dass sie wenigstens Umrisse erkennen und sich etwas orientieren können.
In dem ersten Raum finden sich Kisten, die mit Proviant, Wasser und sogar Rumfässern gefüllt sind. Außerdem liegt hier Bekleidung und Bewaffnung von etlichen Matrosen. Augustus fällt auf, dass hier überall an den Wänden Lichtmuscheln wachsen, und sie öffnen einige von ihnen, um mehr Licht zu haben. Jetzt lassen sich die Sachen besser erkennen und Corwin findet sogar seinen Säbel und sein Hemd wieder.
Plötzlich kommt eine Kreatur mit gequollenen Fischaugen, die leicht im Dinkeln reflektieren, in die Höhle. Dieses männlich wirkende Wesen wirkt auf Augustus wie ferngesteuert und trägt eine nasse Kiste in den Raum. Als es die beiden bemerkt, fängt es schrill und gurgelnd an zu schreien und greift sofort an, indem es die Kiste nach Augustus wirft. Dieser weicht elegant aus und tötet mit zwei gezielten Stichen die Kreatur, welche die Kleidung eines Fischers trägt. Augustus fragt sich, ob dieser Mann von einem Arkanisten vielleicht noch zu retten gewesen wäre und beschließt, die nächsten Gegner nur k.o. zu schlagen und mit den zahlreichen Seilen, die sich bei den Kisten finden, zu fesseln.
In den Gängen treffen sie auf einen weiteren Gegner, dessen Augen noch nicht so verändert aussehen und der außerdem rote Punkte auf der Stirn hat. Corwin erkennt ihr wieder, denn es ist sein Kapitän Knut Klippenhauer, der ihn allerdings angreift und von Augustus bewusstlos geschlagen und gefesselt wird.
In einem zweiten Raum findet Augustus einen seltsamen Knochenkreis, bei dem es sich um ein Portal handeln könnte, was jedoch zurzeit nicht aktiviert zu sein scheint. Außerdem entdeckt er auf einen Tisch einem seltsamen, verschlossenen Kasten, den er einsteckt und mitnimmt.
Der dritte Raum ist größer und hier sind etliche eingesponnene, bewusstlose Matrosen mit grünem Schleim fest auf den Boden geklebt und nicht ansprechbar. Außerdem befindet sich eine Zelle mit Gittern in dem Raum, in welcher anderen Matrosen liegen, welche nicht mehr festgeklebt sind, aber noch Reste von dem Schleim an sich tragen. Sie haben rote Punkte an der Stirn und einige bewegen sich, als wären sie kurz vor dem Aufwachen. Zwei davon kennt Corwin von seiner Mannschaft. Dann werden die beiden von eine Patrouille überrascht, deren Verwandlung mittelmäßig weit fortgeschritten ist. Auch diese Kreatur wird von Augustus niedergeschlagen und mit Seilen gefesselt zurückgelassen.
Das Becken
In dem letzten Raum findet sich ein großes Meeresbecken, vor welchem ein großes Wesen in einer dunklen, nassen Robe und einer Kapuze steht. Es trägt eine Art Zepter in der Hand, welches den Raum mit einem schwachen , grünen Licht erhellt, und gibt zwei von den veränderten Matrosen Befehle, die einen Bewusstlosen anderen Matrosen gerade auf einen Stein am Rand des Beckens setzen und ihn dort festhalten. Das Kapuzenwesen geht dann zu ihm hin, beugt sich hinab und setzt etwas Unkenntliches auf den Körper des Bewusstlosen, was wie eine Alge um ihn herum wächst und sich fest auf den Stein verklebt. Corwin wird bei dem Anblick bewusst, dass mit ihm das Gleiche geschehen sein muss, und er erkennt auch einen bekannten Matrosen in dem Mann wieder, der dort liegt. Die beiden beobachten die Szene noch etwas weiter und sehen, wie sich aus dem Becken plötzlich ein Tentakel erhebt und sich um den Kopf des Matrosen wickelt, welcher daraufhin kurz zu zucken beginnt.
Augustus springt auf, rennt sein Schwert ziehend auf den Gefangenen zu und durchtrennt mit einem Hieb das Tentakel. Der Robenträger ist überrascht und versucht mit einem Beeinflussungszauber Augustus‘ Willen zu unterwerfen, wogegen dieser hart ankämpft. Corwin lenkt die beiden umgewandelten Matrosen ab, während Augustus den Robenträger ins Visier nimmt. Doch dieser senkt das Licht, so dass es wieder dunkler ist. Während Corwin einige Lichtmuscheln zerhaut, um wieder Licht zu schaffen, wirft der Robenträger mit schleimigen Algenkugeln, die Corwin festkleben. Augustus muss seinen ganzen Willen aufbringen, um der Beeinflussung standzuhalten, doch es gelingt ihm schließlich, den Gegner zu erreichen. Als Augustus ihn tötet, fällt er in sich zusammen, da sich sein Körper durch eine Flüssigkeit, welche auf seiner Haut austritt, sehr schnell zu zersetzen scheint. Augustus kann gerade noch erkennen, dass er kein richtiges Gesicht besaß und so etwas wie Tentakel dort sitzen.
Nachdem das Wesen tödlich getroffen wurde, hört man einen schrillen und markerschütternden Schrei aus dem Becken, der von gurgelnden Tönen untermalt wird, und plötzlich erheben sich unzählige Tentakel in die Höhe und scheinen um Hilfe zu rufen. Augustus zögert nicht lange und stürzt sich kopfüber mit dem Schwert in der Hand in das Becken hinein. Er kämpft sich durch die abwehrenden Tentakeln nach unten und kann im Zentrum der Tentakel etwas Festes ausmachen, dass sich wie ein großes Gehirn aussieht und aus dessen Seiten die Tentakel herauswachsen. Augustus schafft es mit letztem Atem an ihnen vorbeizukommen und stößt sein Schwert tief in das Zentrum hinein. Als es getroffen wird, setzt es ein Gift in dem Wasser frei, mit welchem Augustus beim eiligen Auftauchen zwangsläufig in Berührung kommt. dass in dem nächsten Stunden seine Ausdauer aufbraucht und ihn in ein Koma versetzt
Die Rettung der Matrosen
Augustus und Corwin kehren zu den Matrosen zurück, die inzwischen alle wach und frei von dem Einfluss des Hirnwesens sind. Sie sind jedoch noch festgeklebt und können mit dem Rum befreit werden. Einer der Sklaven, der schon länger dort ist, erinnert sich, dass es einen weiteren Ausgang gibt. Er führt sie zu einem anderen Gang zurück und deutet nach oben, wo ein Stein ist, der sie mit einem Hebel zu Seite stemmen lässt und der von außen nicht zu sehen ist.
Augustus fühlt sich unglaublich erschöpft und führt dies auf den Einfluss der Substanz aus dem Wasser zurück. Er merkt, wie er immer schwächer wird und bei der Öffnung des Ausgangs nicht einmal mehr stehen kann. Die Männer stürzen ihn und nehmen ihn mit nach oben, wo Augustus das Bewusstsein verliert und sie ein großes Feuer entfachen, damit die Leute am Festland sie sehen können. Sie warten auf ihre Rettung, die nicht lange auf sich warten ließ. Wieder an Land bringen den bewusstlosen Augustus zu Talina in der Hoffnung, dass sie ihm vielleicht helfen kann.
Augustus Vision
Während Augustus unter lähmenden Schmerzen sein Bewusstsein verliert, wird er von tiefer Dunkelheit umfangen und ist sich sicher, dass ihm nun sein sicherer Tod bevorsteht. Er denkt in seinem letzten, klaren Moment, dass Alethon ihm anscheinend keine Gnade gewähren wird und innerlich verabschiedet er sich von der Welt und ist bereit, die Strafe für seine unmenschlichen Verbrechen zu akzeptieren, obwohl der Gedanke, dass Octavia unter seinem Verlust vermutlich furchtbar leiden wird, ihm kurzzeitig unerträglich erscheint.
Trotzdem bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich einfach in die unbekannte Schwärze fallen zu lassen und auf sein Ende zu warten. Für eine unbestimmbare Zeitspanne wird er daraufhin von einem schwarzen Nichts verschlungen und all seine Wahrnehmungen und Empfindungen scheinen sich aufzulösen.
Plötzlich erhellt sich die Finsternis jedoch wieder und er sieht eine strahlend weiße Person, die ihn mit ihrem hellen Licht, welches sie umgibt, so blendet, dass er nur ihre Silhouette erkennen kann. Trotzdem kommt ihm diese Gestalt bekannt vor und als sie sich nähert, wird ihm bewusst, dass es sich um seinen Genius handelt. Dieser ist ihm seit der Tötung von Deron nicht mehr erschienen und über die letzten Jahre hat er keinen Traum gehabt; sein Schlaf war lediglich leer und von einem Gefühl der Einsamkeit erfüllt.
Nun steht sein Genius jedoch wieder vor ihm und er kann langsam die Gestalt erkennen, in welcher er sich ihm offenbart. Früher erschien er fast immer in der Gestalt des Mirtis, häufig auch in der Gestalt seines Vorfahren Cycnus oder lediglich als ein stolzer, weißer Schwan. Diesmal hat sein Genius jedoch die Gestalt seines Vaters angenommen, welcher ihn milde anlächelt und sich ihm nähert.
Er ist im ersten Moment etwas erschrocken, und als er sein Gesicht erblickt, kommen mit einem Schlag alle Erinnerungen an seine schrecklichen Taten in ihm hoch. Es ist, als ob er alle Gräueltaten, die er in Perlheim und als Principus Mortis begangen hat, noch einmal erleben würde. Er sieht, wie er Derons Schädel auf der Stufe im Atrium zertrümmert, wie er die unschuldigen Ratsherren in seinem Kerker foltert und ihnen damit falsche Geständnisse entlockt, wie er die Rüstung des Principus Mortis anlegt und Silvius in den Krieg folgt, wie er sich durch die Straßen von Loderis schlägt und gnadenlos jeden tötet, der sich ihm in den Weg stellt, wie er die Angehörigen der vermeintlich Schuldigen unter Druck setzt und dabei weder Frauen noch Kinder schont und wie er in Druzba kurz davor war, seine eigene Schwester zu bekämpfen und zu vernichten. All diese Geschehnisse scheint er noch einmal neu zu erleben, doch diesmal ist er frei von Rache und Hass und kann zum allerersten Mal ein wahres und echtes Gefühl von Mitleid und Empathie für seine Opfer aufbringen. Plötzlich fühlt er all ihr Leid und ihre Verzweiflung, und auch wenn sein Kopf bereits lange wusste, dass seine Taten entsetzlich grausam waren, wird ihm in diesem Moment zum ersten Mal das volle Ausmaß seiner Handlungen bewusst. Eine Blockade der Verdrängung, die seine Gefühle lange Zeit fast stillgelegt hatte, scheint gebrochen, und all seine Reue und sein Bedauern überfallen ihn und bringen sein schmerzerfülltes Herz beinahe zum Platzen.
Er spürt, wie Tränen seine Wangen hinunterlaufen, und er sinkt schwach und verzweifelt auf die Knie. Lange beweint er das Leid und den Kummer seiner Opfer und wünscht, dass er mit ihnen tauschen oder ihre Qualen rückgängig machen könnte. Er fühlt sich wie ein hilfloses Kind, das mit der Last seines Gewissens überfordert ist, und kein körperlicher Schmerz, den er je erlitten hat, kann sich mit dem unerträglichen Gefühl messen, das er nun gerade erfährt.
Gerade, als er denkt, dass der Tod oder selbst die ewige Verdammnis seiner Seele nicht ausreichen könnten, um ihn angemessen für seine Taten zu bestrafen, bemerkt er, dass sein Genius noch immer neben ihm steht und in der Gestalt seines Vaters auf ihn hinabblickt. Eigentlich erwartet er, dass dieser ihn mit seinem typischen strengen Blick ansieht, den er ihm immer entgegenbrachte, wenn er ungehorsam war oder sich nicht den Tugenden entsprechend verhalten hatte, was in seiner Kindheit häufiger vorkam. Er spürt das dringende Bedürfnis, sich bei ihm zu entschuldigen oder ihm gegenüber auszudrücken, wie leid es ihm tut, dass er sein Lebenswerk vernichtet hat – doch der Genius legt lediglich beruhigend seine Hand auf seine Schulter. Statt Strenge ist sein Blick von Milde erfüllt, und er lächelt ihm vergebend zu.
Er fühlt sich plötzlich wieder wie ein kleiner Junge und klammert sich hilflos an das Bein seines Vaters. Erneut ergießen sich Bäche von Tränen aus seinen Augen. Aequus lässt ihn gewähren, streichelt seine Haare, greift ihm unter die Arme, zieht ihn behutsam aber kraftvoll hoch und stellt ihn zurück auf die Beine. Er blickt ihn aufmunternd an und sagt: „Ich werde immer stolz auf dich sein, mein Sohn. Nun ist es jedoch an der Zeit, dass auch du deinen Stolz wiederfindest, denn dir steht eine große Aufgabe bevor. “
Dann klopft er ihm noch einmal militärisch auf die Schulter und wendet seinen Blick nach oben. Er erhebt seinen Arm, und sein Finger deutet auf ein weißes Licht, das in der Finsternis umherschwebt. Als Augustus zu seinem Vater zurückblickt, ist dieser plötzlich verschwunden, und er steht allein in einer alten, finsteren Ruine, mitten in einer gefrorenen Wüste aus Eis und Schnee. Der Wind pfeift kalt, und vor ihm befindet sich ein merkwürdiges Becken, das mit Blut gefüllt ist. Um dieses stehen die vier Helden, und er erkennt deutlich das Gesicht seiner Schwester, das kurz zusammenzuckt, als sie sich mit einem Messer in die Hand schneidet.
Als sie ihre Hand über das Becken hält und ihr Blut hineintropfen lässt, nähert sich das fliegende Licht und taucht plötzlich in das Blut ein. Dieses verwandelt sich danach in die Drachenträne, die wie ein Herz zu pulsieren beginnt, und plötzlich wachsen Adern aus ihr heraus, die ein Geflecht bilden und sich in verschiedene Richtungen erstrecken.
Eine dicke Ader wächst zu einem Ort im tiefen Sumpf, und er sieht, wie sie sich mit einer älteren Frau mit einem Anhänger in Form eines Wappens von Wallenrode um den Hals verbindet und dann weiter zu einem dickeren und wohlhabend wirkenden Mann im mittleren Alter wächst. Von diesem gehen wiederum kleinere Adern aus, die zu einem kleinen Mädchen führen. Eine weitere Abzweigung von der Frau führt zu einem kleinen, stämmigen Mann, der bereits ein stolzes Alter erreicht zu haben scheint, jedoch noch sehr rüstig wirkt.
Er verfolgt eine andere große Ader und sieht, dass sie weit in den Westen von Barthavion führt und zu Henks Schwester Hella, die ihm aus Parlainthium Novum bekannt ist. Jedoch folgt dieser Ader eine weitere, noch dickere Ader, die zu einem kleinen, tätowierten Kind wächst, das Hella auf dem Schoß sitzt und dem sie gerade ein Wiegenlied vorsingt (vgl. Episode 19.08). Die gleiche Ader bildet noch eine weitere Abzweigung, und er sieht einen Mann an einem Strand stehen, der große Ähnlichkeit zu Henk aufweist, jedoch hellere Haare und Augen besitzt.
Eine dritte große Ader wächst zu einer Person, die in einem Turm steht und eine Robe trägt. Die Architektur verrät ihm, dass sich dieser Ort in Barthavion befinden muss. Er kann nicht erkennen, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt, aber er sieht, dass die Person lange, schwarze Haare besitzt und die gleichen mandelförmigen Augen wie Kenji. Von dieser Ader führen noch weitere fort, doch sie verlieren sich über einem endlos wirkenden Meer.
Er sieht noch eine letzte Hauptader, die aus dem schlagenden Herz wächst und deren Abzweigungen in Richtung Thyrna führen, wo sie sich mit seiner Großmutter und seiner Cousine Silvia verbinden. Andere, ganz feine Kapillaren gehen zurück nach Barthavion, und er sieht, wie sie zu dem entfernt Verwandten Obloci und dessen Mutter wachsen. Der Hauptstrang der Ader wächst jedoch direkt auf ihn zu, und er merkt, wie er sich mit dem Blutkreislauf der Drachenträne verbindet und eine Verbindung zu all den von ihm vorher gesehenen Menschen entsteht.
Episode 14: Der Wächter der Drachenträne
8./9. Spealis 721 ThZ
Octavia hat einen Traum von Augustus und die Drachenträne hat sich verändert. Obloci hat Neuigkeiten und Adarian hat einen neuen Freund. Ein Fremder bittet die Helden zu Talina und sie erleben eine Überraschung. Ein Wächter ernennt sich und die Helden suchen erneut im Seewolf nach einer Mannschaft.
| 8. Spealis |
Octavias Traum
Octavia schläft in der Nacht sehr unruhig und hat das Gefühl, dass ihr Bruder in Gefahr ist.
Sie träumt von einer dunklen Höhle und hört Wasser plätschern und riecht den fauligen Geruch von Fisch und Algen. Dann sieht sie Augustus, wie er am Rande eines Beckens steht und in ein grünliches Licht gehüllt ist. Er atmet tief ein und springt in das wogende Wasser vor ihm und taucht in eine finstere Tiefe hinab.
Octavia erwacht daraufhin und bemerkt, dass die Drachenträn sich verändert hat. Bei genauerer Betrachtung erscheint es so, als ob sich die Oberfläche des Steins zu heben und zu senken scheint. Es wirkt fast wie das Pulsieren eines Herzschlages.
Da das Phänomen eine Weile anhält, nutzt Octavia die Gelegenheit, um es den anderen zu zeigen. Als alle Helden beisammen sind, beschleunigt sich das Pulsieren und plötzlich steigt wieder eine weiße Lichtkugel aus dem Artefakt empor. Das Pulsieren hört daraufhin auf und die Lichtkugel schwebt langsam durch den Raum, als wollte sie sich orientieren. Dann schießt sie plötzlich in Richtung Süden davon und durchquert dabei die Wand. Durch einen Blick aus dem Fenster kann man sie noch etwas verfolgen, doch schließlich wird sie so schnell, dass sie aus dem Blickfeld verschwindet.
Die Helden begeben sich wieder zu Bett, nachdem Octavia noch mit Kenji gesprochen und ihre Sorge um Augustus geteilt hat.
| 9. Spealis |
Frühstück mit Obloci
Obloci ist bereits früh wach und unterhält sich mit seinem Berater über seine Arbeit und geht nochmal die gesammelten Beweise durch. Er begrüßt alle, die zum Frühstück erscheinen, und teilt mit, dass er Neuigkeiten habe, die er berichtet, sobald alle Anwesend sind.
Schließlich informiert er dann alle darüber, dass seine Arbeit wegen des Prozesses um Vorax und auch wegen des Abzugs der thyrnischen Hilfstruppen nun abgeschlossen sei. Die Stadt stehe bald wieder auch komplett auf eigenen Beinen, da heute die Wahl und die Ernennung der neuen Ratsmitglieder ansteht, die traditionell von den Adeligen der Stadt abgehalten wird, welche die Ratsherren ausnahmslos aus ihren eigenen Stand wählen.
Da die Stadt immer noch unter den finanziellen Schröpfungen von Vorax leidet, hat Obloci es erwirkt, dass Thyrna eine umgehende Entschädigung auszahlt, welche der Stadt zukommen soll, noch bevor die langwierigen Verhandlungen um Vorax abgeschlossen sind, denn bei dem großen bürokratischen Aufwand fürchtet Obloci, dass diese sich über Wochen oder sogar Monate hinziehen werden. Die finanzielle Unterstützung sollte vorerst ausreichen, um zumindest neue Stadtwachen einzustellen, welche die Hilfstruppen ersetzen und die Stadt vor der zunehmenden Piraterie in der Gegend schützen können.
Obloci hat ebenfalls einen Antrag gestellt, dass die Stadt ihm die Genehmigung erteilt, dass er als Gast und gegebenenfalls auch als Botschafter des Imperiums weiterhin in Perlheim bleiben darf. Zuerst waren die Politiker skeptisch, was nach ihren Erfahrungen mit Vorax verständlich ist, als sie jedoch hörten, dass die Bibliothek wiedereröffnet werden soll, zeigten sie mehrheitlich ihre Zustimmung. Wenn also der Kaiser ebenfalls zu einer erneuten Botschaft in Perlheim einwilligt, wovon Obloi ausgeht, wird wohl nichts mehr im Weg stehen, dass er die Arbeit des Aequus fortführt und Perlheim durch die Bibliothek als kulturelle Austauschstätte wieder bereichert. Die Nachricht von den Beamten des Kaisers erwartet er im Laufe des heutigen Tages, ebenso wie die offizielle Zusage des perlheimer Rates nach dessen Neuwahl.
Wenn all dies geregelt ist und die Zusagen eingeholt sind, werden der Rat der Stadt und auch die Bürger von Perlheim sich vermutlich über einen feierlichen Anlass zu der Wiedereröffnung der Bibliothek freuen. Dies könnte ein gutes Zeichen setzen und die Menschen der Stadt werden mitbekommen, dass alle Gelehrten und Wissbegierigen wieder in der Residenz des Botschafters willkommen sind, um in den Räumen der Bibliothek zu studieren.
Obloci empfiehlt Octavia deshalb einige Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zu treffen und auch Einladungen an die Stadträte und die anderen wichtigen Adeligen der Umgebung zu verschicken sowie eine öffentliche Ansprache vor ihnen zu halten, bei welcher auch Gelegenheit besteht, Obloci als den neuen Botschafter vorzustellen. Er entschuldigt sich dann, da er noch einigen Papierkram zu erledigen hat und heute in der Residenz bleibt. Obloci bittet Octavia noch, das alte Arbeitszimmer ihres Vaters dazu nutzen zu können, und zieht sich dann dorthin zurück.
Basin erzählt nach dem Frühstück beiläufig, dass in der Stadt große Aufregung herrschen würde, da die Besatzung der Kronperle, eines vermissten Schiffes, plötzlich wieder aufgetaucht sei und die Männer auf einem anderen Schiff zurückkehrten. Basin kennt auch die Geschichten über die toten Meerestiere und die verfluchte Insel im Süden, doch genaues haben die Matrosen noch nicht erzählt, aber die ganze Stadt ist gespannt zu erfahren, was ihnen widerfahren ist.
Dann übergibt Basin Henk noch eine Nachricht, die ihm jemand in Perlheim für ihn mitgegeben hat:
„Streuner, Schwarzbart weiß schon über Rötels Auftrag Bescheid und hat Ohren und Augen offen, um das Schiff von Steinauge zu finden. Er meint, dass wir den schon bald aufstöbern werden. Schwarzbart ist auch dafür Rötels Auftrag zu übernehmen, da die Bartha-Bucht leider fest im Griff dieser fetten Qualle ist. Wenn wir Graltik nicht die Kontrolle der Küsten überlassen wollen, sind wir – wie es scheint - wohl oder übel auf den stinkenden Fettsack angewiesen. - Ratte“
Nachricht von Augustus
Nachdem Augustus zu Talina gebracht wurde, wurde auch Corwin von ihr geheilt und versorgt. Er hat ein wenig geschlafen und am Morgen bittet Jast ihn, Octavia und Kenji vom Anwesen zu holen. Talina hat Augustus die ganze Nacht geheilt und alles für ihn getan, aber es sieht so aus, als ob das Gift zu stark war. Er lebt zwar noch, ist aber in einem tiefen Schlaf gefangen und wird immer schwächer, da es ihm an Wasser mangelt.
Corwin kennt den Weg zu der Residenz, da er als adeliger Junge hier selbst einige Male von seinem Vater zum Studieren hingeschickt wurde. Er hat zwar nie einen privaten Kontakt zu den Octavier gehabt, jedoch sah er die Familie in seiner Kindheit immer mal wieder auf den einheimischen Banketten der anderen Adeligen.
Corwin eilt also zur Residenz und nach dem Frühstück kündigt Basin deshalb einen Besucher an. Nachdem er sich vorgestellt und kurz von seiner Rettung erzählt hat, bittet er Kenji und Octavia, mit ihm nach Perlheim zu kommen, denn Augustus gehe es nicht gut. Henk lässt sich nicht davon abhalten, mitzukommen, und nur Adarian bleibt auf dem Anwesen mit seinem kleinen Hund.
Auf den Straßen ist viel Aufregung zu vernehmen und man hört die Leute immer wieder über die Rückkehr der Besatzung der Kronperle reden. Vor Talinas Haus ist ein großer Auflauf von Frauen, welche der Kleidung nach aus dem Stadtviertel der Fischer stammen und Körbe tragen, welche mit Gebäck und anderen Köstlichkeiten oder Kunsthandwerk gefüllt sind und diese gerade an der Tür bei Talinas Vater abgeben. Immer wieder hört man, dass sie fragen: „Wie geht es ihm denn! “ oder „Wird er es wohl schaffen? “ und „Mein Mann und ich haben ihm alles zu verdanken. Richtet ihm bitte unsere besten Wünsche aus! “
Als diese Frauen Octavia erblicken, lächeln sie sie freundlich und auch ein wenig mitleidig besorgt an und grüßen sie mit großem Anstand. Respektvoll machen sie ihr den Weg in Talinas Haus frei und eine sagt zu ihr:
„Er hat sie alle gerettet! Euer Bruder ist doch nicht das Monster, für das wir ihn gehalten haben. Möge das Licht der Schutzgötter mit ihm und eurer Familie sein!“
Dann verneigt sie sich tief und macht Octavia dann ebenfalls den Platz frei. Talinas Vater winkt Octavia und Kenji bereits herein und sagt ihnen, dass sie schnell nach unten gehen sollen.
Corwin führt alle in den Keller, wo sich das Krankenhaus befindet, in welchem Augustus im Bett liegt. Daneben sitzt Talina und wirkt gerade ein Heilgebet, während Jast neben dem Bett sitzt und anscheinend ebenfalls für Augustus betet. Als die beiden die Gäste bemerken, wenden sie sich ihnen zu und begrüßen sie mit ernsten und mitleidigen Mienen. Talina gesteht, dass sie nicht mehr wisse, was sie noch für Augustus tun könne, da er auf nichts mehr reagiere. Sie sagt, dass er sich manchmal rege und es den Anschein habe, als würde er träumen, außerdem haben seine Augen vor einiger Zeit und unerklärlichen Gründen zu Tränen begonnen. Man kann erkennen, dass Augustus Augen ganz rot und deren Ränder immer noch nass sind.
Augustus reagiert auf nichts, außer auf Octavias Berührung, als diese sich neben ihn setzt und seine Hand nimmt. Sobald sie ihn anfasst, öffnet er plötzlich die Augen ganz leicht, blickt sie damit schwach an und flüstert ihren Namen. Zu mehr ist er vorerst zu schwach und Talina erklärt, dass ihm sonst nichts fehle und er sich nun erholen und ordentlich essen und ganz viel trinken solle. Sobald er sich dazu in der Lage sieht, kann er also gehen, wohin auch immer er will.
Nachdem er etwas zu sich genommen hat, erholt sich Augustus schnell, und nach ein paar Stunden fährt er in einer von Henk geholten Kutsche mit Kenji und Octavia nach Hause. Er freut sich schon darauf, den anderen von seinen Erlebnissen zu erzählen.
Henk fährt nicht mit der Kutsche, sondern besucht auf dem Rückweg kurz die Kneipe „Zum Seewolf“ und hängt die Anzeige aus, welche sie gemeinsam aufgesetzt haben. Dann macht er einen kurzen Abstecher zur Gilde und erkundigt sich nach Kaltfisch. Henk erfährt, dass dieser gerade eine neue Ladung Rum aus dem Norden abholt und ihn dann zu Grifo bringt. Sobald er wieder da ist, wird ihn jemand zu Henk schicken.
Der Hund
Adarian hat die Zeit auf dem Anwesen mit dem kleinen Hund verbracht, der sich sehr an ihn gewöhnt hat und dessen Pfote nun bereits verheilt ist. Er ist ein aufgewecktes Kerlchen und würde am liebsten den ganzen Tag mit Adarian spielen. Deshalb weicht er ihm kaum von der Seite und ist überall da, wo Adarian ist. Er scheint auch außerordentlich klug zu sein und hat manchmal einen sehr bewussten und wachen Blick und beobachtet immer ganz genau, was alle machen.
Zum Füttern muss Adarian ihn immer zum Hundemeister bringen, der aber sehr gutes Futter für all seine Hunde zubereitet. Der Hundemeister erklärt Adarian, dass der Kleine viel Auslauf benötige und er mit ihm vielleicht einen kurzen Spaziergang unternehmen könne. Falls die anderen nach ihm suchen würden, bietet er an, ihnen zu sagen, wo er zu finden ist. Der Hundemeister beschreibt Adarian noch einen schönen Spazierweg für die Hunde, welcher auch zu einem kleinen Bach führt, an welchem er mit seinen Hunden etwas spielen kann.
Augustus Geschichte und Schwur
Mit der Kutsche zuhause angekommen wird Augusts von dem Hausverwalterehepaar zunächst etwas zurückhaltend begrüßt, aber dann tritt Elwene vor und schließt ihn in ihre Arme. Es hat auf alle den Anschein, als ob sie ihm den Tod von Deron verziehen hätte (vgl. Tod von Deron). Basin bleibt etwas länger stehen und scheint mit widersprüchlichen Gefühlen zu kämpfen, geht dann aber auch auf Augustus zu und nimmt diesen in den Arm.
Augustus bittet seine Freunde, sich seinen Bericht von seiner Prüfung anzuhören, da seine Entdeckungen dabei für alle und ihren gesamten Auftrag wichtig sein können. Er wirkt nach seiner Rückkehr verändert und seine sonst eher etwas betrübte und schuldbeladene Ausstrahlung hat sich in eine wesentlich zuversichtlicher und stolzer verwandelt. Er erzählt schließlich allen, was ihm und den anderen durch den Gesichtslosen, die Umgewandelten und das große Tentakelgehirn unter Wasser widerfahren ist (vgl. Episode 20.13b), zeigt ihnen den seltsamen , verschlossenen Kasten. Henk knackt das Schloss mit Leichtigkeit und darin findet er drei merkwürdige, abstrakte Artefakte, die aus roter Koralle geschnitzt und mit unbekannten Schriftzeichen versehen sind. Außerdem findet sich darin ein altes grünliches, Amulett > mit Intelligenz erkennt Augustus, dass es das Gleiche zu sein scheint, wie das von den Fundstücken aus der Bartha-Bucht. Abschließend erzählt er ihnen von seiner Vision in der Bewusstlosigkeit, in welcher er große Adern aus der Drachenträne wachsen sah, die zu den Verwanden von Octavia, Henk, Kenji und Adarian führen und diese ebenso mit der Drachenträne verbinden (vgl. Augustus Vision).
Nachdem Augustus dies erzählt hat, steht er auf und versammelt in hochtrabender Manier alle um sich herum. Er bittet Octavia, die Drachentränen hervorzuholen. Dann sagt er mit entschlossener und ernster Stimme, er wisse genau, dass er niemals genug für seine Verbrechen büßen könne und egal, wo er hinging, würde er mit den Echos seiner Taten konfrontiert. Falls diese irgendwann zu seinem Tod führen sollte, so solle es so sein und er würde jedem seiner Opfer eine gerechte Rache gönnen. Jedoch wisse er nun, dass er im ewigen Schauspiel einen anderen Weg angeboten bekommen haben, den er nun bereit sei, zu gehen.
Er zieht bedeutungsvoll sein Schwert und kniet sich auf dieses gestützt vor den Helden nieder und schwört, dann dass er sein gesamtes restliches Leben als demütiger Diener und Wächter der Drachentränen und Beschützer der Helden, welche diese erschaffen haben, verbringen werde. Er werde sich allen Herausforderungen und Gefahren in den Weg stellen, welche die wichtige Aufgabe der Helden beeinträchtigen könnten und werde freudig sterben, wenn er damit der Sache nutzen könne. Er schwört dies bei dem
„Draconarius, dem weisen Kaiser des Thyrnischen Weltreiches, sowie bei den mächtigen Gottheiten Vitrex und Mirtis, bei meinem ruhmreichen Ahnen Titus Octavius Cycnus, meinem geliebten Vater Gaius Octavius Aequus und bei der Ehre aller anderen Mitgliedes des Hauses der Octavier!“
Für Augustus ist dieser Schwur ein sehr heiliger Moment und er ernennt sich damit selbst zum Paladin der Drachentränen, womit er sich eine neue Lebensaufgabe setzt. Augustus bleibt dann so lange auf den Knien vor den Helden sitzen, bis die anderen seinen Schwur akzeptieren und ihn bitten, aufzustehen. Augustus erhebt sich, steckt sein Schwert wieder weg und sagt, dass er auf diesen besonderen Moment gern mit allen anstoßen möchte. Dann schickt er Elwene in den Keller, welche einen besonderen alten Wein bringt.
Augustus sagt, dass die Trauben dieses Weines auf den Hügeln der Campi Biae, den Feldern der Bia angebaut wurden, und er diesen Wein persönlich als ein Geschenk für seinen Vater vor einigen Jahren aus Thyrna mitgebracht habe, als er auf einem seiner letzten Besuche während seines Militärdienstes hier war. Eigentlich wollten sie diese besondere Sorte für einen besonderen Anlass wie seine oder Octavias Hochzeit aufheben und sie dann gemeinsam trinken, jedoch kam es nie mehr dazu. Nun denkt er aber, dass sich sein Vater freuen wurde, wenn er wüsste, dass er ihn nun in dieser Runde und mit den Menschen teilt, die sein Erbe gerettet und durch die Wiederentdeckung der Matrix nun endlich die Wahrheit über die Vergangenheit ans Licht gebracht haben. Augustus wirkt sehr zuversichtlich und man merkt, dass die Prüfung von Jast viel bei ihm bewirkt hat und er seelisch scheinbar wieder etwas hergestellt ist.
Nachmittag und Abend
Je länger alle auf dem Anwesen verweilen, je mehr genießen sie die Vorzüge des komfortablen Gebäudes und die herrliche Lage am Meer. Die Villa lädt zum Ausruhen und Verweilen ein und immer wieder ertappt sich jeder dabei, dass er einfach nur auf das Meer hinaussieht oder auf einer der Liegen auf der Terrasse einnickt. Das Wetter ist auch strahlend und der Spätsommer zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die Heide blüht in bunten Farben und die ganze Luft ist von würzigen Düften erfüllt und Adarian spielt mit seinem jungen Hund draußen in den Gartenanlagen. Das Anwesen biete für alle Wünsche etwas auf: Spazierengehen und dem Wellengang lauschen, ein Bad in der Badegrotte mit schöner Panoramaaussicht auf die Bartha-Bucht genießen oder sich in der Bibliothek zu bilden oder einfach nur etwas zur Unterhaltung zu lesen. Für kurze Zeit haben alle die Chance wieder aufzutanken und man kann gerade sich kaum vorstellen, dass es in wenigen Tagen zu einer gefährlichen Seereise losgeht, denn alle Sorgen und Probleme scheinen hier in der weißen Villa über dem Meer weit entfernt. So fühlen sich alle heute leicht und frei und genießen diese seltene Auszeit.
Am Abend sucht Obloci die Helden auf und trifft auch zum ersten Mal auf Augustus. Die beiden Männer sehen sich mit widersprüchlichen Gefühlen an, aber Augustus steht dann auf und grüßt ihn militärisch. Obloci lächelt ihn leicht an und nickt ihm zu. Dann sagt er nur zu ihm, dass er ihn später noch um ein Gespräch bittet, wozu Augustus natürlich auch bereit ist. Obloci teilt ihnen dann erfreut mit, dass er sowohl die Zustimmung der neugewählten Ratsmitglieder als auch die des Kaisers habe. Er werde also hier sein Amt als Botschafter umgehend antreten können und hofft, dass er Aequus als sein Nachfolger alle Ehre machen werde.
Obloci erwähnt noch, dass auch die Bibliothek bald eingerichtet sei und der Wiedereröffnung nichts im Weg stünde. In drei Tagen könnte eine offizielle Feierlichkeit abgehalten werden, d.h. wenn die Einladungen heute noch verschickt würden. Obloci bittet Octavia außerdem darum, dass er seine Familie nun nachholen kann, damit sie ebenfalls hier ihre Räumlichkeiten beziehen können.
Rekrutierung im Seewolf
Am Abend brechen die Helden gemeinsam in die Kneipe „Zum Seewolf“ auf und wollen sehen, welchen Eindruck ihr Aushang bei den Männern gemacht hat. Beeindruckt sind viele von dem Lohn, der auch an die Witwen ausgezahlt werden würde, falls jemand auf See bliebe. Letztendlich rekrutieren sie aber trotz des guten Angebots nur noch drei weitere Matrosen.
Octavia muss sich einige Sprüche anhören, doch setzt sich taff verbal Wehr. Die Köchin des Seewolfs Roana meldet sich bei den Helden und bietet ihre Dienste als Smutje an, was von Octavia allerding etwas skeptisch gesehen wird.
Octavia bricht mit Kenji und Adarians kleinem Hund, welchen Aras getauft wurde, noch vor Mitternacht zur Villa auf, während Henk und Adarian noch im Seewolf bleiben, mit den Männern trinken und erst spät zurückkehren.
Episode 15: "Meeresrauschen
10. Spealis 721 ThZ
Henk hat einen verwirrenden Traum und Neuigkeiten aus Trutz treffen ein. Die Helden machen einen Ausflug in die Schwanenbucht und ein Unwetter zieht auf. Der Hundebesitzer meldet sich und die ersten Matrosen gehen an Bord. Im nächtlichen Gewitter erleben die Helden einen Schock und ein Tiermeister entschuldigt sich.
| 10. Spealis |
Henks Traum
Nachdem Henk vom Seewolf zurückkehrte, hatte er in der Nacht einen Traum:
Henk befindet sich in einem undefinierbaren Raum in absoluter Dunkelheit.
Ein kleines weißes Licht schwebt plötzlich auf ihn zu und wird immer schneller. Als es ihn erreicht, hüllt es ihn in ein gleißendes Strahlen ein und statt Dunkelheit sieht er nun nur noch blendende Helligkeit. Diese nimmt jedoch langsam wieder ab, und er kann erkennen, wie sich Formen und Kontraste aus dem Licht absetzen.
Er sieht plötzlich seine Hand, wie sie nach einem prall gefüllten Beutel greift, der unter einem Bett versteckt liegt. Er blickt sich um und befindet sich in einem Gastzimmer. Er steckt den Beutel ein und schleicht hinaus. Dann betritt er eine große Gaststube, in der gerade eine Hochzeit gefeiert wird. Dort erblickt er Adarian, der mit Octavia und zwei Windlingen mit einem Glas Weißwasser anstößt. Obwohl er diese Menschen nicht kennt, spürt er eine große Verbundenheit zu ihnen.
Das Licht hüllt ihn erneut ein und präsentiert ihm eine neue Umgebung.
Er befindet sich nun in der Öde und kämpft gegen den Teroplasma. Während Octavia die Xottak'Kaar gegen den Dämonenfürsten einsetzt, spürt er, dass Adarian an seiner Seite steht. Seine Anwesenheit beruhigt ihn in diesem furchtbaren Kampf und bestätigt ihm, dass er diesem Mann sein Leben anvertrauen würde.
Ein grelles Licht erfasst das Geschehen, und plötzlich findet er sich im Asholz wieder.
Er sieht die Maraudana verwachsen in den Bäumen hängen und Adarian vor sich stehen – ohne sein Siegesstahl und mit verärgerter Miene. Statt ihn zu schlagen und sein Schwert zurückzufordern, vergibt Adarian ihm jedoch. Henk hat das Gefühl, dass auch ihm volles Vertrauen geschenkt wird und dass Adarian sich auf sein Urteil als Freund verlässt.
Ein gleißender Lichtstrahl wechselt die Szene zu einer dunklen, kalten und stinkenden Kerkerzelle.
In der fast absoluten Finsternis hört er eine bekannte und verhasste Stimme flüstern: „Ich seh dich!“ Trotzdem bleibt er in dieser unerträglichen Situation gelassen, denn zwischen Mördern, Halunken und anderen Insassen weiß er eines ganz sicher: Sein Freund Adarian ist an seiner Seite, und egal, was geschieht, sie werden es gemeinsam durchstehen.
Ein Strahlen nimmt ihm erneut die Sicht, und plötzlich steht er im tiefen Eis. Er friert; vor ihm befindet sich eine weiße Schale. Er sieht seine Freunde und reicht ihnen das Messer, mit dem sich jeder in die Hand schneidet, um die Drachenträne zu erschaffen. Er beobachtet, wie ihr Blut nach unten fließt, und seine Aufmerksamkeit bleibt an einem großen Bluttropfen hängen, der von Adarians Hand rinnt. Dieser Tropfen fällt und fällt, kommt aber unverständlicherweise nie in der Schale an. Stattdessen stürzt er durch Dunkelheit, dann durch Wolken und wird von einem salzigen Wind fast verweht. Schließlich endet sein Sturz in einer großen, grünen Welle, die ihn mit einer schnellen Woge verschluckt. Der Tropfen ist in den Wassermassen nicht mehr aufzufinden.
Diese Beobachtung ruft in Henk Empfindungen hervor, die er nicht einordnen kann. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist er nachdenklich und etwas verwirrt. Er erinnert sich noch gut an den Traum, doch was ihm am eindrücklichsten im Gedächtnis bleibt, ist das ehrliche Gefühl der Freundschaft, das ihn seit langem mit Adarian verbindet.
Morgen
Beim Erwachen stellen alle fest, dass sie draußen ein wunderschöner, sonniger Herbsttag erwartet und der Wind fast stillsteht. Man hört heute deshalb nur ganz leise das sanfte Plätschern der Wellen an der Steilküste, welches eine entspannende und fast schon meditative Wirkung auf alle ausübt. Im Haus sind deshalb diesen morgen alle gut gelaunt, was man auch an dem Hauspersonal feststellt, die fröhlich pfeifen und miteinander scherzen. Auch Basin und Elwene werden bemerken, dass ein so sonniger Tag nur selten zu dieser Jahreszeit vorkommt, und sie empfehlen allen, diesen ausgiebig zu genießen. Sie schlagen Octavia und Augustus vor, dass sie doch noch in der „Schwanenbucht“ vorbeischauen sollten, immerhin hätten sie dort mit ihrem Vater früher so viele schöne Stunden verbracht.
Augustus und Octavia wissen, dass sie die kleine Bucht vor vielen Jahren bei einem gemeinsamen Ausritt mit ihrem Vater entdeckten. Als sie den wunderschönen und versteckt liegenden Ort fanden, schwamm gerade eine Schwanenfamilie in dem Wasser der Flut und da der Schwan das Familienwappen der Octavier ist, sprachen sie deshalb später immer von „der Schwanenbucht“. Sie kamen über Jahre immer wieder her, da es dort so abgelegen war und auch ein schöner Sandstrand zum Schwimmen dort zu finden ist. Octavia lernte hier sogar das Schwimmen von Augustus, obwohl sie sich im Wasser nie wirklich wohl gefühlt hat.
Adarian bemerkt, dass der Hund heute sehr unruhig ist und sich über einen Tag am Strand mit Sicherheit freuen würde. Er braucht viel Auslauf und der Hundemeister erwähnte ja bereits letztes Mal, dass seine Rasse Wasser in allen Formen mag. Als Adarian mit ihm am Vortag an dem Bach gespielt hat, bestätigte sich diese Aussage.
Obloci ist nicht beim Frühstück, da er über Nacht in der Stadt geblieben ist, um den Abzug der Truppen zu regeln. Er hat Basin mitgeteilt, dass er auch heute den ganzen Tag beim Rat sein wird. Ferolax ist noch mit seinen Reparaturen beschäftigt und hat bei Basin bereits Bier nachbestellt. Alles verläuft nach Zeitplan und vorrausichtlich wird er bis zum 12. Spealis, dem Tag der geplanten Bibliothekseröffnung, alle Arbeiten abgeschlossen haben. Wolfhardt ist ebenfalls nicht beim Frühstück und Elwene weiß, dass er ganz früh zu den Lichtträgern aufgebrochen ist.
Adarian bekommt einen Brief von seinem Onkel Egeil, in dem er seinen Stolz ausdrückt und ihm mitteilt, dass der Bund des Lichtes bereits 20 neue Streiter gewonnen habe. Außerdem wünscht er Adarian viel Glück und Erfolg auf der bevorstehenden, gefährlichen Reise und richtet Grüße von seiner Familie und seiner Nichte Elldra aus, die Adarian sogar ein Bild von der Heldengruppe gemalt hat.
Während Adarian den Brief von Egeil liest, spricht Henk mit Augustus und berichtet ihm von seinem seltsamen Traum in der Nacht, doch dieser kann sich auch keinen Reim darauf machen.
Die Schwanenbucht
Die Bucht ist nicht weit entfernt und kann zu Fuß in weniger als 15 Minuten erreicht werden. Der Eingang zur Bucht liegt etwas versteckt hinter einem steinernen Denkmal in Form eines Schwertes, welches auf einer Anhöhe mit schöner Aussicht auf das Meer liegt. Augustus weiß, dass es sich dabei um ein altes Denkmal zu Ehren von Berian von Godas handelt, welcher seine Leute während der Schwarzen Jahre aus einem beschädigten Unterschlupf in Weisshafen herausführte und eine neue Zuflucht suchte, während die Dämonen sie bedrohten. An dieser Felsspitze trug er mit einigen seiner tapferen Männer einen gewaltigen Kampf gegen einen großen Dämon aus, den sie hier besiegten. Es soll sich um einen geringeren Fürsten aus dem Gefolge des Azeruels gehandelt haben und er wurde auf diesem Felsvorsprung getötet.
Hinter einem großen Felsen gelangt man zu einem versteckten, steilen Pfad und dieser endet in einer kleinen, von Büschen geschützten Bucht mit einem feinen Sandstrand, der von hohen Felsen umgeben ist. Die Bucht ist wirklich malerisch und idyllisch und wenn sie betreten wird, ist es fast so, als ob alle Sorgen von einem abfallen. Man hört das laute Plätschern der Wellen an den Felsen und das sanfte Rauschen der zarten Wellen am Sandstrand, die sich mit den entfernten Rufen der Möwen zu einer hypnotischen Sinfonie mischen.
Es sind einige Schwäne im Wasser und baden sich, da gerade Flut herrscht. Es sind große und stolze Tiere und ihr weißes Gefieder strahlt allen entgegen. Einer von den Schwänen ist schwarz und bei Ankunft der Truppe geben sie einen kurzen Schrei von sich, als wollten sie die Neuankömmlinge begrüßen und schwimmen dann unbeirrt weiter ihre Bahnen.
Auf einem Felsen kam man einen kleinen eingeritzten Schwan entdecken und Octavia und Augustus wissen, dass diesen ihr Vater hier einst eingeritzt hat, während sie hier einen herrlichen, gemeinsamen Tag verbrachten. Die Helden lassen die Seele baumeln, erklimmen die Felsen, gehen schwimmen, sammeln Muscheln oder legen sich einfach faul in den Sand. Augustus und Henk veranstalten ein Wettschwimmen, bei dem Henk gewinnt. Die Helden finden auch eine Flaschenpost mit einer Nachricht von jemandem, der behauptet, auf der Insel Totland festzusitzen.
Nach einiger Zeit zieht plötzlich ein Sturm auf, der sich vom Meer wie eine pechschwarze Wand auf die Küste zubewegt. Octavia, Kenji und Augustus wissen, dass spontane Unwetter keine Seltenheit in der Bartha-Bucht sind und besonders im Herbst schnell und überraschend auftauchen können. Sie beschließen, schnell zum Anwesen zurückzukehren, doch bald fallen auch die ersten Tropfen und alle kommen durchnässt zuhause an. Der kleine Hund hat sich sehr verausgabt und Adarian trägt ihn das letzte Stück Weg unter seinen Mantel, da er in dem Regen angefangen hat, vor Kälte zu zittern, doch auf Adarians Arm kuschelt er sich wärmesuchend an.
Der entlaufene Hund
Während Octavia und Kenji in der Küche sind, kommt der Hundemeister zu Adarian und fragt, ob Adarian kurz mitkommen könnte, da er ihn etwas wegen dem Hund fragen möchte. Auf dem Weg zum Stall erzählt er ihm, dass sich der Besitzer gemeldet habe. Die Torwachen haben ihn zu ihm geschickt, da er nach einem Hund fragte. Der Hundemeister hat sofort gewusst, dass es sich um Adarians Hund handelt und da es draußen regnet, hat er ihn im Stall warten lassen, bis Adarian von dem Ausflug zurück ist.
Im Stall wartet eine junge, recht attraktive Frau, die vermutlich Ishturi-Blut besitzt, da sie sehr dunkle Haare und ausdruckstarke, schwarze Augen hat. Sie lächelt Adarian erleichtert und etwas schüchtern an und ist sichtlich von dem Helden beeindruckt. Sie scheint ein sehr temperamentvolles Mädchen zu sein, was das Funkeln in ihren Augen und das kecke Lächeln auf ihren Lippen verrät. Sie trägt die Kleidung einer einfachen Dienstmagd und hat sonst nichts Besonderes dabei.
Sie verneigt sich tief vor Adarian oder dem/den Helden und sagt, dass ihr Name Elari sei. Sie arbeite für den Schafs-Bauern Klippner, welcher nördlich von Perlheim einen Hof besitzt. Dieser hat den jungen Hund als Wachhund von dem Hundezüchter Kribard gekauft, damit er in Zukunft den Hof bewachen könne. Doch leider habe sie in einer Nacht vergessen, den Stall zuzumachen, und vermutlich sei der Hund dann entwischt. Der verspielte Hund sei wohlmöglich einem Kaninchen gefolgt und habe nicht mehr zurückgefunden.
Sie möchte den Hund nun gern wieder zurück, da der Bauer ihr die Schuld für das Entlaufen gebe und sie Angst habe, dass er sie bald rausschmeiße, da er Vorurteile gegenüber den Ishturi habe. Er glaube, dass diese schlechter arbeiten und unzuverlässiger sind als Eborier. Sie möchte diese Vorurteile natürlich nicht bestätigen und wolle den Hund zurückbringen, um dem Bauern zu zeigen, dass sie ihre Fehler selbst weder ausbügeln könne.
Adarian ist zwar sehr traurig darüber, hat aber Verständnis für ihre Situation und übergibt ihr den kleinen Hund schweren Herzens. Sie ist ihm so dankbar, dass sie seine Hände schüttelt und küsst, bevor er sie noch wegen des Regens mit der Kutsche zu Klippners Hof zurückbringt und dann wieder zum Anwesen zurückkehrt.
Entspannung am Abend
In der Küche werden Octavia, Kenji und Henk von Elwene begrüßt, die sagt, dass sie etwas für die Octavia und Kenji bekommen habe. Sie überreicht ihnen einen hübsch hergerichteten Präsentkorb mit Käse, Brot und einer teuren Flasche Wein. Daran ist ein Blumenstrauß mit einem Brief von Erion Beslar befestigt, der einen Dank für die Benutzung der Bibliothek ausdrückt und seine Glückwünsche zur Wiedereröffnung ausdrückt.
Um den Wein gemeinsam zu genießen, suchen sie nach Adarian und machen sich etwas Sorgen, als sie ihn nicht auf dem Anwesen finden und erfahren, dass er mit der Kutsche fortgefahren sei. Als sie ihm nachreiten wollen, kehrt Adarian mit der Kutsche zurück und erklärt ihnen alles. Er ist traurig, dass er den kleinen Hund wieder abgeben musste, doch überlegt schon, wo er sich einen eigenen beschaffen könnte. Dann machen sie es sich gemeinsam an einer Feuerschale gemütlich und lassen sich zusammen den guten Wein schmecken, der im Präsentkorb war. Alle sind ganz begeistert von dem Geschmack und finden, er könne problemlos mit thyrnischen Weinen mithalten.
Wolfhardt kehrt aus Perlheim zum Anwesen zurück und gesellt sich zu ihnen. Er hatte sich dort mit Lucius Furius getroffen, um den Mystikern bei der Einrichtung ihres Quartieres zu helfen. Wolfhardt berichtet, dass die Küche nun fertig sei und endlich wieder gute Bedingungen herrschen, um sich gesund zu verpflegen. Er habe außerdem auf dem Markt mit einigen ansässigen Bauern regelmäßige Lebensmittellieferungen zum Monasterium des Areteischen Ordens vereinbart und somit haben die Mystiker nun jeden Tag frisches Brot, Eier, Hammelfleisch und Schafskäse. Lucius habe außerdem eine Nachricht aus Valkenburg erhalten und sie ihm mitgegeben. Daraufhin überreicht Wolfhardt Octavia einen Brief von Iustus, in dem dieser über die Untersuchung der Matrix berichtet und seine Rückkehr zur Eröffnung der Bibliothek ankündigt.
Wolfhardt bedankt sich bei Adarian, dass er durch ihn zu einem bedeutungsvolleren Leben gekommen sei. Die Arbeit beim Bund des Lichtes empfinde er als sehr erfüllend und er habe das Gefühl, etwas Wichtigeres für Barthavion zu tun, als er es als Bauer gekonnt hätte. Er habe auch viel von Adarian gelernt und gesteht ihm, dass es das Beste in seinem Leben gewesen sei, dass Adarian damals bei dem Jahrmarkt in Kornau fast totgeschlagen hätte, denn dieser Tag habe sein Leben für immer verändert. Dann stößt er mit den anderen darauf an.
Basin berichtet zwischendurch, dass bereits ein kleiner Trupp von fünf Matrosen angekommen sei, die direkt mit den Aufräumarbeiten begonnen haben und schonmal Platz für Proviant schaffen wollen, doch die Helden lassen sich davon nicht stören.
Henk liest aus seinen ersten Erinnerungen vor und erzählt den Helden von seinen Träumen in der Vergangenheit, in denen er Adarian und Octavia bereits gesehen hatte, und dann von seinem Traum am Morgen, bei dem er aber das Ende verschweigt. Henk und Adarian schließen Blutsbrüderschaft und ein Unwetter mit Blitz und Donner zieht über dem Meer auf. Die Wellen dreschen jetzt so stark gegen die Steilküste, dass man meinen könnte, dass sie das ganze Anwesen jederzeit wegfegen oder die Klippen zum Einstürzen bringen könnten. Blitze zucken am Himmel und Donner grollt manchmal minutenlang durch die finstere Abendstimmung. Elwene treibt das Personal vor sich her und scheucht sie von Fenster zu Fenster, um zu kontrollieren, ob es irgendwo hineinregnet.
Nach draußen ist es gerade fast unmöglich zu gehen, da man durch den Regen kaum die Hand vor Augen sehen kann und der Wind so stark ist, dass man im schlimmsten Fall über die Klippen geweht werden könnte. Die Helden sich froh über ihren Platz an der warmen Feuerschale und machen es sich noch gemütlicher. Octavia erinnert sich an viele dieser Unwetter aus der Kindheit und fand diese jedoch immer eher faszinierend als furchterregend, doch Adarian, Henk und Wolfhard sind diese extremen Meeresunwetter nicht gewohnt und selbst die Sandstürme in Freywall, die Henk gut kennt, sind nicht annähernd so stark, so dass sie schon etwas eingeschüchtert sind.
Das Heulen des Windes und das Rauschen der Wellen sind allgegenwärtig und Lullen alle so richtig ein. Adarian bemerkt, dass er sehr müde ist und sich sehr erschöpft fühlt. Aber er vermisst er auch den Hund und verspürt den großen Drang sich einfach hinzulegen und zu schlafen. Auch die anderen sind ermüdet von dem Wetter und Basin rät ihnen sich schlafen zu legen. Er sagt, dass diese Unwetter genauso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind, und vermutlich morgen früh sich alles wieder beruhigt habe.
Nach dem gutem Wein aus dem Präsentkorb und dem einlullenden Heulen des Windes und dem Rauschen der Wellen schlafen alle vor der Feuerschale ein.
Adarians Traum
Nach einem Tag voller Lachen und Sonnenschein gleitet Adarian in einen traumhaft sanften Schlaf. Er findet sich im Traum in Wallenrode wieder, inmitten von Kindern, die um Egeil und seine Mutter herumtollen. Sie spielen Fangen und naschen von dem duftenden Apfelkuchen, den seine Mutter frisch gebacken hat. Foxi, die er so lange nicht gesehen hat, kommt vorbei und schenkt ihm einen zarten Kuss auf die Wange. Ein warmes Gefühl breitet sich in seiner Brust aus, als wolle es jede Sorge dieser Welt vertreiben.
Doch die Idylle zerbricht jäh, als er mit einem Ruck die Augen öffnet und Kampflärm durch die Stille dringt. Sein Herz rast, während er hastig nach seinem Schwert greift und den Flur hinunterstürzt. Wo noch vor wenigen Augenblicken Vertrautheit geherrscht hatte, klafft nun furchteinflößende Leere: Seine Gefährten sind verschwunden. Im Vorraum entdeckt er Henk, Kenji und Octavia, die im Kreis um einen unsichtbaren Mittelpunkt stehen. Er tritt näher, doch als sie sich umdrehen, entgleisen ihre Gesichter in Fratzen verzweifelter Gier. Mit taumelnden Blicken und leeren Augenhöhlen stürzen sie sich auf ihn – geistlose Untote, deren Fleisch von Hunger getrieben wird.
Ein Schrei der Entschlossenheit kommt Adarian über die Lippen. Widerstrebend weicht er zurück, unfähig, seine einstigen Freunde zu zerstückeln. Aber die Hoffnung schwindet schnell, als immer mehr bekannte Gestalten – Elwene, Basin, Augustus – in Zombies verwandelt ihn umzingeln. Er kämpft sich durch die auf ihn einstürmende Meute bis zur Terrasse. Er sieht Perlheim in Flammen, der Himmel ist ein brennendes Inferno und die Welt sieht aus wie in den Schwarzen Jahren. Die Untoten drängen ihn weiter rücklings in Richtung Balustrade, bis er darauf steht.
Am Rand der Terrasse stemmt Adarian sich gegen die überwältigende Flut des Untergangs. Mit wüsten Tritten fegt er Zombies beiseite, sein Atem grollt wie das Beben des Erdbodens unter ihm. Dann taucht hinter ihm eine Gestalt aus der Luft herab: eine fliegende Kreatur mit den weiblichen Zügen ähnlich der Magd mit dem verlorenen Hund und einem wespenartigen Körper, fledermausartige Schwingen, die hämisch im Feuerlicht schlagen. Ihr Lachen hämmert in seinen Ohren, während sie über ihm kreist und die pulsierende Drachenträne in ihren Klauen hält. Umzingelt und von Verzweiflung gepackt, spürt er, wie der Wahnsinn an seinem Verstand zerrt. In einem Ausbruch reiner Verzweiflung und Angst brüllt er in die glutrote Nacht: „DAS WAR ES! DAS IST DAS ENDE! WIR SIND VERLOREN! EBORIA IST VERLOREN!!“ Sein Schrei ist ein letztes Aufheulen gegen die alles verschlingende Finsternis, um den Wahnsinn aus seinem Kopf zu bekommen.
Dann lässt die Kreatur die Drachenträne los und diese fällt in den Abgrund. Ohne zu zaudern, springt Adarian hinterher, um sie noch aufzufangen. Er stürzt durch den flammenden Abgrund und taucht hinab in das undurchdringliche schwarze Nichts.
Nachts Die Helden erwachen in der Nacht durch panische Schreie von draußen, die selbst der Wind nicht übertönen kann. Sie stammen eindeutig von der Terrasse und von Adarian, der wiederholt schreit:
„DAS WAR ES! DAS IST DAS ENDE! WIR SIND VERLOREN! EBORIA IST VERLOREN!!“
Adarian steht auf dem Geländer der Balustraden, direkt am Abhang zur Bartha-Bucht und blickt anscheinend auf das Meer hinaus. Er deutet auf etwas vor sich und teilt zwischendurch Lufttritte nach hinten aus, weshalb es gefährlich sein könnte, sich ihm zu nähern. Es hat sich bereits Hauspersonal versammelt und beobachtet Adarian ebenfalls ratlos und lauscht ohnmächtig seinen Schreien. Henk rennt sofort zu Adarian, um ihn festzuhalten, doch da macht dieser plötzlich einen kräftigen und flinken Sprung und stürzt sich kopfüber in die Tiefe. Henk greift zu und verpasst Adarians Bein nur um Fingerbreite. Unten befinden sich spitze Felsen, die von starker Brandung umspült werden und jedem wird bewusst sein, dass eigentlich niemand einen Sprung in diesen Abgrund überleben kann.
Im gleichen Moment spüren plötzlich alle einen stechenden Schmerz in der Narbe, welche sie seit der Erschaffung der Drachenträne in der Hand tragen. Die Helden kennen das Gefühl aus Freywall, als Henk von Maldoror korrumpiert wurde (vgl. Episode 19.06). Der Schmerz breitet sich weiter aus und plötzlich haben alle das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Dann hören alle einen entsetzlichen Schmerzensschrei in ihrem Kopf, der von einer Stimme ausgestoßen wird, die nicht menschlich klingt. Unter Krämpfen verlieren sie das Bewusstsein und sie erst nach einiger Zeit wachen die ersten wieder auf und fühlen sich schwach und alle Muskeln des Körpers schmerzen.
Von Adarian fehlt jede Spur und Wolfhard sitzt bei den Helden. Er teilt ihnen mit, dass Augustus bereits mit den Matrosen und einem kleinen Beiboot hinausgefahren sei, um nach Adarian zu suchen, aber der Sturm sei noch sehr stark. Er hofft, dass ihm nicht auch noch etwas geschieht. Alle stehen unter Schock und niemand kann glauben was gerade geschehen ist.
Sobald alle zu sich gekommen sind, fällt Octavia auf, dass es nass ist, wo sie die Drachenträne aufbewahrt. Beim Hervorholen fällt sofort auf, dass sie stark angefangen haben zu bluten. Bei näherer Betrachtung sind einige Stückchen von ihr abgesprungen und haben blutende Wunden hinterlassen. Die Drachenträne hat einen beträchtlichen Teil ihrer Größe verloren und es ist schwer zu sagen, ob sie noch intakt ist. Octavia kann die Aura, die über die Zeit immer stärker geworden ist, auch kaum noch wahrnehmen.
Henk, Kenji und Octavia überlegen, was sie den Leuten sagen sollen, was mit Adarian passiert ist. Sie können ihnen unmöglich sagen, dass Adarian verzweifelt Selbstmord begangen hat und dabei geschrien habe, dass ganz Eboria verloren sei. Wolfhardt ist gefasst und findet es schrecklich, denken zu müssen, dass Adarian tot ist. Er will glauben, dass er lebt. Henk erinnert an seinen Traum und Kenji erinnert daran, dass die Drachenträne zwar blutet, aber nicht zerbrochen ist.
Die Helden wollen mit allen Bediensteten reden, denn nichts, was in der Nacht passiert ist, darf nach außen dringen. Es ist für die Hoffnung des Landes wichtig, dass es vorläufig geheim gehalten wird. Basin versammelt die Dienerschaft und Kenji hält eine bewegende Rede vor den Angestellten und schwört sie darauf ein, dass Adarian im Sturm verschwunden ist und wirkt ein Lichtwunder zu Bekräftigung.
Augustus, der Adarian mit einigen Seeleuten auf der tosenden See gesucht hat, kehrt ohne gute Neuigkeit zurück und auch Octavia, die von der Terrasse mit einer lichtspendenden Feuerkugel die Klippen absucht bleibt erfolglos. Adarian ist nirgends zu finden und bleibt spurlos verschwunden.
Beichte des Hundezüchters
Spät in der Nacht, als der Sturm etwas nachgelassen hat, meldet Elwene, dass ein verletzter Mann eingetroffen sei, der dringend mit den Helden sprechen müsse. Sein Name sei Kribard und sie kenne ihn, da er als Hundezüchter in Perlheim als Einzelgänger bekannt sei, der mit seinen Hunden draußen in den Hügel lebt.
Der Mann ist in einem schlimmen Zustand und es wirkt fast so, als hätte ihn jemand fast alle Lebenskraft entzogen. Er hat keine Verletzungen, ist jedoch bleich und wirkt so, als ob er seit vielen Jahren unter einer schlimmen Krankheit leidet. Er hat permanentes Nasenbluten und die Adern in seinen Augen sind geplatzt, weshalb er rote Augäpfel hat.
Sobald die Helden erscheinen, fällt er vor ihnen auf die Knie und beginnt sich bei ihnen zu entschuldigen. Er beteuert, dass er gezwungen wurde, sie auszuspionieren und dass der kleine Hund von Adarian aus seiner Zucht sei. Kribard besitze eine besondere Gabe und sei fähig, die Welt durch die Sinne seiner Hunde wahrzunehmen. Dies sei vielen in Perlheim bekannt und einige haben deshalb auch ein wenig Angst vor ihm, weshalb er auch allein in einer kleinen Hütte mit seinem Rudel auf der Heide lebt und Menschen weitgehend meidet. Jedoch verkauft er einige seiner Hunde als Hütehunde an die Schafsbauern, um hin und wieder zu Geld zu kommen.
Eines Tages kam dann plötzlich eine merkwürdige, vermummte Frau in einem dunklen Mantel zu seiner Hütte und wollte seinen Dienst in Anspruch nehmen. Sie befahl ihm, seine Fähigkeiten zu nutzen, um die Helden mit seinen Hunden auszuspionieren. Als Kribard sich weigerte, wurde plötzlich sein gesamtes Hunderudel krank und der beste Zuchtrüde starb. Die Frau behauptete, dass sie die Krankheit verursacht und alle Hunde sterben lässt, wenn er ihr nicht helfe. Aus Angst tat er, was sie wollte, und schleuste den Hund ein, als Octavia und Kenji Pyrrhons Kapelle besuchten. Seit dem Zeitpunkt habe er der bösen Frau alles erzählt, worüber die Helden sich unterhalten hätten, wenn der Hund bei ihnen war. Er selbst war überrascht über diese Informationen und hätte von manchen wie die vom Ende der Welt am liebsten nie etwas gehört.
In den letzten Tagen bekam Kribard immer mehr Angst vor der Frau und wollte sein restliches Rudel nehmen und mit ihnen fliehen, um sie in Sicherheit zu bringen. Doch die Frau bekam davon mit und begann einen Zauber auf ihn zu wirken, der ihm jegliche Lebenskraft entzog. Er konnte sich nur retten, da es ihm gelang, sich rechtzeitig totzustellen. Zum Glück nahm ihm die Frau dieses Schauspiel ab und verschwand.
Den Helden wird bewusst, dass die Frau sämtliche geheimen Pläne zu ihrer Expedition zum Nebelschlund durch den kleinen Hund von ihnen erfahren hat.
Episode 16: Nachwirkungen
11. Spealis 721 ThZ
Die Helden stehen unter Schock und Obloci versucht zu helfen. Ein Maat wünscht ein Krisengespräch und ein Kapitän wird rekrutiert. Die Helden bekommen Unterstützung aus Koslin und Iustus kehrt zurück. Octavias Nebenwirkung wird untersucht und eine erste Tauchfahrt findet statt.
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Nach den traumatischen Ereignissen fallen alle in einen unruhigen Schlaf, aus dem sie immer wieder aufwachen. Deshalb wälzen sich die Helden schlaflos auf den Marmorliegen im Wohnzimmer herum, wo sie beschlossen, gemeinsam zu nächtigen, um nach dem schrecklichen Verlust von Adarian nicht allein sein zu müssen. In den kurzen Schlafphasen sehen alle immer wieder das Bild von Adarian vor Augen, wie er sich von dem Geländer stürzt und in den tosenden Wassermassen verschwindet.
Der Morgen danach
Augustus, welcher in seinem Zimmer schlief, ist als erster auf den Beinen und sucht das Meer bereits seit dem Morgengrauen erneut nach Adarian ab. Nach dem Aufwachen stellen alle fest, dass sie unter Schock stehen, da ihr Verstand noch nicht fähig ist, Adarians Tod zu realisieren. Zunächst übernimmt der Schock die Kontrolle und sorgt dafür, dass man mehr oder weniger nur apathisch herumsitzt oder in unruhigen und sinnlosen Aktionismus verfällt. Keiner kann glauben, dass Adarian nun fort sein soll, und alle denken, dass er jeden Moment um die Ecke kommen müsste.
Wolfhardt befindet sich seit Adarians Sprung in einem erstarrten Zustand und steht völlig unter Schock. Er ist kaum fähig etwas zu tun und steht die ganze Zeit auf der Terrasse und blickt hinab ins Meer, so als ob er es nicht glauben könnte, dass Adarian wirklich gesprungen ist. Auch für ihn ist alle Hoffnung fort, da Adarian sein größtes Vorbild war und er an ihn und seine Fähigkeiten geglaubt hat, als sei Adarian Thylor persönlich gewesen. Da Wolfhard weiß, dass er sein bedeutsames Leben nur Adarian zu verdanken hat, ist für ihn gerade ein großer Teil von ihm selbst mit gestorben. Octavia spricht mit ihm und muntert ihn ein wenig auf, da er weder etwas tat noch aß und nur lethargisch herumsaß.
Als Wolfhard durch den Kontakt mit Octavia wieder zu sich kommt, platzt aus ihm heraus, dass er es so schrecklich findet, dass Adarian nun keine Beerdigung bekommt, so wie es Letor wollen würde. Er bekäme nun weder den Segen eines Mystikers, noch können seine Verwandten ihm dabei helfen, den Weg ins Totenreich zu finden. Wolfhardt bittet deshalb Kenji, ob dieser nicht wenigstens ein Abschiedsritual nur für sie auf der Terrasse durchführen könnte, damit Adarians Seele in Chthonia wüsste, dass seine Freunde ihn nicht vergessen haben. Henk schickt Wolfhardt zum Letorpriester, um die Angelegenheit mit einem Experten zu besprechen, und Kenji verspricht, dass er seiner Bitte entsprechen werde, sollte ihm der Priester nicht weiterhelfen. Wolfhardt berichtet dann den anderen, dass am Fuße der Klippen auf den Felsen ein großes Feuer brenne. Octavia und die anderen sehen nach und kommen zu dem Schluss, dass es von Octavias Feuerzaubern gestern herrühren müsse.
Dem Hauspersonal sieht man an, dass sie es kaum ertragen können, mit dem Wissen über Adarians Tod weiterzuleben. Wenn sie einen der Helden sehen, blicken sie diesen unsicher an und verschwinden dann schnell. Elwene wendet sich deshalb an die Helden und teilt ihnen mit, dass sich zunehmend Verzweiflung und Weltuntergangsstimmung breit mache, da das Personal nun Angst habe, dass Adarian Recht habe und Eboria wirklich verloren sei. Sie müsse deshalb auch leider beichten, dass zwei Mägde über Nacht heimlich das Anwesen verlassen hätten, ohne sich zu verabschieden. Der Koch weiß, dass sie gestern darüber sprachen, Eboria zu verlassen und am liebsten ein Schiff nach Ishturak nehmen würden. Vermutlich haben sie sich eine der Handelskarawanen angeschlossen, die nach Weisshafen reisen, denn dort legen die größten Handelsschiffe nach Ishturak ab. Letztendlich muss Elwene zugeben, dass auch sie große Angst habe, und nach dem, was sie sah, habe sie die letzte Nacht kein Auge zu bekommen. Sie spricht Octavia verschwiegen auf ihre Feuerkräfte an und fragt, ob sie die Kontrolle verloren habe, da ein großes Feuer seit gestern Nacht unten an den Klippen wüte.
Oblocis Rat
Obloci ist entsetzt, als er von Adarians Verschwinden erfährt, und drückt den Helden auch privat sein ehrliches und aufrichtiges Beileid aus, bevor er fragt, was geschehen sei. Nach dem Bericht der Helden führt er ihnen nochmal vor Augen, dass ohne Adarian die ganze Moral im Kampf gegen den Dunklen Kult gefährdet sei. Zumindest wisse er durch die Arbeit mit den Stadträten, dass Barthavion seine gesamte Hoffnung in die Heldengruppe stecke, wobei Adarian immer als Anführer und Hoffnungsträger betrachtet werde.
Obloci schätzt, dass es für den Stadtrat und die Bürger von Perlheim eine herbe Enttäuschung sein werde, wenn sie Adarian bei der Bibliothekseröffnung nicht zu Gesicht bekommen. Alle freuen sich bereits darauf, die Helden kennenzulernen, und Obloci empfiehlt ihnen, irgendetwas zu sagen, was nicht zu einer anschließenden Panik führe, da die Stadt sich zurzeit sowieso noch in fragilen Zuständen befände und sich an seine neue Unabhängigkeit erst noch gewöhnen müsse. Wenn sie erführen, dass Adarian nicht weiter für sie kämpfe und sie sich in Zukunft statt mit Piraten mit ewigen Schwarzen Jahren herumschlagen müssen, würde es sie in Angst und Schrecken versetzen.
Obloci bittet die Helden deshalb, dass Verschwinden von Adarian nicht von sich selbst aus bei der Bibliothekseröffnung anzusprechen, sondern sich eher darauf einzustellen, auf die Fragen der Leute zu reagieren. Er empfiehlt, den Leuten lieber etwas Beruhigenderes zu erzählen, als dass einer der größten Helden und Hoffnungsträger Barthavions grundlos und ohne Erklärung einfach so spurlos verschwunden ist. Vielleicht wäre es besser, den Menschen etwas zu erzählen, dass ihnen nicht die letzte Hoffnung nimmt, die sie in diesen dunklen Zeiten noch haben. Obloci betont gegenüber Kenji, dass es dabei nicht darum ginge, zu lügen, sondern darum, dem Verschwinden von Adarian einen Sinn zu geben, der sie weiter hoffen lasse. Sollte dies nicht gelingt, müssten die verbliebenen Helden den Glauben der Menschen an sie stärken und daran, dass sie ihre Aufgabe auch zu dritt bewältigen können.
Obloci wechselt das Thema und erinnert Octavia noch daran, dass sie zur Bibliothekseröffnung vor den Gästen eine kurze Begrüßungsrede halten sollte, bevor die Türen feierlich eröffnet werden. Dies sei ein großer und hoffnungsbringender Moment für Perlheim und Thyrna, der nicht von dem schrecklichen Verschwinden von Adarian überschattet sein sollte. Octavia verspricht, sich darüber Gedanken zu machen. Doch zunächst wollen die Helden das Feuer an den Klippen untersuchen.
Basin teilt ihnen beim Aufbruch noch mit, dass der Maat draußen auf dem Schiff gerne mit ihnen reden möchte. Außerdem kündigt er Octavia den Besuch eines Herrn Baring an, der sich für den Nachmittag angekündigt habe.
Matrosen unter Schock
Während sich Kenji bei Kerzenlicht zum Meditieren hinsetzt, begeben sich Henk und Octavia unten ans Wasser zur Anlegestelle, von wo aus sie einen guten Blick auf das lodernde Feuer werfen können. Am Strand begegnen sie Augustus, der gerade von seiner Suche zurückkehrt. Er berichtet, dass er direkt bei Sonnenaufgang, als der Seegang nachgelassen hat und es hell genug war, nochmal rausgerudert ist, um nach Adarian oder einer Spur von ihm zu suchen. Dabei hat er ein Glitzern am Grund entdeckt, ist hinabgetaucht und hat den Dolch von Foxi gefunden, den Adarian immer bei sich getragen hat, doch von Adarian fehlt jedoch jede Spur.
Augustus gesteht Octavia, dass ihm während der Suche sehr schlechte Erinnerungen hochgekommen seien, da er das letzte Mal genau die gleichen Stellen mit einem Boot abgefahren sei, als er damals nach den Leichen von Octavia und seiner Mutter gesucht habe, die von den Attentätern angeblich über die Klippen geworfen wurden. Es sei damals die mit Abstand schlimmste Nacht in seinem gesamten Leben gewesen und die Trauer, die Wut und der Hass von damals seinen ihm wie bei einem Déjà-vu Erlebnis in seiner Erinnerung wieder für eine Sekunde hochgekommen.
Dann suchen sie Maat Storko Koyner auf, der mit ihnen reden wollte. Dieser ist sehr kleinlaut und teilt den Helden mit, dass einige seiner Männer über Nacht verschwunden seien, nachdem sie verlauten ließen, dass sie ohne Adarian keine Chance hätten, den Nebelschlund zu bereisen. Die Männer haben gehört, was Adarian rief, bevor er gesprungen ist, und haben nun die Hoffnung verloren.
Er selbst sei sich inzwischen auch unsicher, ob er und der Rest seiner Leute noch mitfahren wollen, da sie sich vor allen gemeldet hätten, da sie mit dem großen Helden Adarian auf Abenteuerfahrt gehen wollten. E gibt auch zu bedenken, dass vermutlich die meisten Matrosen abspringen werden, wenn sich herumspräche, dass Adarian nicht mitführe. Dabei sei es egal, ob er tot oder verschwunden sei, da es trotzdem bedeutet, dass ihm etwas Schlimmes zugestoßen ist und die Feinde ihn besiegt haben. Diese Tatsache löse Angst und Hoffnungslosigkeit unter den Männern aus und sie benötigen einen neuen Hoffnungsträger, dem sie folgen können, da ihr Mut sonst nicht ausreicht, um sich auf eine so gewagte Reise zu begeben. Henk verspricht, noch am gleichen Abend eine Ansprache an die Mannschaft zu richten.
Dann bittet Octavia um die Hilfe eines Matrosen, der sie zu der brennenden Klippe rudern könne, und Koyner gibt Rabanus Halbach den Befehl, die Helden mit dem Ruderboot hinauszubringen. Als sie sich dem Feuer so nah wie möglich genähert haben, versucht Octavia, die Flammen zu löschen, doch sie scheitert und kann nicht dagegen tun.
Ferolax Aufmunterung
Als Octavia und Henk zum Anwesen zurückgekehrt sind, steht plötzlich Ferolax oben im Anwesen und bittet die Helden zu einem Gespräch. Er sagt, dass er von Adarians „Verschwinden“ gehört habe, er Basin aber die merkwürdige Geschichte von seinem „Verschwinden im Sturm“ nicht ganz abgekauft habe. Dabei blickt er mit seinen uralten und steingrauen Augen jeden sehr ernst und prüfend an und nickt dann plötzlich wissend und verständnisvoll, so als wüsste er bereits, dass es sich um ein noch größeres Problem handeln müsse. Er will auch nicht wissen, was geschehen ist und fragt auch nicht weiter nach.
Ferolax äußert nur, dass natürlich schon allen bewusst sei, was dies für den Krieg gegen die Schwarzmagier und die Moral der Barthaver bedeute, und deshalb wolle er, dass die Helden eins wissen sollen: auch wenn Adarian nicht mehr da sei, solle niemand von ihnen den Kopf hängen lassen! Ferolax wisse genau, dass die Zwerge trotzdem weiterhin an die verbliebenen Helden glauben würden und erst damit aufhörten, wenn der letzte von ihnen „im Sturm verschwunden“ sei! Sie sollten wissen, dass Fjalgar und sein König festentschlossen hinter ihnen stehe und sie bedingungslos unterstützen werde, solange sie weiterhin ihrer Aufgabe treu blieben. Wenn Ferolax eins gelernt habe, dann, dass es die Besonderheit der Menschen sei, sich an Krisen anzupassen und aus jeder Not eine Tugend machen zu können. Er ist sich deshalb sicher, dass auch die Helden dies schaffen werden!
Dann berichtet Ferolax, dass die Arbeiten an dem Tauchboot fast abgeschlossen seien und es am nächsten Morgen einsatzbereit sein sollte. Er gesteht, dass er sein Boot „Flowany“ nur ungern wieder allein lassen möchte und es ihm sehr weh tat, es da unten in diesem furchtbaren Zustand liegen zu sehen. Deswegen bietet er seine Dienste auf der Reise zum Nebelschlund an und betont, dass er das Tauchboot warten und reparieren könne und sich darum kümmern wolle, dass es immer einsatzbereit sei. Außerdem sei er kampferfahren und könne die Helden auch in Kämpfen gegen Dämonen unterstützen. Ferolax holt eine magische Axt hervor und macht ein paar kräftige und sehr beeindruckende Lufthiebe. Octavia erkennt, dass diese Axt aus hoch magischen Metallen besteht und astral hell leuchtet. Die Helden nehmen sein Angebot gerne an und sind ihm dafür und für seine aufbauenden Worte sehr dankbar.
Da Kenji noch meditiert, zieht sich Octavia auf ihr Zimmer zurück, um sich auszuruhen, und Henk geht nach Perlheim, um mit seiner Gilde zu sprechen.
Kaltfisch Rekrutierung
Henk bekommt die Information, dass Kaltfisch von seinem Auftrag zurückgekehrt sei und er ihn nun in Rattes Bordell treffen könne. Als Henk dort ankommt, erfährt er von Solva, der dicke Bardame, dass Kaltfisch gerade mit einer Dame „beschäftigt“ sei, und zeigt ihm ein Zimmer, aus dem in selben Moment eine verärgerte Dame kommt, die sich lautstark über den Gestank ihres Kunden aufregt, der sich anscheinend seit Jahren nicht mehr gewaschen habe. Aus dem Zimmer kommt Henk schließlich ein ziemlich betrunkener und lautstark rülpsender Kaltfisch entgegen, welcher der angeekelten Prostituierten dreckig grinsend hinterherschaut.
Henk zieht sich mit ihm in ein Hinterzimmer zurück und bittet ihn, sie auf ihre Expedition in den Nebelschlund als Kapitän der Baiula Spei zu begleiten. Kaltfisch blickt Henk skeptisch an, als der Begriff Nebelschlund fällt, und erklärt, dass in all seiner Zeit in der Bartha-Bucht noch nie jemand von dort zurückgekehrt sei und selbst die mutigsten Männer des Seevolkes einen großen Bogen um diesen Ort machen würden. Selbst der große Doganon bleibt dieser Region fern, obwohl er der alleinige und wahre Herrscher der Bartha-Bucht sei.
Dann erzählt Kaltfisch, dass er selbst die toten Geister der Matrosen gesehen habe, welche in der Nacht aus dem Nebelschlund emporsteigen, um sich die Seelen der Lebenden zu holen. Als er vor Olburg plünderte und einmal dicht an dem Schlund vorbeisegeln musste, griffen sie sein Schiff an und trieben seine Mannschaft fast in den Wahnsinn. In ihren leeren Augenhöhlen sah man das pure Grauen und weder kämpfen noch beten konnte ihnen etwas anhaben. Sie hatten es auf die Seelen seiner Männer abgesehen und zermarterten diese mit Angst und Schrecken so lange, bis diese bereit waren, ihnen auf dem Grund des Meeres zu folgen, um sich ihnen anzuschließen. Die blutige Gräte verlor dadurch fast 10 Piraten, welche sich wie im Wahn in die Fluten stürzten und sich selbst ertränkten, da sie das Grauen nicht mehr ertrugen. Die restliche Mannschaft überlebte die Heimsuchung nur, weil der Morgen sie rettete und die Sonne die Geister zurück auf dem Meeresboden trieb. Henk erkennt, dass Kaltfisch, der sonst extrem abgebrüht, gleichgültig und skrupellos wirkt, bei diesen Worten echte Angst zu haben scheint.
Dann trinkt Kaltfisch einen langen Schluck, rülpst laut und fragt amüsiert nach, ob Henk wirklich gefragt habe, ob er die Baiula Spei als Kapitän befehligen wolle. Als Henk dies nickend bejaht, lacht Kaltfisch, denn für ihn kommt es fast einem Witz gleich, dass er als Pirat das Kommando über „spießige, verklemmte und autoritätsgeile Festlandmatrosen“ und ein unglaublich teures und kampfstarkes Expeditionsschiff erhalten soll. Er erinnert Henk daran, dass die Befehlsstrukturen auf Piratenschiffen anders laufen als bei der Marine von Perlheim und die Männer sich nicht so schnell „wie kleine Mädchen“ beleidigt fühlen sollen, wenn sein Tonfall etwas ungewohnt harsch für sie erscheinen sollte. Und falls der Haufen meutere, solle Henk sich um die Festländer kümmern, da er ihre Hierarchien nicht kenne und sich auch nicht dafür interessiere. Er habe keine Ahnung, wie die Barthaver ihre Schiffe führen, aber er wolle mit diesem „Befehlsfirlefanz“ nichts zu tun haben. Denn wenn er was zu sagen habe, dann tut er es direkt und nicht, weil „irgendwelche hirnverschissenen Regeln es ihm sagen“, und wem sein Stil als Kapitän nicht gefalle, werde über die Planke geschickt! Das sei seine einzige Regel, sagt Kaltfisch breit grinsend, da er weiß, dass er den disziplinierten Matrosen mit seiner Art die Ärsche aufreißen wird.
Henk versucht Kaltfisch die Bedeutung des Auftrags klarzumachen, doch dieser macht ihm deutlich, dass er seinen Spaß mit den Matrosen haben werde und das ganze als Gelegenheit sehe, sich auch ein wenig an den ganzen Spießern aus Barthavion zu rächen, welche ihn über 20 Jahre in den Kerker geworfen haben. Da Kaltfisch anarchisch ist und nur sein eigenes Ding durchzieht oder stirbt dabei, wird Henk klar, dass Kaltfisch absolut KEIN Menschenfreund oder Weltretter ist, da ihm andere Menschen auch ziemlich egal sind. Henk macht ihm bewusst, dass ganz Eboria auf dem Spiel stehe, doch weil Kaltfisch schon so alt ist und bald sterben wird, interessiert es ihn auch nicht im Geringsten, wenn die Welt untergehen sollte. Da er nichts zu verlieren hat, interessiert er sich für den Auftrag der Helden, die Schwarzen Jahre und den Bund des Xul kaum, sondern scheint eher genervt von dem ganzen „selbstgerechten Gefasel“ zu sein, dass „nur dazu dient, sich Wichtig zu machen und sich damit über andere zu erheben“. Henk versucht ihm die ganze Sache schmackhaft zu machen, indem er die Reise als große Heldentat präsentiert, aber da Kaltfisch alle Autoritäten ablehnt, hält er auch vom Heldentum nicht viel und kann die Beliebtheit von Helden und den Kult, den man in Barthavion um sie herum veranstaltet, nicht nachvollziehen. Da er sich nur für sich interessiert, interessieren ihn auch keine Fremden, nur weil sie irgendetwas getan oder gekonnt haben sollen.
Kaltfisch stellt klar, dass er die ganze Bartha-Bucht in und auswendig kenne und es wohl keinen besseren Lotsen als ihn geben werde. Er möchte jedoch, dass er von der Sache noch mehr profitiert, als nur die Macht über einen „demütigen Haufen von Ja-Sagern“ zu bekommen. Er erzählt Henk unter 4 Augen, dass es eine Insel gebe, auf welcher er vor langer Zeit einen Schatz von unermesslichem Reichtum versteckt habe. Auf Nachfragen diesbezüglich geht Kaltfisch nicht ein und er will Henks Wort, dass sie einen Abstecher zu dieser Insel machen und den Schatz bergen. Er wolle auch mit der Gilde teilen und meint, dass es sich für die Füchse richtig lohnen werde. Kaltfisch will Henks Handschlag, dass sie die Insel besuchen, wenn er als Kapitän und Lotse mitkomme, und Henk schlägt ein, hat aber auch noch eine Bedingung: Kaltfisch müsse als erstes ein ausgiebiges Bad nehmen. Henk kehrt dann zurück in das Anwesen.
Nach dem Mittagessen kommt Herr Baring und konfrontiert Octavia mit seiner Frau, welche als Kind von Octavias Feuer verletzt wurde und noch immer darunter leidet.
Unterstützung aus Köslin Am Nachmittag trifft plötzlich ein großer Trupp von 20 Mann ein, den man schon von weitem an den disziplinierten Marschgeräuschen und gerufenen Kommandos wahrnehmen kann. Sie melden sich am Tor und ihr Offizier, Admiral a.D. Reinhard Wellenbrecher, sagt, dass sie Marinesoldaten aus Koslin seien, welche der Graf zur Unterstützung seiner guten Freundin Octavia entsandt habe, um ihr auf der anstehenden Reise zu dienen.
Reinhard Wellenbrecher erklärt Octavia, dass er bereits bei einer der Missionen ihres Vaters dabei gewesen sei und die Baiula Spei noch sehr gut kenne. Für ihn sei die Expedition eines seiner bedeutsamsten Erlebnisse gewesen und man merkt an seinen Worten deutlich seine große Ehrfurcht vor dem Schiff, seiner Aufgabe und auch vor Octavias Familie und der Arbeit ihres Vaters. Wellenbrecher erklärt, für ihn sei es eine große Ehre, Octavia begleiten zu können, und er habe sich beim Grafen persönlich dazu gemeldet. Henk fällt auf, dass Admiral Wellenbrecher mit seinem großen Respekt und der Achtung vor der Aufgabe, Octavias Familie und den Helden sich komplett von Kaltfisch unterscheidet, welcher nur seiner Egozentrik frönt, während der Offizier ein wahrer Idealist deshalb sein absoluter Gegenpol ist.
Die Helden offenbaren dem Admiral das Verschwinden von Adarian, doch die Tatsache, dass dieser nicht mehr da sei, ist für den Offizier und seine Männer zwar schockierend, aber da sie mit ihrer Treue letztendlich der Familie der Octavier verpflichtet sind, trübt dies nicht ihre Moral. Wellenbrecher erklärt, der Graf habe sie auch explizit darum gebeten, die Familie der Octavier zu unterstützen, weshalb ihre Loyalitäten ganz klar geklärt seien und sie sich im Zweifelsfall immer hinter Octavia und ihren Bruder stellen werden.
Graf Derian hat auch einen Brief mitgegeben, indem er Octavia seine Grüße ausrichtet und ihr mitteilt, dass er ihr die besten Männer aus Koslin geschickt hat. Da die kleine Siedlung so etwas wie der Marinehafen von Perlheim darstellt, ist unter den Einheimischen allgemein bekannt, dass dort die Marinesoldaten ausgebildet werden und von dort deshalb die fähigsten Männer stammen. Derian lässt auch ausrichten, dass er zu der Bibliothekseröffnung kommen werde und dass er sich darauf freue, auch Augustus nach so langer Zeit endlich wiederzusehen, und die drei dann endlich wie früher wieder vereint seien.
Die Helden mustern die Matrosen und finden sehr disziplinierte und erfahrene Männer vor, bei denen jeder ihrer Handgriffe sitzt. Man sieht ihnen auch an, dass sie bereits Kampferfahrung gesammelt haben und sie alle samt starke und tapfere Männer sind.
Auch die verbliebene Mannschaft, die sich durch Adarians Verschwinden nicht von der Reise abhalten ließ und sich bereits unten am Schiff gesammelt hat, ist hocherfreut, als die Marine zur Unterstützung anrückt. Alle kennen den guten Ruf der Soldaten aus der Festungsstadt Koslin und sie erhalten einen sichtlichen Moralschub durch ihre Anwesenheit. Einige Matrosen jubeln sogar, als sie die Marinesoldaten erblicken. Vor allem ist Admiral a.D. Wellenbrecher ein bekannter Mann in der Region von Perlheim und hat sich mit seinen vielen Siegen über das Seevolk einen ruhmvollen Namen gemacht. Einige der Matrosen haben es ihm sogar zu verdanken, dass sie in der Vergangenheit vor Seeräubern beschützt oder sogar gerettet wurden, als die Piraten ihre Schiffe oder Dörfer überfallen haben. Als strikter Bekämpfer der Piraterie gilt Admiral Wellenbrecher als geistiger Nachfolger des Admirals von Koslin und ist wie dieser als „Wächter der Küsten“ bekannt. Henk ist klar, dass ihm dem Admiral nicht im Geringsten gefallen wird, Kaltfisch als neuen Vorgesetzten zu bekommen, und er ist gespannt, wie sich die beiden arrangieren werden.
Iustus Rückkehr
Iustus wird von einem Boten bei den Helden angekündigt und von Oblocis Magus aus Valkenburg in das Magierlabor der Residenz teleportiert. Iustus erklärt, dass er eher abgereist sei und seine Arbeit einem alten Kollegen anvertraut habe, der früher mal sein eigener Lehrmeister war und welchem er voll und ganz vertraue, was die Arbeit an der Matrix betreffe, da er von den Leuten des Areteischen Ordens über Adarians „Verschwinden“ informiert wurde.
Iustus berichtet dann, dass in Valkenburg alles gut verlaufen sei, jedoch gäbe es einen seltsamen Vorfall, bei welchem jemand versucht habe, beim Orden einzubrechen und die Matrix zu entwenden. Der Dieb wäre zwar erwischt worden, habe aber fliehen können, und es gebe unterschiedliche Theorien, wer hinter diesem Angriff stecken könne:
- 1. die meisten gingen davon aus, dass es Graltik gewesen wäre, welcher, seitdem er den Kriegsrat wütend verlassen und nach Kratara zurückkehrt sei, um die Thyrner im Alleingang aus seiner Stadt zu vertreiben, nun seine Rache dafür nähme, weil er sich von Barthavion im Stich gelassen fühle.
- 2. Botschafter Consideratus, der ein Magus und damit Kollege von Iustus sei, habe einmal sehr subtil angedeutet, dass Botschafter Diffido des nachts einige seltsame Gespräche mit zwielichtigen Männern in der „Roten Erde“ abgehalten habe, und eventuell auch er dahinterstecke.
- 3. es könne sich natürlich auch um den dunklen Kult handeln, immerhin habe er inzwischen überall seine Finger mit im Spiel.
Die Sicherheitsvorkehrungen wären nach diesem Einbruch nun verstärkt worden und Großmeister Hilligenhain bürge nun persönlich für die Sicherheit des Artefaktes, solange bis die Magoi ihre Forschungen daran abgeschlossen haben.
Iustus erkundigt sich auch nach dem Fortschritt an dem Tauchboot und nach Ferolax Arbeit. Als er von den Helden erfährt, dass der Natator aeris repariert sei, schlägt er vor, so schnell wie möglich eine Probefahrt zu machen, um eventuelle Probleme noch rechtzeitig beheben zu können.
Probefahrt
Am späten Nachmittag unternehmen alle eine Probefahrt mit dem Natator aeris, entdecken ein seltsames Artefakt auf dem Meeresgrund und müssen vor einem Meeresungeheuer fliehen.
Episode 17: Einweihungen
11./12. Spealis 721 ThZ
Die Helden essen mit Kapitän Bollscheff und Henk muss sich bei seinen Freunden entschuldigen. Ein Feuer wird gelöscht und die Bibliothek wird eröffnet. Die Helden verbringen einen entspannten Nachmittag mit Derian und in der Nacht bekommen Octavia und Kenji Besuch von lange Abwesenden.
| 11. Spealis |
Henk holt Kaltfisch ab Henk holt Kaltfisch aus Perlheim ab und bringt ihn zur Villa des Aequus. Kaltfisch hat etwas ähnliches wie die Residenz bis jetzt weder gesehen, geschweige denn betreten und er scherzt darüber, ob hier der „König von Barthavion“ wohne und ob dies eines der „Zwergenhäuser“ sei, über die „alle Landratten“ so „herumprahlen“ würden. Als Henk ihn fragt, was er denn über Zwerge wisse, offenbart Kaltfisch, dass der Zwergenkönig „so ein fetter Typ“ sein solle, der in „irgendwelchen Tunneln“ lebe und den „Festländern befehle“, was sie zu tun hätten. Henk findet so viel Abwertung schwer zu ertragen, da Kaltfisch unterstellt, der Zwergenkönig sei bloß jemand, der sich aufspiele und sich wichtigtue, und da Zwerge für ihn auch bloß „Festländer“ sind, hat er anscheinend auch keinen Respekt vor dem alten Volk. Henk fällt auf, dass Kaltfischs Wissen über Barthavion äußerst begrenzt ist, er hat von Valkenburg schon mal gehört, weil ein Bekannter von ihm dort „son‘ paar reiche Schnösel“ ausgeraubt habe. Was Thyrner sind, weiß Kaltfisch nur am Rande, da für ihn alle Festländer gleich sind und er sich weder für deren Kriege oder sonstigen Probleme interessiert. Henk fällt auch auf, dass Kaltfisch auch fast keine geografischen Kenntnisse über Eboria hat und weder weiß, ob Barthavion ein Land, ein Kontinent oder was auch immer ist, oder ob sich Eboria in Barthavion befindet oder umgekehrt. Außer der Barthabucht scheint ihn auch nie etwas anderes interessiert zu haben und wenn man ihn über das „Festlandwissen“ aufklären will, interessiert es ihn auch nicht und entweder lenkt er dann ab oder hört desinteressiert weg.
Kaltfisch fragt Henk auch, ob es in der Residenz was zu holen gebe, und schlägt vor, dass er seine vollgestopften Taschen noch ausleeren könne, um in der Residenz was mitgehen zu lassen, und schlägt Henk vor, dass Gleiche zu tun. Immerhin seien die Leute, die dort wohnen, bestimmt so reich, dass sie vermutlich nicht alles brauchen werden, was sie besitzen. Henk macht ihm klar, dass er die Finger von den Sachen lassen soll, da Octavia die Besitzerin des Anwesend ist.
Henk bemerkt, dass Kaltfisch eine furchtbare Fahne hat und, da er immer betrunken ist, bewegt er sich wie ein wankendes Schiff fort und stolpert immer mal wieder über seine eigenen Füße. Henk weist ihn darauf hin und Kaltfisch erwidert, dass er den Alkohol brauche, um seine „kaputten Knochen zu betäuben“, die in den 20 Jahren Kerker fast „vergammelt“ wären.
Essen mit Kaltfisch
Als Henk Kaltfisch in der Villa seinen Freunden vorstellt, reißt sich dieser ein wenig zusammen und mustert die Anwesenden erstmal ganz genau. Er bedenkt jeden mit einem kurzen, beleidigenden Kommentar und lacht höhnisch, wenn sich jemand daran stört. Dann winkt er ab und beteuert, dass er doch nur Spaß mache und man ihn doch nicht so ernst nehmen solle.
Als ihm Kenji vorgestellt wird, will er wissen, was denn „so ein Kwestor“ sein solle und wer denn dieser „Mein Brühje“ wäre. Als er erfährt, dass es sich um den Gott der Gerechtigkeit und Wahrheit handle, nickt er verstehend und meint, dass dies der Gott sein müsse, der den „Festländern ihren Stock in den Arsch schiebt!“, also der „Gott der Duckmäuser und Schleimscheißer“. Dann kugelt er sich vor Lachen und beteuert, dass er doch nur scherze. Er empfiehlt Kenji noch, in Zukunft besser dem mächtigen „Doganon“ zu huldigen, da sein „Brühje-Gott“ draußen auf der „Bartha-Bucht nichts zu melden hätte“.
Als Kaltfisch erfährt, dass die Baiula Spei Octavia gehöre, lacht er sich kaputt und fragt, ob es bei Festländern normal wäre, dass „kleine Mädchen“ die Schiffe besitzen würden. Sie sei so „klein und schwach, dass die es doch keinen Tag auf einem Schiff aushält“. Dann fügt er mit einem dreckigen Lachen an, dass Henk sie doch mal abends in seiner Kajüte vorbeischicken solle, bevor sie „da draußen auf dem Meer draufgeht“, denn er wüsste da schon was, wie sie sich „Nützlich machen“ könne.
Dann stelle Henk den Phylax Iustus vor, welchen Kaltfisch nur mit offenem Mund anstarrt und ihn dann mit schrägem Kopf von oben bis unten mustert. Dann fragt er ihn besorgt, ob alles in Ordnung sei. Als Iustus dies bejaht, erkundigt sich Kaltfisch provokant, warum er dann „so steif wie ein Stockfisch in der Gegen herumsteht“ und lacht sich darüber kaputt. Schließlich haut er dem etwas verunsichert wirkenden Iustus mit seiner breiten und dreckigen Hand auf die Schulter und meint, dass er es ihm nicht übelnehmen solle, aber er würde so wirken, als ob er sich mal ein wenig „entspannen sollte“. Dann bietet Kaltfisch ihm an, „auf der gemeinsamen Seereise mal einen mit ihm zu trinken“. Iustus wendet sich höflich von Kaltfischs Berührung ab und lehnt sein Angebot ab, da er keinen Alkohol trinken würde, woraufhin er Henk einen vorwurfsvollen Blick zuwirft.
Augustus wird von Kaltfisch ebenfalls eine Zeit lang wortlos gemustert und dabei ein wenig herausfordernd angeblickt. Augustus wiederum blickt Kaltfisch währenddessen ruhig und unbeeindruckt in die Augen und lässt sich von diesem nicht einen Moment aus der Ruhe bringen. Kaltfisch bemerkt dies und scheint mit seiner Menschenkenntnis zu verstehen, dass Augustus es in seinem Leben schon mit viel schlimmeren Dingen zu tun hatte als mit einem alten, rüpelhaften Piratenkapitän. Deshalb halten sich seine Provokationen in Grenzen, da es ihm anscheinend noch schwerfällt, Augustus einzuschätzen. Kaltfisch spürt, dass dieser für sein Alter schon einiges erlebt hat und vermutlich eine dunkle Vergangenheit besitzt. Daher bringt er nur eine knappe, neutrale Begrüßung hervor und wirkt so, als ob er nach einem Spitznamen für ihn suchen würde, ihm aber noch kein passender eingefallen wäre.
Der zwergische Ingenieur Ferolax kommt ein wenig verspätet zum Essen und Kaltfisch fängt sofort hysterisch an zu lachen und meint, dass er einen „so kleinen und dicken Mann ja noch nie gesehen“ hätte. Dann fragt er, ob er „zur Unterhaltung gekommen“ sei und es „wäre doch ulkig, wenn er für alle tanzen“ würde. Ferolax zieht fragend die Augenbrauen hoch, während er den lachenden Piraten begutachtet. Dann blickt er zu den Helden und fragt, wer dieser „Spaßvogel“ sei. Als die Helden es nicht schaffen, den Piraten zur Räson zu rufen, tritt Ferolax ganz ruhig und ganz nah an Kaltfisch heran und blickt ihm tief in die Augen. Er sagt, dass er ihm die Beleidigung noch einmal verzeihen würde, aber es bis jetzt noch für niemanden gut ausgegangen sei, der es gewagt hätte, einen Zwerg ein zweites Mal zu beleidigen. Dabei geht er immer dichter an Kaltfisch heran, welcher nun in den Augen des Zwerges die Macht der alten Völker erahnen kann. Kaltfisch lacht versöhnlich und versichert Ferolax, dass er nur Spaß gemacht hätte und ihm auf der Seereise mal einen ausgeben wolle, um Freunde zu werden. Kaltfisch ist von Ferolax ziemlich eingeschüchtert, auch wenn dieser dies hinter seinem Lachen und Scherzen verstecken will.
Beim Essen stopft Kaltfisch sich einfach hemmungslos den Bauch voll und zieht alle Register des schlechten Benehmens. Er greift mit den Händen in die Schalen und lässt seinen Teller links liegen. Er schnäuzt neben den Tisch und, als er seine Schuhe unter dem Tisch auszieht, macht sich ein säuerlicher Geruch breit, der von Kaltfischs Füßen stammt. Der Pirat rülpst, furzt und scheint auch die Funktion von Gabel und Messer nicht zu kennen, sondern sieht nur ihren Wert und steckt sie ein.
Bei den Gesprächen über die anstehende Reise hört Kaltfisch gelangweilt zu und findet immer wieder einen dummen Spruch, um die seiner Meinung nach „bierernste und verklemmte Atmosphäre aufzulockern“. Er scheint nichts ernst zu nehmen, außer es geht um die Bartha-Bucht und den Nebelschlund, denn bei diesen Themen verwandelt er sich plötzlich in einen gönnerhaften und mysteriösen Experten, der sein eigenes Wissen anpreist wie ein Kaufmann. Kaltfisch bei der Mannschaft
Kaltfisch will nach dem Essen das Schiff sehen und seine neue Mannschaft kennenlernen. Als er die Baiula Spei dann erblickt, bekommt er einen Lachanfall, da ihm anscheinend jetzt erst bewusst wird, mit welchen Dimensionen er es zu tun hat.
Zuerst fragt er provokant, ob man die Flagge des Schiffes mit dem „albernen Schwan“ nicht austauschen könne, denn er fände das Symbol affig. Stattdessen schlägt er vor, ein blutiges Fischgerippe als Flaggentier zu wählen, da er unter dieser Flagge schon immer gesegelt wäre. Henk bemerkt schnell, dass Kaltfisch nur provozieren will, da es ihm eigentlich egal ist, welches Tier sich auf der Flagge befindet. Kaltfisch will von Henk wissen, wie das Schiff heiße, denn er kann nicht lesen. Als er erfährt, dass Baiula Spei übersetzt „Hoffnungsträger“ bedeutet, macht er sich darüber lustig und findet es eingebildet, sich einen so hochtrabenden Namen zu geben, denn Hoffnung wäre aus seiner Sicht nur etwas für „Memmen“.
Die Helden halten eine kurze Ansprache vor der Mannschaft und stellten Kaltfisch als Kaptiän Etril Bollscheff vor. Die Matrosen sehen ihn dabei zum ersten Mal und es kommt Getuschel auf. An ihren Gesichtern ist abzulesen, dass viele von ihrem neuen Kapitän geradezu entsetzt sind, sich aber nicht trauen, dies zu sagen.
Kaltfisch will noch wissen, wo der Alkohol gelagert würde, und verlangt von Henk, dass er ihm etwas besorgen solle. Dann sucht er sich seinen Platz auf dem Schiff und macht es sich schließlich in der Kapitänskajüte bequem, wo er beginnt, sich zu betrinken. Er teilt Henk mit, dass man ihm Bescheid sagen solle, wenn die Reise losgehe, denn solange wolle er sich schonmal ein wenig „vorbereiten“. Dann rülpst er lautstark und trinkt einen übertrieben großen Schluck vom Fusel. Kaltfisch tut anschließend nichts, um den anderen Männern zu helfen, sondern lungert herum, machte die Kajüte dreckig und beleidigt jeden, den er sieht.
Der Feuerelementar
In der Nacht meldet eine Wache Flammen unterhalb der Terrasse und Octavia und die anderen werden geweckt. Bei Betrachtung von oben lässt sich sagen, dass das Feuer an Größe zugelegt und sich sein Ausmaß über Nacht verdreifacht hat. Es lodert an der Klippe hoch und man kann die flimmernde Luft von der Terrasse aus erkennen. Iustus sagt, er müsse es sofort bannen, sonst bestünde eine Gefahr für das Anwesen, und drängt zum Aufbruch. Vorher müsse er noch Materialien aus seinem Zimmer holen. Gemeinsam eilen sie zum Strand, wo bereits Matrosen auf das Flammeninferno aufmerksam geworden sind. Im Beiboot können sich die Helden dem Feuer nähern, und Iustus erkennt, dass sich im Feuer ein Bewusstsein geweckt wurde und der relativ harmlose Mindergeist in einen gefährlichen Elementar transmutierte. Iustus betont an dieser Stelle, dass die Auswirkungen von Naturmagie, wie Geanisten und besonders Urformer sie wirken, immer unvorhersehbar und unberechenbar seien, was sich hier wieder einmal zeige.
Das Boot muss nahe zu den Flammen rudern, damit Iustus seine Bannung sprechen kann. Als sie sich dem Elementar nähern, gibt ein Teil der Klippenwand nach und stürzt ins Wasser. Dadurch werden große Wellen ausgelöst, welche das Boot durchschaukeln und fast zum Kentern bringen. Doch Iustus kann schließlich eine Bannung vornehmen und das Wesen entfernen.
| 12.Spealis |
Am Vormittag des nächsten Morgens herrscht großes Gerenne auf dem Anwesen und ein Karren nach dem anderen trifft ein und liefert die Speisen für die Feierlichkeiten. Die Dienstboten sind dadurch im Stress und erstmal von Adarians Tod abgelenkt. Das gesamte Anwesen wird mit frischen Blumengirlanden geschmückt und die Statuen von Bia und Spea werden mit goldenen Kränzen versehen. Das Anwesen wird geputzt und gesäubert und die Fassade gereinigt, so dass sie zur Eröffnung weiß erstrahlen kann. Auch einige Sturmschäden, die aus der Nacht stammen, in welcher Adarian verschwand, sind behoben worden. In der Küche herrscht reges Treiben und Elwene schimpft über die zwei verschwundenen Mägde, deren Arbeitskraft sie nun gut gebrauchen könnte.
Octavia bereitet sich mit Elwenes Hilfe auf den Tag vor und Henk und Kenji waschen sich und machen sich für den Empfang fertig.
Die Bibliothekseröffnung
Bevor die Türen der Bibliothek feierlich eröffnet werden, versammeln sich die Besucher im Atrium der Himmelgötter. Es sind sehr viele Gäste gekommen, so dass man bei der Menge nicht sofort sagen kann, wer alles erschienen ist. Obloci hat dafür gesorgt, dass ein Rednerpult aufgebaut wurde, und bittet Octavia einige Worte zur Begrüßung zu sprechen. Diese begrüßt die Gäste herzlich und heißt sie zur Neueröffnung der Bibliothek willkommen. Sie erinnert an ihren Vater, den Stifter der Bibliothek, und an die gute Zusammenarbeit der Thyrner und Perlheimer. Anschließend kündigt sie den neuen Botschafter als Verwalter der Bibliothek an und übergibt ihm das Wort. Auch Obloci hält seine Rede, in der er auf gute Beziehungen zu Perlheim baut und die Wichtigkeit von Bildung hervorhebt. Dann werden die Türen feierlich geöffnet, indem Octavia ein rotes Band vor den Toren der Bibliothek mit einer großen Schere durchschneidet, so dass die Gäste eintreten können.
Der Stadtrat ist vollständig anwesend und viele Adelige und gehobene Bürger aus Kronstadt und der Umgebung sind angereist, sowie mehrere Gelehrte und Arkanisten aus ganz Barthavion. Die meisten Gäste haben noch gute Erinnerungen an die Bibliothek oder haben hier sogar in ihrer Jugend studieren dürfen. Octavia bekommt häufiger zu hören, dass viele von ihnen Aequus einiges zu verdanken hätten und es sie auch persönlich rühre, dass diese Stätte des Wissens und des Austausches wieder für Suchende nach Weisheit und Erkenntnis zur Verfügung stehe. Die unzähligen Geschenke und Spenden, welcher für die Bibliothek mitgebracht wurden, nehmen Basin und Elwene in Empfang.
Die Gäste
Octavia und Obloci nehmen die Gäste in der Bibliothekshalle noch einmal persönlich in Empfang und müssen dabei viele Hände schütteln. So bekommen sie einen guten Überblick sehen, wer alles genau als Gast gekommen ist. Die gesamte Elite von Perlheim ist anwesend und sogar aus entfernteren Städten sind Repräsentanten angereist, um die Eröffnung zu feiern.
Talina und Jast sind ebenfalls gekommen und treten bei diesem öffentlichen Anlass zum ersten Mal als Paar auf. Sie beglückwünschen Octavia und Jast bittet sie nochmal darum, ein Auge auf Augustus zu behalten. Dieser sei zwar voller Reue und habe die Prüfung Alethons erfolgreich absolviert, jedoch brauche er noch viel Unterstützung, damit er in Krisenzeiten nicht wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt. Jast macht ihr nochmal bewusst, dass sich erst auf der anstehenden Reise und den dabei entstehenden Situationen zeigen werde, ob Augustus es tatsächlich geschafft habe, sich von seiner Vergangenheit zu lösen. Octavia solle deshalb niemals vergessen, dass die schrecklichen Taten, die er vollbrachte, einen Menschen für alle Zeiten verändern würden. Aber er hoffe darauf, dass sie es als Familie schaffen werden, wenn sie gegenseitig auf sich aufpassten.
Gespräche mit Derian
]]Im Laufe des Tages ergibt sich die Gelegenheit, mit Octavias altem Freund Derian zu sprechen. Dieser erklärt den Helden, dass er neben Octavias Eltern, Abraxa und Basin und Elwene als einziger Außenstehender von Octavias Magie gewusst habe. Es habe ihm früher sehr leid getan mit anzusehen, wie Octavia aus Angst vor Schäden durch ihre Magie nun fast kaum noch ihr Zimmer verlassen habe und er erleben musste, wie sie immer trübseliger deswegen geworden sei, obwohl sie immer so mutig und neugierig gewesen wäre. Als Dichter habe er sogar ein paar Zeilen über Octavia geschrieben, die er ihr jetzt vorträgt:
Ihr Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihr ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Dann erklärt er Octavia, dass er daher jetzt froh sei, dass sie endlich erleben dürfe, wonach sie sich immer gesehnt habe, denn sie habe oft davon geträumt, all die mysteriösen und mythischen Orte in Barthavion zu besichtigen, die sie aus den Büchern in der Bibliothek ihres Vaters kannte. Ihr sei stets bewusst gewesen, dass sie eines Tages heiraten, nach Thyrna gehen und Barthavion dann vermutlich nie wieder sehen würde. Doch diesen Gedanken habe sie sehr schade gefunden, da sie schon von Kindheit an eine besondere Bindung zu Barthavion besässen habe, da sie sich von den Geschichten über die Schwarzen Jahre, die Dämonen und all die Magie, die dort vorzufinden sei, schon immer sehr stark angezogen gefühlt habe.
Derian erinnert sich an eine Durchwanderung der Burgfestung, wo sich Octavia als besonders mutig erwiesen habe, denn sie traute sich auch in den „Letorsgang“ zu gehen. Durch diesen langen, schmalen Gang würden die zum Tode Verurteilten schon seit Bau der Festung aus ihren Zellen zum Hinrichtungsort gebracht. Ihre Ängste seien immer noch nachts im Gang zu spüren und man erzähle sich, dass die Geister der Verurteilten dort umgingen und die Lebenden wahnsinnig machten; ja sie sollen sogar schon jemanden mit sich in ihr Reich geholt haben. Augustus und Derian hätten einen großen Respekt davor gehabt und den Ort zur Mitternacht gemieden und nur Octavia habe sich ihren Ängsten gestellt und sich getraut, ihn nachts zu durchqueren.
Dann spricht Derian Octavias neuen Titel an, der wohl bedeute, dass sie jetzt nicht auf eine Heirat angewiesen sei, wie andere thyrnische Frauen. Derian beneide das sehr, da er sich noch unter dem Druck fühle, für einen Nachkommen zu sorgen, obwohl er nicht sehr viel Glück bei den Frauen hätte, wie Octavia wisse.
Derian erinnert sich noch, wie er kurz vor Octavias 14. Geburtstag einen Brief von Octavia erhalten habe, in welchem sie ihn bat, sie so schnell wie möglich zu treffen, ohne dass ihre Eltern davon etwas mitbekommen würden. Sie hätten sich in der Schwanenbucht verabredet, in welche sich Octavia nachts heimlich schlich und wo Derian auf sie wartete. Octavia sei ihm bereits weinend entgegen gekommen und habe davon berichtet, dass sie ein Gespräch zwischen ihrem Vater und ihrem Onkel Silvius belauscht habe, wo es um ihre Hochzeit gegangen sei. Sie habe erfahren, dass der in Frage kommende Mann im Alter ihres Großvaters sei und sie durch die Heirat nach Thyrna zurückkehren und Barthavion für immer verlassen müsse. Außerdem habe sie Derian von den Streitereien mit Silvius erzählt, bei denen es um Politik und Verschwörungen ginge, sie aber nicht genau verstehe, worum es sich handle. Octavia sei in dieser Nacht furchtbar aufgewühlt gewesen und, während sie bei Derian ihren Gefühlen freien Lauf gelassen habe, seien mehrmals sekundenschnelle Funken aus ihren Fingern geschossen, die zum Glück keinen weiteren Schaden anrichtet, Derian aber doch erschreckten hätten. Er habe Octavia damals beruhigen können, indem er sie in den Arm genommen und ihr gesagt habe, dass ihr Vater diese Hochzeit niemals zulassen würde, und wenn doch, dass sie sich dann bei ihm in der Festung in Köslin verstecken könne und Zuflucht erhalten würde.
Eine weitere Situation ist Derian noch gut im Gedächtnis. Als 14jährige habe Octavia die Nachricht erhalten, dass Augustus ein Duell mit einem Nemorer-Häuptling nur mit schweren Verletzungen überlebt habe. Die Botschaft habe Octavia derart besorgt, dass wieder die Magie mit ihr durchgegangen sei und sie fast die Feste von Koslin abgebrannt habe, als sie Derian davon erzählte.
Kenjis Gespräche
Talina sucht nochmal das Gespräch mit Kenji dankt ihm noch einmal, dass er sich durch das Ritual von ihr gelöst habe und sie nun frei für ein neues Leben sei. Sie erzählt ihm, dass sie nun endgültig mit Jast zusammengefunden und er sie gefragt habe, ob sie ihn heiraten wolle. Sie habe sein Angebot angenommen und wolle nun als Mutter in den höchsten Dienst treten, den man der Bia erweisen könne. Jast habe sich um das Amt des neuen Erzmystikers beworben und beide werden in der Stadt bleiben.
Talina wünscht Kenji noch, dass er eines Tages ebenso glücklich werde, wie sie es nun mit Jast sei. Deshalb möchte sie Kenji noch einen Rat geben, was Octavia betreffe. Aufgrund ihrer Menschenkenntnis und weiblichen Intuition spüre sie, dass Octavia mehr für Kenji zu empfinden scheint, als sie es sich selbst eingestehe. Er solle deshalb die Hoffnung nicht aufgeben, da es möglich sei, dass Octavia im Moment selbst noch nicht wisse, was für sie das Richtige sei. Aber wenn sie es eines Tages schaffe, ehrlich zu sich selbst zu sein, werde sie vielleicht auch erkennen, dass zwischen ihr und Kenji eine ganz besondere Art von Verbindung bestehe. Talina spüre auch, dass Bia dieser Beziehung dann ihren Segen geben und das viel Gutes aus dieser Verbindung erwachsen werde. Dann wünscht sie Kenji noch viel Glück für die Reise und erinnert ihn daran, dass sie und Jast jederzeit für die Helden bereitstehen und ihnen helfen würden, wann immer es möglich sei.
Odomir ist mit einem jungen Mystiker im Alter von maximal 5 Jahren gekommen und wendet sich mit einer Bitte an Kenji. Er fragt, ob dieser ihm die Kapelle des Pyrrhon überlassen könne, da er zu alt sei, um seine anstrengende Arbeit am Hafen zu verrichten. Außerdem fehle draußen auf den Heiden immer noch ein neuer Mystiker, der sich um die Probleme der Bauern kümmere, und diese Aufgabe würde er gern übernehmen. Dort draußen könne er auch seinen neuen Schüler Wilbur unterrichten, wie Pyrrhon es einst mit ihm getan habe. Kenji hat nichts dagegen einzuwenden und Odomir bedankt sich und verspricht, sich gut um die Kapelle zu kümmern und Pyrrhons Grab in Ehren zu halten.
Nach der Eröffnung
Am späten Nachmittag sind die meisten Gäste wieder fort und es kehrt Ruhe auf dem Anwesen ein. Basin meldet schließlich, dass einige Matrosen darum gebeten hätten, ob die Helden sie zu einem Gespräch empfangen könnten, doch dieses soll auf ihren ausdrücklichen Wunsch ohne Kapitän Bollscheff stattfinden. Die Helden stimmen zu und empfangen die Mitglieder der Besatzung.
Die Köchin Roana beklagt sich über das Benehmen von Bollscheff, da dieser ihr den Befehl gegeben habe, dass sie „entweder für ihn oder aber für die ganze Mannschaft ihre Beine breit machen soll“. Roana ist entsetzt und meint, dass man fast denken könne, der Kapitän sei ein dreckiger Pirat. Sie verlangt, dass man sie respektvoll behandeln solle, und die Helden versprechen ihr, darüber mit Bollscheff zu sprechen.
Auch die Marinesoldaten aus Koslin beschweren sich sehr höflich und dezent darüber, dass sie mit Bollscheffs Art nicht zurechtkämen und es nicht glauben können, dass dieser Typ nun ihr Vorgesetzter sein solle. Außerdem berichten sie davon, dass immer wieder Gegenstände an Deck verschwänden, nur um dann irgendwo anders aufzutauchen, und niemand könne sich erklären, wie das vor sich gehen könne, und sie äußern den Verdacht, dass es an Deck vielleicht spuke.
Grüße aus dem Jenseits
Mitten in der Nacht träumen alle den gleichen Traum: Sie sehen Noah, wie er in dem Wohnzimmer der Residenz steht und ihnen lächelnd zuwinkt. Er sagt: „Wir treffen uns hier!“ und dann wachen die Helden in ihren Betten auf und haben plötzlich alle das Bedürfnis, sofort im Wohnzimmer nachzusehen, und sie spüren, dass etwas im Haus vorgeht, was sie aber weder alarmiert oder besorgt macht. Im Wohnzimmer erblicken sie, wie Noah als durchsichtiger Geist auf einer Marmorliege im Wohnzimmer liegt. Als alle da sind, steht er auf und begrüßt seine Freunde.
Noah erklärt, dass er sehr traurig sei, da er Adarian nicht unter seinen Freunden sehe gehofft habe, dass dieser vielleicht doch noch „hier“ sei. Dann offenbart er ihnen, dass er vor kurzer Zeit erfahren habe, dass er Adarian ins Reich von Letor bringen solle, doch habe er seine Seele nirgendwo gefunden. Er könne deshalb weder sagen, ob Adarian noch lebe oder ob seine Seele sich „verlaufen“ habe, da er keine Totenweihe erhielt und seine sterblichen Überreste nie im Sinne der Götter bestattet worden seien. Aber es gäbe viele andere Gründe, warum eine Seele nicht ins Totenreich finde. Noah tröstet alle damit, dass er die Suche nach Adarian nicht aufgeben werde und dass es auch genauso gut sein könne, dass er überhaupt nicht tot sei. Genau wisse er es jedoch nicht. Noah erwähnt dann, dass er jedoch nicht wegen Adarian gekommen sei, sondern dass er einige Seelen mitgebracht habe, die mit ihnen reden wollen. Diese hätten nur eine sehr kurze Zeit, deshalb sollten die Helden ihnen gut zuhören und sie möglichst nicht unterbrechen. Dann hebt Noah die Hand und scheint jemanden zu rufen. Plötzlich erscheint ein gleißendes Licht mitten im Wohnzimmer, welches sich auf den Marmorboden hinabsenkt. Seine Intensität nimmt schließlich ab und alle erkennen schließlich, dass zwei durchsichtige Gestalten vor ihnen stehen. Es handelt sich um Octavias Vater Aequus und Pyrrhon. Die beiden lächeln die Helden an und es ist schwer für die Helden, nicht vor Ehrfurcht und Überraschung zu erstarren.
Als erstes tritt Aequus hervor und seine Erscheinung zeigt ihn wie kurz vor seinem Tod. Er wirkt stolz und stattlich und trägt seine weiße Ehrenuniform, welche er früher zu feierlichen und besonderen Anlässen getragen hat. Aequus dankt allen Helden dafür, dass sie die Wiedereröffnung der Bibliothek möglich gemacht und sein Lebenswerk - die Veröffentlichung um das Wissen über die Matrix des Trebius Moreus – abgeschlossen hätten. Er ist erfreut, da sie sogar noch viel mehr geleistet hätten, als er es jemals hätte tun können, und er verneigt sich tief vor den Helden, die es geschafft haben, den wahren Feind Eborias aufzudecken und sich diesem dunklen Kult nun tapfer in den Weg zu stellen. Er ist sich sicher, dass es möglich sei, diesen finsteren Feind zu besiegen, und wenn Thyrna und Barthavion sich weiterhin bemühten, ihren alten Hass zu vergessen, würden sie es mit vereinten Kräften schaffen, Eboria vor seinem Untergang zu bewahren.
Dann wendet sich Aequus an seinen Sohn Augustus und sieht diesen lange an. Augustus wirkt reumütig und so, als ob er sich schäme, worauf sein Vater klarstellt, dass er Augustus nicht vergeben könne, was er in den vergangenen Jahren getan habe, da dies letztendlich nur er selbst könne. Er wisse jedoch, wie aufrichtig sein Sohn inzwischen daran arbeitet, dass seine Waage wieder ins Gleichgewicht komme. und lässt Augustus wissen, dass er weiterhin fest daran glaube, dass er einen Weg finden werde, für seine Taten Buße zu tun, und er dann ehrenhaft in das Reich seiner Vorväter einziehen könne. Augustus salutiert daraufhin vor seinem Vater militärisch und voller Respekt und blickt ihn dankbar und schweigend an. Aequus erwidert diesen Gruß respektvoll und lächelt seinen Sohn vergebend und mild an, woraufhin eine gewisse Erlösung auf Augustus Gesichtszügen erkennbar ist.
Dann wendet sich Aequus an Octavia, richtet seine Worte an sie.
„Ich bin sehr stolz auf dich, meine kleine Tochter. Was du erreicht hast, hatte ich nicht zu hoffen gewagt, als das Ende mich überkam. Doch du hast meine Träume und Hoffnungen erfüllt und geschafft, was mir verwehrt blieb: Barthaver und Thyrner ziehen zur Rettung Eborias an einem Strang, indem sie die wahre Bedrohung durch die dunklen Kultisten, welche ihr aufgedeckt habt, bekämpfen. Endlich verstehe ich die tieferen Zusammenhänge der immer wiederkehrenden Unruhen in Barthavion, welche letztendlich den Untergang beider Parteien herbeigeführt haben. Du hast mein Lebenswerk zu einem Abschluss gebracht und mir damit meinen Frieden gegeben. Denn wo ich blind war, konntest du sehen, und hast die Intrige, welche unsere Familie zerstörte, offengelegt und ihren Drahtzieher Sabaoth Immortalis verfolgt und gerichtet. Du hast sogar deinen Bruder gerettet, welcher hoffnungslos im Netz von Silvius Lügen verstrickt war, und ihm dabei geholfen, wieder seinen Weg zurück zu finden. Nichts könnte mich stolzer machen, mein Liebling, denn du hast unsere Familie gerettet und den Dialog der Kulturen wiederaufleben lassen, wie ich es mir immer gewünscht habe. Folge weiter tugendhaft deinem Weg, denn die Götter haben großes mit dir und deinen Freunden vor.“
Dann grüßt Aequus seine Tochter Octavia ehrerbietend und nickt ihr aufmunternd und stolz zu.
Als nächstes tritt Pyrrhon hervor und wendet sich an Kenji. Er sieht genauso aus, wie kurz vor seinem Tod, seine Erscheinung wirkt jedoch gesünder und kräftiger als zu Lebzeiten. Pyrrhon blickt seinen Schüler freudig an und alle sehen den großen Stolz in seinen Augen. Er gesteht, dass er niemals gedacht hätte, dass Kenjis Schicksal von so großer Bedeutung sein würde, als Archorbar ihm damals dazu geraten habe, den kleinen fremdländischen Jungen bei sich aufzunehmen. Doch nun ergebe für ihn endlich alles einen Sinn und er habe nun die Gewissheit, dass er bei der Erziehung seines Schülers nicht versagt habe. Nachdem, was Kenji den Göttern und Eboria bereits an heldenhaften Diensten erwiesen habe, solle er nun auch endlich anfangen, auf sich und seine innere Stimme zu vertrauen, und die Zweifel, die ihn immer wieder plagen, ablegen, da er sie nicht mehr nötig habe. Erst dann könne er sich auch ganz dem Pfad des Greifens hingeben und die Wege der Schutzgötter verstehen lernen. Pyrrhon dankt ihm nochmal dafür, dass er sich immer noch an die Erfüllung der drei Bitten halte, die er ihm vor seinem Dahinschieden gestellt habe. Er hoffe, dass Kenji inzwischen verstehe, warum er ihn um diese gebeten habe. Pyrrhon betont, dass besonders die letzte noch nicht abgeschlossen sei und Kenji weiterhin nach den unsichtbaren Fäden suchen solle, die ihn in seinem Inneren hin- und herzögen. Wenn er es schaffe, ihnen zu folgen und ihren Ursprung zu ergründen, werde er endlich verstehen, wer sich hinter dem Fadengeflecht seiner Seele verstecke.
Noah entlässt dann die Geister in ein helles Licht und verabschiedet sich von den Helden.
Fortsetzung: Kampage 21: Die Fahrt der Baiula Spei
